Du bist kreativ? Mein Beileid.

Ehrlich gesagt hab ich gar keine Lust mehr auf diese Kackdiskussion. Ich hab mich da auch sehr bewusst rausgehalten in letzter Zeit, obwohl man da eigentlich jeden Tag was zu schreiben könnte. Aber dieser neue “offene Brief”, der mit viel TamTam die Diskussion wieder um zehn Schritte zurückwirft und einen konstruktiven Dialog erneut erschwert bis unmöglich macht, lässt mir keine andere Wahl als mich zu wehren. Denn wenn mir etwas an allem Beiträgen von allen Seiten am meisten auf den Keks geht, dann ist es dieses Wiederkäuen von Dingen, die nicht stimmen. Und natürlich das nicht-weiterdenken von Positionen. Erwachsen sein sieht anders aus. Insofern ist folgender Text bitte als notwendige Selbstverteidigung und Positionierung zwischen den Stühlen zu verstehen:

Piraten!

Ich tu alles was ich kann, euch zu verteidigen, aber ihr macht es mir nicht unbedingt leichter. Am lautesten rufen eure Blindschleichen, die denken sich ganz clever auszudrücken und am Ende des Tages nur für noch mehr Missverständnisse sorgen. An dem Begriff “geistiges Eigentum” gibt es wenig zu rütteln, weil das nur eine Begrifflichkeit ist. Das ist doch wirklich erstmal scheissegal wie man kreative Leistung nennt. Wenn ihr euch so an dem Begriff stört, dann nennt es meinetwegen “orange-karierte Glasbaisers” oder “Aachener Glitzerpimmel” oder wie auch immer, das spielt doch überhaupt keine Rolle. Wie man so sehr an so einem sinnlosen Nebenkriegsschauplatz festhalten kann, der die momentane Debatte auch noch unnötig auflädt, Trennschärfen verwischt und on Top auch noch zusätzliche easy Angriffsfläche bietet, ist mir ein Rätsel. Wenn ihr Call of Duty spielt, zieht ihr eurer Figur doch auch nicht zuerst mal ein schönes Neonoutfit an, damit die Heckenschützen euch besser treffen können. Wie kann man nur so verbohrt sein. Fuck the Begrifflichkeiten, arbeitet lieber an Realitäten. So weit ihr da was machen könnt.

Und, bitte, lasst euch verdammt noch mal nicht so vorführen. Ich weiss das ihr alle keine Medienprofis seid und das erwartet ja auch niemand. Gerade wenn man einen ungewöhnlichen Standpunkt hat, wird man in einer Talkshow schonmal schnell Kanonenfutter. Auch eure Freiheit, das jeder so sein kann wie er will, mag niedlich wirken, für euch vielleicht sogar authentisch, aber dieser ganze Zirkus da draussen ist ein Spiel. Um Codes, man kann das auch coolness nennen. Und das ist ja relativ einfach.

- Barfuss in Latschen bei Jauch sitzen: Nicht cool.
- Verängstigt bei Lanz sitzen, weil einen vier Menschen ohne Ahnung gleichzeitig angreifen: Nicht cool.

Ja, das ist oberflächlich, but guess what: Weder Lanz noch Jauch noch sonst irgendwelche Talkshows sind an inhaltlicher Tiefe interessiert. Da geht es ums Schlagzeilen generieren. Und wenn da einer seine Zehennägel präsentiert, dann ist das die Schlagzeile, egal was der sagt. Das müsst ihr nicht gut finden, das könnt ihr auch gerne ändern wollen. Aber durchs reine ignorieren geht nix weg. Isso.

Bringt mich aber vom Thema ab: Kreative. Urheber. Verwerter. Gema. Urheberrecht. Verwertungsrecht. Google. YouTube. Böse. Diebstahl. Raubkopie. Kein Raub. Abmahnung. Pfründe abstecken. Felle davon schwimmen. Ausnutzen. Selbstvermarktung. Crowdfunding.

