Mein erstes Mal, Tag 1.

Erklärung: Ich bin auf der re:publica, das ist eine Bloggerkonferenz. Sozusagen ein Real-Life Social Network. Das heisst: Menschen aus ganz Deutschland, die immer ins Internet schreiben, treffen sich hier im echten Leben und entwickeln echte Gefüle zueinander. Oder so. Ich versuche euch davon zu berichten, so unnerdig wie es nur geht, damit auch normale Menschen etwas damit anfangen können. Ich präsentiere euch quasi die menschliche Seite des Internet.

Strebermässig war ich heute Morgen schon sehr früh am Start, das hat aber einen einfachen Grund: Die Schule meiner Kleinen ist um die Ecke. Da bringe ich sie dann hin und frühstücke dann (warum ist bei dem Kioskmann meine Tageszeitung immer so schnell ausverkauft? Im Ernst: Der hat sogar den Kölner Stadt-Anzeiger vom Vortag da liegen, aber aktueller Tagesspiegel? No way…) und schwuppdiwupp bin ich schon am Veranstaltungsort. Hab mir meinen Pass umgehängt und war bereit. Meine erste Konferenz, die ich als “professioneller Teilnehmer” besuche, wow. PopKomm schön und gut, aber da war man ja immer nur wegen der Partys und so. Hier bin ich nun, um mir in geheimen Hinterzimmern den Kopf zu zerbrechen, über die Zukunft des Internets in good ol´Germany. Mindestens.

Nach einer Hofzigarette und einer Apfelschorle gehe ich in den grossen Hauptraum um mir die feierliche Eröffnungsorgie anzuhören, die eigentlich nur ein kleines und scheues “Hallo, schön das ihr da seid.” ist. Und langsam merke ich, das mir diese Veranstaltung sehr auf den Nacken gehen wird. Denn immerwieder drehe ich mich um um zu sehen ob jemand da ist, den ich kenne. Wo bleibt eigentlich René? Julie? Zartha? Jeriko? Und wo ist Patsy Jones?

Jürgen von der Lippe sang einst “Und wo wir schonmal da sind, da bleiben wir auch hier…” und diesem Motto nehme ich mich an und bleibe nach der Begrüssung auf meinem Platz um der ersten Keynote (das heisst doch so, oder? War ein Vortrag, ähnlich einer Vorlesung in der Uni) zu lauschen. Ein Harvardprofessor mit auffällig wienerischem Akzent erklärt die, von mir gerade eben so benannte, “Las Vegas”-Gefahr im Netz, die da lauten könnte: What happens in the net, stays in the net. Und wie man sich davor schützen könnte/sollte/müsste. Dabei habe ich immer das Gefühl das er versucht sein Redetempo der Geschwindigkeit seiner PowerPointPräsentation anzupassen, was mitunter bizarr wirkt, aber vielleicht auch nur in meinem Kopf. Das ganze war schon interessant, aber für mich hat es irgendwie nicht zum Erkenntnisgewinn beigetragen. Diesen Vortrag sollte er dringend an Schulen halten, oder in Firmen oder überall sonst wo Nicht-So-Internetaffine Menschen sind, die aber gerne das Netz benutzen. Für die wären die Informationen Gold wert.

Danach überlege ich meine Jacke liegenzulassen, um meinen Platz zu reservieren, aber da ich meinte gelesen zu haben, das das letztes Jahr schon alle gemacht haben und das dieser “Engländer-Mallorca-Liegestuhl”-Style nicht so gut ankommt, nehm ich sie wieder mit nach unten. Zum rauchen. Und Apfelschorle trinken. Der sehr nette ix grüsst mich sehr nett, Johnny ist unaufgeregt und ich lerne Gabriel kennen, Blogbeauftragter vom Vice-Magazin. Und frage mich: Wo ist eigentlich René? Und Patsy Jones?

Ich gehe zu einem Panel (sprich: Diskussion) über die Zukunft sozialer Netzwerke wie MySpace und StudiVZ. Tim, der Moderator, macht keinen Hehl aus seiner Abneigung entsprechender Dienste und fragt für meinen Geschmack etwas zu sehr á la “Was soll denn der Scheiss?”. Der MySpaceMann ist mit dieser Attitüde offensichtlich vertraut und pariert souverän, auch als Tim zu Anfang etwas merkwürdig zu verwirren versucht, wegen irgendwelcher Klickzahlen, die sowieso keinen interessieren. Der StudiVZ-Typ ist dahingegen wohl eher ein gefundenes Fressen. Ich weiss, scheiss auf Äusserlichkeiten, aber der sitzt da echt in einem orangen Pulli aus dessen Ausschnitt der weisse Hemdkragen guckt. Selffulfilling BWL-Klischee sozusagen. Und der erzählt dann tatsächlich recht absurde Sachen, so das der Moderator nicht einmal mehr intervinieren muss. So nach dem Motto “Unsere Datenbank ist nichts wert.”, was ja irgendwie stimmt, aber irgendwie auch ziemlicher Käse ist. Dirk Olbertz, der damals Blogscout gemacht hat und heute blogger.de, findet das alles Käse, will mehr Medienkompetenz des Users und sagt in etwa, das alle bloggen sollen. Weil das persönlicher als ein Profil ist. Was ja auch irgendwie stimmt, aber eben auch einen deutlichen Mehr-Aufwand bedeutet. Und ich kann verstehen das die meisten Menschen darauf keinen Bock haben. Eine schwarze Lederjacke mit blonden Locken läuft an mir vorbei und ich denke es ist Patsy Jones, aber ich weiss es nicht.

