Ein letztes Mal in Sachen Alice:

Auf Twitter wurde ich gebeten doch auch ein Cover für die Hörbuchpodcasts zu machen, damit man sich das mit Bild im iTunes einordnen kann und da ich meinen Lesern und Followern nur schwer irgendeinen Wunsch abschlagen kann, bitte sehr:

alice-cover

Ich habe heute nochmal geguckt, wegen dem Zauberer von OZ, da gibt es folgendes Problem: Das Buch ist zwar von 1900, also quasi Rechtefrei, die erste deutsche Übersetzung ist aber von 1940, also erst in 6 Jahren frei, oder so. Ich bin da auch immer unsicher. Das würde aber bedeuten, das ich das erstmal noch selber übersetzen müsste, damit wir auf der sicheren Seite sind und das kann dauern….

Jules Verne gibt es einiges, auch interessantes, aber da müsste ich mir erst noch was aussuchen, was ich dann zur Wahl stelle (ausser jemand von euch hat einen superkonkreten Wunsch, der mir auch gefällt). “Die unendliche Geschichte”, die hier ja auch schon gewünscht wurde ist leider komplett unmöglich. Nicht nur weil das Buch ewig lang ist, sondern auch weil es einfach noch zu neu ist. Da müssen wir erst alle Alt werden, bis ich das vorlesen darf. Also: Konkrete Vorschläge bitte, was ich als nächstes lese. Dabei ist eine Länge wie Alice natürlich perfekt. Moby Dick zum Beispiel würde vermutlich auch ewig dauern. Oder jemand hat eine Idee, wie wir das OZ-Problem lösen können, dann sind alle glücklich…:)

Aber mal ehrlich: Freut mich das es euch so gefällt.



Hörbuchpodcastfinale: 11 und 12/12: Alice im Wunderland

Es ist vollbracht! Auch wenn keiner mehr damit gerechnet hat: Ich habe die letzten zwei Kapitel eingelesen (Danke auch an @frauelo fürs dran erinnern!). Somit habt ihr ab jetzt die Möglichkeit, euch das ganze Buch in seiner Originalübersetzung von mir vorgelesen anzuhören. Hier nun erstmal die letzten beiden Kapitel in denen Alice im Mitelpunkt eines äusserst komischen Prozess steht und in dem sich Alice große Schwester noch einmal ganz liebevoll, wie es eben nur große Geschwister können, an die Zukunft von Alice erinnert.

Alice im Wunderland - Elftes Kapitel - gelesen von Nilzenburger

Alice im Wunderland - Zwölftes Kapitel - gelesen von Nilzenburger

Das wars. Alle Kapitel zusammen findet ihr nochmal, wenn ihr auf diesen Link klickt. Kann man sich alle runterladen. Viel Spass damit und es würde mich interessieren, ob sich jemand das mal alles angehört hat. Vielleicht sogar am Stück? Ich mache dann demnächst eine Abstimmung, was als nächstes gelesen werden soll. Mein Favorit wäre ja Oz, aber ich lasse mich da gerne von etwas anderem überzeugen. Jules Verne vielleicht? Und soll ich überhaupt noch was vorlesen? Ihr entscheidet. Danke auf jeden Fall fürs zuhören!



Save Ronny!

Mein kongenialer GTT-Partner Herm hat eine sehr rührende Geschichte auf seinem Blog geschrieben. Über ein Erlebnis seiner Kindheit. Dabei bin ich aber über ein Detail der Geschichte gestolpert, das mich als Erziehungsberechtigten in meinen Grundfesten erschüttert hat: Herms Vater hat wohl damals auf Urlaubsfahrten desöfteren gerne seine Kassette von und mit Ronny gehört. Ein Cowboyschlagersänger. Und offensichtlich hing das Tape dem Rest der Familie irgendwann so zu den Ohren raus, das Klein-Herm es irgendwann beherzt im Mülleimer eines Rastplatzes aussetzte. Und dieses Familiengeheimnis äussert er auf seinem Blog. Ich zitiere:

In einem unbeobachteten Moment ließ ich die Kassette dann auf einem Autoparkplatz verschwinden, ein bis Heute in meiner Familie ungeklärter Fall. Mutti wenn du das hier liest, deine Vermutungen stimmten damals tatsächlich, ich war’s.

