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Demokratie ist, das alle auch mal MIR zuhören müssen - Piratenparteitag Bingen

saal

Fangen wir mal von Vorne an: Eine Wahl der Piraten käme für mich erstmal nicht in Frage. Das hat ganz einfache Gründe, denn ich finde ein freies Netz auch wichtig, aber viele Dinge dann eben doch wichtiger. Ich könnte zum Beispiel wieder mit AOL leben, wenn ich wüsste das dafür alle AKWs vom Netz gehen. Mal zugespitzt formuliert. Natürlich möchte ich das nicht. Natürlich möchte ich ein freies Netz für alle UND die Abschaltung der Atomkraftwerke, aber vor die Wahl gestellt, fänd ich die Stromdinger doch wichtiger.

Das soll aber nicht heissen, das ich nicht mit den Piraten sympathisieren würde, im Gegenteil: Das ist schon eine ganz lustige Truppe und ich mag deren Ehrgeiz und Elan und Motivation endlich mal Politik zu machen. Find ich grossartig. Auch, wenn ich mich dann zwischendurch immermal wieder für die schämen muss (ja, ihr seht richtig: Der sitzt da beim Gespräch mit ner Fahne als Umhang…), aber meh: So sans halt, de junge Leit! :) Ist ja alles noch im Rahmen.

Faszinierend war es im PiratenWiki mitzulesen, als eine Berliner Piratin, Lena, vorgeschlagen hatte, einen eigenen, virtuellen “Raum” nur für weibliche Piratenmitglieder zu gründen, in dem man sich austauschen kann und der eben den Frauen vorbehalten ist. Nun ist ja genug Platz da, im Internet und auch sonst macht das ja auf den ersten Blick hin Sinn, denkt man sich. Warum nicht? Schadet niemandem und bestimmt haben Frauen Themen, die sie lieber unter sich besprechen. Voll in Ordnung. Also, war jetzt so mein erster Reflex, als ich das mitbekommen habe.

Oh oh….das sehen viele Piraten aber anders. Dieser Vorstoss von Lena (den sie, zugegebenermassen mit einer unglücklichen bis doofen Pressemitteilung verlautbarte - und sich danach noch ungeschickter mit einem “das war eine private Pressemitteilung und keine offizielle von der Partei..” rauszureden versuchte..) kam eher so semi-gut an. Was wurde die beschimpfz als Emanze und was sie sich einbilde und wie sehr diese Idee der hochgelobten Transparenz der PP entgegen stünde und wieso Frauen denn eigentlich ihre eigene Mailingliste bräuchten, das wäre doch eigentlich sexistisch, weil Piraten nicht nach Geschlechtern unterscheiden würden, sondern nur Menschen sähen.

Ähm…ja.

Die Diskussion war für jeden einsehbar und ich las ein paar Tage mit, bevor ich die Lust verlor, weil da so verbittert auf Lena rumgehauen wurde, die sich zu einem frühen Zeitpunkt aber schon längst aus der Diskussion verabschiedet hatte, weil sie, mit Verlaub, einfach zu bescheuert war. Argumente gleich Null. Auch wenn weibliche Piraten (die ausdrücklich nicht Piratinnen genannt werden wollen) sich gegen Lena stellten. Mehr als die Jungs Argumente konnten sie auch nicht nachbeten. Ich hab die Piraten dann wieder eher aus den Augen verloren. Hier und da tauchten sie noch in meiner Timeline auf, durch eine Handvoll Piraten denen ich folge und die ich alle schätze, aber ansonsten waren sie mir ein bisschen Egal. Auch zur NRW-Wahl, da haben die ja quasi kaum stattgefunden (ausser dieses “Nazis haben Leitern”-PLakat, das hat mir gut gefallen). Damit lässt sich wohl auch das bescheidenere Ergebnis im Gegensatz zur BTW leztztes Jahr erklären.

Nun hatten die Jungs und Mädels Parteitag in Bingen, mit einem exzellent funktionierendem und aussehenden Stream und deswegen habe ich mir die letzten zwei Tage die Parteiarbeit live angeguckt. Und was ich da gesehen habe…also, warum machen die es mir immer so schwer sie zu mögen? Und wenn ich sie wieder ein bisschen mehr mag, dann machen sie es mir noch schwerer..

Dieser Parteitag war eine Veranstaltung des absoluten Stillstands. Das kann man sich nicht vorstellen, wenn man es nicht gesehen hat. Die 1000 Mitglieder, die man wohl zum harten Kern zählen kann, weil sie ja wohl sonst nicht den Weg nach ausgerechnet Bingen auf sich genommen hätten, die da vor Ort waren, haben ein seltsames Demokratieverständnis, das vermutlich irgendwie so ausgedrückt wird:

“Demokratie ist, das alle auch mal MIR zuören müssen!”

Anders ist es kaum zu erklären, was da abging. 1000 mehr oder weniger erwachsene Menschen in einer Halle, die sich alle gegenseitig davon abhalten, produktiv zu sein. Der Zeitplan, der aufgestellt wurde, konnte nicht im Ansatz eingehalten werden. Man brauchte zwei ganze Tage um einen Vorstand zu wählen. Weil diejenigen, die sich zur Wahl stellten, auch befragt werden durften, zog es sich noch und nöcher - allerdings ohne dabei einen höheren Informationswert zu generieren. Eher im Gegenteil. Die Fragen und Vorwürfe an die Kandidaten wiederholten sich und wenn die “Versammlungsleitung” mal versuchte die ganze Veranstaltung ein wenig zu pushen und voranzutreiben, wurde sie sofort durch sinnlose Anträge a la “Ich möchte das die Redner 45 Sekunden Redezeit haben” ausgebremst. Und solche Anträge kamen im Stakkato-Modus. Jeder wollte mal irgendeinen Antrag stellen oder irgendeine Frage um auch ja gehört zu werden. Eine Handvoll Speuzialisten stellte sich immerwieder am Mikrofon an um auch immerwieder die gleichen Fragen zu stellen (die entweder die Versammlungsleitung schon vorweg hätte nehmen können, oder die Kandidaten in ihren Vorstellungsreden auch…). Das war schon die Redundanz von Redundanz. Alle beschwerten sich, das alles so lange dauert, aber niemand war bereit wirklich etwas dagegen zu tun. Na klar, nachher nannte man das “eben echte Demokratie” die natürlich “auch anstrengend sei”, weil alle alles abstimmen. Aber genau das wäre eben das tolle an der Partei.

