Wähl deine Mudder (Update!)

Bäh. Politik ist gerade wirklich ein absolutes Brechmittel. Auf allem Ebenen:
Da wird gemütlich dem JMStV (wenn du nicht weißt, was das ist - lies bitte hier, aber stell dir einen Eimer bereit) zugestimmt, weil es ja eh nur um so ein bisschen Internet geht und man die Kinder schützen und retten will, bevor man sich da womöglich einen Haufen mündiger Bürger entwicklen sehen muss, die sich sogar die Fähigkeit aneigenen, sich eine eigene Meinung zu bilden und so ihre Wahl entscheiden! Nein, da muss man einen schnellen Riegel vorschieben: Und deswegen haben wir ab Januar ein unmögliches Internet, in dem man nur noch mit Altersbeschränkung veröffentlichen darf. Und wenn man die nicht möchte und unsicher ist, dann publiziert man gleich “ab 18″, womit klar ist welche Seiten für alle unter 18 übrig bleiben: Jugendseiten der Bundesregierung (”Hey! Crazy Kids! Wir sind so superduperfreaky wie ihr!”) und natürlich die Seiten von Coca Cola, McDonalds und co. Für die Insudtrie ein Segen: Endlich wird die Zielgruppe nicht mehr durch störenden Content von der Werbung abgelenkt.

Politik in Deutschland hat vom Internet wirklich überhaupt nichts kapiert. Gar nichts. Und das hat einen einfachen Grund: Es interessiert sie auch nicht. Die haben da Angst vor, das ist diffus und diese Wikileaks, die sind doch auch im Internet! Da sieht man mal wieder: Von da kommt nichts Gutes. So oder so ähnlich muss es wohl in den greisen und frühvergreisten Hirnen der Menschen ablaufen, die unser Land…ähem…lenken.

Nun kann man mit Fug und Recht behaupten: Politik, das ist ja nicht nur das Internet, da gibt es ja auch noch ein paar andere, nicht unwesentliche Themengebiete. Das ist absolut Richtig. Nehmen wir mal den Themenkomplex “innere Sicherheit”. Oder, ne, nehmen wir den lieber nicht. Ich fühle mich durch die Präsenz von MGs auf Weihnachtsmärkten und Bahnhöfen nämlich kein bisschen sicherer, im Gegenteil. Ich habe das Gefühl ein Stück Freiheit ungefragt aufgegeben haben zu müssen. Ach, ich wollt ja nichts drüber sagen.

So kann man sich munter weiter durch die aktuelle Politik schlagen und damit meine ich durchaus nicht nur die Regierung, sondern auch die Opposition: Die SPD kriegt irgendwie gar nichts mehr gebacken. Die haben kein Personal mehr, das sie nach vorne schicken können und die finden vor allem keine Themen mehr. Gerade versuchen sie durch Barcamps und ähnlichem Netzgebimmel wieder moderner rüberzukommen, aber da ist das Netz schon einmal drauf reingefallen und im Zweifelsfall wird halt immer “auf Nummer sicher” entschieden, als nach logischen oder gar auf gesundem Menschenverstand basierenden Gesichtspunkten. Warum sich mit Themen beschäftigen, wenn man die einfach so wegentscheiden kann? Eben.

