ESC 2014 - One Wurst for Europe

Gleich zu Beginn: Den größten Glückwunsch von mir an Österreich und vor allem an Conchita Wurst und an alle Entscheidungsträger, die dafür gesorgt haben, dass sie heute Abend dort auf der internationalen Grand-Prix-Bühne stand und den Pokal nach Hause gebracht hat. Tolle, richtige und mutige Entscheidung. Denn, wie man ja allerorten sieht: Die Holzköpfe trommeln immer am lautesten. Aber deswegen haben sie nicht am rechtesten. Sie sind es nur.

Ich war, ehrlich gesagt, kein großer Fan von Conchita Wursts Song. Ein bisschen Bond-ig, ein bisschen Adele-ig und ich fand es auch ein wenig schnarchig. Allerdings, entscheidend ist aufm Platz und da hat sie voll überzeugt: Der Song war ihr noch mehr auf den Leib geschneidert als das Kleid und das sass schon wie eine Eins. Trotzdem hatte ich andere Favoriten an dem Abend. Wenig überraschend: Deutschland war nicht dabei. Deutsche Entscheidungen, an denen Raab nicht beteiligt ist, bestechen allerhöchstens noch durch totale Einfallslosigkeit. Ich möchte gar nicht an das Cascada-Debakel denken - wer jemals geglaubt hat, dass die irgendeine Chance gehabt hätte, mit ihrem ultradurchschnittlichen Dancepop, der Frau Mustermann als Punkerin wirken lässt, sollte sich nach wie vor um alles kümmern, nur bitte nichts mehr aus dem Themenkomplex “Musik” entscheiden. Elaiza, von den Zuschauern wenigstens zum Glück VOR Unheilig gewählt, sind auch ohne Chance nach Kopenhagen gereist. Dafür war das Lied viel zu vorhersehbar, die Performance viel zu sehr “angezogene Handbremse” und dieser Balkan-Pop-Trend war schon 2013 out. Man kann relativ froh sein, noch im hinteren Mittelfeld gelandet zu sein.

Wen mochte ich heute Abend?


[YouTubeDirektIsland]

Island war ein schöner Punkpop-Song. Ich hab da einfach eine Schwäche für. War aber relativ klar, dass die nix würden reissen können. Umso mehr mochte ich diese positive Attitude, die von denen ausging. Niedlich.


[YouTubeDirektRumänien]

Klar, Kirmestechno, ich mag das aber immer, wenn ich da von einer Idee überrascht werde, die ich zumindest originell finde. Hier ist das zum Beispiel diese Bassdrum, die manchmal jedes Wort betont. Und das wahnsinnig bescheuerte Kreisklavier ist natürlich auch der Hammer.


[YouTubeDirektPolen]

Die polnischen Buttermacherinnen. Das ist auf so vielen Ebenen so unheimlich bescheuert - ich kann das Null ernst nehmen, aber sehr lustig bis skuril finden. Ich glaube übrigens auch nicht, dass die das zu einhundert Prozent ernst gemeint haben. So weit auseinander können Ansichten mit einem direkten Nachbarn nicht driften.


[YouTubeDirektFrankreich]

Die Loser des Abends, die Franzosen. Aber ich fand das so gut! Das war Party, ein wenig bekloppt, gut tanzbar und Schnurrbärte halte ich für ein gutes Thema. Dem hab ich eindeutig mehr Chancen eingerechnet. Lag es am französisch? Oder hat ein ESC-Abend immer nur Platz für einen Freak? Wenn man es positiv sehen will: Ist doch schön, so ist die Liste aller Teilnehmer von Freaks eingerahmt. Auf dem ersten und dem letzten Platz. Tröstender Gedanke.


[YouTubeDirektItalien]

Italia! Dich find ich einfach immer gut, egal was du machst. Isso. (Die sah aber auch cool aus, heute, mit diesem Lorbeerkranz…)


[YouTubeDirektFinnland]

Woah, Finnland hat mich echt überrascht. Eine Band mit lauter jungen Jungs mit einer guten Rocknummer, die irgendwo zwischen Coldplay, Mando Diao und One Direction oszilliert (geil, den Begriff wollte ich schon immer mal irgendwo sinnvoll einsetzen…). Hat mir supergut gefallen, war sofort mein persönlicher Favorit - wenn ich ihm auch keine Riesenchancen zugetraut habe.


[YouTubeDirektSpanien]

Und schliesslich Spanien, dass mich mit seiner Powerballade gekriegt hat, weil man mich mit Powerballaden immer kriegt. Ich bin nämlich Powerballaden-Afficionado.

Alles in Allem war das diesmal ein wirklich schöner ESC. Das Zeichen, dass Europa mit seiner Auszeichnung von Conchita Wurst setzt, kommt an und tut gut.

Einen Kritikpunkt hab ich noch, aber den kann ja überlesen, wen es nicht betrifft:

Lieber Peter Urban,

seit so vielen Jahren moderierst du nun das ESC-Finale und ich liebe deine Stimme, deinen Witz und deine ironischen Bemerkungen. Eines meiner LIeblings-TV-Ereignisse war nicht das umgefallene Tor damals in Spanien, sondern deine Moderation des Grand Prix, bei dem Deutschland nicht “zugelassen” war, weil der Song zu schlecht war. Ich glaube, das war “Leon” oder so. In dem Jahr hast du dich mit deinen Kommentaren und Moderationen selbst übertroffen, kein Grand Prix war jemals witziger. Und damit kommen wir auch schon zum vermutlichen Knackpunkt:

Deine Begeisterung in allen Ehren, aber in den letzten Jahren scheint mir deine Deutschen-Brille schon etwas zu zwanghaft. Dein “Das hat sie wirklich nicht verdient” zu Cascadas letztem Platz war albern, weil sogar jeder Zuschauer wusste, dass sie es verdient hat, weil ihre Nominierung so komsich von den Plattenfirmen durchgedrückt wurde. Und dein heutiges bedauern, dass man von Österreich oder den Niederlanden keine Punkte bekommt, nur weil sie unsere Nachbarn sind - da könnte einem dann schon auch auffallen, dass das eigene Lied nicht so prickelnd ist. Klar, du sollst nicht die ganze Zeit selbstzerfleischend betonen, wie schlecht der eigene Beitrag ist, aber man darf ruhig auch mal analysieren, wann ein Lied eher langweilig ist. Oder eine Performance. Man muss nix automatisch gut finden. Das wirkt etwas krampfhaft und etwas sehr unauthentisch. Ansonsten, wie immer ein guter Job und das “FUCKING HELL!”, live übern Äther, das hat mir gefallen.

