You.

Naja..immer wieder lustig solche Jobs. Ich hab das gerne gemacht, da kam man mal raus, war Abends im Hotel und konnte es sich gut gehen lassen, und der Job per se war jetzt auch nicht dramatisch anstrengend. Alle halbe Stunde mal raus, aufsagen wer als nächstes kommt und dann wieder hinter der Bühne verschwinden und Energy Drinks schlürfen.

Es war in Essen (oder Dortmund? Sorry Essener, sorry Dortmunder..) und die haben da ganz neu eine Jugendmesse aufgezogen, “You” sollte die heissen. Ich wusste nicht mal was eine Jugendmesse sein sollte, kannte höchstens Kindergottesdienst, aber das hier war etwas ganz anderes. Auf einer Jugendmesse wird, wie auf allen Messen, etwas verkauft, und zwar in diesem Fall tatsächlich die Jugend. Der Anbieter ist egal, alles ist hip und trendy und fresh und cool. Handys waren zu der Zeit noch nicht verbreitet, vor allem nicht unter Teenagern, deswegen blieb einem Gefiepse allerorten erspart, aber der Lärm war auch so gross genug. Und die Viva-Bühne, also wir, natürlich volles Rohr dagegen an gebrettert. Ich gehe mal sehr stark davon aus, das in diesen Hallen der Grundstein für den ein oder anderen saftigen Hörsturz gelegt wurde und zwar nicht nur wegen des hohen Lärmpegels, sondern auch wegen dem Stress, der den Teenies in die leblosen Gesichter, an denen selbst Clerasil scheiterte, geschrieben stand: Von einem Stand zum anderen hetzen, Oh! Da gibt es Aufkleber! Halt! Hey, da kann man T-Shirts gewinnen! WAS? Schon drei? Schnell zur Autogrammstunde mit Scooter! Ein ZickZackKurs durch die Messehallen, in denen wahrscheinlich ansonsten der deutsche Taubenzüchterverein tagt, wobei…wie in einem Taubenschlag ist es jetzt auch. Nur das irgendwer den Tauben wohl Ecstasy ins Futter getan hat..

Wie dem auch sei: Wir machten unsere Tralala Show und alle waren zufrieden. Ich lernte Bärbel Schäfer kennen, die ich tatsächlich sehr sexy damals fand und weil die Wände backstage natürlich nur so Büroleichtbauweisewände waren, gab eine von ihnen nach, als Bärbel sich dran anlehnte und halt suchend griff sie mir aus Versehen in den Schritt. Das war ein grosser Spass.

Ein Mann von der Bundeswehr oder ihrer Pressestelle, naja auf jeden Fall ein Typ mit so Zeichen auf der Schulter und dem Spruch “Eine starke Truppe” auf den Lippen kam bei uns auf der Bühne vorbei und sagte wer einen Helikopterfreiflug über das Gelände gewonnen habe. Nun war ich nie beim Bund und auch nie ein Fan des Vereins, aber so ein Helikopterflug…hätt ich schon mal Bock drauf, dachte ich mir. Hinter der Bühne hat dann der Major Feldwebel Lieutnant Pressebundi gesagt, sie machen nachher einen Flug für “Special Guests” und ich könne gerne mitfliegen. COOL!, dachte ich und nahm die Einladung an.

“Wo gehst du hin, Nilzenburger?”, fragte mich der Aufnahmeleiter. Ich erzählte ihm von dem Helikopter und dem Freiflug und das es nicht lange dauern würde und das ich gleich wieder da sei. “Geht aber nicht, du musst JETZT auf die Bühne, wir haben die Showtime vorgezogen, sorry.” Ok, selbst protestieren half nichts, ich musste den Teenies was über DJ Bobo oder Captain Jack oder die komische Flüssigkeit die morgens auf ihrem Bauch ist, erzählen. Da aber die Messe noch 2 Tage gehen würde, könnte ich ja an einem anderen Tag sicher noch mitfliegen, halb so wild.

Als ich von der Bühne kam, stand der Aufnahmeleiter schon da: “Der Helikopter ist abgestürzt.”

1 Trackback

  1. aloha WEBLOG - spreading the aloha spirit » links for 2007- [...]

20 Friedenstauben

  1. [Edit:luftwaffelink zum unglück]
    alter falter, hast du ein schwein! gut, dass es Captain Jack gibt! ;)

    Kommentar von Michael - 24. April 2007 um 21:31 Uhr
  2. Kraß. Dann war die ganze Dancefloorscheiße doch zu was gut.

    Kommentar von Pleitegeiger - 24. April 2007 um 21:36 Uhr
  3. Du hast den Rest der Geschichte vergessen, nämlich dass du danach zu Gott gefunden hast und nur durch den Mephistopheles persönlich, MC Winkel, wieder der Nilzenburger wurdest, der du jetzt bist.

    Aber trotzdem schon’ hartes Stück Brot.

    Kommentar von LtStoned - 24. April 2007 um 21:38 Uhr
  4. Kann ich mich noch dran erinnern. Ich wollte eigentlich auch zur Messe musste dann aber mit meinem Vater renovieren. Später war ich froh nicht dagewesen zu sein - nicht nur wegen dem Hubschrauber-

    Kommentar von Der Mitch - 24. April 2007 um 21:47 Uhr
  5. Woahhh…

    Kommentar von Bonnie - 24. April 2007 um 21:51 Uhr
  6. …keine worte-nich. pho.