Moment: DAS ist ein Vorzug? Das sich alle gegenseitig lähmen und nie auf einen grünen Punkt kommen? Dann habe ich tatsächlich ein anscheinend weniger demokratisches Verständnis von Politik, oder, um es mal anders zu sagen liebe Piraten: Das war absolute Scheisse, was ihr da veranstaltet habt. Echt jetzt mal, das war gar nix. Schrott. Und einige von euch sollten sich mal fragen, warum es so war. Ich meine das weder böse, noch hämisch oder so. Das war Murks. Und ich will jetzt nix hören von Wegen “junge Partei, erst seit 3 Jahren” oder so. Hallo? Man kann schon im ersten Jahr feststellen was geht und was nicht. Und ich erinner mich auch in den Stream des letzten Parteitags reingeguckt zu haben. Und da waren weniger Leute. Und DA waren diese ewigen “Anträge” schon das Problem numero Uno. Also please: Sehr mal zu das ihr Handlungsfähig werdet. Sonst war das Ergebnis in NRW noch gut, wenn ihr versteht was ich meine.

Und das war ja nicht alles an Elend, was ich im Stream gesehen habe (neben, nur um das nochmal deutlich zu machen, supervielen sehr motivierten Leuten, die Spass an der politischen Arbeit hatten, was mich ja auch so am Stream hielt..): Die oben bereits erwähnte Lena stellte sich spontan zur Wahl zur stellvertretenden Vorsitzeden der Piratenpartei. Das war ein Signal. Ein Signal zum Wechsel. Und als sie sich vorstellte, sagte sie viele richtige und wichtige Sachen (auch das sie dafür sorgen möchte, das sich die PP deutlich von Nazis distanziert zum Beispiel), die nur zum Teil mit Gender Themen zu tun hatten. Die aber natürlich auch ihr Thema waren. Und dann kam die Fragestunde. Und dann wurde sie gegrillt. Mit Häme und totaler Scheisselaberei übergossen von Parteimitgliedern, die offensichtlich gar nicht zugehört hatten, was sie da auf der Bühne kurz zuvor gesagt hatte. Die einfach nur ihren Satz des Hasses an sie loswerden wollten, mit vermutet geschickt platzierten Spitzen (”Willst du als Stellvertreterin auch direkt eine Pressemeldung rausgeben?”) , die ebenso lächerlich waren, wie 95% der Fragen, die ihr gestellt wurden. Und die sich ALLE nur ums Thema “Gender” drehte, wohingegen Lena eigentlich über viel mehr gesprochen hatte. Es liegt also die Frage nahe, wer jetzt eigentlich ein Problem mit dem Thema hat? Lena kann weitergehen und sehen und weitermachen. Aber verbissene Piraten können das eben nicht. Das war wirklich gruselig zu hören, was da für eine totale Kacke gefragt wurde. Und peinlich war es auch. So sehr zu zeigen, wie wenig man zu politischem Denken in der Lage ist…uiuiui…das als Basis einer Partei halte ich dann doch schon für bedenklich.

Natürlich wurde Lena nicht gewählt. Sie bekam stramme 28 Prozent, was viele schon für ein gutes Zeichen halten. Ich aber sage: Ein gutes Zeichen ist es, wenn sie gewählt wird, denn ganz offensichtlich ist sie politisch durchaus kompetent und weiss was sie sagt und warum sie es sagt. Aber die Piraten sind dann eben doch mehr Bild-Leser als sie wahrhaben wollen: Es soll sich nichts ändern in unserem Schrebergarten. Der Vorsitzende und sein Stellvertreter wurden beide wiedergewählt. Zwei Leute, die durchaus fähig sind. Aber eben auch sehr unsichtbar (Der Vorsitzende Siepenbusch meinte auch auf die Frage, warum man so wenig von ihm gesehen hätte bei der NRW-Wahl, das er zur Verfügung gestanden hätte, ihn aber niemand gefragt hätte…i mean: come on!).

Überhaupt: Was mich vermutlich am meisten erschrocken hat, war der Aggro-Ton auf dem Parteitag, den man wohl anschlagen muss, damit einem überhaupt irgendwer zuhört. Die Sprecher auf der Bühne mussten regelmässig das Plenum zur Ruhe mahnen. Aber wenn etwas entschieden wurde, was irgendwem nicht gefiel, da wurde dann auch schonmal in der Halle rumgeschrieen. Nicht reingerufen, so wie ein Protest, sondern wirklich reingebrüllt so wie in: “Oh, da hat aber jemand ein Problem für das er mal professionelle HIlfe in Anpruch nehmen sollte:”. Und davon gab es ein paar Kandidaten in der Halle, das fand ich schon erschreckend. Zu Beginn des zweiten Tages übrigens auch der Wahlleiter, aber der hat sich später dafür entschuldigt.

Machen wir uns nix vor: Die Piratenpartei ist eine Jungspartei. Und ich kann jede Frau verstehen, die einen riesen Bogen um die macht. Da wird sich auf ziemlich tiefem Niveau beschimpft und so getan, als sei das ein demokratischer Prozess. Da spielen Jungs so eine Art Real-Life-WoW, wo man sich eben mit der ganzen Gruppe abstimmen muss. Und das ist jetzt kein hohles Klischee, weil Computer eben DAS Thema der Piraten sind, sondern genau so ist dieser Parteitag rübergekommen. Und wenn du mir nicht zuhörst, dann brüll ich dich eben an. Da gibt es wichtige Vaterfiguren, wie eben einen Jörg Tauss, dem kritiklos alles von den Lippen gelesen wird (vom Grossteil, nicht von Allen!), weil er da als Mann mit Erfahrung steht oder dieser Pfarrer, dessen Namen ich vergessen hab, der ein paar mal kandidiert hat, den auch plötzlich alle voll toll fanden, obwohl die Piraten doch eigentlich Religion immer so vehement ablehnen, der aber punkten konnte als er einem jungen Piraten, der sich nach seinen Visionen zur Drogenpolitik erkundete, vorschlug das ganze doch entspannt “in Holland auszudiskutieren”. OMG. Nuff said.

teppich

Die Piraten, so gern ich sie auch haben will, sind nicht Politikfähig. Zumindest im Moment nicht und ich sehe da noch nicht wirklich Land. Das ist Schade. Die treten sich gegenseitig auf die Füsse und haben dabei das Gefühl etwas zu bewegen. Dabei stehen sie nur in einem Laufrad. Für dieses Jahr wurde übrigens noch ein Parteitag beschlossen, auf dem soll es dann um inhaltliche Diskussionen gehen. Da bin ich aber mal gespannt. Vielleicht haben sie aus dem Binger Debakel gelernt. Ich befürchte aber das Gegenteil.

[Bilder hab ich vom "offiziellen" Twitteraccount]

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33 Friedenstauben

  1. Durch die Abstimmung und das Ergebnis zu Liquid Feedback sehe ich sehr gute Chancen, beim zweiten Parteitag etnsprechend zügig das Programm zu bearbeiten.