Davon abgesehen: Ich freu mich darauf, nächstes Jahr wieder einen Käseigel zu machen. Aber den pack ich dann ein und nehm ihn mit. Nach Wien. Da will ich nämlich dabei sein. Danke ESC!



Fahrradhelm verrecke! - Fraktus im Thalia

Ich war auf der Uraufführung von “Tonight:Fraktus” im Thalia Theater in Hamburg. Die Männer von Studio Braun haben ihre erfundenen Techno-Erfinder wieder aktiviert und erzählen in diesem Stück nun, wie es nach dem Film weitergeht. Irgendwie.

Schauplatz ist dabei ein Konzert der Band, die zu Beginn noch gar nicht da ist (und deren Ankunft sich immer weiter verschiebt, was ein Bühnenarbeiter durch immer gruseliger werdende Wasserstandsmeldungen in regelmässigen Abständen verkündet). Auf der Bühne finden sich allerlei prototypische (Live-)Musikmitarbeiter, vom Alt-68er über den selbstverliebten Nix-Könner-Schwaben, der natürlich eine leitende Position hat, bis hin zur ultrahysterischen und -nervösen Managerin der Band. Erzählt, vorgestellt und zusammengehalten wird dieses Sammelsurium an Nervbacken von Roadie Dennis. Dennis ist schüchtern, der Arsch für alles (”Wenn du etwas anfängst, ist das als würden zwei was fallen lassen…!”), aber als Nerd auch ein ebenso guter Beobachter und deswegen die beste Wahl, um dem Publikum in kurzen Freeze-Momenten die Protagonisten vorzustellen. Da gibt es die Körner-Schwestern, zweieiige Zwillinge, die zwar die Background-Sängerinnen von Fraktus sind, aber bei diesem Gig ihre große Chance als Vorband bekommen sollen, mit ihrem Postpunk-Electro-Lärm-Act “Thrill”, den sie immer ganz niedlich “Trill” aussprechen.

Und in diesem Chaos ist es dann irgendwann endlich so weit: Die Band ist da. Fraktus. Mit neuen Songs, neuer Show und extrem originellem neuen Merch, getoppt von der Premiere eines Fraktus-Computerspiels. Das folgende Konzert endet mit der Hymne “Friends sind Freunde, Freunde sind Friends” und lässt erahnen: Die Erfinder der elektronischen Musik haben gerade erst wieder damit angefangen, anzufangen. Fraktus forever. Oder so.

Erstmal dieses: Ich bin kein Theater-Typ. Das mag nachlässig sein oder doof oder sonstwas, aber Theater und ich, uns verbindet keine langjährige Freundschaft. Ich hab auch immer mal wieder gute oder interessante Inszenierungen gesehen, so ist es ja nicht, aber ich hab auch ganz oft langweiligen Quatsch gesehen und irgendwie ist das einfach nicht mein Medium. Zumindest nicht als Zuschauer. Gespielt hab ich Theater ja schon in jungen Jahren und ich weiß, wie viel Spaß das machen kann und was das für ein besonderes Gefühl ist. Das mal vorweg, nicht dass man mir mangelnde Vergleiche mit ähnlichen Inszenierungen vorwirft oder so. Ich hab keine Ahnung.

Vielleicht war das bei der Premiere auch von Vorteil, denn ich hab mich noch seltener im Theater so lauthals kaputt gelacht, wie in “Tonight: Fraktus!”. Die ganzen Klischees, die da munter über die Bühne tanzen, sind so bescheuert überdreht und scheinen sich einen Wettlauf zu liefern, wer noch bekloppter rüberkommt. Man schämt sich für keinen Kalauer, kein Gag - und sei er auch noch so platt - wird liegengelassen, man ist sich für nix fies, wie man in Köln so schön sagt. Dabei war es ein ganz wundervoller Einfall, Dennis zum Zentrum des Geschehens zu machen. Jörg Pohl spielt den Bühnenarbeiter so herrlich uneitel und unbeteiligt: Der perfekte Vertreter für den Zuschauer. Man hat das Gefühl, Dennis ist der einzig normale Mensch in dem Zirkus, er stünde im Auge eines Hurrikans aus Stuss und Kokolores.

Irgendwann gibt es aber Momente, in denen kippt diese Muppet Show, Momente in denen es ganz kurz ernst wird. Wenn die Körner Schwestern aus ihrem Randalesong “Jeder gegen Jeden” plötzlich in eine ganz rührende Ballade abdriften, zu der Mel Körner dann auch noch Geige spielt - dann verstummt das Theater. Oder wenn Dennis sehr spät in der zweiten Hälfte ein flammendes Plädoyer gegen Fahrradhelme als Symbol der modernen Verspiessung in den Saal spittet, dann braust Applaus auf, nicht von allen, aber von allen die kapiert haben, was er meint. Ein wenig scheint sich das Stück dieser wahrhaften Momente zu schämen oder unsicher zu sein, denn sie werden schnell wieder weggewischt oder besser noch: weggegagt. Aber das ist voll okay. Wir sind hier ja nicht im Drama, wir sind hier in der Komödie und manche bringen das comic relief eben gerne schnell. Man könnte sich fast dazu hinreissen lassen zu behaupten, die deepen Momente klängen so noch viel stärker nach. Naja. Man kann es auch übertreiben. Einigen wir uns auf: Es schadet ihnen nicht besonders, dass sie schnell vorbei sind.

