OK GO sind wieder da!

Eine der Bands, die ich nach Weezer liebe, sind OK Go. Ich find es eigentlich ein bisschen unfair, dass man immer nur über deren Videos spricht und nie über diese schönen, mitunter schrägen kleinen Indie-Pop-Kompositionen, die ich mir auch auf dem Kopfhörer bei der Fahrt durch die Stadt liebend gerne anhöre. So wie den neuen Song “The Writings on the Wall” auch, gefällt mir auf Anhieb mit seiner leichten Cure-Stimmung und dem typischen OK Go Sound. Aber, zugegeben: Das Video ist auch wieder einsame Spitze, so wie es eben nur diese Kunststudenten hinbekommen:


[YouTubeDirektOptischerFreakout]



Moderatoren und Publikum

Ich mach den Job jetzt, mehr oder weniger erfolgreich, aber immer leidenschaftlich gern, seit zwanzig Jahren. Ich hab viel gesehen und viel verstanden. Klar, es hat mich nie zu 100% ausgefüllt, deswegen hab ich immer 27 Dinge gleichzeitig gemacht, aber moderieren ist meine Kernkompetenz, würde ich sagen. Das ist wirklich dass einzige, was ich von der berühmten Pike auf gelernt hab. Und es ist ein großer Spaß. Klar, ich bin jetzt nicht der begehrteste Moderator unter der Sonne, aber ich bin glücklich, dass ich so etwas cooles wie die ShortCuts jetzt schon seit über einem Jahr machen darf und dass ich so eine coole Redaktion dabei habe. Überhaupt: Ich glaube ich hatte das besondere Glück, niemals mit blöden Redakteuren oder Regisseuren oder sonstigen Teammitgliedern gestraft zu sein, sondern, im Gegenteil, immer mit Menschen, mit denen ich mich gegenseitig inspirierte, mit denen ich eine Sprache sprach und mit denen mich vor allem der Humor verband. Ich finde, man kann sich sehr glücklich schätzen, auf so eine Bilanz zurückzublicken. Vielleicht hatte ich keinen (großen) Erfolg, aber ich hatte (sehr großen) Spaß.

Dieser Job hat auch ein enorm hohes Frustpotential. Klar, Moderator kann sich jeder nennen und wer zwei Sätze geradeaus sprechen kann, wird gerne vor eine Kamera gezerrt. Meiner Meinung nach noch schlimmer als bei den Schauspielern (und die tun mir schon Leid), ist das Berufsbild des Moderators ganz schön zusammengestaucht worden. “Hier, sag mal was!”, scheint der Test zu sein, ob jemand für gewisse Formate reicht oder nicht. Andere Moderatoren haben in den Jahren ganz viel Leidenschaft verloren und sind immer angepasster geworden, um auch mal irgendeine Gala moderieren zu können. Früher bei VIVA hatte man irgendwann das Gefühl, nach Heike wollen alle nur Moderatoren werden, um schon mal im Fernsehen zu sein, dann aber so schnell wie möglich ins Schauspiel. Andere haben sich total bewusst vom moderieren losgesagt, was ich zum Beispiel im Fall von Christian Ulmen (wir sind befreundet, nur zur Klarstellung) unendlich schade finde und fand und für einen Verlust des deutschen Moderationsfernsehens halte (tatsächlich gibt es bei “joiz” gerade aber einen jungen Typen, der mich ein wenig an alte “MTV Most Wanted”-Zeiten erinnert, der macht da irgendwie die News…ich hoffe diesen Vergleich nimmt mir jetzt keiner Übel, aber da ist eine gewisse Ähnlichkeit…).

Wie dem auch sei: Manche nutzen es als Durchgangsstation, andere machen es gerne, wieder andere interessiert es nur am Rande und dann gibt es noch die Fischverkäufer, die muss man nicht wirklich mit dazu zählen. So Anrufquiz-Moderatoren und so.

Und natürlich die Showgiganten. Gottschalk, Jauch, Raab, meinetwegen noch Kerkeling (wieso hat er sich seine Schlagerplatte nicht von einem begeisterten Musiker produzieren lassen? Ein Jammer! Aber das nur am Rande…) und natürlich Schöneberger. Wenn zum Beispiel Gottschalk nochmal richtig Hunger kriegen würde und Jauch auch - hach, wie schön das wäre. Es ist eine Illusion, ich weiß, aber man wird ja wohl noch träumen dürfen. Ich glaube auch noch an Großes von Joko und Klaas, auch wenn es in letzter Zeit so wirkt, als verlöre Klaas mehr die Lust am moderieren als Joko. Das kann aber auch nur ein momentanes Formtief sein.

Ein Moderator spielt gerne mit seinem Publikum. Dabei ist es fast egal, ob es anwesend ist, oder nicht. Im Studio, wenn man mit der Kamera spricht, spricht man immer auch mit ganz vielen gleichzeitig. Man ruft einfach etwas heraus und hofft auf das Echo. Im Fernsehen kriegt man kaum eins. Im Radio auch nicht. Im Internet natürlich schon, aber da kann man ja auch die Hälfte immer mindestens von wegschmeissen. Aber auch das spielt keine Rolle. Gottschalk konnte jahrelang seinen Schuh bei Wetten dass durchziehen, weil er die Show für die Zuschauer moderierte und nicht für die Kritiker. Die fanden es eh immer blöd, das war egal. Man moderiert immer für den, bei dem es ankommt. Das ist die Essenz.

Ich führe gerne Interviews, bei denen ich nicht den ganzen Promoschmuh abklappern muss, sondern über Dinge sprechen kann, die mir gerade einfallen. Aber nicht zwanghaft. Eher hab ich gerne ein freundliches Gespräch, bei dem wir viel gelacht haben, als eine Info-Abfrage, die sich sowieso jeder selbst in 3 Sekunden ergooglen kann. Damals, als ich “Stoke”, die Fun-Sportshow im DSF gemacht habe, war das ganz oft so: Ich sass dann da auf Hawaii mit einer Gruppe internationaler Pro-Surfer und hab denen erzählt, dass ich gar nicht schwimmen kann. Das war für die dass 8. Weltwunder und somit auch der Inhalt im Interview. Aber um ein wie vieles besser man die dabei kennengelernt hat, wie viel persönlicher die wurden. Das war obergut. Und ich hab sie dann im Bowling oder Minigolf herausgefordert, damit ich wenigstens eine Chance habe. Ich hab immer verloren.

Moderieren ist ein Beruf, den man mit Leidenschaft machen muss. Klar, man kann auch ein Arbeiter sein, der einfach alles wegmoderiert und hat damit vermutlich sogar viel mehr Erfolg, als jemand wie ich, aber ich kann einfach nicht anders. Ich bin ein Überzeugungstäter. Übrigens, nur um mal ein Klischee aus der Welt zu schaffen: Kai Pflaume mit hundertprozentiger Sicherheit auch. Einer der angenehmsten Kollegen, immer aufmerksam interessiert. Nur falls jemand irrtümlich gedacht haben mag, ich hätte ihn gemeint.