Ich schwöre, wenn ich noch einen von euch mit solchen Begriffen sinnlos in einer Talkshow oder einem offenen Brief im Netz hantieren höre oder sehe, kotze ich sofort. Ich kann diese ganze, hundertausendmal durchgkaute Scheisse nicht mehr hören. Wir, die wir wissen was ihr meint, wissen was ihr meint. Die, die nicht wissen was ihr meint, wissen es auch noch nicht, wenn ihr es ihnen zum zwanzigsten Mal sagt. Ganz einfach. Oder ich erklärs mal so: Flieg nach China. Geh zu einem Chinesen. Sag: “Adventskranzkerzenlichterglanz.” Der wird dich komisch angucken. Sags ihm noch mal. Er wird dich wieder komisch angucken. Sag es ihm ein weiteres Mal. Er wird dich immer noch komisch angucken. Sags ihm noch zwanzig Mal, sag es ihm 24 Stunden am Stück. Sag es ihm ein ganzes Jahr. Es wird nicht ein einziges Mal der Moment kommen in dem er sagt: “Ach so! Adventskranzkerzenlichterglanz!”. Vielleicht ist jetzt klar, worauf ich hinaus will. Erkennt doch mal an, das es da draussen Missverständnisse gibt und räumt die aus dem Weg!

Ach so: Die paar Pfeifen und Trolle bei euch, die immer stammeln das Künstler sich gefälligst neue Verwertungsmodelle aussuchen sollten, dass es kein Recht darauf gäbe mit seiner kreativen Arbeit Geld zu verdienen und dass die Künstler ja vom T-Shirt-Verkauf leben könnten, distanziert euch doch mal klar von denen. Das ist nämlich ultra-kontraproduktiv, was die machen. Auf die stürzt man sich, weil man dann am Besten ein “Piraten gegen Urheber” konstruieren kann, das ist spannender zu verkaufen. Wenn aber klipp und klar gemacht wird, dass das nicht Piratenmeinung ist, ganz unmissverständlich, dann kommt man in der Debatte vielleicht schon einen guten Schritt weiter.

Kreative!

Was ihr da macht, mit euren ganzen offenen Briefen, diesen ganzen Kriegserklärungen, dieses auf-sein-Recht-pochen, das ist so ungemütlich, unversöhnlich, ungenau und dumm, das es mir die Kehle zuschnürt.

Dabei ist es mir sogar egal, ob sich nun bereits erfolgreiche Künstler beschweren oder solche, die vielleicht mal erfolgreich werden oder waren. Das spielt alles keine Rolle. Aber dieses ewige: “Es gibt ein Recht und das muss nur mal richtig angewendet werden!” ist reaktionäre Kackscheisse. Das verweigern einer Realität, die sich trotz eines schwammigen Gesetzes weiterentwickelt hat, sogar darüber hinweggesetzt hat. Und alles was euch dazu einfällt, ist: Es gibt aber dieses Gesetz und das soll jetzt endlich einmal eingehalten werden! Ernsthaft?

Um meine Position nochmal klar zu machen, nochmal explizit auszusprechen:

Kreative sollen mit ihrer Arbeit das verdienen können, was sie wert ist. Sie sollen nicht nur Nebenprodukte dieser Arbeit (Merch etc.) als einzige Einnahmequelle haben. Nicht mal als Haupteinnahmequelle. Die muss nachwievor der Platten/CD/Download-Verkauf sein, um mal bei der Musik zu bleiben.

Nun ist das aber in der Realität nicht mehr so einfach, weil jedes digitale Gut beliebig oft vervielfältigt werden kann. Also können auch beliebig viele unbezahlte Kopien erstellt und verteilt werden. Das ist doof. Und dafür muss eine Lösung gefunden werden. Die Kulturflatrate ist da vielleicht ein erster Ansatz (Wie ich da immer höre: “Ja, aber das ist dann so kompliziert da einen Verteilungsschlüssel zu finden” Das ist natürlich nicht kompliziert, aber man muss es auch wollen…).

Die Lösung, die “die Kreativen” dafür bislang anbieten ist:

Äh.

