Ich wurde gemacht um dich zu lieben, Baby.

Ich gehe eigentlich ungern auf Konzerte. Weiss auch nicht warum, aber meistens langweile ich mich da ganz schnell. Allerdings habe ich in letzter Zeit wieder ein bischen mehr Lust darauf bekommen, was sicher daran liegt das die Bands mittlerweile auch wissen, wie wichtig eine schöne Liveperformance ist (s.a. Deichkind). Am Montag war es wieder soweit: Eine Freundin hat mir netterweise Karten geschenkt. Nach dem Spiel am Sonntag und einem Ausflug am Montag, von dem ich an anderer Stelle sicher noch berichten werde, waren wir alle ziemlich im Eimer. Und deswegen musste ich dann Montag Abend alleine losgehen. Obwohl ich noch eine Karte übrig hatte. Ich bin auf das Konzert gegangen (gibt es eigentlich noch Menschen die “Konzi” sagen? Ich hoffe nicht…), weil ich dachte: Die Band muss man schonmal live gesehen haben. Die haben das Live-Band sein quasi erfunden. Und die meisten ahnen es bereits: Ich war auf dem Konzert von KISS.

Das Durchschnittsalter des Publikums war ungefähr 10-15 Jahre über meinem und wurde höchstens gedrückt durch ein paar Anwesende Jugendliche, die von ihren Vätern mitgeschleppt wurden. Bis auf einen Typen, den ich mit einem Metallica-Shirt sah, waren alle mit KISS-Leibchen bekleidet, jeweils immer verschiedene Tourshirts der Tourneen der letzten 30 Jahre. Das MOtto des Abends war übrigens: Alive 35! Vor 35 Jahren wurde das berühmte Alive-Album von KISS veröffentlicht. Meine Herren. Ganz schön was auf dem Buckel, die Platte. Wie die Vorband mit Namen hiess war nirgendwo zu lesen. Das waren so junge Emo-Rocker, ich glaube mit Kajal, wo der Sänger immer so schön sang und der andere Gitarrist und der Bassist immer zum konterkarieren ins Mikro grunzten. Die haben auch keinen Break zwischen den Songs gemacht, sondern einfach durchgespielt, eine halbe Stunde lang. Das ganze hat wohl zwei Gründe gehabt:

1.) Dadurch sparten sie Zeit bei den Ansagen und konnten so bestimmt mindestens ein Lied mehr spielen.
2.) KISS Fans zeichnen sich durch vieles aus, aber sicher nicht durch ihre Toleranz anderen oder neuen Bands gegenüber. Ich gebe gerne zu: Die beste Band war das nicht, eher so ein bischen uninspiriert, aber musikalisch hats okay gerockt, als Warm Up schon zu gebrauchen. Aber als die dann ganz fertig waren gab es Buh-Rufe und Pfiffe und drei Leute haben geklatscht. Da hätte ich auch durchgespielt.

Die waren auf jeden Fall irgendwann fertig und wurden von der Bühne geräumt. Dann fiel das grosse Banner mit dem bekannten Schriftzug und die Leute jubelten sich schonmal warm. Als nächstes kam so eine Art Synthesizer-Brummen, ein diffuser Sound und die Spannung stieg. Man hörte das laut kreischende “Berlin? Are you there?”, alle schrieen, mit lautem Knall und Feuer fiel das Banner und während man Eric Singer am Schalgzeug und im Pete Criss Make-Up schon am Schlagzeug auf dem Podest sitzen sah, kamen die anderen 3 Bandmitglieder Gene Simmons, Paul Stanley und Tommy Thayer instrumentespielnderweise auf einer Art Ufo von oben auf die Bühne geflogen. Es war klar: Jetzt gehts los. Die grosse Show. Ich war gespannt.

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Was soll ich sagen? Nach dem ersten Knalleffekt wurde es tatsächlich ein bischen langweilig. Die Band spielte ihre Songs runter, alles alte Albumtracks die man als Fan wohl kennt, die mir aber eigentlich nichts sagten. Ich schätze ich kenne so 6-10 Kisssongs, von denen war keiner dabei gewesen. Und auch die Show hielt sich in Grenzen. Klar, ab und zu mal ein kleines Feuerchen, Simmons spie sogar einmal Feuer von einer Fackel die wie ein Schwert aussah, aber es wurde schnell sehr redundant: Licht an, Song runterspielen, Feuer, Song zuende, Licht aus. Licht wieder an, Stanley spricht…moment. Das sollte wohl auch noch erwähnt werden. Stanley hat ausnahmslos alle Ansagen gemacht und mich dabei dann doch wieder sehr amüsiert, denn der spricht exakt so, wie er singt. Immer so schreiend gepresst. Das wurde am allerlustigsten, als er einen Song ansagte, an dessen Titel ich mich nicht mehr erinnere:

“The next song, is a song about alcohol. But remember Berlin: Don´t drink and drive! When you want to drink, do it in a safe place and take care that you don´t hurt yourself or others! Because we want to come back next year…(Jubel)…and we want to see everyone of you again!”