Nach diesen biographischen Zeilen versuche ich nun die Kurve zu kriegen, warum ich das alles überhaupt aufgeschrieben habe:

Die Wege des Moderators, um den es gehen soll, und mir, haben sich zweimal wirklich gekreuzt. Als ich meine Band, Fritten und Bier, hatte, waren wir in seine Show eingeladen. Die Redaktion fragte uns, was wir für ein Instrumente-Setup bräuchten und wir haben uns zwei Umhängekeyboards hinstellen lassen. Nicht, dass in “Afrika” ein Keyboard groß im Einsatz gewesen wäre, geschweige denn zwei, aber wir fanden das irrsinnig witzig, damit so Modern Talking mässig aufzutreten und ganz schlechtes Playback zu machen. Gut, ich glaube es war am ehesten für uns witzig, aber soooooo schlimm war es auch nicht. Man konnte schon sehen, dass wir Spaß hatten. Dem Moderator der Show, gefiel das nicht so. Ist ja auch Geschmackssache. Allerdings hat er seinen Diss gegen uns erst in die Kamera gesagt, als wir nicht mehr im Studio waren. Hm. Ich habs dann später bei der Ausstrahlung gesehen und mich über so eine unsouveräne Aktion gewundert. Aber was solls. Die Show gab es auch nicht mehr lange, die war irgendwie komisch.

Ungefähr 15 Jahre später begegneten wir uns wieder, auf einem Boot. Einem Boot, auf das ich als Gesprächsgast eingeladen war. Dieses Boot war eine Werbeaktion eines Kräuterschnapses und für ein paar Tage lang, wurde von dort aus eine Art “Piratensender” (natürlich genehmigt und alles) veranstaltet. Ich kam an und lernte als erstes den Moderator kennen. Er sagte mir, er würde eigentlich gar nicht moderieren, er wäre hier auch zuerst nur als Gast gewesen, aber der “künstlerische Leiter” des Boots habe ihn sofort als Moderator eingestellt, nach dem Interview und deswegen sei er jetzt erstmal hier. Fand ich eine megagute Aktion, ehrlich. Und der Typ hat auch super moderiert, keine Frage. Und dann kam der “künstlerische Leiter” aus der Kajüte: Der Moderator der Show von vor vielen Jahren. Ich bin kein nachtragender Mensch, hab mich fast ein bisschen gefreut, ein bekanntes Gesicht wiederzusehen und begrüßte ihn. Er grüßte mich auch, auf eine Art, die er wohl irgendwie “konnte”, so mit nicht in die Augen gucken und sofort über berufliches zu sprechen und so. Aber okay. Mein Gott. Jeder wie er kann.

Nach diesem Nachmittag hab ich ihn noch kurz mal so auf der Strasse gesehen, aber ein gegenseitiges annicken, war da unsere einzige Interaktion.

Und dann wurde irgendwann dieses Video von irgendwelchen Piraten auf Twitter geteilt und das hab ich mir angehört. Und konnte nicht fassen, was für einen Schmonz ich mir da anhören musste. Was war denn mit dem Typen passiert? Was erzählt der denn da? Was für einen Quatsch über den 11.September lässt Ken Jebsen da bitte vom Stapel?

Dann ging alles ganz schnell: Durch seinen Beef mit Broder und einer wahnsinnig absurd-bescheuerten Mail verlor er seinen Job bei Radio Fritz und ging dann komplett ins Internet, wo er plötzlich gar keine Schlussredaktion mehr hatte (UPDATE: Die hatte er bei FRITZ auch nicht, wie mir via Twitter gesagt wurde….) und wo er alles frei heraus pumpen konnte, was er wollte. Ehrlich gesagt habe ich gedacht, damit hätte sich der Spuk erledigt. Aber weit gefehlt: Der Rauswurf, die Zwangs-Selbstständigkeit haben ihn nur noch mehr angetrieben. Angetrieben weiter zu machen, mehr Menschen um sich zu scharen, immer lauter und bedrohlicher zu werden, damit ihm immer mehr zuhören. Und der Plan ging total auf: Jebsen setzt sich auf alle Themen, die als guter Aufreger taugen, vermischt es mit ein bisschen “die da oben - wir hier unten”-Rhetorik und dem alten Richard “Keiner von da oben” Pryor-Trick, in dem er sagt: “Folgt mir nicht, ich will nicht das ihr mir folgt, ihr sollt nur eurem Herzen folgen….” etc. Das hat ja auch schon bei Beppe Grillo und den Cinque Stelle in Italien funktioniert, warum also nicht auch hier? Und es funktioniert: Ken FM Fans saugen jedes Wort von ihm auf. Wenn er auf einer Demo spricht, dann die meiste Zeit in die Kamera, die er selber mitgebracht hat, weil man es dann danach besser auswerten kann. Anhänger als Kulisse. Und die Fans klicken und klicken und klicken.

Und Ken FM? Tut das, was er immer machen wollte: Moderieren. Moderieren vor einem Publikum, das an seinen Lippen klebt. Das ihm jeden Wunsch von den Augen abliest. Das ihn wie einen Messias feiert. Das seine Werke auch in der Zweit- und vermutlich auch noch Dritt-Verwertung feiert. Er hat gerackert und er hat endlich sein Publikum gefunden. Er kann jetzt moderieren, was er will, wie er will, er findet immer Gehör und so gut wie keinen Widerspruch. Den kann man ignorieren, aussen vor lassen. Ken und seine Fanbase bleiben gerne unter sich, alle anderen haben Unrecht und kritisieren kann man sie schon mal gar nicht, denn sie sind ja für den Frieden. Clever. Am Ende hat er gewonnen, gegen die, die ihn rausgeschmissen haben. Gegen die, die ihn ignoriert haben. Er hat es bewiesen: Er hat doch Zuhörer. Er ist ein guter erfolgreicher Moderator.

Jeder Moderator sucht sein Publikum. Manche finden es schnell, andere nie. Scheint so als hätte Jebsen, aus Moderatorensicht, alles richtig gemacht. Er beginnt seine Reden gerne mit dem schicken Satz: “Mein Name ist Ken Jebsen und meine Zielgruppe ist immer noch der Mensch.” Dabei vergisst er anscheinend immer den Nebensatz: “…der mir zustimmen will.”.



Ich setz mich wieder hin.

Zunächst einmal:

Ich bin müde.
Ich bin aufrichtigen Herzens!

Dann aber auch:

Du bist müde.
Du bist aufrichtigen Herzens!

So steht es auf der ersten Seite meines absoluten Lieblingsbuches ever, “Ein herzzerreißendes Werk von umwerfender Genialität.” von meinem Schriftstellergott Dave Eggers.

Und ja, verdammt, es stimmt. Ich bin müde. Ich kann nicht mehr. Meine Energie ist aufgebraucht.

Die letzten Monate haben eigentlich nur noch daraus bestanden, sich vor den Kopf zu hauen. Wegen Politikern, die Journalistinnen anzubaggern für eine Zwinker-Zwinker-Tätigkeit halten. Wegen Schriftstellern, die plötzlich Hassschreiber werden oder Politiker, die ebenfalls merken, dass am rechten Rand der Gesellschaft noch eine schnelle Mark zu machen ist. Wegen einem Prozess, von dem man wusste, dass er sich ziehen würde wie nix Gutes und der dafür erschreckend wenig konkretes zu Tage bringt - obwohl klar ist mit wessen Geistes Kind man es zu tun hat. Wegen Parteien, die in ihren Reihen alles zulassen, nur um stärker zu werden und bei Kritik sich sofort halbherzig distanzieren. Wegen Menschen, die sich beleidigen lassen müssen, weil sie irgendjemanden lieben. Wegen öffentlichen Diskursen, die nicht mehr ohne Lügen oder “Wahrheitsdehnungen” stattfinden können. Wegen viel zu vielen Waffen-Im- und Exporten. Wegen Machthabern, die alles tun, um ihren Status zu zementieren, blind und unsensibel für ihr Handeln. Wegen Kriegstreibern. Wegen Aggressoren, die behaupten, sie täten alles im Interesse des Friedens und dabei dieses wundervolle Wort, diese tolle Sache, nur als Feigenblatt nutzen, um ihre bescheuerten Interessen zu artikulieren.

