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Was möchte mir mein Unterbewusstsein damit sagen?

Okay, ich hatte letzte Nacht einen wirklich unglaublich strangen Alptraum aus dem ich klopfenden Herzens erwacht bin und ich frage, wo der eigentlich herkommt:

Ich bin also in diesem riesengrossen Gebäude unterwegs, von dem ich nicht genau weiss, wozu es eigentlich gebaut wurde. Die Räume sind auf jeden Fall alle irrsinnig hoch und unheimlich, weil leer und hallend und spärlich beleuchtet und überhaupt: Wir befinden uns hier schliesslich in einem Alptraum. Also, das habe ich in dem Traum natürlich nicht gedacht, aber das habe ich jetzt geschrieben um euch das nochmal deutlich zu machen.

Ich laufe also da rum und dann komme ich zu einer Art Aussenraum. Also, das war noch nach aussen hin irgendwie geschlossen, aber total weitläufig, vielleicht vergleichbar mit einem Stadion. Und man konnte auf einer runden Fläche gehen, so wie ein riesengrosser Ring. Ein bisschen wie diese Ringe, auf denen die Diskuskämpfer im ersten “Tron” stehen. Nur viel, viel grösser und mit Gebäudeelementen, vom inneren Gebude, das in der MItte des Rings liegt, aber irgendiwe nicht mehr zu betreten war. Ein paar Säulengänge gingen zwar von dem Ring ab in die MItte, aber da war kein reinkommen. Man war auf diesem Ring quasi isoliert. Zum späteren Verständnis muss ich noch darauf hinweisen, das die Säulen der Säulengänge auf dem Ring standen, die Gänge aber erst dahinter wirklich losgingen. Somit waren es also fast freistehende Säulen.

So. Ich steh da also so rum und wunder mich was ich da mache und was ich da soll. Und da gehen die Gänge zum Zentrum auf und eine Menge Leute stürmen heraus. Viele kenne ich persönlich, viel mehr von denen hab ich schonmal gesehen, kann sie aber noch nicht so richtig einordnen. Aber etwas haben alle gemeinsam: Angst im Blick. Ich kann noch nicht so richtig erkennen warum. Da kommt der Grund auch schon herbei: Dr. Ludwig Dressler. Der aus der Lindenstrasse. Aber nicht im Rollstuhl, also war das wohl der Schauspieler des Dr. Dressler. Und der sah sehr verstört aus. Und hatte eine Waffe in der Hand. Und er erklärte mir was, wobei da die Erinnerung kurz unscharf wird, weil ich nämlich auch das Fragment einer Nachrichtensendung erinnere (warum auch immer ich eine Nachrichtensendung zur dramstisierung des eigenen Traumes träume…), in der sie die catchy Punchline “Dressler dreht durch” aufwendig in Szene setzten und verwendeten. Also, es kann auch sein das ich die folgenden Fakten aus dem Nachrichtenflash meiner nächtlichen Nachrichtenverarbeitung habe, das weiss ich nicht mehr genau. Auf jeden Fall war es so, das Dressler bzw. sein Schauspieler (dessen Name nie genannt wurde, es ging immer um “Dressler”) mich und alle meine Facebook-Freunde und Twitter-Follower als Geiseln genommen hat und androhte jede Stunde irgendwen von denen zu erschiessen, wenn seine Forderungen (an die ich mich nicht mehr erinnere) nicht erfüllt würden.

Die Erfüllung der Forderungen liess auf sich warten. Es war auch nicht so richtig klar, wem er die überhaupt gestellt hatte. Der hat alles immer einfach nur rumgebrüllt. Er musste also sein erstes Opfer finden. Und bewegte sich langsam über den Ring. Alle rannten vor ihm weg und ich hatte natürlich eine gewisse Pflicht für die Geiseln, weil sie ja alle durch mich da gelandet waren, auch wenn ich da nicht wirklich was für konnte. Während alle flohen stellte ich mich also hinter eine der freistehenden Säulen und hatte plötzlich eine Pistole in der Hand. Dresselr hatte zum Glück die Angewohnheit immer laut anzukündigen, wo er gerade war, deswegen konnte ich gut hören, als er mir sehr nahe war. Ich sprang aus meinem Versteck und schoss in seine Richtung, bzw. wo ich ihn vermutete. Und traf ihn direkt zwischen die Augen. Das war ein supergruseliger Moment, weil ich ihm noch in die Augen blickte, als er dann regungslos zusammensackte.