Ach so, genau: Die Gesetze sollen durchgesetzt werden. Sprich: Jeder soll für jede Kopie, die er hat, bezahlen. Also kurz: Internet abschalten oder wenigstens komplett überwachen. Das geht doch sicherlich. Ach, darüber müssen sich die Künstler auch ihren Kopf nicht zerbrechen, das haben gefälligst die Anderen zu tun.

Ich versteh euch ja im Grunde genommen: Ihr habt dieses Lied aufgenommen und jetzt möchtet ihr die Liebe dafür in Geld ausgezahlt bekommen und der Gedanke ist ja durchaus erstmal richtig und berechtigt. Und auch das Verleger und Verlags-Bashing ist natürlich größtenteils totaler Quatsch, weil die ja auch was machen. Der Apparat kümmert sich ja um den ganzen Scheiss, den ein Künstler gar nicht machen will - geschweige denn alleine stemmen kann. Wie Rechtsfragen, PR, Vertrieb, Logistik und nicht zu vergessen die finanzielle Vorleistung, die man selber ja gar nicht auf Täsch hätte (und damit mein ich noch nicht mal den Vorschuss, der einem ja noch ermöglichen soll, sein Werk in Ruhe und stressfrei fertig stellen zu können…). Ausserdem halte ich Verlage als Filter nachwievor für Richtig und wichtig. Ja, jeder kann alles überall veröffentlichen. Aber bei einem Verlag weiß ich mit Sicherheit, dass da vorher nochmal 4,5 Leute draufgeguckt haben und das ein qualitatives Mindestmass erfüllt (ob es mir nachher gefällt steht ja auf einem anderen Blatt) wird. Für diese Sicherheit zahle ich als Kunde gern.

Ich lass mir aber als Kunde nicht gern sagen, was ich mit den Sachen zu tun hab, die ich gekauft hab. Ich kann gar nicht zählen wie oft ich in letzter Zeit die Aussage gehört habe, dass ich ein Buch für mich kaufen soll. Das die Weitergabe schon ein zahlender Leser weniger sei. Ja, das ist richtig. Und wenn ihr mir daraus einen Strick drehen wollt, dann verschenke ich nur noch Bücher aus meinem Besitz oder aus Antiquariaten, denn das ist ja wohl die Höhe. Auch werde ich Freunden nach wie vor CDs brennen von Platten, die mir gefallen (MIx-CDs/Mixtapes nehme ich ausdrücklich aus der Diskussion raus, denn wenn ihr auch noch was gegen die habt, dann habt ihr wirklich nicht mehr alle Tassen im Schrank). Vielleicht kaufen sie die dann, vielleicht reicht ihnen meine gebrannte Version. All diese Freiheiten nehme ich mir. Ich werde auch nachwievor Videos auf Lieblingslieder schneiden, weil ich das als Hommage an das Lied verstehe.

Mich regt am meisten auf, dass ihr euch nicht informiert. Dass ihr zu Tausenden offene Briefe unterschreibt in denen immernoch behauptet wird, jemand wolle das Urheberrecht abschaffen. Jemand wolle das Künstler nichts mehr verdienen. Das ist Bullshit und entweder dreist gelogen oder naiv uninformiert. Und ich weiss nicht, welche von beiden Varianten ich schlimmer finden soll.

Ich lese von Kreativen, die ich schätze, die ich für intelligent halte, für souverän, für zum Teil Intellektuell. Und ihr beschwert euch über Dinge, die so niemand gemeint hat? Ihr wollt die Piraten aufhalten? Aber von was denn bitte schön? Ja, die haben gerade Erfolg, aber die werden die nächsten 10 Jahre nirgendwo an einer Regierung beteiligt sein, was sollen die also ändern? Und wie? Warum muss sich eigentlich gefälligst alles nach euch richten? Warum analysiert ihr nicht die Situation und sagt: “Ey, lass uns alle gemeinsam eine Lösung finden, denn dann profitieren wir auch alle!”? Warum erkennt ihr nicht, wie dringend es ist, eine p r a k t i k a b l e Lösung zu finden?

