Neulich in Lübeck

“Butter, so fest.
Doch in der Hitze,
gibt sie nach.
Schwach.
Schmelzend.
Heißes Fett.

Weiße Unschuld.
Zu jung zum leben.
Alt genug, um zu ernähren.
Das Ei, der Mensch.

Sie fließt als ein Symbol des Lebens.
Die Mutter.
Die Mütter.
Im Kaffee!”

“Günther, verdammt noch mal, kannst du den Einkaufszettel nicht so schreiben, wie alle anderen Menschen auch?”



Mein schlechtestes und schönstes Interview ever!

Das nun folgende Interview ist schlecht:

Meine Fragen sind sinnlos, wenn mir überhaupt eine einfällt. Ansonsten rede ich viel und lasse die Band, die um mich herum läuft und um die es eigentlich geht, selten zu Wort kommen. Wir sind offensichtlich befreundet und es fällt uns bzw. mir schwer, wieder den Abstand zu finden, um ein Interview zu führen. Ein informatives Interview. Immerhin, wir bekommen raus, dass die Band eine neue Platte hat. Wir erfahren auch wie diese Platte heißt und wer ganz genau hinguckt, kann auch sehen, wie das Artwork des Albums ist. In einem der wenigen Momente, in denen mal eine Frage mit etwas mehr Inhalt aus mir herausblubbert, versagt dann die Band. Der Sänger antwortet mir, aber es fällt ihm schwer herauszustellen, was an seinem neuen Album so Besonders sei. Im Prinzip haben in diesem Beitrag alle Beteiligten versagt. Sogar der Schnitt…naja. Die haben halt versucht zu retten, was noch zu retten war von dem Material, das ich ihnen aus Dänemark mitgebracht hab. Niemand kann behaupten, ich hätte ihn nicht gewarnt. Hier ist das Interview.


[YouTubeDirektStickerAttacke]

Das nun folgende Interview ist schön:

Ich durfte mit meiner Lieblingsband ein paar Tage mit auf Tour gehen, mit im Nightliner schlafen! Meine Freundin war auch dabei, ich war selig. Das Wetter war hervorragend und wir haben den ganzen Tag mit absolutem Nonsens verbracht und uns alle nur kaputt gelacht. Jeder Tourbus, jeder Hi8-Ausschnitt in diesem Beitrag ist mir beim Ansehen sofort wieder ins Gedächtnis gesprungen. Ich musste sofort wieder lachen, hatte Tränchen in den Augen, weil ich mich an die Lachkrämpfe erinnerte. Ich erinnere mich, dass es im Backstageraum eine Schachtel Zigaretten für uns alle gab, weil die Sponsor des Roskilde-Festivals waren. Ich erinnere mich, dass wir danach noch auf ein anderes Festival gefahren sind, auf dem ich Alex im Rasen liegend filmte, wie er “Strawberry Fields forever” acapella sang, was super lustig und auch super gut war. Und wie meine damalige Freundin dann mit der Kamera zu NOFX ging, die vor ihrem Tourbus sassen und die dazu brachte “Fritten und Bier ist super!” in die Kamera zu sagen, was mich natürlich unheimlich stolz machte. Ich weiss wie lustig und insiderig und bauchschmerzlachend jede einzelne der Szenen in dem Beitrag zu Ende ging. Ich bin froh, das dieser kurze Clip jetzt aufgetaucht ist und mich an all das erinnert. Vielleicht könnt ihr ein bisschen dieser Laune jetzt auch spüren, wenn ich euch mein schönstes Interview ever zeige:


[YouTubeDirektWeLikeItALot]



Wenn schon falsch, dann richtig!

Ich wollte hier eine ganz originelle Einleitung schreiben, so mit feinen Spitzen. Aber das ist eigentlich viel zu albern. Thomas Knüwer, ein Journalist/Blogger, der immer richtig drauf haut (oftmals zu Recht) wenn Kollegen von ihm irgendwo Murks schreiben, weil sie sich zu fein waren, mal 20 Sekunden zu googlen, macht in seinen eigenen Artikeln oftmals genug die Fehler, die er den anderen um die Ohren hauen würde.

Besonders doof ist das, wenn man einen Post schreibt über etwas, was einen begeistert hat, weil man dann die Begeisterung, die man ja eigentlich versucht zu teilen, total schmälert. Denn der Gedanke ist ja: Wenn er nichtmal die einfachsten Sachen richtig schreiben kann, wie soll er dann erkennen können ob etwas Qualität hat?

Deswegen jetzt mal ein paar kleine Hinweise zu seinem aktuellen Text über Ray Cokes live, der einem Fernsehliebhaber wie mir große Schmerzen bereitet. Also der Text, nicht der Cokes. Den würde ich gerne wieder auf dem Bildschirm sehen.

Und, nehmen wir mal den Grundtenor von Knüwers Lobrede, das würde sich wohl auch lohnen. Denn Ray Cokes scheint zur alten Form zurückgefunden zu haben und so ausser Rand und Band zu sein, wie damals zu seligen MTV Zeiten. Knüwer schreibt:

Den Jüngeren unter den Lesern muss man diesen Namen vielleicht erklären. In den Zeiten, da MTV das Fernsehen und die Ästhetik des Bewegtbildes längst verändert hatte, war Cokes mit seiner abendlichen Live-Talkshow „Most Wanted“ von 1992 bis 1996 die Hoffnung, dass dieses veränderte Fernsehen noch einmal mutiert, mutiger wird und schräger, mit wackelnder Kamera deren Bediener „Rob the camera man“ ganz selbstverständlich ein handelnde Person war – Jürgen von der Lippe würde später die ARD mit diesem Konzept bekannt machen. Zwischenzeitlich war Cokes dann noch auf Arte zu finden – das war’s.

