-->

Die 100 besten Songs aller Zeiten - Vorfinale

Lange Zeit habe ich mit mir gehadert. Erst wollte ich die Plätze 10 - 1 als letzten Post machen. Dann habe ich aber gedacht, das das den Gewinnern nicht gerecht wird. Dann habe ich überlegt die Top 5 als Einzelpostings zu machen, das hat aber einen Klickstreckengeschmack, finde ich. Aber nur Platz 1 als einzelner Beitrag ist irgendwie auch zu wenig. Deswegen: Jetzt die Plätze 10 - 4 und die letzten Drei dann einzeln. Ist doch ein guter Kompromiss. Für alle die die letzten 6 Teile nicht mitbekommen haben: Diese Liste ist indiskutabel, das bedeutet das es daran nichts, aber auch wirklich gar nichts zu rütteln gibt. Endlich mal eine Liste die stimmt. Los gehts:

Platz 10
Jim Croce galt als DAS neue Ding, in der Folk/Country-Szene der Staaten in den 70er Jahren. Da war einer, der nicht nur eine schöne Stimme hatte, sondern auch noch einer der es mühelos schaffte in den Texten seiner schönen Kompositionen den ganzen klassischen Themen wie “Liebeskummer”, “Du bist die Beste” oder “Ich bin so allein” noch mal einen etwas anderen Twist abzugewinnen. Zu erwähnen sei an dieser Stelle auf jeden Fall sein Song “Operator”, wo er bei der Telefonvermittlung anruft und dem Vermittler sein Leid plagt, das nämlich seine Freundin mit seinem besten Freund durchgebrannt ist. Wahnsinnig traurig und wahnsinnig schön. Das ist aber auch das nächste Lied: Ein uramerikanisches Thema, unterwegs zu sein auf dem Highway. Aber währenddessen reflektiert er sein Leben, er hat den gleichen Namen wie sein Vater, aber er lebt den Traum, den sein Erzeuger in sich unterdrückte. Wie wundervoll pathetisch. Die Musik tut ihr übriges: Jim Croce und “I got a name“. Übrigens: Croce stand kurz vor seinem riesengrossen Durchbruch, hatte einen Megahit gelandet…und ist dann mit dem Flugzeug abgestürzt. Deswegen gibt es nur drei reguläre Alben von ihm, eins schöner als das andere.


[YouTubeDirektMovinMeDownTheHighway]

Platz 9
Ich liebe ja Discomusik. In New York brannte damals, in den 70ern, die Luft. Dabei wird oft etwas verwechselt: Das Studio 54 mag ein guter Club gewesen sein, in dem es auch manchmal abging oder komische Partys gefeiert wurden. Aber die wirkliche Party, die fand in einer anderen Ecke des Big Apple statt. Da wo ein wahrhaft visionärer DJ quasi das moderne DJing erfand. Der Club hiess: “Paradise Garage”, war in Brooklyn und hatte keine Alkohol-Lizenz. Was die Leute nicht davon abhielt dort trotzdem die Nacht zum Tag zu machen. Das lag unter anderem, auch an DJ Larry Levans speziellen Discomixen, die er regelmässig anfertigte. Das lag aber auch daran, das man hier mehr wert auf die Musik legte, als auf Promis, die zur Tür reinkommen. Einer der Hits im Laden war ein wundervoller Instrumental-Song, bei dem ich jedesmal, wenn ich ihn höre, Gänsehaut bekomme. Das Lied hat alles was ein Discostück braucht: Ruhigere Passagen, wundervolle Streichersätze, es groovt, es hat seine Uptempo-Bläser-Strecken und es lebt und atmet mit jedem funky Bass-Slap alles, was an Disco so grandios ist. Und es ist von DEM Disco-Ehepaar Nummer Eins (selbst bis in die 80er hinein), Ashford and Simpson. Später haben sie das Lied Gladys Knight gegeben, mit Text. Auch eine schöne Version und auch schön die Zeile “We like high society! Everybody wants to be: Bourgie Bourgie!” Aber es strahlt nicht so sehr, wie die Instrumentalversion. Ein heller Stern am Discohimmel. “Bourgie Bourgie” von Ashford and Simpson.


[YouTubeDirektRealDisco]

Platz 8
Manchmal verzwirbelt sich ein Lied ganz tief in einem. Da hat man das Gefühl, man spürt den Song in den Kniekehlen, im Hals, im Magen und meinetwegen auch im Sack. Das zieht dann da so rein und fühlt sich an als wenn in einem drin ein Korkenzieher gedreht wird, der alle Organe und was da so rumfliegt aufwickelt, zu einem grossen matschigen Klumpen Innereien und dann plötzlich losgelassen wird, wenn am meisten Spannung drauf ist und alles durcheinanderwirbelt, bis es wieder an seinem Platz ist. Nur um dann wieder von vorne anzufangen. Kennt ihr solche inneren-Korkenzieher-Lieder? Also ich kenne eins: Die Power des Songs, die komischen Harmonien, dieses leicht gefährliche Flair, das leicht durchgedreht-uneinschätzbare Gefühl, das der Song ausstrahlt und dabei einen aber zwingt sich zu bewegen und zu tanzen…Wow. Basement JaxxWheres your Head at


[YouTubeDirektWoIstErDenn?]