Wieder im Raucherhof will Jeriko mit mr was besprechen, was wir aber auf die nächsten Tage verschieben. Ich lerne Julia von Les Mads kennen, meinem Lieblingsmodeblog. Warum, das erkläre ich euch ein andernmal. Ihre Begleitung/Ihr Freund/Ihr Bruder/Ihr Fahrer ist auch ein superkorrekter Typ, der Hobnox macht. Julie Paradise pausiert mit ihrer schönen grossen Kugel im Hof und muss andauernd auf Toilette. Was sie Schwangerenklischees nennt. Da kenn ich aber ganz andere und erwarte wie sie saure Gurken mit Sahne isst. Gabriel zeigt mir was Vice online alles schickes macht, erklärt mir noch die Abstammung der Hopfen-Pflanze und am Buffet treffe ich Tanja. Ich esse recht geschmacksneutrale Pasta Pesto, plausche kurz mit Mario Thiema und gehe dann zurück in den grossen Saal um einem Panel über Blogs vs. Journalismus beizuwohnen, in dessen Besetzung ein reiner Journalist und somit “Gegner” fehlt. Macht aber nichts. Stefan Niggemeier ist da und Mercedes Bunz, das interessiert mich schon genug. Und Thomas Knüwer, aber der hat mich mal in seiner Liverstreamsendung so komisch gedisst, deswegen find ich den jetzt auch komisch. Touché!

Als ich den grossen Saal betrete suche ich eine Steckdose, der Akku meines Rechners ist alle. Und man muss hier mindestens live mittwittern, sonst geht jar nüscht. Als ich an einen Platz komme, an dem ich eine Steckerleiste ausmache, kann ich auf den Monitor des jungen Mannes vor mir blicken und sehe das er einen Account für die fünf Filmfreunde hat! Wer ist das denn?, denke ich eine Millisekunde um mir dann imaginär vor die Stirn zu schlagen, denn selbstverständlich sitzt da René! Ein grosses Hallo, wir freuen uns uns zu sehen und dann geht die Diskussion auf der Bühne los. René schickt mir eine Einladung zu einem Onlineradio (demnächst mehr an dieser Stelle) und wir twittern und lauschen das es eine wahre Freude ist. Dann muss ich aber los, die Schule ist aus und ich muss die kleine Dame abholen. Im rausgehen treffe ich noch Zartha und damit ist der erste Tag für mich gelaufen. Schön wars alle wiederzusehen. Es hatte etwas sehr familiäres. Was gut ist. Und Spass macht. Bin schon sehr gespannt auf Tag 2. Hoffe dann natürlich auch endlich mal Herm und Philipp zu treffen. Und meine Demospezis Björn Grau und Malte wiederzusehen. Wo hat sich Mo versteckt? Mit Les Mads Julia bin ich auch lose verabredet. Und ganz viele andere unbekannte Gesichter zu bekannten Blogs will ich kennenlernen. Und wo steckt eigentlich Patsy Jones?

2 Trackbacks

  1. Wer noch über die Republica 2008 gepostet hat » SEO Blog
  2. » Noch mehr republicaner - Baynado’s Suchmaschinen Bl [...]

8 Friedenstauben

  1. Mach doch mal ‘nen Beitrag mit vielen Verlinkungen!

    Kommentar von MC Winkel - 03. April 2008 um 00:07 Uhr
  2. mo kommt nicht, mo ist in der weltgeschichte[tm] unterwegs. ;)

    Kommentar von ntropie - 03. April 2008 um 01:38 Uhr
  3. Nilz! Du hast sogar schon kurz neben Herm und mir gesessen. Draußen beim Essen. Aber Du hast mit irgendeinem Kollegen Laptop geguckt, da sind wir nicht dazwischen. Bis morgen dann. Freu mich auch.

    Kommentar von Philippp - 03. April 2008 um 03:11 Uhr
  4. Falls ihr mich sucht (haha) - ich bin am Strand…

    Kommentar von Dr.Sno* (ist keinen Diss wert) - 03. April 2008 um 12:24 Uhr
  5. …und wenn ich nicht hier bin, bin ich auf dem Sonnendeck. ^^

    Kommentar von Herr Schmidt - 03. April 2008 um 14:55 Uhr
  6. hast mir doch lust gemacht

    Kommentar von roman libbertz - 03. April 2008 um 22:07 Uhr
  7. Nils. Alte Kanone. Danke für den shout-out. Der Fahrer wars. Bis bald.

    Kommentar von David - 05. April 2008 um 14:27 Uhr
  8. So gehört sich das: erst der Fahrer, dann die Mamselle selber. Ja. Zu lose waren wir verabredet. How can we do it? Wir müssen brainstormen! In Bälde. Erstma Blogroll. Also Du. Bei uns. Tschüß.

    Kommentar von julia - 05. April 2008 um 17:34 Uhr

Deine Friedenstaube