Offener Brief an meinen Verein

Ich war nie so der Vereinstyp. Ich würde sogar sagen das ich (bis auf den Sparverein im “Klein Köln”) in nur einem einzigen Mitglied war und immernoch bin: Die Gema. Nun hat mein Verein in letzter Zeit viel Schelte abbekommen. Nicht immer zu recht wie ich fand, denn so sinnlos ihre Podcastlizensierungsmodelle auch gewesen sein mögen: Sie haben immerhin schonmal versucht ein Modell zu entwerfen. Und wenn alle etwas konstruktiver kritisiert hätten, statt zu sagen: Boah, guck mal, wie doof!, dann kommt vielleicht endlich so etwas wie ein Dialog zu stande und mein Verein macht den Kopf auf um dazu zu lernen. Nun wurde aber meine Hoffnung jäh zurückgeworfen, denn mein Verein scheint immernoch nicht so richtig verstanden haben um was es hier eigentlich geht, wie man gerade schön bei Rene (Freunde dürfen “Wertkauf-Walter” sagen) lesen kann. Als vernunftgesteuertes Vereinsmitglied will ich meinem Verein natürlich helfen und schrieb ihm folgenden Brief, den ich euch nicht vorenthalten möchte:

liebe gema.
ich bin schon seit vielen jahren mitglied bei euch (mitgliedsnummer
habe ich gerade nicht zur hand). bisher gab es auch nichts zu
beanstanden. die rechnungen waren fair, der service (wenn ich wegen
kleineren problemchen mal angerufen hab) war mehr als vorbildlich. man
weiss wie man mit künstlern umgehen muss, es war superfreundlich und
ich habe mich sehr gut aufgehoben gefühlt.

nun habt ihr ja auch immer meine rechte als musiker vertreten und
dafür danke ich euch sehr. als “kreativer” hat man wenig lust und zeit
für rechte-hick-hack, da war es gut das ich mich auf euch verlassen
konnte.

nun muss ich aber, als vereinsmitglied, sagen das ihr gerade in eine
richtung abdriftet, die ich so nicht wirklich tragen kann.
youtube-videos verbieten, bzw. lizensierungspflicht dafür einführen?

ich weiss: ausnahmen darf man nicht machen, sonst kommt der nächste
und will auch ne ausnahme etc. musiker kriegen geld für
fernseheinsätze, für radioairplay etc. nur für youtube-views nicht.

jetzt weiss ich nicht wie es da meinen vereinskameraden geht, aber ich
persönlich denke das ihr da geradewegs in eine sackgasse rennt.
musiker brauchen you tube videos. das haben ja sogar die sonst eher
trägen plattenfirmen schon entdeckt, die munter ihre videos selbst ins
netz stellen. wir sprechen hier von einem unglaublichen promotool auf
das niemand mehr verzichten wollen würde. und ihr wollt dem jetzt
einfach mal so, mir nichts, dir nichts, den hahn abdrehen. da muss ich
sagen: mein lieber verein, ruder bitte wieder zurück. klar, wir können
das noch als affekthandlung abtun, aber wenn du wirklich die
interessen deiner mitglieder vertreten willst, dann sollten wir deinen
ausrutscher schnell vergessen. denn:

das hauptinteresse deiner mitglieder, das mag jetzt überraschen, ist
es viele platten zu verkaufen. und viele menschen auf ihren konzerten
zu haben. die leute informieren sich aber nicht mehr nur hauptsächlich
über musikfernsehen, auf dem keine musik mehr zu sehen ist, sondern zu
grossen teilen übers netz. und über you tube. und über ihre blogs,
myspace-seiten whatever. wenn du das unterbindest, wegen kleinscheiss,
dann fällt diese kostengünstige promo weg, musik wird wieder schwerer
kommuniziert, konzerte bleiben leer, bands unentdeckt.

denk doch nochmal drüber nach, gema. du und ich, wir wollen doch
freunde bleiben.

liebe grüsse,
nils bokelberg, mitglied seit, ich glaube, 94 oder 95.

Meint ihr, die lesen das?

6 Trackbacks

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13 Friedenstauben

  1. klar werden sie es lesen. ich habe ihnen den link geschickt.

