Kann eine Platte ein Leben verändern?

Vor 20 Jahren habe ich immer meine beste Freundin Simone besucht. Die hatte in der Schrankwand ihres Jugendzimmers einen Fernseher eingelassen. Darunter waren die Schubladen mit den Hörspielkassetten, eine einzige Schublade war voll mit Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg, damals ein beliebter Valiumersatz, denn bei nichts konnte man besser einschlafen.

Aber unsere Kassettenrecorder und Kompaktanlagen waren nicht mehr dazu da, nur Kinderverblödungshörspiele wiederzugeben. Da kam etwas Neues aus den Boxen: Musik. Und die Musik:Hörspiel-Ratio verlagerte sich auf Ersteres.

Simone wohnte in einem Reihenhaus mit einem entscheidenden Vorteil, zumindest unserem Haus gegenüber: Kabelfernsehen. Das war nämlich in unserer Siedlung noch nicht verlegt. Bei ihr aber schon. Und so sassen wir auf ihrem Bett, redeten über Schule, über meinen Schwarm (praktischerweise ihre beste Freundin), über ihren Schwarm und so allerlei Zeug und liessen dabei englisch moderiertes MTV laufen. Ich musste nur immer still sein, wenn NKOTB auf dem Bildschirm erschienen. Sie klebte dann am Fernseher, während ich mich ein wenig lustig machte über diesen Quatsch. Aber was lässt man seiner besten Freundin nicht alles durchgehen?

“Ah, das hab ich zuletzt schon mal gesehen, ich schalt mal um, das ist voll nervig…”, sagte sie. Aber bei mir, besser gesagt in mir hat sich plötzlich etwas geregt.
“Nein, warte mal, lass mal!”

Cheerleader mit Anarchie-A auf der Brust, ein Hausmeister, eine rockende Crowd und ein Typ in einem cool-uncool gestreiften Shirt mit seinen Haaren im Gesicht. Und eine Power, eine Wut, eine Kraft, die dem Innenleben eines pubertierenden, jungen Mannes nicht unähnlich ist. Ich war sofort, ab dem ersten Moment, drin. Konnte mich dem Sog nicht entziehen. Ab jetzt wurde jeden Tg nach der Schule auf dieses Video gelauert. Und Simone hatte endlich einen Grund, sich auch über mich lustig machen zu können. Es war offensichtlich: Ich war Fan.

Später hab ich mir die Platte dann als MC (!!!) gekauft, damit ich sie sofort auf meinem Walkman immer und überall hören kann. Da war ich mit meinen Eltern im Italien-Urlaub. Jeden Tag die Kassette rauf und runter. Meine Mutter wollte die dann auch mal hören, um zu sehen, was ich so mag. Was soll ich sagen: Sie war beeindruckt. Diese Power hat sie wohl auch eiskalt erwischt. Was zwar nicht dazu führte, das ich die Platte im Autoradio hätte hören dürfen, aber gut. Ich konnte immerhin von mir sagen: “Meine Mutter mag die Nevermind.”

nirvana

Noch heute hab ich dieses wohlige Kinderzimmer-Gefühl, wenn die ersten Takte von “Smells like teen spirit” erklingen. Ich werd wieder ganz jung, wenn ich die “Nevermind” durchhöre. Und würde mir fast wieder wünschen zu pogen, wenn ich “Territorial Pissings” höre. Ausserdem freue ich mich total das überall in der Stadt Plakate mit dem Baby-Cover-Motiv zu sehen sind und halte das für Stadtverschönerung.

Und man muss ja auch sagen, das die “Nevermind” nicht nur der Startschuss für das große Grunge-Fest war, sondern auch so ziemlich eine der besten Platten, der Musikrichtung. Es gab schon auch noch ein paar Andere, ganz gute, wie von Soundgarden zum Beispiel (”Badmotorfinger”), aber es gab auch irrsinnig viel mittelmässiges Zeug, das so auf der Welle mitschwamm und heute verklärend hochgejazzt wird (bspw. Pearl Jams “Ten”). Keine Platten für die Ewigkeit, sondern Platten, denen man ihr Alter anhört - wohingegen eine “Nevermind” genauso auch heute noch erscheinen könnte. Das trennt eben das Masterpiece von “auch ganz gut”.

Die Frage ist nur: Wäre mein Leben ein anderes geworden, wenn es diese Platte nie gegeben hätte? Ich habe wirklich keine Ahnung. Ich weiss nicht ob die als Katalysator für irgendwas gewirkt hat und ob, wenn es sie nie gegeben hätte, nicht einfach eine andere Platte an ihre Stelle getreten wäre. Vermutlich nicht. Oder doch? Grunge war ja irgendwie der coolere Metal und intelligentere Punk. Und dazwischen hab ich mich wiedergefunden.

Wie hat man immer diese Typen ausgelacht, die eine alte Thin Lizzy-Platte (o.ä.) aufgelegt und geschwelgt haben. Zwanzig Jahre nach “Nevermind” bin ich selbst so einer. Allerdings ohne die kulturpessimistische Note, das bitte ich festzuhalten.

Vielleicht, um die Frage im Titel abschliessend zu beantworten: Ja, natürlich kann sie das. Genauso wie ein Buch oder ein Film oder ein Bild. Das ist doch der Trick:
Wir definieren uns über Kunst, während sie sich über uns definiert.