Platz 7
Eigentlich muss man ein Bon Scott Lied nehmen, weil er der bessere Sänger war. Und eigentlich sind zum Beispiel auf der Highway to Hell auch mit die besseren Songs draf. Aber einzig und allein dieses Megaslicke Riff rechtfertigt es, ein Lied aus dem Beginn der Brian-Johnson-Ära zu nehmen. Von dem erfolgreichsten Album der Band, schafft ihr das erstmal heutzutage noch 42 Millionen Platten zu verkaufen…:) Sozusagen auch der Abschiedssong der Band, ihre Trauerarbeit wegen des Todes von Bon Scott. Und somit spielt er ja doch noch eine Rolle in dem Lied: AC/DCBack in Black“.


AC/DC - Back In Black
by hushhush112

[DailyMotionDirektZurückInSchwarz]

Platz 6
Oh Oh Oh. Ich höre sie schon meckern: Jetzt kommen drei Balladen hintereinander. Aber was willste machen, die Ballade ist nunmal mit das stärkste, was ein Song sein kann und eine wirklich gute Ballade ist stärker als zum Beispiel die spanische Reitschule. Praktischerweise sind wir jetzt auch zeitlich gut sortiert. Denn die erste Ballade ist aus den 90ern. Ein grossartiger Popsong, mit genau der Portion Kitsch und Pathos, die eine Ballade braucht um Mädchenherzen zu schmelzen und Jungs dazu zu bringen, das Lied heimlich gut zu finden. Wir haben das auch damals mit Fritten und Bier auf einem Festival gespielt, zusammen mit Fettes Brot, die dann auf die Bühne zu uns kamen. Auf unserer Tour danach haben wir den Song regelmässig als letzte Zugabe gespielt und die Leute sind ausgeflippt. Ich habe das schon weltweit in diversen Karaokebars zum Besten gegeben (weil ichs ja mittlerweile auswendig kann) und auch beim Auflegen hatte ich schon so manches Mal die Instrumentalversion dabei, mir ein Mikro geschnappt und den Song live geschmettert. Und was soll ich sagen? Die Frauen lieben es. Und zwar zu Recht. Die beste Ballade der 90er Jahre: Take That mit “Back for good


[YouTubeDirektCoffeeCup]

Platz 5
Ich wollte nie dein Wochenend-Liebhaber sein. Wenn du so eine Zeile in eine Ballade haust, dann ist schon alles klar. Und auch wenn alles was danach kam immer schlechter wurde, und ich dem Sound von dem Typen wirklich gar nichts mehr abgewinnnen konnte und nur noch schrecklich fand, und auch wenn ich dafür bin, das jeder DJ auf der Welt sofortiges und immerwährendes Berufsverbot bekommt, wenn er Kiss spielt und auch wenn es ja wohl wenig drolligeres gibt, als 80er-Jahre-Popstars-Filme, in denen die Protagonisten so herrlich erfrischend nicht spielen können und auch wenn mir mal jemand erzählt hat, der eine Frau kennt, die mal mit dem Künstler liiert war und deswegen zu berichten wusste, das er wirklich jeden Morgen erstmal im Bett so richtig seinen Abwinden freien Lauf lässt, die anscheinend ein chronisches Problem bei ihm sind und auch wenn der Typ im Internet seine Fans behandelt wie Dreck und nicht so richtig kapiert hat um was es eigentlich geht und auch wenn der 97% seiner Zeit als Künstler megapeinlich war/ist: Die Nummer hier ist ihm mehr als gelungen. Prince und “Purple Rain
(Übrigens: Cooler Player, YouTube geht ja nicht, weil der Depp da alles sperren bzw. Unembedden lässt)


Prince - Purple Rain
Video
Envoyé par riffraff sur wat.tv

[WatDirektLilaRegen]

