Fischer, Fischer, der Pop ist kaputt!

Achtung: Der folgende Text ist relativ zusammenhanglos und vielleicht auch hier und da ein bisschen unfair hart gegenüber einigen Acts. Er ist aber vor allem gnadenlos subjektiv und aus einer Art Notwehr heraus geschrieben. Da haut man schon mal um sich. Mea culpa.

Hier der Text von mir eingelesen.

Es war Echo und meine ganze Facebook-Timeline platzt vor Helene Fischer Postings. Von “war doof” über “gar nicht mal so schlimm” und “Hahaha, super Endgag” bis “Fischer macht nen super Job!” war alles dabei.

Mein Verhältnis zu Helene Fischer war bislang so: Ach, naja, würd ich mir nie holen, aber ist doch lustig. Ist doch eigentlich wie Britney, nur auf deutsch. Und ich war früher ein großer Britney Spears Afficionado. Und das Phänomen, dass die jetzt auch ausserhalb eines Schlager-Kontexts stattfindet, fand ich auch faszinierend. Und spannend.

Aber, vielleicht auch ausgelöst durch eine Diskussion, die ich gestern auf meiner Timeline hatte, in der mir ein Freund, der großer Sex Pistols Fan war, erklärt hat, wie grotesk lächerlich ihm Kate Bush damals vorgekommen ist, als sie ihre ersten Songs veröffentlichte, plötzlich stand ich da und dachte: Moment mal. Hier läuft irgendwas ganz falsch. Vor noch gar nicht allzu langer Zeit wurden “Künstler” wie Fischer ausgelacht. Sogar von irgendwelchen Dance Acts. Und jetzt ist diese Art Musik, dieser Schlager, plötzlich Konsens-Pop? Auf einmal sträubt man sich nicht mehr dagegen, zu einem Lied aus den “Mit den Schuhen kommst du hier aber nicht rein, Freundchen!”-Läden dieser Welt mitzuwippen? Die Freundin von Florian Silbereisen ist ein fuckin Popstar?

Wie, verdammt nochmal, konnte es so weit kommen. Warum gibt es nicht mehr “die” und “uns”? Als ich vor ca. 10 Jahren zum letzten Mal auf dem Echo war und Andrea Berg einen Preis bekommen hat, war die ganze Halle so: Hä? Wer ist das denn? Und jetzt machen alle Selfies mit Helene Fischer. Es ist ein Alptraum. Die Musik der Spiesser hat gewonnen. Wie konnte es nur so weit kommen?

Nun, es gibt viele Gründe. Die Toten Hosen zum Beispiel machen seit Jahren Lieder, die so auch Wolle Petri im Programm haben könnte. Die ganzen “Schmusebarden”, also einsame Männer mit Akkustikgitarren, die mit brüchiger Stimme ihren ganzen Exen hinterher jammern, haben deutschsprachigen Pop total aufgeweicht. Beliebiger gemacht. Empfänglicher für simple Schlüsselreize. Dazu noch die Plattenfirmenkrise, die nicht etwa dafür sorgte, Produkte kundenfreundlicher zu machen, sondern sich auf den Markt zu konzentrieren, auf dem noch gekauft wurde und wird: Der Schlager. Und den Markt so groß wie möglich zu machen. Da freut sich auch Onkel Bohlen und pumpt sein DSDS mit Schlager voll, auf das ein neuer Markt entstehe, den man schnell abgrasen kann. Dann lässt man wehrlose, alte Männer noch irgendetwas covern, was nicht zu ihnen passt und auf einmal wird alles umgedreht. War es in den 90ern noch ein Akt himmelschreiender Ironie, wenn eine Band einen alten Schlager nachspielte (zum Beispiel Creme 21 mit “Wann wirds mal wieder richtig Sommer?” oder Dieter Thomas Kuhn mit “Über den Wolken”), bei dem man sich so stark zuzwinkerte, dass Augenkliniken mehrere Augenhöhlenbrüche behandeln mussten, so ist es jetzt genau umgekehrt: Heino singt die Ärzte nach und alle denken, es sei “kultig”.