Gut, das überhebliche “Den Jüngeren..”-Blabla sei mal geschenkt. An diesem “Gag” haben sich schon andere die Finger verbrannt, ich glaube ich hab das sogar schon selber mal auf meinem Blog irgendwo geschrieben. Würd ich aber nicht mehr tun. Egal. Veränderte Ästhetik und so geht auch alles klar. Und dann der erste grobe Schnitzer: Jürgen von der Lippe würde die ARD mit dem Konzept des “ich rede mit meinem Kameramann, weil er mein Kumpel ist” bekannt machen. “Später”. Also nach Ray Cokes.

Jürgen von der Lippes Sendung “So isses” bot unter Anderem ein großes Wiedererkennungsmerkmal: Die Gespräche von von der Lippe mit seinem Kameramann Günni. In der Show, die 1984 gestartet ist und die 1989 aufhörte. Drei Jahre bevor “MTVs Most Wanted” überhaupt auf Sendung ging. (Um das noch zuende zu rechnen: Cokes kam 1987 zu MTV, da hat von der Lippe schon drei Jahre mit seinem Kameramann Günni im Fernsehen geredet). Muss man nicht wissen, die genauen Daten musste ich jetzt auch googlen. Aber wenn man Fernsehen mag und geguckt hat, dann sollte einen dieser Vergleich schon stutzig machen. Vor allem: Vollkommen ohne Not. Er hätte den ja gar nicht machen müssen, es kam ja einfach von ihm selbst. Ja klar, der Versuch nochmal das deutsche TV als lahmarschig und schnarchig und uninnovativ darzustellen, um das eigene Stück zu erhöhen. Wenn das aber dann so kapital falsch ist, stürzt das Stück eben auch genauso schnell wieder ab.

Dann kommt ein längerer Teil, in dem er von der Show, die er vorgestern live mit Ray Cokes in Köln sah, schwärmt, wie ein kleiner Schuljunge. Das ist toll, das ist ehrlich und bis auf ein paar Ausreisser schafft er es auch (zum Glück!) nicht, die ganze Zeit die Coolness-Maske aufzubehalten, die ihn zu permanenten (und langweiligen) Spitzen gegen das ach so schlimme, deutsche Fernsehen treibt. Da spricht ehrliche, aufrichtige Begeisterung über das erlebte. Das ist schön.

Und dann kommt der Absatz aus der Hölle:

Derzeit gibt es vor allem im öffentlich-rechtlichen System viele Versuche innovative TV-Formate auszuprobieren. Während sich der Kontrollverlust bei ZDF Neon auf das Lästern über Talkshow-Gäste im Anschluss an den Talk beschränkt bedeutet er für Cokes die Übergabe eines Interviews an zufällig ausgewählte Zuschauer. Verglichen mit der augesetzten Pseudo-Coolness der ZDF Neon-Magazinen, bei denen Tiltshift- und andere Filter mangelnde Inhalte regelmäßig überdecken, verglichen mit der demonstrativen Wurschtigkeit von „Roach und Böhmermann“ gegenüber ihren Gästen – da wirkt Ray Cokes noch immer wie der personifizierte Antichrist mit den vier Kameramännern der Apokalypse, die über das Land kommen um zu zeigen, wie fantastisch unterhaltend Fernsehen sein kann.

ZDF Neon“? Seriously? So gelangweilt vom schreiben, dass nicht mal mehr ein Mindestmass Mühe drin ist? Der Sender heisst, wie sich ja nun tatsächlich rumgesprochen hat, “neo”. Klein geschrieben, finden die halt schick. Kriegt aber auch jeder hin. Dann das “lästern über Talkshow-Gäste im Anschluss an den Talk”, damit kann eigentlich nur “neo Paradise” gemeint sein, die Show mit Joko und Klaas und da sind die meisten Talks eher von einer Art Respekt dem Gast gegenüber beseelt. Ich hab ein paar da gesehen, da wurden nach dem Gast noch Späßchen über den gemacht, aber das waren vielleicht 3 von 60, oder so. Vielleicht meint er aber auch was Anderes.

UPDATE: Jemand auf Twitter wies mich darauf hin, das hiermit auch der Nachklapp aus “Roche und Böhmermann” gemeint sein kann, in dem sie nach der Sendung noch alleine in der Studiokulisse setzen und die vergangene Sendung, auch selbstkritisch, Revue passieren lassen. “Sein Fett weg” bekommt dort eigentlich nur, wer durch klassisch langweiliges rumgelaber in der Sendung eher negativ aufgefallen ist. Ansonsten ist diese Kleinigkeit eine große, kleine Idee. Zu der Sendung kommen wir aber gleich noch…

“…ausgesetzten Pseudo-Coolness der ZDF Neon-Magazinen, bei denen Tiltshift- und andere Filter mangelnde Inhalte regelmäßig überdecken”. Okay, wieder der Neon-Fehler, anscheinend weiß er wirklich nicht, wie der Sender heißt. Demnächst dann neue kritische Knüwer-Artikel über N25 und RTJ, SAT 2 und die ART. Ist ja egal wie die heißen. So ähnlich. Ich freu mich. Das “ausgesetzt” soll bestimmt “aufgesetzt” heißen, was nicht schlimm ist, Flüchtigkeitsfehler. Mein Blog ist voll davon. Aber bei jemandem der Kollegen jedes falsch gesetzte Komma krumm nimmt, hat das natürlich einen gewissen Unterhaltungswert. Das Format, das er hier beschreibt, soll sicher “Bambule” mit Sarah Kuttner sein (wie gesagt, ich kann immer nur spekulieren, was er meint…). Ein Magazin, das mit Sicherheit streitbar ist und Menschen über 35 oftmals bestimmt belanglos vorkommen kann. Vielleicht auch uninteressant. Aber Pseudo-Cool? Seriously? Und Inhalte überdecken? Sorry, das ist wirklich albern. Es mögen nicht seine Inhalte sein, aber Themen, die 30-somethings hierzulande bewegen als mangelnde Inhalte bezeichnen, das ist schon kackdreist. Naja. Nehmen wir aber an, er hat das nicht so gemeint und im Überschwang der Gefühle für die erlebte Ray Cokes Show so formuliert.