An Alle!

Warum muss diese ganze beschissene Scheiss-Pseudo-Debatte in diesen verfickten Nachbarschaftskrieg ausarten? Ich würd euch am liebsten alle einsperren und erst wieder rauslassen, wenn ihr bereit seid euch die Hand zu geben. Ich will mich nicht mehr schämen müssen, kreativ zu sein. Bitte. Keine Scheingefechte mehr. Sondern konstruktiv sein. Das macht Spaß!

Lasst uns überlegen und brainstormen! Alle Vorstellungen sind erlaubt! Keine Schere im Kopf! Und irgendwann haben wir dann den Weg gefunden, wie sich keiner vom Anderen verarscht vorkommt. Wie jeder profitiert. Wie sich Werke verbreiten und der Künstler trotzdem nicht nur von Nudelsuppen leben muss (ausser natürlich er möchte das gern…). Wie der Konsument aus dem reichen Schatz an Kreativität schöpfen kann, den es auf der Welt gibt und wie wir Kreative die Menschen berühren und bewegen. Oder einfach nur erfreuen.

Ach, das wird schön.

2 Trackbacks

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31 Friedenstauben

  1. Danke! Und: Bitte mach dein Blog flattr-bar.

    Kommentar von Karsten - 11. May 2012 um 17:44 Uhr
  2. Und damit ist alles gesagt.

    Kommentar von Gilly - 11. May 2012 um 17:59 Uhr
  3. ja. Hast Recht.

    Kommentar von frauziefle - 11. May 2012 um 18:10 Uhr
  4. <3 … und schon verlinkt. ;)

    Kommentar von Heike Rost - 11. May 2012 um 18:15 Uhr
  5. Auf.Den.Punkt.

    Kommentar von Markus - 11. May 2012 um 18:17 Uhr
  6. Danke für diesen wunderbar treffenden Text!

    Kommentar von Christopher - 11. May 2012 um 18:23 Uhr
  7. Chapeau!

    Kommentar von curv - 11. May 2012 um 18:49 Uhr
  8. Danke für die klaren und wahren Worte. Für mich angekotzt hast, erspart mir den ekligen Geschmack - revanchiere mich mit Freibier für Dich

    Kommentar von Michael B - 11. May 2012 um 19:04 Uhr
  9. Was ist denn falsch an Barfuß in Latschen? Es waren übrigens Socken, soweit ich weiß. Das ist uncool, aber ok.

    Kommentar von nunatak - 11. May 2012 um 19:55 Uhr
  10. Ein feiner Text. Danke.

    Falls die Piraten die Ich-will-aber-für-Musik-nichts-bezahlen!-Matrosen zurückrufen würden, würden sich die Künstler vermutlich weniger provoziert fühlen und beide Parteien könnten sich an einen Tisch setzen, sich respektieren und Lösungen erarbeiten..

    *träum*

    Kommentar von britney - 11. May 2012 um 22:24 Uhr
  11. @nunatak: Socken in Latschen? Das ist ja noch schlimmer als barfuß ;-)

    Kommentar von britney - 11. May 2012 um 22:25 Uhr
  12. fair enough!

    Kommentar von roman libbertz - 11. May 2012 um 23:16 Uhr
  13. Bla bla. Alle keine Ahnung, außer Dir, ich merk schon.

    Kommentar von nk - 11. May 2012 um 23:42 Uhr
  14. Genau. Eigentlich steht da, das ich das gerne alleine alles reformieren möchte, man soll mich halt nur endlich mal lassen. Weil nur ich weiß, wie es geht.

    Kommentar von nilzenburger - 11. May 2012 um 23:46 Uhr
  15. <3

    Kommentar von maike - 12. May 2012 um 00:25 Uhr
  16. Bin nach dem zweiten Absatz ausgestiegen…

    - Realität wird aus Begriffen geformt. Sie sind wirklich alles andere als egal, zumal in der Politik, weil man mit ihnen so schön verschleiern kann, das man bestimmte Interessen verfolgt.