    Gleichzeitig wurde der Antrag des Herrn Tauss übrigens mit großer Mehrheit ohne Diskussion abgelehnt…

    Kommentar von Thorsten - 16. May 2010 um 21:03 Uhr
  2. In sehr vielen Punkten hast du leider recht. Ich habe mich teilweise geschämt was für einen Stuss dort abgelassen wurde. Jedem einzelne sollte bewusst sein, dass er nicht im IRC oder auf Mailinglisten ist wo man noch relativ “unter sich” debattiert und sicherlich häufig zu hitzig. Durch die praktizierte Form der Basisdemokratie kann jedes Mitglied seine Meinung äußern und Anträge stellen. Das ist Gut! Setzt aber eine gewisse menschliche Reife und Sensibilität vorraus. Im Grunde wurde nach dem dritten Redner alles gesagt, aber eben nicht von jedem.

    Einige Spezialisten meinten auch jedem der Kandidaten jedes mal die gleiche Frage zu stellen. Sorry, das hat nichts mit Basisdemokratie zu tun, das ist einfach albern. Bei 10 Kandidaten und 3 solcher Fragesteller verbrennt man mal eben dutzende Minuten pro Wahlgang die wir ganz sicher besser hätten verwenden können. Aber offenbar setzt sich bei einigen wenigen nicht die Erkentnis durch, dass es nicht ihre Privatfeier ist und dass tausende potentiell Interessierte durch ihre Beiträge abgeschreckt werden.

    Die Veranstaltung, die übrigens hervorragend organisiert war, wurde durch zwei Hand voll Deppen runtergezogen. Das fällt dann auch auf die 990 anderen Anwesenden und jedes einzelne Mitglied der Partei zurück. Einfach zu hoffen das die Leute erwachsen werden hilft nicht, man hat immer ein paar Querulanten dabei, aber nirgends wird ihnen eine solche Bühne geboten.

    Ich bin Pirat und schäme mich dafür dass wir es erlauben uns von ein paar bekloppten auf der Nase rumtanzen lassen zu lassen. Redefreiheit ist was gutes, aber die Freiheit des einen hört dort auf wo es die Freiheit des anderen begrenzt, und das war definitiv der Fall da wir kaum programmatisch Arbeiten konnten um die Partei *wirklich* vorran zu bekommen. Sinnlose Fragen und Anträge mögen die Geltungssucht eines einzelnen befriedigen, töten aber jegliche Motivation bei der Mehrheit. Vielleicht sollte man beim nächsten mal darüber nachdenken dass die Sitzungsleitung entsprechende Leute für ein paar Minuten zum abkühlen vor die Halle schicken darf.

    Martin Braun
    Piratenpartei NRW

    Kommentar von Martin Braun - 16. May 2010 um 21:17 Uhr
  3. atomstrom FTW….

    Kommentar von icke - 16. May 2010 um 21:26 Uhr
  4. @thorsten: stimmt, sein antrag wurde abgelehnt. dennoch klebten ihm alle an den lippen, vor allem als er an abend als pausenfüller quasi unbegrenzt redezeit bekam um für seine unterschriftenliste zu werben, gegen bestechung von bundestagsmitgliedern. ein, wie ich meine, doch eigentlich für die piraten im moment noch eher zu vernachlässigendes problem, oder? :) (aber, muss ich auch sagen: ich mag den nicht, find den komisch. so persönliche meinung..)

    @martin: danke für einen ausführlichen kommentar. es stimmt: die paar deppen können den ganzen parteitag lahm legen. hat man ja gesehen. das war wirklich ein problem, das ihr drigend in den griff kriegen müsst. sprecht mit den piraten dadrüber. an den stammtischen, den parteitreffen, wo auch immer ihr euch seht: macht den anderen klar, das so eine veranstaltung nur etwas bringt, wenn alle an einem strang ziehen. und das soll keine diskussionen unterbinden. im gegenteil es soll konstruktive möglich machen.

    @icke: das kann der hund bei loriot doch auch immer sagen…

    Kommentar von nilzenburger - 16. May 2010 um 21:31 Uhr
  5. hört sich sehr nach ein Schritt nach vorne, zwei zurück an. o0

    Kommentar von charlotte sometimes - 16. May 2010 um 21:44 Uhr
  6. Bei vielem muss ich dir leider recht geben und sehe es auch so, nur 2 Dinge sehe ich etwas anders.

    Zum einen den Punkt mit der lähmenden Demokratie. Ja das ist, nur leider fällt mir (bisher) nichts gutes ein um das zu verhindern. Zumindest nicht ohne damit massiv ins Geschehen einzugreifen. Hier hoffe ich in den nächsten Jahren mit Liquid feedback was machen zu können, bin aber für Vorschläge offen.

    Das andere ist die Geschichte Leena. Eine Wahl zur stelv. Vorsitenden wäre ein Zeichen gewesen es wie sie zu machen. Pressemitteilungen faken und auch sonst nur über intervies in der Presse Parteiarbeit zu machen. Lena ist unter anderem im Vorstand der Jupis Berlin und hat dort auf ganzer Linie versagt. Sie hat mit medialem Feuerwerk ihre Gendersicht in die Partei getragen, hällt es aber nicht für nötig an den wirklich guten Anträgen von Maha (http://wiki.piratenpartei.de/Antragsfabrik/Freie_Selbstbestimmung_von_geschlechtlicher_und_sexueller_Identit%C3%A4t_bzw._Orientierung) mitzuwirken oder auch nur zuzustimmen. Diese Anträge denken Gendermainstreaming deutlich weiter. Wie verhalten wir uns transgendern gegenüber? Warum ist das Geschlecht überhaupt ein Merkmal bei behörden? Sie wurde gegrillt. Die Kommentare waren übertrieben und zu 90% weit über dem erträglichen, aber die Ablehnung war begründet. Im Vorstand hätte sie höchst warscheinlich genau wie ihr guter Crewkollege Aaron König für ihre agenda gekämpft und nicht für die Partei.

    Kommentar von martin k - 16. May 2010 um 22:02 Uhr
  7. So gerne ich beim Piraten-Bashing mitmache, Lena wäre sicher ein Wechsel gewesen, aber auch der richtige?

    Es gab nicht nur eine Pressemitteilung von ihr, sondern derer zwei. Und die zweite wirft sie in diesem Jahr rettungslos aus dem Rennen. Ein solcher enormer Fehltritt, das Unterlaufen der Strukturen, die sie nun mitbestimmen wollte, müsste IMHO schon durch mehr aufgewogen werden als nur eine richtige Rede auf dem Parteitag.

    Das ist auch das Problem der Piraten: zu wenig durchgreifende Sacharbeit. Seipenbusch mag die Enquette-Kommission auf der Haben-Seite der Piraten verbuchen, aber er sitzt halt nicht drin. Trotz 10000 Mitgliedern haben die Piraten als ganzes immer noch nicht das Mobilisierungspotenzial von netzpolitik.org erreicht.