“…verglichen mit der demonstrativen Wurschtigkeit von „Roach und Böhmermann“ gegenüber ihren Gästen…”
ALTER! ROACH? Mann ey, mach mal deine Hausaufgaben! Du glaubst doch nicht das da eine Frau sitzt, die “Schabe” heißt und wenn das ein absichtlicher Diss gewesen sein soll, dann muss ich mir leider sofort den eigenen Schädel zertrümmern, weil ich das nicht fassen könnte. Abgesehen davon zeugt das ausmachen einer Haltung “demonstrativer Wurschtigkeit” gegenüber ihren Gästen davon, die Show vielleicht einmal 4 Minuten gesehen zu haben. Ist für Medienprofi Knüwer natürlich Zeit genug, sich ein Urteil zu bilden. Und dann schreiben wir noch schnell den Namen falsch, weil ist doch egal, der Scheiß. Findet er eh nicht gut, hat also gar kein Recht, richtig geschrieben zu werden. Ich könnte noch erwähnen, dass es sich bei “Roche und Böhmermann” um ein Format des Senders zdf.kultur handelt, aber das wäre wirklich zu viel an richtiger Information. Vermutlich heißt der Sender bei ihm auch anders. ZDF Kult oder so, keine Ahnung.

Er schreibt noch das diese Ray Cokes Show, die er da live gesehen hat und die eine Art Showcase für eine neue TV-Show sein soll, eine tolle Chance wäre “junge Musik außerhalb der Charts wieder im Fernsehen stattfinden zu lassen.”. Als er da war, traten Jupiter Jones und die Donots (ich LIIIIIIIIIIIIIIIIIEBE die Jungs!!!!) auf. Muss ich jetzt nachgucken, wo die in den Charts stehen? Ne, oder? Auf jeden Fall nicht außerhalb.

Knüwer schliesst mit dem Fazit, dass diese Live-Anarchie absolut sehenswert sei. Und ich kann mir auch gut vorstellen, dass ein wiederaufgedrehter Cokes live eine Offenbarung ist und sei es nur der alten Zeiten wegen. Egal aus welchem Grund: super Typ, super Show, her damit. Ach so, das ist gar nicht das Fazit von Knüwers Artikel? Da kommt noch was?

Hinter mir saß in Köln eine Viva-Moderatorin. Je länger der Abend wurde, desto trauriger wirkte sie. Fast hatte ich den Eindruck, sie erkannte: So gut wie Ray Cokes wird sie nie werden.

In Wirklichkeit hat sie wohl gedacht: “Was dreht sich der komische Typ die ganze Zeit zu mir um?”

Disclosure (hier stand vorher “Disclaimer”, aber das ist der völlig falsche Begriff, worauf mich ix hinwies…): Nicht das am Ende jemand behauptet, ich hätte das geheim (huhuhuuuuuu) gehalten: Ich bin mit Klaas und Sarah im gleichen Management und ich hab mit beiden auch schon Mal ein Bier getrunken. Und nehme mir trotzdem raus ihre Sendungen, die sie für neo machen - für die ich auch eine Sendung machte - sehr, sehr gut zu finden. Ich kenne auch die Redaktion der Sendungen, weil ich mit denen auch zusammengearbeitet habe. Disclaimer osure (s.o.) over and out.

P.S.: Noch ein Update: Er hat jetzt alle faktischen Fehler, auf die ich ihn hier hingewiesen hab, gestrichen oder geändert. Aus “Neon” wurde “Neo” und Jürgen von der Lippe taucht auch nicht mehr auf. Normalerweise bedankt man sich ja auch, wenn einen jemand auf eigene Fehler hinweist, gerade in Texten. Dann ändert man die und schreibt dazu, darauf hingewiesen zu sein. So machen wir das seit Jahren in diesem Internet. Muss er ja nicht wissen, er ist ja erst ganz neu hier :) Hab ich gern gemacht, Thomas, nix für ungut.



Angezogen einschlafen

Für den “Literaturwettbewerb Prenzlauer Berg” hab ich eine Kurzgeschichte geschrieben (Vorgabe war “Wildnis in der Stadt”). Da ich es damit nicht unter die 10 Nominierten geschafft habe, pack ich sie nun hier rein, denn ich mag die ganz gerne und das wär irgendwie doof, wenn die nie jemand zu Gesicht bekäme. Viel Spaß!

Angezogen einschlafen

Das erste Mal ist er mir begegnet, als ich auf den Winter gewartet habe: Nachts stieg ich aus der Tram und da lief er vor mir über die zweispurige Hauptverkehrsader, auf der gerade nicht viel los war. Ein echter Fuchs. Mitten in der Stadt. Eigentlich hab ich mir die immer röter vorgestellt. Der hier sah fast weiß aus. Oder grau. Auf jeden Fall nicht rot. Kein Bisschen. Er rannte vor mir in die Seitenstrasse und ich sah ihn nicht mehr. Ich war ganz euphorisiert. Ein Fuchs! Sofort überlegte ich, wo und wie der wohl lebt und ob den schon viele andere gesehen haben.