    - In den Talkshows stellt sich doch genau der umgekehrte Effekt ein: Neben Piraten wirken supercoole, abgebrühte Medienprofis auf einmal sowas von unsympathisch und peinlich, dass man sich fragt, warum man das nicht vorher schon gesehen hat.

    …hab doch noch weitergelesen: Was mich aufregt ist, dass sich Roche, Willemsen und Co. vor einen Karren spannen lassen, der nicht der ihre ist.

    Schickes Einhorn!

    Kommentar von ping & pong - 12. May 2012 um 09:35 Uhr
  17. Sehr geil, danke! Du sprichst mir aus der Seele.

    Kommentar von Rooby aka LinaMadita - 12. May 2012 um 09:50 Uhr
  18. So ist es .
    Mein Vorschlag:
    Eine Woche keine illegalen Downloads. Wenn dann die Künstler, die Contentindustrie und die Abmahntrollos merken, dass sie trotz dem nicht einen Euro Umsatz mehr haben sind sie vielleicht zu Gesprächen bereit.

    @nk- auch in Zeiten des Internet ist wer lesen und einen längeren Text erfassen kann, deutlich im Vorteil. Oder bist doch nur ein bezahlter Troll?

    Kommentar von Guido - 12. May 2012 um 19:13 Uhr
  19. Ich will nur kurz sagen, dass ich den Text mag. Und richtig halte. Und so.

    Tschö.

    Kommentar von Andy - 13. May 2012 um 15:40 Uhr
  20. Danke, lieber Nilz, für deine Wut und deine Worte.

    Kommentar von Stefan - 15. May 2012 um 11:13 Uhr
  21. Ich hab nach ein paar Zeile nicht weitergelesen – wieso? Weil es sehr wohl eine Rolle spielt, wie man etwas nennt. “geistes Eigentum” ist eine Art der Gattung Eigentum, nämlich Eigentum geistiger Art. Damit erbt die Art alle Eigenschaften, die die Gattung hat. Genau das ist in der Debatte aber umstritten. Sprachliche Symbole sind nicht atomar, sondern zusammengesetzt.

    Kommentar von Kai Denker - 17. May 2012 um 22:31 Uhr
  22. Die Piraten-Forderung, “unkommerzielle” Kopien zu erlauben (und damit de facto den Markt zu zerstören), aber gleichzeitig Künstlern eine angemessene Bezahlung zu gönnen (von wem auch immer), erscheint mir ähnlich abwegig, wie die Idee, die kultrelle Freiheit durch Überwachung des Internets aufrechtzuerhalten. Es ist sehr schwierig, zwei Seiten zusammenzubringen, wenn es sich bei ihren Meinungen schon jeweils für sich genommen um komplett schizophrenen Scheiß handelt.

    Kommentar von MisterT - 20. May 2012 um 11:29 Uhr
  23. „Kreative sollen mit ihrer Arbeit das verdienen können, was sie wert ist.“

    was ist sie denn wert?

    Kommentar von marcus - 20. May 2012 um 12:57 Uhr
  24. mostly ACK - Außer die Konklusion deines ersten Absatzes. Begriffe schaffen Realität, insofern muss, geschickt und aufklärerisch, um Begriffe gestritten werden. Allerdings sollten neue Begriffe geboten werden, hinter denen überlegte, zumindest ansatzweise einsichtige Realitäten/Realitätsmodelle stehen.

    Kommentar von Jens Best - 20. May 2012 um 18:09 Uhr
  25. Nicht schlecht der Text. Die bayrischen Grünen probieren genau das, was du vorschlägst, gerade. Alle an einen Tisch hohlen und mal einen guten Vorschlag ausarbeiten. 2 Treffen waren schon, ein drittes ist noch geplant.

    Also auf jeden Fall sehe ich Chancen, dass man da zu sauberen Lösungen kommen kann, wenn alle mal wollen und das Ziel anstreben, dass User und Kreative beide vernünftige Bedingungen bekommen (und NICHTS weiteres fordert, Ideen kann man mitbringen, muss aber bereit sein, die fallen zu lassen, solange das “Grundbedürfnis” einer vernünftigen Lösung erfüllt wird.)