Heute sah ich einen Bericht über die Montagsdemos. Las ein bisschen auf den Seiten, auf denen sich die Demonstranten treffen. Las auf den Seiten ihrer Kritiker. Schaute mir Videos beider Seiten an. Las Texte beider Seiten. Und irgendwann war der Punkt da, da hab ich einfach alle Tabs geschlossen. Ich wollte diese Diskussion nicht mehr mitverfolgen. Ich hab einfach gemerkt: Ich bin am Limit angekommen. Ich kann mir keine Scheisse mehr durchlesen, kann meiner Faszination für mir fremd erscheinende Meinungen nicht mehr erliegen. Der Speicher ist voll.

Das Netz ist ein wundervoller Ort, weil ich mit ein paar Klicks alles erreichen kann. Ich kann auch versuchen, Dinge zu verstehen, die ich nicht verstehe. Versuche zu kapieren, warum Sichtweisen, die mir auf einer Welt, auf der wir alle zusammen leben (wollen), zwingend logisch erscheinen, von Anderen total negiert werden. Manchmal hatte ich vielleicht das Gefühl, diese Menschen zu verstehen. Diese Menschen die hetzen, die spalten, die brüllen oder extra schnell quasseln, um schlauer zu wirken. Manchmal hatte ich das Gefühl, ich verstehe, was sie antreibt (ohne es teilen zu müssen). Aber dann bemerke ich, dass da nichts stattfindet. Kein Denkprozess. Keine Reflektion. Es gibt diese eine Wut und die wird von denen befeuert, die Menschen brauchen, die ihnen zustimmen. Die Motive können mannigfaltig sein. Von Kohle bis Fame dürfte da alles vertreten sein.

Aber ab heute interessiert mich das nicht mehr. Darf mich nicht mehr interessieren. Denn ich bin nicht mehr aufnahmefähig für Ignoranz. Ich kann mich nicht mehr mit Dummheit beschäftigen. Die Schüssel ist voll. Ich muss mich davon fern halten, denn es belastet mich. Ich sah diesen Beitrag und hab überlegt, dort einmal hinzugehen, um mit den Menschen zu sprechen, mir ihre Version anzuhören. Aber sie haben sich entschieden, dort zu sein. Sie wurden nicht gezwungen. Sie gehen dort hin um zu zeigen: Ich unterstütze diese Idee total. Und das ist halt nicht zu erklären. Ich kann da nicht meine Energie verbrauchen.

Deswegen, liebe Gegner, habt ihr es geschafft. Ihr habt mich mit eurer medialen Dauerpräsenz zermürbt. Ihr dürft jetzt machen, was ihr wollt. Fahrt fort. Macht diese Welt zu dem beschissenen Ort, den ihr unbedingt haben wollt. In dem sich alle hassen, sich niemand mehr über den Weg traut und mein Nachbar angeblich immer nur meine Äpfel will, selbst wenn er eine Apfelplantage hat. Ich werde mich nicht mehr wehren. Baut den ganzen Tempelhof mit euren beschissenen Townhouses zu, damit ihr nach der Politik noch tolle Pöstchen in der Baubranche kriegt. Schwafelt was von Sozialwohnungen, um dann nachher mit “Sachzwängen” nur drei bezahlbare anbieten zu können. Vom deutschen Wähler ist weder Ärger, noch Widerstand zu erwarten. Der grummelt mal, schreibt einen wütenden Kommentar auf eure Facebookfanseite und geht dann wieder arbeiten. Oder er schreibt diesen Blogeintrag und gibt dann einfach auf. Deswegen musste ich jetzt auch den Header ändern. Ihr habt das schöne Wort “Weltfrieden” missbraucht und ausgesaugt und mit eurem menschenfeindlichen Kack aufgefüllt. Ich möchte auf keinen Fall mit euren Motiven verwechselt werden.

Macht das sich die Völker hassen. Schürt Neid, schürt Wut, schürt Hass. Ich gebe auf. Mir ist alles egal. Ich kann nicht mehr. Ich kann meine Energie nicht mehr dafür nutzen, zu glauben, diese Welt zu einem besseren Ort machen zu können. Ich gebe meine Liebe jetzt nur noch für die, die mir wirklich wichtig sind. Versuche sie zu unterstützen, zu stärken, zu umarmen.

Und vor euch da draussen zu schützen.



Die Zukunft wird: UNPRAKTISCH!

Ein lustiger Sport ist es ja Zukunftsvisionen aus der Vergangenheit mit der Gegenwart abzugleichen. Was ist ungefähr so eingetreten, wie vorgestellt und was ist nach wie vor totaler Kokolores? Dabei denke ich als allererstes sofort an einen Klassiker der Vorhersage: Fliegende Autos.

Kaum eine Publikation der 50er Jahre, die sich mit dem Jahr 2000 auseinandersetzte, kam ohne die Vorstellung aus, dass man Autos haben würde, die bei Bedarf Flügel ausfahren und man könnte dann ganz einfach jedem Stau entfleuchen. Die Straßen wären nur noch halb verstopft, weil man ja jetzt auch auf die Luft ausweichen könnte und alle wären glückliche Verkehrsteilnehmer. Warum hat die Menschheit 50 Jahre gebraucht um zu erkennen, dass diese Vorstellung so ein unfassbarer Stuss ist? Ja, wir haben noch nicht genug Unfälle auf der Strasse, lasst uns auch noch in die Höhe, damit wir eine Unfall-Achse mehr haben! Bei einem Stau würde jeder sofort versuchen nach oben auszuweichen, ergo: Stau in der Luft. Gefahrenpotential, auch für Fußgänger und andere Verkehrsteilnehmer: Plus 1000 Prozent. Warum also konnte sich so eine Idee so sehr als Idee durchsetzen? Klar, der “Traum vom fliegen” und so, aber mal ehrlich: Man hat ja auch nicht geglaubt, dass jeder ein Einhorn haben würde, warum also so einen Quatsch?

fliegauto

Man muss aber gar nicht so weit zurückgehen, man muss nicht in die technisch vielleicht naiven 50er Jahre zurückblicken, um eine Zukunftsvision von der Zukunft aus zu betrachten und nicht nachvollziehen zu können. Es gibt da auch ein deutlich jüngeres Beispiel:

In den Nullerjahren dieses Jahrtausends, als das Internet zu DEM heißen Scheiss wurde, der es heute ist, habe ich immer und immer wieder von einem Beispiel gelesen, dass mir schon damals recht unlogisch erschien - und welches sich auch nie durchgesetzt hat: Intelligente Kühlschränke mit Touchscreens und Internetzugang. In der Vision wurde immer erklärt, wie der Kühlschrank nicht nur Rezepte anzeigen kann, sondern auch registriert, was in seinem Innenraum fehlt oder dramatisch zur Neige geht und dass er es dann selbstständig beim Supermarkt-Lieferservice nachbestellt.