Aber: Es schadet dem Stück selber, dass es so schnell vorbei ist. Das Ende kommt relativ abrupt und wirkt schnell hingeschrieben - das wäre mein wirklicher Kritikpunkt an der Geschichte. Die Hauptfigur Dennis wird hier ein wenig verheizt und meines Erachtens nicht ausreichend “gewürdigt”. Vielleicht ist das so gewollt, ich hätte mir ein größeres Finale-Gefühl gewünscht, wenigstens einen Song für Dennis. Das, was ich da gestern sah, wirkt so lieblos und passt in diesem Gefühl leider gar nicht zum Rest des Stücks. Doof, vor allem wenn es das Ende betrifft, denn das ist ja erstmal der letzte Eindruck, mit dem man rausgeht.

Vergessen wir das Ende. Erfreuen wir uns an dem ganzen Rest: 90 Minuten wunderbares Entertainment, das angenehm clever eine herrliche Albernheit zelebriert und somit perfekt den Geist des Films weiteratmet. Mediensprung wunderbar gelungen. Ich freue mich dann mal auf die Fraktus-TV-Show oder so.

Oh Oh Oheeo!



Rundum

Lieber Matussek, lieber Pirinçci, lieber Broder, liebe Lewatschoff(Name falsch geschrieben, verbessert, danke @Jigedi!) Lewitscharoff, lieber Sarazzin und alle anderen ähnlichen Krawallschwestern und Radaubrüder, die gerade versuchen ihre Bücher zu verkaufen,

ich hasse euch.

Ich hab mir lange überlegt, ob ich dieses Wort benutzen soll. “Hass”. Nutze ich eigentlich nie. Ja, klar: Man sagt mal “Ich hasse Spargel!” oder “Ich hasse aufräumen” oder so, aber das man irgendwelche anderen Menschen einfach so hasst? Käme mir nie in den Sinn. Deswegen erschrecke ich auch immer, falls mir das dann mal rausrutscht. Ich will gar keinen hassen. Hass ist so derbe brutal, schon als Verb, ich will das nicht. Der Klang schon. Hass. Da schlägt vorne eine Faust und hinten zischt noch eine Schlange. Ich finde, dass ist ein tolles Wort, denn es klingt wirklich genau so hart und schlimm, wie es auch inhaltlich ist.

Nun, wenn man diese Empfindungen und Überlegungen dem zu Grunde legt, was ich eingangs schrieb, dann muss es schon verdammt ernst sein. Und das ist es, meiner Meinung nach auch. Es reicht jetzt. Ironie, Sarkasmus und Zynismus haben in der Auseinandersetzung mit euch versagt (auch wenn ihr sie nach wie vor munter anwendet), gutes Zureden und der Versuch, in aller Ruhe zu erklären, warum ihr irrt, kommt bei euch gar nicht mehr an, weil der Tinnitus auf euren beiden rechten Ohren schon so ausgeprägt ist, dass nur noch die besonders schrillen und lauten Töne überhaupt eine Chance haben, bis zu eurem Hirn durchzudringen. Man kann euch nicht mehr zur Vernunft bringen, ihr habt alle Seile gekappt. Ihr wollt keinen Diskurs mehr, weil das immer bedeuten würde, die Bereitschaft zu haben, die eigene Meinung zu überdenken. Aber die habt ihr schon lange nicht mehr. Eurer Meinung nach wurde viel zu viel geredet und geredet. Ihr wollt jetzt Aktion. Schluss mit der Laberei, endlich anpacken! Und was macht ihr? Genau. Ihr schreibt ein Buch. Ihr labert rum. Ihr Witzfiguren.

Es geht euch nicht um die Sache. Sarazzin bereitet der herbeiphantasierte “Tugend-Terror” keine schlaflosen Nächte, Pirinçcis Seelenheil hängt nicht davon ab, dass wir wissen, wie er Deutschland findet. Ihr wollt verkaufen. Ihr wollt eure Bücher verkaufen und ihr habt gelernt, dass man am meisten Bücher los wird, wenn man kläfft. Wenn man Ressentiments bedient. Wenn man sich so laut wie möglich artikuliert. Die Leute kaufen euer Buch. Auch wenn sie es nicht lesen, der Kauf allein wird zum Statement, zum Zeichen der Haltung. So wie mir mal ein Typ auf seinem Handy zeigte, dass er da gerade “Deutschland schafft sich ab” liest, weil er abchecken wollte, wie ich drauf reagiere (und als ich gelassen meinte, dass das Buch scheisse sei, musste er gleich ein: “Ich finde, der sagt wahre Sachen…” hinterher schieben…). Eure Bücher sind Trophäen und das wisst ihr. Und wisst ihr was das ist? Schäbig.

Ihr zündelt nicht, ihr giesst Benzin über das ganze Land und zündet das mit einem Flammenwerfer an. Für die paar Euro und das bisschen Applaus aus der Ecke derer, die gar nichts mehr haben und deswegen die Schuld bei allen anderen suchen. Das ist gefährlich, das ist fahrlässig und das ist gemein. Ihr spaltet, nichts an euch ist konstruktiv, ihr schreibt literarische Baseballknüppel, die auf den Köpfen derer landen, die sich bemühen alle Seiten zu vereinen oder wenigstens zum Dialog miteinander zu bringen. Ihr wollt Hass säen und Hass ernten. Das ist keine Wut, denn Wut weiß immer auch, dass sie subjektiv ist - ihr haltet euch aber für Beobachter. Das ist auch keine Verzweiflung, denn zum verzweifeln geht es euch viel zu gut in euren gated Communities, in euren Filterblasen. Das ist kalkulierter Hass. Das ist Talkshowanbiederung. Ihr wollt keine Lösung anbieten, ihr wollt nur “das Kind beim Namen nennen”, um dann bei Will, Plasberg und Illner zu landen. Und euch wie Aufklärer fühlen. Ihr wollt alles kaputt machen, damit ihr die nächste Tankfüllung eures SUV zahlen könnt.