P.S.: Ich habe keine Ahnung, ob dieses Re-Release der Platte, das es nun gibt, was kann. Ob man diesen Bonus-Klimbim braucht und ob das für irgendjemanden interessant ist. Ich fand nur den Anlass des zwanzigjährigen Jubiläums gut, mal drüber zu schreiben. Simone suche ich noch manchmal in sozialen Netzwerken, aber finde sie nicht. Vermutlich hat sie geheiratet, einen neuen Namen und lebt jetzt ganz woanders. Vielleicht in Amerika, wo sie dann zu den Konzerten von NKOTBSB geht, sich an ihre Zeit im Kinderzimmer erinnert und lächelt. So wie ich.

P.P.S.: Bei der “Spin”, der ziemlich besten Musikzeitschrift der Welt, gibt es ein Nevermind-Tribute-Album zum freien Download. Die Qualität ist durchwachsen, aber es ist allemal interessant. Ausserdem covern da die Meat Puppets “Smells like Teen Spirit” und Amanda Palmer “Polly”, was schon zwei Highlights sind, die den Download allemal rechtfertigen.



Es läuft! Es bewegt sich! (DC New 52, Week 4)

DC rebootet gerade sein Universum und bringt jede Serie neu mit der Nummer 1 raus. Mein Lieblings- und Stammcomicladen “Grober Unfug” hat mich gefragt, ob ich Lust hätte all diese Erstnummern zu lesen und für euch zu reviewen. Das lass ich mich natürlich nicht zweimal fragen. Da ich diese (und die folgende auch noch) Woche gleich 13 Comics auf einmal zu reviewen hab, hab ich mich für den jetztigen Trick entschieden. Aber seht selbst:

Mit etwas Verspätung (fragt nicht), hier nun die neuen 12 Hefte. Diesmal als VIDEO! WOW! Jetzt muss ich mir für nächste Woche NOCH eine Steigerung einfallen lassen….:)

Nilzenburger reviews: DC New 52, Week 4



Listen to the Rundumschlag (DC New 52, Week 3)

DC rebootet gerade sein Universum und bringt jede Serie neu mit der Nummer 1 raus. Mein Lieblings- und Stammcomicladen “Grober Unfug” hat mich gefragt, ob ich Lust hätte all diese Erstnummern zu lesen und für euch zu reviewen. Das lass ich mich natürlich nicht zweimal fragen. Da ich diese (und die folgenden zwei auch noch) Woche gleich 13 12 Comics auf einmal zu reviewen hab, hab ich mich für den jetztigen Trick entschieden. Aber seht bzw. hört selbst:

Ha! Mensch, was bin ich manchmal ein Clevere:
Die nächsten 13 12 Reviews hab ich als Podcast gemacht. So könnt ihr den dann runterladen, mitnehmen und überall hören. Dauert etwa 25 Minuten, also ca. 2 Minuten pro Heft.

Wenn das manchmal etwas verwirrt wirkt, dann liegt das auf KEINEN FALL daran, das ich in der Nacht davor eventuell zu viel Schnaps getrunken habe. Auf keinen Fall!

Viel Spaß!



The Good! (DC New 52, Week 2)

DC rebootet gerade sein Universum und bringt jede Serie neu mit der Nummer 1 raus. Mein Lieblings- und Stammcomicladen “Grober Unfug” hat mich gefragt, ob ich Lust hätte all diese Erstnummern zu lesen und für euch zu reviewen. Das lass ich mich natürlich nicht zweimal fragen. Da ich diese (und die folgenden drei auch noch) Woche gleich 13 Comics auf einmal zu reviewen hab, hab ich mich für die jetzige Unterteilung entschieden. Weil: Alle Comics in einem Posting wär zu lang, aber jedes Heft als Extrapost wär zu viel. Deswegen als Überblick gleich diese praktischen Kategorien: The Good, The Bad und The SoLaLa. Viel Spass!

Superman Action Comics #1
actioncomics
Woohoo! Was für ein toller, frischer, wilder, ungestümer, junger, unverbrauchter, unperfekter, smarter, hübscher und cooler Superman! Schon das Cover: Superman mit Cape, T-Shirt, Jeans und Biker Boots? DAS ist der neue, alte, neue Superman? Ich war ein bisschen aufgeregt, muss ich zugeben. Superman war in den letzten Jahren ja schon etwas schwerfälliger geworden, was mir persönlich zwar gut gefallen hat, gerade in der letzten “Grounded”-Storyline, in der Supes so frustriert ist, nicht allen bei allem immer helfen zu können, das er beschloss erstmal zu Fuss durch Amerika zu gehen um die Menschen zu verstehen. Aber was ich so gehört habe, stand ich da mit meiner Begeisterung eher alleine da. Die Meisten waren genervt von Superman. Und ich musste mich immer rechtfertigen, warum das denn mein Lieblingssuperheld sei. Nun also die lange überfällige Frischzellenkur. Dabei wurden noch ein paar kleine Details in der Mythologie geändert. Zum Beispiel arbeitet Lois nun nicht mit Superman zusammen beim Planet, sondern bei der Konkurrenz. Und ist dementsprechend angepisst, das dieser Clark Kent immer die Superman-Stories bekommt.

