Ascheloche.

Auf meinem Klo liegen immer eine Menge Zeitungen. Das muss so sein, ich kann Badezimmer resp. Toiletten nicht ab in denen kein Lesestoff bereitliegt. Finde ich unhöflich, unsympathisch und stillos. Man hat nunmal nicht immer Lust nur die Shampooflasche des Gastgebers zu lesen. Comics sind auch gut, allerdings steckt hier der Teufel im Detail, denn Comics erwecken den Anschein schnell lesbar zu sein, man merkt allerdings nicht wie schnell die Zeit vergeht und wenn man gerade meint mit der Geschichte schnell durchgekommen zu sein, klopft der Gastgeber besorgt an der Tür und fragt ob etwas passiert sei.

Nun habe ich auf dem Klo den Spiegel von vor 2 Wochen oder so liegen und lese mich gerade durch den Artikel über den Verfall der deutschen Sprache. Und bin, ehrlich, zutiefst entsetzt. Nicht über den Inhalt, sondern über den Artikel. Etwas piefigeres ist mir ja wohl nicht mehr untergekommen, seit ich die letzte Apothekenrundschau las. Das darf ja wohl nicht wahr sein! Was da für ein Zeug drinsteht:

- Joschka Fischer hätte als Aussenminister auf seinen Auslandsreisen Englisch gesprochen! Und das findet der Autor des Artikels schlimm! Das muss man sich mal vorstellen.

- Wir benutzen so viele englische Wörter, weil wir damit unser “kosmopolitisches Imponiergehabe” befriedigen wollen. Dazu wird noch der Vorsitzende des “Vereins Deutsche Sprache” zitiert mit dem sinnsvollen Satz “Lieber ein halber Ami als ein ganzer Nazi.” So sind wir nämlich drauf.

- Am schlimmsten sei Pseudo-Englisch, wie zum Beispiel “It´s your Heimspiel” oder “Charts” oder wenn Jan Delay “flashen” sagt.

Es gäbe noch mehr Beispiele, aber wenn ich den ganzen Artikel nocheinmal lesen muss, dann platzt mir der Kragen. So etwas altbackenes, ewig gestriges, graues, langweiliges, dummes, hinterwäldlerisches, klischeebeladenes, altesackangstmässiges, rückschrittliches, steinzeitiges, abgestumpftes, propagandiöses, miefendes, triefendes, kontraproduktives, ignorantes, arrogantes, sagte ich schon dummes (?), bescheuertes, unrealistisches, weinerliches, infantiles, dummes, dummes und dummes habe ich tatsächlich noch nie in dieser Zeitung gelesen. Und ich bin nicht immer einer Meinung mit dem Blatt aus Hamburg. Aber jetzt haben sie den Vogel abgeschossen. So ein langer, salbaderner Artikel nur um Bastian Sick zu promoten (dessen Zwiewbelfischkolumnen ja ein Spiegel, wenn auch SpOn - Produkt sind), das ist an uneleganz kaum noch zu überbieten. Und wenn man sowas schon schreiben muss: Vielleicht hätte es geholfen einen Autor zu nehmen, der nicht ganz so humorbefreit ist und unsere schöne Sprache noch nicht in der Gosse liegen sieht. Da ist sie nämlich bei weitem nicht. Sie wird nur renoviert. Mann, was könnt ich mich aufregen über solche Idioten. Die kriegen aber auch gar nichts mit. Arrogante Säcke. Verdammt. Ich hör mal besser auf.

P.S.: Hab ich jetzt viele Englische Wörter benutzt?

2 Trackbacks

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21 Friedenstauben

  1. i break together…

    Kommentar von george - 17. October 2006 um 13:00 Uhr
  2. Komm gerade tatsächlich auch vom Klo (ist das nicht französischen Ursprungs) und hab tatsächlich im selben Artikel gelesen. Wobei ich dem Autoren auf der Werbeebene durchaus Recht geben würde. Das geht doch auf keine Kuhhaut, was man sich da anhören muss. Vor allem, wenn man sprachlich anglophil ist, ist es ein Graus.

    Oma zum Enkel: “Was machst Du?” - Enkel: “Chillen…” - Oma: “Früher haben wir dazu ‘faul rumlümmeln’ gesagt.”