Aber alle Anwesenden freuten sich und jubelten und feierten und nannten mich einen Held. Nur ich konnte mich damit nicht so richtig anfreunden. Die ganze Zeit verfolgte mich sein “letzter Blick” in Gedanken.

Und dann bin ich aufgewacht.

Da sag ich doch mal: Nimm das, Traumforschung! :)



Comics, die du lesen sollst: Sweet Tooth

Ich wollte diesen Eintrag eigentlich für Renés Nerdcore schreiben, weil da ja Comics auch immerwieder Thema sind, aber dann hab ich gedacht: Bevor hier GAR NIX mehr passiert, schreib ichs lieber hier. Denn das ist ein toller Comic und wenn ihr keine lest, dann könnte das doch ein Anstoss sein, mal damit anzufangen. Und wenn René das für einen interessanten Artikel hält, kann er ja eh hier hin verlinken. Ist ja alles möglich im Internet heutzutage..:) (Ich schreibe das übrigens so explizit, weil ich mal einen Artikel über ein Comic-Crossover (Blackest Night) bei René geschrieben habe..das war aber wirklich auch explizit Nerdcore-Zielgruppe..:)) Ausserdem soll es darum gar nicht gehen. Es geht um einen tollen Comic, der sich für Weltfrieden-Fans zu lesen lohnt.

Sweet Tooth handelt von einem Jungen namens Gus. Gus wächst in einer Hütte mitten im Wald auf, zusammen mit seinem Vater, komplett von der Aussenwelt abgeschnitten. Die Mutter ist schon vor langer Zeit gestorben, als Gus noch sehr klein war. Er kennt sie eigentlich nur aus den Erzählungen seines Vaters. Und sein Vater hat sie vergöttert. Sie ist/war eine Heilige für ihn und genau das bringt er Gus auch bei. Neben vielen anderen Regeln. Nicht aus dem Wald rauszugehen ist eine davon. Niemals Fremden zu folgen oder zu trauen ist auch eine davon. Eine dem Vater sehr Wichtige, wie es scheint.

Eines Tages passiert es dann: Der Vater stirbt. Der naive Gus lässt die Leiche noch lange bei sich liegen und spricht mit ihr, für ihn ist der Tod nichts ungewöhnliches, nichts erschreckendes. Er ist so nicht sozialisiert. Sein Vater ist jetzt in den Himmel gefahren und da geht es ihm gut und das ist für Gus okay, der jetzt versucht sein Leben eben alleine so gut wie möglich zu meistern. Und natürlich kommt es wie es kommen muss: Ein Fremder überfällt Gus und ein Anderer rettet ihn. Jepperd, heisst der Retter und ist ein kauziger, kantiger, wortkarger Typ. Aber irgendwie scheint er was für Gus übrig zu haben. Er sagt ihm, er solle mitkommen. Aber Gus will nicht. Zu sehr fühlt er sich noch den Worten seines Vaters verpflichtet. Aber Jeppard macht ihm relativ unmissverständlich klar, das er auf ihn angewiesen sei, sonst würden noch andere böse Fremde kommen und ihn überfallen und dann wäre niemand da, der ihm hilft. Also nimmt sich Gus ein Herz und folgt Jeppard. Zu einem Ort wo alle so sein sollen wie Gus. Ach so, das hatte ich noch gar nicht erwähnt: Gus hat ein Geweih.

sweettooth

Ich glaube das reicht erstmal an Geschichte, denn Sweet Tooth ist gerade beim achten Heft und entwickelt sich relativ langsam. Ich möchte ja auch nicht zu viel verraten. Aber dieses Comic ist wirklich grossartig. Ich glaube so sehr verschlungen habe ich Vertigo-Hefte zum letzten Mal bei “Preacher”, einer anderen, absolut genialen Serie, die aber schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Und böser, düsterer war, als Sweet Tooth es ist.