Mann, ich bin so sauer. Ich bin sauer, dass ich mich auch hab einlullen lassen. Das ich denen auf den Leim gegangen bin. Helene Fischer ist Schlagersängerin, Herrgott nochmal. Alles tutsi-tutsi, heile Welt. Mei, was ein schönes Paar, die Helene und der Flori.

BUÄH! Ich muss kotzen! Das ist verkaufsoptimierter Dreck. Es gibt keine Musik, die so sehr auf verkaufen ausgelegt ist, wie Schlager. An dieser Musik ist überhaupt nichts mehr echt, da findet keine Leidenschaft mehr statt, da geht es nicht mal mehr um Musik. Jeder scheiss Mitte-Elektro-Laptop-Frickler hat mehr Seele und Liebe in seinen nicht-enden-wollenden “Songs”, als die gesamte deutsche Schlagerszene zusammen. Abgewichste Musikerdarsteller, die Abends an der Hotelbar bei einem Pils und einer Kippe sitzen und erzählen, dass sie eigentlich Rockmusiker werden wollten und das Herz eines Rockers haben. Musik machen wie zur Stechuhr gehen. Als Job. Und alle finden ja eigentlich AC/DC toll.

Bäh, ich muss mich richtig schütteln. Pop ist kaputt. Und ihr Schlagerspackos habt ihn auf dem Gewissen. Der Wendler ist nicht Kult oder doch, der Wendler ist total “Kult”, weil mit “Kult” werden ja auch nur noch Dinge beschrieben wie Toilettenpapier mit Witzen drauf bei Nanu-Nana oder Schnaps in Flaschen, die wie Zündkerzen aussehen. Das Prinzip Merkel hat es in die deutsche Musikbranche geschafft. Eigentlich logisch nach so vielen Jahren rumregieren. Man faltet die Hände und lächelt sich so durch. Bloss niemanden aufregen, es soll ja keiner merken, dass von einem nicht viel kommt oder das bei dem, was da so kommt, nicht viel hintersteckt. Helene Merkel. CDU ist Pop. Andrea Nahles ist Pop. GroKo ist PopKo.

Der Test: Man stelle Helene Fischer neben irgendeine xbeliebige Künstlerin und vergleiche. Ist egal neben wen: Lady Gaga, Katy Perry, Britney Spears, younameit. Immer ist Fischer sofort der Bauerntölpel. Das poppige Nichts. Die deutsche Sängerin. Bieder bis zum Anschlag, substanzlos wie eine Rede von Thilo Sarazzin. Für den Eurovision Song Contest wählen die Deutschen zwischen Unheilig und einer Newcomer-Band mit einem Lied, bei dem der deutsche zu Hause so richtig schön auf die Eins klatschen kann. Ach, wir schicken die zu einem internationalen Wettbewerb? Ist doch egal! Wenn wir keine Punkte kriegen, dann sind halt wieder irgendwelche Absprachen schuld. Die Escada vom letzten Jahr hätte doch mindestens Erste werden müssen, mit ihrem Staub-Disco-Pop. Das war Schiebung!

Vergiss es, Zynismus oder Ironie hilft uns auch nicht weiter. Deutscher Pop ist tot. Vereinzelte Heldentaten, wie zum Beispiel Marteria, helfen uns da auch nicht mehr raus. Ich hab keine Ahnung, wie man das Ruder wieder rumreissen kann. Wenn Freunde moderne Schlager plötzlich gar nicht mehr so schlimm finden, dann erinnert sie daran, dass sie es doch sind. Das eine Helene Fischer auch nur ein G.G.Anderson in blond ist. Das uns allen der Wolf im Pop-Pelz untergemogelt wurde. Schlager ist der Schrebergarten des Pop und wird uns gerade als Hofgarten verkauft. Stop damit! Hört auf! Ihr könnt keine Petition gegen Lanz unterschreiben, aber “Atemlos” auf dem mp3-Player haben. Menschen unter 18 Jahren sollten nicht einmal wissen, wer Helene Fischer überhaupt ist! Denkt doch mal an die Jugend! Deren Pop soll vor allem eins: Uns nerven.