Mir ist da jetzt jede Etikette, jedes Benehmen (diese zwei Begriffe kennt ihr nicht, kann euch aber sicher mal beizeiten jemand erklären) total egal. Ihr seid jetzt meine Feinde. Ich kann mit Feinden leben, mich kann nicht jeder lieben. Auch wenn ich das unangenehm finde, auch wenn ich Harmoniesüchtig bin. Anscheinend gibt es Menschen, die Frieden bewusst ablehnen, weil sie damit nichts verdienen können: Waffenfabrikanten und Das-wird-man-ja-wohl-noch-sagen-dürfen-Buchautoren. Eure Bücher und Texte sind Tretminen und damit habt ihr mich als erklärten Gegner. Profit aus dem Leid anderer schlagen ist so ziemlich das erbärmlichste, was man sich leisten kann. Ihr seid inhaltliche und moralische Nullen.

Ich weiß, ein Text wie dieser belustigt euch (wenn ihr ihn überhaupt lest). Und das hat mich bislang auch davon abgehalten, so etwas zu schreiben. Aber ich scheisse auf euren Zynismus. Ich bin viel größer als ihr. Mein Herz kann zum Glück lieben. Und das strahlt eure Geschäftsgrundlage “Hass” kaputt, auch in dieser Welt, auch zu diesen Zeiten.

Deswegen, an dieser Stelle, etwas in eurem Jargon, in eurer Deutlichkeit, in eurer Sprache:

Fickt euch. Hart. Niemand braucht euch.



Fischer, Fischer, der Pop ist kaputt!

Achtung: Der folgende Text ist relativ zusammenhanglos und vielleicht auch hier und da ein bisschen unfair hart gegenüber einigen Acts. Er ist aber vor allem gnadenlos subjektiv und aus einer Art Notwehr heraus geschrieben. Da haut man schon mal um sich. Mea culpa.

Hier der Text von mir eingelesen.

Es war Echo und meine ganze Facebook-Timeline platzt vor Helene Fischer Postings. Von “war doof” über “gar nicht mal so schlimm” und “Hahaha, super Endgag” bis “Fischer macht nen super Job!” war alles dabei.

Mein Verhältnis zu Helene Fischer war bislang so: Ach, naja, würd ich mir nie holen, aber ist doch lustig. Ist doch eigentlich wie Britney, nur auf deutsch. Und ich war früher ein großer Britney Spears Afficionado. Und das Phänomen, dass die jetzt auch ausserhalb eines Schlager-Kontexts stattfindet, fand ich auch faszinierend. Und spannend.

Aber, vielleicht auch ausgelöst durch eine Diskussion, die ich gestern auf meiner Timeline hatte, in der mir ein Freund, der großer Sex Pistols Fan war, erklärt hat, wie grotesk lächerlich ihm Kate Bush damals vorgekommen ist, als sie ihre ersten Songs veröffentlichte, plötzlich stand ich da und dachte: Moment mal. Hier läuft irgendwas ganz falsch. Vor noch gar nicht allzu langer Zeit wurden “Künstler” wie Fischer ausgelacht. Sogar von irgendwelchen Dance Acts. Und jetzt ist diese Art Musik, dieser Schlager, plötzlich Konsens-Pop? Auf einmal sträubt man sich nicht mehr dagegen, zu einem Lied aus den “Mit den Schuhen kommst du hier aber nicht rein, Freundchen!”-Läden dieser Welt mitzuwippen? Die Freundin von Florian Silbereisen ist ein fuckin Popstar?

Wie, verdammt nochmal, konnte es so weit kommen. Warum gibt es nicht mehr “die” und “uns”? Als ich vor ca. 10 Jahren zum letzten Mal auf dem Echo war und Andrea Berg einen Preis bekommen hat, war die ganze Halle so: Hä? Wer ist das denn? Und jetzt machen alle Selfies mit Helene Fischer. Es ist ein Alptraum. Die Musik der Spiesser hat gewonnen. Wie konnte es nur so weit kommen?

Nun, es gibt viele Gründe. Die Toten Hosen zum Beispiel machen seit Jahren Lieder, die so auch Wolle Petri im Programm haben könnte. Die ganzen “Schmusebarden”, also einsame Männer mit Akkustikgitarren, die mit brüchiger Stimme ihren ganzen Exen hinterher jammern, haben deutschsprachigen Pop total aufgeweicht. Beliebiger gemacht. Empfänglicher für simple Schlüsselreize. Dazu noch die Plattenfirmenkrise, die nicht etwa dafür sorgte, Produkte kundenfreundlicher zu machen, sondern sich auf den Markt zu konzentrieren, auf dem noch gekauft wurde und wird: Der Schlager. Und den Markt so groß wie möglich zu machen. Da freut sich auch Onkel Bohlen und pumpt sein DSDS mit Schlager voll, auf das ein neuer Markt entstehe, den man schnell abgrasen kann. Dann lässt man wehrlose, alte Männer noch irgendetwas covern, was nicht zu ihnen passt und auf einmal wird alles umgedreht. War es in den 90ern noch ein Akt himmelschreiender Ironie, wenn eine Band einen alten Schlager nachspielte (zum Beispiel Creme 21 mit “Wann wirds mal wieder richtig Sommer?” oder Dieter Thomas Kuhn mit “Über den Wolken”), bei dem man sich so stark zuzwinkerte, dass Augenkliniken mehrere Augenhöhlenbrüche behandeln mussten, so ist es jetzt genau umgekehrt: Heino singt die Ärzte nach und alle denken, es sei “kultig”.