Erschreckend! Skandalös! Nichtauszuhalten! Wenn das Schule macht: Ich stelle mir schon meine Tochter vor, wie sie heimlich, still und leise meine Nirvanaplatten verbrennt oder meine Ärztecds von einer Eisenbahnbrücke wirft. Deswegen muss ich an dieser Stelle ein Exempel statuieren. Ich darf nicht zulassen das dieses Beispiel Schule macht. Weswegen ich mich zum äussersten entschlossen habe: Ich habe auf dem Flohmarkt eine Platte von Ronny erstanden. Und werde nun in (hoffentlich) regelmässigen Abständen beweisen, das Ronny leben muss. Das Ronny auch ein Symbol ist für Väter, die von der eigenen Familie unterdrückt werden. Die am Ausleben ihrer Leidenschaft für schlechte Musik böswillig gehindert werden. Die man musikalisch nicht mehr ernst nimmt. Ronny ist überall und überall ist Ronny. Für Ronny. Gegen pubertierendes Musikdiktat! Ronny!

ronny-garderobe-klein

Von hier aus soll die Platte also auf Reisen gehen. Ein Zeichen setzen gegen musikalische Fremdbestimmung, komme sie auch aus der eigenen Familie. Erste Mitstreiter in diesem Kampf habe ich bereits gefunden:

ronny-buzz-klein

Gut, der Kopf ist etwas hässlich und unförmig. Aber mit dem komme ich durch jede Kinderzimmerregipswand um die dort erschallenden Töne von Bushido und Konsorten sofort zu verbannen. Ich habe aber auch noch andere Mitglieder in meiner Armee:

ingodonots

Ingo von den Donots setzt extra für seinen Protest sein Tegtmeier-Gesicht auf um auch zu zeigen: Wir Westfalen sind bei dem Protest dabei. Wir lassen uns das nicht länger gefallen. Wir stehen wie ein Mann hinter Ronny.

ronny-hasen-klein

MIt denen kann mir jetzt fast nichts mehr passieren. Mit Betonung auf “fast”.

ferrisklein

Aus der Redaktion der Bravo Girl wurde mir dieses Bild zugespielt, auf dem man einen jungen Sprechgesangsinterpreten mit romantisch-verklärtem Blick sieht, der aus seiner Weichzeichnerwelt zu uns herüberblickt und sagt: “Ja, auch und gerade Männer mit Gefühlen können diese Diskriminierung nicht länger hinnehmen. In <3, euer Ferris MC."

elton-klein

Und auch die aktuelle TV-Prominenz nimmt sich Zeit, trotz Aufzeichnung einer neuen Staffel ihrer Sendung gegen diesen Simon, den wichtigen Protest zu unterstützen. Elton, selber Vater, weiß wovon er redet wenn er meint, das “sämtliche Ronnykassetten aus sämtlichen Autoradios in sämtlichen Urlaubsrückreisestaus lautstark erklingen sollten!”.

Wir sind noch nicht viele, aber es gibt uns. Und wir nehmen die momentane Situation nicht länger hin. Save Ronny!



Kurze Shoppingfrage

Würde jemand von euch sowas anziehen:

1horn

Oder eher sowas:

tian

Oder none of the above?



Letzter Eintrag vor der Ausfahrt…

…Keine Sorge. Das soll nicht bedeuten, mit dem bloggen aufzuhören, aber hier findet in letzter Zeit merkwürdig wenig Weltfrieden statt, statdessen reg ich mich über alles mögliche auf. Da aber “sich aufregen im Internet” meiner Meinung nach nur hässlich und unangenehm macht und man dann in einer Luftblase auf seinem Stuhl trohnt und zwar sicher sein kann, immer gesagt zu haben, was gesagt werden musste, aber dann keiner mehr da ist, mit dem man auch mal über nette Sachen spricht, soll das nun erstmal der letzte seiner Art sein: Ein Meckereintrag. Danach tu ich mal wieder was für meinen Teint…;)

Und wie könnte es anders sein in diesen Tagen: Es geht um Politik. Wir befinden uns ja gerade in einer Zeit, die doppelt fatal ist: Nicht nur Vorwahlkampf, sondern auch Sommerloch. Da schiessen Hinterbänkler schonmal gern nach vorne und die Fantasie einiger Abgeordneter treibt wilde Blüten. Die CDU möchte gerne 2015 zum Mond fliegen und meint, daß man dafür doch mal 1,5 Mrd locker machen sollte. In meinen Augen ein absolut richtiges Signal. Immer her mit dem Geld und dann schnell rausballern (ja, auch wenn mir klar ist, daß wir hier über unterschiedliche Pötte, in denen das Geld steckt, reden). Genau das wollen die verunischerten Wähler in Zeiten wie diesen hören. Fingerspitzengefühl, dein Name sei Peter Hintze.

Aber das ist mir relativ egal. Lustig finde ich auch, das die CDU immer mehr Stimmen verliert, umso mehr Menschen sich an der Wahl beteiligen wollen. Denen müsste also an einer extrem schlechten Wahlbeteiligung gelegen sein. Doch auch hier: Schwamm drüber. Das Rennen machen die eh, zusammen mit der FDP.

