“Nett” ist die Schwester von “Yps”

Heute, einen Tag vor meinem Geburtstag, ist es also so weit: Der groß angekündigte Relaunch der wichtigsten Zeitschrift meiner Jugend stand an: Die Yps liegt wieder am Kiosk.

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Dabei ist die Idee dahinter so simpel wie clever: Da man wohl kaum eine Wurst von Teller ziehen würde, wenn man versucht mit gefühlten 1.000.000.000 anderen Kindertiteln, die alle mittlerweile auch Gimmicks haben, zu konkurrieren, geht man einfach auf die alte Leserschaft zu. Die neue Yps will für die alten Leser sein, sprich: MItgewachsen. Eine coole Coffetable-Zeitschrift. Oh! Welch Idee! Wirklich, ganz unironisch, das macht total Sinn. So Ottos wie ich haben doch voll Bock, sich wieder eine Yps am Kiosk holen zu können, um wieder so ein Yps-am-Kiosk-hol-Gefühl zu haben und sei es auch nur ein kurzer Kick. Dazu würden mir auch auf Anhieb eine Menge Texte oder Autoren und Autorinnen einfallen, die ich dazu im Heft haben wollen würde. Zum Beispiel coole Ideen, was man mit seinen Kindern für bekloppte Experimente machen kann (die auch alleine Spaß machen). Comics für Groß und Klein, auch ein paar Klassiker, allen voran natürlich Pif und Herkules oder noch besser: Piffi! “Nix-Glop-Glop!”

Man könnte in den Comics, die übrigens mindestens die Hälfte des Hefts einnehmen sollten, der Nostalgie frönen, gleichzeitig einfach Spass an den Geschichten haben und sie, falls vorhanden, mit seinen Kindern teilen. Das könnte ein Heft sein, an dem Familien Spaß haben, ohne diesen nervigen Familiencharakter im Vordergrund oder Singles, die gerne zurückblicken. Fresh und Old School zugleich! Wie cool ist das denn, bitte schön?

Nun: All das ist es nicht.

Stattdessen ist es ein Heft über die 80er Jahre, mit ein bisschen Comic-Promotion von Ehapa für einen, schon auf 4 Test-Seiten zum einschlafen lähmenden, Zombie-Comic. Werde Spion, werde Zauberer, werde Dinosaurierforscher. Die Seiten ballern einen zu mit Testosteron. Dazu noch ein paar superlustige Comicstrips, bei denen einer nur aus einem Panel eines Ausschnitts einer Kellnerin besteht (”Höh Höh Höh!”), Zaubertricks mit Bierflaschen und Zigaretten und einer Bilderstrecke mit Autos von damals und heute. Ey, boah, ey (Die “Modestrecke” in der Yps und seine Freunde irgendwelche Klamotten präsentieren, lasse ich mal höflich unter den Tisch fallen…ähem).

Am Anfang gibt es eine mehrseitige Story über die Entstehung und den Werdegang der Yps. Das ist ein schöner Artikel und sehr guter Opener. Dann kommen schon die Facebook-Fans der Yps zu Wort und es wird schlagartig belanglos. Gefolgt von einer Doppelseite “Extrablatt”, was einerseits cool ist, weil die genauso gelayoutet ist, wie damals in der Yps. Aber dann ist alles so ironisch gemeint, aber die Leute kann man wohl trotzdem auf Facebook finden, so heisst es. Ich verstehe gar nicht, warum ich davon jemanden anschreiben sollte. Und, ach, liebe Leute: Das Extrablatt in der Yps waren damals schon die uninteressantesten Seiten.

Und so geht das die ganze Zeit weiter: Promis erzählen in einem kleinen Statement von ihrer Yps-Zeit. Gefolgt von den unvermeidbaren Gadgetery-Seiten, in denen allen ernstes immer noch ein USB-Tassenwärmer als verrücktes, nie gesehenes, neues, crazy Gadget vorgestellt wird. Oh, ich merke schon die Arthritis in meinen Armen. Hoffentlich werde ich das Heft bis zur letzten Seite noch halten können.

