Sauer macht sauer

Puh. So viele Baustellen zur Zeit. Und der Weltfrieden muss sich mal wieder aufregen. Aber keine Sorge: Jetzt kriegen einmal alle ihr Fett weg und dann wird die frisch auferstandene Sonne genossen!

- Käßmann tritt zurück, weil sie besoffen erwischt wurde am Steuer ihres Dienstwagens. Und alle tun so, als wäre das selbstverständlich. Da schleuder ich den moralischen Sittenwächtern der CSU zum Beispiel mal ein freudiges “Fuck you!” entgegen. Ich weiß nicht wie oft diverse Posten und Pöstchen-Besetzer dieser Partei schon beim drunk driving erwischt wurden. Aber klar, da ist das normal. Die Bayern eben, sind ja eine Bierkultur. Da klopft man sich auf die Schulter und lacht ein bisschen drüber und gut ist. Ich finde Käßmanns Reaktion konsequent. Wenn ich sie (also, die Reaktion) auch scheiße finde. Aber die Lady hat meinen tiefsten Respect und es würde vielen anderen Politik- und Kirchen-Vertretern gut zu Gesicht stehen, daraus zu lernen, was es bedeutet
k o n s e q u e n t zu sein. Allein, sie werden es nicht checken. Und die katholische Kirche um Bischof Mixa ist eh heilfroh mit ihrem geradezu systematischen vertuschen von Kindesmissbrauch aus der Schusslinie zu geraten. Aber sorry, liebe Katholiken, ihr könnt nichts für eure Vorsteher, ich möchte denen aber das noch mit auf den Weg geben:
Euer Gott is not amused.

- A propos “not amused”: Das ist auch die Bunte nicht, weil sie Wettbewerbsverzerrung von Seiten des “Stern” vermutet. Der schreibt in seiner aktuellen Ausgabe (mit einem mir wirklich angsteinjagenden Von-Der-Leyen-Hardliner-Cover), das die “Bunte” eine Fotoagentur damit beauftragt hätte, Politiker geradezu systematisch zu überwachen und zu bespitzeln um eine super Story draus zu kriegen. Die “Bunte” streitet alles vehement ab und schreibt in ihrer Pressemitteilung zu dem Fall:

BUNTE hat den Inhaber der Berliner Presse- und Fotoagentur, Stefan Kießling, zu den im Stern erhobenen Vorwürfen um Auskunft gebeten. Stefan Kießling hat der BUNTE-Chefredaktion versichert, dass seine Agentur die im Stern gemutmaßten unlauteren Recherchemethoden nicht angewendet hat. Ferner erklärte er, dass er sich von zwei ehemaligen Mitarbeitern, auf die sich der Stern als Informanten beruft, im April 2009 im Streit getrennt habe.

Der Stern schreibt in seinem diffamierenden Artikel, dass privat sei, was beruflich/politisch keine Relevanz besitzt. Im Fall Seehofer hat der Stern ebenfalls mit der Agentur CMK zusammengearbeitet und ein CMK-Foto der Seehofer-Geliebten mit Kind veröffentlicht.

Das schreiben die ohne Rot zu werden. Das veröffentlichen die ohne Rot zu werden. Das vertreten die ohne Rot zu werden. Nochmal: Die “Bunte”. Ein Heft über Promi-Klatsch und Tratsch, das nur davon lebt, Paparazzi-Fotos zu veröffentlichen, Prominente dazu zu bringen, ihre persönlichen Geschichten in einem wenigstens selbstgesteckten Rahmen bei ihnen zu veröffentlichen, bevor sie sich selbst etwas schlimmeres zusammenreimen. Die gleiche Zeitung spricht von der “diffamierung” durch einen Mitbewerber (Wobei ich mir auch denke, das der Stern das nicht so gerne hören wird, quasi direkter Konkurrent ausgerechnet der “Bunten” zu sein). Wenn es nicht so egal wäre, ich würde vom Glauben abkommen. Was ist mit den Luten nur los?