Merkwürdig wird es, erfahrungsgemäss, in den Kommunalwahlkämpfen. Im Moment gibt es einen kleinen Aufreger über Vera Lengsfeld. Das ist die Direktkandidatin der CDU für Kreuzberg/Friedrichshain. Und die hat ein Plakat gemacht das, nun ja, sagen wir mal eher gewöhnungsbedürftig ist. Und alle regen sich jetzt auf, das das sexistisch sei, das ausgerechnet SIE so etwas nötig habe, das das hässlich sei, das es primitv sei etc. pp. Dazu muss ich mal sagen: Nö. Ich finde es nicht sexistisch. Ich finde es nicht mal besonders primitiv. Meine Güte, es ist ein Wahlplakat. Da kann sie ja wohl kaum ihr ganzes Programm drauf abdrucken. Sie hat sich gedacht einen besonders frechen Witz zu machen, und der ist nunmal nicht lustig, aber da kann sie ja nichts dafür, das sie keinen Humor hat. Insofern ist sie ja schon in der richtigen Partei. An und für sich, auf seinen Sexualitätsgrad bezogen, entlockt mir das Plakat nichtmal ein müdes Gähnen.

Aber: Was ich viel ekeliger finde, was ich schrecklich unsouverän, bieder und abschreckend finde, was mich schaudern lässt: Da lässt sich eine Lokalpolitikerin mit der Kanzlerin auf ein Plakat drucken, zieht sogar dasselbe an wie sie und montiert das so, als wenn sie neben ihr stünde. DAS ist ekelhaft. Das ist anbiedernd, das ist vermessen. Ich bin weißgott kein Merkelfan, aber die hat sich eben durch alle Parteiinstanzen hochgearbeitet um da zu sein, wo sie nun ist. Das kann ich immerhin anerkennen. Hat sich halt bei den richtigen Leuten beliebt gemacht. Superbillo finde ich es hingegen sich mit ihr auf ein Bild zu montieren und zu suggerieren: “Wir sind aus demselben Holz geschnitzt. Ich bin sowas wie die Kreuzberger Kanzlerin. Was die kann, kann ich auch. Die findet mich auch super.” Das macht mich gruseln und das kann ich in all seiner Erbärmlichkeit gar nicht mit Worten beschreiben. Egal ob halbnackt oder nicht.

Abgesehen davon das Frau Lengsfeld bei einem kurzen überfliegen ihrer Seite, sich mit all ihrer Beratungsresistenz ja in allerbester Gesellschaft befindet. Unter den Links auf ihrer Seite geht der Erste auf die “Achse des Guten”, einer Art Intellektuellen-PI. Der zweite Link geht dann auch schon brav zur Seite von meinem Lieblingspamphletisten H.M. Broder (Not!), und zwar mit den niedlichen, aber deswegen nicht weniger richtigen Worten:

“Wer Broders spitze, aber treffende Kommentare kennt, weiß, wie Journalismus sein muß.”

Wer Broder kennt, weiß wie Journalismus sein muss? Gnihihi, stimmt ja irgendwie wieder: Denn genauso nicht. Recherche ist schon nachwievor nicht unwichtig für einen Journalisten, aber warum sollte das Frau Lengsfeld interessieren. Sie ist ja gut aufgehoben im AdG-Netzwerk. Fazit: Die Frau kann man nicht ernstnehmen. (Vielleicht das noch: Sich auf seiner Seite über die Kritiker und Ablehner des Plakats lustig zu machen und die Zugriffe als Erfolg zu verkaufen ist durchsichtig, schmierig und sowas von unangenehm albern, das man schnell wegklickt. Das erinnert mich an einen Typen aus meiner Grundschulklasse, Gregor hiess der glaub ich, der hat, wenn man es ihm gesagt hat, Spinnen gegessen. Da haben alle beeindruckt zugeguckt, keiner konnte sich dem entziehen, alle haben es bestaunt. Aber mit ihm irgendwas zu tun haben, wollte dann doch keiner…) Was soll sie auch machen, sie hat ja in Kreuzberg, einem klassischen Grünenewählerbezirk, eh keine Schnitte. Gönnen wir der armen, verwirrten Frau also ihr Rampenlicht.