Mann, ich bin so sauer. Ich bin sauer, dass ich mich auch hab einlullen lassen. Das ich denen auf den Leim gegangen bin. Helene Fischer ist Schlagersängerin, Herrgott nochmal. Alles tutsi-tutsi, heile Welt. Mei, was ein schönes Paar, die Helene und der Flori.

BUÄH! Ich muss kotzen! Das ist verkaufsoptimierter Dreck. Es gibt keine Musik, die so sehr auf verkaufen ausgelegt ist, wie Schlager. An dieser Musik ist überhaupt nichts mehr echt, da findet keine Leidenschaft mehr statt, da geht es nicht mal mehr um Musik. Jeder scheiss Mitte-Elektro-Laptop-Frickler hat mehr Seele und Liebe in seinen nicht-enden-wollenden “Songs”, als die gesamte deutsche Schlagerszene zusammen. Abgewichste Musikerdarsteller, die Abends an der Hotelbar bei einem Pils und einer Kippe sitzen und erzählen, dass sie eigentlich Rockmusiker werden wollten und das Herz eines Rockers haben. Musik machen wie zur Stechuhr gehen. Als Job. Und alle finden ja eigentlich AC/DC toll.

Bäh, ich muss mich richtig schütteln. Pop ist kaputt. Und ihr Schlagerspackos habt ihn auf dem Gewissen. Der Wendler ist nicht Kult oder doch, der Wendler ist total “Kult”, weil mit “Kult” werden ja auch nur noch Dinge beschrieben wie Toilettenpapier mit Witzen drauf bei Nanu-Nana oder Schnaps in Flaschen, die wie Zündkerzen aussehen. Das Prinzip Merkel hat es in die deutsche Musikbranche geschafft. Eigentlich logisch nach so vielen Jahren rumregieren. Man faltet die Hände und lächelt sich so durch. Bloss niemanden aufregen, es soll ja keiner merken, dass von einem nicht viel kommt oder das bei dem, was da so kommt, nicht viel hintersteckt. Helene Merkel. CDU ist Pop. Andrea Nahles ist Pop. GroKo ist PopKo.

Der Test: Man stelle Helene Fischer neben irgendeine xbeliebige Künstlerin und vergleiche. Ist egal neben wen: Lady Gaga, Katy Perry, Britney Spears, younameit. Immer ist Fischer sofort der Bauerntölpel. Das poppige Nichts. Die deutsche Sängerin. Bieder bis zum Anschlag, substanzlos wie eine Rede von Thilo Sarazzin. Für den Eurovision Song Contest wählen die Deutschen zwischen Unheilig und einer Newcomer-Band mit einem Lied, bei dem der deutsche zu Hause so richtig schön auf die Eins klatschen kann. Ach, wir schicken die zu einem internationalen Wettbewerb? Ist doch egal! Wenn wir keine Punkte kriegen, dann sind halt wieder irgendwelche Absprachen schuld. Die Escada vom letzten Jahr hätte doch mindestens Erste werden müssen, mit ihrem Staub-Disco-Pop. Das war Schiebung!

Vergiss es, Zynismus oder Ironie hilft uns auch nicht weiter. Deutscher Pop ist tot. Vereinzelte Heldentaten, wie zum Beispiel Marteria, helfen uns da auch nicht mehr raus. Ich hab keine Ahnung, wie man das Ruder wieder rumreissen kann. Wenn Freunde moderne Schlager plötzlich gar nicht mehr so schlimm finden, dann erinnert sie daran, dass sie es doch sind. Das eine Helene Fischer auch nur ein G.G.Anderson in blond ist. Das uns allen der Wolf im Pop-Pelz untergemogelt wurde. Schlager ist der Schrebergarten des Pop und wird uns gerade als Hofgarten verkauft. Stop damit! Hört auf! Ihr könnt keine Petition gegen Lanz unterschreiben, aber “Atemlos” auf dem mp3-Player haben. Menschen unter 18 Jahren sollten nicht einmal wissen, wer Helene Fischer überhaupt ist! Denkt doch mal an die Jugend! Deren Pop soll vor allem eins: Uns nerven.

Kennt ihr den Film “Sie leben”? Wo einer mit so einer Spezial-Sonnenbrille sieht, dass die Welt von Aliens unter Kontrolle gebracht wurde, weil sie auf jeder Leinwand, in jedem Fernseher sublime Botschaften aussenden, die man nur mit eben jener Brille sieht? Und die Leute sind alle unter ihrem Bann, während der Typ versucht, alle “aufzuwecken”?


[YouTubeDirektUntendrunter]

So fühl ich mich gerade. Helft mir! Lasst uns alle aufwecken! Lasst uns Pop zurückerobern! Lasst uns Songs schreiben, Videos drehen, iTunes-Chart-Manipulationsflashmobs machen.

Vielleicht gründe ich eine neue Religion, in der es nur um die Rettung von Musik geht. Und dann steh ich morgen klingelnd vor eurer Tür. Und wenn ihr aufmacht, sag ich nur:

“Hallo. Ich möchte mit ihnen über Pop reden.”



Meine liebste Vorspeise

Ich hab noch nie an einer “Blogparade” teilgenommen, glaube ich. Ich verstehe auch immer noch nicht so richtig, was das überhaupt sein soll und so. Aber es geht ums Lieblingsessen und ich finde, ich habe mich noch nicht ausreichend als Foodblogger auf meinem Blog positioniert. Ausserdem hat mich die liebe Futterqueen, wir folgen uns glaube ich schon seit Ewigkeiten auf Twitter, gefragt, ob ich nicht mitmachen mag und da dachte ich: Ja, ich mag. So, here we go:

Wenn man mich nach meinem Lieblingsessen fragt, kann ich vermutlich eine quadrillion Gerichte aufzählen. Das eine Lieblingsessen gibt es eben nicht, ich finde ganz viele Gerichte unfassbar toll. Und kann mich immer nur schlecht entscheiden, was ich denn essen will, wenn ich was essen will. Deswegen esse ich ganz oft, wenn ich alleine bin, doofe Sachen, weil ich so lange damit verbracht habe zu überlegen, was ich esse, dass ich gar keine Geduld mehr hab, lange auf etwas zu warten, weil beim ganzen hin- und herüberlegen mein Hunger und Appetit in unmessbare Höhen geschnellt sind. Dann gilt es nur noch satt zu werden. Fast food oder so. Eigentlich vollkommen bescheuert.

Wenn ich mich nur von Vorspeisen ernähren müsste, würde das vielleicht viel besser funktionieren. Da ist meine Favoriten-Verteilung doch eindeutiger und kleiner. Und über allen möglichen Vorspeisen trohnt mein absoluter Favorit, meine Mother of all Vorspeisen, mein vorspeisiges Shangri-La, meine Vorspeise um alle zu knechten, mein…na, ich denke es ist klar was ich meine. Eben mein Lieblingsessen. Und es ist:

Vitello Tonnato.

Das sind (falls das jemand nicht kennt) hauchdünne, gebratene in Weißwein gegarte Kalbfleischscheiben mit einer Thunfsich-Kapern-Sauce. Mehr ist das im Grunde genommen nicht. Aber das ist ein Gericht, so bald ich irgendwo bin, wo das auf der Karte steht, muss ich das sofort bestellen. Keine Ahnung warum, das ist so ein komischer Zwang. Vielleicht weil ich das perfekte VT suche. Und deswegen jedes probiere, dass ich in die Finger kriege. Ich hab schon fantastische Versionen dieses Gerichts weltweit gegessen und muss sagen, dass die Ausfall-Quote, also die Vitellos, die richtig daneben gegangen sind, wunderbar gering ist. Es kommen vielleicht zwei Schlechte auf fünf Gute, würde ich sagen. Das ist erfreulich.

Das Gericht findet sich auch längst nicht auf jeder Karte. Ebenfalls ein Grund, es jedes Mal zu essen, wenn man die Gelegenheit dazu bekommt. Ich hab es auch noch nie selbst gemacht, obwohl ich ja gerne koche, vor allem leckere Dinge, aber da trau ich mich irgendwie nicht. Sollen es doch die anderen verkacken, ich nicht! Man muss auch nicht alles selber kochen. Es muss einfach ein paar Dinge geben, die man machen lässt.

Das zarte Kalbsfleisch in dieser sämigen, salzigen Creme, die so herrlich fischig schmeckt und durch die Kapern noch diese ultrastarke Zitronennote kriegt, die sich mit dem milden Fleischgeschmack zu einem großen Ganzen ergänzen: Mir läuft schon bei der Vorstellung das Wasser ganz schrecklich im Mund zusammen. Ich bin sowieso immer wieder erstaunt, wie genau sich Geschmäcker in Lieblingsgerichten zu einem Erlebnis kombinieren und versuche das irgendwie nachzuvollziehen. Aber bei Vitello Tonnato ist mir das ebenso rätselhaft wie bewusst. Und wenn ich am Ende den Teller noch mit Brot “saubermache”, dann bin ich glücklich. Ich glaube, dass meiste Glück hab ich sowieso der italienischen Küche zu verdanken. Lustigerweise habe ich Vitello nie so richtig damit in Verbindung gebracht, keine Ahnung warum. Ich finde, viele italinische Gerichte haben eine Art gemeinsamen “Stamm”, das VT fällt da immer aus der Reihe. Eventuell ist es mir auch deswegen so sympathisch.

Ich achte in letzter Zeit viel mehr auf meine Ernährung, fange an, auch durch meine Tochter, öfters vegetarisch zu essen. Ich war nie der größte Fleischesser, aber ab und zu mochte ich das. Ein tolles Schnitzel oder ein fresher Burger. Super. Langsam aber sicher, baue ich das ab. Ich überlege sogar schon, Attila Hildmans Vegan-Challenge mal auszuprobieren. Warum denn nicht? Schaden kann es sowieso nichts. Mir sind die Tiere dabei ehrlich gesagt gar nicht so wichtig, ich bin nicht so der Tierschützer-Chabo oder der riesen Tierliebhaber (nie ein Haustier gehabt). Aber das aller-aller-aller-meiste Fleisch, dass wir essen, ist nunmal ziemlicher Dreck, da muss man sich gar nix vormachen. Ist halt so.

Worauf ich aber hinaus will, ist: Wo auch immer meine Ernährungswege mich hinbringen werden: Ich werde mir nachwievor kein einziges Vitello Tonnato entgehen lassen, dass mir vorgesetzt wird. Bis ich das perfekteste der Welt gefunden habe. Ich sag euch dann auch gerne, wo das war. Mampf!



Zwischenfrage

Ist nicht die Tatsache, dass der Mensch von sich aus gelernt hat, künstlich zu befruchten, auch ein weiterer Evolutionsschritt und somit “natürlich” und wiederum somit “von Gott gewollt”?



+++ LIVE-TICKER zu Bokelbergs Beobachtung des Hoeneß-Prozess +++

10:40 Uhr
Immer noch kein Interesse an dem Jahrtausend-Prozess um Hoeneß. Wir halten sie auf dem laufenden.

10:35 Uhr
Bokelberg macht noch keine Anstalten, sich für den Prozess zu interessieren.

10:24 Uhr
Bokelberg öffnet Spiegel Online.

10:11 Uhr
Bokelberg hustet. Sollte dies ein wirklich schlimmer Husten sein?