Was für eine Vorstellung! “Ich bins, Kühli dein Kühlschrank, ich hab gesehen, dass du keine Buttercremetorte mehr hast, deswegen hab ich 5 Torten nachbestellt…”. Das ist doch dass erste, was einem auffällt. Dass das keinen Sinn machen und niemals funktionieren kann. Wieso denkt sich jemand etwas aus, was geht, aber gar nicht gehen braucht und damit meine ich keine Kunst oder demonstrativ nutzlose Erfindungen, sondern Visionen, die schon praktisch sein sollen und beeindruckend und dabei aber alles schlimmer machen würden, wenn sie denn wahr würden, was sie niemals werden würden, weil sie viel zu doof sind.

gbfridge

Ich finde das faszinierend. Nicht was man sich für Möglichkeiten vorstellt, sondern dass die Vorstellung von Möglichkeiten das rationale Denken aussetzt. Mir kam dieser Gedanke übrigens beim Wäsche aufhängen, als ich so dachte: Warum hat eigentlich niemand die sich selbst aufhängende Wäsche erfunden? Das wäre doch mal wirklich praktisch.



Schlimme Liquide

Ich finde, es ist höchste Zeit, eine Liste ekeliger Flüssigkeiten anzulegen. Weil, naja, manche Flüssigkeiten sind so widerwärtig, aber niemand spricht drüber. Es scheint ein besonders schlimmes Tabuthema in unserer Gesellschaft zu sein und die Gutmenschen schweigen alles in ihrer übertriebenen Flüssigkeitstoleranz tot, nur um politisch-flüssig korrekt zu sein. Aber wenn es Flüssigkeiten gibt, die fies sind, dann wird man das ja wohl noch sagen dürfen! Auch wenn die FED versuchen wird, dieses Blogeintrag zu verhindern. NIcht mit mir! Lest! Schreibt! Folg mir nicht, nur weil ich euch die Wahrheit sage! Macht es wie der Wald, da gibt es keine Demokratie, da sind alle Flüssigkeiten gleich flüssig!

Entschuldigung, ich bin etwas abgedriftet. Es ist aber auch wirklich zu leicht, in so einen Stuss-Laber-Modus zu verfallen, wenn man die Kontrolle über das eigene Gehirn verloren hat. Nun aber wirklich zu ekeligen Flüssigkeiten. Ich mach den Anfang und ihr ergänzt in den Kommentaren, ja? Wider die grün-linksversiffte Flüssigkeitskritik-Zensur! Okay, sorry, ich leg los:

- Philadelphia-Wasser
Wenn man so eine frische Packung Frischkäse aufmacht und da auf der perfekt aussehend abgefüllten Creme diese leichte Pfütze trüben Wassers ist. Wuah. Superekelig. Ich schütte das immer weg, habe dann aber immer Angst, dass mir der Käse austrocknet. Ich bin mir der Absurdität bewusst, aber kann nichts gegen diese Gedanken machen.

- Nasenwasser, das man für Gehirnwasser hält
Manchmal läuft einem einfach so Wasser aus der Nase. Ich bin kein Nasologe, erkläre mir das aber mit Duschwasser oder Schwimmbadwasser, welches aus Versehen in irgendeiner Nebenhöhle oder Luftblase oder so eingeschlossen war und plötzlich raus läuft. Manchmal muss man sich nur doof bewegen, manchmal kommt es auch beim Headbangen. Ich habe im ersten Moment immer die Angst, es handele sich um Gehirnwasser und das läuft jetzt alles aus und mein Hirn liegt dann trocken und ich bin dann kaputt. Geht das als Phobie durch? Aquabraniusphobie, oder so?

- Tiersabber
“Der tut nix, der will nur spielen!” Ja, und mir seinen Sabber überall hinmachen. Das ist doch superekelig so Hundesabber, ich hab keine Ahnung, was da drin ist. Entsetzte Hundebesitzer werden mir jetzt vermutlich erklären, es handele sich dabei um eine der reinsten Flüssigkeiten der Welt, vergleichbar mit Quellwasser aus den Alpen, aber sorry: Die Nase hat vorher die ganze Zeit nach fremder Pisse geschnüffelt, der Mund hat Pansen und kalten Hühnermatsch gefressen und alles abgeleckt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Ich möchte davon bitte nicht abgeleckt werden.

Wurstwasser ist zu einfach, ihr seid dran!



ESC 2014 - One Wurst for Europe

Gleich zu Beginn: Den größten Glückwunsch von mir an Österreich und vor allem an Conchita Wurst und an alle Entscheidungsträger, die dafür gesorgt haben, dass sie heute Abend dort auf der internationalen Grand-Prix-Bühne stand und den Pokal nach Hause gebracht hat. Tolle, richtige und mutige Entscheidung. Denn, wie man ja allerorten sieht: Die Holzköpfe trommeln immer am lautesten. Aber deswegen haben sie nicht am rechtesten. Sie sind es nur.

Ich war, ehrlich gesagt, kein großer Fan von Conchita Wursts Song. Ein bisschen Bond-ig, ein bisschen Adele-ig und ich fand es auch ein wenig schnarchig. Allerdings, entscheidend ist aufm Platz und da hat sie voll überzeugt: Der Song war ihr noch mehr auf den Leib geschneidert als das Kleid und das sass schon wie eine Eins. Trotzdem hatte ich andere Favoriten an dem Abend. Wenig überraschend: Deutschland war nicht dabei. Deutsche Entscheidungen, an denen Raab nicht beteiligt ist, bestechen allerhöchstens noch durch totale Einfallslosigkeit. Ich möchte gar nicht an das Cascada-Debakel denken - wer jemals geglaubt hat, dass die irgendeine Chance gehabt hätte, mit ihrem ultradurchschnittlichen Dancepop, der Frau Mustermann als Punkerin wirken lässt, sollte sich nach wie vor um alles kümmern, nur bitte nichts mehr aus dem Themenkomplex “Musik” entscheiden. Elaiza, von den Zuschauern wenigstens zum Glück VOR Unheilig gewählt, sind auch ohne Chance nach Kopenhagen gereist. Dafür war das Lied viel zu vorhersehbar, die Performance viel zu sehr “angezogene Handbremse” und dieser Balkan-Pop-Trend war schon 2013 out. Man kann relativ froh sein, noch im hinteren Mittelfeld gelandet zu sein.

Wen mochte ich heute Abend?


[YouTubeDirektIsland]

Island war ein schöner Punkpop-Song. Ich hab da einfach eine Schwäche für. War aber relativ klar, dass die nix würden reissen können. Umso mehr mochte ich diese positive Attitude, die von denen ausging. Niedlich.


[YouTubeDirektRumänien]

Klar, Kirmestechno, ich mag das aber immer, wenn ich da von einer Idee überrascht werde, die ich zumindest originell finde. Hier ist das zum Beispiel diese Bassdrum, die manchmal jedes Wort betont. Und das wahnsinnig bescheuerte Kreisklavier ist natürlich auch der Hammer.


[YouTubeDirektPolen]

Die polnischen Buttermacherinnen. Das ist auf so vielen Ebenen so unheimlich bescheuert - ich kann das Null ernst nehmen, aber sehr lustig bis skuril finden. Ich glaube übrigens auch nicht, dass die das zu einhundert Prozent ernst gemeint haben. So weit auseinander können Ansichten mit einem direkten Nachbarn nicht driften.


[YouTubeDirektFrankreich]

Die Loser des Abends, die Franzosen. Aber ich fand das so gut! Das war Party, ein wenig bekloppt, gut tanzbar und Schnurrbärte halte ich für ein gutes Thema. Dem hab ich eindeutig mehr Chancen eingerechnet. Lag es am französisch? Oder hat ein ESC-Abend immer nur Platz für einen Freak? Wenn man es positiv sehen will: Ist doch schön, so ist die Liste aller Teilnehmer von Freaks eingerahmt. Auf dem ersten und dem letzten Platz. Tröstender Gedanke.