Apropos Grüne: Die haben im Moment auch hier und da ihre Brände liegen, die zwar selbstverschuldet sind, aber bei denen die Gegenseite sich auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Die Grünen in Kaarst (das ist in der Nähe von, ähem, nunja, von so einem Ort, dessen Name mir auszusprechen immer schwer fällt, nennen wir ihn mal “den Parklplatz von Köln”) haben ein, zugegeben ultradämliches, Wahlplakat gemacht, auf dem weisse Frauenhände einen schwarzen Frauenhintern anpacken und darüber stand: “Der einzige Grund Schwarz zu wählen”. Abgesehen von der 80er-Jahre-Sachs-Ästhetik und einer Botschaft, die ich immernoch nicht in Gänze kapiert habe (”zu wählen”? Warum der einzige Grund? Mein einziger Grund schwarz zu wählen, ist eine lesbische Beziehung zwischen zwei Frauen unterschiedlicher Hautfarbe? Versuchen die meinen inneren Pornokonsumenten anzusprechen, oder worauf soll das hinaus? ), ist es natürlich klar das gerade die Grünen sich so einen müden Gag nicht leisten können. Ich meine, das ist ein 2000 qm-Fettnapf. Da kann man nicht vorbeitreten. Denn natürlich lässt sich das, mit schlechtem Willen auch easy rassistisch und sexistisch lesen. Vor allem in dem Zusammenhang: Es gab das Plakat auch mit “…Rot zu wählen” und “…Gelb zu wählen”, aber natürlich waren in DEN Versionen die Körper in der jeweiligen Farbe angemalt. Nur bei Schwarz eben nicht. Das ist nicht sehr bedacht, ja, das ist sogar ausserordentlich dämlich. Natürlich haben die sehr schnell dafür eins auf die Mütze gekriegt. Zu Recht. Was mich dann nur immer nervt, weil es dem Dialog nicht dienlich ist: Wenn der Protest ausufert. Im schwarzen Blog von “Der braune Mob“, einem Verein, der sich sehr engagiert gegen alltäglichen Rassismus und Sexismus, vor allem in den Medien, wehrt, kam kurz nach der Meldung über das Plakat der Grünen aus Kaarst schon ein Kommentar, in dem jemand schrieb, die Grünen jetzt nie wieder wählen zu können. Die Überschrift zu dem Post war auch schon “Ein Grund nicht Grün zu wählen”. Meine Güte, wir sprechen hier von einem Ortsverein. Es ist ja wohl klar das die nicht alle ihre Motive mit der Bundeszentrale, oder gar dem Landesverband absprechen, sondern erstmal machen und das hoffentlich im Sinne ihrer Partei. Die in Kaarst haben Scheisse gebaut, das zuerst auch nicht eingesehen. So weit, so schlimm. Bestimmt ein Grund in Kaarst nicht mehr Grün zu wählen. Warum da jetzt die ganze Partei in Sippenhaft genommen wird, versteh ich nicht so ganz. Muss ich vielleicht auch nicht. Übrigens haben die Kaarster ja mittlerweile vom Landesverband schon eins über den Deckel bekommen und das Plakat zurückgezogen. Auch hier wieder: Ungeschickt das sie dabei von Selbst-”Zensur” reden, einem momentan sowieso überstrapazierten Mega-Reizwort. Aber in Kaarst mag man wohl Schmerzen. Anders kann ich mir das nicht erklären.

Schmerzen bereiten mir auch die Piraten. Es geht hin und her, man ist hier, man ist da. Immer höre ich: Nun ja, das ist eben erstmal eine Ein-Themen-Partei, die zu Beginn nur ihre Kernkompetenzen ausspielt. Aber so langsam frage ich mich, was genau die Kernkompetenzen der Piraten sind. Filesharing? Internetsperren? Werbespots produzieren? Keine Ahnung. Ich weiss zumindest schonmal, was die Kompetenzen nicht sind. Das Urheberrecht zum Beispiel, oder besser gesagt: Eine modernisierung des schweren, grauen, alten Klumpens Urheberrecht, den dieser so dringend nötig hätte. An allen möglichen Stellen, wenn es um dieses Thema geht, sehe ich immer wie sich plötzlich ein Pirat oder ein Piratenfreund in die Diskussion einmischt und durch eine offen zur Schau gestellte Kulturfeindlichkeit versucht zu profilieren. Gut, das müssen nie aktive Parteimitglieder gewesen sein, aber die Frage dürfte dann doch langsam mal erlaubt sein, wie die sich konkret eine faire Entlohnung von Künstlern vorstellen, wenn diese für ihre Musik, also quasi den Kern, den Dreh und Angelpunkt ihres Schaffens (das mögen auch Bücher oder Bilder oder T-Shirt-Designs oder sostwas sein) keinen Cent mehr bekommen sollen und ihre Arbeit gefälligst der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen haben. Das will mir immernoch nicht so richtig in den Kopf. Und Nein: Ich habe weder etwas gegen die Piraten, noch werde ich sie wählen. Aber ich frage nun schon gefühlt ziemlich lang diese eine Frage und habe noch nicht den Ansatz einer konstruktiven Antwort bekommen. Und da fang ich dann schonmal an mich zu wundern. Nur durch ewiges Wiederholen des Gag-Namens “Zensursula” gewinnt man gar nix. Noch weniger als “Die Violetten” oder sonstige Freaks. Sascha Lobo hat das in einem tweet mal sehr schön auf den Punkt gebracht, den ich jetzt gerne hier zitiere, wofür ich von ihm hoffentlich nicht abgemahnt werde:

Wer mir sagt, Musiker sollen ihr Geld mit T-Shirtverkäufen verdienen, kriegt sein nächstes Gehalt in Büromaterial ausgezahlt.