“Meine” bisherige politische Heimat, die Grünen, haben mir in den letzten paar Tagen so dermassen zugesetzt (und ich hab schon viel Scheisse gefressen) das ich nicht mehr ernsthaft eine Wahl von denen in Erwägung ziehen kann. Da können die noch so sehr auf Trennung von Partei und Fraktion und Bla und Blub rufen: Das ist alles eine Partei. Die Landesverbände müssen ebenso der Bundespartei zuarbeiten, wie umgekehrt. Man sollte an einem Strang ziehen. Meine Güte, warum schreibe ich hier eigentlich Selbstverständlichkeiten hin? Vermutlich weil ich das Gefühl habe, das sie mal jemand den Grünen sagen muss. Ich kann es nicht verstehen, wie eine Partei, die zum größten Teil sehr wichtige Themen besetzt und dabei fast nur meiner Meinung nach richtige Positionen einnimmt, wie so eine Partei einfach IMMER wenn es auf sie ankommt falsch entscheiden kann. Falsch in einem absolut moralischen Sinne. Denn machtpolitisch entscheiden sie immer richtig, auch wenn es selten aufgeht. Aber da einen Kausalzusammenhang herzustellen, das ist anscheinend zu viel verlangt, von den Arschlöchern, die ihre Ideale über Bord werfen um an ihrem scheiss Stuhl kleben zu bleiben. Sorry. Musste mal raus. Ich weiss, Beschimpfungen sind sehr unsachlich, aber mir fällt langsam keine Sprache mehr ein, die die noch verstehen sollen. (Erklärung: Sowohl die Hamburger GAL hat kurz vor ihrer Verabschiedung noch schnell dem JMStV zugestimmt, wie auch die NRW-Grünen, laut eigener Aussage aus Fraktionszwang…und alle haben entgegen der Bundespartei gehandelt, die immerwieder betont, wie sehr sie gegen den Staatsvertrag sei - anscheinend sogar für die eigene Basis wenig überzeugend…)

Durchatmen.

Nun gibt es verschiedene Ansätze damit umzugehen. Thomas Knüwer empfiehlt in seinem Rant einen Wahlboykott und ich hab ja auch schonmal irgendwo an anderer Stelle (die ich jetzt natürlich nicht finde) gesagt, das ich es niemandem verdenken kann, nicht zur Wahl zu gehen, so “volksfremd” wie Politik mittlerweile ist (und auch sein will!). Knüwer spekuliert wohl auf eine rekordartige Niedrigbeteiligung und das die Herren und Damen Politiker dann mal merken, das sie keiner will. Das wird meiner Meinung nach nicht gehen. Ich denke das kein einziger dieser Machtmenschen jemals auf die Wahlbeteiligung geguckt hat. Nur auf das Ergebnis. Und wenn nur 50 Leute wählen würden, davon aber 25 CDU, dann würde Merkel von einem sensationellen Vertrauensbeweis von “50% der Wähler” sprechen (womit sie ja im Prinzip auch nicht unrecht hätte). Das wird nicht funktionieren. Allerdings müssen Lösungen her. Da gibt es eine einfache und eine Anstrengende.

Die Einfache:
Zur Wahl gehen, aber “Micky Maus” oder eben “Deine Mudder” (um mal die Überschrift zu erklären) oder noch besser “Nilzenburger” auf den Wahlzettel schreiben. Dann sind die zwar ungültig, werden aber gezählt! Das ist wichtig für die Sitzeverteilung. Weil wenn 50% ungültig sind, dann ist DAS eine politische Kraft bzw. ein Statement, das “die da oben” auch verstehen. Plus dem Vorteil, das die weniger Kohle kriegen, weil die Ungültigen von dem Veteilungsschlüssel irgendiwe abgezogen werden. Also: Ich weiß, man kann niemand wirklich wählen gerade, deswegen ungültig wählen!

Anscheinend bin ich da einer alten Legende aufgesessen. Für mich schien das immer logisch, das ungültige Stimmen (im Gegensatz zu nicht abgegebenen Stimmen) nicht gezählt würden. Offensichtlich war das aber nur für mich logisch, nicht für die Autoren des Wahlrechts. Es gab anscheinend einen Präzendezfall in den 50ern im Saarland, wo ein grosser Teil ungültig gewählt hat und deswegen als Statement wahrgenommen wurde, aber das hatte mit dem Verbot einer Partei einen sehr konkreten Grund und es war in den 50ern und, come on, es war im Saarland…;)
Das bedeutet aber im Umkehrschluss, das es keinen einfachen Weg gibt. Man muss eine Partei wählen (was man auch als Art Erpressung des Wahlrechts empfinden könnte resp. als undemokratisches Element der Demokratie) um die eigene Stimme nicht wegzuwerfen. Der Witz ist aber natürlich, das man eine Partei wählen muss, die keine Chance hat. Also die Stimme doch wegwerfen, denn ich stimme irgendeiner sinnlosen Partei zu, als das ich anerkennen lassen kann, das ich Parteipolitik (zumindest im Moment) absolut falsch finde. Die nächste Wahl könnte also ein Fest für die Regenbogenpartei werden. Und sorry liebe Piraten, bei aller Sympathie: Ich kann einfach nicht empfehlen euch zu wählen. Ich halte euch noch für sehr weit davon entfernt, wirklich Verantwortung übernehmen zu können. Desweiteren spricht meiner Meinung nach nichts dagegen, das BGE auch BGE zu nennen.