Was nicht bedeuten soll, das man es mit einem fröhlichen Comic zu tun hat: Die Welt bei Sweet Tooth soll unsere sein und ist doch so anders. Sehr apokalyptisch und man kriegt nur scheibchenweise mit, warum das so ist. Dabei sind die Zeichnungen ganz wunderbar. Eigentlich sehr kantig, sehr eckig und zum Teil wirken sie wie “Work in Progress”, aber sie haben trotzdem eine grosse Tiefe, eine Liebe zum Detail und vor allem eine gewisse Wärme. Das düfte unter anderem auch an der fantastischen, dezenten und immer etwas blassen Colorierung liegen. Und an den Dialogen, die in so einem schönen schluderigen Ami-Englisch geschrieben sind. Ausserdem ist Dialog hier rar gesäht. Die Leute in der Sweet Tooth Welt verlieren keine grossen Worte. Man sieht hier keine Helden. Es geht um Menschen, die es irgendwie schaffen wollen. Die irgendwie durchkommen wollen. Über die Runden. Es gibt keine höhere Moral, kein Kodex nach dem man lebt. Jeder ist sich selbst der Nächste. Und in diese Welt purzelt der naive Gus, mit riesigen Augen und lernt die Menschen kennen, von ihrer hässlichsten Seite. Und man muss sich genauso wundern, wie er das die ganze Zeit tut.

Sweet Tooth ist wieder so ein klassischer “One in a Million”-Glücksgriff, den die Comic-Verlage alle paar Jahre mal machen. Wo sich dann, als Ausnahme, mal wieder getraut wird, die üblichen Pfade zu verlassen und neue Geschichten, neues Storytelling auszuprobieren. Da Vertigo ja ein Sublabel von DC ist, wird dabei aber nie ausser Acht gelassen, das man es trotzdem lesen können muss. Das es einen Zugang haben muss. Das geht bei Hellblazer zum Beispiel nun auch schon ein paar Jährchen gut, wobei diese Serie wirklich extremen Qualitätsschwankungen unterliegt. Der Vorteil von Sweet Tooth ist eben auch der, beim lesen zu wissen, das es sich um eine abgeschlossene Geschichte handeln MUSS. Man weiss nicht wann, aber man weiss DAS. Das trägt natürlich auch noch zum Lesevergnügen bei.

Sweet Tooth ist eine verquere Geschichte mit dem nötigen und richtigen Schuss Mainstreamappeal, ohne dabei seine Figuren zu verraten. Und während man den kleinen Gus eigentlich die ganze Zeit in den Arm nehmen möchte, ohne das er dabei nervig wird (wie das ja oft bei so “Opfer-Helden” der Fall ist), kann man es auch kaum erwarten, wie die Geschichte weitergeht. Ich erwarte da noch einige Twists. Unbedingt lesen!



Demokratie ist, das alle auch mal MIR zuhören müssen - Piratenparteitag Bingen

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Fangen wir mal von Vorne an: Eine Wahl der Piraten käme für mich erstmal nicht in Frage. Das hat ganz einfache Gründe, denn ich finde ein freies Netz auch wichtig, aber viele Dinge dann eben doch wichtiger. Ich könnte zum Beispiel wieder mit AOL leben, wenn ich wüsste das dafür alle AKWs vom Netz gehen. Mal zugespitzt formuliert. Natürlich möchte ich das nicht. Natürlich möchte ich ein freies Netz für alle UND die Abschaltung der Atomkraftwerke, aber vor die Wahl gestellt, fänd ich die Stromdinger doch wichtiger.

Das soll aber nicht heissen, das ich nicht mit den Piraten sympathisieren würde, im Gegenteil: Das ist schon eine ganz lustige Truppe und ich mag deren Ehrgeiz und Elan und Motivation endlich mal Politik zu machen. Find ich grossartig. Auch, wenn ich mich dann zwischendurch immermal wieder für die schämen muss (ja, ihr seht richtig: Der sitzt da beim Gespräch mit ner Fahne als Umhang…), aber meh: So sans halt, de junge Leit! :) Ist ja alles noch im Rahmen.