Sehr schön ist auch, das dieser Superman noch nicht so glattgebügelt ist. Der hat Ecken und Kanten. Der erpresst auch mal ein Geständnis, in dem er jemand vom Hochhaus fallen lässt (natürlich nicht, ohne ihn kurz vor dem Boden wieder aufzufangen). Dieser Superman ist noch nicht auf dem Höhepunkt seiner Kräfte. Er kann noch nicht fliegen, sondern nur SEHR weit springen, ganz wie am Anfang der Supermanhefte. Seine Klamotten gehen ständig kaputt und auch wenn er schon sehr stark und super ist: Einen Zug zu stoppen fällt ihm auch noch nicht SO leicht. Kurz: Wir dürfen hautnah miterleben, wie dieser Superman immer superer wird. Und das macht so unglaublich viel Spass! Das ist fresh, das ist laut, das ist sogar ein bisschen campy - das ist es, was ich an Heldencomics liebe. Total befreit. Toll! Lesen!

Batman Detective Comics #1
detectivecomics
Ich war ja nie ein großer Batman-Leser. Ich weiss eigentlich gar nicht warum, weil wenn ich mich dann mal drauf eingelassen hab, dann fand ich sie meistens ziemlich grossartig. Vielleicht hab ich einfach Angst vor noch zu vielen Serien und Zweitserien und Spin-Offs und so. Wenn ich nämlich anfange mich auch noch mit dem ganzen Batman-Universum zu beschäftigen…wer soll das denn alles lesen? Und vor allem: Wann?!?!

Aber: Ich werde vermutlich nicht drumrum kommen. Zum Beispiel wegen den neuen Detective Comics. Ein ähnlicher Zeitpunkt wie die “Action Comics”: Der Stadt und der Polizei ist der Mann im Fledermauskostüm noch nicht richtig bekannt und dementsprechend suspekt. Ausser natürlich Comissioner Gordon, der direkt die edlen Absichten des dunklen Rächers erkannt hat und deswegen mit Batman auf Augenhöhe kommunizieren kann. Im Batcave funktioniert noch nicht alles hundertprozentig, was ich angenehm ungekünstelt fand und wo mir das erste Mal aufgefallen ist, das bei Batman ansonsten immer alles gleich so super funktioniert hat und das ja eigentlich doof ist. Also so diese Perfektion. Hab ich bislang noch gar nicht so genau drüber nachgedacht. Erstaunlich.

Toll auch: Der Joker mal wieder als richtig durchgeknallter Psycho. Nicht so Ledger-Psycho oder Nicholson-Psycho, sondern eben 100 Prozent Joker. So komplett unberechenbar. Und vor allem wieder: Gefährlich. Und gruselig. Pennywise³???. Ungefähr. Ich fand das Heft auch recht brutal, aber auf eine gute, nicht ZU ausgestellte Art, wenn das überhaupt möglich ist. Sehr gutes Heft. Lesen!

Swamp Thing #1
swampthing
Voll gut: Ich hab Swamp Thing nie wirklich gelesen (Ich glaube ich hatte Ende der 80er mal ein paar neue Ausgaben, auf deutsch, in meiner Comicschublade, aber das war irgendwie nie der real deal. Ausserdem haben da Nummern gefehlt, so das ich keine zusammenhängende Story hatte…aber ich war ja auch noch jung und anspruchslos). Also steige ich mit Nummer 1 genauso ein, wie alle anderen Neuleser auch. Und ich finds total super.

Die Natur spielt verrückt. Hunderte Vögel und Fische sterben gleichzeitig und keiner weiss warum. Währenddessen arbeitet Dr.Holland auf einer kleinen, abgeschiedenen Baustelle. Ein echter Einzelgänger. Bleibt auch immer länger als die Anderen. Was keiner weiss: Dr. Holland ist/war Swamp Thing. Er war Wissenschaftler als eines Nachts sein Labor explodierte. Sechs Wochen später wachte er mitten im Sumpf wieder auf und alles ist wie vorher. Ausser das er eine “neue” Erinnerung hat. Eine Erinnerung wie es ist ein “Ding” zu sein, das eins mit der Natur ist. Seitdem hat er zwar ein viel besseres Verständnis für Natur und alles, aber er kann eben nicht so weitermachen wie vorher. So von Selbstzweifeln geplagt.

Da taucht Superman auf und spricht mit Dr.Holland. Und bittet ihn um seine Hilfe. Denn nur er könnte helfen begreifbar zu machen, was da gerade passiert. Aber Holland will nicht. Er kann sich nicht entscheiden. Er will allein gelassen werden und klar kommen.

ACHTUNG, TOTALER SPOILER AHEAD!!!!!!

Das geile ist halt: Swamp Thing schafft es schon in der ersten Nummer (fast) komplett ohne ein Panel mit “Swamp Thing” auszukommen und trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) ziemlich spannend zu sein. Dieses sich-zieren von Holland könnte zwar dezent anfangen zu nerven, aber ab dem kritischen Zeitpunkt schwingt die Story zum Glück um und geht an einen anderen Schauplatz, bei dessen Geschehnissen ich sogar ein wenig Schiss gekriegt hab. Fett! Lesen!