Platz 4
Auf diesem Platz, an dieser Stelle, da muss natürlich die beste Ballade aller Zeiten kommen. Die beste Ballade aller Zeiten muss zwei Sachen auf einmal erfüllen können: Man muss sie frisch verliebt aus vollem Herzen mitsingen können, am besten mit der Liebsten zusammen und man muss sie frisch getrennt aus vollem Herzen mitsingen können und sich so wahnsinnig einsam dabei fühlen können. Als ich meine letzte grosse Trennung hatte, was nunmal leider schon einige Jährchen her ist, da bin ich danach alleine durch meine Stadt gelaufen und habe versucht mich zu betrinken, was mir nicht gelang, was mir eigentlich nie gelingt, wenn ich es so wirklich, wirklich will, weil ich denke das ichs brauche. Ich war also stocknüchtern und wollte jetzt endlich Pathos. Da ging ich alleine in eine Cocktailbar, in der Karaokeabend war. Ich bestellte einen Long Island Ice Tea und schaute mir die gut gelaunten Grüppchen an. Ein paar Touris, ein paar Einheimische und alle hatten Megaspass. Und dann kam ich, sang dieses Lied und fühlte mich so dramatisch wie möglich. Ich erzählte am Anfang des Stücks sogar noch allen Anwesenden, das sie doch an ihrer Liebe festhalten sollen und das ich dieses Lied nur für die Verliebten unter den Leuten singen würde. Mein Gott, Pathos pur. Irgendwie habe ich auch ziemlich die Stimmung gekillt. Der Appalus war verhalten, nach meiner Darbietung und als nächstes kam jemand, der wohl 99 Luftballons sang. Und alle kreischten wieder und feierten weiter ihre Party. Ich trank aus und gang. Mit gings schon besser. Ich hatte meinen Moment. Ach, ihr wollt wissen was ich gesungen habe? Na, ist doch logisch! Die beste Ballad aller Zeiten: ChicagoIf you leave me now


[YouTubeDirektTheVeryHeartOfMe]

Morgen gibt es Platz 3. Ich freu mich. Ihr auch?

10 Friedenstauben

  1. Die Spannung ist kaum auszuhalten!

    Wieder eine lehrreiche Stunde, Nilz. Mit “Bourgie Bourgie” hast Du mich ja in Prag bereits infiziert, “Back for Good” habe ich ja auch ein paar mal live von Dir gehört (bin ich nicht sogar einmal mit eingestiegen? Weiß das nicht mehr, da ist immer so viel Sambuca, wenn Du auflegst) und Purple Rain finde ich trotz Prince auch super, hab das Viech natürlich auch als Vinyl. Bei all dem Bashing nicht vergessen: er hat mal eine seiner letzten, neuen Pladden in irgendeiner englischen Großstadt kostenlos mit der Tageszeitung ausliefern lassen; das Internet versteht er nicht, aber so geizig kann er dann auch nicht sein.

    Auch wenn der gemeine Blogger das eigentlich nicht darf: ich finde Klickstrecken übrigens super. Schau’ ich mir immer gerne an und stehe dazu, mir doch egal. PIs for real!

    Kommentar von MC Winkel - 07. December 2008 um 13:15 Uhr
  2. Nach den bisherigen Plätzen habe ich eher Angst!

    Im Ernst: Ihre Begründungen lese ich sehr gerne, aber Ihren Musikgeschmack kann ich nicht teilen.

    Kommentar von weltdeswissens - 07. December 2008 um 13:55 Uhr
  3. @Weltdeswissens: Es gibt ja auch wichtigere Dinge, die man teilen kann, als den Geschmack. ;)

    Kommentar von alice hive - 07. December 2008 um 21:34 Uhr
  4. :lol: alice!! Das werde ich Herrn Nilzenburger mal vorschlagen.

    Kommentar von weltdeswissens - 08. December 2008 um 01:35 Uhr
  5. Schon alleine dafür, dass Jim Croce unter den Top Ten gelandet ist, haben Sie einen Preis verdient.
    Ich bin sehr gespannt auf die Treppchenplätze..

    Kommentar von chilldogg - 08. December 2008 um 09:51 Uhr
  6. Yeah! Chicago! Zu Recht auf Platz 4! Peter Cetera rulez!

    Kommentar von Herr Schmidt - 08. December 2008 um 12:04 Uhr
  7. wahrhaftig zu viel prince-bashing. aber da drücken wir nochmal ein auge zu… :)

    langsam habe ich das gefühl, öfteresteste todesursache bei musikern ist nach den drogen das flugzeug…

    Kommentar von meistermochi - 08. December 2008 um 21:06 Uhr
  8. danke für back for good <3
    ich vermisse placebo ein wenig :(
    und ich warte auf nummer 3!!!!

    Kommentar von killefips - 08. December 2008 um 22:18 Uhr
  9. Purple rain wäre bei mir fast schon auf…. Platz eins… Bin mal gespannt, was da noch kommt.

    Kommentar von vib - 09. December 2008 um 02:09 Uhr
  10. Wenn Nirvana auf 2 ist, dann sind die Ärzte sehr wahrscheinlich auf 1

    Kommentar von Marlonski - 10. December 2008 um 22:27 Uhr

Deine Friedenstaube