Wie schnell muss ein Text sein?

Ich habe den Meinungen um Winnenden eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Nun kann man das für reichlich spät halten. Aber ich war den ersten Tag einfach zu geschockt und dann habe ich Tag für Tag mehr Texte gelesen, manchen konnte ich uneingeschränkt zu stimmen, bei anderen musste ich mich an den Kopf fassen und fragen, was die Autoren denn da geritten hat. Aber am Ende ist es doch so, das jeder die Tat für seine eigene Sache ummünzt. So wie ich das jetzt gerade eigentlch auch tue, wenn auch über Bande gespielt. Aber dennoch: Ausser wenn man faktisch bleibt (und die Faktenlage ist weissgott hauchdünn), reitet man mit. Das gilt auch für Texte, die ich ausgesprochen richtig und gut finde. Wie zum Beispiel den von Herrn Grau. Vermutlich liegt es aber auch an der eigenen Wahrnehmung das man das noch mehr empfindet für die Texte, die einem sauer aufstossen. Wie zum Beispiel die feministischen Pamphlete aus der Schwarz-Weiss-Wunderwerkstatt. Ich begreife wirklich nicht, wie Menschen mit einem Hauch Anstand so etwas ernsthaft in die Welt setzen können und im Geifer des eigenen Schreibens plötzlich auch noch meinen ins faktische abzurutschen. Das ist mir ein Rätsel, das ist mir fremd, das ekelt mich an.

Nein. Ich muss wirklich nicht der 127. sein, der hier seine Sicht der Geschehnisse verbreitet. Der glaubt auch nir ansatzweise irgendetwas an den Geschehnissen begreifen zu können. Es würde mir nicht gelingen und ich will euch nicht langweilen.

Einzig dieses Video sei euch noch dringendstens empfohlen. Das NDR-Medien-Magazin ZAPP hat ein aufwühlendes Stück über den Pressebelagerungszustand in Winnenden gemacht. Am “schönsten” finde ich persönlich die Stelle, wo die Fotografen das Team auffordern, sie doch nicht mehr zu filmen. Der Fotograf wirft dem NDR-Team dann vor, das sie nur die übliche Hetz-Montage machen wollen würden, in der die Fotografen als gewissenlose Arschlöcher dargestellt werden, dabei würden sie doch nur ihren Job machen. Wohlgemerkt: Sie stehen dabei auf einem extra gemieteten Lastwagen, weil sie nicht auf dem Friedhof bei der Beisetzung des ersten Opfers fotografieren dürfen, und sie durch den LKW problemlos über die Friedhofsmauer hinweg ihre Bilder machen können. Hauptsache fettes Teleobjektiv. Da muss man dann doch voller Entsetzen feststellen: Das SIND gewissenlose Arschlöcher. Meine Meinung. Punkt.

(Video via Stefan Niggemeier)

4 Friedenstauben

  1. Hallo Nils,

    vielen Dank für diesen Beitrag. Er spiegelt genau das wieder, was ich die ganze Zeit schon gedacht habe. Des Wegen habe ich auch nichts dazu geschrieben. Die Sache ist schlimm genung und muss nicht noch von den Medien bis ins letzte Detail ausgeschlachtet werden. Man soll die Menschen in Ruhe trauern lassen. Die haben es schon schlimm genug.

    Und danke für das Video.

    Danke.
    Torsten

    Kommentar von TorstenLuttmann - 21. March 2009 um 13:03 Uhr
  2. Danke für den Link, den man vielen, vielen Leuten mal vorführen sollte. Generell gilt für mich in den Medien und auch in vielen Blogs: Weniger (sinnlos) berichten/reden hätte an sehr vielen Stellen mal gut getan.

    Kommentar von vib - 21. March 2009 um 14:22 Uhr
  3. Als Krönung des ganzen war heute die 3 stündige Feier in der Kirche von Winnenden im Fernsehen zu sehen. Auch die hatte nichts mit den Opfern zu tun, sondern diente der medialen Präsenz der üblichen Heinis. Kanzlerin, Präsident, Direktoren (Ja, der mit den angeblichen geübten Ansagen) und natürlich die Vertreterin der Elternschaft der Nachbarschule!?

    Kommentar von MungoPark - 21. March 2009 um 21:17 Uhr
  4. Ekelhafte Aasgeier.

    Warum kann die Polizei diesen Arschlöchern keinen Platzverweis erteilen? Auch die Pressefreiheit steht nicht über dem Recht auf Privatsphäre.

    Kommentar von Simon - 23. March 2009 um 23:52 Uhr

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