Heute geht sie also weiter: Die unanfechtbare Bestenliste. Hier sind die Plätze 85-71:
Platz 85
Gerade eben war ich im Supermarkt. Und da habe ich es wieder durch die Boxen gehört. Ein Song der eigentlich super ist, aber hemmungslos totgenudelt. “You to me are everything”. Nun ist das Ding aber, das die Band, die den Song gemacht hat, noch ein zweites As im Ärmel hatte. Der ganz grosse Hit war es vermutlich nicht, aber ein Achtungserfolg und eine super Nummer, in der einzig und allein dieser billig eingespielte Applaus nervt. Ich frage mich bis heute ob es in dem Song um Star Wars geht….: The real thing “Can you feel the force”
Platz 84
Grunge. Das war das grosse Erwachen. Gitarren minus der aufgesetzten Gesellschaftskritik des Punk, die eh nie angekommen ist plus Gitarrenwände, die trotzdem megapoppig waren, geteilt durch echten Schmutz mal Typen mit Rückgrat. Das hat genau meinen Teenie-Geist zu der Zeit angesprochen. Vor allem galt es ein so weites Feld grossartiger Bands zu entdecken…Soundgarden waren eine davon. Und bis heute gibt es kaum ein grösseres Brett als “Rusty Cage”. Als ich meine erste Playstation hatte, habe ich immer so ein Motorrad-Rennspiel gespielt, wo man seine Gegner mit Ketten und Brettern von ihren Maschinen holen muss. Und warum hab ich das so gerne gespielt? Weil “Rusty Cage” im Soundtrack war.
Platz 83
Jetzt ist es aber schon höchste Zeit, das der Chef mal zu Wort kommt. Ich war ja als Kind totaler Michael Jackson Fan, habe den sogar im Müngersdorfer Stadion in Köln live gesehen, mit meinem Bruder zusammen, das muss so 88 gewesen sein. Die Bad-Tour. Super Konzert. Die weisshaarige Gitaristin, deren Haare bei “Dirty Diana” mit Schwarzlicht angestrahlt wurden beeindrucken mich bis heute. Nun waren auf meiner ersten Jackson-Platte, nämlich “Thriller”, einige Hits versammelt. Mein Lieblingslied war immer “The girl is mine” mit Paul Mc Cartney zusammen. Erst Jahre später stelle ich fest: Die anderen Nicht-Singles waren auch nicht von schlechten Eltern. Am besten war tatsächlich das kürzlich von Kanye West gesamplete “P.Y.T.”. Der weiss schon warum er das genommen hat:
[YouTubeDirektSchönesJungesDing]
Platz 82
Erste zarte Küsse. Knutschen mit dem tollen Mädchen aus meiner Klasse. Sie umarmen. Ihre Haare riechen, spüren ob sie genausosehr vor Aufregung zittert wie ich. Ihren Rücken fühlen. Sie ein bischen fester an mich drücken und ihre schönen Brüste auf meiner Hühnerbrust fühlen (durch die Klamotten natürlich). Ich hab zu jeder Privatparty meine Platten mitgebracht und dieser Song hier hat es möglich gemacht, das ich all das beim Blues auf der Tanzfläche zwischen Cola und Erdnussflips erleben durfte. Bevor dann natürlich Flaschendrehen gespielt wurde. Die Housemartins-Nachfolgeband The Beautiful South mit ihrem “Song for whoever”
The Beautiful South - Song For Whoever
[MySpaceDirektFuckUniversalAufYouTube]
Platz 81
Kanns noch was besseres geben, als die drei Harros von eben, die das Niveau wieder heben?