Vielleicht, und das mag verwunderlich wirken, gibt es ja eines Tages sogar wieder die Möglichkeit SPD zu wählen. Mathias Richel hat auf jeden Fall die richtigen Fragen und Aufforderungen in einem bemerkenswerten Artikel Richtung Willy-Brandt-Haus geschickt. Nicht das ich ernsthaft dächte, das sie da ankommen werden, aber: Apotheke, Pferde, kotzen. Ihr wisst schon.

Die Anstrengende:
Warum sollte man die machen? Nun, sie ist etwas nachhaltiger als die Einfache. Das Hauptproblem von Politik ist doch das man von Ahnungslosen regiert wird. Warum wird man von denen regiert? Weil Parteipolitik nicht aus dem Austausch von Kompetenzen, sondern auf dem Austausch von Nettigkeiten basiert. In jeder Partei muss man sich hochdienen, wieviel Zeit soll da noch bleiben sich mit Themen ernsthaft zu beschäftigen? Wenn man wirklich an die Macht will? So ziemlich gar keine. Wer immer Hände schütteln, Babys küssen, sich bei Parteikollegen einschleimen und Wähler pampern muss, der lässt sich doch nur noch Infohäppchen aufbereiten, als sich selbstständig und tiefgehend über irgendwas zu informieren. Was dagegen tun? Die Langweilier von ihren Plätzen drängen! Sind nicht mal vor ein paar Jahren Studenten zu Massen in die FDP eingetreten? Was das für ein Movement sein könnte! Eine Partei von innen aufräumen! Massenbeitritte! Ja, eine Utopie, eine Vision. Aber wäre das nicht schön wenn plötzlich eine riesen Gruppe an denkenden Menschen in eine Partei einträte und somit das Gehirn und Aufrichtigkeit dort wieder nach vorne bringen würde?

Wie man sich auch entscheidet: Lets bring some Realness back!

P.S.: Die Nicht-Erwähnung von der Linken oder den Piraten oder der Regenbogen Partei bedeutet keine Wahlempfehlung. Aber so ein Artikel muss irgedwann auch mal zu Ende sein.



Wikileaks enthüllt: So denkt Nilz Bokelberg über Deutschland

Es ist einer der größten Coups der jüngeren Mediengeschichte: Geheime Quallen haben uns, vom Weltfrieden-Investigativ-Team, Papiere zugespielt, auf denen Nilz “Nilzenburger” Bokelberg seine Gedanken zur Regierung aufgeschrieben hat. Bislang wusste man ein wenig über diese Gedanken, anhand seiner Aussagen und man konnte sich so einiges denken. Aber wie er wirklich über Merkel und Co denkt, das war nie in Gänze bekannt. Diese Papiere nun beschreiben in detaillierter Form, wie er die Regierungskoalition sieht. Amüsant bis schockierend (für diejenigen, die so etwas schockiert), haben wir die wichtigsten Erkenntnisse aus den geheimen Papieren einmal für sie zusammengetragen und in mühsamer Recherche gelesen, analysiert und auf ihren Informationsgehalt hin gefiltert (das Originalmaterial betrug bis zu 3 vollgeschriebene DIN A4-Seiten):