Green Arrow #1
greenarrow
Ich muss sagen, meine Liebe zu Green Arrow ist ja erst sehr spät entflammt. Eigentlich erst seit der “Blackest Night” bzw. dem “Brightest Day”, dem letzten Riesencrossover im “alten” DC Universum (ein “Crossover” ist eine Stroyline die sich über mehrere Hefte und verschiedene Serien erstreckt). Während ich die Blackest Night noch mochte und cool fand (für mich fühlte sich das an wie Marvel Zombies, aber dafür mit Story), wurde es beim direkten Nachfolger “Brightest Day” ganz schrecklich. Ein Crossover das nie aufzuhören schien. Die ganze Story fühlte sich an wie künstlich in die Länge gezogen und nach einem gefühlten Jahr verlor ich das Interesse. Fast. Denn die komplette Green-Arrow-Brightest-Day-Storyline war so spektakulär, das ich eben diesen Held für mich entdeckte. Komplett mit Tod und Wiederauferstehung und so. Epic war das!

Nun auch Reboot beim grünen Pfeil und ich finde das äusserst geglückt. Der arrogante Imperiums-Erbe Oliver Queen, der nie zu Vorstandssitzungen persönlich kommt und deswegen für einen Taugenichts gehalten wird. In Wirklichkeit ist er per Headset zur Konferenz dazu geschaltet, während er am anderen Ende der Welt Verbrecher jagt. Das ist in diesem Heft besonders schön, weil er ein durchgeknalltes Trio jagt, die gerne sadistische Dinge machen, um sie dann direkt auf YouTube zu stellen. (Mr.Tutorial anybody? ;))

Das sind natürlich Bösewichte aus der zweiten Reihe, aber die sind total gut um auch die ganzen Spezial-Pfeile einmal zu präsentieren und so. Der eine Pfeil friert Wasser blitzschnell ein, ein anderer wirkt wie ein Gummigeschoss und so weiter. Green Arrow bleibt immer Herr der Lage, was eigentlich ein wenig ZU cool ist, aber meh: Wir sind hier in einem Superheldencomic und da das ganze eine etwas zu bunte Note hat, geht das auch schon wieder klar. Hat mir sehr gut gefallen. Lesen!

Animal Man #1
animalman
Der Autor von “Animal Man” dürfte regelmässigen Lesern dieses Blogs bekannt sein, denn er ist auch der Schöpfer vom sehr schönen Sweet Tooth. Nun also etwas Neues von Jeff Lemire. Nicht mehr bei Vertigo, sondern direkt bei DC. Kann das gut gehen? Kann man so einen Erzähler auf eine breite Comic-Masse loslassen? Ich sag mal so: So viel Mut und Weitsicht wie im Comicverlag, würde man mal den Filmstudios wünschen. Animal Man ist ein ziemliches Meisterwerk. Schon wieder. Kann der Typ auch mal was anderes schreiben?

Kurz zur Geschichte und ich halte mich bewusst so kurz wie möglich, um nicht zu viel zu spoilern und um die Lust aufs Heft zu erhalten: Buddy Baker ist ein bekannter Mann. Auch in seiner Zweitidentität als “Animal Man”, dessen Power es ist, die Fähigkeiten eines jeden Tieres anzunehmen, das er sich vorstellt. Also er nimmt dann zum Beispiel die Kraft eines Elefanten und dazu die Geschwindigkeit eines Geparden. You get the idea.

Das coole an der Erzählung ist aber, das mindestens ebenso viel Wert auf die private Geschichte des Buddy Baker gelegt wird. Seine Frau, die seine Einsätze immer mit Magengrummeln ertragen muss. Seine Tochter, die unbedingt einen Hund will, kurz: Ein typischer Familienvater mit untypischen Fähigkeiten. Nicht das die Idee des Superhelden, der ein normales Leben führt so meganeiu wäre. Aber so wie hier wurde sie noch nie erzählt. So selbstverständlich. Das macht schon irrsinnig Spass. Als dann auch noch der Cliffhanger am Ende kommt…ich bin jetzt schon so was von drin in der Serie. Es gibt auch einen Einsatz von ihm zu sehen, aber, und das war für mich das AHA-Moment beim lesen von “Animal Man”, man sehnt sich förmlich wieder danach, ihn in seinem Familienalltag zu sehen. Wie cool ist das denn eigentlich? Unbedingt lesen!

Edit: Ein bisschen Recherche (Einmal kurz googlen!) würde dem Autor dieses Blogs gut tun: Animal Man ist auch ein Reboot einer Serie, deren Ursprünge bis ins Jahr 1965 zurückgehen. Seine eigene Serie bekam er Ende der 80er, lustigerweise geschrieben von Grant Morrison, der Autor des in diesem Posting so lobend erwähnten Superman-Reboots. Das alles nur der Vollständigkeit halber.

Fünf von 13 Heften sehr gut. Das ist doch schonmal ein ordentlicher Schnitt.



The Bad! (DC New 52, Week 2)

DC rebootet gerade sein Universum und bringt jede Serie neu mit der Nummer 1 raus. Mein Lieblings- und Stammcomicladen “Grober Unfug” hat mich gefragt, ob ich Lust hätte all diese Erstnummern zu lesen und für euch zu reviewen. Das lass ich mich natürlich nicht zweimal fragen. Da ich diese (und die folgenden drei auch noch) Woche gleich 13 Comics auf einmal zu reviewen hab, hab ich mich für die jetzige Unterteilung entschieden. Weil: Alle Comics in einem Posting wär zu lang, aber jedes Heft als Extrapost wär zu viel. Deswegen als Überblick gleich diese praktischen Kategorien: The Good, The Bad und The SoLaLa. Viel Spass!