Kennt ihr den Film “Sie leben”? Wo einer mit so einer Spezial-Sonnenbrille sieht, dass die Welt von Aliens unter Kontrolle gebracht wurde, weil sie auf jeder Leinwand, in jedem Fernseher sublime Botschaften aussenden, die man nur mit eben jener Brille sieht? Und die Leute sind alle unter ihrem Bann, während der Typ versucht, alle “aufzuwecken”?


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So fühl ich mich gerade. Helft mir! Lasst uns alle aufwecken! Lasst uns Pop zurückerobern! Lasst uns Songs schreiben, Videos drehen, iTunes-Chart-Manipulationsflashmobs machen.

Vielleicht gründe ich eine neue Religion, in der es nur um die Rettung von Musik geht. Und dann steh ich morgen klingelnd vor eurer Tür. Und wenn ihr aufmacht, sag ich nur:

“Hallo. Ich möchte mit ihnen über Pop reden.”



Meine liebste Vorspeise

Ich hab noch nie an einer “Blogparade” teilgenommen, glaube ich. Ich verstehe auch immer noch nicht so richtig, was das überhaupt sein soll und so. Aber es geht ums Lieblingsessen und ich finde, ich habe mich noch nicht ausreichend als Foodblogger auf meinem Blog positioniert. Ausserdem hat mich die liebe Futterqueen, wir folgen uns glaube ich schon seit Ewigkeiten auf Twitter, gefragt, ob ich nicht mitmachen mag und da dachte ich: Ja, ich mag. So, here we go:

Wenn man mich nach meinem Lieblingsessen fragt, kann ich vermutlich eine quadrillion Gerichte aufzählen. Das eine Lieblingsessen gibt es eben nicht, ich finde ganz viele Gerichte unfassbar toll. Und kann mich immer nur schlecht entscheiden, was ich denn essen will, wenn ich was essen will. Deswegen esse ich ganz oft, wenn ich alleine bin, doofe Sachen, weil ich so lange damit verbracht habe zu überlegen, was ich esse, dass ich gar keine Geduld mehr hab, lange auf etwas zu warten, weil beim ganzen hin- und herüberlegen mein Hunger und Appetit in unmessbare Höhen geschnellt sind. Dann gilt es nur noch satt zu werden. Fast food oder so. Eigentlich vollkommen bescheuert.

Wenn ich mich nur von Vorspeisen ernähren müsste, würde das vielleicht viel besser funktionieren. Da ist meine Favoriten-Verteilung doch eindeutiger und kleiner. Und über allen möglichen Vorspeisen trohnt mein absoluter Favorit, meine Mother of all Vorspeisen, mein vorspeisiges Shangri-La, meine Vorspeise um alle zu knechten, mein…na, ich denke es ist klar was ich meine. Eben mein Lieblingsessen. Und es ist:

Vitello Tonnato.

Das sind (falls das jemand nicht kennt) hauchdünne, gebratene in Weißwein gegarte Kalbfleischscheiben mit einer Thunfsich-Kapern-Sauce. Mehr ist das im Grunde genommen nicht. Aber das ist ein Gericht, so bald ich irgendwo bin, wo das auf der Karte steht, muss ich das sofort bestellen. Keine Ahnung warum, das ist so ein komischer Zwang. Vielleicht weil ich das perfekte VT suche. Und deswegen jedes probiere, dass ich in die Finger kriege. Ich hab schon fantastische Versionen dieses Gerichts weltweit gegessen und muss sagen, dass die Ausfall-Quote, also die Vitellos, die richtig daneben gegangen sind, wunderbar gering ist. Es kommen vielleicht zwei Schlechte auf fünf Gute, würde ich sagen. Das ist erfreulich.