09:46 Uhr
Bokelberg macht einen ersten Email-Check. Er lächelt. Ist das Taktik?

09:27 Uhr
Ein Tee, Himbeer-Vanille. Vielleicht ein Hilferuf.

08:50 Uhr
Der Hals schmerzt ein wenig. Hustenbefürchtungen des Vorabends scheinen sich zu bestätigen.

08:32 Uhr
Bokelberg wacht in seinem eigenen Bett auf.



Ein Anrufer bei Domian

Ich gucke/höre nahezu jeden Abend Domian vor dem einschlafen. Gestern Abend hat ein Zuhörer seine Geschichte erzählt (und wurde etwas gehetzt, weil er am Ende dran kam und nicht mehr viel Zeit hatte).

Der Anrufer erzählt, wie er sich geoutet hat und warum er das bereut. Er lebte schon seit einiger Zeit in einer Hetero-Ehe, war aber heimlich schwul, mit langjährigem Partner und so. Seine Eltern dachten immer, es handele sich bei dem Mann an der Seite ihres Sohnes um einen “Kumpel”. Nun sind die Eltern und der Sohn mit seinem Freund eines Abends ausgegangen. Erst zum essen, dann noch in irgendeinen Club, dort in Düsseldorf. Der schwule Sohn ergriff die Gelegenheit, auf eine zugegeben etwas bizarre Art und Weise: Er lieh sich das Mikro vom DJ und outete sich vor der versammelten Disco. Laut ihm waren circa 40-50 Leute da. Er erzählte wohl irgendwas über Romantik ins Mikro eben mit der Konklusio schwul zu sein.

Seine konservativen Eltern nahmen es überraschenderweise total positiv auf. Die ganze Gruppe lag sich in den Armen, freute sich und drückte sich. Und auch der ganze Laden war wohl sehr gerührt und applaudierte und johlte und war happy. Der soeben Geoutete ging erleichterten Herzens auf Toilette. Da stand er am Pissoir, Gesicht zur Wand.

Als sein Kopf plötzlich von hinten gegen die Wand geschlagen wurde. Und er sich einem totalen Gewaltausbruch gegenüber sah, von Leuten, die er nicht kannte. Die ihn verprügelten. Und so Sachen dabei sagten wie: “Wir brauchen hier keine Schwuchteln!”. Nach mehreren Wochen kam der Anrufer gestern aus dem Krankenhaus.

Nur um mal ach-so-wichtige Aussagen wie “Ich bin homophob und das ist auch gut so” und ihre Wirkung einzuordnen.



Der Beirat der Musikindustrie - der Song

Der Echo, der nationale Musikpreis, hat jetzt einen externen Beirat. Diese, vom Echo-Veranstalter ernannte, “Experten”-Kommission, bestehend aus sieben weißen Männern (wenn irgendwo eine Quote vonnöten ist, dann ja wohl dringend in der Musikindustrie) soll Fälle klären, die zu Diskussionen führen oder führen könnten. Wir erinnern uns alle an das vergangene Jahr und die Nominierung und dann, nach breiten Protesten seitens der Künstler, wieder Ent-nominierung von brei.mild. Solch ein PR-Desaster für den Echo möchte man nun proaktiv vermeiden. Und hat deswegen eben jenen Beirat gegründet, der die Fälle unabhängig (hahaha) bewertet. Und der hat auch gleich seinen ersten Job, denn schrei.bild stehen natürlich wieder vor der Tür, diesmal mit einem unplugged-Album oder so, welches sich natürlich auch wieder dutzendfach verkauft hat, an irgendeine sich missverstanden-wähnende Masse. Und wenn es etwas gibt, was den Bundesverband der Musikindustrie aufhorchen lässt, dann ist es der liebliche Klang eines “Ka-Ching”. Und bei wem es ganz oft ka-chingt, den haben die dann natürlich ganz doll lieb. Und haben deswegen den Beirat entscheiden lassen, dass wir alle dieses Jahr drei.grillt auch ganz dolle lieb haben. Nicht das die sich in irgendeiner Weise innerhalb der letzten 12 Monate geändert hätten, im Gegenteil. Der Echo-Ausschluss von vor einem Jahr wird denen sogar ganz Recht gewesen sein, konnte man sich doch nur noch mehr als armes Opfer der von denen sogenannten “Mainstream-Medien” gerieren. Das mögen die Fans. Wir gegen alle, niemand versteht uns. Da muss die Band sich dieses Jahr etwas Neues einfallen lassen.

Aber, da der Beirat des Industrieverbands der Musikindustrie ja beschlossen hat, dass wir jetzt alle zwei.gilt-Fans sind, möchte ich helfen. Ich habe der Band (und dem heiligen Beirat) einen Song geschrieben, der sicher der nächste Hit für sie und ihre Fans wird:

Hier der Text, zum mitlesen und mitsingen:

Ihr habt uns nicht verstanden,
das war schon immer so.
Uns war das stets egal.
Doch dann kam der Echo.

Mit euren dummen Lügen
und viel zu engen Hosen,
habt ihr uns von der Preis-
Verleihung ausgeschlosen.

Wir dachten dieses Jahr,
lädt uns keiner mehr ein.
Denn alle deutschen Bands,
ausser uns, sind voll Gemein. (Und Lügner! Und die Mainstreamlügenpresse auch!)

Doch der Echo selbst
wollte uns unbedingt!
Und hatte ne Idee,
damit das jetzt gelingt!

Wir gründen einen Beirat!
Gegen eure Lügen!
Wir gründen einen Beirat!
Das sollte euch genügen!
Wir gründen einen Beirat!
Und dann haltet ihr die Fresse!
Ihr werdet uns nicht stoppen!
Wir werden nicht vergesse (das “n” ist stumm)!

Wir lieben den Beirat,
der Beirat macht uns stolz.
Das sind keine Lügner,
die sind aus unserm Holz.