Men of War #1
menofwar
Alter, was wollt ihr eigentlich von mir? Eine Gruppe Soldaten wird in einen komischen Konflikt geworfen. Dabei fliegt ihnen alles um die Ohren. Sie springen mit Fallschirmen über dem Zielort ab. Unter ihnen explodiert es. Der Chef springt wagemutig in die Flammen. Ein anderer Soldat schiesst vom Fallschirm aus eine Panzerfaust ab, einfach mitten ins Flammenmeer in der Hoffnung, was böses zu treffen. Am Ende stellt sich raus, das das alles nicht mit rechten Dingen zu geht.
Die zweite Geschichte begleitet ein paar Navy Seals bei einem Einsatz, irgendwo im nahen Osten. Natürlich inklusive eines “Lasst mich zurück, ich halte euch doch nur auf!”-Zwischenfalls. Okay. Ich bin unfair. Ein bisschen. Aber dieses Comic ist so unglaublich bescheuert kriegsbegeistert. Nun ist diese Begeisterung bei den Amerikanern ja nichts Neues, aber so unangenehm wie hier, hab ich die noch nie erlebt. Die Figuren sind alle so unglaublich uncool und unpersönlich. Charakterzeichnung? Scheiss drauf, lass mal lieber noch was explodieren! Wirklich ein Army-Promoheft. Ganz albern auch immer diese Militär-Abkürzungen, die dann beiläufig erklärt werden. Zum Beispiel weiss ich nun das “H.V.T.” ein “High Value Target” meint oder “Bud/S” “Basic Underwater Demolition/SEAL”. Wow. Ich könnte gleich zur Army. Wenn mich das Heft nicht so abgeturnt hätte. Ich habe keine Ahnung, wer das lesen soll. Wenn diejenigen, die das begeistert zur Army sollen….dann würde ich mich lieber selbst verteidigen. Im Verteidigungsfall.

Justice League International #1
jli
Häh? Was? Ich verstehe nicht um was es geht. Eine neue Gruppe wird von der UN bzw. einem UN-Mann gegründet. Eine Gerechtigkeitsliga aus second Hand-Helden plus Batman. Und ja: Anführer ist Booster Gold. Ich hab schon von vielen Leuten gehört und gelesen, die totale Booster Gold Fans sind, ich werd mit der Figur nicht nur nicht warm, mich nervt der eher. Weil der die ganze Zeit wie so ein hilfloser Idiot rüberkommt, der nun wirklich gar nichts gebacken kriegt. Und DAS ist der Held aus der Zukunft? Vielen Dank.

Zur Story: Bei der JLI ist unter Anderem auch noch Guy Gardner, die alte Green Lantern, dabei. Und der will eigentlich der Chef sein, an Stelle von Booster. Und ist sauer deswegen. Und Booster nur so: “Batman? Warum ist Guy so gemein zu mir?” Und Batman so: “Ach, der ist halt so ein alter Mummelgrummel, das legt sich.” Und Booster so: “Meinst du? Vielleicht hat er ja recht? Ach Batman! Machst du mir nen Kakao?” Und Batman so: “Pass lieber auf, da kommen komische Viecher aus dem Boden. Du kleiner Schlingel!”

Ich hoffe ich hab nicht zu viel gespoilert, aber ich fand das alles unerträglich flach und langweilig und uninspiriert und doof. Das Originellste an der JLI ist, das sie von der UN beauftragt sind. Das sagt eigentlich schon alles. Aber wer weiss: Booster Gold Fans findens vermutlich Hammer.

OMAC #1
omac
Okay. Ich gebs einfach auf. “One Man Army Corps”, dafür steht der brachiale Name “OMAC”. Dieser Reboot ist ein Richtiger: Die Serie gab es schon vor Jahren, ist dann weg gewesen und feiert nun ihr modernisiertes Comeback. OMAC ist irgendwie ein ferngesteuertes Wesen, das als Kampfmaschine eingesetzt wird und dessen Sprachkenntnisse eher rudimentär sind. Und so haut und schlägt und donnert sich OMAC seinen Weg durch ein Labor o.ä. Und das macht ganz viel Bumm und Puff und Dötsch und so. Und dann ist die Geschichte vorbei.

Sorry, aber echt mal: Was soll das? Ich kapiere nicht mal ob das besonders ironisch oder ernst gemeint ist, oder was. Wirklich, ich komme mir auch ungeheuer dämlich vor, vermutlich zu Recht, aber ich kann einfach nicht begreifen, um was es in diesem Comic gehen soll. Das sieht natürlich hier und da ganz toll und aufregend aus, aber das hat irgendwie gar nix. Da würde mich in der Tat interessieren, ob mit so einem Titel neue Leserschaften erschlossen werden oder ob das so ein Knochen ist, den man den Nerds hinwirft. Also ich bin überhaupt nicht überzeugt. Im Gegenteil. Ich bin sogar unterzeugt!

