Ich muss mal wieder auf ein Thema kommen, das ich hier an anderer Stelle und aus anderem Anlass schonmal behandelt habe.
Als ich mich neulich mal wieder durch Wertkauf-Walters tägliche Linkliste klickte, war ich doch sehr überrascht, da einen Link zu einer Liste des VDS zu finden. Auf dieser Liste sollen Phrasen oder Wörter dokumentiert werden, die eine ernsthafte Gefahr für unsere deutsche Sprache darstellen, weil sie die deutschen Equivalente langsam aber sicher verdrängen.
Nochmal: Sprache ist etwas lebendiges. Sprache entsteht durch Einflüsse, durch kulturelle Vielfalt. Ich weiss noch wie ich zum ersten Mal den Begriff “Oberaffentittengeil” gehört habe. Da war ich 7 Jahre alt, oder so, und mein Vater hat das gesagt und sich kaputt gelacht. Ich fand das auch sehr sehr lustig. Kurze Zeit später kamen Bruce and Bongo mit dem dazugehörigen Song um die Ecke, fand ich als Kind auch irgendwie gut. Was mich aber auch faszinierte waren Acts wie Trio oder Falco, die mit einer leichtfüssigen Stilsicherheit Deutsch und Englisch vermischten. Da habe ich das erste Mal gemerkt, wie sehr Englisch manchmal auf den Punkt ist, das es Phrasen gibt, die in Deutsch weder so sehr auf den Punkt kommen, noch so ein schönes Bild zeichnen. Eine meiner Lieblingsphrasen im Englischen ist zum Beispiel: That rings no bell. Das kriegt man auf Deutsch irgendwie nicht so hin. Klar, ich kann sagen: Da klingelt nix. Aber mal ehrlich: Das klingt eher wie die Aufforderung, doch bitte schnellstmöglich in die Geschlossene eingewiesen zu werden.
Worauf ich hinaus will, ist: Es gibt keine Bedrohung. Keine Fremdsprache kann eine Bedrohung für die eigene Sprache sein. Und gerade Englisch ist die wichtigste Sprache der Welt. Ohne Zweifel. Wenn ich dann aber in der VDS-Liste lese, das “and the winner is…” eine Bedrohung darstellt für “und der Sieger ist..” dann muss ich ernsthafte Zweifel an der kulturellen Kompetenz der VDSler hegen, denn, ich sag es jetzt nochmal obwohl es euch allen eigentlich klar sein dürfte, “and the winner is..” ist ja eine lupenreine Referenz an die Oscars. Und die werden nunmal in Amerika verliehen. Und überraschenderweise, lieber VDS, spricht man in den USA Englisch. Auch wenn sich einige deutsche Begriffe in deren Wortschatz geschlichen haben, wie etwa “Zeitgeist” oder “Kindergarten”. In Japan ist es zum Beispiel so, das die finden das deutsche Begriffe nobel klingen. Deswegen gab es vor Jahren mal ein Spiel namens “Ehrgeiz”. Da gibt es aber keinen VJS, der sagt: Oh Gott, welch Gefahr! Deutsche Begriffe zerstören unser schönes japanisch! Sowas gibt es nur hier.
Versteht mich nicht falsch: Ich bin mit dieser Sprache aufgewachsen, ich bilde mir ein sie ziemlich gut zu beherrschen. Sprache war schon immer Teil meiner Arbeit, meiner Leidenschaft. Mir rollen sich die Fussnägel hoch, wenn jemand “einzigste” sagt, und ich kann bei weitem besser in Deutsch reimen, als in Englisch. Aber ich möchte keinen einzigen englischen Begriff aus meinem Wortschatz missen. Ich möchte von meiner Freundin (wenn ich denn eine habe..(oh Gott, was für ein erbärmlicher Einwurf..)) als meine “Lady” sprechen können. Ich werde weiterhin irgendwelche Dinge “fresh” finden und den Weltfrieden “Award” verleihen. Ich freue mich wenn sich HipHop-”Kids” als “Toy” beschimpfen, weil sie “beef” miteinander haben. Ich werde auch weitehin von der “Backgroundsängerin” sprechen, und Sachen “cool” finden, ausser “Call-In-Sendungen”. Das ist die eine Seite. Auf der anderen sieht de VDS Bedrohungen, wo keine sind, denn mal ehrlich, ich kenne zum Beispiel kaum jemanden der “pedigree” statt “Stammbaum” sagt (schon allein weil hier dabei jeder an Hundefutter denkt). So könnte ich noch hunderttausende Beispiele aus der Liste geben, aber seht sie euch mal selbst an. Doch Vorsicht: Der Staub, den die verströmt, kann Allergien auslösen.


Ich sehe das genau wie du. Sprache ist etwas lebendiges,etwas, das sich ständig verändert. Und, das ist auch gut so.
Ich denke, das ist eher ein “Generationenkonflikt”. Für die “älteren” Leute ist das eher eine Bedrohung, weil sie vieles nicht kennen und “früher gabs das ja auch nicht”^^
Leute in meinem Alter (25) sind ja quasi schon zweisprachig aufgewachsen, da Englisch ja überall present ist..
Natürlich gibt es auch Bereiche, wo mit Anglizismen übertrieben wird, aber insgesamt sehe ich das schon eher als Bereicherung für die Sprache.
Da gibt es doch das tolle Zitat: Die grenzen deiner Sprache sind die grenzen deines verstandes. Seh ich auch so^^
Hmmm, jein.