    Kommentar von Chris - 20. May 2012 um 18:49 Uhr
  26. Ich finde es geil. So muss man das ansprechen, anders verstehen es die meisten leider nicht. Warum muss das so sein?!
    Glaube dass eine Lösung “aus dem Volk” und einigen anderen (Kreative, hoffentlich paar nicht verbohrte usw.) kommen muss/wird. Dann erst von der Politik getragen werden kann. Denn bisher haben die “”da oben”" das ganze New World Order Ding was grad angeht und passiert nicht verstanden oder abzuschätzen gewusst.
    Auf geht’s an den Runden Tisch und los, endlich weiter. Bitteeee. Es tut langsam weh, echt jetzt.

    Kommentar von Tom von der Isar - 20. May 2012 um 19:34 Uhr
  27. Lanz und Jauch-Auftritte nicht cool?
    Ich empfehle dir dringend mal rauszugehen und mit MENSCHEN (und nicht Bloggern, Twitterern, Facebooker und dem ganzen Rest) mal zu REDEN.

    Unsere Stammtische haben seit Jauch und Lanz verstärkt Zulauf,
    http://wiki.piratenpartei.de/Treffen
    http://wiki.piratenpartei.de/Kategorie:Stammtisch

    es gehen mehr Mitgliederanträge
    http://wiki.piratenpartei.de/Mitglieder
    ein als das von der Leyen und Westerwelle mit ihren Sprüchen generieren könnten (herzlichen Dank nicht nur an die beiden, auch die anderen Dumpfbacken die stets so bemüht die Piraten unterstützen) und inzwischen ist Urheberrecht nur ein Thema von unzällig vielen. Längst nicht mehr up-to-date!

    Generationenübergreifend wird das Interesse an Politik gestärkt. Die Menschen sehen Chancen etwas zu ändern, mitzuarbeiten, ihre Ideen nicht nur vorzutragen wie Bittsteller sondern auch umzusetzen. Und sie werden “frech” gegenüber den oberen, gegenüber anderen, es wird diskutiert, nachgehakt, beschlossen, verworfen, ausgetauscht.

    Hey, wenn das nicht “cool” ist - ja was dann???

    #k.

    Kommentar von Kand.in.Sky - 20. May 2012 um 20:04 Uhr
  28. Du hast eine Kleinigkeit vergessen:
    Man kann auch bestehende Gesetzesbrüche konsequent ahnden, wenn man jemanden erwischt (durch welchen Zufall auch immer), ohne dafür eine Totalüberwachung zu etablieren.
    Das klappt in vielen anderern Bereichen auch. Dafür müß aber der Staat sich mal wieder um die Verfolgung der Straftat Urheberrechtsverletzung kümmern und nicht alles auf die Abmahner abwälzen.
    Eine Sache zu legalisieren, nur weil sie leichter wird und zunehmend weitere Verbreitung findet ist der falsche Weg, weil dann müsste man auch bald Cyberstalking und Betrug legalisieren. Es wird ein falsches Signal gegeben, wenn eine Straftat nur legalisiert wird, weil es leichter geworden ist und “verbreiteter” wird.

    Kommentar von Gott - 20. May 2012 um 23:31 Uhr
  29. 23: Genau das ist die alles entscheidende Frage, die immer wieder übersehen oder eher bewußt ignoriert wird. In unserem kapitalistischen System ist eine Ware genau so viel wert, wie der Kunde bereit ist dafür zu bezahlen. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn er nichts zu bezahlen bereit ist, ist sie auch nichts wert. Es gibt keinen Kaufzwang und erst recht keinen Konsumzwang. Es ist die Aufgabe des Kreativen, oder des Vermarkters/Verwerters, der dem Kreativen diese Aufgaben abnimmt, dafür zu sorgen, daß der Kunde bezahlen *will*. Nicht durch Zwang oder Gesetze (wäre ja noch schöner!), sondern durch Anreize. Zusätzliche Features. Preisgestaltung. Originellere Werbung. Anbetteln. Persönlicher Kontakt mit den Fans. Was auch IMMER. Es ist nicht das Problem des KONSUMENTEN, wenn der Verkäufer bei der Motivation des Käufers versagt!

