Heino - Der Heini aus der Stadt von Heine

Hach, es ist schon ein Kreuz. Da hat ein Marketing Typ eine Idee und schon muss man sich wieder mit Asbach Cola Uralt Figuren auseinandersetzen.

Heino ist wieder da. Und weil die Hörerschaft für ein “normales” Heinoalbum schon ausgestorben sein dürfte, wildert man in fremden Gefilden oder bricht zu neuen Ufern auf, je nach Sichtweise. Heino hat auf jeden Fall eine Platte gemacht, auf der er nur Pop/Rock/Punkrock/HipHop Acts covert. Sportfreunde Stiller, Nena, Rammstein, Peter Fox. Und, exemplarisch als erste Single, natürlich die Ärzte.


[YouTubeDirektCoverFromHell]

Erstmal das: Ja, natürlich passt das textlich schonmal wie die Faust aufs Auge. Aber: Warum genau soll das nochmal gut sein? Durch das wegfallen einer ironischen Ebene, weil Heino eben wirklich so ein Vater sein könnte, verliert das Lied jeglichen Witz und ist einfach nur noch ein trauriges Lied das davon handelt, wie Kinder von ihren Eltern daran gehindert werden, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Das ist lustig? Das ist jetzt natürlich superernst genommen, aber wie soll man Pop auch anders begreifen?

Was mir aber auf die Nerven geht, ist etwas ganz Anderes. Ich lese seit Tagen dass Heino “sich jetzt endlich mal wehrt” und “zurückschiesst”, gegen all den “jahrelangen Spott und Hohn”.

Ich hab zu Weihnachten die Otto Filmbox geschenkt bekommen, mit allen Filmen des Ostfriesen. Da gibt es ja auch diese Thriller/Heino-Parodie. Die ein bisschen lustig ist und natürlich auch Heinos Ikoknografie nährt (Blond, Sonnenbrille), von deren Marken-haftigkeit der Düsseldorfer meiner Meinung nach ganz gut profitiert hat. Das wichtigste daran ist aber: Das ist 25 Jahre her!


[YouTubeDirektThrillerHeino]

Heino-Witze sind so alt wie abgestandener Eierlikör. Und da “leidet” der noch heute so schlimm drunter? Nicht eher darunter, dass bis auf ein paar DVU-Fans und Vorpommerer wirklich niemand mehr größeres Interesse für den Sänger mit dem superrollenden R hat?

An Heino ist nichts “cool”. Heino hat schon immer in seiner Karriere verzweifelt versucht, sich überall anzubiedern, bei noch lebenden und halbwegs liquiden Käuferschichten als “Kult” durchzugehen. Ich erinner mich an den Acid-Enzian. Das wurde dann noch Rap genannt und hat ganz viel ganz schlimm durcheinander gewürfelt. Deswegen konnte da auch keiner was mit anfangen (Übrigens: Da hat er sich mit stilisierten Smileys, die sein Gesicht zeigen, schon des Images angenommen, unter dem er ja ach so gelitten hat…).


[YouTubeDirektAcidRapWasauchimmer]

Immerhin: Diesmal hat der Marketing-Mensch alles richtig gemacht. Die Platte kommt ganz früh im Jahr, wenn noch nicht viel los ist. Sie kommt in die Karnevalszeit, wo die Bereitschaft zu Quatschmusik am höchsten sein dürfte. Es werden nur credibile Hits gecovert. Und es wird ein “Rockerkrieg” erfunden, der das alte Klischee der Heinowitze aus den 80ern bedient. Bämm - plötzlich gilt der als cool.

Ich finde das sehr unangenehm und ich möchte ungern jemandem zujubeln, der so verzweifelt alles versucht um mich als Käufer zu gewinnen. Und ich lass mich nicht gerne für blöd verkaufen. Heino leidet, wenn überhaupt, an mangelnden Plattenverkäufen. Johnny Cashs American Recordings gingen mir ab dem dritten Teil zwar auch auf die Nerven, weil es irgendwann zum Cash (hihi) Cow milking wurde, aber dessen Cover Versionen haben durch sehr exaktes und behutsames auswählen und eine besondere Interpretation dem Orignal wenigstens noch etwas hinzugefügt. Eine gewisse Deepness. Von Heino gecoverte Lieder verlieren alles, was sie ausmacht und sie werden nur noch zu leeren Mitgröhlhüllen. Weil man schon merkt, dass sie für ihn selbst keinerlei Bedeutung haben.