- Angela Merkel
Kommt bei ihm nicht gut weg. Er findet ihren Regierungsstil zu passiv, hat den Eindruck das sie ihre eigene Koalition nicht wirklich im Griff hat. Desweiteren hat er Angela Merkel nicht gewählt! Ein Auszug belegt diese Vermutung. Dort steht: “Ich habe Angela Merkel nicht gewählt.” Im Bundeskanzleramt hüllt man sich zu dieser Information in Schweigen. Aber interne Quallen meinen, bei Frau Dr. Merkel Bestürzung ausgemacht zu haben. Es kann nicht ausgeschlossen werden, das Bokelbergs Ablehnung der Grund für ihren Gemütszustand ist.

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- Guido Westerwelle
Wird von Bokelberg abgelehnt. Zitat: “Not my Aussenminister!”. Er hält Westerwelle für überfordert im Amt, kann seinen Stil Politik zu machen nicht nur nicht nachvollziehen, sondern hält ihn auch noch für sonderbar und ulkig. Schämt sich aber gleichzeitig ein wenig, ausgerechnet von jemandem mit solch einer bizarren Gewichtung zwischen Selbstdarstellung (100%) und “Aussenpolitik machen” (0%) im Ausland vertreten zu werden.

- Karl Theodor von und zu Guttenberg
Wird für sehr frisiert gehalten. So wie seine Frau übrigens auch. Nur weniger kompetent.

- Dirk Niebel
Bitte wer?

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- Deutschland
Irrsinnig gutes Land zum drin leben. Muss man, seiner Meinung nach, auch mal so sagen. Auch wenn ihm das “drin leben” immerwieder von Spacken vergällt wird, die Ausländer hassen, oder mehr Sicherheit blind fordern, oder die sämtliche hier lebende Türken unter Generalverdacht stellen, oder die anderen ihren Willen/ihre Meinung aufzwingen wollen, oder die einfach immer und den ganzen Tag unfreundlich sind, oder die nicht nach links und rechts gucken, oder oder oder. Dafür gibt es hier aber auch tolle Sachen, eine ziemliche Freiheit, auch gute Politiker, bemerkenswerte Diskussionen, tolle Autoren, schöne Musik und tolle Freunde. Und jeden Tag neue Menschen zu entdecken und kennenzulernen. Das gibt es zwar woanders auch, aber hier ist es eben nochmal speziell. Ausserdem ist hier der Sitz seines Wrestling-Teams (”GTT 4LIFE!!!”) und den Kölner Karneval gibt es so auch nur in Köln. Wenn man mit der Bahn quer durchs Land fährt, sieht man sehr viele unterschiedliche Regionen. Und die haben alle was für sich. Nein, nur schlecht kann er es hier nun wirklich nicht finden. Wenn es auch, seiner Meinung nach, im Moment immer schlechter wird. So Grundstimmungsmässig. Aber dann kommen ja immer so Hoffnungsschimmer wie die S21-Proteste zum Beispiel, die er bemerkenswert findet und fand.

Es sind wirklich spektakuläre Enthüllungen, mit denen so wohl niemand gerechnet hätte. Hoffen wir das die Beziehung zwischen Bokelberg und der Politik nicht allzu sehr darunter leiden und danken wir das es solch Plattformen wie Wikileaks gibt, die uns nicht vor solch unbequemen Wahrheiten verschonen. Dank geht auch an dern Weltfrieden, für die schonungslose Offenlegung dieser Tagebucheinträge. Unglaublich.

(Und um ganz zum Schluss nochmal aus dem Ironie-Modus rauszukommen: Selten war das geflügelte Wort “Stating the obvious” so passend, wie zum aktuell um den Weihnachtsbaum gestrickten Skandal des Spiegels. Ich mein: Gehts noch? Ich empfinde die ganze Geschichte ungefähr genau so, wie diesen Titel hier….)



Ein komischer Tag geht zu Ende.

Mit kleinen Höhen und großen Tiefen. Und jeder Tag muss mit einem Lied enden. Auch so einer.