- A propos was ist mit den Leuten nur los? Dazu brauch ich nur zwei Worte: Guido. Westerwelle. Ich halte die FDP für eine wirklich komplizierte Partei. Ich kenne zumindest keine, in der so viel unterschiedlich fähiges Personal auf einem Haufen ist, wie bei den Liberalen. Wenn man an die Grand Dames und Seigneurs denkt wie Hamm-Brücher oder Genscher und sie in den direkten Vergleich zu Leuten wie Möllemann oder eben jenen Westerwelle stellt: Da tun sich Welten auf. Und wenn man dann noch so unmenschlich, unsozial, unrealistisch und unüberhörbar argumentiert und disst wie unser Aussenminister es gerade macht, dann kommt einem, pardon, einfach nur noch das kalte Kotzen. Westerwelle spielt sich auf wie der Robin Hood in “Time Bandits” wenn er sagt: “Die Armen sind arm, deswegen heissen sie ja auch arm.” Konkrete Änderungsvorschläge? Fehlanzeige. Armenbashing zur Verbesserung der Umfragewerte? Bingo! Und auch wenn jetzt viele sagen: Im Kern hat er ja recht, wir müssen mal über Sozialleistungen reden und wie sie sich finanzieren lassen und wie wir den Ärmeren in unserer Gesellschaft wieder auf die Beine helfen, so stimmt das zum Teil, wird mich aber nicht davon abhalten Westerwelle weiterhin zu sagen, das diese Form der Kampagne auf dem Rücken von denen, die sich nicht wehren können, absolut abscheulich und verachtenswert ist. Die Debatte über das Sozialsystem ist etwas ganz anderes. Die muss auch woanders (und unter weniger diffamierenden Sprüchen) geführt werden. Nicht in der Debatte über Westerwelles verbale Erniedrigiungen.


[YouTubeDirektDerSpassIstVorbei]

- A propos “Kotzen”: Ich habe hier noch einen angefangenen Artikel rumfliegen, den ich dann doch nicht zu Ende schrieb, weil ich das Gefühl hatte, in der Sache wäre schon alles gesagt. Und ich tu mich schwer, da jetzt noch etwas sinnvolles hinzuzufügen. Und was ich nun schreiben werde, klingt in gewisser Weise arrogant und belehrend. Oberlehrerhaft. Deswegen sträube ich mich so dagegen, das zu schreiben. Aber nachdem ich im letzten Sonntagstagesspiegel noch ein Interview gelsen habe, muss es einfach raus: Mein Senf zum Feuilleton-Skandal um Helene Hegemann und ihr abschreiben aus “Strobo” für ihr Buch “Axolotl Roadkill”. Ich schreibe extra nicht “plagiieren” oder “kopieren” oder “remixen” (das am allerwenigsten), weil das Worte sind, die den Sachverhalt verwässern. Das Mädchen hat abgeschrieben. Punkt. So wie man das aus der Schule damals kennt: Man schreibt ab, gibt es aber unter seinem eigenen Namen beim Lehrer ab in der Hoffnung, dafür gelobt zu werden. Da geht es nicht um Quellen, oder gar um “Quellenangabe vergessen” oder um “nicht dran gedacht”. Da geht es darum, gut da zu stehen. Gerne auch mit der Leistung anderer, wenn die eigene nicht mehr reicht. Und das hat Hegemann gemacht. In der ersten Pressemitteilung, nachdem Deef die ganze Chose aufgedeckt hatte, hat sie sich noch einigermassen annehmbar entschuldigt. Aber alles was danach kam, machte alles immer schlimmer und es wurde immer klarer: Dem Mädchen ist zu keinem Cent bewusst, was sie da eigentlich gemacht hat. Nun mögen alte Feuilleton-Säcke das ganze charmant und “jugendlich unbedarft” finden, ich finde es erschreckend. Aber es erinnert mich. Und jetzt kommt der schlimme Part, den ich oben angedeutet habe:

Ich habe damals mit 17 beim Fernsehen angefangen. Und ich habe, vor allem die erste Zeit zum ersten Hype, wirklich gedacht mir scheint die Sonne aus dem Arsch. Es ist in dem Alter auch wirklich verwirrend mit Ruhm und ähnlichem umzugehen. Was es nicht weniger Reizvoll macht. Nun war ich zu der Zeit ehrlich gesagt sicher nicht im Stande, mich so eloquent auszudrücken, wie Hegemann das tut und ich habe auch kein Buch geschrieben, sondern “nur” mein Gesicht für einen Musiksender in die Kamera gehalten. Trotzdem masse ich mir an zu wissen wie es ist, in dem Alter mit den Medien umzugehen. Es macht Spass, kann manchmal etwas stressig sein, aber im grossen und ganzen geniesst man doch diesen Zirkus, der um einen herum veranstaltet wird. Und da erzählt man Sachen, oh Boy, ich bin froh das das meiste davon wieder irgendwo verschwunden ist. Ich erinnere mich an vieles, für das ich mich heute ein bisschen schäme. Und an ein Bisschen, für das ich mich heute viel schäme. Und ich weiss: In ca. 10 Jahren wird es Helene Hegemann genauso gehen. Vielleicht hat sie ja bis dahin mal ein Buch geschrieben, das komplett ihrer Feder entstammt. Vielleicht weiss sie dann, was das für eine Arbeit ist (sie kokettiert ja jetzt schon damit, das ihr das schreiben von “Axolotl Roadkill” nicht wirklich Spass gemacht hätte, aber das ist, relativ offensichtlich, eben genau das: Koketterie). Vielleicht reflektiert sie bis dahin mal ihr eigenes Handeln. Nur um mich nicht falsch zu verstehen: Ich bereue nichts was ich getan habe und ich habe damals schon einen guten Job gemacht. Nur beim drumherum hätte ich manchmal eher meine Klappe halten können…:) Ich finde es auf jeden Fall nicht richtig, das Hegemann, die ja für sich selbst in Anspruch nimmt, bitte nicht auf ihr Alter reduziert zu werden, mit Samthandschuhen anzufassen. Ich hatte damals glücklicherweise Freunde im direkten Umfeld, die mir, wenn es nötig war, gehörig den Kopf gewaschen haben. Das hat sie leider offensichtlich nicht. Schade um ein junges Talent (das sie scheinbar ist), das jetzt verheizt wird. Aber da nimmt sich das hochgestochene, sich niemals irrende, der wahren Kultur verpflichtete, arrogante bildungsbürgertümliche Feuilleton nichts, absolut gar nichts mit dem Boulevard. Nur die Schiessbudenfiguren sind andere.

So. Puh. Geschafft. Jetzt: Sonne her!


[YouTubeDirektInstantSonne]



Das hier hat so unglaubliche Meme-Qualitäten…

Wer sich seit dem Fischmob-Song “F.R. David” (übrigens nachwievor einer ihrer besten Songs…J.Mascis FTW!!!!) immer gefragt hat, was der heut denn nun wirklich macht, hier ist die Antwort: Immernoch Musik.

Letztes Jahr hat er dann wohl eine neue Platte rausgebracht und ein, ähem, “Video” zu dem Song “Some people never learn” gemacht, in dem er da so mit Gitarre sitzt, singt und dazu werden immer echte Bilder von echten Tragödien/Dramen drüber gelegt. Das führt bei dem Song, dessen Sozialkritik sich mir nicht sofort erschliesst, zu einer gewaltigen sogenannten Bild-Text-Schere. Gutes Beispiel dafür sieht man u.a. bei Minute 1:26 wenn er wunderschön gehaucht singt “Some people never leeaaaarn…” und man gleichzeitig jemanden sieht, der vom WTC springt. Und das ist nur ein Beispiel von vielen…(Am Ende singt er “I keep on doing the same mistakes…” zu Bildern von Mutter Teresa…o_O)

Das ist so dermassen unfreiwillig WTF, unfreiwilliger WTF geht gar nicht mehr.


[YouTubeDirektDavidVsDieWelt]