[YouTubeDirektItalien]

Italia! Dich find ich einfach immer gut, egal was du machst. Isso. (Die sah aber auch cool aus, heute, mit diesem Lorbeerkranz…)


[YouTubeDirektFinnland]

Woah, Finnland hat mich echt überrascht. Eine Band mit lauter jungen Jungs mit einer guten Rocknummer, die irgendwo zwischen Coldplay, Mando Diao und One Direction oszilliert (geil, den Begriff wollte ich schon immer mal irgendwo sinnvoll einsetzen…). Hat mir supergut gefallen, war sofort mein persönlicher Favorit - wenn ich ihm auch keine Riesenchancen zugetraut habe.


[YouTubeDirektSpanien]

Und schliesslich Spanien, dass mich mit seiner Powerballade gekriegt hat, weil man mich mit Powerballaden immer kriegt. Ich bin nämlich Powerballaden-Afficionado.

Alles in Allem war das diesmal ein wirklich schöner ESC. Das Zeichen, dass Europa mit seiner Auszeichnung von Conchita Wurst setzt, kommt an und tut gut.

Einen Kritikpunkt hab ich noch, aber den kann ja überlesen, wen es nicht betrifft:

Lieber Peter Urban,

seit so vielen Jahren moderierst du nun das ESC-Finale und ich liebe deine Stimme, deinen Witz und deine ironischen Bemerkungen. Eines meiner LIeblings-TV-Ereignisse war nicht das umgefallene Tor damals in Spanien, sondern deine Moderation des Grand Prix, bei dem Deutschland nicht “zugelassen” war, weil der Song zu schlecht war. Ich glaube, das war “Leon” oder so. In dem Jahr hast du dich mit deinen Kommentaren und Moderationen selbst übertroffen, kein Grand Prix war jemals witziger. Und damit kommen wir auch schon zum vermutlichen Knackpunkt:

Deine Begeisterung in allen Ehren, aber in den letzten Jahren scheint mir deine Deutschen-Brille schon etwas zu zwanghaft. Dein “Das hat sie wirklich nicht verdient” zu Cascadas letztem Platz war albern, weil sogar jeder Zuschauer wusste, dass sie es verdient hat, weil ihre Nominierung so komsich von den Plattenfirmen durchgedrückt wurde. Und dein heutiges bedauern, dass man von Österreich oder den Niederlanden keine Punkte bekommt, nur weil sie unsere Nachbarn sind - da könnte einem dann schon auch auffallen, dass das eigene Lied nicht so prickelnd ist. Klar, du sollst nicht die ganze Zeit selbstzerfleischend betonen, wie schlecht der eigene Beitrag ist, aber man darf ruhig auch mal analysieren, wann ein Lied eher langweilig ist. Oder eine Performance. Man muss nix automatisch gut finden. Das wirkt etwas krampfhaft und etwas sehr unauthentisch. Ansonsten, wie immer ein guter Job und das “FUCKING HELL!”, live übern Äther, das hat mir gefallen.

Davon abgesehen: Ich freu mich darauf, nächstes Jahr wieder einen Käseigel zu machen. Aber den pack ich dann ein und nehm ihn mit. Nach Wien. Da will ich nämlich dabei sein. Danke ESC!



Fahrradhelm verrecke! - Fraktus im Thalia

Ich war auf der Uraufführung von “Tonight:Fraktus” im Thalia Theater in Hamburg. Die Männer von Studio Braun haben ihre erfundenen Techno-Erfinder wieder aktiviert und erzählen in diesem Stück nun, wie es nach dem Film weitergeht. Irgendwie.

Schauplatz ist dabei ein Konzert der Band, die zu Beginn noch gar nicht da ist (und deren Ankunft sich immer weiter verschiebt, was ein Bühnenarbeiter durch immer gruseliger werdende Wasserstandsmeldungen in regelmässigen Abständen verkündet). Auf der Bühne finden sich allerlei prototypische (Live-)Musikmitarbeiter, vom Alt-68er über den selbstverliebten Nix-Könner-Schwaben, der natürlich eine leitende Position hat, bis hin zur ultrahysterischen und -nervösen Managerin der Band. Erzählt, vorgestellt und zusammengehalten wird dieses Sammelsurium an Nervbacken von Roadie Dennis. Dennis ist schüchtern, der Arsch für alles (”Wenn du etwas anfängst, ist das als würden zwei was fallen lassen…!”), aber als Nerd auch ein ebenso guter Beobachter und deswegen die beste Wahl, um dem Publikum in kurzen Freeze-Momenten die Protagonisten vorzustellen. Da gibt es die Körner-Schwestern, zweieiige Zwillinge, die zwar die Background-Sängerinnen von Fraktus sind, aber bei diesem Gig ihre große Chance als Vorband bekommen sollen, mit ihrem Postpunk-Electro-Lärm-Act “Thrill”, den sie immer ganz niedlich “Trill” aussprechen.

Und in diesem Chaos ist es dann irgendwann endlich so weit: Die Band ist da. Fraktus. Mit neuen Songs, neuer Show und extrem originellem neuen Merch, getoppt von der Premiere eines Fraktus-Computerspiels. Das folgende Konzert endet mit der Hymne “Friends sind Freunde, Freunde sind Friends” und lässt erahnen: Die Erfinder der elektronischen Musik haben gerade erst wieder damit angefangen, anzufangen. Fraktus forever. Oder so.

Erstmal dieses: Ich bin kein Theater-Typ. Das mag nachlässig sein oder doof oder sonstwas, aber Theater und ich, uns verbindet keine langjährige Freundschaft. Ich hab auch immer mal wieder gute oder interessante Inszenierungen gesehen, so ist es ja nicht, aber ich hab auch ganz oft langweiligen Quatsch gesehen und irgendwie ist das einfach nicht mein Medium. Zumindest nicht als Zuschauer. Gespielt hab ich Theater ja schon in jungen Jahren und ich weiß, wie viel Spaß das machen kann und was das für ein besonderes Gefühl ist. Das mal vorweg, nicht dass man mir mangelnde Vergleiche mit ähnlichen Inszenierungen vorwirft oder so. Ich hab keine Ahnung.

Vielleicht war das bei der Premiere auch von Vorteil, denn ich hab mich noch seltener im Theater so lauthals kaputt gelacht, wie in “Tonight: Fraktus!”. Die ganzen Klischees, die da munter über die Bühne tanzen, sind so bescheuert überdreht und scheinen sich einen Wettlauf zu liefern, wer noch bekloppter rüberkommt. Man schämt sich für keinen Kalauer, kein Gag - und sei er auch noch so platt - wird liegengelassen, man ist sich für nix fies, wie man in Köln so schön sagt. Dabei war es ein ganz wundervoller Einfall, Dennis zum Zentrum des Geschehens zu machen. Jörg Pohl spielt den Bühnenarbeiter so herrlich uneitel und unbeteiligt: Der perfekte Vertreter für den Zuschauer. Man hat das Gefühl, Dennis ist der einzig normale Mensch in dem Zirkus, er stünde im Auge eines Hurrikans aus Stuss und Kokolores.