    Kommentar von Stefan Ramone - 17. October 2006 um 13:00 Uhr
  3. ja, früher…

    da hatten die zwar auch zeitungen auf dem klo…
    aber nur, weil sie kein klopapier hatten…

    Kommentar von george - 17. October 2006 um 13:02 Uhr
  4. Alter Schwede, ich muss schon sagen, das ist der erste Artikel mit Substanz. Kann mir Sympathie deshalb nicht ganz verkneifen.
    1. Auf Klo lesen ist ja wohl ein Muss. Es gibt Leute die haben ihr komplettes Abitur auf dem Klo gemacht.
    2. Manch sinnbefreite Artikel im Spiegel sind das Papier nicht wert, auf dem sie stehen.
    Bokel, wenn das so weitergeht, bekehrst Du den einzigen Troll zum interessierten Leser. Wo gibts das denn sonst?

    Kommentar von Mark - 17. October 2006 um 13:09 Uhr
  5. Wenn ich englische Begriffe verwende, dann tue ich ja grundsätzlich immer so als ob mir der deutsche Begriff partout nicht einfallen würde…

    Kommentar von Dr.Sno* - 17. October 2006 um 13:34 Uhr
  6. Klolesestoff? Kommt erst mal auf mein Niveau runter….ich hab mich - in Ermangelung an noch nicht gelesen Zeug - mal mitm Babykatalog aufm Klo bequem gemacht. Ich sag euch, nichts wirkt abführender als Frauen mit Kaiserschnittschlüpfern *bahh*

    Kommentar von Kai - 17. October 2006 um 15:17 Uhr
  7. Also zumindest das Feuerwerk der Nilzenburgerischen Rezension besteht ausschließlich aus deutschem Wortgut. Letztere Formulierung hätte übrigens auch gut vom Autoren selbst stammen können. Jedenfalls hast du absolut Recht. Diesen Deutsch-verfällt-Kasperköppen ist nicht mehr zu helfen. Habe mich auch lange mit solchen Leuten rumgeschlagen. Heute lehne mich zurück und sage: “Who cares?”

    Kommentar von Maunamea - 17. October 2006 um 15:52 Uhr
  8. Ganz ehrlich: Auf viele Anglizismen der Geschäftswelt, die heutzutage gerne verwendet werden, könnte ich gerne verzichten. Die übertriebene Verwendung von Anglizismen ist aber (ausgenommen Frankreich) ein gesamteuropäisches Phänomen. Es wird wohl irgendwann eine universelle Weltsprache entstehen. (Das Ergebnis könnte eine scheusliche Verwendung der Sprache sein, wie sie beispielsweise im Film “Code 46″ dargestellt wurde)

    Ich sehe meinerseits dennoch ein Problem, welches sich teilweise auch im heutigen Sprachgebrauch manifestiert:
    Leider lässt sich faktisch in den unteren sozialen Schichten der Gesellschaft und bei Menschen mit einem niedrigen Bildungsniveau (bitte nicht als politisch inkorrekt werten) ein deutlicher Verfall der deutschen Sprache feststellen.
    Geht doch nur mal bitte an eine Hauptschule und hört den Kids zu! Schaut doch mal zu Hartz IV TV-Sendezeiten (13-18 Uhr) fern. Ganz ehrlich!! Da stehen mir zumindest die Haare zu Berge und ich frage mich manchmal (wenn man zudem die politische und die wirtschaftliche Situation dieses Landes berücksichtigt), was ich überhaupt noch in Deutschland mache.

    Fakt ist: Wir (bzw. unser Deutschland) sind (ist) Pleite und vornehmlich ein Land der Doofen und Minderbemittelten.
    Als Optimist habe ich zwar noch nicht resigniert und versuche noch immer etwas zu bewegen. Mal sehen wie lange noch, denn unsere Elite wendet sich zunehmends ab und wandert aus.

    Kommentar von Maurizio Pensato - 17. October 2006 um 17:24 Uhr
  9. NO TROLLS

    Kommentar von Maurizio Pensato - 17. October 2006 um 17:33 Uhr
  10. und wandert aus um im ausland deutsch zu sprechen? wohl kaum…

    Kommentar von nilzenburger - 17. October 2006 um 17:34 Uhr
  11. sehr guter Kommentar bezüglich des Auswanderns, Herr Burger!

    Dr. Mulit is back in tha Hood! Represent Represent!

    P.s. Seitdem meine Mutter für mein Zitat gestimmt hat, ist sie treuer Leser deines Blogs! Glückwunsch.