    Kommentar von Torsten - 16. May 2010 um 22:33 Uhr
  8. @martin k
    “Im Vorstand hätte sie höchst warscheinlich genau wie ihr guter Crewkollege Aaron König für ihre agenda gekämpft und nicht für die Partei.”

    Ich hab den Satz jetzt fünf Mal gelesen und finde ihn vorsichtig gesagt doch sehr erstaunlich. Steht zuerst die Partei und dann die eigene Agenda (der subjektiv wichtigen Inhalte)?

    Parteien sind nur Mittel zum Zweck. Der eigentlich Zweck sollte die Umsetzung der Inhalte sein, die man für richtig hält.

    Kommentar von Henning - 16. May 2010 um 22:55 Uhr
  9. Von mir nur ein kurzer Einwand: Die Piraten sind nicht gegen Religion. Aber für Trennung von Kirche und Staat. Jedenfalls ist das bei uns in der Schweiz so.

    Aber gut geschriebener Beitrag, auch wenn ich nicht in allen Punkten mit dir einig bin ;) Freie Meinungsäusserung FTW!! :)

    Kommentar von Angrod - 17. May 2010 um 00:00 Uhr
  10. Ich find das Programm der Piraten zu dünne. Seh da keine echten Antworten, sondern nur formulierte Sehnsüchte. Wichtig wären durchführbare Gestaltungsvorschläge.

    Im übrigen werden Piraten als 1-Punkt Partei (Internet) wahrgenommen und sie haben nichts in Bingen erreicht, dass diese Wahrnehmung ändern könnte.

    Überfällig ist eine Programmdiskussion. Diese fand nicht statt. Warten wir also auf bpt102.

    Kommentar von Glamypunk - 17. May 2010 um 00:04 Uhr
  11. schön geschrieben danke.

    trifft es auf den Punkt

    Kommentar von uli-e - 17. May 2010 um 01:13 Uhr
  12. Ich spiele seit einiger Zeit mit dem Gedanken einer Partei beizutreten und mich politisch zu engagieren. Die Piraten wären meine erste Wahl gewesen, aber was dort in letzter Zeit (immer noch) falsch läuft ist doch ziemlich abschreckend.

    Kommentar von Alex - 17. May 2010 um 01:19 Uhr
  13. @ Torsten: Wir sind ja auch keine Partei. Parteiarbeit ist viel mühsamer als NGO- oder Medienarbeit. Natürlich leben NGOs und Medien auch von ihren Followern (Aktivisten und Leser), aber die Frage der demokratischen Legitimation durch irgendwelche Mitglieder stellt sich nicht. Hier scheinen die Piraten gerade das “alle dürfen”-Ende des Spektrums zu besetzen, wo die etablierten Volksparteien am anderen Ende stehen und die Grünen vermutlich links der Mitte. Die Frage ist halt, ob sie das in inhaltliche Arbeit und Kompromiss- / Konsensorientierung umsetzen können, wie es bei den Grünen einigermaßen erfolgreich funktioniert - allerdings nach langen Abspaltungs- und Verdrängungsprozessen der ersten Jahre. Und da scheint bisher bei den Piraten noch viel zu viel Netz-Denken vorzuherrschen nach dem Motto “Platz ist ja genug”. Und offenbar zuviel Testosteron.

    Kommentar von Ralf Bendrath - 17. May 2010 um 01:58 Uhr
  14. Von mir auch nur kurz etwas zu Lena.

    1. Ich möchte daran erinnern, mit welchem Satz sie sich vorzustellen begann: “Mir war nach der letzten Wahl die Männerquote hier oben etwas zu hoch.” Natürlich ist das keine Entschuldigung für das Bashing, das folgte, aber somit hat sie sich zu aller erst selbst auf dieses Thema bezogen und damit eine wunderbare Vorlage abgegeben.

    Der 2. Punkt ist, wer Lena die zugegebenermaßen unangebrachten Fragen stellte. Nämlich zu schätzungsweise 75% Frauen. Na, da waren sie also doch, die angeblich so seltenen Piratinnen! Scheinbar ist die Piratenpartei doch etwas für Frauen, und scheinbar haben sie doch etwas zu sagen. In diesem Fall nämlich, dass ihnen das Gender-Getue von Lena auf den S.., äh, Keks geht.

    Bevor man also der Piratenpartei unterstellt, keine Partei für Frauen zu sein, sollte man erst einmal überlegen, warum größtenteils Frauen selbst Lena als ihr Feindbild auserkoren haben.

    Kommentar von Domi - 17. May 2010 um 05:02 Uhr
  15. Schöner Beitrag Nilzenburger :)

    Ich hatte bisher nur etwa einen 20 Sekunden Beitrag im TV über den Parteitag gesehen, da ist so ein Text Gold wert. Wenn auch subjektiv, wirkt er wenigsten ehrlich und nicht geschönt. (Die PPs halte ich sowieso momentan auch für unwählbar)

    Kommentar von Herbie - 17. May 2010 um 06:56 Uhr
  16. @ domi: hmm, ja, das stimmt. da hast du vollkommen recht und ich überlege gerade ob es sehr nachlässig von mir war, das nicht zu erwähnen. weil ich dadurch schon in gewisser weise manipulativ bin. aber: all diese frauen, die lena so vehement angegangen sind, haben lena vor allem dafür veurteilt, das sie sich anmassen würde für alle frauen innerhalb der pp zu sprechen. was lena aber IMMER dementiert hat. ausserdem bestehen diese frauen darauf, das piraten geschlechtslos sind. es gibt sie also, die weiblichen piraten, aber sie haben kein selbstverständnis. es ist ihnen egal. und da frage ich mich, ob das nicht noch viel schliommer ist, das es anscheinend dem grossteil weiblicher piraten so geht…o_O

    @all: das sollte kein reiner bash-beitrag werden. ich habe tatsächlich während dem streammehrmals überlegt, der pp beizutreten um beim nächsten parteitag mal ein bisschen inhaltlich zu diskutieren und so. mich haben aber hauptsächlich diese spät-pubertären schreihälse davon abgebracht (und die reaktion gegen lena). sorry, aber so etwas möchte ich nicht live sehen und damit kann ich nicht in einer partei sein. aber ich beobachte die wohlwollen weiter. eines tages, da haben die das entweder im griff….oder lösen sich halt auf.

    Kommentar von nilzenburger - 17. May 2010 um 08:45 Uhr
  17. Ein sehr schöner, ehrlicher Beitrag.

    Ich habe auch schon überlegt, die Piraten von innen aufzumischen und demokratiefähig zu machen, aber dann entschieden, dass es Zeitverschwendung ist, denn der Widerstand ist zu groß und breit aufgestellt. Außerdem bin ich eine Frau, ergo: Femanze. In dieser Ausführung sogar willentlich.