Irgendwann gibt es aber Momente, in denen kippt diese Muppet Show, Momente in denen es ganz kurz ernst wird. Wenn die Körner Schwestern aus ihrem Randalesong “Jeder gegen Jeden” plötzlich in eine ganz rührende Ballade abdriften, zu der Mel Körner dann auch noch Geige spielt - dann verstummt das Theater. Oder wenn Dennis sehr spät in der zweiten Hälfte ein flammendes Plädoyer gegen Fahrradhelme als Symbol der modernen Verspiessung in den Saal spittet, dann braust Applaus auf, nicht von allen, aber von allen die kapiert haben, was er meint. Ein wenig scheint sich das Stück dieser wahrhaften Momente zu schämen oder unsicher zu sein, denn sie werden schnell wieder weggewischt oder besser noch: weggegagt. Aber das ist voll okay. Wir sind hier ja nicht im Drama, wir sind hier in der Komödie und manche bringen das comic relief eben gerne schnell. Man könnte sich fast dazu hinreissen lassen zu behaupten, die deepen Momente klängen so noch viel stärker nach. Naja. Man kann es auch übertreiben. Einigen wir uns auf: Es schadet ihnen nicht besonders, dass sie schnell vorbei sind.

Aber: Es schadet dem Stück selber, dass es so schnell vorbei ist. Das Ende kommt relativ abrupt und wirkt schnell hingeschrieben - das wäre mein wirklicher Kritikpunkt an der Geschichte. Die Hauptfigur Dennis wird hier ein wenig verheizt und meines Erachtens nicht ausreichend “gewürdigt”. Vielleicht ist das so gewollt, ich hätte mir ein größeres Finale-Gefühl gewünscht, wenigstens einen Song für Dennis. Das, was ich da gestern sah, wirkt so lieblos und passt in diesem Gefühl leider gar nicht zum Rest des Stücks. Doof, vor allem wenn es das Ende betrifft, denn das ist ja erstmal der letzte Eindruck, mit dem man rausgeht.

Vergessen wir das Ende. Erfreuen wir uns an dem ganzen Rest: 90 Minuten wunderbares Entertainment, das angenehm clever eine herrliche Albernheit zelebriert und somit perfekt den Geist des Films weiteratmet. Mediensprung wunderbar gelungen. Ich freue mich dann mal auf die Fraktus-TV-Show oder so.

Oh Oh Oheeo!



Rundum

Lieber Matussek, lieber Pirinçci, lieber Broder, liebe Lewatschoff(Name falsch geschrieben, verbessert, danke @Jigedi!) Lewitscharoff, lieber Sarazzin und alle anderen ähnlichen Krawallschwestern und Radaubrüder, die gerade versuchen ihre Bücher zu verkaufen,

ich hasse euch.

Ich hab mir lange überlegt, ob ich dieses Wort benutzen soll. “Hass”. Nutze ich eigentlich nie. Ja, klar: Man sagt mal “Ich hasse Spargel!” oder “Ich hasse aufräumen” oder so, aber das man irgendwelche anderen Menschen einfach so hasst? Käme mir nie in den Sinn. Deswegen erschrecke ich auch immer, falls mir das dann mal rausrutscht. Ich will gar keinen hassen. Hass ist so derbe brutal, schon als Verb, ich will das nicht. Der Klang schon. Hass. Da schlägt vorne eine Faust und hinten zischt noch eine Schlange. Ich finde, dass ist ein tolles Wort, denn es klingt wirklich genau so hart und schlimm, wie es auch inhaltlich ist.

Nun, wenn man diese Empfindungen und Überlegungen dem zu Grunde legt, was ich eingangs schrieb, dann muss es schon verdammt ernst sein. Und das ist es, meiner Meinung nach auch. Es reicht jetzt. Ironie, Sarkasmus und Zynismus haben in der Auseinandersetzung mit euch versagt (auch wenn ihr sie nach wie vor munter anwendet), gutes Zureden und der Versuch, in aller Ruhe zu erklären, warum ihr irrt, kommt bei euch gar nicht mehr an, weil der Tinnitus auf euren beiden rechten Ohren schon so ausgeprägt ist, dass nur noch die besonders schrillen und lauten Töne überhaupt eine Chance haben, bis zu eurem Hirn durchzudringen. Man kann euch nicht mehr zur Vernunft bringen, ihr habt alle Seile gekappt. Ihr wollt keinen Diskurs mehr, weil das immer bedeuten würde, die Bereitschaft zu haben, die eigene Meinung zu überdenken. Aber die habt ihr schon lange nicht mehr. Eurer Meinung nach wurde viel zu viel geredet und geredet. Ihr wollt jetzt Aktion. Schluss mit der Laberei, endlich anpacken! Und was macht ihr? Genau. Ihr schreibt ein Buch. Ihr labert rum. Ihr Witzfiguren.

Es geht euch nicht um die Sache. Sarazzin bereitet der herbeiphantasierte “Tugend-Terror” keine schlaflosen Nächte, Pirinçcis Seelenheil hängt nicht davon ab, dass wir wissen, wie er Deutschland findet. Ihr wollt verkaufen. Ihr wollt eure Bücher verkaufen und ihr habt gelernt, dass man am meisten Bücher los wird, wenn man kläfft. Wenn man Ressentiments bedient. Wenn man sich so laut wie möglich artikuliert. Die Leute kaufen euer Buch. Auch wenn sie es nicht lesen, der Kauf allein wird zum Statement, zum Zeichen der Haltung. So wie mir mal ein Typ auf seinem Handy zeigte, dass er da gerade “Deutschland schafft sich ab” liest, weil er abchecken wollte, wie ich drauf reagiere (und als ich gelassen meinte, dass das Buch scheisse sei, musste er gleich ein: “Ich finde, der sagt wahre Sachen…” hinterher schieben…). Eure Bücher sind Trophäen und das wisst ihr. Und wisst ihr was das ist? Schäbig.

Ihr zündelt nicht, ihr giesst Benzin über das ganze Land und zündet das mit einem Flammenwerfer an. Für die paar Euro und das bisschen Applaus aus der Ecke derer, die gar nichts mehr haben und deswegen die Schuld bei allen anderen suchen. Das ist gefährlich, das ist fahrlässig und das ist gemein. Ihr spaltet, nichts an euch ist konstruktiv, ihr schreibt literarische Baseballknüppel, die auf den Köpfen derer landen, die sich bemühen alle Seiten zu vereinen oder wenigstens zum Dialog miteinander zu bringen. Ihr wollt Hass säen und Hass ernten. Das ist keine Wut, denn Wut weiß immer auch, dass sie subjektiv ist - ihr haltet euch aber für Beobachter. Das ist auch keine Verzweiflung, denn zum verzweifeln geht es euch viel zu gut in euren gated Communities, in euren Filterblasen. Das ist kalkulierter Hass. Das ist Talkshowanbiederung. Ihr wollt keine Lösung anbieten, ihr wollt nur “das Kind beim Namen nennen”, um dann bei Will, Plasberg und Illner zu landen. Und euch wie Aufklärer fühlen. Ihr wollt alles kaputt machen, damit ihr die nächste Tankfüllung eures SUV zahlen könnt.

Mir ist da jetzt jede Etikette, jedes Benehmen (diese zwei Begriffe kennt ihr nicht, kann euch aber sicher mal beizeiten jemand erklären) total egal. Ihr seid jetzt meine Feinde. Ich kann mit Feinden leben, mich kann nicht jeder lieben. Auch wenn ich das unangenehm finde, auch wenn ich Harmoniesüchtig bin. Anscheinend gibt es Menschen, die Frieden bewusst ablehnen, weil sie damit nichts verdienen können: Waffenfabrikanten und Das-wird-man-ja-wohl-noch-sagen-dürfen-Buchautoren. Eure Bücher und Texte sind Tretminen und damit habt ihr mich als erklärten Gegner. Profit aus dem Leid anderer schlagen ist so ziemlich das erbärmlichste, was man sich leisten kann. Ihr seid inhaltliche und moralische Nullen.

