Zurückhalten bitte. Alle.

Jörg Haider ist tot. Er starb bei einem Autounfall, auf dem Weg nach Hause. Bei SpOn kann man mehr Details lesen.

Worum es mir geht ist etwas anderes: Ich finde den Tod tragisch. Ein Autounfall mit 58 Jahren, was für eine Horrorvorstellung. Und jetzt wird es aber erst richtig losegehen. Meine Prognosen:

Von Links: Häme und Spott vorprogrammiert. Die Gemässigten werden etwas von Karma schwafeln, das man alles zurückkriegt, was man austeilt. Andere werden jubeln und Freudenfeste veranstalten, weil sie denken froh zu sein, das Haider nicht mehr da ist.

Von Rechts: Grosses öffentlichwirksames Leiden. Haider wird jetzt ganz sicher zum Märtyrer und von da ist es nicht mehr weit bis zu kruden Verschwörungstheorien, die so sicher wie das Amen in der Kirche kommen werden und man wird in rechten Kreisen laut und öffentlich über durchgeschnittene Bremskabel spekulieren und vermutlich noch abstruseren Schwachsinn.

Deswegen, bevor es richtig losgeht: Ich war mit nichts, was Haider politisch vertreten hat, einverstanden. Ich war auch erschrocken über die Stimmen, die er Rattenfängergleich, bei der Wahl in Österreich wieder ergattern konnte. Aber nur deswegen würde ich niemals und auf gar keinen Fall jemandem den Tod wünschen. Den wünsch ich meinem ärgsten Feind nicht und es erschrickt mich immerzu, wenn ich solche Wünsche irgendwo lese (zum Beispiel in den PI-Kommentaren). Ich hätte mich gerne weiter über den Mann aufgeregt und “quasi” mit ihm diskutiert, indem Leute mit ihm diskutieren die meine Meinung vertreten. Ich bitte euch alle, egal von welchem politischen Spektrum (wobei ich ja davon ausgehe, das nicht so wahnsinnig viele Rechte hier lesen), jetzt die Füsse stillzuhalten. Keine Häme, keinen Spott. Egal wie sehr er irrte, das hat er nicht verdient.

Mein ehrliches Beileid.

21 Friedenstauben

  1. warum? warum gerade für ihn? warum nicht für leute, die in ihrem leben konstruktiv waren. für den? niemals!

    Kommentar von r0ssi - 11. October 2008 um 15:24 Uhr
  2. Mit 58 Jahren erreichte Herr Haider immerhin ein Alter, dass weit über der durchschnittlichen Lebenserwartung der meisten afrikanischen Länder liegt.

    Kommentar von Dr.Sno* - 11. October 2008 um 16:32 Uhr
  3. Nun ja, wie oft hat er sich überschlagen? Offensichtlich auch noch ein Verkehrsrowdy.

    Okay, keine Häme und kein blutiges Nachtreten, aber Betroffenheit ist nun wirklich nicht angebracht. Er war kein Guter.

    Kommentar von Sibel - 11. October 2008 um 17:29 Uhr
  4. Recht hast, gibt sowieso wichtigeres in den nächsten Wochen als sich mit einem Toten zu beschäftigen.

    Kommentar von Thomas - 11. October 2008 um 19:20 Uhr
  5. @Sibel: Wer maßt Du Dir an zu sein, zu sagen,wer gut und wer schlecht ist? Woher willst Du wissen, wofür ein Haider noch gut gewesen wäre? Deine Einteilung ist relativ und nicht fähig, eine Wertung zu sein. Niemand verlangt von Dir, ihm eine Träne nachzuweinen. Aber den Anstand nicht nachzutreten, sollte man haben.
    Danke Nilz.

    Kommentar von Stephan - 11. October 2008 um 22:10 Uhr
  6. Deine Harmoniebestrebungen in alle Ehren, aber warum sollte ich mich nicht freuen, wenn sich ein ekelerregender Rassist selbst zerlegt, der seinerseits nicht eben zimperlich mit anderen Menschen umgegangen ist?