[YouTubeDirektSong]



Kreidezeit

Früher, als Waldi und ich noch klein waren, da hatten wir im Sommer ein absolutes Lieblingshobby und das hatte den fantastischen Namen “Strasse bekritzeln”. Wir hatten riesig große Kreidestücke und haben damit den vom Tag aufgewärmten Asphalt voll bemalt, bis wir nicht mehr konnten. Große Formen, kleine Formen, Comics, kleine Nachrichten - alles war erlaubt. Hauptsache die Strasse sah danach so vollgekritzelt aus wie nur irgendwas und wir konnten zufireden über unser Tagewerk ins Bett gehen. Später haben wir dann auch noch Parcoure aufgezeichnet, die wir dann mit unseren Fahrrädern abfahren mussten. Ja, man kann sagen das wir ausgesprochene Profis in unserer eigenen Disziplin waren. Auch wenn wir immer den absolut utopischen Traum hatten, des doch einmal zu schaffen die GANZE Strasse vollzumalen. Was uns nie gelang. Aber nicht schlimm. Und, das sollte noch erwähnt werden, nicht hier mit bunter Strassenkreide von Faber Castell, oder so ein Quatsch. Normale, weiße Bruchkreide aus dem Baumarkt. Männerkreide! :)

Warum ich das alles erzähle? Weil die das in diesem schönen Video auch machen. Also “Strasse bekritzeln”. Und eigentlich machen die das sehr schön. Aber die schreiben ja nur! Die malen gar keine coolen Riesenspiralen! Und einen Parcour für das Rennrad schon gar nicht. Da ist auf jeden Fall noch Nachhilfe angesagt, aber das Potential ist schonmal vorhanden…

[VimeoDirektGrammatik,via Feingut]



Zensur des Herzens

Ich hab hier einen Text und bin unsicher ihn zu veröffentlichen. Es ist ein sehr intimer Text, der sich um meine momentane, emotionale Situation dreht. Allerdings ist er eher wie ein Tagebuch-Text, in dem man seine tiefsten Gefühle versucht aufzuschreiben. Und auch wenn ein Blog ein Tagebuch im Netz sein soll, so denke ich nicht das jemand diesen Text (jetzt schon) lesen sollte. Ausser mir. Und vielleicht die Person, um die es geht. Aber ich möchte ihr den nicht geben. Dann wirkt das so, als hätte man den nur für sie geschrieben. Das möchte ich nicht. Deswegen überlege ich eben den zu bloggen. Weil, dann kann sie den immernoch “entdecken”. Vermutlich müsste ich sie sanft hinstossen. Aber. Wenn die den dann scheisse findet, dann steh ich doof da.

love(Bild von Julene)

Der René hat mal, vor einer Weile schon, gesagt dieses Befindlichkeitsbloggen sei vorbei. Die Nummer sei durch. Und ich hab den Kopf geschüttelt und daran gedacht, das doch gerade das bloggen ausmacht. Aber jetzt hab ichs rausbekommen: Befindlichkeitsbloggen ist gar nicht per se vorbei. Wir werden nur älter. Und wertschätzen Emotionen anders, vor allem die eigenen. Ich mag Befindlichkeitsbloggen, wenn es extrem verklausuliert ist und man keine Rückschlüsse mehr ziehen, die Person um die es geht aber trotzdem ein fröhliches Herz haben kann. Aber der Text, den ich gerade hier nicht hinschreibe, der ist zu konkret formuliert, das funktioniert so nicht.

Netzaktivisten würden wohl jetzt schon von “Zensur” reden. Und sie haben Recht. Die Zensur des Herzens. Nichts ist wichtiger.



Sachen denken

Das ist ja so ne Sache mit dem so ne Sache sein. Viele Sachen träumen davon, so ne Sache zu werden, aber bleiben am Ende doch nur einfache Sache. Oder noch schlimmer: Landen beim Sachbearbeiter, der bearbeitet sie dann so lang, bis sie keine Sache mehr sind, erst Recht nicht so ne Sache, sondern so was konkretes wie ein Niesanfall. Oder ein Eifersuchtsdrama. Oder dicke Eier. Zwar noch sächlich, aber eben nicht mehr sachlich. Weiter entfernt sein kann man dann nicht mehr von so ner Sache.