Faszinierend war es im PiratenWiki mitzulesen, als eine Berliner Piratin, Lena, vorgeschlagen hatte, einen eigenen, virtuellen “Raum” nur für weibliche Piratenmitglieder zu gründen, in dem man sich austauschen kann und der eben den Frauen vorbehalten ist. Nun ist ja genug Platz da, im Internet und auch sonst macht das ja auf den ersten Blick hin Sinn, denkt man sich. Warum nicht? Schadet niemandem und bestimmt haben Frauen Themen, die sie lieber unter sich besprechen. Voll in Ordnung. Also, war jetzt so mein erster Reflex, als ich das mitbekommen habe.

Oh oh….das sehen viele Piraten aber anders. Dieser Vorstoss von Lena (den sie, zugegebenermassen mit einer unglücklichen bis doofen Pressemitteilung verlautbarte - und sich danach noch ungeschickter mit einem “das war eine private Pressemitteilung und keine offizielle von der Partei..” rauszureden versuchte..) kam eher so semi-gut an. Was wurde die beschimpfz als Emanze und was sie sich einbilde und wie sehr diese Idee der hochgelobten Transparenz der PP entgegen stünde und wieso Frauen denn eigentlich ihre eigene Mailingliste bräuchten, das wäre doch eigentlich sexistisch, weil Piraten nicht nach Geschlechtern unterscheiden würden, sondern nur Menschen sähen.

Ähm…ja.

Die Diskussion war für jeden einsehbar und ich las ein paar Tage mit, bevor ich die Lust verlor, weil da so verbittert auf Lena rumgehauen wurde, die sich zu einem frühen Zeitpunkt aber schon längst aus der Diskussion verabschiedet hatte, weil sie, mit Verlaub, einfach zu bescheuert war. Argumente gleich Null. Auch wenn weibliche Piraten (die ausdrücklich nicht Piratinnen genannt werden wollen) sich gegen Lena stellten. Mehr als die Jungs Argumente konnten sie auch nicht nachbeten. Ich hab die Piraten dann wieder eher aus den Augen verloren. Hier und da tauchten sie noch in meiner Timeline auf, durch eine Handvoll Piraten denen ich folge und die ich alle schätze, aber ansonsten waren sie mir ein bisschen Egal. Auch zur NRW-Wahl, da haben die ja quasi kaum stattgefunden (ausser dieses “Nazis haben Leitern”-PLakat, das hat mir gut gefallen). Damit lässt sich wohl auch das bescheidenere Ergebnis im Gegensatz zur BTW leztztes Jahr erklären.

Nun hatten die Jungs und Mädels Parteitag in Bingen, mit einem exzellent funktionierendem und aussehenden Stream und deswegen habe ich mir die letzten zwei Tage die Parteiarbeit live angeguckt. Und was ich da gesehen habe…also, warum machen die es mir immer so schwer sie zu mögen? Und wenn ich sie wieder ein bisschen mehr mag, dann machen sie es mir noch schwerer..

Dieser Parteitag war eine Veranstaltung des absoluten Stillstands. Das kann man sich nicht vorstellen, wenn man es nicht gesehen hat. Die 1000 Mitglieder, die man wohl zum harten Kern zählen kann, weil sie ja wohl sonst nicht den Weg nach ausgerechnet Bingen auf sich genommen hätten, die da vor Ort waren, haben ein seltsames Demokratieverständnis, das vermutlich irgendwie so ausgedrückt wird:

“Demokratie ist, das alle auch mal MIR zuören müssen!”