    Kommentar von dr multi is back in tha hood! - 17. October 2006 um 20:33 Uhr
  12. Ist eigentlich das Naheliegendste auf der Welt, aber aus irgend-
    einem narzisstischen Grund hab ich bis heute nicht damit ge-
    rechnet, dass außer mir jemand beim Kacken die Ingredenzien-
    auflistung auf Haarshampoofläschchen liest. (Bei mir übrigens
    dank Bücherregal neben dem Pott ebenfalls nur auswärts von
    Nöten.)
    Hatte mich beim Lesen des fraglichen Artikels unter anderem
    über eine seltsame Statistik gewundert. Der Bildblog brachte
    heut abend deren Entstehungsgeschichte:
    http://www.bildblog.de/?p=1755

    Kommentar von Nino Nexo - 17. October 2006 um 22:51 Uhr
  13. stimme völlig überein. sprache ist ein mittel zur kommunikation. Kommunikation fördert den austausch zwischen den Menschen.
    Egal in welcher Form dieser erfolgt, hauptsache er erfolgt.
    Wer sich auf seine Spache etwas einbildet oder andere wegen dieser angreift, sich über andere stellt oder sie verbessert hat wohl ein egoproblem, wie der verfasser des zu recht kritisierten artikels.

    In eigener sache:
    hab glück in kleinen dosen gesehen, 8 von 10
    blck dahlia 6,5 von 10
    besprechma am tele
    grüße in die hauptstadt

    Kommentar von roman libbertz - 18. October 2006 um 01:54 Uhr
  14. die printaugabe ist ja ihrer online-verwandtschaft in einem voraus - multifunktionalität. heute noch dein spiegel von vor zwei wochen, morgen schon dein umweltfreundlich recycletes (bzw. wiederverwertetes) klopapier. das kann der putzige bastian sick (sic: das ist doch mal ein anglizismus) nicht von sich behaupten. schade, da doch sein sprachverständnis ziemlich anal ist.

    Kommentar von glam - 18. October 2006 um 06:41 Uhr
  15. Kommentar von Malcolm - 18. October 2006 um 08:46 Uhr
  16. Wie, Spiegel und Humor? Bringst du da nicht zwei Dinge zusammen, die nicht zusammen passen?

    Kommentar von Helga - 18. October 2006 um 09:15 Uhr
  17. Der Satz über die gehirnfreien Werbeagenturen, die hauptsächlich für die Anglizismenflut verantwortlich seien sollen, hat mir neulich auch den Morgentee hochkommen lassen…

    Kommentar von Ninifaye - 18. October 2006 um 11:03 Uhr
  18. Ach, Alter, hau mir ab mit dem Crap. Sprache ist live, wie ich immer nie so zu sagen pflege…

    Kommentar von diaet - 18. October 2006 um 11:30 Uhr
  19. Damn right, Homie!
    Der soll mal auf Flash kommen, der MoFo.
    Sgeht’n up?

    Kommentar von MC Winkel - 18. October 2006 um 12:11 Uhr
  20. @Maurizio : Wenn der Artikel genau darum gegangen wäre, dass es Menschen gibt, die sich aufgrund geringer Bildung nicht mehr ausdrücken können, er hätte eine gewisse Relevanz gehabt.

    Aber dieses fürchterliche Stück Journalismus hat auf mich gewirkt , als hätte sie vorallem ein Ziel. Kultur, die man nicht versteht, zur Unkultur zu machen. Feindbilder waren schnell gefunden, diese bösen Sprayer, der böse Jan Delay, von dem der Redakteur wahrscheinlich noch nichtmal ein Lied gehört war (oder traurig war, dass er nichts verstanden hat.).

    Sprache verändert sich, reaktionäre, alte Säcke nicht.

    Kommentar von verwirrter - 18. October 2006 um 12:34 Uhr
  21. DANKE, dass mich wenigstens EINER versteht!

    @Alle: Sprache lebt, aber viele beherrschen unsere Sprache leider nicht mehr!! Es wird ja (z. B. in vielen Familien) mittlerweile sehr wenig produktiv kommuniziert. Das ist doch in meinen Augen des Pudels Kern. Was Deutschland braucht ist eine BILDUNGS-REFORM.
    Die Publikation im Spiegel eines offenbar geistig retardierten Journalisten bekräftigt meine These. Ein Journalistischer-TROLL!!

    @Nilz: Hast wirklich mal eine sehr interessante Diskussion angestoßen.

    Kommentar von Maurizio Pensato - 18. October 2006 um 13:39 Uhr

Deine Friedenstaube