    Einleuchtender als Piratenundercoverdemokratsierer zu werden ist, dass man als politisch denkender Mensch ja eigentlich Politik machen will und etwas zum Positiven verändern, aber das dauert bei den Piraten noch eine Weile, denn derzeit haben sie nicht eimal die entsprechenden Strukturen, um überhaupt irgendetwas von dem beschlußfähig und vermittelbar zu bekommen, was sie entscheiden und durchsetzen wollen. Sie haben schlichtweg kein Konzept, aber den Anspruch, ihre Mitglieder glücklich zu machen. Das kann nichts werden, das ist nur Ringelpietz mit Mikro.

    Kommentar von Isi - 17. May 2010 um 09:20 Uhr
  18. Mir als Pirat tu es ein bischen weh Dein Post zu lesen, denn Du hast in vielen (nicht allen) Punkten den Nagel auf den Kopf getroffen.

    Eine Anmerkung zu den vielen Geschäftsordnungsanträgen hätte ich allerdings. Aus dem Bauch herraus würde ích sagen, das 2/3 der Anträge mit der Absicht gestellt wurden das Verfahren irgendwie zu beschleunigen (Redezeitbegrenzungen usw..) Das man damit leider nur das Gegenteil erreicht und unnötig Zeit verbrät ist noch nicht jedem Pirat klar. Viele Shortcuts, die in Gruppen bis zu 100 Personen funktionieren (Landes/Kreis-Arbeit) funktionieren nicht bei 1000 Menschen. Die Erfahrung mus man halt auch mal gemacht haben.

    Nehm noch 10 Klappspaten dazu, die sich nicht vorbereitet haben und unnötige Fragen stellen, sowie 10 Nörgler und Besserwisser. Wo kommst Du dann hin? Genau: Zu der Situation die wir dieses Wochende bewundern durften.

    Und das ist ein Dillema. Das von den 1000 Anwesenden der großteil gut vorbereitet und zivilisiert waren sieht man leider nicht.

    Kommentar von Nils - 17. May 2010 um 10:54 Uhr
  19. Mag sein, dass ich durch Arbeit in anderen Parteien etwas Betriebsblind geworden bin, aber “Das von den 1000 Anwesenden der großteil gut vorbereitet und zivilisiert waren sieht man leider nicht.” WTF?
    Willst Du noch herausstellen, dass sie selbstständig den Weg zum Klo fanden? Unvorbereitet zu einem Parteitag fahren geht sowas von gar nicht, dass man die Vorbereitung nicht herausstellen muss/sollte. Ich habe vier Piraten-Mitgliederversammlungen mitbekommen und dann festgestellt, das wir einander nicht brauchen.

    Kommentar von Falk D. - 17. May 2010 um 14:32 Uhr
  20. Ich weiß nicht was mich mehr treffen sollte, dass ich gegen Lena hätte abstinken sollen, weil es das richtige “Zeichen” gewesen wäre sie zu wählen oder dass ich deiner Überschrift nur recht geben kann. So sind sie halt tatsächlich nunmal die Piraten. Das wir da nicht voran kommen, ist aber ein Problem der Struktur, nicht der Leute. Wenn wir eben jedem ermöglichen Fragen zu stellen (manche finden sowas durchaus demokratisch), dürfen wir uns halt nicht beschweren wenn jeder der Lena mal seine Meinung geigen will. Aber dennoch: Der Parteitag hat die kritisiche Masse erreicht und wir müssen uns bemühen dem Herr zu werden.

    Kommentar von Andi - 17. May 2010 um 17:04 Uhr
  21. “ausserdem bestehen diese frauen darauf, das piraten geschlechtslos sind. es gibt sie also, die weiblichen piraten, aber sie haben kein selbstverständnis. es ist ihnen egal. und da frage ich mich, ob das nicht noch viel schliommer ist, das es anscheinend dem grossteil weiblicher piraten so geht…o_O”

    Entschuldige, aber du hast mich und nahezu alle Frauen in der Piratenpartei gerade beleidigt. Dass wir als Individuen betrachtet werden wollen heißt, dass wir kein Selbstverständnis hätten? Geht´s noch? Oder es uns gar egal sei? Und warum standen dann so viele von uns vorm Mikro?

    Bis auf genau zwei Ausnahmen, Leena und Piratenweib, sind mir in der Piratenpartei keine Frauen bekannt, die sich diskriminiert, nicht ernstgenommen o.ä. fühlen. Wenn dann jemand den Medien erzählt, wir würden diskriminiert und nicht ernst genommen, statt uns vorher mal zu fragen, finden wir das zu Recht problematisch.

    Sonst hast du in vielem Recht, deine Überschrift ist leider gut und treffend.
    Aber: Wir sind in einem Jahr von 1000 auf 13 000 Mitglieder gewachsen, die meisten Teilnehmenden hatten noch nie einen BPT von innen gesehen. Das ist, hoffe ich, das Chaos des ersten Jahres nach dem Wachstum.
    Wir haben einen zweiten, programmatischen Parteitag beschlossen, und ich bin recht sicher, dass der besser ablaufen wird.

    Ansonsten sind wir halt die einzige Partei mit großer Mitgliederzahl, die basisdemokratisch ist. Dass es bei den anderen weniger anarchistisch und einmütiger zugeht, ist also kein Wunder, denn Delegierte bringen bestimmte Qualifikationen mit. Das hat eine Vorteile - ist aber weniger demokratisch.

    Kommentar von Pirat (weiblich) - 17. May 2010 um 17:51 Uhr
  22. sorry, aber jetzt wirds hahnebüchen: ich habe die frauen beleidigt, die NUR bei lena ans mikro gekommen sind und ansonsten während dem parteitag unsichtbar blieben? die gleichen frauen für die es okay war aufs gleiche klo wie die männer zu gehen, in einer halle mit 1000 leuten? vertshe mich nicht falsch: ich finde es toll, das du für dich so problemlos mit der thematik umgehen kannst. das es für dich keine rolle spielt eine frau zu sein, das du da keine unterschiede machst. das ist super. ich persönlich mache diese unterschiede. ich unterteile die welt in männlich und weiblich. ich verliebe mich in frauen, weil ich männer nicht attraktiv genug finde. vom körperlichen her. ich ziehe dafür auch keine kleider an, gestehe das frauen aber zu. ohne sie dazu zu zwingen. ich benutze keine tampons, ich kriege keine kinder. verdammte scheisse nochmal: ES GIBT EINEN UNTERSCHIED! ich verstehe nicht wie man sich mit händen und füssen dagegen weheren kann? und ich möchte diesen unterschied gewusst wissen, damit man sich von da aus einigen kann, das dieser unterschied kein grund sein darf jemandem mehr oder weniger zuzutrauen. denn natürlich sind intellektuell die gleichen grundvorraussetzungen gegeben. aber wie malte es so schön schrieb: dies ist eine welt die von männern so eingerichtet wurde, das männer es besonders einfach in allem haben. das bedeutet nicht, das frauen nichts erreichen könnten, oder das GAR keine emanzipation stattgefunden hätte. das bedeutet nicht mal, das ich alice schwarzer zu stimmen würde. aber es bedeutet das ich mir dessen bewusst bin, das gleichberechtigung immer noch nicht überall komplett stattfindet. und an manchen stellen nicht mal ansatzweise. und das ist scheisse. und so wie ich mir jederzeit einen rückzugsraum zugestehen würde. wo ich mich mit leuten wie mir austauschen kann, so würde ich den auch sofort allen anderen leuten zugestehen, die den für sich beanspruchen. und dabei ist es mir vollkommen egal aus welchen gründen. wer meint, das er den braucht, der soll den auch haben. ganz einfach.

