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Man trifft sich, man kennt sich, man sieht sich.

Von Mittwoch bis Freitag war in Berlin die mittlerweile dritte re:publica. Eine Konferenz von Bloggern für Blogger. Und die Veranstaltung ist mächtig gewachsen. Von ca. 700 Besuchern im letzten Jahr zu mindestens dem doppelten in diesem. Deswegen hat man auch noch eine neue Riesenlocation dazu genommen, und zwar das alt-ehrwürdige Showtheater “Friedrichstadtpalast”.

Zur Konferenz selbst: Es gab viele Vorträge, Panels und Workshops. Ich habe auch oft genung vor Beginn der Konferenz ins Programm geschaut und mir überlegt, was ich mir wann angucken soll. Aber so richtig konnte ich mich nie entscheiden und ehrlich gesagt hatte ich auch keine Lust mit Textmarker auf meinem Monitor rumzuschmieren und beschloss deshalb auf die gedruckte Version des Programms zu warten, die ich am ersten Konferenztag bekommen sollte.

Mittwoch Morgen stand ich also vor dem grossen Prachtbau. Noch schnell was auf dem Weg gefrühstückt und dann die Akkreditierung abgeholt. Rein in den Palast und erstmal Platz genommen und WLAN gecheckt. Ging nicht. Wenn ihr jetzt einen running Gag erwartet, keine Sorge, der wird nicht kommen. Es ging manchmal einigermassen, dann wieder gar nicht. In der Kalkscheune ging es besser. Das WLAN war der Gag der Veranstaltung. Später haben alle nur noch Witze darüber gemacht, die am dritten Tag aber auch schon keiner mehr hören wollte. Soviel zu dieser Situation.

Ich werde nun einmal versuchen einen halbwegs chronologischen Ablauf, der Leute die ich traf aufzustellen, auch wenn mir dabei sicherlich nicht nur zeitliche Fehler unterlaufen, sondern ich eventuell auch noch den ein oder anderen vergessen werde, aber fangen wir doch einfach erstmal an:

- Als erstes traf ich einen schon recht müden Christoph vor dem Eingang, der schon einige Stunden länger als ich wach war, weil er beim Aufbau half.
- Im Vorraum traf ich Fräulein Tessa, ganz fleissig. Es war noch früh, wir waren beide noch nicht richtig fit, also ging ich in den grossen Saal, während sie weiter malochen musste.
- Als nächstes sah ich Herm, der schon mit Philipp, Zartha und Julie zusammensass. Christoph war auch wieder dabei und irgendwann setzte sich auch René zwei Reihen hinter uns, ohne uns direkt gesehen zu haben (Wir haben dann spekuliert ob die Abwesenheit des WLAN eventuell seinen Kopf wegen Informationsunterfütterung platzen lassen könnte…hehehe. Dabei fällt mir auf: Gibt es überhaupt einen “Information Underload”?)
- Nach dem Vortrag traf ich draussen Jamade und David und hielt einen schönen, kölschen Plausch mit den zwei Spitzbuben. Dazu stiess dann noch Gero, einer der beiden wunderbaren Conferenciers der Konferenz.
- Zurück im Saal flirtete ich über die riesengrosse SMS-Wand mit Lisa, mit der ich mich während der ganzen Veranstaltung zum Schnaps verabredete, was wir aber kein einziges Mal geschafft haben. Meinen romantischen SMS-Tweet hat sie auch verpasst, weil sie die Wand gerade nicht verfolgte. Der Text, der da schön gross zu lesen war lautete:

“ein schnaps, ein eis, ein herz. KdL09″

Abgesehen von der vermutlichen Begeisterung über diesen wunderbaren Text fragen sich sicherlich einige von euch, was denn KdL bedeuten soll. Das war meine Erfindung als Sub-Sub-Titel zur re:publica, die ja mit Zweitnamen schon “Shift happens” hiess. Ich fügte noch ein “Konferenz der Liebe” hinzu und wollte sehen, ob sie hält, was ich ihr verspreche. Klassischer Weltfridenstyle. Ich lud dann Lisa in der Pause und der Sonne auf ein Bottermelk Fresh Zitrone ein und lernte einige ihrer sehr nette OPAK-Kollegen kennen. Lustige Truppe (bis auf einen, der ein wenig müffelig war, aber vielleicht war das ja auch nur der lange Tag, oder so).
- Zurück auf der Konferenz lief mir endlich auch Herr Grau über den Weg. Wir setzten uns alle in den 4chan-Vortrag und hörten zu wie eine ehrliche Meme-Maschine funktioniert.

In der Mittagspause war ich mirt Herm und Julie bei dem schwedischen Klamotten-Giganten, um mir das Vincent Gallo Leinen-Jackett zu kaufen. Es war eins in meiner Grösse da und es stand mir ziemlich gut, deswegen wurde nicht lange gefackelt, sondern zugeschlagen. Danach schnell wieder zurück zur Location.

Am Abend habe ich dann zusammen mit Johnny die grosse, glamuröse und gigantische Gameshow “re:search - Deutschland sucht” moderiert (wo ich auch den sehr netten Lars kennengelernt habe) und was soll ich sagen: Es war ein Riesenspass! Danke auch nochmal an Johnny und Tanja dafür. Danach sind wir noch alle zusammen in die Kalkscheune rüber, wo Fettes Brot aufgelegt haben, was gut war, aber die Stimmung war ein bischen lau, weswegen ich dann auch nach Hause und ins Bett gegangen bin.