Das ist nicht cool. Das ist homeshopping Television das so tut, als wäre es AC/DC.

Das Einzige, das noch nerviger als diese Platte ist: Von solchen Platten stehen uns jetzt mit Sicherheit hunderte ins Haus:

“Andy Borg singt Einstürzende Neubauten”

“Stephan Mross: Meine liebsten Battlerap-Tracks”

“Bata Iliç - Für immer Punk”

Hoffen wir das dieser Popsommer schnell an uns vorbeizieht.

Zum weiterlesen:

- Staiger, Raplabellegende, ist in etwa derselben Meinung wie ich. Danke Form Prim!

- Wie humorbefreit Heino schon in den 80ern reagiert hat, zeigt dieser Artikel von damals sehr gut. Danke Nico!

1 Trackback

  1. Taschenpost vom 10.02.2013 » Nerdtalk.de

15 Friedenstauben

  1. Du sprichst mir aus der Seele! Ich nähere mich zwar auch schon dem Alter dieses Herrn, wobei ich allerdings noch sein Sohn sein könnte - aber nicht möchte. Er versucht seit Jahren seinem sinkenden Stern mit solchen “Aktionen” zu entkommen anstatt einfach nur einzusehen, dass er reif für die Rente ist.

    Sie sei ihm gegönnt, solange er uns mit diesem gecoverten Müll verschont!

    Kommentar von Hans - 03. February 2013 um 15:38 Uhr
  2. …..ich hab 20 Kinderrr, meine Frrrau ist schön..

    Nix da! Die Scheibe geht in Ordnung.

    MfG
    Splitterraum

    Kommentar von Splitterraum - 03. February 2013 um 15:44 Uhr
  3. Interessante Ansicht. Ich sehe das aber nicht so. Ich finde die Platte gut gemacht und sie ist eindeutig mit einem zwinkernden Auge zu verstehen. Wir wissen alle, dass Heino das gemacht hat, um wieder ins Gespräch zu kommen und um seine einbrechenden Plattenverkäufe anzukurbeln. Legitim, wenn man mich fragt. Darüber hinaus finde ich die Songs, die korrekterweise keine Cover sind, gut gemacht und ich finde es amüsant die Texte von ihm zu hören. Ich habe mich mit ein paar Ohrwürmern erwischt in den letzten Tagen, die aber mit der Heino-Version befriedigt werden wollten und nicht mit dem Original. Das hält jetzt zwei, drei Wochen an, dann ist auch wieder gut. Man muss nicht immer alles schlecht reden.

    Disclaimer: Ich habe weder eine Heinoplatte im Regal stehen, noch hätte man von mir eine richtige Antwort erhalten, wenn man mich nach einem Song von Heino gefragt hätte. Ich höre üblicherweise Deephouse, Minimal Electro, Indie und Alternative.

    Kommentar von Hannes - 03. February 2013 um 15:48 Uhr
  4. Also, die Mross’sche Battlerap-Kollektion würde mich dann doch interessieren … abgesehen davon sehr treffende Zusammenfassung dieses völlig ironiefreien Machwerks!

    Kommentar von Tobi - 03. February 2013 um 15:48 Uhr
  5. Aber Nilzus, was hat Dich denn bloß so verheinhornt? Ist es nicht einfach so, dass er wirklich einfach seinen Kram machen soll wie er will und man das dann einfach ignoriert, weil, Popkulturen kann man prima ignorieren, im Gegensatz zu den Angehörigen des Schweinebratensystems. Schau, jetzt hast Du seine Relevanz im Netz mit diesem Post erhöht. Ich trink jetzt erstmal ein Altbier auf den Weltfrieden <3

    Kommentar von Huck - 03. February 2013 um 15:48 Uhr
  6. Hinzu kommt, dass dieses Album ganz schlecht produziert ist. Es klingt so, als sei es mit einem Keyboard aufgenommen worden, welches man früher als Hauptgewinn in der Miniplaybackshow gewinnen konnte.

    Kommentar von REW - 03. February 2013 um 15:52 Uhr
  7. Ich bin da auch nicht so verbissen, wie es vielleicht wirkt: Ich weiß, dass das nur Pop und für das wahre Leben irrelevant ist. Ich hab es nur innerhalb des Kosmos mal ernst genommen und drüber geschrieben. Alles gut, meinem Seelenfrieden schadet keine Heinoplatte :) Aber ich mag den gepflegten Popdiskurs und in diesem muss man eben so einen Quatsch auch mal ernst nehmen.