    ich glaube doch nicht das frauen zu schwach für irgendetwas sind. das ist doch humbug. ich habe nur gesehen, warum sie bei der PP nicht auftauchen. das lag auf der hand. die spitze, die partei ist einfach total männlich geführt. da wird sich eben durchgesetzt durch aggressivitt, durch rumgebrülle. nicht immer, nicht die ganze zeit, aber zum ende hin immer mehr. die nerven lagen blank, alle wollten fertig werden, und da wurde dann verhältnismässig viel gebrüllt. sorry, was ist das für ein demokratieverständnis? jaja, einige wenige. sippenhaft. i know. aber es ist in der tat ein armutszeugnis, das ein kompletter vorstand gewählt wurde und keine einzige frau drin ist. ja, ihr hattet keine lust, es geht um qualifikation blablabla. jeder wusste das lena sich nicht NOCH mal zu einem beisitzerposten da oben hinstellen würde, nicht nach der vorstellung die die , hauptsächlich weiblichen, piraten da mit ihr abgezogen haben. lena hat zu keinem einzigen zeitpunkt, auch damals bei der pressemitteilung, behauptet für ALLE frauen in der PP zu sprechen. dennoch wird ihr das immeriweder vorgeworfen. das verstehe ich nicht. wieviel angst haben die (an der diskussion um lenas dumme pressemitteilung beteiligten) frauen in der PP vor der eigenen weiblichkeit, das sie immer so vehement widersprechen müssen das SIE sich nicht von lena repräsentiert fühlen?

    und genauso ging es auf dem BPT weiter. beispiele habe ich ja oben geschrieben, ich habe heute morgen nochmal das protokoll gelesen und eigentlich war es ja noch viel schlimmer.

    aber es geht eben nicht nur um das leidige gender thema, es geht um alles: eine partei hat sich am wochenende zum totalen nappes gemacht. keine struktur, nicht genug vernunftgesteuerte mitglieder, und 1000 leute die die marottren und die kleingeistigkeit vopn einigen wenigen ausbaden müssen, die sich als sturmgeschütz der demokratie wähnen, wenn sie auch mal anträge stellen dürfen. das darf einfach nicht mehr passieren. dieser scheiss welpenschutz, der ja sogar noch während der BTW zog, der hat jetzt mal ein ende. verdammte kacke: ihr habt 3,5 jahre auf dem buckel. ich kann diese ewig gleichen argumente nicht mehr hören. ja, ihr habt in einem jahr hammer zuwachs bekommen. was glaubst du aber, wie viele von denen, die “einfach so mal mitmachen” in bingen waren? und ja, das ist basisdemokratisch, was ihr da macht, aber: ES BRINGT NICHTS! zumindest nicht so wie im moment. das muss doch jeder gesehen haben, der da war.

    nochmal, so leid es mir tut: ihr habt euch auf mehreren ebenen am wochenende lächerlich gemacht. das tut weh, ist aber nicht weiter schlimm, solltet ihr auf dem zweiten BPT dieses jahr tatsächlich in der lage sein NUR inhaltlich zu diskutieren und euch nicht andauernd gegenseitig zu lähmen, dann würde man sehen: hey, die haben wirklich was gelernt aus dem debakel. ich befürchte aber, das alles so bleibt wie es war. wie gesagt: prinzipiell mag ich euch ja. ihr habt nur gerade eine menge baustellen und scheint etwas überfordert…

    wenn ich darf, dann komm ich beim nächsten BPT gerne vorbei und gucke mir das in der halle direkt an, damit ich das “besser” beurteilen kann, als nur durch den stream. darauf können wir uns gerne einigen.

    Kommentar von nilzenburger - 17. May 2010 um 18:21 Uhr
  23. @ nilzenburger:
    Wenn Du überlegt hast, beizutreten, dann mach das doch einfach.
    Es kostet nicht viel und schärft vielleicht ein Wenig die Perspektive.
    Meckern ist nämlich immer einfach, wenn man es nicht selbst besser macht, so wie die Piraten, die sich tagtäglich den Arsch aufreißen, um trotz all der Hindernisse mit der Piratenpartei etwas reißen wollen. Schau Dir mal einen der vielen Landesparteitage an (bei uns in TH steht einer an). Vielleicht ändert sich Dein Urteil über die Fähigkeiten der Piraten ein Bisschen.
    Mach einfach mit. Das mit den Atomen bekommen wir dann auch noch hin.

    Zum Chaos:
    Wir sind momentan noch in einer Reorganisationsphase. Beim BPT10.2 wird wohl auch Einiges anders laufen. Da muss dann nicht mehr jeder Mist totdiskutiert werden und Egotrips am Mirophon können auch verhindert werden, da die Diskussionen dank Liquid Feedback schon vorher stattfinden können und sich garantiert genug Hirnschmalz findet, um DOS-Attacken via GO-Antrag zu minimieren. Basisdemokratie ist eben nie einfach.

    Zur Lena-Geschichte:
    Auf der selben Veranstaltung ist ein Mann nicht gewählt worden, weil er sich in der Vergangenheit ebenso wie Lena einige Dinger geleistet hat, die der Partei schaden. Kümmert nur keinen, scheinbares Genderaktivistenbashing aufzudecken ist wohl populärer als die Realität.
    Die meisten der Piraten sind tatsächlich Post-Gender. Und bei den anderen hört die Pubertät auch irgendwann mal auf. Diskriminierung gibt es bei den Piraten zwar, aber in bedeutend geringerem Ausmaß als überall sonst. Nirgends geht es so stark nach Kompetenz statt nach Geschlecht wie bei uns. Dass die Genderaktivisten nicht mehrheitsfähig sind, liegt nicht hauptsächlich an den paar Freaks, deren Menschenbild noch in der Steinzeit hängt, sondern eher an den Vielen, deren Menschenbild auch im Bezug auf diverse mögliche Diskriminierungsmerkmale zukunftsfähig ist. Kompetenz interessiert die Letztgenannten ohne Rücksicht auf Geschlecht, Weltanschauung, sexuelle Orientierung, Herkunft, etc. etc.
    Leider ist das ein Punkt, an dem Lena und andere Piraten wohl leider andere Erfahrungen machen mußten und jetzt glauben, ein zentrales Problem der Piraten entdeckt zu haben und damit die absolute Mahrheit der fortschrittlichen Piraten schwer trifft. Das ist verdammt schade, da Lena ansonsten einen wirklich guten Eindruck macht und ein Pirat ist, den nichts so leicht umwirft.