Das Gericht findet sich auch längst nicht auf jeder Karte. Ebenfalls ein Grund, es jedes Mal zu essen, wenn man die Gelegenheit dazu bekommt. Ich hab es auch noch nie selbst gemacht, obwohl ich ja gerne koche, vor allem leckere Dinge, aber da trau ich mich irgendwie nicht. Sollen es doch die anderen verkacken, ich nicht! Man muss auch nicht alles selber kochen. Es muss einfach ein paar Dinge geben, die man machen lässt.

Das zarte Kalbsfleisch in dieser sämigen, salzigen Creme, die so herrlich fischig schmeckt und durch die Kapern noch diese ultrastarke Zitronennote kriegt, die sich mit dem milden Fleischgeschmack zu einem großen Ganzen ergänzen: Mir läuft schon bei der Vorstellung das Wasser ganz schrecklich im Mund zusammen. Ich bin sowieso immer wieder erstaunt, wie genau sich Geschmäcker in Lieblingsgerichten zu einem Erlebnis kombinieren und versuche das irgendwie nachzuvollziehen. Aber bei Vitello Tonnato ist mir das ebenso rätselhaft wie bewusst. Und wenn ich am Ende den Teller noch mit Brot “saubermache”, dann bin ich glücklich. Ich glaube, dass meiste Glück hab ich sowieso der italienischen Küche zu verdanken. Lustigerweise habe ich Vitello nie so richtig damit in Verbindung gebracht, keine Ahnung warum. Ich finde, viele italinische Gerichte haben eine Art gemeinsamen “Stamm”, das VT fällt da immer aus der Reihe. Eventuell ist es mir auch deswegen so sympathisch.

Ich achte in letzter Zeit viel mehr auf meine Ernährung, fange an, auch durch meine Tochter, öfters vegetarisch zu essen. Ich war nie der größte Fleischesser, aber ab und zu mochte ich das. Ein tolles Schnitzel oder ein fresher Burger. Super. Langsam aber sicher, baue ich das ab. Ich überlege sogar schon, Attila Hildmans Vegan-Challenge mal auszuprobieren. Warum denn nicht? Schaden kann es sowieso nichts. Mir sind die Tiere dabei ehrlich gesagt gar nicht so wichtig, ich bin nicht so der Tierschützer-Chabo oder der riesen Tierliebhaber (nie ein Haustier gehabt). Aber das aller-aller-aller-meiste Fleisch, dass wir essen, ist nunmal ziemlicher Dreck, da muss man sich gar nix vormachen. Ist halt so.

Worauf ich aber hinaus will, ist: Wo auch immer meine Ernährungswege mich hinbringen werden: Ich werde mir nachwievor kein einziges Vitello Tonnato entgehen lassen, dass mir vorgesetzt wird. Bis ich das perfekteste der Welt gefunden habe. Ich sag euch dann auch gerne, wo das war. Mampf!



Zwischenfrage

Ist nicht die Tatsache, dass der Mensch von sich aus gelernt hat, künstlich zu befruchten, auch ein weiterer Evolutionsschritt und somit “natürlich” und wiederum somit “von Gott gewollt”?



+++ LIVE-TICKER zu Bokelbergs Beobachtung des Hoeneß-Prozess +++

10:40 Uhr
Immer noch kein Interesse an dem Jahrtausend-Prozess um Hoeneß. Wir halten sie auf dem laufenden.

10:35 Uhr
Bokelberg macht noch keine Anstalten, sich für den Prozess zu interessieren.

10:24 Uhr
Bokelberg öffnet Spiegel Online.

10:11 Uhr
Bokelberg hustet. Sollte dies ein wirklich schlimmer Husten sein?

09:46 Uhr
Bokelberg macht einen ersten Email-Check. Er lächelt. Ist das Taktik?

09:27 Uhr
Ein Tee, Himbeer-Vanille. Vielleicht ein Hilferuf.

08:50 Uhr
Der Hals schmerzt ein wenig. Hustenbefürchtungen des Vorabends scheinen sich zu bestätigen.

08:32 Uhr
Bokelberg wacht in seinem eigenen Bett auf.