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Ein unveröffentlichter Text über “Heimat”, der aber ganz gut ist

Im aktuellen Stijlroyal, dem vermutlich schönsten Magazin der Generation “Generation”, habe ich einen Text über meine zukünftige Heimat geschrieben. Mein erster Textentwurf war noch ein bisschen am Thema vorbei. Was okay war. Habe aber gerade festgestellt, das der auch ganz schön ist. Deswegen steht der jetzt hier. Ein Text über meine alte Heimat: Köln. Für den Text, der es dann geworden ist, ordern sie bitte das fantastische Heft für ihren Haushalt. Es soll ihr Schaden nicht sein.

Der Botschafter

Ich bin in einer kleinen Stadt vor den Toren Kölns aufgewachsen. Tatsächlich hat dieser Ort zu Köln gehört, bis zu dem Jahr in dem ich geboren wurde, da wurde es wieder ausgemeindet. Wenn ich das recht entsinne aber auch auf eigenen Wunsch. Bis heute habe ich das Mysterium nicht klären können, ob es einen Zusammenhang zwischen meiner Geburt und der wiedererlangten Autonomie Wesselings gibt, wage das aber beherzt zu bezweifeln. Das wäre ja auch etwas vermessen anzunehmen.

Nun, all dies zu wissen ist insofern wichtig, als das es doch aber zeigt, das ein expliziter Bezug zu Köln am Rhein in meiner Heimat existiert. So durfte ich mich zwar eigentlich nie Kölner nennen, habe es der Einfachheit halber doch immer getan, wenn ich gefragt wurde, wo ich herkomme. Und tatsächlich habe ich mich Köln ja auch immer sehr verbunden gefühlt. Die Musik der Stadt trägt dazu bei. Nun kennt man außerhalb Kölns nur Bap, die Höhner vor allem in den letzten Jahren mit ihren Handballanbiederungshits und vielleicht noch die Bläck Fööss. So von außen betrachtet, wenn man nur die 3,4 Hits kennt, mag das auch ziemlich armselig rüberkommen, das die Kölschen da immer so drauf rumreiten, wie toll diese Band seien, aber: Sie sind es. Beziehungsweise waren es. Die 70er-Jahre Platten der Bläck Fööss haben so viel Gefühl, sind aber auch so politisch. Ich kenne keine andere Stadt in Deutschland die einen so herzzerreißenden Soundtrack hat. Es gibt zum Beispiel dieses Lied von den Fööss namens „Isch han nen Deckel“. Das handelt von einem Mann, der des Berufs wegen Köln verlässt und nach Berlin zieht. Da verdient er sehr gutes Geld, es fehlt im eigentlich an Nichts. Zumindest materiell. Aber das Herz, ach das Herz sehnt sich nach Köln. Und deswegen hat er in seiner Stammkneipe in der Domstadt eben noch einen Deckel liegen, damit er immer einen Grund hat zurückzukommen. Ein herrlich romantisches Bild.

Vielleicht sollte man auch dazu wissen, das Köln ja eine sehr starke Kneipenkultur hat, was aber auch bedeutet das man als Kind eben auch oft mit Papa Samstags Nachmittags in die Kneipe gehen darf, wo der Papa dann sein Kölsch trinkt, man selber aber Cola trinken darf, Lieder aus der Musikbox aussuchen und noch eine Tafel „Goldnuss“ kriegt, die Schokolade mit garantiert 27 ganzen Nüssen. Das prägt alles. Das schweißt einen zusammen. Mit der Heimatstadt. Aber: Köln ist klein, ein Dorf. Und deswegen hat es mich schon immer rausgezogen. Ich wollte da nicht mehr bleiben, wobei diese Enge einige tolle Vorzüge hat. Aber es fehlt eben eine gewisse, ich möchte nicht sagen „Freiheit“ weil das dann so nach Westernhagen klingt, aber „Freiheit“.

Und deswegen habe ich mit Köln im Herzen meine Rolle bestimmt: Ich bin ein Botschafter Kölns. Ich trage die positive Grundeinstellung, die Lebensfreude, den Humor, und den Geschmack für tatsächlich gutes Bier in die weite Welt heraus. Thats what i´m here for: Ich werde Köln immer lieben und immer „Die beste Stadt der Welt“ nennen, aber dafür muss ich da ja nicht wohnen. Ein guter Deal zwischen Köln und mir. Meine Heimat, in der ich nicht mehr wohne.

4 Friedenstauben

  1. Am Thema vorbei? Das ist so ziemlich genau ein Text zum Thema Heimat.

    Aber ich will mich ja nicht beschweren - so hattest du die Möglichkeit, noch einen zweiten Text zu schreiben. Für dich sicher nicht schlecht, wenn du zwei weitere gute Texte geschrieben hast (Selbstbewusstsein und so) und für uns auch nicht. Damit ham wir gleich 100% mehr Text. :)

    Kommentar von Addliss - 10. June 2010 um 14:48 Uhr
  2. ja, aber es ging um eine andere definition von “heimat”. um “die kleinste zelle” von heimat. das isses nun wirklich nicht geworden. trotzdem ganz schön. danke! :)

    Kommentar von nilzenburger - 10. June 2010 um 14:55 Uhr
  3. Boah! Und wie geilo erst der Text im Stijlroyal Magazin ist.

    Kommentar von Huck Haas - 12. June 2010 um 15:33 Uhr
  4. Über einige Klicks bin ich hier gelandet und hab beim lesen nach knapp nem halben Jahr Köln-Flucht Heimweh gefunden. Seltsam aber danke.

    Kommentar von Bræ - 13. July 2010 um 20:04 Uhr

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