Ich malte mir aus, dass er in dem kleinen Mini-Park wohnt, gleich gegenüber. Zwischen Hauptstrasse und Plattenbausiedlung. Wie der da im Gebüsch sein Basislager hat. Ich hab überhaupt keine Ahnung, wie ein Fuchs so lebt. Bauen die vielleicht Nester? Ich lach mich selber aus. Nester! Was kommt als nächstes? Stell ich mir jetzt noch vor, wie der Fuchs Eier legt? Er wird da schon irgendwie leben. Fuchsbau! Ja, bei dem Wort klingelts. Das hab ich schon mal gehört. Ist wahrscheinlich so eine Mulde in der Erde, wie eigentlich immer bei Tieren. Ich hab als Kind bei uns im Naherholungsgebiet immer Maulwurfshügel umgegraben und zerwühlt, aber nicht ein einziges Mal einen Gang unter dem Erdhaufen entdeckt. Zumindest keinen, den man direkt als solchen erkennen konnte. Diese Enttäuschung, das Tiere dann in freier Wildbahn eben doch nicht so leben, wie man sich das mit Hilfe von Büchern und Zeichentrickserien zusammengereimt hat, sitzt immer noch tief. Deswegen kann ich mir nicht vorstellen, das der Fuchsbau was tolles ist.

Aber der Fuchs war toll. Ich stellte mir vor, wie der durch die Strassen zieht, immer auf der Suche nach etwas essbarem. Was fressen Füchse denn so? Mäuse bestimmt, oder? Vielleicht auch Vögel? Das kann ja wirklich alles mögliche sein. Ich stelle mir vor, wie er zwischen den parkenden Autos entlangschleicht und überrascht wird von einem Anwohner, der gerade mit seinem Hund Gassi geht. Das find ich auch so toll an einem Fuchs, das er ja so etwas wie ein „freier Hund“ ist. Der Anwohner aber würde sich tierisch aufregen über den Fuchs. Er hielte das Tier für gefährlich. Weil er es nicht einschätzen könnte. Und weil es frei ist. Es könnte Tollwut haben und seinen Hund beißen und anstecken. Tollwut. Auch so ein Mysterium meiner Kindheit. Ich erinnere mich, das in einem kleinen Park regelmäßig Schilder mit „Achtung, Tollwut!“ aufgehängt waren, aber ich habe das nie verstanden. War das jetzt für Menschen gefährlich? Oder nur für Tiere? Und was war das eigentlich genau? Das klang gleichermaßen bedrohlich, aber auch irgendwie cool. Der hatte direkt so eine Kraft, der Begriff.

Der Mann würde Angst vor dem Fuchs haben. Angst um sein Haustier. Er würde seinen Hund fest an der Leine ziehen und schnell mit ihm weggehen. Weit weg von dem wilden und freien Tier. Dann würde er eine wütende Email an die Bezirksverwaltung schreiben, wie es denn möglich sei, das hier solche Tiere frei herumlaufen. Und die Bezirksverwaltung würde die Stirn runzeln und überlegen, was zu tun sei. Dann schickte sie einen Tierfänger los, der mehrere Abende erfolglos auf der Lauer liegen würde. Bevor sie dann zu drastischeren Maßnahmen greifen müsste und Fallen aufstellte. Und dann nach zwei Wochen feierlich verkündete, das der Fuchs nun gefangen und die Strassen wieder sicher seien.

Der Mann würde sich freuen. Er wäre glücklich sein Recht durchgesetzt zu haben und wieder in Ruhe mit seinem Hund seine nächtliche Runde drehen zu können, ohne Angst haben zu müssen, das aus irgendeiner Parklücke irgendein Tier schießt und ihn oder sein Haustier überfällt. Der Fuchs aber würde in einem Wald, irgendwo vor den Toren der Stadt ausgesetzt. Die neue Umgebung wäre für ihn fremd und gefährlich. Gestresst würde er Tag und Nacht durch das Unterholz rennen. Um dann eines diesigen Morgens auf einer Bundesstrasse, die er hektisch passierte, von einem Lastwagen erfasst zu werden. Der Fuchs wäre auf der Stelle tot. Und der Fahrer hätte es gar nicht mitbekommen.

Ich merkte, wie ich wahnsinnig wütend wurde. Auf den Igel, auf den Gassigeher, auf das Bezirksamt, auf den Lastwagenfahrer. Und auf mich. Weil ich mir so eine Geschichte so gut vorstellen konnte, das ich sie mir am Ende sogar selber glaubte.

Ein paar Tage später. Es war spät am Abend. Und noch lange nicht so kalt, wie es eigentlich sein sollte. Ich zog mich extra warm an und schwitzte ab dem Moment, in dem ich vor die Tür ging. Dieses Zwiebelprinzip war noch nie was für mich, weil ich gar nicht weiß, ab welchem Moment ich das einsetzen muss. So kommt es, das ich es im Vorwinter immer viel zu warm hab. Ich ließ die Jacke einfach auf und die kühle Luft an mich ziehen. Ich freute mich auf die bevorstehende Party. Seitdem ich hier lebte, ging ich viel zu selten aus. Dieser Abend sollte eine dieser Ausnahmen sein. Und ich wusste: Es würde lang werden. Und feucht. Und fröhlich. Ich würde nicht gehen wollen, ehe ich nicht sturzbetrunken wäre.

Nachdem ich in einem etwas ekeligen Imbiss eine Stärkung zu mir genommen hatte, ging ich die Strasse hinunter. Ein kleiner Verdauungsspaziergang. Wenn ich gleich abbiegen würde, wäre ich vor dem Lokal, in dem die Feier stattfindet. Und da schoss er auf den Bürgersteig, drehte sich ein paar mal vor meinen Füssen und war ebenso schnell wieder verschwunden. Über die Strasse, über die Gleise der Straßenbahn, in eine Seitenstrasse hinein und weg war er.