Static Shock #1
staticshock1
Ein durchtrainierter Nerd-Junge, der keine Freunde hat und dem sein Vater verbietet, einen Führerschein zu machen, weil sie ja schliesslich in New York wohnen, hat in einem Labor eine geheime Zentrale in der sein einziger, wirklicher Freund wohnt: Ein Hologramm eines komsichen Roboters oder so was in der Art. In dieser Zentrale, in der er in Ruhe gelassen wird, weil sein Hologrammfreund überall hat rumerzählen lassen, das der Junge nicht ganz dicht sei, verwandelt sich der harmlose und durchtrainierte (hab ich das schon erwähnt?) Schüler in “Static Shock”: Ein Superheld der auf einer o-förmig angeordneten Waben-Konstruktion durch die Gegend fliegt und Blitze schiesst. Eine mystriöse, in Regenbogenfarben getarnte Motorradgang folgt ihm. Die wollen dem nichts Gutes, so viel ist klar.

Die Story selbst ist ja schon ziemlich daneben, aber wirklich am meisten geärgert hat mich dieses Flugobjekt von Static. Ich habe wirklich selten ein uncooleres und dämlicher aussehendes Hooverboard gesehen, als dieses. Damit sieht der aus wie der letzte Eumel. Oder so: “Hallo, ich bin Physikstudent!”. Auf jeden Fall wirkt das fürchterlich. Der Comic selbst ist halt so Teen Titans Style, nur eben leider mit nur einer Hauptfigur. Dadurch wird das ganze schnell langweilig. Überhaupt nicht meins. Und, Alter: Das wabenförmige Flug-O!

Nun denn. Immerhin nur vier Bad. Das ist doch ein guter Schnitt!



The SoLaLa! (DC New 52, Week 2)

DC rebootet gerade sein Universum und bringt jede Serie neu mit der Nummer 1 raus. Mein Lieblings- und Stammcomicladen “Grober Unfug” hat mich gefragt, ob ich Lust hätte all diese Erstnummern zu lesen und für euch zu reviewen. Das lass ich mich natürlich nicht zweimal fragen. Da ich diese (und die folgenden drei auch noch) Woche gleich 13 Comics auf einmal zu reviewen hab, hab ich mich für die jetzige Unterteilung entschieden. Weil: Alle Comics in einem Posting wär zu lang, aber jedes Heft als Extrapost wär zu viel. Deswegen als Überblick gleich diese praktischen Kategorien: The Good, The Bad und The SoLaLa. Viel Spass!

Stormwatch #1
stormwatch
Ach, das ist irgendwie schwer. Stormwatch hat schonmal einen Megagrund, warum ich es gut finden muss, nämlich den “Martian Manhunter”, eine Figur die ich total gerne mag. Der arbeitet nun hier im Team mit anderen Helden um, gähn, die Welt vor Aliens zu beschützen. So weit, so alt. Unklar ist, wie viele nun zu Stomwatch gehören, aber vielleicht ist das ja auch gar nicht so wichtig. Der Manhunter und zwei seine Kollegen (unter Anderem ein Jack Hawksmoor, der durch Handauflegen “Städte kontrollieren” kann, also die Physik von Städten, sprich Steine, Häuser etc. Die kann er dann einfach umarrangieren…im Ernst: Das find ich eine ziemlich coole Fähigkeit!) sind in Moskau um ein neues Mitglied zu rekrutieren. Ein Mann mit unglaublichen Stärken. Aber er will partout nicht ins Team. So gut oder böse sie ihm auch zureden. Der Typ will nicht. Da ist guter Rat teuer.

Wie gesagt: Ich WILL das wirklich gut finden, diesen Hawksmoor find ich auch gut, dieser Russe der nicht mitmachen will ist auch ganz geil cholerisch. Aber aus irgendeinem komischen Grund, springt bei mir der Funke nicht über. Ich hab das gelesen und war so “Meh.”. Dann hab ichs nochmal gelesen und nochmal und jedesmal war es wieder das gleiche: Alles irgendwie egal. Schade eigentlich. Hab gar keine Lust das weiter zu verfolgen, obwohl es ja vielleicht sogar noch ganz gut werden könnte. Aber eben leider ohne mich. Erstmal. Ich blätter aber mal in die Nachfolger rein. Versprochen.

Hawk & Dove #1
hawk and dove
Fand ich schick. So eine Bruder/Schwester-Konstellation. Und das Dove mit Deadman zusammen ist. Ist aber leider nicht Abendfüllend. Die können halt fliegen und so, aber die Kräfte von Falke und Taube sind irgendwie so lame. Ja, schon klar, das sind ältere Figuren, aber deswegen haben die mich eben auch nie gekickt. Ich weiss auch ehrlich gesagt gar nicht, warum man denen einen eigenen Comic gegeben hat. Ich hab es auch gerade nochmal durchgeblättert und kann schon nicht mehr nacherzählen, um was es geht. Ist ja eigentlich schlecht. Also es geht eben um diese familiäre Geschichte und wie der(!!!) alte Dove umgekommen ist und so. Aber da geht nix voran. Nichts führt zu nichts. Das reicht nicht. Wie gesagt: Schick isses und was draus machen liesse sich auch. Dafür müsste man das Steuer aber mal extrem rumreissen. Echt jetzt.

Wenn man das jetzt nicht gelesen hat, kapiert man eigentlich gar nicht, was ich meine, fällt mir gerade auf. Aber ich versteh es ja selber nicht! Dove ist immer die ruhige, feinfühlige und Hawk ist halt immer der laute Haudrauf. Das ist so unglaublich 80er und auch wenn die wieder in sind, als Comicerzählform brauch ich die nicht mehr. Lame! (Aber schick, dewegen Mittelfeld. Aber unteres.)

