Ein Anrufer bei Domian

Ich gucke/höre nahezu jeden Abend Domian vor dem einschlafen. Gestern Abend hat ein Zuhörer seine Geschichte erzählt (und wurde etwas gehetzt, weil er am Ende dran kam und nicht mehr viel Zeit hatte).

Der Anrufer erzählt, wie er sich geoutet hat und warum er das bereut. Er lebte schon seit einiger Zeit in einer Hetero-Ehe, war aber heimlich schwul, mit langjährigem Partner und so. Seine Eltern dachten immer, es handele sich bei dem Mann an der Seite ihres Sohnes um einen “Kumpel”. Nun sind die Eltern und der Sohn mit seinem Freund eines Abends ausgegangen. Erst zum essen, dann noch in irgendeinen Club, dort in Düsseldorf. Der schwule Sohn ergriff die Gelegenheit, auf eine zugegeben etwas bizarre Art und Weise: Er lieh sich das Mikro vom DJ und outete sich vor der versammelten Disco. Laut ihm waren circa 40-50 Leute da. Er erzählte wohl irgendwas über Romantik ins Mikro eben mit der Konklusio schwul zu sein.

Seine konservativen Eltern nahmen es überraschenderweise total positiv auf. Die ganze Gruppe lag sich in den Armen, freute sich und drückte sich. Und auch der ganze Laden war wohl sehr gerührt und applaudierte und johlte und war happy. Der soeben Geoutete ging erleichterten Herzens auf Toilette. Da stand er am Pissoir, Gesicht zur Wand.

Als sein Kopf plötzlich von hinten gegen die Wand geschlagen wurde. Und er sich einem totalen Gewaltausbruch gegenüber sah, von Leuten, die er nicht kannte. Die ihn verprügelten. Und so Sachen dabei sagten wie: “Wir brauchen hier keine Schwuchteln!”. Nach mehreren Wochen kam der Anrufer gestern aus dem Krankenhaus.

Nur um mal ach-so-wichtige Aussagen wie “Ich bin homophob und das ist auch gut so” und ihre Wirkung einzuordnen.



Der Beirat der Musikindustrie - der Song

Der Echo, der nationale Musikpreis, hat jetzt einen externen Beirat. Diese, vom Echo-Veranstalter ernannte, “Experten”-Kommission, bestehend aus sieben weißen Männern (wenn irgendwo eine Quote vonnöten ist, dann ja wohl dringend in der Musikindustrie) soll Fälle klären, die zu Diskussionen führen oder führen könnten. Wir erinnern uns alle an das vergangene Jahr und die Nominierung und dann, nach breiten Protesten seitens der Künstler, wieder Ent-nominierung von brei.mild. Solch ein PR-Desaster für den Echo möchte man nun proaktiv vermeiden. Und hat deswegen eben jenen Beirat gegründet, der die Fälle unabhängig (hahaha) bewertet. Und der hat auch gleich seinen ersten Job, denn schrei.bild stehen natürlich wieder vor der Tür, diesmal mit einem unplugged-Album oder so, welches sich natürlich auch wieder dutzendfach verkauft hat, an irgendeine sich missverstanden-wähnende Masse. Und wenn es etwas gibt, was den Bundesverband der Musikindustrie aufhorchen lässt, dann ist es der liebliche Klang eines “Ka-Ching”. Und bei wem es ganz oft ka-chingt, den haben die dann natürlich ganz doll lieb. Und haben deswegen den Beirat entscheiden lassen, dass wir alle dieses Jahr drei.grillt auch ganz dolle lieb haben. Nicht das die sich in irgendeiner Weise innerhalb der letzten 12 Monate geändert hätten, im Gegenteil. Der Echo-Ausschluss von vor einem Jahr wird denen sogar ganz Recht gewesen sein, konnte man sich doch nur noch mehr als armes Opfer der von denen sogenannten “Mainstream-Medien” gerieren. Das mögen die Fans. Wir gegen alle, niemand versteht uns. Da muss die Band sich dieses Jahr etwas Neues einfallen lassen.