Anders ist es kaum zu erklären, was da abging. 1000 mehr oder weniger erwachsene Menschen in einer Halle, die sich alle gegenseitig davon abhalten, produktiv zu sein. Der Zeitplan, der aufgestellt wurde, konnte nicht im Ansatz eingehalten werden. Man brauchte zwei ganze Tage um einen Vorstand zu wählen. Weil diejenigen, die sich zur Wahl stellten, auch befragt werden durften, zog es sich noch und nöcher - allerdings ohne dabei einen höheren Informationswert zu generieren. Eher im Gegenteil. Die Fragen und Vorwürfe an die Kandidaten wiederholten sich und wenn die “Versammlungsleitung” mal versuchte die ganze Veranstaltung ein wenig zu pushen und voranzutreiben, wurde sie sofort durch sinnlose Anträge a la “Ich möchte das die Redner 45 Sekunden Redezeit haben” ausgebremst. Und solche Anträge kamen im Stakkato-Modus. Jeder wollte mal irgendeinen Antrag stellen oder irgendeine Frage um auch ja gehört zu werden. Eine Handvoll Speuzialisten stellte sich immerwieder am Mikrofon an um auch immerwieder die gleichen Fragen zu stellen (die entweder die Versammlungsleitung schon vorweg hätte nehmen können, oder die Kandidaten in ihren Vorstellungsreden auch…). Das war schon die Redundanz von Redundanz. Alle beschwerten sich, das alles so lange dauert, aber niemand war bereit wirklich etwas dagegen zu tun. Na klar, nachher nannte man das “eben echte Demokratie” die natürlich “auch anstrengend sei”, weil alle alles abstimmen. Aber genau das wäre eben das tolle an der Partei.

Moment: DAS ist ein Vorzug? Das sich alle gegenseitig lähmen und nie auf einen grünen Punkt kommen? Dann habe ich tatsächlich ein anscheinend weniger demokratisches Verständnis von Politik, oder, um es mal anders zu sagen liebe Piraten: Das war absolute Scheisse, was ihr da veranstaltet habt. Echt jetzt mal, das war gar nix. Schrott. Und einige von euch sollten sich mal fragen, warum es so war. Ich meine das weder böse, noch hämisch oder so. Das war Murks. Und ich will jetzt nix hören von Wegen “junge Partei, erst seit 3 Jahren” oder so. Hallo? Man kann schon im ersten Jahr feststellen was geht und was nicht. Und ich erinner mich auch in den Stream des letzten Parteitags reingeguckt zu haben. Und da waren weniger Leute. Und DA waren diese ewigen “Anträge” schon das Problem numero Uno. Also please: Sehr mal zu das ihr Handlungsfähig werdet. Sonst war das Ergebnis in NRW noch gut, wenn ihr versteht was ich meine.

Und das war ja nicht alles an Elend, was ich im Stream gesehen habe (neben, nur um das nochmal deutlich zu machen, supervielen sehr motivierten Leuten, die Spass an der politischen Arbeit hatten, was mich ja auch so am Stream hielt..): Die oben bereits erwähnte Lena stellte sich spontan zur Wahl zur stellvertretenden Vorsitzeden der Piratenpartei. Das war ein Signal. Ein Signal zum Wechsel. Und als sie sich vorstellte, sagte sie viele richtige und wichtige Sachen (auch das sie dafür sorgen möchte, das sich die PP deutlich von Nazis distanziert zum Beispiel), die nur zum Teil mit Gender Themen zu tun hatten. Die aber natürlich auch ihr Thema waren. Und dann kam die Fragestunde. Und dann wurde sie gegrillt. Mit Häme und totaler Scheisselaberei übergossen von Parteimitgliedern, die offensichtlich gar nicht zugehört hatten, was sie da auf der Bühne kurz zuvor gesagt hatte. Die einfach nur ihren Satz des Hasses an sie loswerden wollten, mit vermutet geschickt platzierten Spitzen (”Willst du als Stellvertreterin auch direkt eine Pressemeldung rausgeben?”) , die ebenso lächerlich waren, wie 95% der Fragen, die ihr gestellt wurden. Und die sich ALLE nur ums Thema “Gender” drehte, wohingegen Lena eigentlich über viel mehr gesprochen hatte. Es liegt also die Frage nahe, wer jetzt eigentlich ein Problem mit dem Thema hat? Lena kann weitergehen und sehen und weitermachen. Aber verbissene Piraten können das eben nicht. Das war wirklich gruselig zu hören, was da für eine totale Kacke gefragt wurde. Und peinlich war es auch. So sehr zu zeigen, wie wenig man zu politischem Denken in der Lage ist…uiuiui…das als Basis einer Partei halte ich dann doch schon für bedenklich.