Was einem definitiv auf den Puffer geht, das sind die Anglizismen in Werbung und im Geschäftsleben.
Diese After-work-Partys mit anschließendem Get-together. Mit Key-Account-Managern, die einen Businessplan haben.
Da trinke ich lieber mit ‘nem Vertriebsbeauftragten ein Feierabendbier. Wenn überhaupt.
Ich war mal bei einem Kundentag, auf dem ein Referent in jedem zweiten Satz erzählt hat, wie flexibel man die vorgestellte Software “customizen” könne. “Anpassen” wäre anscheinend nicht genug gewesen.
Ich meinte dann zu meinem Nachbarn am Nebentisch, ich würde jetzt auch erstmal ordentlich customizen gehen, und daß ich hoffe, es sei genug Papier da.
Naja, im Geschäftsumfeld sehe ich das sogar noch entspannter. Ich kenn das ja an mir selbst: Wenn man den ganzen Tag mit einem internationelen Wortschatz umgeht, schleicht sich halt der ein oder andere englische Begriff in die Muttersprache, weil man diesen halt einfach öfter benutzt, als das deutsche Pendant. Oder, einfach, weil mir das englische Wort besser gefällt ;)
oh ja, da sagste was. Ich finde es immer wieder sehr lustig, wenn meine Cousinen aus Schottland (bin ja ne halbe, nech) mal wieder witzige Ausdrücke, bzw. Frasen (oder wie will man das beschreiben, wenn man ein Schnitzel isst welches schon was länger das Haltbarkeitsdatum überschritten hat und denkt”hm it tastes funny”, man aber meint das es komisch schneckt, dieses funny aber genau so gemeint ist, wie das witzig, was es übersetzt ja auch heißen würde, man das aber never ever im deutschen sagen würde) nutzen, die man im deutschen nicht mal annähernd so übersetzen kann.
Ich denke das jede Sprache für manches bessere Wörter hat als andere Sprachen. Und all das wortwörtlich zu übnersetzen hört sich doch albern an ;o)
Jede Sprache hat ihren Reiz, ich mag Englisch ungemein und finde auch, wie viele anderen hier, das sich einiges einfach schöner sagen lässt im Englischen - “First things first” is auch noch so ein Satz…
Aber wenn in der Werbebranche ein Meeting einberufen wird um den neuen Claim zu brainstormen der dann mehr impact haben soll, da entstehen dann schon sehr wilde Sätze, die man durchaus auch mit weniger Anglizismen belasten könnte.
Die Franzosen sind was ihre Sprachkultur angeht hinsichtlich der Anglizismen ja aber auch seeehr strikt - ist also nicht bloss ein typisch Deutsches Phänomen. Ich glaube eines der Probleme was bestimmte Menschen mit dem Einzug von Wörtern aus anderen Sprachen in die eigene haben ist die irrationale Angst vor Identitätsverlust.
Naja…ich muss jetzt mal mit meinem Handy bei der Userhotline von meinem Provider anrufen…oder sowas haha!
solche bedenken gab es schon immer und wird es immer geben. ich finde es da wichtiger, deutsche wörter wieder zu entdecken, die sowieso gerade aus dem sprachgebrauch verschwinden. nicht weil sie durch coole anglizismen ersetzt werden, sondern weil sie schlichtweg altmodisch scheinen. dabei finde ich kaum etwas passender, als wenn etwas “bestrickend” ist.
im gegensatz dazu amüsiere ich mich gerne, wenn ich herausfinde, dass man tatsächlich “to schlepp” im (american) englischen sagen kann. hihi.
Ehrgeiz war damals ein verdammt geiles “Game” ;)
@ dartha: da gehe ich ganz d’accord (auch ein schönes deutsches wort)…deswegen immer schön die liste der vom aussterben bedrohten worte parat haben: firlefanz, schlüpfer, kleinod, blümerant, bauchpinseln etc. dürfen nicht in vergessenheit geraten…anglizismen bzw. englische phrasen sind manchmal einfach zu präzise um sie zu umschreiben, nicht nur im technisch/wirtschaftlichen sprachgebrauch…aber ’service point’ oder ‘coffee to go’ find’ ich überflüssig…übrigens: die japaner haben sehr wohl ähnliche probleme mit anglizismen…
vielleicht haben die japaner probleme mit anglizismen, aber wohl nicht so mit…ähm…wie mag das wort wohl jetzt heissen…”germanizismen”???
ach so, und tapedeck: wo war denn ehrgeiz bitte ein geiles game? also hc fand das immer recht low und langweilig, aber mich haben so dungeon sachen eh immer ein bischen angeödet.
fick dich :)
Sehr fly geschrieben.
sprache ist ein stück weit kultur und bleibt nur lebendig, wenn sie auch gelebt wird und nicht festgezurrt wird. Die selbsternannten Hüter der deutschen Sprache möchten wohl lieber in der Vergangenheit leben und fürchten sich davor, dass man sie nicht mehr versteht bzw. sie niemanden mehr verstehen. Mich nerven eher die Leute, die Worte benutzen, deren Sinn sie nicht verstehen. Dann lieber eingeschränkt in Deutsch, aber auch da gibt es viele “Fremdwörter”, die nicht jeder versteht. Nachfragen soll da helfen :-)
Apropos, hat schon mal jemand von diesen Hütern des Teutschtums gehört?
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25914/1.html
Fair enough.