Aber, da der Beirat des Industrieverbands der Musikindustrie ja beschlossen hat, dass wir jetzt alle zwei.gilt-Fans sind, möchte ich helfen. Ich habe der Band (und dem heiligen Beirat) einen Song geschrieben, der sicher der nächste Hit für sie und ihre Fans wird:

Hier der Text, zum mitlesen und mitsingen:

Ihr habt uns nicht verstanden,
das war schon immer so.
Uns war das stets egal.
Doch dann kam der Echo.

Mit euren dummen Lügen
und viel zu engen Hosen,
habt ihr uns von der Preis-
Verleihung ausgeschlosen.

Wir dachten dieses Jahr,
lädt uns keiner mehr ein.
Denn alle deutschen Bands,
ausser uns, sind voll Gemein. (Und Lügner! Und die Mainstreamlügenpresse auch!)

Doch der Echo selbst
wollte uns unbedingt!
Und hatte ne Idee,
damit das jetzt gelingt!

Wir gründen einen Beirat!
Gegen eure Lügen!
Wir gründen einen Beirat!
Das sollte euch genügen!
Wir gründen einen Beirat!
Und dann haltet ihr die Fresse!
Ihr werdet uns nicht stoppen!
Wir werden nicht vergesse (das “n” ist stumm)!

Wir lieben den Beirat,
der Beirat macht uns stolz.
Das sind keine Lügner,
die sind aus unserm Holz.

Zum Glück sitzen im Beirat,
keine Wesen mit zwei Brüsten.
Weil die mit Sicherheit,
nichts beizufügen wüssten.

Die machen doch nur Ärger,
genau wie diese Bands,
die nicht mit uns spielen wollen.
Wo bleibt da die Toleränz?

Nein, nein, in unserm Beirat,
sagen Männer wie es läuft.
Und wer das kritisiert,
muss halt zusehen wo er säuft (auf jeden Fall nicht auf der Echo-Aftershow-Party)!

Wir gründen einen Beirat!
Gegen eure Lügen!
Wir gründen einen Beirat!
Das sollte euch genügen!
Wir verkünden eine Heirat!
Das ist der schönste Tag im Leben!
Die Onkelz und wir,
werden uns das Ja-Wort geben.

Wir fahren heut nach Beirut!
Da soll es ja sehr schön sein!
Wir brauchen noch ein Dreirad!
Jetzt wirds schon wieder gemein.
Wir machen jeden Brei fad!
Wir gehen heut ins Freibad!
Wir hassen jeden der,
einen Papagei hat!
Malst du Bilder mit Schwertern,
dann ist das Samurai-Art!
Verdoppelst du dein Haarspray,
dann besitzt du zwei Gard!
Boxt du gegen einen Fisch,
merkst du schnell: Oh, ist der Hai hart!
Lügenpresse, Lügenbands, Gutmenschen!
Hass! Hass! Hass!



Offene Tabs 6

- Was zum Teufel ist nur mit der Welt los?
Ich steh Null auf so Sensations-Nachrichten oder das posten von Fällen, in denen sich Menschen als die kaputten Lebewesen präsentieren, die sie leider allzu oft sind. Aber dieser Fall: Ein Mädchen wird von einer Gruppe totgeprüpgelt, weil sie denen aus Versehen ins Bild läuft. Gott im Himmel. Da ist ja “Mir gefällt deine Nase nicht” ein noch nachvollziehbareres Argument. Aber so ist das mit Menschen, die sich morgens vor Clubs prügeln: Die suchen die nichtigsten Anlässe. Ich finde so was unfassbar gruselig.

- Ein anderes, ein normales Bild
Was zwischen all solchen Sensationsmeldungen, wie der obigen, ja immer untergeht (und das ist einer der Gründe, warum ich die eigentlich vermeide), ist Alltag. Wir kennen viel zu selten den Alltag anderen Menschen. Das rückt so vieles wieder ins Lot. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich in fremden Ländern am liebsten zu allererst in den Supermarkt gehe. Nirgends kommt man schneller einem Land näher als dort. Sehr beeindruckend deswegen diese Bilderstrecke aus dem Iran, die den Trott, die langeweile, das abhängen zeigt, die sich gar nicht so sehr von uns unterscheiden. Ich finde das nicht sonderlich überraschend, klar, warum sollte da alles anders sein? Aber ich liebe so was.

- Unendliche Kerze?
Vielleicht sind hier Wachs-Experten oder so, aber von diesem Modell ausgehend: Kann ich die eine Kerze dann für immer und immer benutzen? Ich kapiers einfach nicht. Schlimmer Gehinrknoten!

- Me, myself and I
Ich hab bei einer Sendung mitgemacht, “Mr.Dicks” auf einsfestival, an der teilzunehmen so frei ist, dass ich es immer noch nicht so ganz kapiert habe. Man kriegt ein Thema und dann soll man einfach mal machen. Mein Thema war “ego” und ich hab dann versucht, ein kleines Filmchen zu machen. Und so sah das Ergebnins aus.

- Missy Elliott läuft sich warm…
Missy will zurück, aber nur wenns knallt. Und ich sag: Bitte! Ja! Komm zurück! WE NEED YOU!

[YahooDirektRapTratschTV]

- Homoschreck Matussek
Mir ist es ein bisschen fad geworden, mich über Matuzeck aufzuregen, weil der das ja will und ich bin so ungern Hampelmann eines Hampelmanns. Ausserdem finde ich selten die richtigen Worte. Wie gut, dass MIchalis Pantelouris das dafür so oft tut und in diesem Text genüsslich den “Ich bin doch kein Homohasser!”-Homohasser Matussek zerpflückt. Das ist ähnlich wie Laas unltd Drob Dynamic bei Rap am Mittwoch auseinandergenommen hat. Danach bleibt halt nix mehr übrig.

- Hamburg schafft sich ab
Habt ihr die Happy-Version von Hamburg gesehen? Gut, man kann sich vorzüglich darüber streiten, ob jetzt wirklich jedes Stadt ein Video zu dem Pharell-Song braucht, weil origineller wirds wirklich nicht (Freund und Kollege Micky Beisenherz vergleicht die Videos schon mit Bubble Tea-Shops und liegt damit ja nun wirklich nicht sooooo falsch), aber gehen wir einfach mal davon aus, dass jede Stadt so ein Video haben sollte. Was war dann nur in Hamburg los?!?!?


[YouTubeDirektJahrhundertHochwasserWarNixDagegen]

Im Video ist nichts vom Kiez zu sehen, kein Pauli, keine Schanze, kein Altona, nicht eine coole Person und kein Fußball, stattdessen irgendeine Hamburger American Football-Mannschaft (wtf?) und Cartsen Spengemann (WTF?), der, dass muss ich leider sagen, die schlimmstanzusehende Performance vermeintlichen “Tanzes” abliefert, die ich jemals gesehen hab. Hamburg, was da los? DAS lasst ihr euch gefallen? SO lasst ihr euch unwidersprochen representen? Da muss ja wohl innerhalb von 72 Stunden eine neue, ECHTE Hamburg-Version her, um euch aus der Unterjochung dieses schmierigen Möchtegernclips zu befreien! Hamburg, coole Sau, TU WAS!!!!



Offene Tabs 5

Heute ist alles auf die ein oder andere Art lustig. Irgendwie.

- Eine Waschmaschine für Männer
Da ist so ein Typ, der meint, man sollte eine “Waschmaschine für Männer” machen, die nur drei Knöpfe hat. Ich würde es an seiner Stelle ja eine “Waschmaschine für unselbstständige Vollspacken, die nicht lesen können und sich bislang ihre Wäsche von ihrer Mami haben machen lassen und weil die aber jetzt keinen Bock mehr hat, ihrem großverdienenden Riesenbaby alles hinterherzutragen, selber in die für sie angeblich mysteriöse Welt der Waschmaschinen müssen”, aber vielleicht bin ich mit der Idee auch eher allein. Grundsätzlich ist mir simplizifierung aber immer willkommen, wobei: Eine Maschine mit vielen Knöpfen lässt sich auch viel geiler hacken. Wo ist denn da der Ehrgeiz? “Höhö, guck mal. Ich kann eine Maschine mit drei Knöpfen bedienen. Oh. Ich glaub ich muss mal groß!”

- Psaiko.Dino feat. Eko Fresh und DCVDNS
Psaiko.Dino hat ja jetzt dieses Produzentenalbum rausgebracht und wie leider alle Produzentenalben ist das halt vor allem sehr gut gemeint. Weekend wird im Outro verscherbelt, das Aufeinandertreffen von Cro und Hafti liest sich auf dem Papier auch geiler, als es sich anhört und der Rest, nun ja, ist eben der Rest. Bis auf eine Nummer, “#hangster”, quasi der Titeltrack des Albums. Und das ist ein richtig guter Song. Klingt schön nach G-Funk ins jetzt rübergerettet, Eko kann gemütlich flowen und so ein bisschen Double Time andeuten, um zu zeigen, was er drauf hat, aber nicht damit anzugeben. DCVDNS verfällt dann in den Angebermodus, aber selbst das macht nichts. Eko ist so ein bisschen wie sein Pate und lässt ihn gönnerhaft gewähren. Megagut. Ach, wär doch das ganze Album so. Egal. Westside!

[YouTubeDirectOriginalG]

- Lookismus gegen rechts
Kommentare geistiger Überflieger des eher rechten Spektrums kann man täglich überall auf Facebook nach- und mitlesen. Und oft genug denkt man: Was für ein Idiot, kann ernsthaft so einen Scheiß schreiben? Nun, seit diesem neuen Tumblr wissen wir nun, wie die Gesichter hinter den Hassbotschaften aussehen. Ich bin nicht überrascht. Aber amüsiert.

- Massenmailmegamalheur
Ein kleiner Verlag schickt eine Mail an seinen Verteiler. Durch einen Fehler geht jede Antwort auch an alle Anderen. Mehr muss man nicht wissen um zu ahnen, was da in den Mailpostfächern von ca. 200 Journalisten am Wochenende los war. Schön protokolliert vom Tagesspiegel. Ein großer Spaß! Warum gibt es bei solchen Geschehnissen eigentlich immer diese eine Nervbacke, der dann nicht weiß, wann Schluss ist? Spannendes soziologisches Experiment. Wenn ich Soziologe wär. Und gerade irgendein neues Experiment bräuchte. Oder so.

- Drei zu Vierzehn
In Sizilien hat ein Verein 3:14 verloren, davon waren aber acht Tore Eigentore und diese sind auch noch in den letzten zehn Minuten gefallen. Hahahahaha! Find ich so gut! Was hier los wäre, wenn das hier passieren würde!

- Fox News Anchor hat Angst vor Lego Film

[YouTubeDirektLeftwingedHollywood]
Die Fox News haben ja eine lange Tradition darin, Vorwüfe gegen alle, die nicht ihrer Meinung sind, supergut aus der Luft greifen und so ernst vortragen zu können, als würden sie wirklich glauben, was sie da sagen. Aber das kann ja gar nicht sein, weil wenn die das glauben würden, dann könnten die ja gar nicht sprechen. Zumindest keine Menschensprache. Nur so Laute von sich geben. Vielleicht so ein leichtes röhren. Aber niemals zusammenhängende Sätze. No way. Deswegen wunder ich mich ein wenig, aber das muss man schon mal gesehen haben. Oh Boy. Auf diesen Twist muss man erstmal kommen. Da sind die Rechten weltweit erfinderisch. Bedrohungsszenarien konstruieren. Deswegen: Geht mir euren Kindern nicht in den Lego-Film! Die haben was gegen all unsere tollen Bosse! Hahahaha, ich packs immer noch nicht!



Offene Tabs 4

- Giraffe Marius und die Empörung
Dieser Text in der taz drückt eigentlich ganz gut aus, was ich empfinde, wenn ich diese Empörung über das einschläfern der Giraffe “Marius” im Kopenhagener Zoo so beobachte. Mich befremdet das etwas. Auch das Onlien-Petitionen mittlerweile immer als Empörungs-Gradmesser rangezogen werden, nervt. Vor allem weil die Zahlen immer beeindruckend sein sollen. Für die Giraffe wurden 25.000 Unterzeichner als beeindruckende Menge genannt. Bei Lanz waren es aber über 200.000. Ist dessen Absetzung zehnmal so wichtig, wie das Leben einer dänischen Giraffe? Wieso werden eigentlich die 200.000 Unterzeichner der Badem-Württembergischen Anti-Homosexualität-im-Unterrricht-Petition mehr oder weniger als verirrte Spinner bezeichnet, während die ZDF-Bevormunder als Großteil der Bevölkerung dargestellt werden (Das ist jetzt alles meine gefühlte Sicht der Dinge, schon klar…). Egal. Ich schweife ab. Tiere werden jeden Tag zigmillionenfach getötet. Warum da jetzt die eine Giraffe plötzlich besonders erwähnenswert schlimm ist, finde ich schon seltsam.

- Starker Mann
Tolle Geschichte.

- Sophias Rezepte
Ich steh nicht so sehr auf veganes Essen oder besser gesagt auf “vegetarische Alternativen”. Ich probiere immer irgendwelche Fleischimitatprodukte und jedes Mal denke ich: “Liebe Leute. Mit dieser veganen Leberwurst würde ich nicht mal meine Fenster abdichten.” So in die Richtung. Aber “Zwergenstreich” mag ich gern, am liebsten noch mit Käse drauf. Und Sophia, Veganexpertin aus Leidenschaft, verbloggt immer so Rezepte, die megalecker aussehen. Da ist es mir dann herzlich egal, ehrlich gesagt, ob das vegan oder Wing Chun ist, ich will das in mich hinein tun!

- Der “Digital Prophet” von AOL
Ich finds wirklich saukomisch. Eigentlich ist es ja Wurst und jede soll rumlaufen, wie sie oder er glücklich ist, aber sorry, Dude, ich bitte dich! Wenn Bill Kaulitz jemals sehen wollte, was ihm die Zukunft bringt…here you go.

- Betrunkene Prinzessinnen
Okay, ich brauche jetzt wirklich viele Ausrufezeichen, weil mir das so gut gefällt: Es gibt einen Blog, der sich mit Disney Essen beschäftigt. Schon mal interessant, lässt aufhorchen, ist ein bisschen schräg. Dieses Blog schreibt, welche Restaurants in den Disney Parks die besten sind. Hohoho! Das ist so special Interest, da bin ich schon dabei. Und auf diesem Blog stiess ich nun auf einen Artikel, der EINEN COCKTAIL FÜR JEDE PRINZESSIN HAT!!!!! EINEN COCKTAIL FÜR JEDE DISNEY PRINZESSIN!!!! MIT ALKOHOL UND ALLEM PIPAPO!!!!! PRINZESSINNENCOCKTAILS!!!!!!

- Ach ja, Shia Lebouef
Er, Shia, hat es einfach nicht kapiert. Depp.



Offene Tabs 3 (Musik-Edition)

Manchmal sind nur noch Tabs mit Musikvideos auf.

- Bardo “One Step”
Die waren wohl Anfang der 80er die Grand Prix Hoffnung für England und haben dann mit diesem Song Platz 7 gemacht. Für mich, heute, mindestens Platz 1. Ich mag auch diese vollkommen bescheuerte aber so herrlich unschuldige Choreografie. Superguter Song. Raffinierte Popkomposition. Ein bisschen Bucks Fizz, aber mit so einem Extra-Schuss Ambition. Ich mag so was ja gerne.


[YouTubeDirektWendyPärchen]

- Jürgen Drews “Es ist kalt in meinem Zimmer”
Ich frag mich wirklich immer, ob Jürgen Drews vielleicht eine ganz andere Karriere hingelegt hätte, wenn der keinen Erfolg mit seinem blöden Bett im Kornfeld gehabt hätte. Vielleicht wär der eher so in die Liedermacher, wenigstens aber in die Chansonnier-Richtung, ähnlich einem Udo Jürgens, gegangen. Das wär irgendwie cool gewesen, find ich. Hier spürt man ein bisschen, wo das hätte hinführen können. Wir wissen halt leider alle, dass es woanders hinging. Aber manchmal, in so Interviews, da merkt man dem an, dass der auch mal ambitioniert war. Das da tief im Herzen, unter der König von Mallorca-Oberfläche, noch ein Drews lebt, der eigentlich Musik machen will.

[YouTubeDirektHeizung]

- Gillian Scalici “Antarctic Arias”
Ein enorm seltsames Lied, dass mich nicht mehr loslässt, seit ich es zum ersten Mal in irgendeiner Sendung gesehen habe. Das rockt so gut. Und dieser Gesang - sehr schräg. Geil. Und irgendwie ist die auch sexy, obwohl ich finde das die ein wenig wie Tony Danza aussieht. Auf eine gute Art!

[YouTubeDirektOpernMetal3000]

- Ireen Sheer “Wenn du eine Frau wärst und ich wär ein Mann”
Ich hab eigentlich die herrlich ungelenke, deutsche Version von “Don´t go breakin my heart” gesucht und bin dabei auf diese Nummer gestossen. Ich konnte nicht anders, bei diesem Songtitel musste ich klicken. Und was sah ich gleich als Erstes? Gabi Decker im Chor! Hihihi, wie süß. Find ich gut, deswegen bin ich auch drangeblieben. Der Song ist wirklich seltsam, ich kapiere überhaupt nicht, was mir der Text sagen will. Und dann dieses Bonnie Tylereske. Auf einer Millarde Ebenen schräg. Vielleicht nicht gut, aber einmal sollte man das schon gesehen haben.

[YouTubeDirektGendertausch]

- Laura Branigan “All night with me”
Ich weiß auch nicht warum, ich werd von so yachtrockigen Hall & Oates-Hooks immer magisch angezogen. Ich kann mich da nicht wehren. Und hätte nie gedacht, dass Frau Branigan auch ein Lied mit Gefühl intonieren kann.

[YouTubeDirektDurchmachenMitMir]



Godwin’s Law-Law

Wenn jemand in einer Kommentarspalte, jemand anderen als “rechts” o.ä. bezeichnet, muss sofort ein Dritter: “Da isses! Godwin’s Law!” schreiben, selbst wenn der Vorwurf zweifelsfrei und objektiv gestimmt hat. Zusätzliche Relevanz bringt das kommentarlose verlinken des Wikipedia-Artikels über Godwin’s Law.

Hartnäckige Gerüchte über eine weitere Relevanzverdopplung, durch posten des entsprechenden Artikels aus der englischen Wikipedia, haben sich als falsch erwiesen.



Offene Tabs 2

- “Danke Monika”
Monika Maron hat neulich in der WamS einen Text geschrieben, dessen Aussage im Prinzip war: Die Muslime haben sich endlich einmal anzupassen und wenn sie das nicht tun, dann soll die Politik sie eben dazu zwingen. Wie auch immer das aussehen soll. Der Text war ziemlich verschroben in seiner “vom Hölzchen auf Stöckchen”-igkeit und bediente, wie immer, bloss irgendwelche islamophoben Ressentiments, anstatt nach konstruktiven Lösungen zu suchen. So weit, so typisch. Solche Texte kann man jeden Tag 100fach im Netz lesen. Aber nun hat Murat Topal sich die Zeit genommen ruhig, unaufgeregt und sehr überlegt im Tagesspiegel auf Marons Kommentar zu antworten und hatte sichtlich Spaß dabei, den Text der Schriftstellerin als das vorzuführen, was er nun mal ist. Good read! Es wird nichts bringen, aber ich mag solche Texte einfach.

- Hahahahahaha!
Wo guckt dieser Mann nur hin, was zum Teufel ist LOS MIT DEM?!?!?! (Ich find sowas echt lustig - ganz losgelöst von heutiger, moderner und langweiliger Technologiekritik)

- Heartbreaking Chili Peppers
Hermi schreibt eine ganz niedliche Geschichte über den neuen Gitarristen der RHCP auf, der am Wochenende beim Superbowl zum ersten Mal vor einem Millionenpublikum spielen durfte. Eigentlich find ich die Geschichte ein wenig, nun ja, mir fehlt da der gewisse Twist. Auch bin ich gar nicht so ein Überfan Frusciantes, wie der Rest der Welt. Aber das verlinkte Lied find ich irgendwie ganz schön, so als Nebenbeisoundtrack, die Geschichte dazu natürlich sehr berührend und ich finde es generell super, solche Geschichten über Musik aufzuschreiben. Kunststück: Genau aus diesem Gefühl besteht ja auch mein Buch.

- “Ich nehme Onklez für 100.000!”
Die Pöhsen Honklez spielen ja diesen Sommer auf dem Hockenheimring zwei Tage hintereinander und natürlich waren diese beiden Reunion-Konzerte mit der Band, deren Sänger bei einem Unfall, den er unter Drogeneinfluss verursachte, zwei Menschen auf dem Gewissen hat, binnen Minuten restlos ausverkauft. Der geneingte Heckscheiben-Schriftzug-Fan hält es eben für “aufrecht” und stark, wenn man keinerlei Reue kennt. So weit, so wieimmer. Lustig sind aber in der Tat die Auktionen der Tickets auf ebay. Heute wurde bei einem Verkäufer zum Beispiel dieser tolle Preis erzielt:

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Hahahaha, was für ein Spaß. Dabei denke ich an zwei Bietertypen. Einmal die typischen Spaß-Bieter, die durch solche Aktionen den Ticketverkauf herrlich erschweren und torpedieren. Die andere Gruppe aber dürften Fans der Band sein (bei einem sehr Hochbieter im Verlauf konnte man zum Beispiel sehen, dass er ansonsten gerne für Münzen aus dem Kaiser- und aus dem dritten Reich mitbietet…ein Schelm blablabla, ihr kennt das), die superaufgeregt mitbieten und dabei aus Versehen andauernd überbieten. Ich stell mir das etwa so vor:

“Ah, Schlonklez! Ich muss mitbieten! Was? 200 Euro? Egal, ich geh mit. Hmm, 500 Euro? Die Kroklez reuniten sich nicht alle Tage, ich bleib dran. Das isses mir wert. Hui! Wir sind schon bei 2000 Euro? Das kann ich mir eigentlich nicht mehr so…ach, egal! Passt! Ähm, 20.000 Euro? Das ist jetzt doch ein bisschen viel. Andererseits: Wenn ich aum Mamas Häuschen die Hypothek…die machts ja eh nicht mehr lange und ich will da sowieso nicht wohnen. Scheis drauf, ich machs. Für die Ehre!…Oh, 70.000? Ihr könnt mich alle mal, für meinen Opel krieg ich schon auch noch was: 100.000! ALL IN! EHRE! ICH HAB NOCH LANGE NICHT GENUG! DOPAMIN! ADIOS! KEINE AMNESTIE FÜR EBAY!”

Piep. Piep. Piep.

“Oh, hallo Mama, du bist es! Sag mal, wie gehts dir denn? Nicht so gut? Ach, das Alter, ne? Sag mal, das Haus, hast du das eigentlich schon auf mich übertragen….”

- Leno geht, Fallon kommt
Spiegel Online veröffentlicht einen launigen Text über den Abgang Jay Lenos, twisted in der Mitte aber irgendwie komisch rum und suggeriert Jimmy Fallon wäre irgendsoein Internetstar. Als würde ein YouTuber Amerikas wichtigste Ferrnsehshow übernehmen. Fallon macht aber nun schon seit Jahren eine mehr oder weniger erfolgreiche, ganz herkömmliche Late Night Show, die er gelegentlich auf YT (mit großer Begeisterung) auswertet. Ausserdem stammt er aus dem Cast von “Saturday Night Live”, der lustigsten FERNSEH-Sendung der Welt. Wenn jemand Fernsehen ist, dann Fallon. Aber klar: Weil er mit seiner Studioband schon ein paar Mal erfolgreiche Clips fürs Netz gemacht hat, ist er plötzlich ein Internetstar. Nun ja. Warum eine gute Story kaputt recherchieren?



Offene Tabs 1

Ich hab auf meinem Browser immer so viele Tabs offen, die sich eigentlich fast nie für eine ganze Geschichte eignen, aber ich trau mich nie, die zu zu machen und dann hab ich am Ende immer das Problem, dass viel zu viele Tabs auf sind und der Browser in die Knie geht. Deswegen nun diese Rubrik um meinen Browser regelmässig zu erleichtern. Deswegen auch manchmal der latente Unzusammenhang.

- “Lügen wollen
Michalis Pantelouris ist so ziemlich die einzige, noch vernehmbare Stimme in Deutschland, die der überall stattfindenden Griechenland-Hetze noch etwas entgegen hält: Fakten. So nimmt er die aktuelle Bild-Titelgeschichte auseinander, die eigentlich nur zwei Schlüße zulässt: Entweder wissen die im Springer-Hochhaus nicht, wie man richtig recherchiert (bzw. liest) oder die agitieren bewusst gegen die Griechen. Ich bin unsicher, was ich schlimmer fände. Gehen tut beides nicht und die wären gut beraten, sich mindestens für die letzte, komplett auf Lügen basierende Geschichte, mal zu entschuldigen. DAS wären Eier in der Hose. Wir werden vermutlich lange drauf warten können.

- “Chabos wissen wer der Babo ist, nur die CSU nicht”
Ein junger, bayerischer Lokalpolitiker will die Jugendlichen erreichen und druckt unter sein Konterfei (das natürlich kreuzbrav abgellichtet wurde) das Zitat “Chabos wissen wer der Babo ist”, von Haftbefehls Überhit. Und macht sich damit ziemlich zum Nappes, als Rapper Haftbefehl das entdeckt und auf seiner FB-Seite postet. Wie man das alles einzuordnen hat, wie man diesen Teil von Rap verstehen muss - all das erklärt Hip-Hop-Realtalker Falk Schacht sehr schön in diesem Interview. Kann man dann auch mal Menschen geben, für die Rap immer noch unheimlich ist.

- “Mo po, mo problems”
Ein (freier) Journalist, der viel für die Hamburger MoPo schrieb, hat keinen Bock mehr, weil er deren Berichterstattung und Positionierung während der Hamburger Krisentage feat. Gefahrengebiet zum kotzen fand. Das argumentiert er ganz schön in einem offenen Brief - wobei, ganz grundsätzlich: Können alle eigentlich nur noch offene Briefe schreiben? - und bekommt in den Kommentaren drunter auch prompt eine etws komische Antwort. Interessant ist daran scheinbar tatsächlich, dass sich der Boulevard offenbar gar keine “linke” oder “soziale” Position mehr leisetn kann und zwar im absoluten Wortsinne. Anscheinend werden Druckerzeugnisse, sprich Tageszeitungen, am ehesten nur noch von einer bürgerlichen, konservativen Klientel gekauft. Um die reissen sich jetzt natürlich alle. Müsste man vielleicht mal etwas genauer beleuchten, als ich jetzt hier in zwei Sätzen. Sehr interessant auf jeden Fall.

- Eier trennen
Ich hasse Eier trennen. Und dann finde ich jedes Mal zufällig diesen Trick und denke: Ach, super! Ds muss ich beim nächsten Mal probieren! Und dann vergess ich es wieder und mache es wieder in der Schale und denke: Ich hasse Eier trennen. Wenn ich es einmal poste, vielleicht vergess ich es dann nicht mehr!


[YouTubeDirektDotterparty]

- “Der klassische Berlinale-Filmförderungs-Text
Jedes Jahr gibt es einen solchen Text. Zur Berlinale oder zum Filmpreis. Ich muss gestehen: Ich hab den hier jetzt erstmal nur quer gelesen, aber er wurde zum Beispiel auf Facebook von so vielen Schauspielern geteilt, dass ich mir ungefähr denken kann, was drin steht: Die sollen mehr deutsche Produktionen fördern, die sollen mehr fördern, alles soll gedreht werden, dafür sei sie schliesslich da, es wird immer nur das Falsche gefördert. So weit, so wie immer. Gerade bei Filmschaffenden sehe ich da sehr oft eine unangenehme eigene Haut-Mentalität. Förderung ist so lange Scheisse, wie IHRE Filme nicht gefördert werden. Oder zuletzt diese “Schauspielerin”, die beim Focus einen Text schrieb, dass das Dschungelcamp vor allem deshalb zu verachten sei, weil auf dem Sendeplatz ja auch einfach was (ihrer Meinung nach) gutes gezeigt werden könnte. Oh je. Das ist natürlich Sass-Level 3000. “Trash Produktionen nehmen meinen Edelfilmen die Sendeplätze weg!” Eine Art Branchenrassismus oder so. Jeder gegen jeden. Meine gewagte Prognose: Es wird sich nichts ändern. Aber zur nächsten Berlinale kommt wieder ein langer Text, wie scheisse doch alles sei.



Gedicht der alten Meckerfritzen

Selbstkritik?
Was soll der Dreck?
MfG,
der Matussek

Von Frankfurt (Main)
bis Frankfurt (Oder)
hasse ich alle.
Ihr H.M. Broder

Alt und Ernst
ist niemals Spass!
Nur ich hab Recht.
Gez. Sass.