    Kommentar von Elsa Seefahrt - 24. April 2007 um 22:20 Uhr
  7. Kommentar von Wolli - 24. April 2007 um 22:28 Uhr
  8. danke wolli für den link, den habe ich gesucht.

    es war wohl doch in dortmund, sorry für die verwechslung. ich war mal jahre später auf einer you in essen, hab ich das wohl durcheinandergebracht.

    Kommentar von nilzenburger - 24. April 2007 um 22:35 Uhr
  9. übrigens, @ michael: das ist jetzt gar nicht makaber gemeint, weil der typ wirklich wirklich wirklich sehr korrekt war, aber es müsste “gab” heissen. “gab“.

    Kommentar von nilzenburger - 24. April 2007 um 22:40 Uhr
  10. mit diesem ende habe ich jetzt nicht gerechnet. wirklich nicht.

    ich würde nilzenburgers gerade-noch-so-davonkommen dann aber doch lieber auf “die komische Flüssigkeit die morgens auf ihrem Bauch ist” schieben als auf irgendeinen dancefloor-act… =)

    nilz, wie fühlt man sich in dem moment, in dem einem solche nachrichten überbracht werden? zweiter geburtstag? oder nur ein nüchternes “glück gehabt”?

    Kommentar von bono - 24. April 2007 um 22:41 Uhr
  11. es ist deutlich mehr als “glück gehabt”, es ist aber auch kein zweiter geburtstag. es ist etwas, was du immer mitnimmst, was dir zwischendurch immer mal wieder so einfällt. und was dir beweist, wie schmal der grat doch manchmal ist, obwohl man das gar nicht so mitbekommt. komisches gefühl. aber sehr schön.

    an dem tag habe ich auf jeden fall noch einmal moderieren müssen und ich stand mit schlotternden beinen auf der bühne und habe mich so kurz und knapp gehalten wie nie zuvor. ich war wohl auch ziemlich weiss im gesicht und das ganze team war froh, als sie mich nach hause schicken konnten. an dem abend hat das feierabendbier auf jeden fall so gut geschmeckt wie noch nie.

    Kommentar von nilzenburger - 24. April 2007 um 22:44 Uhr
  12. Whoa, da schlottern mir ja fast die Beine - nur vom Lesen. Das nenn’ ich mal ne Pointe…

    Du musstest danach nochmal auf die Bühne? Dreizehn Leute kommen um, aber “the show must go on”. Auch mal krass…

    Kommentar von Carsten - 25. April 2007 um 00:23 Uhr
  13. Erinnert mich son bisschen an meine erste und einzige IFA-Erfahrung irgendwann…. in den 90ern. Mit Such a Surge bei MTV und Christian Ulmen bei Radio Fritz. Nur Helikopter und Ecstasy gab es da nicht. Hhmmm…

    Kommentar von madamesauvage - 25. April 2007 um 05:48 Uhr
  14. Das ist… schwer zu beschreiben. So ein kleiner Schauer beim lesen des letzten Satzes, bis zu diesem Punkt Larifari über eine vermutlich belanglose Messe, und dann diese ernste Abschluss.

    Ich denke mal es sind solche Momente, in denen man das Leben erst wirklich zu schätzen weiss.

    Kommentar von Jeriko - 25. April 2007 um 08:10 Uhr
  15. Oh ha…

    Kommentar von Malcolm - 25. April 2007 um 09:51 Uhr
  16. Da warst du wohl als Heckrotor fest eingeplant gewesen?

    Kommentar von Dr.Sno* - 25. April 2007 um 10:52 Uhr
  17. also, lustig ist ja, dass ich an dem gleichen tag auch auf dieser you war. also, ja, ich kann mich daran erinnern, du auf der bühne. ich musste damals für meine lokalzeitung ein interview mit mola machen. das war ein total seltsamer tag und dann noch dieser abgestürzte heli…meine fresse. mister knister, when comes the roadmovie?

    Kommentar von rose - 25. April 2007 um 11:22 Uhr
  18. als dj bobo mein leben rettete…..

    Kommentar von roman libbertz - 25. April 2007 um 14:15 Uhr
  19. Ja … kann das sein, dass das immer so ist im Leben? Man denkt, es ist ein ganz normaler Tag? Alltag? Man denkt, dass man alle Entscheidungen selbst in der Hand hat, dieses oder jenes Waehlen kann, denn morgen ist alles wie heute?
    Ploetzlich so etwas einschneidendes.

    Kommentar von neuenberger - 26. April 2007 um 08:40 Uhr
  20. An die Messe kann ich mich auch noch erinnern. Mit schalem Beigeschmack. Ich war zwar selbst an dem Tag nicht da, dafür ein Freund meines Bruders, und er saß in dem Helikopter. Krass, hab da lang nicht mehr dran gedacht.

    Kommentar von DieCori - 26. April 2007 um 10:39 Uhr

Deine Friedenstaube