Batgirl #1
batgirl
Barbara Gordon, die Tochter von Comissioner Gordon in Gotham, ist Batgirl: Eine ehemalige Schülerin Batmans, die ausser gefecht gesetzt wurde, nachdem der Joker sie anschoss. Die Kugel traf sie am Wirbel, sie lag drei Jahre und konnte sich nicht bewegen. Dann geschah “das Miracle” und sie kann wieder gehen, springen, laufen, Held sein. Mit der Schwäche, das sie paralyisert ist, so bald jemand eine Waffe auf sie richtet. Da erstarrt sie zur Salzsäule. Sie überwältigt ein paar gelangweilte Kids, die aus Spass eine Familie quälen wollen (”Funny Games” anyone?). Als Barbara Gordon nimmt sie ihr Leben endlich mal in die HAnd und zieht bei ihrem, deswegen traurigen, Vater aus. In eine WG mit einer skurilen Künstler-Mitbewohnerin. Die aber das Herz am rechten Fleck zu haben scheint. Wie wird sich das wohl alles entwickeln?

Das ist auch wieder so ein komplizerter Fall. Das Heft ist wirklich gut. Das liest sich so weg. Das fliesst, das ist stimmig, das macht Spass. Aber, und deswegen ist es hier gelandet, mir ist das zu glatt. Da stimmt alles so dermassen, das man das Gefühl hat, in einem Experiment für “die perfekte Story” gelandet zu sein. Das ist jammern auf hohem Niveau, ich weiss, aber ich kann mir nicht helfen: Ich würde das nächste Heft nicht blind kaufen. Ich würd erst reinblättern und dann entscheiden, im Zweifel aber immer ein Anderes vorziehen. Etwas, das auch Brüche hat, das nicht so perfekt ist. Und auch nicht sein will. Vermutlich ist das mein Problem: Batgirl fühlt sich an wie ein Streber. Aber zugegeben: Für Neulinge ein guter Einstieg in die Materie “Superheldencomic”.

Batwing #1
batwing
Da war ich extrem gespannt drauf: Ein nagelneuer Batman-Ableger. David Zawimbe ist Officer bei der Polizei in (dem fiktiven Örtchen) Tinasha in Afrika. Dort versucht er alles um ein guter Polizist zu sein und die übliche Korruption unter seinen Kollegen so gut es geht einzudämmen. Niemand ahnt etwas von seinem Doppelleben, denn Zawimbe ist auch eine Art “Abgesandter” des Fledermausmanns aus Gotham: Batman. Und als solcher trägt er den Namen Batwing um gegen die organisierte Kriminalität in seiner Heimat vorzugehen. Unter gelegentlicher Mithilfe seines Mentors. Batwing hat vor allem einen, äusserst brutalen, Gegner namens “Massacre”. Schonmal ein guter Name für einen Bösewicht. Ein Name allerdings, der leider auch Programm ist. Und so kommt Zawimbe zu spät zum Tatort und kann sich nur noch die Überreste der Opfer ansehen. Was aber wird der nächste Schritt seines Erzfeindes sein?

Die ganze Prämisse finde ich schonmal grossartig. Auch das unübliche Setting in Afrika finde ich eine super Idee. Das macht alles total Sinn. Und der Cliffhanger ist spektakulär. Und somit kommen wir wieder zum nervigen “aber”: Aber der Style gefällt mir überhaupt nicht. Das sieht alles nicht gut aus. Eher als wenn das Heft in den Zauberkessel mit dem Weichzeichner gefallen wäre. Ich verstehe schon, worauf die hinaus wollen mit dem Stil. Das soll ultrarealistisch wirken, weswegen dann alles so geunschärft wird. Weil ein harter Strich ja immer gleich gezeichnet ist und wirkt. Es sieht nur eben nicht realistischer aus, nur weil man ein paar Kanten glättet. Sondern eben eher als wenn man die ganze Zeit Tränen in den Augen hätte. Es glänzt auch alles immer so, weil man nicht mit Reflektionsflächen geizt. Aber so viel kann gar nicht glänzen. Nichtmal in einem Comic. Deswegen auf dieser Zwischenliste. Wenn die Story von jemand anderem gezeichnet würde (oder später mal wird), dann ist das ein klarer Kandidat für “The Good!”, so viel steht fest. Vielleicht mal reingucken, wenn man den Stil ignorieren kann, dann gehts.

Vier bei “The SoLaLa!”. Voll okay!



DCs New 52 - Startschuss mit der Justice League

Ein gewagtes Experiment, von zwei Seiten:

1.) DC, mein Lieblings-Superhelden-Comicverlag, rebootet sein komplettes Universum. Das bedeutet alle Serien beginnen nun mit Heft 1. Ein paar Serien haben den Neuanfang nicht überlebt (darunter auch die von mir heiss geliebte “Zatanna”), ein paar Neue sind dazu gekommen (wie die “Justice League Dark“, mit meiner heiss geliebten Zatanna). In den nächsten drei Wochen werden sämtliche 52 Neuerscheinungen bzw. Ersthefte rauskommen. Dazu kommen noch ein generalüberholtes Layout der Comics. Das darf man wohl zu Recht als einen spektakulären Komplettneustart bezeichnen.