Ich kann bis heute Glenn Close und Meryl Streep nicht auseinanderhalten, aber ich bin mir sicher: Das war derselbe Fuchs. Und ich hatte so das Gefühl, das er mich auch wiedererkannt hat oder mir etwas sagen wollte. Das klang wahnsinnig esoterisch und ich wollte mich gerne selber ohrfeigen, für diesen Gedanken, aber ich wurde ihn nicht los. Irgendwas war da zwischen uns. Ich konnte auch seine Fellfarbe immer noch nicht definieren. Sie sah einfach nicht nach Fuchs aus. Aber angenommen, er wollte mir etwas sagen: Dann was? Was versuchte mir ein wildes Tier, mitten in der Großstadt mitzuteilen? Ich würde unbedingt googlen müssen, was es nun mit dieser Tollwut auf sich hat. Vielleicht ist die ja doch gefährlich für die Menschen.

Ich verstand immer noch nicht, woher meine Faszination für das Tier kam. Tief wühlte ich in meinen Erinnerungen. Fuchs. Meine Mutter heißt so mit Mädchennamen. Deswegen musste ich das Tier ja noch nicht gut finden. Aber die hat mir meistens zum einschlafen vorgelesen. Unter anderem auch den „kleinen Prinz“. Und hat der da nicht auch so eine Begegnung mit einem verführerisch-bösen Fuchs? Mir kamen kleine Bröckchen Kotze hoch, denn das Buch ist für mich eines der schlimmsten, das es gibt. Ich habe sogar schon damit geliebäugelt einen Verein namens „Das Wesentliche IST sichtbar“ zu gründen. Überall Tassen, Postkarten, Memory-Spiele mit dieser Grützfigur. Die ist die Diddelmaus des Bildungsbürgertums. Und dann noch erwachsene Menschen die „Man sieht nur mit dem Herzen gut…“-Zitate für eine gute und clevere Lebensphilosophie halten. Schlimm. Die kann man doch nicht ernst nehmen.

Ich war wahnsinnig wütend auf den kleinen Prinz. Und auf Antoine de Saint-Exupéry. Und auf mich, weil ich wusste, wie der geschrieben wird, ohne nachgucken zu müssen.

Dezember. Der Stressmonat. Von nun an sollte sich alles nur noch um Geschenke drehen. Zum 1. mussten diverse Adventskalender fertig sein. Dann war Nikolaus und schließlich Weihnachten. Meine Familie kam in die Stadt, wir wollten ein großes Familienfest feiern. Das bedeutete aber auch: Noch mehr Geschenke als sonst besorgen. Ich wusste wirklich nicht, wann ich diesen Monat besonders zur Ruhe kommen würde. Vermutlich gar nicht. Dazu kamen ja auch noch die ganzen Weihnachtsfeiern, zu denen man eingeladen war. Die machten zwar total Spaß, aber danach fiel man auch erstmal wieder einen ganzen Tag aus.

Daran dachte ich nicht mehr, als ich nach Hause wankte. Wir haben unsere erfolgreiche Zusammenarbeit in einem Restaurant gefeiert, in dem es fantastisches Fleisch gab. Und ganz wunderbaren Rotwein. Wir saßen an einer langen Tafel und nach dem Essen, haben manche angefangen, sich umzusetzen. Andere gingen zum rauchen vor die Tür. Man saß in Grüppchen um den Tisch verteilt, tauschte Neuigkeiten aus, trank noch einen Espresso, noch einen Wein, noch ein Wasser, vielleicht noch einen Wein. Es wurde gelacht, es wurde diskutiert. Und irgendwann, als die Kellner durch demonstratives Gähnen andeuteten, das sie gerne schließen würden, war eine weitere Weihnachtsfeier beendet. Und ich lief nach Hause, mit einem letzten, vollen Weinglas in der Hand, das ich seltsam geschickt aus dem Laden geschmuggelt hatte. Ich mag es durch die nächtlichen, kalten und vorweihnachtlichen Strassen zu laufen. Tief durchzuatmen, auch wenn ich ein wenig Schlagseite habe. Meine Schritte waren das einzige Geräusch, das ich in dem Moment hörte. Ich musste ein wenig über mich selbst kichern, weil mich die weinselige Albernheit erwischt hat. Das liebe ich am Meisten. Wenn man grundlos kichert. Kurz blieb ich stehen um durchzuatmen und meinen Weg in Ruhe fortzusetzen. Und da stand er vor mir. Einfach so. Aus dem Nichts.

„Was willst du eigentlich von mir?“, fragte ich ihn, ein wenig lallend. Er guckte mich an, mit diesem komischen Blick, den Tiere haben. Dieser Blick, bei dem man immer versucht ist, dem Tier gewisse Gedanken zuzutrauen. Gedanken, die vielleicht eher das eigene Empfinden spiegeln.
„Jetzt sag schon! Warum verfolgst du mich?“ Der Fuchs zuckte kurz mit dem Kopf. Ich hatte jetzt immerhin genug Zeit, mir sein Fell genau anzugucken. Das war Grau. Silbergrau. Und total dreckig. Gefiel mir nicht, gefiel mir überhaupt nicht.
„Sag! Du nervst mich langsam. Hau ab!“, sagte ich. Wenig überzeugend. Komisch eigentlich, das mich das Tier so aggressiv gemacht hat. Ich rief Sachen wie „Kusch!“ oder machte Geräusche von denen ich glaubte, das Tiere sie unheimlich finden könnten. Aber der Fuchs rührte sich nicht. Er blieb einfach stehen und sah mich an. Vielleicht sollte ich die Straßenseite wechseln. Das Tier ließ mich offensichtlich nicht vorbei.