Und übrigens Nein: Ich bin auch kein Künstler, der jemals Musik gemacht hat um damit reich zu werden, im Gegenteil. Ich verschenke die ja nur zu gerne und nur zu oft und das ist für mich auch vollkommen in Ordnung. Ich kann nur verstehen wenn andere gerne mehr Kontrolle über ihre Werke hätten. Wäre ich zum Beispiel “Silbermond” (deren Management sich auch eher suboptimal im Umgang mit der Presse verhält) , fänd ich es eben auch nicht sehr prickelnd, wenn meine Musik im nächsten pr0n-Film auftaucht. Nur mal so als plakatives Beispiel.

Damit mir keiner vorwerfen kann, einen parteiischen Rundumschlag gemacht zu haben, noch schnell was zu den anderen beiden:

SPD - Sorry, aber FWS konnte ich als Kanzlerkandidaten nie ernst nehmen. Schon allein weil der immer wie ein Schröder-Stimmen-Imitator wirkt. Die SPD tut sich gerade nicht nur keinen Gefallen, sie schafft es nichtmal zu gefallen. Vermutlich weil sie so verzweifelt versucht jedem zu gefallen. Da schämt man sich ein wenig fremd. Kann man irgendwie nicht mehr wählen. Zumindest nicht dieses Jahr. Neues Personal wär mal schön. Der Spot auf deren YouTube-Channel ist aber tatsächlich ganz lustig. Ja, so habe ich mir einen wunderbar fair-dreckigen Wahlkampf immer vorgestellt. Wird wohl aber die Ausnahme bleiben.


[YouTubeDirektHartZögern]

-Die Linke: Ach, die gibts noch? Lang nix mehr gehört. Sind wohl immernoch sauer, das ihr Superkandidat Sodann nicht Bundespräsident geworden ist. Überhaupt haben die noch ein Personal am Start, für das ich sie nicht ernst nehmen kann. Für mich eine klassische Spass-Partei. Wenn man Spaß an “Das Kapital” hat.

Zum Abschluss noch die HSP, die Horst Schlämmer Partei. Heute stand in der Zeitung, das die, würden sie wirklich antreten, mindestens 18 Prozent der Stimmen bekommen würden. Und schon lese ich die Aufschreie. Die Menschen verwechseln die Wahl mit einer Spassveranstaltung, das können die doch nicht ernst meinen, das gibt es doch nicht. Dazu möchte ich einmal anmerken, das Horst Schlämmer in all seinem Kunstfigur-Dasein für die meisten Menschen im Moment eben noch so ziemlich das authentischste darstellt, was der Politikbetrieb (vermeintlich) so zu bieten hat. Daran sollte man dem Wähler wohl eher nicht die Schuld geben. Die Parteien machen seit Jahr und Tag alles, den Leuten den Glauben zu nehmen, mit einer Wahl noch Einfluss auf irgendetwas zu haben. Jahrelang haben sie alles daran getan, den Kredit zu verspielen und dabei können sich gerne alle Regierungsbeteiligten Parteien der letzten 20 Jahre an die eigene Nase fassen. Politikverdrossenheit? Ja. Wegen moderner Medien? Nein. Wegen den Arschlöchern, die es geschafft haben (jungen) Menschen jegliche Lust an Politik und der Auseinandersetzung damit zu nehmen. Ich bin da anders, aber ich kann es keinem einzelnen verübeln, der am Wahlsonntag zu Hause bleibt oder Micky Maus auf seinen Wahlzettel schreibt. Ich bin keiner dieser “Wenn du nicht wählst, darfst du dich nicht beschweren”-Typen. Ich bin eher ein “Ich verstehe warum du nicht wählst, was ich nicht gut finde, aber ich verstehe es gut.”-Typ.

Wäre schön, wenn das auch mal ein paar Andere würden.



Das Pro7blem

Ja, ich weiss: Die meisten haben gerade ihre Problemchen, die wissen nicht mehr wo sie die Zuschauer abholen sollen. Dazu kommen noch sinkende Werbeeinnahmen, weil die Firmen kein Geld mehr haben um Fantasiepreise pro Sekunde aufzurufen, nur weil der Werbeblock zwischen zwei Bohlen-Shows läuft. Das ist mir alles klar. Auch das die Sender deswegen wirklich überhaupt kein Risiko mehr eingehen wollen und nur noch dasselbe senden, in minimalen Variationen und somit den Zuschauer zu Tode langweilen, ihn aber dann wenigstens als Quote vor dem Fernseher sitzen haben. Alles klar. Aber was da gerade bei Pro 7 abgeht, das finde ich schon ziemlich bizarr, ehrlich gesagt.