Fettes Brot “Da draussen“:
[YouTubeDirektHeiligerStrohsack]
Platz 80
Wer sagt das Punks keine Gefühle haben? Dazu fällt mir was lustiges ein: Ich lese, wenn ich lange Bahnfahrten vor mir habe, sehr gerne das Plastic Bomb Magazin. Das ist so ein Punk-Fanzine, das man aber in jedem besseren Kiosk kriegt. Die haben also einen sehr guten Vertrieb. Weil die auch gleichzeitig noch einen Mailorder mit angeschlossen haben. Das Heft selber ist aber purster Punk. Da gibt es Geschichten über alte Helden und neue Recken. Demos werden gnadenlos besprochen (ähnlich lustig wie in der Juice) und man muss sich immerwieder wundern wie breit gefächert die Punk-Szene doch ist. Nur noch Punk und Hardcore, das gibts schon lange nicht mehr. Selbst Hardcore hat mittlerweile wohl um die 50 Absplitterungen. Wieauchimmer, sehr spannend zu lesen das ganze. Nun war ich ja mal Kolumnist eines monatlich erscheinenden Blättchens, bevor ich mit dem bloggen angefangen habe. Und da schrieb ich einmal über meine Lieblingsrubrik in der Plastic Bomb, nämlich über die Kontaktanzeigen. Die waren immer toll, denn da suchte dann zum Beispiel “Strassenköter ein Goth-Girl zum saufen” oder so. Also, das war eben echte Punkromantik, das fand ich super und lustig und auch skuril. Und auf die Kolumne hin bekam ich einige Emails in denen stand: Denkst du etwa, Punks hätten keine Gefühle? Würden sich nicht verlieben wollen? Das fand ich irrsinnig toll. Ich entschuldige mich nochmal bei allen Punks, die sich angegriffen gefühlt haben mögen, mit dem romantischsten Punksong aller Zeiten: “When i come around” von Green Day
Platz 79
Bleiben wir doch noch kurz bei grossen Gefühlen und Stromgitarren: Ich habe eine komische Vorliebe für cheesy Balladen mit klarer Hook. Bei REO Speedwagon fällt mir die Wahl zwischen ihren beiden Hits immer sehr schwer…Entweder “I can´t fight this feeling” oder “Keep on loving you“. Ich habe mich aber für letzteres entschieden, aus diversen Gründen:
Erstens ist das Video sympathisch bekloppt.
Zweitens finde ich diese endlos gniedelnde Gitarre in der Hook immer super.
Drittens mag ich wie der Sänger “Togethöööööööööörööööröörrr” “forevööööööööööööörörrrrr” etc. singt und
Vierstens finde ich die Zeile “When is said, that i love you, i meant, that i love you forever!” so wunderbar pathetisch hochgestochen. Überzeugt euch selbst:
[http://www.youtube.com/watch?v=u-mw1HGJjdA]
Platz 78
Ein Video das ich schonmal gepostet habe, als ich jüngere Musikhistorie erklärte: Der Sänger der Cars war Ric Ocasek. Derselbe Ric Ocasek produzierte auch das blaue Weezer-Album. Nun kennt man, zumindest hierzulande, von den Cars eher hauptsächlich die 80er-Schnulze “Drive”, guter Popsong, keine frage, aber der Zusammenhang mit Weezer und ihrem grandiosen Debut wurde einem nicht so recht klar. Zumindest mir nicht. Bis ich diesen (älteren) Song der Cars gehört habe. Klingt wie ein unveröffentlichtes Weezer-Lied. Hammer. Viel Spass mit den Cars und “Just what i needed“:
[YouTubeDirektBuddyHollyBlueprint]
Platz 77
Ja. Man muss auch mal die Stones hören zwischendurch. Es war ja nicht alles schlecht, was die gemacht haben. Ich persönlich mochte ja die Platte mit den Frauengesichtern drauf immer am liebsten, weil die auch am meisten Soul hat, irgendwie. Und ausserdem ist “Beast of Burden” drauf, das ist ja eh der beste Stones-Song. Übrigens: Schöne Bühne, mir gefallen die Heissluftballons. Man hat das Gefühl, sie könnte jeden Moment wegfliegen…
[YouTubeDirektDünnerMannGrosserHut]
Platz 76
Dieser Platz wird präsentiert von Sillis Ballsaal:
Eigentlich ist mein absoluter Lieblingssong von Air - all i need, da ich habe zurzeit gar keine zeit habe einen text zu verfassen habe ich mich für die beatsteaks mit hey du entschieden. der text war damals so schön. ich hätte gerne den platz 76…
Platz 75
Ein Lied für die Ewigkeit auf Platz 75? Ja, denn hier sind alle Plätze Gewinner. Dieses Lied hier ist zu Recht absolut unzerstörbar. Es ist der Kryptonier unter den Popsongs. Es kann nicht kaputt gecovert werden, obwohl es alle Welt versucht. Aber die Komposition ist so stark und mächtig, das man es nicht schafft es langweilig, scheisse oder doof klingen zu lassen. Eine Gänsehautnummer, mal langsam, mal schnell, aber nur in der Version der jungen Diana Ross in voller Grösse und Pracht zu bestaunen. Ein Monster von einem Song und ein guter Stellvertreter für sämtliche Motown-Kompositionen aus der Zeit. Die Essenz des Soul der späten 60er in einem Song: Live from Las Vegas, Diana Ross und “Ain´t no mountain high enough”