    Kommentar von pantoffelpunk - 11. October 2008 um 22:54 Uhr
  7. es geht nicht um gut oder schlecht. es geht nicht um richtig oder falsch. eine demokratie hält auch recht aus, oder tsllt sich ihnen entgegen (siehe köln zuletzt). das sind mechanismen, auf die ich vertraue. gesunder menschenverstand und so. haider, egal was er dachte oder meinte, hat niemanden umgebracht oder so. er hat politisch geirrt, deswegen wünsche ich niemandem den tod oder freue mich darüber. leute, der war auf dem weg zum 90. geurtstag seiner mutter! könnt ihr euch irgendwie vorstellen, wie es jetzt dieser familie geht? deswegen, mein ehrliches beileid den angehörigen.

    Kommentar von nilzenburger - 12. October 2008 um 01:05 Uhr
  8. Ich kann mir doch nicht anmaßen, Leuten, die ich nicht kenne, mein Beileid auszusprechen. Ein der Tod von Haider ist für mich genau so interessant wie die Geburt von Britney Spears’ Kind oder die ähh… ach, guck in die Bunte.

    “Zurückhalten bitte” gilt also auch für dich und z. B. René.

    Um es mal umzudrehen, genau so wenig könnte ich den Verwandten von George Carlin mein Beileid aussprechen, weil ich den Mann einfach nicht persönlich gekannt habe.

    Und dann wird es zu einer obligatorischen Geste, so wie “Gesundheit” oder “Mit freundlichen Grüßen”. Heuchlerische, leere Worte.

    Kommentar von Jan - 12. October 2008 um 01:18 Uhr
  9. ich verstehe was du meinst jan, aber: es ist nunmal so: wenn ich zum beispiel die todesanzeigen in der zeitung lese, dann empfinde ch auch beilied mt den angehörigen, die wird aber ´kaum jemand kennen. ich stelle mir vor wie schrecklich das für die sein muss und es tut mir, persönlich, auch wenn die fremd sind, wirklich leid. vor allem wenn man dann in der anzeige auch noch etwas über die person erfährt.

    bei haider gibt es natürlich ein gewisses “öffentliches interesse”, so auch meins. ich habe ja, mehr oder weniger sporadisch, verfolgt, was der mann gemacht hat. und fand es schrecklich und unerträglich. hätte ich ihn getroffen, ich hätte ihm sicher gerne meine meinung gegeigt. aber ich ahnte, als ich von dem tod bei spon las, das es jetzt losgeht. das jetzt die häme-eimer ausgeschüttet werden. das alle meinen sich freuen zu müssen, das haider nicht mehr lebt. und das finde ich stillos. und unverschämt. und geschmacklos. ich wollte, sehr bewusst und sehr früh, ein zeichen dagegen setzen. das alle mal nachdenken was sie sagen, bevor sie den mund aufmachen. das da wirklich etwas dramatisches passiert ist.

    ich muss meinem feid nicht meine wange hinhalten, aber ich kann ihm mit dem respekt begegnen, den ich von ihm erwarten würde (auch wenn er mir den nie zuteil lassen würde). nun regst du dich über die bedeutung des wortes “beileid” auf. ich finde das etwas spitzfindig und wortklauberisch aber ok: natürlich leide ich nicht ansatzweise so wie seine angehörigen. warum auch. aber “mein ehrliches beileid” ist ja ein mit bedeutung aufgeladenes wort. es ist eine respektbekundung, an die angehörigen. nicht mehr, nicht weniger. so ist das beileid eines fremden zu verstehen und so habe ich das immer gesehen. insofern kann ich da nichts heuchlerisches oder leeres finden. sorry.