2.) Mein Comicladen, von dem ich all meine Superheldenhefte beziehe, ist der “Grober Unfug“. Da auch die den Reboot nutzen wollen, um neue Leserschaften zu bekommen (schliesslich kann jetzt jeder bei Heft 1 anfangen und muss keine Berührungsängste haben, nicht in irgendeine Story reinzukommen), haben sie mehrere Blogger gefragt, ob sie die Erstausgaben begleiten möchten. Ich bin einer davon (und freu mir deswegen ein ziemliches Loch in den Bauch). Vor allem passt es auch deswegen, weil ich ja nur DC Comics lese. Man muss sich da, meiner Meinung nach, entscheiden: Marvel Comics (u.a. Spiderman, Iron Man, X-Men, Fantastic Four etc.) oder DC Comics (u.a. Batman, Superman, Green Lantern, Flash etc.). Das ist wie Beatles oder Stones. Star Wars oder Star Trek. HIMYM oder TAAHM.

Diese Woche ist nur ein einziges Heft rausgekommen. Sozusagen der Paukenschlag, der alles eröffnet. Schauen wir mal rein:

“Justice League”

justice-league-12

Batman wird von der Polizei verfolgt (während er ein komisches Vieh verfolgt)? Green Lantern kommt dazu und lernt Batman erst kennen? Oder [insert fetten Spoiler]? Das erste Heft der neuen Gerechtigkeitsliga (ohne das “of America” dazu) wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet. Das macht natürlich Spass. Das ganze Heft ein einziger Cliffhanger sozusagen. All das angesiedelt 5 Jahre vor der “normalen” Superheldenzeitrechnung. Das bedeutet: Niemand kennt sie, niemand nimmt sie ernst und alle haben ein bisschen Angst vor diesen seltsamen Kreaturen in ihren Kostümchen. Man prügelt sich quer durch Gotham. Batman ist wie immer scheisse drauf und weiss wie immer alles (besser). Lantern ist wie immer ein Haudrauf und macht wie immer alles falsch. Und das “Böse” pflanzt irgendeinen komischen Kasten in die Stadt. Handlung Nebensache. Das erste Heft will auftrumpfen, will schreien “Wir sind wieder da!”, will wegblasen und umhauen. Das hier ist die Show der Sensationen. Handlungstiefe können wir im Verlauf der Serie noch ausbauen. Hier soll erstmal die Dynamitstange explodieren.

Das hat seinen Charme. Man hat durchaus das Gefühl, als haben sich hier Zeichner und Autoren freigestrampelt. Ach, endlich von Vorne anfangen. Endlich nicht 27 Fäden von älteren Autoren aufnehmen müssen, endlich frei zu tun und lassen, was man will. Das merkt man dem Heft an. Es geht im Prinzip nur darum, die Figuren alle mal aufeinander treffen zu lassen. Und das wird in aller Breite zelebriert (was auch eindrucksvoll am schlussendlichen Cliffhanger des Heftes bewiesen wird). Aber. Es gibt schon irgendwie ein “aber”.

Dieser Reboot wurde ja eben auch als Einstiegshilfe gemacht. Ich habe aber ein bisschen das Gefühl, das sich dieses erste Justice League Heft einem vor allem dann erschliesst, wenn man die Figuren, die Mythologie und das alles schon kennt. Ich hatte irgendwie das Gefühl, das Heft sei ein einziger Insider-Joke. Ich mag mich da auch täuschen und wüsste gerne was jemand sagt, der das alles noch nie gelesen hat. Aber für mich hat es sich so angefühlt, als wenn der Spass eindeutig auf Seiten der Kenner ist. Klar, die Geschichte wird von Vorne erzählt. Da fangen dann alle Gemeinsam bei “1″ an. Aber zu sehen wie sich Batman und Lantern kabbeln ist doch eigentlich erst dann lustig, wenn man weiss wie sie “heute” zusammenarbeiten, oder?

Die neuen Kostüme sehen alle ganz cool aus, find ich. Zumindest oberhalb der Hüften. Darunter, vor allem ab den Knien abwärts, wird es dann komisch für mich. Diese Art zu zeichnen hat sich ein bisschen eingebürgert in US-Comics in den letzten Jahren. Ich hab immer das Gefühl, dass das ein wenig von den Mangas kommt. Das sieht irgendwie aus wie Plateau-Stiefel. Und Superman in Buffalos? Will man das? For real? Ich weiss auch nicht so genau, woran das liegt. Aber das sieht irgendwie extrem unmodern und uncool aus. Wie gesagt: Oberhalb ist alles Bestens. Am Ende des Hefts sind ein paar Skizzen, als “Bonusmaterial” und da sieht man, das das Cape jetzt irgendwie mehr Teil der ganzen Supermanuniform ist, das ist echt ganz cool geworden.

Alles in Allem ein guter, solider Start. Jetzt nicht die Megaoffenbarung, aber wer ein bisschen in der Bahn entspannen will auf einer 15-Minuten Fahrt, für den würde ich das Heft schon empfehlen. Und ausserdem ist es ein historischer Wendepunkt. Schon allein deswegen sollte man diese Ausgabe besitzen. Wen interessiert da die Story? Es ist halt wie die Eröffnungsactionszene eines Films und nicht wie der Showdown. Ist ja dann irgendwie auch wieder ganz passend.

Ich bin sehr auf die nächsten Hefte gespannt.