Ich wurde wahnsinnig wütend auf den Fuchs und warf mein Weinglas nach ihm. Es zersprang auf dem Boden, spritzte den Fuchs mit Rotwein voll. Das Tier rannte weg. „Höret her, Bürger! Hier läuft ab heute ein rot gesprenkelter Fuchs durch die Strassen.“, hörte ich mich hochoffiziell sagen. Aus meinem Kichern wurde ein Lachen und glücklich ging ich nach Hause und ließ mich auf mein Bett fallen, wo ich noch angezogen sofort einschlief.



Du bist kreativ? Mein Beileid.

Ehrlich gesagt hab ich gar keine Lust mehr auf diese Kackdiskussion. Ich hab mich da auch sehr bewusst rausgehalten in letzter Zeit, obwohl man da eigentlich jeden Tag was zu schreiben könnte. Aber dieser neue “offene Brief”, der mit viel TamTam die Diskussion wieder um zehn Schritte zurückwirft und einen konstruktiven Dialog erneut erschwert bis unmöglich macht, lässt mir keine andere Wahl als mich zu wehren. Denn wenn mir etwas an allem Beiträgen von allen Seiten am meisten auf den Keks geht, dann ist es dieses Wiederkäuen von Dingen, die nicht stimmen. Und natürlich das nicht-weiterdenken von Positionen. Erwachsen sein sieht anders aus. Insofern ist folgender Text bitte als notwendige Selbstverteidigung und Positionierung zwischen den Stühlen zu verstehen:

Piraten!

Ich tu alles was ich kann, euch zu verteidigen, aber ihr macht es mir nicht unbedingt leichter. Am lautesten rufen eure Blindschleichen, die denken sich ganz clever auszudrücken und am Ende des Tages nur für noch mehr Missverständnisse sorgen. An dem Begriff “geistiges Eigentum” gibt es wenig zu rütteln, weil das nur eine Begrifflichkeit ist. Das ist doch wirklich erstmal scheissegal wie man kreative Leistung nennt. Wenn ihr euch so an dem Begriff stört, dann nennt es meinetwegen “orange-karierte Glasbaisers” oder “Aachener Glitzerpimmel” oder wie auch immer, das spielt doch überhaupt keine Rolle. Wie man so sehr an so einem sinnlosen Nebenkriegsschauplatz festhalten kann, der die momentane Debatte auch noch unnötig auflädt, Trennschärfen verwischt und on Top auch noch zusätzliche easy Angriffsfläche bietet, ist mir ein Rätsel. Wenn ihr Call of Duty spielt, zieht ihr eurer Figur doch auch nicht zuerst mal ein schönes Neonoutfit an, damit die Heckenschützen euch besser treffen können. Wie kann man nur so verbohrt sein. Fuck the Begrifflichkeiten, arbeitet lieber an Realitäten. So weit ihr da was machen könnt.

Und, bitte, lasst euch verdammt noch mal nicht so vorführen. Ich weiss das ihr alle keine Medienprofis seid und das erwartet ja auch niemand. Gerade wenn man einen ungewöhnlichen Standpunkt hat, wird man in einer Talkshow schonmal schnell Kanonenfutter. Auch eure Freiheit, das jeder so sein kann wie er will, mag niedlich wirken, für euch vielleicht sogar authentisch, aber dieser ganze Zirkus da draussen ist ein Spiel. Um Codes, man kann das auch coolness nennen. Und das ist ja relativ einfach.

- Barfuss in Latschen bei Jauch sitzen: Nicht cool.
- Verängstigt bei Lanz sitzen, weil einen vier Menschen ohne Ahnung gleichzeitig angreifen: Nicht cool.

Ja, das ist oberflächlich, but guess what: Weder Lanz noch Jauch noch sonst irgendwelche Talkshows sind an inhaltlicher Tiefe interessiert. Da geht es ums Schlagzeilen generieren. Und wenn da einer seine Zehennägel präsentiert, dann ist das die Schlagzeile, egal was der sagt. Das müsst ihr nicht gut finden, das könnt ihr auch gerne ändern wollen. Aber durchs reine ignorieren geht nix weg. Isso.

Bringt mich aber vom Thema ab: Kreative. Urheber. Verwerter. Gema. Urheberrecht. Verwertungsrecht. Google. YouTube. Böse. Diebstahl. Raubkopie. Kein Raub. Abmahnung. Pfründe abstecken. Felle davon schwimmen. Ausnutzen. Selbstvermarktung. Crowdfunding.

Ich schwöre, wenn ich noch einen von euch mit solchen Begriffen sinnlos in einer Talkshow oder einem offenen Brief im Netz hantieren höre oder sehe, kotze ich sofort. Ich kann diese ganze, hundertausendmal durchgkaute Scheisse nicht mehr hören. Wir, die wir wissen was ihr meint, wissen was ihr meint. Die, die nicht wissen was ihr meint, wissen es auch noch nicht, wenn ihr es ihnen zum zwanzigsten Mal sagt. Ganz einfach. Oder ich erklärs mal so: Flieg nach China. Geh zu einem Chinesen. Sag: “Adventskranzkerzenlichterglanz.” Der wird dich komisch angucken. Sags ihm noch mal. Er wird dich wieder komisch angucken. Sag es ihm ein weiteres Mal. Er wird dich immer noch komisch angucken. Sags ihm noch zwanzig Mal, sag es ihm 24 Stunden am Stück. Sag es ihm ein ganzes Jahr. Es wird nicht ein einziges Mal der Moment kommen in dem er sagt: “Ach so! Adventskranzkerzenlichterglanz!”. Vielleicht ist jetzt klar, worauf ich hinaus will. Erkennt doch mal an, das es da draussen Missverständnisse gibt und räumt die aus dem Weg!