Die Unterhaltungsabteilung scheint in ziemlicher Panik zu sein. Oder nicht mehr in der Lage eigene Formate zu entwickeln. Auf jeden Fall ist Raab im Urlaub und da man dem eigentlich sonst immer die komplette Planung der Unterhaltungsshows bei Pro 7 überlässt, muss es wohl so sein, das man erst gemerkt hat als er weg war, daß er weg war. Und dann wurde panisch versucht, Unterhaltungsfernsehen zu generieren. (Wobei ich an dieser Stelle auch anmerken muss, das mir auch nicht die ganzen Raab-Geschichten gefallen. Ich finde der macht TV Total in 85% der Fälle nur noch sehr lustlos und benutzt es nur als Vehikel, um sein nächstes grosses Event zu promoten, das ist ein bischen peinlich sein eigenes Zugpferd so zu missbrauchen und nicht mal 3 Wochen ohne Ankündigung eines sinnlosen Sportevents überstehen zu können. Aber “Schlag den Raab” geht klar und in den Folgen, in denen er nix ankündigen will, da ist es meistens sehr amüsant. Und natürlich in den Folgen nach Popstars/Topmodels.)

Ich kenne mich mit Internas nicht aus, ich weiss nicht was bei Pro 7 los ist, aber denen dürfte ganz schön die Hütte brennen. Nur: Anstatt die Feuerwehr zu rufen und in Ruhe das Haus löschen zu lassen, um auf den Grundmauern mal wieder etwas grundsolides zu bauen, versuchen die mit den kleinen Pappbechern aus dem Wasserspender (die Kegelförmigen) das Feuer zu löschen, ganz nach dem Motto: “Wieso? Das ist doch auch Wasser!”.

Angefangen hat alles in einer Zeit, als Raab noch gar nicht im Urlaub war (folgend “ZaRNgiUw” genannt). Da gab es das erste Unterhaltungsexperiment mit dem Namen “Uri Geller live - Ufos & Aliens”. Abgesehen davon, das der Sender aus dem “The next Uri Geller”-Debakel hätte lernen müssen (was er nicht tat), wurde hier eine Samstagabendshow simuliert, die offensichtlich eine Beleidigung selbst für den kleinsten Intellekt war (ich habe nur 5 Minuten reingezappt und es nicht weiter ertragen). Warum man das gemacht hat, was das für ein Versuch sein sollte? Ich habe keine Ahnung. Ich weiss nicht wie das durchgewunken werden konnte, anscheinend war der Chef gerade beim Mittagessen und der Praktikant hat das einfach mal unterschrieben. Also mal im Ernst: Anders konnte es nicht zu so einer Sendung kommen. So verzweifelt kann kein Sender sein, das man ernsthaft, ohne einen Anflug von Humor oder Ironie versucht, sowas auf Sendung zu schicken. Das Uri Geller himself ebenfalls ein eher zweifelhafter Genosse ist, kann man unter Anderem auch in der schönen Folge von Louis Theroux “Weird Weekends” sehen (eine BBC-Doku-Serie die übrigens uneingeschränkt zu empfehlen ist), in der Theroux versucht Michael Jackson zu interviewen und deswegen an Geller gerät, der sich als Interviewvermittler und gottgleiche Entscheiderperson aufspielt. Wer solche Freunde hat…aber das ist ein anderes Thema.

Man hatte also seinen ersten kapitalen Megaflop und sich auch ein bischen für die Show geschämt. Richtig so. Das die zweite Staffel “The next Uri Geller” ein Flop war, muss man kaum erwähnen. Hat jemand die erste gesehen? Mit diesem Raben-Schwachkopf der gewonnen hat? Alles klar. Kein Thema. Immerhin, der Donnerstag war sicher mit wahlweise Popstars (bei der die vorletzte Staffel während sie lief verlängert wurde, was der Quote nicht unbedingt gut getan hat…verbuchen wir es unter “Versuch macht klug”) oder Topmodels.

Was dann auf dem Dienstag-Sendeplatz passierte, wurde langsam immer unnachvollziehbarer. Man versuchte Wiederholungen der Märchenstunde, die nicht liefen. Dann machte man einen stimmungslosen Fünft-Abklatsch von “Takeshis Castle” in dem Werner Hantsch und Matthias Opdenhövel verzweifelt versucht haben, so etwas wie Stimmung zu transportieren, was in einem Format wie jenem schier unmöglich war. Unsympathische Kandidaten, die vorsichtshalber gar nicht gross vorgestellt wurden, versuchen über dämliche Hindernisse zu springen, um im Wasser zu landen. Das ganze flankiert von einem Fussball-artigen Kommentar der zwei Sprecher, der durch den Wortspiel-Generator der “Kabarettiche” gedreht wurde, bis von einem Regelwerk, einem Ziel der Kandidaten oder irgendeinem Sinn der Sendung wirklich gar nichts mehr übrig war. Aber da bin ich vermutlich nur spiessig. Wahrscheinlich habe ich den Witz nicht gecheckt, das es da ja auch um nix gehen SOLL. Hoffe ich. Für die.