Ich weiß, ein Text wie dieser belustigt euch (wenn ihr ihn überhaupt lest). Und das hat mich bislang auch davon abgehalten, so etwas zu schreiben. Aber ich scheisse auf euren Zynismus. Ich bin viel größer als ihr. Mein Herz kann zum Glück lieben. Und das strahlt eure Geschäftsgrundlage “Hass” kaputt, auch in dieser Welt, auch zu diesen Zeiten.

Deswegen, an dieser Stelle, etwas in eurem Jargon, in eurer Deutlichkeit, in eurer Sprache:

Fickt euch. Hart. Niemand braucht euch.



Fischer, Fischer, der Pop ist kaputt!

Achtung: Der folgende Text ist relativ zusammenhanglos und vielleicht auch hier und da ein bisschen unfair hart gegenüber einigen Acts. Er ist aber vor allem gnadenlos subjektiv und aus einer Art Notwehr heraus geschrieben. Da haut man schon mal um sich. Mea culpa.

Hier der Text von mir eingelesen.

Es war Echo und meine ganze Facebook-Timeline platzt vor Helene Fischer Postings. Von “war doof” über “gar nicht mal so schlimm” und “Hahaha, super Endgag” bis “Fischer macht nen super Job!” war alles dabei.

Mein Verhältnis zu Helene Fischer war bislang so: Ach, naja, würd ich mir nie holen, aber ist doch lustig. Ist doch eigentlich wie Britney, nur auf deutsch. Und ich war früher ein großer Britney Spears Afficionado. Und das Phänomen, dass die jetzt auch ausserhalb eines Schlager-Kontexts stattfindet, fand ich auch faszinierend. Und spannend.

Aber, vielleicht auch ausgelöst durch eine Diskussion, die ich gestern auf meiner Timeline hatte, in der mir ein Freund, der großer Sex Pistols Fan war, erklärt hat, wie grotesk lächerlich ihm Kate Bush damals vorgekommen ist, als sie ihre ersten Songs veröffentlichte, plötzlich stand ich da und dachte: Moment mal. Hier läuft irgendwas ganz falsch. Vor noch gar nicht allzu langer Zeit wurden “Künstler” wie Fischer ausgelacht. Sogar von irgendwelchen Dance Acts. Und jetzt ist diese Art Musik, dieser Schlager, plötzlich Konsens-Pop? Auf einmal sträubt man sich nicht mehr dagegen, zu einem Lied aus den “Mit den Schuhen kommst du hier aber nicht rein, Freundchen!”-Läden dieser Welt mitzuwippen? Die Freundin von Florian Silbereisen ist ein fuckin Popstar?

Wie, verdammt nochmal, konnte es so weit kommen. Warum gibt es nicht mehr “die” und “uns”? Als ich vor ca. 10 Jahren zum letzten Mal auf dem Echo war und Andrea Berg einen Preis bekommen hat, war die ganze Halle so: Hä? Wer ist das denn? Und jetzt machen alle Selfies mit Helene Fischer. Es ist ein Alptraum. Die Musik der Spiesser hat gewonnen. Wie konnte es nur so weit kommen?

Nun, es gibt viele Gründe. Die Toten Hosen zum Beispiel machen seit Jahren Lieder, die so auch Wolle Petri im Programm haben könnte. Die ganzen “Schmusebarden”, also einsame Männer mit Akkustikgitarren, die mit brüchiger Stimme ihren ganzen Exen hinterher jammern, haben deutschsprachigen Pop total aufgeweicht. Beliebiger gemacht. Empfänglicher für simple Schlüsselreize. Dazu noch die Plattenfirmenkrise, die nicht etwa dafür sorgte, Produkte kundenfreundlicher zu machen, sondern sich auf den Markt zu konzentrieren, auf dem noch gekauft wurde und wird: Der Schlager. Und den Markt so groß wie möglich zu machen. Da freut sich auch Onkel Bohlen und pumpt sein DSDS mit Schlager voll, auf das ein neuer Markt entstehe, den man schnell abgrasen kann. Dann lässt man wehrlose, alte Männer noch irgendetwas covern, was nicht zu ihnen passt und auf einmal wird alles umgedreht. War es in den 90ern noch ein Akt himmelschreiender Ironie, wenn eine Band einen alten Schlager nachspielte (zum Beispiel Creme 21 mit “Wann wirds mal wieder richtig Sommer?” oder Dieter Thomas Kuhn mit “Über den Wolken”), bei dem man sich so stark zuzwinkerte, dass Augenkliniken mehrere Augenhöhlenbrüche behandeln mussten, so ist es jetzt genau umgekehrt: Heino singt die Ärzte nach und alle denken, es sei “kultig”.

Mann, ich bin so sauer. Ich bin sauer, dass ich mich auch hab einlullen lassen. Das ich denen auf den Leim gegangen bin. Helene Fischer ist Schlagersängerin, Herrgott nochmal. Alles tutsi-tutsi, heile Welt. Mei, was ein schönes Paar, die Helene und der Flori.

BUÄH! Ich muss kotzen! Das ist verkaufsoptimierter Dreck. Es gibt keine Musik, die so sehr auf verkaufen ausgelegt ist, wie Schlager. An dieser Musik ist überhaupt nichts mehr echt, da findet keine Leidenschaft mehr statt, da geht es nicht mal mehr um Musik. Jeder scheiss Mitte-Elektro-Laptop-Frickler hat mehr Seele und Liebe in seinen nicht-enden-wollenden “Songs”, als die gesamte deutsche Schlagerszene zusammen. Abgewichste Musikerdarsteller, die Abends an der Hotelbar bei einem Pils und einer Kippe sitzen und erzählen, dass sie eigentlich Rockmusiker werden wollten und das Herz eines Rockers haben. Musik machen wie zur Stechuhr gehen. Als Job. Und alle finden ja eigentlich AC/DC toll.

Bäh, ich muss mich richtig schütteln. Pop ist kaputt. Und ihr Schlagerspackos habt ihn auf dem Gewissen. Der Wendler ist nicht Kult oder doch, der Wendler ist total “Kult”, weil mit “Kult” werden ja auch nur noch Dinge beschrieben wie Toilettenpapier mit Witzen drauf bei Nanu-Nana oder Schnaps in Flaschen, die wie Zündkerzen aussehen. Das Prinzip Merkel hat es in die deutsche Musikbranche geschafft. Eigentlich logisch nach so vielen Jahren rumregieren. Man faltet die Hände und lächelt sich so durch. Bloss niemanden aufregen, es soll ja keiner merken, dass von einem nicht viel kommt oder das bei dem, was da so kommt, nicht viel hintersteckt. Helene Merkel. CDU ist Pop. Andrea Nahles ist Pop. GroKo ist PopKo.

Der Test: Man stelle Helene Fischer neben irgendeine xbeliebige Künstlerin und vergleiche. Ist egal neben wen: Lady Gaga, Katy Perry, Britney Spears, younameit. Immer ist Fischer sofort der Bauerntölpel. Das poppige Nichts. Die deutsche Sängerin. Bieder bis zum Anschlag, substanzlos wie eine Rede von Thilo Sarazzin. Für den Eurovision Song Contest wählen die Deutschen zwischen Unheilig und einer Newcomer-Band mit einem Lied, bei dem der deutsche zu Hause so richtig schön auf die Eins klatschen kann. Ach, wir schicken die zu einem internationalen Wettbewerb? Ist doch egal! Wenn wir keine Punkte kriegen, dann sind halt wieder irgendwelche Absprachen schuld. Die Escada vom letzten Jahr hätte doch mindestens Erste werden müssen, mit ihrem Staub-Disco-Pop. Das war Schiebung!