    Kommentar von zoee - 08. November 2006 um 06:58 Uhr
  2. ich weiß, dass sie das lesen. ich kenne sogar eine der personen, die das und andere solche briefe lesen müssen…

    mein buchtipp hierzu: guten tag herr maggi! herrlich!

    amelie

    Kommentar von Ami-Ami - 08. November 2006 um 10:51 Uhr
  3. nachtrag!

    mehr zum buch bei mir

    Kommentar von Ami-Ami - 08. November 2006 um 11:03 Uhr
  4. sehr gut. mach sie fertig… mir war der laden immer zu kompliziert…aber man kommt ja nich drum rum ne?!

    Kommentar von Gürtel - 08. November 2006 um 11:05 Uhr
  5. definitiv - die lesen das.

    Venceremos!

    “Alles Große in der Welt wird nur dadurch Wirklichkeit, daß irgendwer mehr tut, als er tun musste” (Hermann Gmeiner)

    Kommentar von Kerstin | Sea Lounge - 08. November 2006 um 14:58 Uhr
  6. sorry - Tippfehler sehe ich gerade.

    “…als er tun mÜsste” heißt es richtig. Konjungtiv oder nicht - ist ja dann doch ein kleiner Unterschied ;-)

    Kommentar von Kerstin | Sea Lounge - 08. November 2006 um 15:00 Uhr
  7. Klar wird das gelesen. Das weiß ich aus meinen Informanten-Kreisen. Aber ob das auch verstanden wird, stelle ich mal so in Frage.

    Kommentar von Maunamea - 08. November 2006 um 16:26 Uhr
  8. Big Time, Nilz!

    Ja, werden Sie.
    Nur ändern wird das nichts, fürchte ich.

    Kommentar von MC Winkel - 08. November 2006 um 17:16 Uhr
  9. so isses, wichtig ist das sie nachdenken und antworten ;)

    Kommentar von SirDregan - 08. November 2006 um 18:22 Uhr
  10. Kann sein, wenn sie heute noch Zeit haben, denn die waren heute bei mir ;( auf dem Blog … was die da wollten???

    Kommentar von Sabine - 09. November 2006 um 13:17 Uhr
  11. Ja, ja die GEMA. Ich freue mich ja immer, wenn ganz unerwartet ein paar hundert Euro auf dem Konto landen, weil mal wieder Abrechnungszeit bei der Gema ist.
    Auch ich hatte immer sehr geduldige und freundliche Mitarbeiter in der Leitung, wenn ich dort angerufen habe. Aber das ganze System der GEMA ist ungerecht und überhaupt nicht zu durchschauen. Ich habe (fast) noch keine Abrechnung von denen Verstanden.
    Nur Eines ist klar: Der Mainstream profitiert von der GEMA gewaltig, kleinere Bands und Musiker aus musikalischen Nischen gehen unter. Völlig. Wenn selbst das Vorhören von Songs auf der eigenen Homepage GEMA pflichtig ist, wie soll man denn das als kleine Band bezahlen?

    Kommentar von Päule - 09. November 2006 um 13:45 Uhr
  12. man könnte auch einfach sagen

    gema-darling,

    you don´t lose a daughter. you gain a son! keep on smiling, for when you´re smiling - the whole world smiles with you!

    Kommentar von glam - 11. November 2006 um 10:56 Uhr
  13. Wahre Worte. Kann ich nur unterschreiben. Auch wenn ich fürchte, dass die Vereinsvorderen mit verschlossenen Ohren arbeiten und sie dieses Anliegen kalt lässt. Denn es steht zu befürchten, dass sie dem Recht näher stehen als der Musik, dem Einkommen näher als dem Vorankommen der Musiker. Wie sehr sich die Katze in den Schwanz beißt, interessiert da womöglich wenig. Aber es werden ja auch oft Großbaustellenbebauer Präsidenten von Profi-Fußballvereinen, auch wenn sie noch nie ein Tor in einem Verein geschossen haben, der oberhalb der Kreisklasse kickt.

    Kommentar von Ole - 12. November 2006 um 23:08 Uhr

Deine Friedenstaube