[YouTubeDirektAintNoValleyLowEnough]
Platz 74
Die wunderbare Welt der Konzeptalben. Ich liebe es. Umso erfreuter war ich natürlich, als die Ärzte dann nach Jahren auch endlich mal eins gemacht haben. Und das Konzept, das Thema des Albums war: Haare. Grandios. Ich befürchte, die Ärzte werden uns in dieser Liste nochmal begegnen, deswegen hier das wunderbare “Mein Baby war beim Frisör” mit der Zeile übers fisten, über die ich immernoch lachen muss:
Platz 73
Manche Lieder wurden nur für Kassetten für Kassettenmädchen produziert. Das sind dann magische Balladen, die ausserhalb des Kassetten-Kontextes nicht funktionieren. Die muss man dann gemeinsam mit der Angebeteten im Auto hören, am besten auf der Fahrt irgendwo hin, wo nicht zu Hause ist. Und dann lächelt man sich an und singt lautstark, voller Inbrunst und aus ganzem Herzen mit. Und schreit es in die ganze Welt hinaus. Und freut sich nen Ast ab. Eines dieser magischen Lieder könnt ihr hier nun erleben: Extreme mit “More than words”
[YouTubeDirektCauseIdAlreadyKnow]
Platz 72
Meine beste, heiss und innig geliebte Freundin hat sich damals in ihrer Heimatstadt immer an einem bestimmten Platz in der Innenstadt mit ihren Kumpels am Brunnen getroffen. Und da haben sie dann gelabert, gelästert und: getanzt. Es war die grosse Zeit des “New Jack Swing” und es ging natürlich permanent darum, wer die besseren Moves drauf hat. Competition. Warum man das auf einem öffentlichen Platz machen musste, habe ich nie verstanden. Vielleicht war es so eine Art Protest, um die Leute zu schockieren. Andererseits: “Ih, Egon, lass uns schnell weg hier, diese jungen Leute da vorne, die TANZEN!” Naja, wie auch immer. Sie haben auf jeden Fall zu einer Menge schrottiger Musik getanzt, das muss man ganz ehrlich sagen. New Jack Swing eben, also gerne auch mal Bobby Brown, zum Beispiel. Aber: Sie haben eben auch zu guter Musik getanzt und einer ihrer Favourites, ist auch Jahre später zu meinem geworden: Young MC “Bust a move”
Platz 71
Ich bin kein grosser Jazz-Kenner, aber eigentlich ein grosser Jazz-Freund. In Köln gibt es eine super Kneipe, in der nur Jazz läuft und wirklich nur erlesenste Ware, die der Wirt anscheinend schon seit Jahren im Regal hinterm Tresen hortet und wo sich jeden Abend anscheinend die gleichen drei Gestalten am Tresen treffen und sich gemütlich beim Kölsch ihre Lieblingsaufnahmen anhören. Herrlich. (Für die, die den Laden nicht kennen: Das “Metronom”, nähe Barbarossaplatz). Mich hat zum Beispiel Don Ellis immer mit am meisten beeindruckt, weil der es immer geschafft hat komplexe und komplizierte Songstrukturen mit aussergewöhnlichen Rythmen mit einer Big Band zu spielen. Das ist schon ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal, davon abgesehen das die Kompositionen nicht nur technisch, sondern auch musikalisch brilliant waren und sind. Da es keine alten Videos gibt, hier nun eine Performance des Würzburger Jazz Orchesters und dem grossartigen Ellis-Song “Turkish Bath“:
[YouTubeDirektSieDürfenTanzen]
Und morgen dann: Platz 70-56


Ach, watt schön. Zeitreisen am laufenden Band. Seit Dieter Landuris in Linie 1 “Hey Du” hauchte, muß ich mir jede Scheiß-Vorabendserie ansehen, in der er mitspielt. Eine schlimme Welt.
Und überhaupt, bei vielen der Titel tanzen die Synapsen Tango. Man sollte viel mehr Zeit trinkend vorm Plattenregal verbringen. Das mit dem Internet lenkt doch nur ab.
vielen dank! großartige mischung heute!
Ohdanke! More than Words ist wirklich magisch! Extreme magisch, sozusagen. Danke schön!
Ich merks schon, das wird die in sich geschlossenste, harmonischste Top100-Liste ever! Strange!
Hey Nils,
möchte Dir folgenden Song für Deine Liste ans Herz legen:Never Knew Love Like This Before von Stephanie Mills. Das ist eine feine Scheibe!
Übrigens:Hast Du gerade was zum Essen da? Ich würde gerne bei Dir ein wenig probieren…
Hoffe, Dir geht es gut, Grüße aus Madrid,
Michael
Woher kenne ich denn bitte den Ansager des Würzburg Jazz Orchesters? Ich meine: Den kennt man doch irgendwo her. Kennt man doch.
Aufgemerkt! Flea von den RHCP im Bust a Move Video!