    Der Witz ist: die Kreativen und Verwerter pochen auf Kapitalismus und freien Markt, wollen in Wirklichkeit aber ein kommunistisches System mit Verkaufs- oder Einkommensgarantien. In unserem System gibt es kein Recht auf Erfolg. Ich bin kein Anarchokapitalist, aber: wenn man schon einen freien Markt will, dann auch richtig. Monopole, Oligopole und Kartelle widersprechen einem freien Markt. Urheber- und Patentrechte sind letztlich auch staatliche Eingriffe in den freien Markt, und sie sind keinesfalls untrennbar mit Kapitalismus und Marktwirtschaft verbunden. Ganz im Gegenteil: Wie Eckhard Höffner gezeigt hat, hat der Buchmarkt im Deutschen Reich im 19. Jahrhundert hervorragend ohne wirksames Urheberrecht funktioniert und führte zu einer Wissensexplosion ohne gleichen. England mit seinem (damals im Vergleich zu heute noch extrem eingeschränkten) Urheberrecht hinkte deutlich hinterher. Es ist mein Recht als Kunde, ein Buch probezulesen oder eine Platte probezuhören, so oft ich will, und sie dann zu kaufen oder es auch sein zu lassen. *Das* ist die Freiheit, auf der unsere vielgelobte freie Marktwirtschaft aufgebaut ist, meine Herren!

    28: Träum weiter …

    Kommentar von Florian - 21. May 2012 um 00:56 Uhr
  30. Ach ja, speziell für 28: Wollt Ihr jetzt jeden dingfest machen, der öffentlich “Happy Birthday” trällert? Nur ein Hinweis zum Urheberrechtsirrsinn …

    Gut, Arbeitsplätze schaffen würde die konsequente Verfolgung aller Urheberrechtsverstöße, und seien sie noch so banal, aber man würde sich damit nur lächerlich machen und der bisher noch weitgehenden, wenigstens grundsätzlichen Akzeptanz des Urheberrechts würde damit nur der Todesstoß versetzt werden. Andererseits, wenn ich mir es so herum überlege, wäre ich sogar dafür! Null Toleranz für Raubkopierer, -leser und -sänger, muahahaha!

    Kommentar von Florian - 21. May 2012 um 01:44 Uhr
  31. “Ach ja, speziell für 28: Wollt Ihr jetzt jeden dingfest machen, der öffentlich “Happy Birthday” trällert? Nur ein Hinweis zum Urheberrechtsirrsinn …”

    Sollte das jetzt ein sachlicher Beitrag sein?
    Was Sie da vor sich hinpolemisieren ist nie passiert und wird auch in Zukunft nicht passieren.

    Ansonsten gebe ich 28 recht: Der Umstand, dass eine Straftat einfacher wird, sollte nicht zur Konsequenz haben, den Straftatbestand aus dem Gesetzbuch zu radieren. Ich weiß, dass die Piraten nicht die Abschaffung des Urheberrechts fordern, aber was sie fordern käme einer de-facto-Abschaffung recht nahe.

    Dass die Piraten häufig die Drohkulisse einer totalen Überwachung des Internet aufbauen, ist unsachlich und bringt die Diskussion nicht weiter. Aus anderen Bereichen (auch das hat 28 angesprochen) wissen wir, dass man Straftaten verfolgen kann, OHNE die totale Überwachung einzuführen. Ansonsten würde man z.B. vor lauter Verkehrspolizisten die Hundescheiße nicht mehr sehen!
    (Und nur weil viele gern zu schnell fahren, hielten die meisten es vermutlich doch für falsch, Verkehrsregeln und Bußgeldkataloge abzuschaffen)

    Kommentar von Tony the Cucumber - 21. May 2012 um 23:55 Uhr

Deine Friedenstaube