    Kommentar von nilzenburger - 12. October 2008 um 01:27 Uhr
  10. wo verläuft denn da die grenze?

    ab wann darf man öffentlich sagen, man bedaure es nicht, wenn ein widerlicher nazi stirbt - ohne in der unverschämten häme-ecke zu stehen?
    viele böse verstorbene menschen hatten sicher auch betroffene angehörige, deren trauer man durchaus nachfühlen könnte - wenn man den brackground der person ausblendet (zb filbinger und öttingers trauerrede - wie groß war da die empörung?).
    da das bei leuten wie haider, die einfach mit so nem riesigen arschloch-kontext durch die welt gewandert sind, für mich nicht möglich ist, fällt mir auch das mitgefühl sehr schwer.

    nen schwieriges thema.

    Kommentar von simon - 12. October 2008 um 05:37 Uhr
  11. ich glaube hier haben sogar einige vergessen, dass Haider für den EU-Beitritt der Türkei war. ich habe ihn auch nicht als angenehm empfunden, aber:

    Wer den Wert eines Menschen als angeborene Konstante nicht anerkennt, läuft Gefahr in seinen Methoden genau so zu werden, wie die, die er eigentlich bekämpft.

    Kommentar von silka - 12. October 2008 um 11:31 Uhr
  12. Also ganz ehrlich:

    Der Typ überholt auf einer Passstrasse die auf 70km/h beschränkt ist mit 142km/h einen anderen Pkw und verunglückt dabei. Ob er sein Leben und das der anderen Verkehrsteilnehmer nun riskiert hat um noch rechtzeitig zum Geburtstag seiner Mutter zu kommen ist doch hoffentlich nicht relevant.

    Nur weil man seinen Tod nicht bebeileidet, heisst das ja noch nicht, dass man ihm diesen Tod gewünscht hätte.

    Kommentar von Dr.Sno* wünscht alles gute zum Geburtstag - 12. October 2008 um 13:11 Uhr
  13. Beileid : Anteilnahme, Kondolenz, Mitgefühl.

    Beileid aussprechen : Anteilnahme versichern, Beileid bezeigen, kondolieren.

    Der Verunglückte hinterlässt eine Frau und zwei erwachsene Töchter.
    was haben Kinder mit dem Tun und Handeln eines Vaters zu tun?
    Sie haben einen wichtigen Menschen in Ihrem Leben verloren.
    Ihren Vater.
    Das tut unendlich weh wenn ein Familenmitglied welches ein das gesamte Leben bis dato begleitet hat und welches man liebt auf einmal nicht mehr da ist.
    Man versteht es nicht
    Ich kann das nachvollziehen.

    Ich schliesse mich den Worten von Nilz an. Gut geschrieben. Soweit man das in so einem Zusammenhang sagen kann…

    Kommentar von J* - 12. October 2008 um 13:34 Uhr
  14. Keine falsche Milde. Lohnt sich bei manchen Menschen nicht, v.a. bei Menschenverachtern, wenn sie über Leute mit »Migrationshintergrund« reden.

    Kommentar von mule - 12. October 2008 um 20:40 Uhr
  15. @ Nilz und auch fast alle anderen die hier gepostet haben: Für euch scheint es in diesem Fall nur zwei Seiten zu geben, Beileid oder Verachtung.

    Props daher an Dr. Sno (#12).

    Kommentar von Jan - 13. October 2008 um 00:12 Uhr
  16. @nilz: Happy Birthday erstmal…
    … seine 90-jährige Mutter tut mir nun auch nicht wirklich leid, war sie doch stramme Nationalsozialistin :-)