Die härtesten Überväter des Rock predigen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol. Nicht schlecht. Ich war ziemlich baff und habe sehr kichern müssen, was mir die umstehenden KISS-Fans aber wohl übel nahmen, zumindest guckten sie mich alle böse an. Der Gitarist hatte noch ein Solo bei dem er alleine auf der Bühne stand und mit Pyros die aus seiner Gitarre schossen Flammen in den Himmel zauberte. Natürlich nicht ohne vorher scheinbar endlos rumzugniedeln. Beim nächsten Song hatte dann der Schlagzeuger sein Solo, bei dem er wie wild trommelte, sein Schlagzegpodest nach oben fuhr und unten Qualm rausschoss. Dann kamen noch 2 Songs, die Band verneigte sich vor dem Publikum und verliess die Bühne.

Und dann ging es endlich richtig los.

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KISS kamen zurück und spielten alle ihre Hits. Dabei spuckte Gene Simmons Blut und flog auf die Traversen über ihm, an denen die Scheinwerfer befestigt waren. Paul Stanley flog auf einer Art Seilbahn über das Publikum und spielte einen Song auf einer kleinen Minibühne mitten in der Masse. Naja, sie war eher direkt neben dem Mischpult, aber das stand ja mitten in der Masse. Bei “Rock´n´Roll all night” wurden Riesen-Konfettikanonen abgefeuert die die ganze Riesenhalle sofort in einen Blizzard verwandelten und als dann “I was made for loving you Baby” lief, riss es die Leute von den Stühlen und alle tanzten. DAS war die Show wegen der ich hier war, DAS wollte ich mal gesehen haben. Hammer.

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Dann war alles vorbei. Die Leute strömten aus der Halle, schrieen auf der Strasse rum, oder sich gegenseitig an um sich zu versichern, das sie gerade KISS live gesehen haben, die Legenden des Rock. Und auch wenn es mir dann zum Ende hin noch gut gefiel, muss ich sagen: Die Männer sind alt geworden. Das sieht man vielleicht nicht unter dem ganzen Make-Up. aber das sieht man an der Art wie die sich bewegen. So komisch staksend. Und silberne Buffaloschuhe sind irgendwie auch nicht mehr cool. Das könnte man aber alles noch easy verkraften und als lustig abtun. Das Ding ist nur: Die Songs klingen so alt, wie sie sind. Mir ist mal wieder aufgefallen, warum ich eben nie so ein grosser KISS-Fan wurde: Weil die Songs so outdatet rüberkommen, so altertümlich, so antiquiert. Das liegt wahrscheinlich daran, das Simmons ja nun wirklich fast immer eine Art Discobass gespielt hat, der ausserhalb dieser Zeit im Rock eigentlich nicht wieder vorkam. Es hat bestimmt auch noch andere Gründe, keine Ahnung, aber irgendwie wirken die wie eine Parodie ihrer selbst. Eigentlich auch deswegen, weil sie alles auf der Bühne so furchtbar ernst nehmen, es gibt irgendwie keinen Moment der Ironie. Was die Show aber dringend bräuchte um ernst genommen zu werden. Das klingt paradox, ist aber nicht weniger seltsam als alte Männer in 40 Jahre alten Kostümen. Den musikalischen Vergleich mit AC/DC müssen sie sich gefallen lassen und den verlieren sie haushoch. Die Sachen die Angus Young und Co da produziert haben, klingen seit je her zeitlos, wahrscheinlich weil sie so altmodisch gemacht sind. Reiner, klassischer Rock. KISS haben da versucht moderner zu sein, das macht sie heute älter als sie sein wollen. Das Ding ist aber auch: Ich habe öfters lachen müssen, aber die Leute nehmen das auch so wahnsinnig ernst. Die vergöttern ihre Band. Die kämen mit einem ironischen Bruch vermutlich gar nicht klar. Und das ist ein bischen Schade.

Alles in allem war es aber ein wirklich unterhaltsamer Abend, der seine Längen hatte. Ich war aber auch schon ziemlich kaputt als ich ankam. Was meint ihr wie froh ich war, als ich zu Hause ins Bett fiel.

1 Trackback

  1. Zarte Rockerseelen - Harte Fäuste - Gepflegte Konversation fuer [...]

5 Friedenstauben

  1. Das war eine meiner ersten Singels in Pink… I was made…

    Die meihabichdasvielgehört Besucherin

    Kommentar von besucherin - 13. June 2008 um 13:10 Uhr
  2. Die Vorband hieß übrigens From First To Last und war sehr schlecht gewählt, weil kaum einer der Kiss Fans die sehen wollte und die Emo-Kinder, die From First To Last sehen wollten, sich keine Kiss Karte leisten konnten :(

    Kommentar von Soledad - 13. June 2008 um 13:33 Uhr
  3. Sind zwar wirklich old freakys und hatten doch auch mal `ne phase ohne make up? Aber echt schlimmer sind solche Ausflüge zu Oldie Shows. Da sind die Original Sänger, die ja nun auch Opis sind- Trotzdem laufen die Original Playbacks. Das ist Horrorshow. Die Voices sind noch voll fresh. Beschiss pur. Die Jungs hier ziehen, wenn auch alt geworden, ihr Ding noch durch.

    Kommentar von Jerry - 13. June 2008 um 21:01 Uhr
  4. ich fand das eines der bsten konzerte auf dem ich je war, aber vielleicht ist das in münchen besser gewesen wie so vieles ha ha

    Kommentar von roman libbertz - 17. June 2008 um 00:39 Uhr
  5. Die Alkoholnummer kann man schon fast als Song abhaken. Bringt er bei jedem Auftritt, der alte Paul!

    Kommentar von Alberto Green - 17. June 2008 um 07:41 Uhr

Deine Friedenstaube