Nachdem das, merkwürdigerweise, auch nicht DER Qutornbringer wurde, kam das nächste. Man mag vielleicht noch beim vorigen Format gedacht haben, das die Assoziationskette bei Pro Sieben folgendermassen lief: “Ey, die Kids von heute, die gucken sich doch auf YouTube und vor allem auf MyVideo (das ist das Portal, bei dem Pro Sieben beteiligt ist, wobei ich lange Zeit nicht verstanden habe, warum die nicht bei Sevenload eingestiegen sind, schon rein namenstechnisch) immer an, wie Leute auf die Fresse fliegen. Also machen wir eine Show in der alle auf die Fresse fliegen sollen! Ha!”

Das funktionierte nicht also hat man WIEDER in die Videoportale geguckt und dabei folgendes gefunden:


[YouTubeDirektZehnMillionen]

Und nun schalten wir wieder in die Vergangenheit, nach Unterföhring in die Pro Sieben Unterhaltungs-Chefetage: “BOAH! ZEHN MILLIONEN VIEWS! Da muss man doch ne Show draus machen! Das ist doch aus ner Show! Das übernehmen wir! Die ganze Show! Ja, die ist japanisch, na und? Das funktioniert hier auch! Bestimmt! Oh! Da kriegen wir die Show ja schon angeboten! Wie soll die heissen? Mascerade? Scheissegal, das Ding ist gut, das kaufen wir! Und sieh zu das die am Anfang das Ping Pong Ding machen, das kennt doch in Deutschand eh kein Mensch! Come on! 10.000.000 Views, aber die kamen sicher alle aus dem Ausland….”, spachs und es geschah. Auf dem eigenen Videoportal wurde dann auch brav der Clip mit dem Ping Pong verlinkt, was natürlich eine riesen Fangemeinschaft in die Kommentare brachte. Nur leider keine Fans der Coverversion. Zumindest nicht im Gros. ( “Scheiss Nachmacher”, “sowas regt auf”, “das hier is nur ne billige kopie udn sogar sau schlecht” etc. pp.)

Ja, ich verstehe schon das die Show nur eingekauft ist. Nein, ich verstehe nicht wie man so etwas stimmungsloses on air schicken kann. Ein Publikum im Saal, das null Reaktionen zeigt, Jury-Begründungen wurden einfach mal so wild zusammengeschnitten, das man nicht mehr kapiert, was die überhaupt kritisieren (abgesehen von dem schrecklichen “Mini-Playback-Show-Jury”-Habitus) und um was es eigentlich genau geht ist auch niemandem so richtig klar. Ich vermute das die Show im Ausland produziert wurde und das Publikum nur Klatschvieh ist, anders kann ich mir diese absolute Null-Athmosphäre nicht erklären. Und die Moderatorin rennt rum und versucht verzweifelt so etwas wie Stimmung zu finden. Also, ganz ehrlich: Ich könnte das nicht guten Gewissens senden, wenn ich nicht den Eindruck vermittlen wollen würde, den Zuschauer total zu verachten. Aber man kann ja noch “besser”.

Zäsur: Das eigentlich traurige an der ganzen Sache ist, das versucht wird Schrottformate durch High Class-Formate mitzutragen. Ein grosser Leidtragender des Pro Sieben-Programm-Chaos ist und war sicher “Switch Reloaded”. Eine Show, die sich über TV-Schrott gekonnt amüsiert, aber leider immer mit ins Quotentief gerissen wurde, weil davor immer diese Sendungsversuche liefen. Die haben dann nicht genug Werbung verkauft, dadurch haben sich die nachfolgenden Sendungen um Minuten nach vorne geschoben, was dafür sorgte das Leute, die erst pünktlich zu Switch zu Pro Sieben gezappt haben, gerne mal im ersten Switch-Werbeblock gelandet sind und wieder wegschalteten. Man arbeitet also gezielt am zerstören der eigenen Quote (Bitte nun die Diskussion aussen vor lassen, wie sinnvoll und richtig “die Quote” überhaupt ist, das ist ein anderes Schalchtfeld. Nehmen wir sie mal als gegebene Einheit für Menschen die TV machen an…). Über das Switch-Folge-Format “Der kleine Mann” möchte ich mich höflicherweise ausschweigen. Man hat wenigstens versucht mal was richtig zu machen. Ich verweise diese Sendung betreffend lieber auf die absolut zutreffende Humor-Kritik aus der Titanic.