    Hannes, warum sind das keine Cover? Wenn es keine wären, dann hätte er die ja ohne Genehmigung gar nicht machen dürfen…

    Kommentar von nilzenburger - 03. February 2013 um 15:55 Uhr
  8. Ich find die Platte gelungen und die von dir angekündigten Sachen von Stefan Mross und Bata Iliç interessieren mich ebenso :-) Ich sehe auch nicht den Wegfall der ironischen Ebene, im Gegenteil.

    Kommentar von Asi - 03. February 2013 um 21:46 Uhr
  9. Word!

    Kommentar von Marcus - 03. February 2013 um 21:53 Uhr
  10. Wer hätte gedacht, dass selbst ein Heino-Album missverstanden werden könnte? Dieser Blog beweist es.

    Kommentar von Armin L. - 04. February 2013 um 20:41 Uhr
  11. du hast absolut recht

    Kommentar von jens hohmann - 07. February 2013 um 23:13 Uhr
  12. Nunja. Eine gute Komposition kann bekanntlich nichts entstellen. *Fast* nichts.

    Kommentar von Ey Lou - 13. February 2013 um 18:27 Uhr
  13. gute Arbeit.

    Kommentar von Der Herausgeber - 07. March 2013 um 23:10 Uhr
  14. > gute Arbeit.
    Ahahahahahaha..!

    Kommentar von Luckiluc - 12. March 2013 um 21:58 Uhr
  15. Überraschende EU-Studie zu digitalen MusikverkäufenForscher: Kein Schaden durch Online-Piraterie
    20.03.2013 - 21:52 Uhr
    Diese Studie heizt die Diskussion über Musik-Piraterie neu an. Der Wissenschaftsdienst der EU-Kommission kommt zu dem Schluss, dass legale Musikangebote keinen Schaden durch Online-Piraterie nehmen, sondern sogar leicht profitieren. Für ihre Studie haben die Wissenschaftler das Verhalten von 16 000 Internet-Nutzern aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien ausgewertet.
    Ihre Ergebnisse
    ? Steigen die Klickzahlen auf Piraterie-Seiten um zehn Prozent, so steigen auch die Klickzahlen bei den legalen Musikanbietern leicht um 0,2 Prozent.
    ? Ein ähnliches Ergebnis haben sie für Streaming-Seiten festgestellt: Steigen die Klickzahlen für diese Angebote um zehn Prozent, konnten die Wissenschaftler auch einen Anstieg der Klickzahlen um 0,7 Prozent bei legalen Musik-Shops feststellen.
    „Nach unseren Erkenntnissen sehen Internetnutzer illegale Musikdownloads nicht als Ersatz für legale digitale Musik”, schreiben die Autoren der Studie, Luis Aguiar und Bertin Martens. Beispielsweise ist die Qualität der Raubkopien oft schlechter als die der Originale. Die Autoren sagen aber auch: „Es ist klar, dass Online-Piraterie einen negativen Effekt auf den physischen Verkauf von Musikaufnahmen hat.” Der Geschäftsführer des Bundesverbands der Musikindustrie, Dr. Florian Drücke, äußert auf BILD.de-Nachfrage Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Studie: „Wir glauben, dass die Studie sehr große methodische Mängel aufweist. Unter anderem wird nicht eindeutig ausgewiesen, was überhaupt als legale und was als illegale Seite angesehen wird. Es gibt keine Studien, die einen vergleichbaren Zusammenhang belegen.“ „Die Hälfte unserer Verkäufe läuft mittlerweile digital”, sagt Andreas Voland, Musiker bei der Berliner Hardrock-Band Samavayo und Chef eines Independent-Labels. Er bemängelt jedoch die schlechte Vergütung von Streaming-Seiten: Für jedes gespielte Lied erhält die Band 0,2 Cent – für einen Euro muss die Band also 500 Abrufe erzielen. Verkaufen die Künstler ein Lied im iTunes Store für 0,99 Cent, so bleiben am Ende rund 28 Cent für die Band übrig, je nach Vereinbarung. „Im Vergleich zu den physischen Plattenverkäufen gibt es bei der Vergütung keine großen Unterschiede“, sagt Andreas Voland.
    http://www.bild.de/digital/internet/piraterie/studie-kein-schaden-durch-online-piraterie-29589506.bild.html

    Kommentar von Jockli - 20. March 2013 um 23:39 Uhr

Deine Friedenstaube