Tag Zwei ist recht schnell erzählt: Jens Scholz, Don Dahlmann und ich sassen im Hof. Der Tagesspiegel nannte es gar den “Altherrentisch“. Zwischendurch sind wir mal in den grossen Saal gegangen, weil da das WLAN funktionierte, dann haben wir uns aber wieder rausgesetzt. Ach ja, einen Vortrag habe ich dann doch noch gesehen, mit Jens zusammen, und zwar über die “One Laptop per child”-100-Dollar-Laptops und was man damit anfangen kann. Ich habe nicht so wahnsinnig viel verstanden, aber der vortragende Professor war sehr leidenschaftlich bei der Sache, das hat mir gefallen. Es war ein wahnsinnig angenehmer und gemütlicher Tag in grossartiger Gesellschaft. Jens und ich haben uns Poken geholt und abends haben wir alle noch die äusserst amüsante Twitterlesung gesehen, bei der auch Sascha Lobo dabei war. Und Stefan Niggemeier als Gastleser für die sehr lustigen Trottelbot-Tweets. Feinstes Entertainment, die re:publica-Abende wissen sehr zu unterhalten.

Der letzte Tag.
Ich kam erst spät auf die Konferenz, weil meine Mädels in den Urlaub gefahren sind und ich noch Lunch-Pakete machen musste und ein bischen Auto einräumen helfen. Die Gang habe ich dann vor Ort direkt getroffen und wir sind sofort in den Porno-Vortrag gegangen. Der war sehr gut. Sehr Filmwissenschaftlich und ehrlich gesagt sehr un-web2.0-ig. Auch die soziokulturelle Note (”Zukunftsvisionen im Pornofilm”) hab ich ncht so richtig mitbekommen. Es ging eher so darum, wie sich das Genre entwickelt hat, an Hand von Beispielen aus allen Zeiten. Ich fand es aber trotzdem ganz interessant. Wenn ich mir auch etwas mehr Tiefe gewünscht hätte. Das klingt in dem Zusammenhang jetzt schlüpfrig, aber ich mein es gar nicht so.
Dann habe ich noch einen Vortrag über die “Hedonistische Internationale” gesehen, der wirklich sehr gut war, und dann war eigentlich auch schon alles vorbei. Ich habe einen etwas müden Björn Grau zum Newthinking Store als Pfleger begleitet und da wurden die Abschlussbiere getrunken. Es gab Reissdorf Kölsch, ich habe mich mit Peter Noster schon wieder viel zu lang über Filme unterhalten, was mir immer passiert wenn ich andere Filmfans treffe. Mit solchen Gesprächen können Umstehende dann meistens weniger anfangen und wenden sich ab. Ich dachte im Augenwinkel gesehen zu haben, wie Herm sich ein Mädchen “klarmacht”, aber die ist dann irgendwann gegangen, war wohl doch nix.
Und dann gingen wir alle zusammen auf Sascha Lobos Followerparty, bei ihm zu Hause. Der rotirokesene Impressario hat sich 6 neue Flatscreens geholt und in jedes Zimmer einen gehängt, auf dem man den Live-Twitter-Feed der Party lesen konnte. Ich habe die äusserst charmante Miss Caro kennengelernt und ihre nicht weniger charmante Old-Media-X-Beine-Freundin, deren Namen ich, Scham auf mich, leider vergessen habe (Susan oder so?). Immer wenn es hiess, das Bier sei gerade alle, kam Nachschub und die bezaubernde Mercedes Bunz, die ich ja toll finde, hat mich beim reinkommen so angelächelt, als wenn sie sich wirklich freuen würde mich zu sehen.

Einige werden sich jetzt zu Recht fragen, was das denn für ein Artikel über eine Blogger-Medien-Konferenz sei. Wo denn die Vortragsfakten blieben, was ich denn da überhaupt gemacht hätte. Oder wie Don Dahlmann es so schön am zweiten Tag am Altherrentisch formulierte: “Jetzt habe ich 60 Euro dafür ausgegeben, mit Nilz Bokelberg den ganzen Tag am Tisch zu sitzen.” Und genau darum geht es. Das ist die re:publica für mich. Die Leute sind alle da, alle auf einem Fleck. Es wird gequatscht, verabredet, diskutiert, gelacht. Es geht um das Treffen echter Menschen.

Deswegen ist das so ein Freudenfest für mich und deswegen freue ich mich schon auf die Neuauflage im nächsten Jahr. Scheiss doch auf funktionierendes WLAN, solange es funktionierende Münder gibt.

7 Friedenstauben

  1. ?!

    Kommentar von Philipp - 08. April 2009 um 13:49 Uhr
  2. Word! Genau wegen treffen, quatschen, wiedersehen liebe ich diese Veranstaltung. Spannende Vorträge und Referenten on top, was will man mehr. Auch wenn immer die Honks die Fragen stellen bei den Vorträgen. ;-)

    Kommentar von Heliumkiffer - 08. April 2009 um 14:38 Uhr
  3. Zum vorletzten Absatz: Und genau darum lese ich hier mit. Für unpersönlichen Shit brauche ich keine Blogs, dafür gibts Newsseiten.

    Kommentar von Björn - 08. April 2009 um 14:40 Uhr
  4. <3

    (die anderen gehen hier ja nicht ;))

    Kommentar von zartha - 08. April 2009 um 21:00 Uhr
  5. Ich würde mich ja sehr über eine Herzreperatur freuen. Was sollen denn die Leute von mir denken? ;)

    Kommentar von Philipp - 09. April 2009 um 00:05 Uhr
  6. ich weiß ja auch nicht?!

    Kommentar von zartha - 09. April 2009 um 13:50 Uhr
  7. <3

    (gefüllt mit boston creme)

    Kommentar von hermi - 09. April 2009 um 14:29 Uhr

Deine Friedenstaube