Oaschlocht is!

Deutschland macht die Grenzen dicht. Zumindest im Süden. Weil es der CSU zu viel wird, mit diesen Flüchtlingen da. Ich seh schon den bayerischen Bauer in Hintertupfingen, wie er Abends beim Bier in der Stube sitzt und Angst hat, dass ihm ein Syrer den Mähdrescher klaut und sich damit nach Syrien absetzt. Oder wie er Angst hat, dass ihm eine muslimische Großfamilie mit Handys in den Stall zwangseinquartiert wird - der Zwang wird hier auf den Bauern ausgeübt, wohlgemerkt, der die Familie aufnehmen muss und nicht auf die Familie, die im Stall leben muss. Oder seine Angst, dass ein Moslem durch sein Dorf läuft und sich spontan in die Luft sprengt, denn das sind doch alles Terroristen.

Gut, dass der Seehofer den Orban zum nächsten CSU-Parteitag einladen will. Viktor Orban, Premierminister von Ungarn, der gerade durch Initiativen glänzt, seine Grenzen mit endlich wieder Stacheldraht zu sichern. Endlich wird seine Vision wahr und er kann von Ungarn aus die europäische Idee zerstören. Also, die Teile, die ihm nicht passen. Dieser ganze Quatsch mit Solidarität und offenen Grenzen und so. Die Kohle aus der EU möchte man natürlich trotzdem mitnehmen.

Diesen Typen auf jeden Fall, der seit dem Flüchtlings-Ansturm - oder sagen wir besser Vertriebenen-Ansturm, denn freiwillig wollte keiner von denen die Heimat verlassen - nichts besseres zu tun hat, als die Idee einer Gesellschaft, die Vertriebene mit offenen Armen empfängt und ihnen Sicherheit und Kraft anbietet, zu torpedieren und im eigenen Land de facto unmöglich zu machen, diesen Typen, nennen wir ihn ruhig ultra-rechts, der auf die Pressefreiheit im eigenen Land scheisst, der Journalisten einschüchtert, kritische Künstler mit Arbeitsverboten belegt, der ein Klima der Angst verbreitet, bei denen, die ihm im öffentlich-demokratischen Rahmen widersprechen wollen, diesen Typen also möchte Seehofer zur CSU einladen, um mit ihm zu reden.

Gut, eine Partei, die immer noch an ihrem alten Anführer hängt, der ebenfalls Kritiker mundtot machen wollte, in dem er sein Amt missbrauchte und sie grundlos einsperren liess, ein Anführer, dem vor allem der eigene Geldbeutel wichtig war, in den er fleissig reinwirtschaftete, auf Kosten des Landes, welches er ja ach so sehr liebte - wer so einen Typen immer noch als leuchtendes Vorbild an Rechtschaffenheit und Leistung feiert, der lädt sich natürlich auch Faschisten als Gesprächspartner ein. Den Rechten keine Stimme überlassen, indem man selber so Rechts wie möglich ist - das ist ihre CSU.

Und nun also das: Applaus von Orban, Applaus von der AfD, Quasi-Applaus von der NPD: Die CSU ist anscheinend endlich dort angekommen, wo sie hin wollte. Und Merkel hat nichts besseres zu tun, als ihr zuzuarbeiten. Keine Ahnung woher diese Angst vor den Krachledernen kommt, aber sie lässt sich von denen erst auf der Nase herumtanzen und dann tanzt sie nach deren Pfeife. Wow, wie sehr sollte man sich noch vom provinziellen Juniorpartner demütigen lassen? Die Schmerzgrenze scheint da ziemlich hoch. Vielleicht denkt sie auch, dass nun all die Negativ-Schlagzeilen an Seehofer hängen bleiben, während sie sich noch ein bisschen in dem fälschlicherweise international empfundenen Sonnenschein aalen kann, der denkt, sie sei die Kanzlerin mit Herz, die sich so für die Flüchtlinge eingesetzt hat und nicht etwa die passivste Politikerin aller Zeiten, der die Zufälle nur so in den Schoß fallen. Aber was sie dabei nicht bedenkt ist, dass Seehofer international gar keine Rolle spielt, nicht mal ansatzweise. Interessiert niemanden. Kommt alles auf sie zurück.

Bayern, du bist politisch ein großes Problem-Land. Auch wenn dort irrsinnig viele Menschen leben und herkommen, die ich bewundere und liebe. Ich wünschte dann immer, sie würden dich so schnell wie möglich verlassen und irgendwo hin gehen, wo man sie schätzt, wo man Freigeister spannend findet und nicht störend. Und dann könntest du, Bayern, ganz easy unter deinesgleichen bleiben und ihr könnt euch fortpflanzen und sehen, wie weit ihr kommt, ohne Menschen von aussen, die euch helfen und bereichern.

CSU, du bist die mit Abstand unchristlichste Partei aller Zeiten und das weißt du auch und es ist dir scheissegal, aber es sollte dann doch noch mal jemand aufgeschrieben haben. Das “C” in deinem Namen bedeutet: “Hängt ein Kruzifix in mein Büro und Heiligabend komm ich in den Gottesdienst!”, und das wars. End of christlich. Keine Nächstenliebe vorhanden, kein christlicher Gedanke, nix.

Ihr kommt für eure Unmenschlichkeit alle in die Hölle und da wartet FJS schon auf euch und muss jedem einzeln erklären, warum und was er alles falsch gemacht hat. Und euer Mythos und Held bricht vor euren Augen zusammen zu der kleinen, jämmerlichen Figur, die er ist und war und er darf erst da weg, wenn er seinen letzten Fan persönlich aufgeklärt hat und da ihr eifrig an dem Mythos strickt und euren Strauß Jahr um Jahr um Jahr zum großen Staatsmann und CSU-Übervater stilisiert, wachsen immer wieder Fans nach und er wird niemals erlöst. Dumm gelaufen.

Weißt du, was Politik und Politiker real macht, CSU? Weißt du, was die Leute gerne sehen? Soll ich dir sagen, was man glaubt? Es ist so simpel, wie doof: Dass jemand auch mal einen Fehler macht. Und den einsieht. Und zugibt. Und sich entschuldigt. Übrigens auch ein zentrales Thema des Christentums, Vergebung und so. Könnte man wissen. Aber du, CSU, siehst dich und deine Leute als unfehlbar. Und das wird dir irgendwann auf die Füße fallen. Keine Ahnung wann. Der Leidensdruck auf dem bayerischen Land ist offensichtlich noch nicht hoch genug. Aber er wird steigen. Und dann bekommst du die Quittung. Und ey, wer weiß, vielleicht wird dein Land dann auch wirklich wieder frei und liberal. Offen und neugierig. Und damit wieder eine echte Urlaubsalternative. Man wird ja wohl noch träumen dürfen!

Aber so lange diese Regierung an der Alleinherrschaft ist, die einschüchtert und abschreckt und nur denen in den Arsch kriecht, die mit Geldscheinen wedeln, so lange sind wir beide leider getrennt, Bayern. Ich wünschte es wäre anders. I love you, but you´ve chosen Vorurteile.

Ach so, nur der Vollständigkeit halber: Durch die Blume zu sagen, man wolle den Flüchtlingsstrom stoppen, damit das Oktoberfest in Ruhe vonstattengehen kann, ist an unchristlicher Schäbigkeit und rassistischer Unverschämtheit kaum zu überbieten. Da dürfte man selbst in den braunsten Kreisen respektvoll überrascht durch die Zähne gepfiffen zu haben: