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Die fünf besten, kölschen Lieder aller Zeiten (Endlich gute Musik - Outtake)

Ich habe ein Buch geschrieben. Das heisst “Endlich gute Musik”
und ist im Buchhandel erhältlich (wessen Buchladen um die Ecke unfreundliche Verkäufer hat, der kann es natürlich auch bei zum Beispiel Amazon bestellen, wenn er oder sie dem obigen (Partner-)Link folgt). In dem Buch geht es um Popmusik im weitesten Sinne und wie ich sie sehe, verstehe und wie sie mich geprägt hat. Dabei kommen die unterschiedlichsten Bands und Einflüsse vor, von Abba über Pantera bis Cure und N.W.A., um nur einige zu nennen. Nicht alle Texte, die ich für das Buch geschrieben hab, haben es auch in das Buch geschafft. Deswegen jetzt und hier sozusagen die Outtakes. Damit man ein leichtes Gefühl für das Buch bekommt und für die, die das Buch schon haben, als schönes Bonusmaterial. Wie gesagt: Der astreine Stoff ist nur im Buch selbst zu finden. Viel Spaß!


[YouTubeDirektBuchtrailer]

Kölsche Musik. Man muss nicht aus Köln kommen, um ihren besonderen Zauber zu verstehen. Aber man muss sich einen Kölner ansehen, wie er sie mitsingt um zu begreifen, was die mit einem Menschen machen können und um ihre herzzerreissende Schönheit zu verstehen. Am besten an Kölnern im Exil ausprobieren. Und Taschentücher bereit halten!

Platz 5
Et Trömmelche – De Räuber

„Denn wenn et Trömmelche jeit, dann stonn mer all parat und mir trecke durch die Stadt un jeder hätt jesaat: Kölle alaaf, alaaf! Kölle alaaf!“ Das ist das Gefühl „Karneval“ komplett auf den Punkt gebracht. Schon Tage vor den „tollen Tagen“ (sprich Weiberfastnacht bis Aschermittwoch) fiebert Köln dem großen Fest entgegen, in dem sich jung und alt vergnügen, das die Schwarte kracht. Das Angenehme dabei ist ja auch noch, das allen Versuchen zum Trotz, Karneval immer noch nicht DAS große Ausflugsziel junger Partytouristen geworden ist. Also ja, na klar, es gibt Karnevalstourismus (auch Rückwärts: Die Kölner, die über die Zeit aus der Stadt fliehen…), aber der ist immer noch in einem überschaubaren Rahmen. Vermutlich einfach deswegen, weil das ausserhalb Kölns kein Feiertag ist. Da liegt am Rosenmontag und an Weiberfastnacht einfach die halbe Stadt brach. Wir lieben eben unseren Karneval.
Nun durfte ich mir auch oft genug von ausserhalb anhören, dass das ja nur ein Sauffest sei und so viele Menschen und ihh und bah. Dazu muss ich sagen: Ich bin damit aufgewachsen, ich sehe das natürlich ein bisschen anders. Aber ich begreife Karneval eher als Chance: Die Chance, endlich einmal in die Kneipen zu gehen, in die ich da Jahr über sonst nicht gehe. Und der größte Spaß an Weiberfastnacht ist es in einer Gruppe Freunde verkleidet eine Kneipe zu „erobern“ in der nicht so viel los ist. Da hatte ich bislang den größten Spaß. Die Leute lieben es auf die Strasse zu rennen und gemeinsam zu feiern. Hach, man muss Karneval einfach lieben. Das ist wahre Völkerverständigung.

Platz 4
Winke Winke – De Höhner

„Winke Winke“ war das erste kölsche Lied, das ich mitsingen konnte. Schon alleine deshalb gebührt ihm hier natürlich ein Ehrenplatz. Ich bin ja zwar im Kölner Grossraum aufgewachsen (im schönen Wesseling), aber bei uns zu Hause wurde kein Kölsch gesprochen. Insofern war das schon wichtig und toll, auch endlich etwas in dem Dialekt zu können. War natürlich nur der Refrain, aber das ist ja erstmal egal. „Winke, winke, winke, isch jonn eine drinke, drinke, drinke! Ein, zwei Bier, dann komm ich widder heim!“ Die genaue Bedeutung war mir im zarten Alter von Acht auch noch nicht klar, geschweige denn, das ich den Text verstehen konnte.
Über zwanzig Jahre später: Ich war mittlerweile ein großer Liebhaber des kölschen Liedgutes. Vor allem diese ganzen Songs aus den siebziger Jahren haben es mir angetan, allen voran natürlich die Bläck Fööss. Aber auch alte Höhnerlieder waren toll. Nun habe ich mich mit zwei Freunden zusammen getan und wir haben eine Band gegründet namens „Stussdämpfer“ und hatten ein Lied geschrieben, welches „De Mülltüüt“ hiess und als Demo aufgenommen. Wir wollten einfach mal wieder ein kölsches Lied machen, das so instrumentiert ist, wie die alten Nummern und keine durchgehende 4totheFloor-Bassdrum hat, wie dieser ganze neue Schlagerrotz, der immer über die kölsche Musik hereinbricht. Der EMI, eigentlich DIE kölner Plattenfirma, gefiel das total gut und wir machten zusammen eine Single daraus. Ich würde auf Sitzungen spielen! Im Karneval! Und wir haben der Plattenfirma sogar noch eigene Stussdämpfer-Schnäpse als Promotool aus den Rippen geleiert! Wie toll das war, denn selbst wenn es kein Erfolg würde (und das wurde es nicht): Ich hatte ein kölsches Lied veröffentlicht. Ich war ein Teil, der Kölner Liedkultur. Mehr wollte ich doch gar nicht.

Unsere Plattenfirma wollte uns noch ein bisschen mehr promoten und darum gab es folgenden Plan: Der Express, DIE Kölner Boulevardzeitung, machte einen Wettbewerb, zusammen mit den Höhnern: „Kölle sucht das Superhohn“. Ja, der hiess wirklich so. Und wir sollten da mitmachen, weil das gute Presse wäre. Zu Anfang sollte sich jeder ein Lied der Höhner aussuchen und für die performen. Und da schliesst sich der Kreis natürlich wieder, denn was hab ich mir ausgesucht: „Winke Winke“.

Um das Lied einzustudieren hab ich mich natürlich zum ersten Mal genauer damit auseinandergesetzt und war ganz verzückt: Es beginnt wie ein Lied über einen typischen Hausmann, der seine Frau alleine zu Hause sitzen lässt, weil er ein Bier trinken will und die Frau ihn ein bisschen nervt. Dann aber dreht die Frau das Lied plötzlich um und geht selber einen trinken und zwar ausdrücklich ohne ihren Mann. Der ist ganz verdattert. Und versteht die Welt nicht mehr. Herrlich. Kölsche Emanzipation. Schon immer so en passant erledigt.

Wir haben das dann auch unplugged, nur mit einer Akkustikgitarre vor den Höhnern vorgetragen, aber sind nicht weitergekommen. Da waren wohl Andere, die das mehr wollten. Aber ey: Ich hab denen ihr eigenes Lied vorgespielt, das meine Initialzündung war. Man kann sagen: Was kölsche Musik betrifft hab ich in der Session so ziemlich alles erreicht, was ich erreichen wollte. Winke, winke!

Platz 3
Ich han nen Deckel – Bläck Fööss

Wenn man in Köln lebt, dann hat man irgendwann schon ein gewisses Stillstand-Gefühl. Die Stadt ist so klein, jeder kennt jeden und schnell denkt man, das alle Möglichkeiten etwas anzustellen ausgeschöpft sind und beginnt Däumchen zu drehen. Das liegt natürlich auch daran, das Köln relativ überschaubar ist. Eine kleine Stadt in der sich mehr oder weniger wirklich alles zu Fuß machen lässt. Und irgendwie führt ja auch alles immer auf den Dom zu. Aber das wird einem natürlich auch irgendwann zu eng. Es fühlt sich an, als gäbe es keine Entfaltungsmöglichkeiten mehr. Als hätte jeder schon mal aufgelegt, gelesen, getan und gemacht. Und dann zieht es einen weg. Oder zumindest mich. Und so bin ich über viele Umwege in Berlin gelandet. Und ich mag Berlin, vor allem im Sommer. Berlin, mit seinen riesigen Strassen, hat ein irrsinniges Freiheitsgefühl. Hier kann jeder rumlaufen, wie er oder sie will. In Berlin gibt es keine zu kleinen Strassen, man kann hier sieben Tage die Woche ausgehen und trotzdem jeden Abend auf komplett neue Leute treffen. Man kann sogar sieben verschiedene Freundeskreise haben, die sich kein bisschen überschneiden. Das geht nur in einer großen Stadt. Und Berlin ist die einzige, wirkliche Großstadt in Deutschland.

Was man dabei aber gerne mal übersieht: So kölsche Lieder und die ganze Kultur, das prägt natürlich auch ungemein. Und wenn man dann mal weg aus der Heimat ist, dann fällt einem das ganz besonders auf. Plötzlich rümpfen die Leute die Nase, wenn man mal vom Karneval erzählt. Gucken einen an, als spräche man Mandarin, wenn man kölsche Lieder singt oder erzählen etwas über angebliche „Reagenzgläser“, wenn man über sein Lieblingsbier aus der Heimat referiert. Das kuschelige, kölsche „Man kennt sich“, weicht einem „Sprich mich bloss nicht an!“ und Rücksicht aufeinander ist plötzlich ein Fremdwort.

Nun war Berlin ja schon immer beliebt, hat aber, denke ich, durch den Mauerfall noch mal an Popularität dazu gewonnen. Ist dann irgendwie doch einfacher zu erreichen. Junge Menschen leben heute gerne in Berlin. Und jetzt kommts:

Auf der Platte „Mer han nen Deckel“ aus dem Jahre 1978 haben die Fööss ein Lied gesungen, in dem ein Mann zum arbeiten nach Berlin ziehen muss. Weil da die besseren Jobs sind und alles besser ist und größer und wilder. Ausserdem, so heisst es in dem Song, wurde ihm gesagt: „Komm her zu uns. Berlin ist in!“. Ist das nicht unglaublich, das man dieses Lied 35 Jahre später immer noch (oder wieder?) genauso unterschreiben kann? Der Text handelt dann auch davon, Köln in der Fremde zu vermissen. Auch wenn es einem in der Fremde gut geht und man glücklich ist und Freunde hat und alles: Wenn ein Kölner aus Köln raus muss, dann fehlt ihm immer was. Eben Köln. Und deswegen hat der Protagonist des Lieds in seiner Stammkneipe in Köln, „Beim Strohze Jupp“, auch immer noch einen Deckel liegen. Damit er immer zurück kann und muss. Was für ein wundervolles Bild ist das bitte schön, in so einer zarten und schönen Country-Ballade. Mit einer ganz wunderschönen Mundharmonika. Das beste Mittel gegen Heimweh ist eben total superpathetisches Heimweh.

Platz 2
En unserm Veedel/Drink doch eine met – Bläck Fööss

Warum zwei Lieder auf Platz zwei? Irgendwie gehören diese beiden Nummern fest zusammen. Ein Kölner, der eines der Lieder hört, wird sofort auch das jeweils Andere hören wollen, beziehungsweise gleich im Ohr haben. Es handelt sich um die zwei größten Hymnen, die es in Köln gibt. Die Lieder, die es bislang am Besten geschafft haben, dieses sehr spezielle kölsche Lebensgefühl (das für die Kölner alles ist) zu artikulieren. „En unserem Veedel“ handelt dabei vom Zusammenhalt in der Nachbarschaft. Man trifft sich auf der Strasse, in der Kneipe und wenn es einem schlecht geht, ist sofort jemand da, der irgendwie verarzten kann. Ausserdem ist das ein so starkes Band, zwischen den Bewohnern eines Viertels, das kann niemals durchschnitten werden. „Wat auch passeet, dat eine, dat is klar: Et schönste wat mir han, schon all die lange Johr: Es unser Veedel! Denn he, hält mir zesamme! Ejal, wat auch passeet…in unserm Veedel…“

Da scheint auch ein bisschen Widerstand durch. Das ist wohl auch durch die Zeit begründet und ein Thema, dass die Fööss auch mindestens in noch einem anderen Lied („Et Südstadt-Leed (Karolinerring)“ aufgegriffen haben. Die Angst aus der Innenstadt vertrieben zu werden, weil alles neu gebaut wird und umgebaut. Alles im Namen des „Fortschritts“, weil dann da ein neuer, unpersönlicher Supermarkt oder so hinkommt, während die homogen gewachsene „Community“ an den Stadtrand verdrängt wird. Das war eine große Sorge, das heutige Stadtbild Kölns beweist ja auch, dass die vielleicht nicht ganz unbegründet war. Sensibel wurde da nichts geplant. Eher mit der groben Nadel gestrickt. Aber das ist ja eigentlich bis heute so. Man muss sich seine Stadt eben schön singen. Dann geht das.

Das zweite Lied stösst in ein ähnliches Horn, kümmert sich aber mehr um das „kümmern“. „Drink doch eine met“ handelt oberflächlich gesehen von einem Typen, der vor einer Kneipe rumhängt, aber leider keine Kohle in der Tasche hat, um auch ein Bier zu trinken. Und der wird einfach eingeladen. Ohne wenn und aber. Man kann doch keinen durstigen Mann vor einer Kneipe stehen lassen. Irgendwer wird die paar Kölsch schon noch bezahlen und seien es alle zusammen. Natürlich bedeutet das nicht, das in Köln niemand sein Bier bezahlt oder das man da überall frei trinken kann, wenn man sich nur lange genug vor irgendeine Tür stellt. Aber es bedeutet, dass man in dieser Stadt aufeinander achtet. Der Mann vor der Kneipe ist auch noch alt, vermutlich hat er nicht so viel Geld, er zählt es immer wieder und wieder, aber es reicht einfach nicht. Während da drinnen die Post abgeht, muss er wohl wieder nach Hause. Und da kommt einer aus und drückt ihm ein Bier in die Hand. Und tatsächlich: So etwas kann einem in Köln durchaus passieren. Man trinkt halt nicht gern allein und wen jemand alleine ist und offensichtlich keinen Anschluss findet, dann nimmt sich der Kölner in der Regel doch ein Herz und versucht, denjenigen mit einzubeziehen. Das kenne ich so aus anderen Städten ehrlich gesagt nicht. Nicht Berlin, nicht München, nicht Hamburg. Aber Kölle. Und jeder Kölsche hat bei diesem Lied laut gröhlend einen Kloss im Hals. Wir können da nicht groß anders.

Wichtiger Hinweis zum Lied: Die Fööss selbst haben sich das Lied in den 90ern kaputt gemacht, indem sie einen Wolfgang Petry-ähnlichen Chor etabliert haben, der die Zeile „Du steijst he die janze Zick eröm…“ mit einem „Zick! Zick! Zick eröm!“-Echo abschliesst – Musikliebhaber und Menschen, die dem Lied das tiefe Gefühl, das es eigentlich hat, erhalten wollen, werden tunlichst gebeten von diesem Ausruf Abstand zu nehmen…Ich bin kein krampfhafter Realkeeper, aber das ist wirklich nur Gaga und ein Schlag in die Fresse des Originals…

Platz 1
En dr Kayjass - Drei Laachduve

Karneval ist ein Fest der Gemeinsamkeit. Selbst wenn man alleine losziehen würde (was ich nicht empfehle, weil das nur der halbe Spaß ist), würde man nicht lange alleine bleiben. Die Menschen grüßen einander, kommen überall ins Gespräch. Es wird geprostet, getrunken, geschunkelt und gelacht. Nun bin ich viele Jahre immer mit meinem Bruder losgezogen, wenigstens einen Tag. Und der hat immer seine Ukulele mitgenommen. Und da haben wir, wo wir standen und gingen, immer einen totalen Klassiker kölschen Liedguts angestimmt, „Die Kayjass“.

Ich hab keine Ahnung, wie so ein Lied überhaupt entstehen konnte. Es geht im Grunde genommen um einen Leher und seine Methoden. Es geht vielleicht um ein „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“-Gefühl. Ganz sicher geht es aber um ein kölsches , sehr eigenes Laissez-faire. In den Strophen dieses Lieds ist eine Gruppe von Männern unterwegs, die erst ihren Unterricht beschreiben, dann die Streiche, die sie spielen und am Ende auch noch Vater werden sollen. Zumindest einer von ihnen soll der Vater sein (was im Umkehrschluss auf eine ziemliche polyamouröse Beziehung aller zueinander hinweist…). Und ihre Antwort auf alles ist der Refrain des Lieds:

„Dreimol Null is Null bliev Null, denn mir woren in dr Kayjass op dr Schull!“

Was für eine Lebensphilosophie. Wie sehr man sich auch anstrengt, rumrechnet, auf den Kopf stellt: Dreimal Null ist Null und wird immer Null bleiben. Egal was passiert. Manche Sachen sind wie sie sind, also kein Grund zur Aufregung. Auch wenn der Schutzmann wissen will, wer die Scheibe kaputt gemacht hat oder die Marie wissen will, wer jetzt genau der Vater des Kindes ist, das sie erwartet: Dreimal Null ist Null und bleibt Null.

Kann man es noch geiler auf den Punkt bringen?



Papa, Perry, Pop

Musik, Musik, Musik. Man möchte dem Kind natürlich den bestmöglichen Musikgeschmack der Welt mit auf den Weg geben und welcher andere könnte das sein, ausser der Eigene? Eben.

So versuche ich natürlich meinem Töchterchen immer wieder Lieder mit auf den Weg zu geben, die ich toll finde. Und meistens klappt das auch ganz gut. Sie hingegen findet natürlich ihren eigenen Weg im Dschungel Pop und steht auch auf so aktuelle Acts wie One Direction oder Taylor Swift. Oder eben Katy Perry.

“Seelenloser Popmüll!”, höre ich die Pink Floyd-Fraktion schon maulen, aber das ist in Ordnung. Für die ist Perry ja auch nicht da. Allerdings muss ich als Erziehungsberechtigter sagen, dass mir im momentanen Bravo-Zirkus Katy Perry mit am meisten gefällt und das nicht nur musikalisch, sondern auch als Role Model, was ja eine zentrale Funktion von Teeniestars ist. Perry steht für ein selbstbewusstes Leck-mich-am-Zuckerpo und bringt eine gewisse Kraft mit auf die Bühne. Natürlich verkörpert sie auch Sehnsucht und “auch mal Schwach sein”, aber im Vergleich kann es einen durchaus schlimmer treffen. Also, was das Fandom des Nachwuchs betrifft. Da finde ich zum Beispiel Rihanna schon deutlich problematischer. Weil Perrys Popkosmos immer auch Doppeldeutigkeiten hat, immer einen doppelten Boden. Während die jüngeren die Candyworld toll finden, wissen die älteren was damit auch gemeint sein “kann”. Ein bisschen wie die Simpsons. Nur eben als Musikact. Bei Rihannas “S&M” gibt es zum Beispiel keine zwei Sichtweisen und wer einem neugierigen Kind dann erklären soll, was die da singt, dem wünsche ich viel Vergnügen (also, nicht dass das nicht möglich wäre, das kann man vermutlich sogar ganz witzig erklären - aber nachsingen im Kinderzimmer müssen sie es ja dann trotzdem nicht unbedingt…).

Nun ist Töchterchen eben Perry Fan und diese hat, wie es vermutlich im Marketing Plan eines jeden weiblichen Solo-Pop-Acts fest vorgesehen ist, nun ein Parfum veröffentlicht. Benannt nach einem Queen Song (ich sag jetzt nicht welchem, aber wer auf “Fat Bottomed Girls” tippt, sollte mal seinen Charme nachjustieren). Und im Rahmen dessen war der Star auch in Berlin und kündigte an, zu seiner großen Duftpremiere an den Kudamm zu kommen und den Fans zu winken. Ab dem Tag, als Töchterchen dies erfuhr, war die Aufregung groß. KATY PERRY KOMMT NACH BERLIN!

Ich habe sofort alle möglichen und unmöglichen Hebel in Bewegung gesetzt, um vielleicht ein ganz kurzes Treffen für ein Foto zu ermöglichen, aber nichts hat funktioniert. Ich hab unzählige Bettelmails geschrieben, zum Teil an Menschen, die ich gar nicht kannte, weil ich über 27 Ecken irgendeine Emailadresse bekommen habe, von jemand, der mir weiterhelfen können sollte. Verschiedene Freunde und Bekannte haben ihre Hilfe angeboten und ebenfalls Mails geschrieben und rumgefragt. Aber es war nichts zu machen: Katy Perry zu treffen ist offensichtlich komplizierter als eine Audienz beim Papst zu bekommen.

Aber das ist natürlich auch vollkommen in Ordnung. Ich habe die Kleine von Anfang an darauf vorbereitet, dass ich zwar alles versuchen werde, aber dass es vermutlich nicht klappen wird und wir uns dann eben am Kudamm vor den Laden stellen und warten müssen, bis die Diva kommt. Und genau das haben wir dann auch getan. Wir standen da mit ganz vielen Schaulustigen und haben gewartet und uns die Beine in den Bauch gestanden. Am roten Teppich war ein Moderator, der dazu engagiert war die Fans und die Wartenden bei Laune zu halten. Mir hat er ehrlich gesagt die Laune verdorben, weil er immer irgendwelche Zeiten gelogen hat (”Gleich kommt sie!”, “In fünf Minuten kommt sie aber wirklich!”, “Jetzt wird sie aber in circa zehn Minuten da sein!”, “Nur noch zwei Minuten!”, “Jetzt sind es ganz ehrlich wahrscheinlich nur noch fünf Minuten!”, “Sie muss jeden Augenblick da sein!” usw.), was gar nicht Not tat. Und er war Null an Perry interessiert, konnte nicht mal Begeisterung heucheln. Der hat halt sein Programm da runtergespult, das sich alle fünf Minuten wiederholte. Könnte man auch inspirierter machen, vor allem besser. War den meisten Fans aber vermutlich eh egal. Mich ärgert schlechtes moderieren nur immer, aber das ist natürlich auch Berufskrankheit.

Ich hab Töchterchen dann immer wieder auf die Schultern genommen, wenn etwas zu passieren schien. Und ich hab eine Fastschlägerei in der Menge, ziemlich genau vor uns beobachtet. Aus dem Laden über uns blickte mich ein Fotograf mitleidig an. Anscheinend sah man mir an, dass ich nicht unbedingt wegen Katy Perry da war und mir etwas aufregenderes hätte vorstellen können. Über eine Stunde nach der angesagten Ankunftszeit kam sie dann aber endlich irgendwann auf einem Motorrad angerauscht, flankiert von irgendwelchen Hells Angels oder Banditos oder Motorradkomparsen. Ich nahm Töchterchen auf die Schultern und sah überhaupt nichts mehr, sondern musste aufpassen, von der hin und her springenden Masse nicht umgeworfen zu werden. Perry lief einen großen Bogen, war dann auf der anderen Seite. Töchterchen blickte ihr verzweifelt hinterher. Dann kam der Star über den roten Teppich auf die exakt andere Seite hinter uns. Ich nahm meine Kleine so schnell wie möglich auf meine Schultern und stellte mich so nah wie möglich in eine Lücke bei den Wartenden. Und somit trennte uns quasi nur mehr eine Menschenreihe von der Fireworks-Sängerin.

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Töchterchen auf der Schulter war mit fotografieren und “KATY!!!!”-Rufen beschäftigt, während ich die Position hielt. Da der Popstar sehr langsam am Zaun entlagging, befürchtete ich noch lange so stehen zu müssen. Nun ist meine Tochter schon 12 Jahre alt und kein Kleinkind mehr, das man mal eben easy ein paar Stunden auf den Schultern trägt. Aber plötzlich war mit einem ganz ruhigen: “Lässt du mich bitte runter, Papa?” mein Workout beendet. “Ich will gehen.”

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Die Stimmung war nun sehr gedämpft. Warum sie denn traurig sei, wollte ich wissen. Sie konnte es mir nicht sagen, wusste es selber nicht. Oder konnte es vielleicht nicht artikulieren. Seinem Star, seinem Idol so nah zu sein, räumlich, aber trotzdem nicht ranzukommen, auf einer anderen Ebene…ich kenne das Gefühl. So oder so ähnlich hab selbst ich das heute noch, wenn ich Stars treffe, die mir etwas bedeuten. Und so hab ich mein tolles Mädchen ganz fest an mich gedrückt und getan, was jeder in meiner Situation getan hätte: Ins Hard Rock Cafe gehen und einen großen, leckeren, alkoholfreien Supercocktail als Trost bestellen. Und Simsalabim verwandelte sich die traurige Erkenntnis in ein tolles Fast-Treffen.

Manchmal ist es so einfach.

P.S.: Als Ausgleich und Beweis, wie sehr ich selber zum kleinen Teeniefan werde, in vergleichbaren Situationen: Ich mit meinem absoluten Herz- und Lieblingsschriftsteller Dave Eggers auf einer Lesung von ihm im Frühjahr:

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Fansein ist total super.



Das nacherzählte Lied: “Operator (That´s not the way it feels)” von Jim Croce (Endlich Gute Musik - Outtake)

Ich habe ein Buch geschrieben. Das heisst “Endlich gute Musik”
und ist im Buchhandel erhältlich (wessen Buchladen um die Ecke unfreundliche Verkäufer hat, der kann es natürlich auch bei zum Beispiel Amazon bestellen, wenn er oder sie dem obigen (Partner-)Link folgt). In dem Buch geht es um Popmusik im weitesten Sinne und wie ich sie sehe, verstehe und wie sie mich geprägt hat. Dabei kommen die unterschiedlichsten Bands und Einflüsse vor, von Abba über Pantera bis Cure und N.W.A., um nur einige zu nennen. Nicht alle Texte, die ich für das Buch geschrieben hab, haben es auch in das Buch geschafft. Deswegen jetzt und hier sozusagen die Outtakes. Damit man ein leichtes Gefühl für das Buch bekommt und für die, die das Buch schon haben, als schönes Bonusmaterial. Wie gesagt: Der astreine Stoff ist nur im Buch selbst zu finden. Viel Spaß!


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Manche Lieder erzählen mit wenigen Worten sehr komplexe, dramatische und tolle Geschichten. Ich versuche diese Geschichten einmal nachzuerzählen. Ohne Versmaß und Reimzwang. Oder anders gesagt: Das hier stelle ich mir vor und fühle ich, wenn ich diese Lieblingslieder höre:

Hallo? Ja, hallo? Vermittlung? Ah, gut. Könnten sie mich bitte verbinden? Ach wissen sie, eigentlich hätte ich ja selber die Nummer gewählt, aber die ist schon alt und so verblasst, hier in diesem Streichholzbriefchen, dewegen wende ich mich an sie. Die Dame, die ich anrufen möchte, lebt in Los Angeles, zusammen mit meinem ehemaligen besten Freund, Ray. Ha, da fällt mir wieder ein, wie sie immer sagte, dass sie ihn wirklich gut kennt und den sie manchmal einfach nur gehasst hat, was ich mir immer nie so richtig erklären konnte. Aber jetzt hab ich wohl die Antwort bekommen, was?

Aber, so läuft es eben, oder? Ach, ich nerve sie vermutlich nur mit meinem Gejammer. Geben sie mir einfach die Nummer, wenn sie sie finden und gut ist. Dann kann ich da anrufen und denen sagen, das bei mir alles cool ist und damit beweisen, das ich längst drüber hinweg bin und so. Ach, ich würd mir so gern sagen können, dass das alles nicht wahr ist, aber so fühlt es sich einfach nicht an, egal was ich mache.

Hallo? Vermittlung? Ja, hallo? Sorry, ich war kurz etwas abgelenkt. Ähm, wenn sie mir die Nummer vielleicht noch mal durchgeben könnten, das wäre super. Oder mich am besten gleich verbinden? Ginge das? Ich kann die Nummer nicht lesen, die sie mir gerade gegeben haben, ich hab da irgendwas im Auge, ganz komisch. Passiert mir gerade andauernd, vor allem wenn ich an die Liebe denke, von der ich dachte, dass sie mich retten würde. Retten vor dieser traurigen, traurigen Welt. Ja, geradezu erlösen!

Aber, so läuft es eben, oder? Ach, ich nerve sie vermutlich nur mit meinem Gejammer. Geben sie mir einfach die Nummer, wenn sie sie finden und gut ist. Dann kann ich da anrufen und denen sagen, das bei mir alles cool ist und damit beweisen, das ich längst drüber hinweg bin und so. Ach, ich würd mir so gern einreden können, dass das alles nicht wahr ist, aber so fühlt es sich einfach nicht an, egal was ich mache.

Ähm, Vermittlung? Ja, Hallo? Immer noch ich. Ja, wissen sie, ich habs mir anders überlegt. Vergessen sie es einfach mit meinem Anruf und so, da ist eigentlich niemand mit dem ich wirklich reden will, verstehen sie? Was soll das denn groß bringen? Ist doch total sinnlos. Vielen Dank für ihre Zeit, sie waren wirklich sehr nett und geduldig, während ich sie hier mit meinen Problemem zugesülzt hab, dass hat sie sicher keinen Deut interessiert. Behalten sie einfach die Vermittlungsgebühr. Ist für sie. Danke noch mal! Für alles.

Aber, so läuft es eben, oder? Ach, ich nerve sie vermutlich nur mit meinem Gejammer. Geben sie mir einfach die Nummer, wenn sie sie finden und gut ist. Dann kann ich da anrufen und denen sagen, das bei mir alles cool ist und damit beweisen, das ich längst drüber hinweg bin und so. Ach, ich würd mir so gern sagen können, dass das alles nicht wahr ist, aber so fühlt es sich einfach nicht an, egal was ich mache.

Musik zum Text:

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Der Wählomat in meinem Kopf

Heiße Wahlkampfzeit!

Und dabei geht es mir wie so vielen anderen auch: Ich hab keine wirklich Ahnung, wen man wählen soll. Also, so eine ungefähre, die hab ich, aber ob die richtig ist…das weiß ich wirklich nicht.

Was will ich eigentlich: Ich will zum Beispiel Merkel nicht mehr als Kanzlerin haben. Ich fühle mich von Angela Merkel in keinster Weise repräsentiert. Im Gegenteil: Ich haben das Gefühl, das Land, das ich mir vorstelle, ist nicht ihres. Ich habe das Gefühl, sie möchte Bestehendes verwalten und alles soll so (ruhig) bleiben wie es ist. Für alles, wovon sie meint keine Ahnung zu haben, holt sie sich Fachleute, die dann aber nach meinem Gefühl ebenso keine Ahnung haben (Aigner, Schröder, Friedrichs). Ich kann hier nur bewerten, was von der Politik, von diesen Leuten ausgehend, bei mir ankommt und das finde ich jedes Mal schlimm. Deswegen soll die CDU weg da. Die steht mir in der Sonne. Die besteht aus Leuten, die im Bundestag sitzen um sich den Arsch vergolden zu lassen. Deswegen machen die auch nix, was Lobbyismus und Bestechung von Abgeordneten betrifft und ganz viel, was Diätenerhöhung und Bevorteilung betrifft (siehe CSU und “Verwandtenbeschäftigung”). Und das finde ich höchst ekelig und unmoralisch. Auch wenn ich Merkel da explizit rausnehme, ich glaube die kotzt auch wenn sie wieder so etwas aus den eigenen Reihen hört. Aber das ist halt auch einfach der Geist der Union: “Heiliger St. Florian, verschon mein Haus, zünd andre an.” Und diese Stimmung verbreiten die dann eben auch in der Gesellschaft. Deswegen kriegen die so viele Stimmen, deswegen werden die gewählt. Weil der Gedanke ist: “Wenn ich CDU wähle, behalte ich mein ganzes Geld für mich alleine. Fick die Anderen.” Und das kotzt mich an.

“Ja, ja! Dann wähl doch die Kommunisten!”, höre ich eifrige Jung-Unioner schon keifen, nachdem sie aus dem Einkaufszentrum und ihrem atemberaubenden Flashmob wieder nach Hause gefunden haben. Aber ganz so einfach ist es nicht. Ich habe tatsächlich eine Zeit lang geglaubt, ich müsste die Linke wählen. Weil die für gerechte Umverteilung sind, ohne wenn und aber. Weil die glauben, das nur Gleichheit eine gerechte Gesellschaft schafft. Und es gibt an dem Grundgedanken ja natürlich auch interessante Aspekte. Und ich mag Gysi. Klar. Wer nicht?

Aber Gysi ist nicht die Linke und es gibt in der Partei noch so einen unfassbar dämlich-verbohrten Alt-Kader, der immernoch der DDR hinterherheult und den ich einfach nicht ernst nehmen kann. Ausserdem habe ich oft genug den Eindruck, man könne sich auch dort nur seltenst zu Klartext durchringen, weil man sich eigentlich immer nach alle Richtungen absichern will. Und ganz schlimm treten die meiner Meinung nach immer dann in Erscheinung, wenn da irgendwo ein Posten neu besetzt werden muss. Dann geht nämlich immer das Macht-Gerangel los, in seinen häßlichst schillernden Farben und beweist: Wenn es um Pöstchen und Macht geht, dann ist es mit dem teilen auch nicht mehr weit her. Bäh. Nervt. Weiter gehen.

Die Grünen. Jahrelang meine Wahl. Aber die verlieren langsam die Themen. Atomausstieg sollte noch schneller gehen. Jo. Nicht so der Bringer. Gerade beim Boom von Ökomärkten und dem dazugehörigen Bewusstsein kommen die Grünen eben nicht in der Mitte an, sondern, eigentlich logisch, lösen sich langsam auf. Klar, es gibt noch viele Baustellen, wo man die braucht, aber jetzt mal so ganz nur vom Namen her…da haben die so viel erreicht, da weiß man gar nicht mehr, was man noch mit denen machen soll, denn ohne Umweltschutz und so macht es eh keine Partei mehr. Heißt: Die Grünen setzen nur noch auf ihre andere Kernkompetenz und das ist “sich unbeliebt machen”. Anti-Raucher-Gesetz in NRW, Veggie Day in deutschen Kantinen und Spitzensteuersatz nicht ausreichend definieren - kommt alles erwartungsgemäss Scheisse an in der breiten Bevölkerung. Nichts davon ist schlecht, aber man braucht halt Strahlkraft, das richtig zu kommunizieren. Göring-Eckardt mag ich persönlich sehr. Aber ist eine beruhigende Natur. Trittin. Nun. Der ist eben Trittin. So charismatisch wie ein trockenes Brötchen in einer Kiste Sand, in der Wüste, auf einem Stapel Bewerbungen von Sozial-Fachangestellten aus Hannover. Den will nun mal wirklich niemand wählen, viel zu Kontrolletti. Da hat sich die Partei mit ihrer letzten Wahl schön selbst massakriert. Roth, egal was man von ihr hält, ist einfach unersetzlich. So jemand fehlt da an der Spitze.

Ob ich die deswegen nicht mehr wähle? Nö. Wie gesagt, ich mag Göring-Eckardt. Aber ich nehme der Partei übel, auf Landesebene mit der CDU koaliert zu haben. Das habe ich als Wähler als allergrößten Verrat (ich weiß: Großes und pathetisches Wort, aber hier empfand ich es so…) empfunden. So als würde ich von den Grünen nicht ernst genommen und ausgelacht und so als hätten die gar keine Grundsätze mehr, sondern wollen nur Macht, Macht und Macht. “Aber das ist doch gut, wenn deine Lieblingspartei Macht bekommt!”, hörte ich ein paar Mal. Jein. Nicht um jeden Preis. Nicht um sich als Junior Partner der Partei am Gängelband halten zu lassen, die das exakte Gegenteil der Grünen ist. Nun war das Landesebene, aber von der Bundesebene kam mir da viel zu wenig Kritik. Die schienen das mitzutragen. Und das hat mir das Herz gebrochen. Wirklich. Da war mir klar: Kann ich (erstmal) nicht mehr wählen. Nicht meine Partei. Und das Messer aus meinem Rücken können sie auch gerne wiederhaben. Ich war offensichtlich recht enttäuscht.

FDP. Ja, genau. Muss man nicht viel zu sagen. Meinen ehrlichsten und aufrichtigsten Dank an Sabine Leutheuser-Schnarrenberger, die in ihrer Amtszeit die schlimmsten Dinge verhindert hat. Als kompetente Politikerin, die sie ist. Und vermutlich einzige übriggebliebene Liberale in ihrer ganzen Partei. Wobei: Auch Westerwelle hat, nach seinem Rückzug, mehr zu sich gefunden. Der könnte, eventuell, sogar noch ein guter Alt-Liberaler werden. Aber der ganze übrige Karrieristen-Dreck, der die Partei bevölkert. Uah. Da wird mir irrsinnig schlecht. Rösler, der Diekmann in den Arm fällt, wie ein kleiner Schuljunge und Brüderle, der sich einfach immer zurückzieht, wenn es brenzlig wird und sich ansonsten wie ein gemütlicher, alter Mann aus dem letzten Jahrhundert präsentiert. Schlimm. “Sie könnten aber auch ein Dirndl ausfüllen!” ist kein jovialer Spruch, das ist sabbernde, notgeile Ekelpisse, die man auch für sich behalten könnte. Ich will nicht wissen, wieviele lustig gemeinte “Klapse” der schon verteilt hat. Ich möchte nicht das so jemand irgendeine Regierungsverantwortung übernimmt, der nicht mal Verantwortung für sich selber übernimmt. Den soll man mit einer Märklin-Eisenbahn in irgendeinem Keller einschliessen, noch einen Stapel Praline-Hefte dazu und fertig ist. Da kann er dann seinen Traum einer sich seit den 70ern nicht weiterentwickelten Gesellschaft leben. Aber das müssen wir uns doch nicht mit ansehen. Bah.

Kleinstparteien wie AfD, Piraten oder so was kommen für mich nicht in Frage. Diese Wahl entscheidet über wichtigeres. Es geht um realistische Koalitionen und Machtoptionen. Da kann ich die Stimme nicht an “Sonstige” vergeben, so leid es mir tut. Naja. Nicht so leid. Ich hab da eh keine Partei, mit der ich was anfangen kann.

Der geneigte, polit-interessierte Leser wird gemerkt haben, dass da eine Truppe fehlt: Die SPD.

Meine Güte, was kann ich über diese Partei abkotzen. Vor allem wenn es eng wird, scheint da nicht mehr die Vernunft zu reagieren, sondern nur noch der Wille zur schnellen Reaktion. Was ja schon immer der BESTE Berater war. Not. Dazu dieses Personal: Andrea Nahles ist eine unerträgliche Klugscheisserin, bei der man exakt weiß, was für ein Typ die in der Schule war. Gabriel torpediert den eigenen Wahlkampf. Auch superschlau. Rot-Rot-Grün kategorisch auszuschliessen, nur weil der Gegner das seit Jahren als Schreckensgespenst an die Wand malt, zeugt auch nicht gerade von Rückgrat (jaja, DESWEGEN lehnt die SPD das ja nicht ab, genau, deine Mudder). Und davon abgesehen: Zurückballern mit einem: “Wenn die FDP abkackt, zieht die Union sofort mit der AfD in den Bundestag, ohne mit der Wimper zu zucken…”, könnte man auch mal machen. Stimmt nämlich bestimmt auch. Also, mindestens so sehr, wie für manche Union-Nasen die “roten Socken” schon beschlossene Sache zu sein scheinen.

Die SPD hat leider noch keine Leutheuser-Schnarrenberger in ihren Reihen, also jemand, der sich mit Netzpolitik ein bisschen auskennt, deswegen hat sie auch die Vorratsdatenspeicherung (mehr oder weniger) abgenickt. Sie beugt sich immer noch doofem Fraktionszwang und so wie ich das sehe, ist Sarrazin nachwievor SPDler. Ausserdem holte sie sich Griechenland-Hetzer als Wahlkampfverstärkung (und sorgte somit für den Austritt eines meiner Lieblingsmitglieder). Diese Partei kann mit Gegenwind nur extrem schlecht umgehen und wird sich vermutlich in der kommenden Regierung als Partner einer großen Koalition andienen, was vielleicht noch das Beste ist, weil das absoluten politischen Stillstand bedeutet und dann kann wenigstens keiner was kaputt machen.

Ich bin auch kein Steinbrück-Fan. Aber je öfter ich den sehe, muss ich zugeben, umso mehr kann ich mir den als Kanzler vorstellen. Also, jetzt ganz uninhaltlich gesehen. Ich muss mir so einen Menschen auch als Repräsentant vorstellen können. Und das kann ich bei dem. Ich kann mir vorstellen, wie der ausserhalb des Protokolls auch agieren kann. Ja, der wirkt immer etwas hüftsteif, aber mehr “Brett im Jackett” als Merkel geht ja kaum noch. Dagegen ist Steinbrück ja locker wie Pulverschnee. Ich fand auch den “Stinkefinger” korrekt. Mit so viel sinnloser Scheiße, mit der er sich seit Bekanntgabe seiner Kandidatur bewerfen lassen musste: Eine mehr als verständliche und gerechtfertigte Geste. Ja, man muss auch was aushalten, klaro. Aber man muss sich nicht alles gefallen lassen. Niemand muss das, auch kein eventueller Kanzler. Und ein Typ der seinen Kritikern ein “Fickt euch” hinterherruft steht mir persönlich tausend Mal näher als einer, der bei Kritik sofort seine Anwälte von der Leine lässt.

Wähle ich also Steinbrück? Vermutlich läuft es darauf hinaus. Ich wünsche mir einfach eine sozialere Politik in diesem Land, als sie gerade vorherrscht. Ich will nicht, das alle und jeder gleich viel verdienen und jeder soll die Kohle kriegen, die er kriegt. Aber ein Mindestsatz zum leben muss da einfach sein. Und wer superviel verdient, der kann auch einfach ein bisschen mehr abgeben, als die Anderen. Das verspricht mir die SPD. Wenn ich davon 75% als hohles Wahlgelaber abziehe, hab ich immer noch ein Viertel mehr soziale Gerechtigkeit, als im Moment. Das wäre doch schon Mal ein Schritt in die richtige Richtung. Finde ich. Ganz persönlich.

Hab ich ja doch eine Ahnung.



Mehr Medienkompetenz wagen!

Ich liebe es zu behaupten. Wirklich. Behaupten ist total super. Vermutlich schreibe ich auch deswegen so gerne, weil das behaupten ja ein Wesenszug des schreibens ist. Aber dazu kommt noch eine unfassbare Faulheit. Wenn ich etwas geschrieben habe und da so Vermutungen oder Hörensagen-Geschichten drin hab, dann check ich die nicht nochmal nach. Ich müsste die in 99% der Fälle nur einmal schnell googlen und hätte sofort Gewissheit, aber nö, keine Lust. Lieber den Text abschicken und/oder veröffentlichen und dann schnell gucken, ob es was Neues auf Facebook gibt oder ob endlich mal eine neue Rezension zu meinem neuen und sehr guten Buch “Endlich gute Musik” auf Amazon (Partner-Link!) erschienen ist (na, wie subtil war DAS denn jetzt? ;)). Und weil ich diese groteske Faulheit eben so gut kenne, kann ich auch das Phänomen verstehen, um das es mir geht. Ich habe nur eine Bitte: Überwindet diese Faulheit. Nur in diesem einen Fall. Da ist es nämlich ganz einfach und da habe ich es auch geschafft:

In meinem Facebookstream (bei Twitter seltsamerweise weniger, aber vielleicht klicke ich da auch nur zu selten Links an) haben in letzter Zeit ein paar Geschichten die Runde gemacht. Zum Beispiel, dass in Kreuzberg kein Weihnachten mehr gefeiert werden soll und in dem Artikel wurde sich schrecklich darüber aufgeregt, dass man “hier” bald gar nichts mehr machen dürfe. Blabla. Schon die ersten Kommentare unter dem Text stiessen in ein gleiches Horn. Erstes Problem: An der Story war nix dran. Zweites Problem: Wenn man mal durch einen Klick auf der Startseite gelandet ist und die ersten Texte überflog, merkte man schnell wessen Geistes Kind der Autor ist. Rechter Dreck, gewürzt mit ein bisschen Verschwörungsscheisse.

Und genau auf solchen Seiten lande ich in letzter Zeit immer wieder. Die Rechten wissen, welche Schlagzeilen sich verkaufen, wissen, wie man Empörungen bündelt. Nicht umsonst betreibt die NPD mehrere Anti-Kindesmissbrauchs-Seiten bei Facebook, ohne sich direkt als Seitenbetreiber zu erkennen zu geben. Man versucht durch solche Themen, bei denen das Entsetzen und die Wut natürlich gesellschaftlicher Konsens sind, in der Mitte zu punkten, vielleicht eher bei den Leuten, die es lieber einfacher formuliert, ansonsten aber eher nix mit rechten Parteien zu tun haben. Und genauso machen es die diversen rechten und rassistischen Blogs. Mit Allerweltsthemen punkten und dann die eigene Ideologie durchdrücken. Ich bin in den letzten Wochen wirklich auf mehrerer solcher Seiten gelandet und es war jedes Mal unangenehm. Und die Links wurden immer von Leuten gepostet, die definitiv nicht rechts sind oder waren. Die haben sich da unbewusst vor den Karren spannen lassen.

Aber auch heute zum Beispiel hat ein Freund einen Link gepostet, der superoffensichtlich Stuss war. Weil die Geschichte aber so schön war und er die unbedingt glauben wollte, hat er sie auf seinem Blog weiter verbreitet. Weil man ja, verständlicherweise, eine gute Geschichte nicht gerne liegen lässt. Ein Klick auf die Hauptseite hätte schon genügt um mindestens Zweifel zu bekommen. Ein kurzes googlen nach der Stadt, um die es ging, hätte noch mehr bewiesen: Er ist auf eine Satire-Seite reingefallen. Ist ja auch nicht schlimm, kann jedem Mal passieren. Mich hat es nur kurz stutzig gemacht, dass es ihm, dem ich eine überbordende Medienkompetenz attestieren würde, zustiess.

Worauf will ich also nun hinaus: Ich mag den Austausch von Informationen im Netz sehr. Ich glaube, ich habe noch nie so viele Infos bekommen, wie heutzutage. Das empfinde ich als Bereicherung, als Plus. Und ich fand auch gut, dass jeder immer darauf hinwies, wie wichtig Medienkompetenz sei, wie wichtig ein einordnen der Dinge sei. Aber da sind wir alle schludrig geworden. Die Quellen sind mittlerweile so viele, dass man gar nicht mehr weiß, was ist seriös und was nicht. Und dann heisst es, genau gucken und den Blick schärfen. Einordnen. Bevor man empört etwas postet, was man gelesen und was einen schockiert hat, sollte man erstmal gucken: Wo kommt das her? Deswegen der Zwei-Stufen-Plan:

Wenn ich einen Artikel posten will,

1.) klicke ich zuerst auf die Hauptseite und versuche mir einen Überblick zu verschaffen. Wer hat das geschrieben? Was steht hier noch so? Was ist das für ein Umfeld? Ist das komisch?

Dann kann man meistens schon ganz gut entscheiden, ob man den Text posten sollte oder nicht. Wenn man aber auf Nummer sicher gehen will:

2.) Seite oder Key Facts der Story googlen. Dann kann man ganz schnell sagen, ob man es mit einer seriösen oder einer gewollten Story zu tun hat.

Ich weiß, manche Sachen macht man zwischen Tür und Angel, die müssen dann einfach nur schnell raus. Aber wenn man damit Rechten zu mehr Normalität verhilft, wenn man damit auch faschistische und rassistische Inhalte verbreitet, dann sollte man das vielleicht einfach lassen, oder? Denn wenn die Geschichte, die man fand, einem wichtig und sie seriös ist:

Dann findet man die auch bei einer seriösen Quelle.

Und ich verspreche: Ich werde nicht mehr so viel behaupten.

P.S.: Klar, auf großangelegte Hoaxes fall sogar ich noch rein, da kann man nix machen. Mir geht es hier eher um Quellen, die mit einem Klick oder einmal googlen klar erkennbar sind. Auch und vor Allem in ihrer Absicht.



Unverfilmte Soundtracks (”Endlich gute Musik”- Outtake)

Ich habe ein Buch geschrieben. Das heisst “Endlich gute Musik”
und ist im Buchhandel erhältlich (wessen Buchladen um die Ecke unfreundliche Verkäufer hat, der kann es natürlich auch bei zum Beispiel Amazon bestellen, wenn er oder sie dem obigen (Partner-)Link folgt). In dem Buch geht es um Popmusik im weitesten Sinne und wie ich sie sehe, verstehe und wie sie mich geprägt hat. Dabei kommen die unterschiedlichsten Bands und Einflüsse vor, von Abba über Pantera bis Cure und N.W.A., um nur einige zu nennen. Nicht alle Texte, die ich für das Buch geschrieben hab, haben es auch in das Buch geschafft. Deswegen jetzt und hier sozusagen die Outtakes. Damit man ein leichtes Gefühl für das Buch bekommt und für die, die das Buch schon haben, als schönes Bonusmaterial. Wie gesagt: Der astreine Stoff ist nur im Buch selbst zu finden. Viel Spaß!


[YouTubeDirektBuchtrailer]

Manche Lieder entwickeln einen recht seltsamen Sog, wenn ich sie höre. Ich weiß nicht ob das nur an meinem Regie-Studium und meiner damit verbundenen, ständigen Suche nach Inspiration lag, aber wenn ich diese Songs höre, habe ich direkt konkrete Filmszenen vor meinem inneren Auge und die sind dann auch für immer mit diesen Szenen verknüpft. Szenen aus Filmen wohlgemerkt, die es gar nicht gibt (und vermutlich auch nie geben wird). Manchmal ist das nur ein Ausschnitt, manchmal entsteht in meinem Kopf eine komplexere Geschichte. Was manche Lieder eben so auslösen können. Ich beschreibe mal ein paar dieser Szenen, vielleicht kann man sich dann auch den Song vorstellen:

My cruel Joke – Soulwax
Der frustrierte Typ, Mitte Zwanzig, geht die nächtlichen und regennassen Strassen hinunter. Sie hat ihn verlassen, für einen anderen Typen. Und er hat noch an die große Liebe geglaubt, hat gedacht, das mit ihnen, das wäre etwas Besonderes. Er geht an die Orte zurück, an denen sie gemeinsam Sachen erlebt haben. Das Restaurant ihres ersten Dates, der Club in dem sie zum ersten Mal miteinander getanzt haben. Aber die Magie der Orte ist nicht nur weg, im Gegenteil: Alles dort ist hässlich geworden. Monster sitzen an den Tischen und lachen ihn aus. Menschen knutschen ekelig. Alles ist dunkel und schwarz und ungemütlich. Die Romantik ist weg und die Orte sind mit Hass aufgeladen. Der Typ kauft sich ein Bier und trinkt es auf seinem Weg durch die Stadt. Überall sieht er sie. Sie, die Sonne, das weiche Licht. Aber jetzt ist sie weg und mit ihr alles, was gut war.
Er bleibt stehen, atmet ein, atmet aus. Jetzt nur nicht die Kontrolle verlieren. Tief ein- und ausatmen. Sein Blick schweift über die spärlich beleuchtete Strasse. Und da sieht er sie. Sie mit ihrem Neuen, lachend in seinem Arm. Sie schlendern die Strasse hinunter. Sein Blick wird entschlossen. Seine Hand greift die Bierflasche noch fester. Schnellen Schrittes geht er über die Strasse, hinter den Beiden her. Ohne irgendetwas zu sagen zieht er dem Neuen mit voller Wucht die Bierflasche über den Kopf.
Sie fängt an zu schreien. Ein Kampf entsteht. Sofort ist überall Blut. Der Angegriffene schlägt zurück, tritt gezielt auf den Frustrierten. High Kick. Fast Martial Arts. Der Gefrustete fliegt rückwärts zu Boden, richtet sich wieder auf – und bekommt wieder einen Punch, gezielt ins Gesicht. Er hat keine Chance, er muss hier weg. Der Angegriffene verfolgt ihn. Auf seiner Flucht rutscht er auf dem glatten und nassen Kopfsteinpflaster aus, steht aber schnell wieder auf und läuft weiter. Sein vermeintliches Opfer immer hinter ihm her. Wo ist hier Sicherheit? Stress! Nachdem er Ewigkeiten gelaufen ist, sieht er sich vorsichtig um. Er wird anscheinend nicht mehr verfolgt. Erschöpft lässt er sich in einem Hauseingang auf den Boden gleiten und atmet durch.

Spanish Bombs – The Clash
Buddy Komödie. Der smartere hat das Mädchen bekommen, aber das macht dem Anderen nix. Sie haben gegen alle Widerstände geschafft, was sie schaffen wollten. Jetzt sind sie an der Strandpromenade, mit den vielen kleinen Geschäften. Die spätnachmittägliche Sonne wird sicher bald untergehen. Die Jungs schlagen ein, die Frau in der Mitte. So gehen sie die Promenade hinunter, die Kamera fährt leicht nach oben, bleibt aber stehen. Die drei Protagonisten entfernen sich immer weiter von der Kamera. Passanten laufen herum. Der Abspann läuft über die rechte Hälfte vom Bild. Mit dem Ende des Songs wird auch das Bild langsam schwarzgeblendet.

Jesse James – Brazzaville
Der hübsche Mann führt das Mädchen aus. Sie unterhalten sich angeregt im Restaurant. Sie sitzen zusammen im Kino und lachen sich kaputt. Dann zieht sie ihn in einen Fotoautomat, er will erst nicht. Die schwarz-weiß Bilder sind lustig, weil er nur Grimassen zieht. Sie balanciert auf einem Geländer, er hält ihre Hand. Sie sind auf dem Flohmarkt, er guckt ihr verliebt beim feilschen zu. Sie hat ihm ein rotes Halstuch gekauft. Er wirft es sich um den Hals, lässt es im Wind flattern und macht Revolutionsposen. Sie rennen durch den Park. Im Schutz eines Baumes eingeholt haben sie einen Moment. Kurz vor dem ersten Kuss. Sie gucken sich an, kommen sich näher, küssen sich fast. Dann löst sie sich los und rennt wieder weg. Er lachend und augenrollend hinterher.

Lost on the sea – Amari
Superheisse Sexszene. Vielleicht was mit Matsch oder mit zwei Frauen. Oder beides.

Someone for everyone – Nikka Costa
Drängt sich natürlich auf, aber würde auch unglaublich gut funktionieren. Ensemble-Film. Sämtliche Beziehungen sind an einem Wendepunkt, die einen dramatischer, die anderen vielleicht sogar glücklicher. Kamera bleibt bei den Hauptprotagonisten. Zeitlupige Zufahrten auf die Gesichter. Mal traurig, mal in freudiger Erwartung. Alle in anderen Situationen. Mit dem Gitarrensolo geht die Sonne auf und taucht die Gesichter noch mal in ein anderes Licht. Kitschig? Ja, vielleicht. Effektiv? Mit Sicherheit.

Hustle – Jamelia
Anfang des Films. Wir lernen die Hauptfiguren kennen. Wie sie cool in ihr Auto einsteigen, wie sie zur Arbeit gehen, wie sie essen, küssen, tanzen, lachen. Alle Leben scheinen noch in Ordnung (später wird natürlich was passieren, ich weiß aber nicht was). Bei den Hauptcharakteren das Bild in cooler Pose einfrieren und den Namen drunter schreiben. Action, Style, Sexyness. Ich sehe Cabrios. Charlies Angels. Alle sind guter Dinge. Autos fahren mit quietschenden Reifen von der Kamera weg. Der Filmtitel wird übergroß im Bild eingeblendet.

Young until i die – Muff Potter
Auch Filmanfang. Buddykomödie. Man sieht die beiden Leben parallel geschnitten. Der eine steht auf, wohnt in chaotischer Wohnung. Stolpert nach dem aufstehen über Pizzakartons. Sucht in Wäschehaufen mit Geruchstest nach Klamotten, die er noch anziehen kann. Der Andere hat ein spartanisch eingerichtetes Schlafzimmer. Stylisch reduziert. Steht auf, geht sofort ins Bad wo seine Klamotten ordentlich über dem Stuhl hängen. Der Chaot rasiert und putzt sich die Zähne unter der Dusche. Der Aufgeräumte macht alles ordentlich nacheinander. Dabei achtet er genauestens darauf, das keine Zahnpasta im Waschbecken landet. Der Chaot schmiert sich ein Toastbrot, das sofort auf den Boden fällt. Er hebt es auf, pustet einmal sinnloserweise drauf und steckt es sich in den Mund. Beim verlassen der Wohnung zieht er noch das Sakko an, stopft das Hemd in die Hose, hat den Toast im Mund und schließt hektisch ab. Der Andere hat sich bereits angezogen, entfernt letzte Fussel von seinem Jackett mit einer extra Fusselbürste. Sein Frühstück hat er korrekt in einer Tupperdose verstaut. Alles in einen Rucksack eingepackt verlässt er seine Wohnung und per Knopfdruck verriegelt die Tür.
Eine verranzte, zugetaggte Haustür. Der Chaot kommt raus, Toastbrot schon fast aufgegessen, Hemd noch aus der Hose hängend und wirft sein Skateboard auf den Boden, springt drauf und skatet die Strasse runter. An einem vorbeifahrenden Polizeiauto duckt er sich und hängt sich hinten dran. Eine Andere, schöne und neue Haustür. Die Kamera schwenkt zur Seite. Ein Garagentor geht auf. Heraus kommt der Aufgeräumte auf einem teuren Rennrad. Seine Hose hat er mit Fahrradklammern zur Seite gemacht. Schnurstracks fährt er los. Gleichzeitig im Bild zu sehen, wie beide zur Arbeit fahren. Der Skater springt vom Board, tritt hinten drauf und fängt es. Rennt durch eine Glashalle in einen Aufzug. Der Korrekte steht schon drin. Beide im Fahrstuhl, geben sich High Five. Die Fahrstuhltür schließt sich, der Vorspann ist beendet.

Musik zum Text:

„My cruel Joke“ aus „Much against everyones Advice“ – Soulwax
„Spanish Bombs“ aus „London calling“ – The Clash
„Jesse James“ aus „…in Istanbul“ – Brazzaville
„Lost on the Sea“ aus „Poweri“ – Amari
„Someone for everyone“ aus „Pebble to a Pearl“ – Nikka Costa
„Hustle“ aus „Walk with me“ – Jamelia
„Young until i Die“ aus „Heute wird gewonnen, bitte.“ – Muff Potter