    @Lena:
    Falls Du hier mitliest, Respekt!
    Wenn Du magst, schau bei uns in Thüringen beim Landesparteitag am 5.6. vorbei, wenn Du Piraten ohne Vorurteile treffen willst.
    Wir diskriminieren jeden in gleichem Maß ;)

    @nilzenburger_again:
    Du bist auch herzlich eingeladen zur Eindrucksrelativierung in Thüringen. Piraten können nämlich auch anders als in Bingen.

    @piratenbasher:
    Ja, wir sind nicht perfekt, aber im Gegensatz zu anderen Parteien, die unglücklicherweise die Parlamente blockieren, weit weg von der Unwählbarkeit.
    Wenn Euch was nicht passt, geht rein und mischt mit. Nirgends kann ein Einzelner so viel reißen, wie mit den Piraten. Wer das nicht nutzt, darf auch nicht meckern.
    Als entweder macht ihr es besser oder haltet die Schnuze.

    Grüße
    Sprechsucht

    ps: für hassmails und andere kontaktwünsche klickt auf den link hier drunter, da steht alles, was des abmahners herz begehrt.

    Kommentar von Sprechsucht - 17. May 2010 um 19:46 Uhr
  24. hey sprechsucht: ja, immer nur sagen “macht mit, sonst dürft ihr nicht meckern” finde ich auch den falschen ansatz. ein, ich sage mal, “körper” wie eine partei muss sich auch analysen von aussen anhören, aushalten und/oder zu herzen nehmen. das jeder der die piraten kritisiert gleich eintreten und alles besser machen soll halte ich für wenig förderlich. auch wenn, da geb ich dir gerne recht, es einige kandidaten gibt, die die piraten einfach aus herzenslust bashen, das hat dann mit kritik nicht mehr viel zu tun, schon gar nicht mit konstruktiver. aber um solche leute soll es ja nicht gehen. gehen wir mal voin denen aus, die sich durchaus interessiert, aber kritisch mit der PP auseinandersetzen. denen muss man zugestehen das auch weiterhin zu machen, ohne mitglied zu werden, okay? :)

    zum fall lena: weisst du, ich glaube dir sogar, das ganz viele von eiuch glauben, postfeministisch zu sein und die unterscheidung von mann und frau schon überwunden zu haben und ich finde es toll das es so ist. nun seid ihr aber eine partei die meiner meinung nach schon in der realität des jahres 2010 verwurzelt ist und es gibt auch noch eine welt ausserhalb der wagenhalle in bingen und was für diese welt u.a. sehr wichtig ist, sind signale. guck dir mal andere parteitage an: die bestehen nur noch aus signalen. man muss das nicht gut finden, mir ist das oft auch zu viel show. aber ein BISSCHEN muss das eben auch sein (und damit meine ich ein bisschen mehr als sich mit einem tapeziertisch vor den rhein zu setzen..;)), da fehlt anscheinend vielen mitgliedern noch das bewusstsein. denn die wirkungskette ist ja die, das ihr in parlamente müsst um was zu reissen, wo ihr nur reingewählt werdet, wenn man euch kennt und ernst nimmt. und da sind halt wieder eine menge wege und chancen verbaut worden am wochenende. auch wenn ihr post-alles seid: bitte, achtet auf die menschen um euch rum, auf all die nicht-piraten! die leben in einer welt in der der geschlechtliche unterschied eben DOCH noch eine rolle spielt.

    und warum hab ich hier eigentlich plötzlich ein gender-blog? ;)

    aber danke für deine einladung nach thüringen. vielleicht guck ich mir das mal an.

    Kommentar von nilzenburger - 17. May 2010 um 20:10 Uhr
  25. ich hab keine “angst vor meiner weiblichkeit”. es tut mir leid, ich wollte mehr schreiben, aber gerade hab ich nicht die kraft dazu. passt einfach auf, liebe menschen, die ihr den frauen in der piratenpartei scheinbar helfen wollt, dass ihr nicht zu deren belastung werdet.

    Kommentar von Pirat (weiblich) - 17. May 2010 um 22:03 Uhr
  26. ich möchte nicht den frauen in der pp helfen, ich möchte mit der pp darüber sprechen, wie es sein kann, das sie keine frau in den vorstand gewählt hat, wenn die doch ach so stark in der partei vertreten sind. um nichts mehr geht es im kern. ich weiss nicht wie weit ich noch differenzieren muss, bis du dich nicht mehr beleidigt, bevormundet oder angegriffen fühlst. aber ich kriege langsam eine ahnung dessen, was lena da damals losgetreten hat…

    Kommentar von nilzenburger - 17. May 2010 um 22:10 Uhr
  27. Entschuldige, ich habe einfach gerade schon zehn derartige Blogbeiträge gelesen und bin deshalb ermüdet.

    Ich weiß nicht, warum sich keine Frau außer Leena beworben hat. Aber wir haben überproportional viele Frauen in den Landesvorständen. Insofern wird es auch nur eine Frage der Zeit sein, bis die ersten im Bundesvorstand sind. Warten wir mal noch ein Jahr :).

    Dass Frauen nicht “ach so stark in der Partei vertreten sind” müssen aber zugeben, das hat auch nie jemand behauptet. Nur, dass die, die vertreten sind, es stark sind ;).
    Die Partei hat in ihrer Anfangszeit (und teilw. auch heute noch) eben stark aus einer Techniksubkultur Mitglieder rekrutiert, die v.a. Männer hat. Das ist nicht Schuld der Piraten, sondern liegt daran, dass diese Gesellschaft immer noch eher Männer als Frauen technikaffin erzieht.

    Kommentar von Pirat (weiblich) - 17. May 2010 um 22:22 Uhr
  28. …und gerade hat jemand ausgerechnet, dass die gesamte Landes*vorstands*frauenquote 30% ist.
    im landesverband, aus dem leena simon kommt, ist sie sogar 44%.