Zum Glück sitzen im Beirat,
keine Wesen mit zwei Brüsten.
Weil die mit Sicherheit,
nichts beizufügen wüssten.

Die machen doch nur Ärger,
genau wie diese Bands,
die nicht mit uns spielen wollen.
Wo bleibt da die Toleränz?

Nein, nein, in unserm Beirat,
sagen Männer wie es läuft.
Und wer das kritisiert,
muss halt zusehen wo er säuft (auf jeden Fall nicht auf der Echo-Aftershow-Party)!

Wir gründen einen Beirat!
Gegen eure Lügen!
Wir gründen einen Beirat!
Das sollte euch genügen!
Wir verkünden eine Heirat!
Das ist der schönste Tag im Leben!
Die Onkelz und wir,
werden uns das Ja-Wort geben.

Wir fahren heut nach Beirut!
Da soll es ja sehr schön sein!
Wir brauchen noch ein Dreirad!
Jetzt wirds schon wieder gemein.
Wir machen jeden Brei fad!
Wir gehen heut ins Freibad!
Wir hassen jeden der,
einen Papagei hat!
Malst du Bilder mit Schwertern,
dann ist das Samurai-Art!
Verdoppelst du dein Haarspray,
dann besitzt du zwei Gard!
Boxt du gegen einen Fisch,
merkst du schnell: Oh, ist der Hai hart!
Lügenpresse, Lügenbands, Gutmenschen!
Hass! Hass! Hass!



Offene Tabs 6

- Was zum Teufel ist nur mit der Welt los?
Ich steh Null auf so Sensations-Nachrichten oder das posten von Fällen, in denen sich Menschen als die kaputten Lebewesen präsentieren, die sie leider allzu oft sind. Aber dieser Fall: Ein Mädchen wird von einer Gruppe totgeprüpgelt, weil sie denen aus Versehen ins Bild läuft. Gott im Himmel. Da ist ja “Mir gefällt deine Nase nicht” ein noch nachvollziehbareres Argument. Aber so ist das mit Menschen, die sich morgens vor Clubs prügeln: Die suchen die nichtigsten Anlässe. Ich finde so was unfassbar gruselig.

- Ein anderes, ein normales Bild
Was zwischen all solchen Sensationsmeldungen, wie der obigen, ja immer untergeht (und das ist einer der Gründe, warum ich die eigentlich vermeide), ist Alltag. Wir kennen viel zu selten den Alltag anderen Menschen. Das rückt so vieles wieder ins Lot. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich in fremden Ländern am liebsten zu allererst in den Supermarkt gehe. Nirgends kommt man schneller einem Land näher als dort. Sehr beeindruckend deswegen diese Bilderstrecke aus dem Iran, die den Trott, die langeweile, das abhängen zeigt, die sich gar nicht so sehr von uns unterscheiden. Ich finde das nicht sonderlich überraschend, klar, warum sollte da alles anders sein? Aber ich liebe so was.

- Unendliche Kerze?
Vielleicht sind hier Wachs-Experten oder so, aber von diesem Modell ausgehend: Kann ich die eine Kerze dann für immer und immer benutzen? Ich kapiers einfach nicht. Schlimmer Gehinrknoten!

- Me, myself and I
Ich hab bei einer Sendung mitgemacht, “Mr.Dicks” auf einsfestival, an der teilzunehmen so frei ist, dass ich es immer noch nicht so ganz kapiert habe. Man kriegt ein Thema und dann soll man einfach mal machen. Mein Thema war “ego” und ich hab dann versucht, ein kleines Filmchen zu machen. Und so sah das Ergebnins aus.

- Missy Elliott läuft sich warm…
Missy will zurück, aber nur wenns knallt. Und ich sag: Bitte! Ja! Komm zurück! WE NEED YOU!

[YahooDirektRapTratschTV]

- Homoschreck Matussek
Mir ist es ein bisschen fad geworden, mich über Matuzeck aufzuregen, weil der das ja will und ich bin so ungern Hampelmann eines Hampelmanns. Ausserdem finde ich selten die richtigen Worte. Wie gut, dass MIchalis Pantelouris das dafür so oft tut und in diesem Text genüsslich den “Ich bin doch kein Homohasser!”-Homohasser Matussek zerpflückt. Das ist ähnlich wie Laas unltd Drob Dynamic bei Rap am Mittwoch auseinandergenommen hat. Danach bleibt halt nix mehr übrig.

- Hamburg schafft sich ab
Habt ihr die Happy-Version von Hamburg gesehen? Gut, man kann sich vorzüglich darüber streiten, ob jetzt wirklich jedes Stadt ein Video zu dem Pharell-Song braucht, weil origineller wirds wirklich nicht (Freund und Kollege Micky Beisenherz vergleicht die Videos schon mit Bubble Tea-Shops und liegt damit ja nun wirklich nicht sooooo falsch), aber gehen wir einfach mal davon aus, dass jede Stadt so ein Video haben sollte. Was war dann nur in Hamburg los?!?!?


[YouTubeDirektJahrhundertHochwasserWarNixDagegen]

Im Video ist nichts vom Kiez zu sehen, kein Pauli, keine Schanze, kein Altona, nicht eine coole Person und kein Fußball, stattdessen irgendeine Hamburger American Football-Mannschaft (wtf?) und Cartsen Spengemann (WTF?), der, dass muss ich leider sagen, die schlimmstanzusehende Performance vermeintlichen “Tanzes” abliefert, die ich jemals gesehen hab. Hamburg, was da los? DAS lasst ihr euch gefallen? SO lasst ihr euch unwidersprochen representen? Da muss ja wohl innerhalb von 72 Stunden eine neue, ECHTE Hamburg-Version her, um euch aus der Unterjochung dieses schmierigen Möchtegernclips zu befreien! Hamburg, coole Sau, TU WAS!!!!