Ach so: Die paar Pfeifen und Trolle bei euch, die immer stammeln das Künstler sich gefälligst neue Verwertungsmodelle aussuchen sollten, dass es kein Recht darauf gäbe mit seiner kreativen Arbeit Geld zu verdienen und dass die Künstler ja vom T-Shirt-Verkauf leben könnten, distanziert euch doch mal klar von denen. Das ist nämlich ultra-kontraproduktiv, was die machen. Auf die stürzt man sich, weil man dann am Besten ein “Piraten gegen Urheber” konstruieren kann, das ist spannender zu verkaufen. Wenn aber klipp und klar gemacht wird, dass das nicht Piratenmeinung ist, ganz unmissverständlich, dann kommt man in der Debatte vielleicht schon einen guten Schritt weiter.

Kreative!

Was ihr da macht, mit euren ganzen offenen Briefen, diesen ganzen Kriegserklärungen, dieses auf-sein-Recht-pochen, das ist so ungemütlich, unversöhnlich, ungenau und dumm, das es mir die Kehle zuschnürt.

Dabei ist es mir sogar egal, ob sich nun bereits erfolgreiche Künstler beschweren oder solche, die vielleicht mal erfolgreich werden oder waren. Das spielt alles keine Rolle. Aber dieses ewige: “Es gibt ein Recht und das muss nur mal richtig angewendet werden!” ist reaktionäre Kackscheisse. Das verweigern einer Realität, die sich trotz eines schwammigen Gesetzes weiterentwickelt hat, sogar darüber hinweggesetzt hat. Und alles was euch dazu einfällt, ist: Es gibt aber dieses Gesetz und das soll jetzt endlich einmal eingehalten werden! Ernsthaft?

Um meine Position nochmal klar zu machen, nochmal explizit auszusprechen:

Kreative sollen mit ihrer Arbeit das verdienen können, was sie wert ist. Sie sollen nicht nur Nebenprodukte dieser Arbeit (Merch etc.) als einzige Einnahmequelle haben. Nicht mal als Haupteinnahmequelle. Die muss nachwievor der Platten/CD/Download-Verkauf sein, um mal bei der Musik zu bleiben.

Nun ist das aber in der Realität nicht mehr so einfach, weil jedes digitale Gut beliebig oft vervielfältigt werden kann. Also können auch beliebig viele unbezahlte Kopien erstellt und verteilt werden. Das ist doof. Und dafür muss eine Lösung gefunden werden. Die Kulturflatrate ist da vielleicht ein erster Ansatz (Wie ich da immer höre: “Ja, aber das ist dann so kompliziert da einen Verteilungsschlüssel zu finden” Das ist natürlich nicht kompliziert, aber man muss es auch wollen…).

Die Lösung, die “die Kreativen” dafür bislang anbieten ist:

Äh.

Ach so, genau: Die Gesetze sollen durchgesetzt werden. Sprich: Jeder soll für jede Kopie, die er hat, bezahlen. Also kurz: Internet abschalten oder wenigstens komplett überwachen. Das geht doch sicherlich. Ach, darüber müssen sich die Künstler auch ihren Kopf nicht zerbrechen, das haben gefälligst die Anderen zu tun.

Ich versteh euch ja im Grunde genommen: Ihr habt dieses Lied aufgenommen und jetzt möchtet ihr die Liebe dafür in Geld ausgezahlt bekommen und der Gedanke ist ja durchaus erstmal richtig und berechtigt. Und auch das Verleger und Verlags-Bashing ist natürlich größtenteils totaler Quatsch, weil die ja auch was machen. Der Apparat kümmert sich ja um den ganzen Scheiss, den ein Künstler gar nicht machen will - geschweige denn alleine stemmen kann. Wie Rechtsfragen, PR, Vertrieb, Logistik und nicht zu vergessen die finanzielle Vorleistung, die man selber ja gar nicht auf Täsch hätte (und damit mein ich noch nicht mal den Vorschuss, der einem ja noch ermöglichen soll, sein Werk in Ruhe und stressfrei fertig stellen zu können…). Ausserdem halte ich Verlage als Filter nachwievor für Richtig und wichtig. Ja, jeder kann alles überall veröffentlichen. Aber bei einem Verlag weiß ich mit Sicherheit, dass da vorher nochmal 4,5 Leute draufgeguckt haben und das ein qualitatives Mindestmass erfüllt (ob es mir nachher gefällt steht ja auf einem anderen Blatt) wird. Für diese Sicherheit zahle ich als Kunde gern.

Ich lass mir aber als Kunde nicht gern sagen, was ich mit den Sachen zu tun hab, die ich gekauft hab. Ich kann gar nicht zählen wie oft ich in letzter Zeit die Aussage gehört habe, dass ich ein Buch für mich kaufen soll. Das die Weitergabe schon ein zahlender Leser weniger sei. Ja, das ist richtig. Und wenn ihr mir daraus einen Strick drehen wollt, dann verschenke ich nur noch Bücher aus meinem Besitz oder aus Antiquariaten, denn das ist ja wohl die Höhe. Auch werde ich Freunden nach wie vor CDs brennen von Platten, die mir gefallen (MIx-CDs/Mixtapes nehme ich ausdrücklich aus der Diskussion raus, denn wenn ihr auch noch was gegen die habt, dann habt ihr wirklich nicht mehr alle Tassen im Schrank). Vielleicht kaufen sie die dann, vielleicht reicht ihnen meine gebrannte Version. All diese Freiheiten nehme ich mir. Ich werde auch nachwievor Videos auf Lieblingslieder schneiden, weil ich das als Hommage an das Lied verstehe.