    Kommentar von Pirat (weiblich) - 17. May 2010 um 22:38 Uhr
  29. @Sprechsucht
    Nilz hat es zwar gerade auch schon geschrieben, aber ich möchte es nochmal unterstreichen: Kritik muss auch von außen erlaubt sein. Und “besser machen” (was sowieso subjektiv ist) muss nicht zwangsläufig innerhalb der Piratenpartei geschehen.
    Ich bin z.B. Grüner, aber das nur am Rande.

    Dann noch ein Satz zum Tonfall: Andere hier aufzuforden die Schnauze zu halten, obwohl der Ton ansonsten doch zwar kritisch, aber friedlich ist, finde ich absolut unangebracht.

    Da kann man gut aufgreifen, was Nilz zu den Signalen gesagt hat, denn auch wenn ihr hier nicht als offizielle Vertreter/-innen der Piraten auftretet, so fällt euer Verhalten zumindest mittelbar auf die Piratenpartei zurück - und befördert damit eure Anliegen oder schadet ihnen.

    Kommentar von Henning - 18. May 2010 um 01:17 Uhr
  30. @Henning:
    Ich schreibe für mich und nicht für die PP.
    Kritik ist übrigens generell klasse, solange sie produktiv ist. Bei den Arbeitsrteffen geht es da teilweise richtig rund mit der Kritik - von Innen noch mehr als von Außen. Und ja, wir haben regelmäßig Nichtpiraten dabei, die es auch gerne besser machen wollen und es einfach tun.
    Der ruppige Ton ging explizit an die “Basher”, damit mein ich die ewigen Besserwisser, welche sich zurückziehen, sobald es was zu tun gibt. Wer sich dadurch angesprochen fühlt, ist möglicherweise auch gemeint. Äußerungen im Namen mehrerer Piraten bzw. der PP mach ich auch nicht in Blogkommentaren und immer mit vollem Namen.
    Anpacken und bessermachen muß nicht bei den Piraten passieren. Möglichkeiten gibt’s viele. Bei den Piraten ist es nur relativ einfach und komplett frei von Ideologie. Noch nichtmal eine Mitgliedschaft ist notwendig. Versuch das mal bei einer von den 3-Buchstaben-Parteien.

    @nilzenburger:
    Das mit den Signalen ist den meisten Piraten bewusst. Wenn wir das Budget der herkömmlichen Parteien hätten, sähe das Ganze auch schon ganz anders aus. Bei den Grünen zum Beispiel war der Anfang auch nicht ganz chaosfrei. Eine Partei zu strukturieren ist nie ganz einfach, wenn man die totalitären mal ausnimmt. Das bedeutet eine Menge Arbeit, die auch gemacht wird. Nur nicht immer so gut beobachtet wie in Bingen. Dort wurde übrigens mit der Einführung von liquid-democracy-Elementen sogar Geschichte geschrieben. Diesen Grad von machbarer Basisdemokratie hat noch keiner je erreicht und viel von den Chaos wird damit auf die Zeit zwischen den Parteitagen verschoben. Aber das macht sich irgendwie nicht so gut als Angriffsziel.
    Mit dem Nach-Außen-Denken hast Du auch Recht. Aber auch das passiert. Die Menge der vernünftigen Piraten ist auch weitaus höher als die der Spinner. Leider gibt es eben noch viele, die die Piraten für eine weitere Trollwiese halten. Doch auch das wird zurückgehen. Es sind eben momentan noch nicht die Besten, die wahrgenommen werden, sondern die Lautesten. In den Vordenkerköpfen sind wir auch schon viel weiter. Es muss aber noch viel umgesetzt werden, ohne die Demokratie aufzugeben. Dafür werden die Piraten mit der Zeit die einzige politische Gruppierung, die im 21. Jahrhundert angekommen ist, nicht in Kategorien des 19. Jahrhunderts denkt und dazu noch international aufgestellt ist.

    “Losgetreten” hat Lena einiges. Sie hat wohl einige erwischt und die meisten verletzt. Leider.
    Es vermittelt beinahe das Gefühl, wir in Thüringen säßen auf der Insel der Glückseeligen, wo Piraten gleichberechtigt und die Trolle nicht aktiv sind.

    Kommentar von Sprechsucht - 18. May 2010 um 03:49 Uhr
  31. Ob Liquid Democracy tatsächlich eine “historische” Neuerung ist, muss sich erst herausstellen. Basisdemokratisch ist die Implementierung in Liquid Feedback nur, wenn man die Menschen ignoriert, die keinen Zugang zu Technologie haben - sei es, weil sie sich keinen Computer leisten können, weil ihnen die Bildung fehlt oder weil sie keine Lust drauf haben. Zur Zeit ist das ein Tool für eine technische Elite. Eine sehr sehr kleine Elite.

    Kommentar von Steffen - 18. May 2010 um 12:18 Uhr
  32. Nur mal so am Rande: Es gab ein Frauenklo, und Lenna hätte auch dorthin gehen können.

    Kommentar von Nils - 18. May 2010 um 13:57 Uhr
  33. @Sprechsucht
    “Ich schreibe für mich und nicht für die PP.”

    Ja, klar. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass dein/euer Verhalten trotzdem immer auch zum Teil auf die Partei und die Inhalte abfärbt. Entsprechend schadet negatives Verhalten den eigenen Anliegen. Das muss man nicht gut finden, ist aber so.

    “Der ruppige Ton ging explizit an die “Basher”, damit mein ich die ewigen Besserwisser, welche sich zurückziehen, sobald es was zu tun gibt.”

    Muss trotzdem nicht sein und schadet deinen Anliegen eher (siehe oben).

    “Bei den Piraten ist es nur relativ einfach und komplett frei von Ideologie.”

    Huch? Was ist denn für dich Ideologie? Netzneutralität hat doch etwas mit Ideologie zu tun. Genauso die Kulturflatrate oder auch die Ablehnung von Internetsperren (und das Befürworten natürlich genauso).
    Ideologiefreie Politik bedeutet doch, dass man keine Inhalte hat, sondern einfach nur an die Macht will. Das will ich den Piraten nicht unterstellen, aber so kommt es bei mir an, wenn du meinst, die Piraten wären “komplett frei von Ideologie”. Keine Überzeugungen, keine Inhalte.

    “Noch nichtmal eine Mitgliedschaft ist notwendig. Versuch das mal bei einer von den 3-Buchstaben-Parteien.”

    Nö, mach ich nicht. ;-) Aber bei uns Grünen geht das z.B. auch. Gibt immer wieder Leute, die in Landesarbeitsgemeinschaften kräftig mitmischen und nicht Mitglied sind. Gab auch schon Abgeordnete ohne Parteimitgliedschaft, von Gemeinderäten etc. mal ganz zu schweigen.

    Kommentar von Henning - 20. May 2010 um 00:36 Uhr

Deine Friedenstaube