Die Sachlage ist relativ entscheidend dafür, was so ne Sache wird oder nicht. So wird etwas mit Kopf voran selten zu so einer Sache. Wenn aber die Lage so ist, das es mit dem Herzen vorraus gebiert, dann stehen die Chancen exorbitant gut. Wie gesagt: Das ist halt so ne Sache, aber nicht nur mit dem so ne Sache sein, sondern auch mit dem so ne Sache werden. Das ist ja kein Ausbildungsberuf, wo man ins BIZ geht und nach einem dämlichen Test sagt einem der Computer mit Roboterstimme: “Sie werden so ne Sache. Noch einen schönen Tag.” und dann kriegt man am Ausgang ein ausgedrucktes Blatt in die Hand auf dem steht: “Ausbildungsziel: So ne Sache.” und man meldet sich in einer Werkstatt, die wohl auch schonmal so ne Sache gemacht hat und die können einem auch nicht weiterhelfen, das mit der Sache sei so ne Sache, das war wohl mal eine Lach- und Sachgeschichte gewesen, die sich so verselbstständigt hatte und seitdem käme jeder in die Werkstatt und wolle so ne Sache, aber das würde gar nicht gehen, weil wenn die so ne Sache in Massenproduktion machen würden, dann wärs eben nicht mehr das, was die Leute wollen. Ach, es ist schon so ne Sache.

Ich sach mal so: Ob man es hart oder sachte angeht tut nichts zur Sache, erst Recht nicht “so ne”. So ne Sache ist ein Naturphänomen, das kann man nicht erzwingen. So ne Sache ist sozusagen der Trüffel unter den Sachen. So ne Sache ist der Halleysche Komet der Sachen, der Sechser im Lotto, die blaue Mauritius der Sachen. Und das, obwohl es gar nicht so einfach ist! Das ist nämlich so ne Sache….



Drei Bücher - Eine Meinung

Ich habe gerade im kurzen Abstand drei deutsche Bücher hintereinander gelesen, die ich euch alle ans Herz legen möchte:

- “Für Uwevom Christian “Ulmi” Ulmen, in dem er als Uwe Wöllner seine Lebensgeschichte erzählt.

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Diese halb-autistische Figur, die er da erfunden hat (und die er schon in diversen Formaten ausprobierte, aktuell in einem Talk-Format auf dem RBB), geht ja oftmals über so ein Mass des Erträglichen hinaus, deswegen hatte ich ein bisschen Angst vor dem Buch. Denn die Versuchung, diese Figur einem gewissen Humor zu opfern und leiden zu lassen (weil ihr ihr eigenes Leid vermutlich gar nicht so bewusst wäre), lag sicher nahe. Ähnlich einem Donald Duck, den man auch immer volle Kanne in die Scheisse reiten lässt, auch wenn er gar nichts dafür kann. So hat Ulmen das Buch aber eben NICHT geschrieben und so hat er die Geschichte auch nicht angelegt. Klar, Uwe hat einen sehr speziellen Blick aufs Leben und die Menschen, aber er macht erstaunlich viel Sinn an manchen Stellen, wenn man es aus seiner Perspektive betrachtet, was man ja als Leser in diesem Fall tut. Ums nochmal kurz zu sagen: Die Geschichte von Uwe, der aus seinem Kaff alleine in die große weite Welt nach Berlin geht und da unter Anderem seine vermeintliche Liebe findet, ist so unglaublich herzzerreissend und komisch zugleich, das Herr Ulmen ruhig noch mehr Bücher schreiben sollte. Meinetwegen auch als Uwe.