Mich regt am meisten auf, dass ihr euch nicht informiert. Dass ihr zu Tausenden offene Briefe unterschreibt in denen immernoch behauptet wird, jemand wolle das Urheberrecht abschaffen. Jemand wolle das Künstler nichts mehr verdienen. Das ist Bullshit und entweder dreist gelogen oder naiv uninformiert. Und ich weiss nicht, welche von beiden Varianten ich schlimmer finden soll.

Ich lese von Kreativen, die ich schätze, die ich für intelligent halte, für souverän, für zum Teil Intellektuell. Und ihr beschwert euch über Dinge, die so niemand gemeint hat? Ihr wollt die Piraten aufhalten? Aber von was denn bitte schön? Ja, die haben gerade Erfolg, aber die werden die nächsten 10 Jahre nirgendwo an einer Regierung beteiligt sein, was sollen die also ändern? Und wie? Warum muss sich eigentlich gefälligst alles nach euch richten? Warum analysiert ihr nicht die Situation und sagt: “Ey, lass uns alle gemeinsam eine Lösung finden, denn dann profitieren wir auch alle!”? Warum erkennt ihr nicht, wie dringend es ist, eine p r a k t i k a b l e Lösung zu finden?

An Alle!

Warum muss diese ganze beschissene Scheiss-Pseudo-Debatte in diesen verfickten Nachbarschaftskrieg ausarten? Ich würd euch am liebsten alle einsperren und erst wieder rauslassen, wenn ihr bereit seid euch die Hand zu geben. Ich will mich nicht mehr schämen müssen, kreativ zu sein. Bitte. Keine Scheingefechte mehr. Sondern konstruktiv sein. Das macht Spaß!

Lasst uns überlegen und brainstormen! Alle Vorstellungen sind erlaubt! Keine Schere im Kopf! Und irgendwann haben wir dann den Weg gefunden, wie sich keiner vom Anderen verarscht vorkommt. Wie jeder profitiert. Wie sich Werke verbreiten und der Künstler trotzdem nicht nur von Nudelsuppen leben muss (ausser natürlich er möchte das gern…). Wie der Konsument aus dem reichen Schatz an Kreativität schöpfen kann, den es auf der Welt gibt und wie wir Kreative die Menschen berühren und bewegen. Oder einfach nur erfreuen.

Ach, das wird schön.



MCA.

Ich hab seit Kurt Cobain um keinen Star mehr geweint. Weil mir das absurd schien, weil mich der (zusätzlich verstärkend auch noch “freiwillige”) Tot von Cobain so mitgenommen hat. Ich sass einen ganzen Tag heulend in meinem Zimmer. Ich war aus sehr egoistischen Gründen traurig. Warum auch sonst, ich kannte den ja gar nicht. Aber der hat mir, hat meinen Gefühlen eine Stimme gegeben. Hat mich auf eine ganz gewisse Weise verstanden. So wie eigentlich nur Musiker das können, so wie das nur Songs können. Und dann ist der plötzlich weg und wird nie wieder etwas machen, wird mich nie wieder verstehen, wird mich nie wieder verstärken. Und diese Endlichkeit, dieses “nie” hat mich dann so fertig gemacht und so traurig, das ich geweint habe. Ein totaler Verlust für mich, für meinen Geist, für den Teil meines Hirns, der Inspiration, der die Kreativität von Anderen braucht, um zu überleben. Ich hab mir geschworen, dass mir das nie wieder passieren wird. Dass ich mich nie wieder so auf einen “Star” einlasse.

Und jetzt laufen mir hier die Tränen aus den Augen, weil ich über die Google Bildersuche nach Bildern von Adam Yauch suche.

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Yauch war besser bekannt als MCA, ein Drittel der Beastie Boys. Die Beastie Boys begleiten mich seit frühester Jugend. Es ist eine lange Liebe und, wie in einer richtigen Beziehung, auch eine, die mal stärker, mal schwächer war. Es gab Zeiten, da haben die mich so unglaublich gelangweilt. Nur um mich dann mit dem nächsten Album wieder umzuhauen, wegzublasen. Ich hab die zu “Hello Nasty”-Zeiten sogar mal live in Köln gesehen und fand es, ehrlich gesagt, ein kleines Bisschen langweilig. Umso mehr hab ich mich über das letzte Album gefreut und sogar auf eine neue Tour spekuliert. Ja, da wusste man schon, das MCA Krebs hat, aber es hiess andauernd, es würde ihm wieder besser gehen. Und wenn man so etwas über jemanden hört, dann vergisst man irgendwann nachzufragen. Man vergisst nachzuhorchen, zu gucken ob es wirklich besser geworden ist oder vielleicht doch wieder schlechter. Vor zwei Wochen, als die Beastie Boys einen Preis bekommen haben, war er schon gar nicht mehr dabei. Dieser Tot war also nicht plötzlich und trotzdem kommt es einem so vor. Weil man nicht mehr nachhorcht.

Ich werde die Beastie Boys nie wieder live sehen. Sie werden nie wieder eine neue Platte machen. Die Welt ist so viel ärmer ohne die kompromisslose Kreativität dieses wahnwitzigen Trios. Ich vermisse jedes Lied, das sie nicht mehr schreiben konnten.

Fuck Alter. Du fehlst mir. Mir ganz allein. Ganz egoistisch.

Machs gut. Machs verdammt nochmal gut. Und danke für alles, was du mir gezeigt hast.

Rap ist ab heute nur noch halb so groß.

Fuck.

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