    Kommentar von pantoffelpunk - 13. October 2008 um 20:21 Uhr
  17. ich find es auch immer schwierig irgendwelche leuten die man nicht gekannt hat irgendwelche ernsthaften emotionen entgegenzubringen. Seien es nun Arschgeigen oder Leute die man toll fand. Wenn ich das Werk oder das was jemand sagte mochte, ist es zumindest glaubhaft wenn ich bedauern darüber ausdrücke, dass derjenige nicht weiter lebt und mehr wunderbare Dinge hervorbringen wird. Aber das war es dann auch. Bei Leuten deren Werk und Reden ich verachtet habe, kann ich ganz ohne Häme sagen, dass ich zumindest kein Bedauern verspüre, wenn sie zukünftig keinen Scheißdreck mehr reden werden. Es gibt auch Leute die ich für Gemeingefährlich halte und bei denen ich glaube, dass ihr Wirken vielen Menschen auf Dauer Schaden und Beeinträchtigung zufügen wird und ich vertraue da nicht wirklich auf die säurebindende Selbstreinigungskraft einer zunehmend demontierten Demokratie.

    Ich find es auch angesichts der Menschen die jeden Tag jämmerlich verrecken oder schlimmer noch ein freudloses, erbärmliches Leben führen und um die man sich ein Dreck schert, weil sie eben nicht bekannt sind und höchstens als Statistik wahrgenommen werden, immer etwas fragwürdig dann für irgendeinen Promi in Beileidsbekundungen auszubrechen.

    Bei jedem anderen hätte man wahrscheinlich gesagt, der hat sich für den Darwin-Award nominiert - nur weil Haider bekannt war, kramt man jetzt die Familie raus und die armen Hinterbliebenen. Es sterben jeden Tag Leute, die weit weniger Arschgeigen war als Haider, auch die haben Hinterbliebene, auch die haben Menschen die um sie Trauern. Kümmert auch keine Sau. Warum also ein letzter Gruß, Haider?

    Es gibt soviele Menschen an deren Schicksal ich keinen Anteil nehme und die mir - wie den meisten - gleichgültig sind. Haider war einer von ihnen. Genau wie Möllemann, Barschel und wer auch immer sich als nächster aus dem Genpool verabschiedet…

    Kommentar von Batzman - 14. October 2008 um 01:18 Uhr
  18. Auf Recht und Gesetz hat er immer sehr gestanden, der Herr Haider. Physikalische Gesetze scheint er ähnlich kreativ ausgelegt zu haben wie juristische, oder eben die Strassenverkehrsordnung. “Die eklatanteste Auferstehung nach jener von Lazarus” wäre er, na dann, ich bin gespannt!

    Über Tote soll man nichts Schlechtes sagen. Gutes fällt mir nicht ein zu Herrn Haider. Also lass ich es lieber ganz. Aber Bei- / Mitleid? Nö. Eher Vorschlag für den Darwin-Award, und Auslese der Besten, darauf stehen die doch alle ein bißchen am rechten Rand.

    PS: “haider, egal was er dachte oder meinte, hat niemanden umgebracht oder so.” - hat Hitler eigentlich jemanden umgebracht?

    Kommentar von pirniplickts - 14. October 2008 um 17:33 Uhr
  19. wieviele leute sind denn alles nazis oder kinder von nazis in d-land und österreich? tut doch nicht alle so als wäre haider der einzige - im gegenteil er hat als öffentliche person wenigstens dazu gestanden dass seine eltern nazis waren, wie ca 92.7 prozent aller damals. gibt doch nur keiner zu.

    nicht dass ich politisch auch nur irgendwas mit j.h. gemeinsam hätte, aber man sollte sich wirklich überlegen warum man über den tod eines menschen so pietätlos sein muss, bringt ja keinem was. er war kein “nazi”, er hat auch niemanden umgebracht, einfach ein rechtsgelagerter politiker, wie es viele gibt (schaut mal richtung frankreich). lasst ihn doch einfach ruhen.

    Kommentar von leonie - 19. October 2008 um 18:14 Uhr
  20. hitler und haider zu vergleichen - dazu kein kommentar. wach auf!

    Kommentar von leonie - 19. October 2008 um 18:16 Uhr
  21. was jetzt auf haider niedergeht, sind die geister die er rief.

    Kommentar von meistermochi - 24. October 2008 um 19:43 Uhr

Deine Friedenstaube