Die zweite, halbweg interessante Seite taucht auf: Ein Interview mit Heinz Körner, dem damaligen Zeichner von “Yinni und Yan”, ebenfalls einer exklusiven Yps-Serie über ein Reporter-Team. War auch ein bisschen langweilig immer, aber okay. Dann kommen die Comics. Naja, eigentlich nur ein paar Comicstrips, bei Ruthe (”Shit Happens”) und Josha Sauer (”Nicht lustig”) sogar nur (wenigstens exklusive) Cartoons auf eine Seite aufgeblasen. Dazwischen Strips von Øverli namens “Pondus”, angeblich eine der “erfolgreichsten skandinavischen Comic-Reihen aller Zeiten” und ungefähr so lustig wie “Tom”, falls den einer kennt. So plätschert das Heft vor sich hin. Alte Coladosen werden neben neuen fotografiert. MIchael Groß, der Schwimmer, wird als “Held von damals” interviewed und dann kommt ein alter Comic von, na klar: Yinni und Yan.

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Das ist kein Heft von Fans für Fans. Das ist ein Heft, das komplett unter Marketing-Gesichtspunkten gestaltet und dann am Schluss mit einem Yps-Gefühl überzogen wurde. Dieser andauernde Nostalgie-Scheiss mag ganz lustig sein, aber muss man den wirklich so breit treten? Ich weiß, das ich morgen 36 werde, daran muss mich kein Heft erinnern. Immer ist alles “kultig” und “retro” und auf dem Heft und dem Heftrücken steht in grellem Pink: “Eigentlich sind wir doch schon erwachsen!”

Oh, wir sind so erwachsen und lesen trotzdem Comics. Hihihi. Oh, wir sind so erwachsen und probieren trotzdem nochmal die Urzeit-Krebse aus. Hohoho. Oh, wir sind ja so erwachsen und kaufen uns heute trotzdem einen USB-Tassenwärmer. Dieses andauernde rumspiessen auf Erwachsenen-Bildern und Männlichkeits-Bildern ist so penetrant und nervig und unvisionär und engstirnig und lahmarschig, das ich mich fast schäme, damals die Yps überhaupt gelesen zu haben, wenn das hier jetzt ihres Geistes Kind sein soll.

Die neue Yps will keine Frauen als Leser. Die neue Yps will keine Comic-Leser als Leser. Die neue Yps will keine Familien als Leser. Die neue Yps will männliche Singles als Leser, die sich das Heft aus Gag aufs Klo legen. Oder wie ich auf Facebook in einem Kommentar schrieb: “Diese Yps fühlt sich an wie ein Comicheft, das von so Armani-Managern mit spitzen Fingern in der Umkleide ihres Spas rumgereicht wird.”

Das reicht mir nicht. Aber vielleicht bin ich da auch nicht repräsentativ. Ich empfehle nur allen alten Yps-Fans, die ein altes Yps-Gefühl wiederhaben wollen, lieber auf dem Flohmarkt oder bei ebay nach alten Yps-Heften zu suchen, als sich diesen halbgaren, ideenlosen Neuanfang anzutun und das Heft, das einem damals die Nachmittage versüßt hat, so lieblos zerfasert mit ansehen zu müssen. Guckt weg. Das ist ein okayes Heft, aber das ist nicht Yps. Sorry.

P.S. : Das erinnert mich an “Donald”, ein Heft mit dem ähnliches versucht wurde: Ein Männer-Lifestyle-Magazin aufgehangen an einer kollektiven Kindheitserinnerung, in diesem Falle Donald Duck. Da frag ich mich doch: Kennt man bei Ehapa nur chauvinistische Single-Männer ohne Ideen und mit zu viel Zeit und Geld als Zielgruppe? Und kommt keiner drauf, das die alles, was mit “Kindheit” zu tun hat, eher doof finden und nich zu Hause rumliegen haben wollen? Ich würd mir an Ehapas Stelle mal eine neue MaFo suchen gehen…

5 Trackbacks

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11 Friedenstauben

  1. Hehe, von den neuen Comics fand ich den Zombiekram noch am besten. Pondus war echt lahm, bis auf einen, dessen Pointe ich schon wieder vergessen habe. Seh schon, das “semi-lustig” in meiner kleinen YPS Kritik war schon wohlwollend. Ich hoffe, bei der nächsten Ausgabe gibt’s die “Gespenster GmbH” wieder. Und auf der Retrowelle kann man als YPS nicht ewig schwimmen, mal schauen, wie’s bei Ausgabe 2 wird.

