Ich gestehe: Ich habe in meinem Leben schon Interviews geführt, die mich nicht interessiert haben. Das mag niemanden überraschen, ist auch nicht sonderlich ungewöhnlich. Das Leben ist kein Ponyhof und durch manche Sachen muss man einfach durch. Allerdings sollte man, wenn es einen schon nicht interessiert, eine der zwei Taktiken anwenden, die in diesem Fall funktionieren:
a) Man informiert sich bestens über den zu interviewenden und ballert ihn mit Fakten über sich voll, damit er nur noch reagieren muss und das Ding schnell durch ist
oder
b) man interessiert sich nicht dafür, welches Buch/Single/Film/Epiliergerät der Ausgefragt promoten will und geht direkt auf privat, interessiert sich quasi “für den Menschen” und versucht das auch zu vermitteln. Somit umschifft man auch geschickt Fragen zum Produkt, über das man eh nichts weiss.
Am Anfang meiner Interviewlaufbahn war mir weder die eine, noch die andere Taktik bekannt. So sass ich also vor der Aufzeichnung in der Maske und ein Redakteur kam aufgeregt in den Raum. “Nilzenburger, wir haben gleich ein Interview mit diesem DJ, diesem Technotypen!” Zu der Zeit gaben sich solche Leute bei uns die Klinke in die Hand. Auch ein kurzfristig beraumter Talk war nichts ungewöhnliches. “Dann gib mir doch mal ein paar Infos über den…”. Die hätte ich ja noch gemütlich im Maskenstuhl lesen können..
“Hab ich nicht, aber du kennst den doch. Du machst das schon.” Klar. Was sollte das auch für ein überragender Talk werden? Neue Single? Aha. Love Parade? Interessant. Lieblingsessen? Spaghetti, soso, verrückt. Danke, wiedersehen. Der Künstler kam in die Maske. Netter Kauz, bischen Schüchtern. Kurzes Shake-Hands, ich ging schonmal ins Studio und zeichnete die Moderationen ohne ihn auf. Dann kam er dazu und wir führten das Interview. Netter kleiner Talk, aber gäbe es einen Preis für leidenschaftsloses Fliessbandmoderieren, ich hätte ihn damals für diese Sendung bekommen. Fragen abhaken. Kleine Spässchen einbauen. Ein Gast, mit dem ich gar nichts anfangen konnte. Wir lachten kurz, er bedankte sich und war wieder weg.
Nachdem der Rest aufgezeichnet war, kam ich wieder in die Maske. Der DJ sass noch da, wartete wohl auf sein Taxi. Wir plauderten noch nett, deutlich entspannter als im Talk, über dies und das, vor allem über Techno, gar nicht mein Expertenfeld. Ich sagte noch hämisch: “Hast du schon dieses Technocover von “Tränen lügen nicht” gehört? Wie arm ist das denn? Schlagertechno…hehehe.” Er lachte mit. Verhalten, aber so war er ja schon die ganze Zeit. Sein Taxi war da, er verabschiedete sich freundlich von allen. Ich sass noch ein bischen in der Maske rum und unterhielt mich mit den Maskenbildnern.
Zeit nach Hause zu fahren. Im Foyer bestellte ich einen Wagen und wartete. Auf den Monitoren lief unser Programm. Ah! Da war ja wieder dieses Video, das ich so peinlich fand. Also echt mal, ein Schlagersong als Technoversion? Uncooler gings ja wohl gar nicht mehr! Wer hat das eigentlich verbrochen? Die Bauchbinde verriet es mir:
Mark Oh, der Typ den ich eben interviewed hatte….


als du “Hast du schon dieses Technocover von “Tränen lügen nicht” gehört? geschrieben hast hab´ ich mich schon kaum mehr halten können ;-) war ja klar wenn Du da grad mehr oder weniger lustlos interviewed hattest…
gab es später noch mal eine begnung mit dem freundlichen Schlagertechno Herrn?
der knaller. hast du noch mehr so stories auf lager? ich lach mich schlapp
P.S.: Wo sind eigentlich die Berichte über Kindergarten & Co.? ….
oh ja, mist…ich hatte ja noch einen elternabend post versprochen….hab gedacht das hätten alle vergessen…:)
mark oh bin ich noch ein paar mal über den weg gelaufen, aber der dachte wohl die ganze zeit, ich hätte nur einen spass gemacht….glück gehabt (ausser er liest das hier jetzt).
nilz…also ich würde mich sehr freuen wenn du deine Themen To-Do-Liste “abarbeiten” würdest`;-)
- London
- Elternabend
- Städte ohne Wasser
und zu mark oh … ich glaube der list das hier bzw es sei den er ist auf der suche nach leuten die über sein leben schreiben ;-)
ähh ich meinte er liest das NICHT
Ich hab´den versprochenen Bericht zur “hässlichen Fratze der Demokratie beim Elternabend” auch noch nicht vergessen, vorhin beim gang in die Lehrersprechstunde erst wieder dran gedacht … Sieht so aus, als kämst Du aus der Nummer nicht so einfach wieder raus ;-)
Ich les hier wirklich nix!
Die Homepage von Mark Oh sieht auch seeehr mysteriös aus.
“The story continues …”. Nilz, die Sache ist noch nicht ausgestanden.
vielleicht war er auch nur einfach mal froh ne ehrliche meinung zu hören.
gottseidank sind musiker keine egomanen und können mit spontan-konstruktiver kritik gut umgehen! ;)