Natürlich wurde Lena nicht gewählt. Sie bekam stramme 28 Prozent, was viele schon für ein gutes Zeichen halten. Ich aber sage: Ein gutes Zeichen ist es, wenn sie gewählt wird, denn ganz offensichtlich ist sie politisch durchaus kompetent und weiss was sie sagt und warum sie es sagt. Aber die Piraten sind dann eben doch mehr Bild-Leser als sie wahrhaben wollen: Es soll sich nichts ändern in unserem Schrebergarten. Der Vorsitzende und sein Stellvertreter wurden beide wiedergewählt. Zwei Leute, die durchaus fähig sind. Aber eben auch sehr unsichtbar (Der Vorsitzende Siepenbusch meinte auch auf die Frage, warum man so wenig von ihm gesehen hätte bei der NRW-Wahl, das er zur Verfügung gestanden hätte, ihn aber niemand gefragt hätte…i mean: come on!).

Überhaupt: Was mich vermutlich am meisten erschrocken hat, war der Aggro-Ton auf dem Parteitag, den man wohl anschlagen muss, damit einem überhaupt irgendwer zuhört. Die Sprecher auf der Bühne mussten regelmässig das Plenum zur Ruhe mahnen. Aber wenn etwas entschieden wurde, was irgendwem nicht gefiel, da wurde dann auch schonmal in der Halle rumgeschrieen. Nicht reingerufen, so wie ein Protest, sondern wirklich reingebrüllt so wie in: “Oh, da hat aber jemand ein Problem für das er mal professionelle HIlfe in Anpruch nehmen sollte:”. Und davon gab es ein paar Kandidaten in der Halle, das fand ich schon erschreckend. Zu Beginn des zweiten Tages übrigens auch der Wahlleiter, aber der hat sich später dafür entschuldigt.

Machen wir uns nix vor: Die Piratenpartei ist eine Jungspartei. Und ich kann jede Frau verstehen, die einen riesen Bogen um die macht. Da wird sich auf ziemlich tiefem Niveau beschimpft und so getan, als sei das ein demokratischer Prozess. Da spielen Jungs so eine Art Real-Life-WoW, wo man sich eben mit der ganzen Gruppe abstimmen muss. Und das ist jetzt kein hohles Klischee, weil Computer eben DAS Thema der Piraten sind, sondern genau so ist dieser Parteitag rübergekommen. Und wenn du mir nicht zuhörst, dann brüll ich dich eben an. Da gibt es wichtige Vaterfiguren, wie eben einen Jörg Tauss, dem kritiklos alles von den Lippen gelesen wird (vom Grossteil, nicht von Allen!), weil er da als Mann mit Erfahrung steht oder dieser Pfarrer, dessen Namen ich vergessen hab, der ein paar mal kandidiert hat, den auch plötzlich alle voll toll fanden, obwohl die Piraten doch eigentlich Religion immer so vehement ablehnen, der aber punkten konnte als er einem jungen Piraten, der sich nach seinen Visionen zur Drogenpolitik erkundete, vorschlug das ganze doch entspannt “in Holland auszudiskutieren”. OMG. Nuff said.

teppich

Die Piraten, so gern ich sie auch haben will, sind nicht Politikfähig. Zumindest im Moment nicht und ich sehe da noch nicht wirklich Land. Das ist Schade. Die treten sich gegenseitig auf die Füsse und haben dabei das Gefühl etwas zu bewegen. Dabei stehen sie nur in einem Laufrad. Für dieses Jahr wurde übrigens noch ein Parteitag beschlossen, auf dem soll es dann um inhaltliche Diskussionen gehen. Da bin ich aber mal gespannt. Vielleicht haben sie aus dem Binger Debakel gelernt. Ich befürchte aber das Gegenteil.

[Bilder hab ich vom "offiziellen" Twitteraccount]



Come on Schirmi! (Update 13:10 Uhr!!)