- “6 Österreicher unter den ersten 5von Dirk Stermann über sein Leben als Deutscher in Wien.

roman-einer-entpiefkenisierung

Irgendwann in den späten 80ern ist Stermann von Duisburg nach Wien gezogen. Als Wien hierzulande nur als Liferant von Sachertorte, Falco und der EAV bekannt war. Und da ist er dann hängengeblieben, hat einen riesen Bogen um alles Deutsche gemacht (wie einem “Deutschen-Stammtisch”) und sich mehr als akklimatisiert. Er ist als Piefke in der MItte der Wiener angekommen. Schwer genug.
Das Buch das er darüber geschrieben hat ist von einer solch unverschämten Grossartigkeit, das man sein eigenes Leben als viel zu unaufregend empfindet, um es aufzuschreiben. Dabei passiert ihm gar nichts ungewöhnliches. Zumindest nicht mehr oder weniger Ungewöhnliches, als jedem andern Menschen auch. Und das es den Blick enorm schärft, wenn man alleine in der Fremde ist, ist zwar auch kein Geheimnis, in diesem Buch aber herrlich zu erkennen. Stermann, mittlerweile superpopulär mit seinem Kollegen Grissemann, hat dabei so eine tolle Sprache gefunden, um seine Geschichte zu erzählen. Niemals wird es verletzend oder böse, wenn er über andere Spinner schreibt. Man muss seine Figuren alle lieben, selbst die, die nur schimpfen. Und die letzte Seite hat mir dann sogar noch ein Tränchen abgerungen und ich war glücklich, das Buch gelesen zu haben. Ich liebe aber auch Wien.

- “Das Leben ist keine Waldorfschulevon Mischa Sarim-Vérrolet als Beweis, das Slammer auch schöne Texte zum selberlesen schreiben können (wobei ich ihn viel bloggiger als slammig finde). Supergute Episoden-Sammlung eines Jungen aus OWL.

das-leben-ist-keine-waldorfschule

Das Buch ist eigentlich derbe unaktuell, weil Mischa gerade sein zweites Buch vorgelegt hat, aber da ich eh immer ein bisschen langsamer bin und die Version, die ich hier gerade gelesen habe anscheinend ein Re-Release ist, nur bei einem anderen Verlag, wenn ich das richtig verstanden habe, möchte ich das hier besprechen. Das neuere gibts dann, wenn ich es gelesen hab, okay? Also: Mischas Buch ist eine Kurzgeschichten-Sammlung. Es geht eigentlich um “Mischa und wie er die Welt sah sieht”. Dabei gibt es Kindheitserinnerungen, neben Jugenderinnerungen, neben Freundinnen-Struggle, neben Allmachtsfantasien (was ein bisschen Trennschärfe vermissen lässt als Beschreibung, denn die erwähnte Allmachtsfantasie ist in dem Buch eher als ein Subgenre eines vorher genannten Themenkomplexes zu begreifen, und ja, ich formuliere gerade irrsinnig kompliziert um die Geschichte um die es geht nicht zu spoilern…) und allem anderen was einem in 30 Jahren OWL eben so passieren kann. Mischa ist Poetry Slammer und das merkt man manchen Texten auch an, die einem gewissen unsichtbaren Beat folgen. Das Schöne ist eigentlich, daß er es aber dann doch immerwieder schafft, sich darauf zu besinnen für Lesende zu schreiben und nicht für den schönsten 5-Minuten-Wortbeitrag. Das ist so ein eigener Style, der superangenehm zu lesen ist. Wie oben schon erwähnt: Für mich sind das eher Blogtexte, so vom Gefühl her. Aber vielleicht schreib ich hier auch nur total POetry Slammig und habs nur nie bemerkt…kann auch sein. Ich meide diese Veranstaltungen, weil ich immer so eine Angst vor so Alliterations-Cowboys habe, die ihre stumpfen Formalismen für cool halten. Mischa ist definitiv KEINER davon und wenn der mal hier slammen sollte, dann gehe ich auch hin. Tolle Texte!

Alle drei kaufen. Danke. Weitermachen.