    Kommentar von stiller - 11. October 2012 um 15:44 Uhr
  2. Oh ja, “Gespenster GmbH”! Ganz vergessen! Die waren super! :)

    Kommentar von nilzenburger - 11. October 2012 um 16:06 Uhr
  3. “D.O.N.A.L.D” war auch wirklich gräßlich - aber was YPS angeht - wenn ich mal das Preis-Leistungsverhältnis sehe, ist es eigentlich wieder ganz ok. 5,90 Euro für 2-3 halbwegs interessante Artikel und die Urzeitkrebse (samt Futter - also kein banges Hoffen, dass die Viecher bis zum nächsten Heft überleben) fürs Kind (das Set von Kosmos kostet immerhin knapp 10 Euro) - das ist halbwegs ok, wenn sich natürlich auch nicht mehr das alte YPS-Gefühl einstellen mag.
    Vielleicht bringen sie ja nochmal “die Maschine, die eckige Eier macht”, dann würde ich, dem doofen Heftinhalt zum Trotz, auch nochmal den Geldbeutel zücken…

    Kommentar von Falcon030 - 11. October 2012 um 17:29 Uhr
  4. für mich zielgruppenagenten ist das einfach eine coole ypstributenummer.
    meine alte sammlung ist noch gutverwahrt im comicschrank und die 2. nummer wird zeigen, ob die neuen macher überhaupt frisches material mal bzw. eier haben.

    Kommentar von huanlupo - 11. October 2012 um 19:59 Uhr
  5. Beste Kritik zum Heft! Für mich wird es wohl auch ein einmaliger Kauf bleiben, ein netter Gag; aber da wäre mehr drin gewesen für YPS - schade!

    Kommentar von Verena - 11. October 2012 um 20:50 Uhr
  6. Danke für die Warnung! Das Geld hätte mich geärgert. E.in HA.ufen PA.ppnasen.

    Kommentar von Arne - 11. October 2012 um 23:04 Uhr
  7. Genial geschrieben. Ganz so schlimm fand ich dieses Heft zwar nicht, aber auch nicht wirklich gut. ;)

    Kommentar von Dominik - 12. October 2012 um 08:37 Uhr
  8. Nachdem ich bei DONALD schon tief ins Klo gegriffen habe, ließ ich von YPS lieber gleich die Finger weg - und nach Deinem Bericht haben mich meine bösen Vorahnungen wohl nicht getrogen.
    Außerdem haben mir die Urzeitkrebse schon damals nicht geschmeckt.

    Kommentar von Jojo - 12. October 2012 um 09:03 Uhr
  9. War ja irgendwie klar, oder?

    Kommentar von holger - 12. October 2012 um 18:35 Uhr
  10. Meiner Erinnerung nach, war schon die Originale Yps eher etwas für das nerdige Einzelkind. Bedenke alleine die ehemalige Herkunft aus Stuttgart. 50 % der männlichen Bevölkerung zwischen 25 und 40 hält es immer noch für angesagt, mit Kuli und Tachenrechner in der Brusttasche des Button-Down Hemd und dem Handy am Gürtel rumzulaufen.
    Merke: Stuttgart ist wie Kaiserslautern ohne Frauen.

    Warum machst Du denen nicht mal ein paar Vorschläge zum Inhalt?

    Guido

    Kommentar von Guido - 16. October 2012 um 12:56 Uhr
  11. Schöner Artikel.
    Ich finde aber auch die Werbeidee, olle Kamellen wie YPS zu recyclen und als quasi Retro-Maschine an den in die Jahre gekommen Sandkastenforder zu verticken, genial. Kaum Kosten, Abverkauf innerhalb von Tagen. Werbeziel erreicht.

    Schlimm wird es nur, wenn das zum Dauerzustand wird, und alle Urzeitkrebschen in stinkender Plörre ziehen.

    Kommentar von Mac - 16. November 2012 um 13:49 Uhr

Deine Friedenstaube