Are you fuckin serious? Ist es die Art Journalismus, die gute alte Zeitungen wie die F.A.Z. von dem ganzen Online-Dreck unterscheidet? Nämlich keine Ahnung zu haben, aber trotzdem dick drüber zu schreiben?

fazfail11

fazfail2

Ich will nicht kleinlich sein. Ein kleiner Fehler, meinetwegen. Okay. Aber so deutlich zu machen, das man über ein Thema schreibt, das einen weder interessiert, noch das man es sonderlich ernst nehmen würde, das find ich schon ein bisschen haarig. Hey, ihr MÜSST auch nicht drüber schreiben. Zwingt euch keiner zu, ehrlich. Ich weiss schon wie es in der Redaktion abging:

“Hey, hier ist so eine Videospielefirma oder so ein Quatsch, mach mal einer was dazu. Die machen Geld.”
“Geld?”
“Ja!”
“Okay, ich schreib mal irgendwas aus der Wikipedia zusammen.”
“Aber machs unauffällig, wir machen hier Qualitätsjournalismus!”
“Hehehe, der war gut! Essen geht auf dich heute!”

Und ZACK, schon steht der Artikel da. Hach, muss Festanstellung schön sein.

[via Dirk Steins]

Update:
Den ersten Fehler, nämlich die “Nintendo Playstation”, haben sie jetzt schon heimlich still und leise entfernt. Ich bin gespannt, wann sie sich um den zweiten kümmern. Wobei das natürlich schwieriger ist, weil man da inhaltlich umschreiben müsste. Ausser man wüsste einen populären Ego-Shooter, den man an die Stelle setzen könnte, wo jetzt gerade noch “World of Warcraft” steht…Hmmm…Schwer. Denn als erstes müsste man ja mal wissen, was das überhaupt ist.

Okay, ich lasse jetzt mal die Häme und Gehässigkeit und versuche an die Vernunft zu appelieren, falls das hier irgendein F.A.Z.-Mensch lesen sollte: Es stimmt einfach nicht was da steht. Das sage ich nicht aus Zocker-Eitelkeit, oder weil es unter Zockern tausende heimlich verabredeter Codes gäbe, die sowieso niemand von aussen verstehen kann. Darum geht es ausdrücklich nicht. Es geht hier um eine simple Genre-Bezeichnung. So wie “Komödie” oder “Kriegsdrama” oder wie “Jazz” und “Blues”, um nur einige zu nennen. “World of Warcraft” erfüllt zu keinem einzigen Zeitpunkt die Massgabe dafür, “Ego-Shooter” genannt zu werden, denn “Ego-Shooter” heissen Ballerspiele, die man aus der Ich-Perspektive spielt. Deswegen auch das “Ego”. Das ist aber bei WoW nicht der Fall. Das ist ein Fantasyspiel, in dem man seine Figur immer von aussen sieht, auch “3rd Person” genannt und das schiessen ist nicht das zentrale Spielelement, wie es bei einem “Shooter” (to shoot-schiessen) der Fall ist. Bei Warcraft geht es eher darum, irgendeine Fantasyfigur, die man sich zusammenbastelt, aufzuleveln, also grösser und stärker zu machen, indem man irgendwelche Aufgaben löst. Vorzugsweise im Team, deswegen auch diese grosse Online-Community. Deswegen wird “World of Warcraft” auch zu den “MMORPG” gezählt, ich will aber jetzt nicht zu fachchinesich werden. Fakt ist nur: Was in dem Artikel steht ist falsch und nachdem das jetzt schon mehrere Kommentatoren bemängeln, wird der Leser bewusst angelogen, denn mittlerweile wüsste man es besser. Wie man beim verbessern der “Playstation” ja auch gesehen hat.

Bitte, bitte ändert das. Ich kann sonst gar nix mehr ernst nehmen, was ihr schreibt, denn wenn ihr schon solch eklatanten Fehler in einem Text zu einem Thema macht, in dem ich mich auskenne: Wie schlimm müssen die Fehler sein, die ich nicht erkenne, weil es in den Texten um Materie geht in der ich mich eben NICHT auskenne?