Vergiss es, Zynismus oder Ironie hilft uns auch nicht weiter. Deutscher Pop ist tot. Vereinzelte Heldentaten, wie zum Beispiel Marteria, helfen uns da auch nicht mehr raus. Ich hab keine Ahnung, wie man das Ruder wieder rumreissen kann. Wenn Freunde moderne Schlager plötzlich gar nicht mehr so schlimm finden, dann erinnert sie daran, dass sie es doch sind. Das eine Helene Fischer auch nur ein G.G.Anderson in blond ist. Das uns allen der Wolf im Pop-Pelz untergemogelt wurde. Schlager ist der Schrebergarten des Pop und wird uns gerade als Hofgarten verkauft. Stop damit! Hört auf! Ihr könnt keine Petition gegen Lanz unterschreiben, aber “Atemlos” auf dem mp3-Player haben. Menschen unter 18 Jahren sollten nicht einmal wissen, wer Helene Fischer überhaupt ist! Denkt doch mal an die Jugend! Deren Pop soll vor allem eins: Uns nerven.

Kennt ihr den Film “Sie leben”? Wo einer mit so einer Spezial-Sonnenbrille sieht, dass die Welt von Aliens unter Kontrolle gebracht wurde, weil sie auf jeder Leinwand, in jedem Fernseher sublime Botschaften aussenden, die man nur mit eben jener Brille sieht? Und die Leute sind alle unter ihrem Bann, während der Typ versucht, alle “aufzuwecken”?


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So fühl ich mich gerade. Helft mir! Lasst uns alle aufwecken! Lasst uns Pop zurückerobern! Lasst uns Songs schreiben, Videos drehen, iTunes-Chart-Manipulationsflashmobs machen.

Vielleicht gründe ich eine neue Religion, in der es nur um die Rettung von Musik geht. Und dann steh ich morgen klingelnd vor eurer Tür. Und wenn ihr aufmacht, sag ich nur:

“Hallo. Ich möchte mit ihnen über Pop reden.”



Meine liebste Vorspeise

Ich hab noch nie an einer “Blogparade” teilgenommen, glaube ich. Ich verstehe auch immer noch nicht so richtig, was das überhaupt sein soll und so. Aber es geht ums Lieblingsessen und ich finde, ich habe mich noch nicht ausreichend als Foodblogger auf meinem Blog positioniert. Ausserdem hat mich die liebe Futterqueen, wir folgen uns glaube ich schon seit Ewigkeiten auf Twitter, gefragt, ob ich nicht mitmachen mag und da dachte ich: Ja, ich mag. So, here we go:

Wenn man mich nach meinem Lieblingsessen fragt, kann ich vermutlich eine quadrillion Gerichte aufzählen. Das eine Lieblingsessen gibt es eben nicht, ich finde ganz viele Gerichte unfassbar toll. Und kann mich immer nur schlecht entscheiden, was ich denn essen will, wenn ich was essen will. Deswegen esse ich ganz oft, wenn ich alleine bin, doofe Sachen, weil ich so lange damit verbracht habe zu überlegen, was ich esse, dass ich gar keine Geduld mehr hab, lange auf etwas zu warten, weil beim ganzen hin- und herüberlegen mein Hunger und Appetit in unmessbare Höhen geschnellt sind. Dann gilt es nur noch satt zu werden. Fast food oder so. Eigentlich vollkommen bescheuert.

Wenn ich mich nur von Vorspeisen ernähren müsste, würde das vielleicht viel besser funktionieren. Da ist meine Favoriten-Verteilung doch eindeutiger und kleiner. Und über allen möglichen Vorspeisen trohnt mein absoluter Favorit, meine Mother of all Vorspeisen, mein vorspeisiges Shangri-La, meine Vorspeise um alle zu knechten, mein…na, ich denke es ist klar was ich meine. Eben mein Lieblingsessen. Und es ist:

Vitello Tonnato.

Das sind (falls das jemand nicht kennt) hauchdünne, gebratene in Weißwein gegarte Kalbfleischscheiben mit einer Thunfsich-Kapern-Sauce. Mehr ist das im Grunde genommen nicht. Aber das ist ein Gericht, so bald ich irgendwo bin, wo das auf der Karte steht, muss ich das sofort bestellen. Keine Ahnung warum, das ist so ein komischer Zwang. Vielleicht weil ich das perfekte VT suche. Und deswegen jedes probiere, dass ich in die Finger kriege. Ich hab schon fantastische Versionen dieses Gerichts weltweit gegessen und muss sagen, dass die Ausfall-Quote, also die Vitellos, die richtig daneben gegangen sind, wunderbar gering ist. Es kommen vielleicht zwei Schlechte auf fünf Gute, würde ich sagen. Das ist erfreulich.

Das Gericht findet sich auch längst nicht auf jeder Karte. Ebenfalls ein Grund, es jedes Mal zu essen, wenn man die Gelegenheit dazu bekommt. Ich hab es auch noch nie selbst gemacht, obwohl ich ja gerne koche, vor allem leckere Dinge, aber da trau ich mich irgendwie nicht. Sollen es doch die anderen verkacken, ich nicht! Man muss auch nicht alles selber kochen. Es muss einfach ein paar Dinge geben, die man machen lässt.

Das zarte Kalbsfleisch in dieser sämigen, salzigen Creme, die so herrlich fischig schmeckt und durch die Kapern noch diese ultrastarke Zitronennote kriegt, die sich mit dem milden Fleischgeschmack zu einem großen Ganzen ergänzen: Mir läuft schon bei der Vorstellung das Wasser ganz schrecklich im Mund zusammen. Ich bin sowieso immer wieder erstaunt, wie genau sich Geschmäcker in Lieblingsgerichten zu einem Erlebnis kombinieren und versuche das irgendwie nachzuvollziehen. Aber bei Vitello Tonnato ist mir das ebenso rätselhaft wie bewusst. Und wenn ich am Ende den Teller noch mit Brot “saubermache”, dann bin ich glücklich. Ich glaube, dass meiste Glück hab ich sowieso der italienischen Küche zu verdanken. Lustigerweise habe ich Vitello nie so richtig damit in Verbindung gebracht, keine Ahnung warum. Ich finde, viele italinische Gerichte haben eine Art gemeinsamen “Stamm”, das VT fällt da immer aus der Reihe. Eventuell ist es mir auch deswegen so sympathisch.

Ich achte in letzter Zeit viel mehr auf meine Ernährung, fange an, auch durch meine Tochter, öfters vegetarisch zu essen. Ich war nie der größte Fleischesser, aber ab und zu mochte ich das. Ein tolles Schnitzel oder ein fresher Burger. Super. Langsam aber sicher, baue ich das ab. Ich überlege sogar schon, Attila Hildmans Vegan-Challenge mal auszuprobieren. Warum denn nicht? Schaden kann es sowieso nichts. Mir sind die Tiere dabei ehrlich gesagt gar nicht so wichtig, ich bin nicht so der Tierschützer-Chabo oder der riesen Tierliebhaber (nie ein Haustier gehabt). Aber das aller-aller-aller-meiste Fleisch, dass wir essen, ist nunmal ziemlicher Dreck, da muss man sich gar nix vormachen. Ist halt so.

Worauf ich aber hinaus will, ist: Wo auch immer meine Ernährungswege mich hinbringen werden: Ich werde mir nachwievor kein einziges Vitello Tonnato entgehen lassen, dass mir vorgesetzt wird. Bis ich das perfekteste der Welt gefunden habe. Ich sag euch dann auch gerne, wo das war. Mampf!