Weiter gehts. Den Dienstag Abend hat man sich also schonmal hervorragend zerstört. Dann der Blick auf die Programmplätze und die Überlegung: Wo läuft es noch zu gut? Wo können wir nochwas kaputt machen? Und TA-DAA! Der Donnerstag läuft ja viel zu gut, mit seinen Castingformaten! Da muss man doch was gegen tun können! Und man kann. Die Antwort lautet “Germanys Next Showstar”. Ein erbärmliches Format, das auf die denkbar schlechteste Weise versucht, alles was man jemals an Castingshows gesehen hat zu unterbieten. Eine übliche, redaktionelle Vorauswahl der Kandidaten, die vor die Jury dürfen findet nicht statt. Vielleicht waren auch einfach nicht genug Leute bei den Castings, so das man jeden reinliess. Aber es war wirklich ein Trauerspiel, was man da gesehen hat. Und auch hier: Athmosphäre? Was war das nochmal? Die Jury versucht sich in gespielter Lockerheit, aber keiner hat wirklich Lust auf das, was er da sieht. So sehr man auch die Unverschämtheit der Castingzusammenschnitte von DSDS empörend finden mag: Die wissen was sie tun. Auch bei Popstars macht es Spass die Castings zu gucken. Hier aber war es eine Qual. Als wenn der Sender zum Zuschauer sagen würde: da müssen wir jetzt zusammen durch. Kein Glamour, kein Spass, kein gar nix. In irgendeiner Lagerhalle mit Pult und Scheinwerfern wartet die Jury verzweifelt, was sie als nächstes vorgesetzt bekommt (Grossartig daneben auch das Finale, in dem tatsächlich Publikum in der Halle stand, die Moderatorin aber an einen Tisch am anderen Ende der Halle gestellt wurde, auf einer Art Mini-Balkon über dem Publikum, was dazu führte das sie sich das ganze Finale über nicht vom Platz bewegte. Ich meine Hallo: Die stand nie auf der Bühne! Beim Finale! Sowas bescheuertes habe ich noch nie gesehen…). Nein. So funktionieren Castingshows nicht. “Lieblos” wäre an der Stelle noch ein Euphemismus. Man soll eben doch nicht den Praktikanten die Show alleine schneiden lassen.

Aber irgendwann war auch diese Sendung überstanden (ich glaube die lief auch nur 3 oder 4 mal, anscheinend hat man selbst nicht SOOO sehr ans eigene Produkt geglaubt), und man rechnete fest damit, wieder ins normale Tagesgeschäft überzugehen. Aber halt! Was war das? Da waren immernoch Zuschauer am Donnerstagabend? Wieso das denn? Hatte man ihnen nicht deutlich genug vermittelt, das sie nicht erwünscht seien? Also musste man schwere Geschütze auffahren, um sie loszuwerden. Und so entstand: “Giulia in love”.

Giulia. Siegel. Sucht. Einen. Mann. Bei. Pro Sieben. Muss ich mehr sagen, für jeden der das Glück hatte, daß nicht gesehen zu haben? Ich denke nein. Wieso es einen interessieren sollte, eine der unsympathischsten Frauen, die die Kackpromi-Medienwelt im Moment zu bieten hat, bei der Partnersuche zu beobachten, wird wohl für immer ein gut gehütetes Münchener Mediengeheimnis bleiben. Eine Quatsch-verzapfende Frau mit ihrer, in mangelnder Sympathie in nichts nachstehender, besten Freundin und Frank dem Wedding-Planer suchen den Mann fürs Leben. In einem Casting. Überm P1. Ja nee, is klar. Selbst ich schäme mich darüber zu schreiben und hülle mich nun lieber in Schweigen. Natürlich fehlte auch hier alles, was in den o.g. Shows fehlte. Warum sollte es anders sein?

Ich glaube man hat den Dienstag und den Donnerstag bei Pro Sieben nun ganz gut ruiniert und kann dort nun senden was man will, es guckt eh keiner mehr zu (Der durchaus sympathische Klaas Heufer-Umlauf von Viva, darf nun Dienstags lustige Werbespots aus aller Welt präsentieren, sprich: sich von Pro Sieben in einem Format absoluter Durchschnittlichkeit verheizen lassen und ja: Auch grob verpixelte Clips, die scheinbar direkt von YouTube abgefilmt wurden, werden da gerne gezeigt - damit kriegt die Verwertung von Netzinhalten im TV nochmal eine völlig neue Qualität. Ach ja, bevor ichs vergesse: Habe ich schon die Dienstagnächtliche “My Video Show” erwähnt? Nein? Moderiert von Collien, ebenfalls Viva? Hab ich nicht? Das hat auch seinen Grund…). Den Samstag hat man sich jetzt vorgeknöpft und lässt dort das “Sommermädchen 2009″ wählen. Ein Titel der noch weniger Wert ist als “Miss Hilversum”, aber aufwendiger inszeniert, als die Miss-Wahl in der Dorf-Disse. Nur eben genauso primi. Damit hat man zwar immernoch keine guten Quoten, aber immerhin okaye. Wenn das mal kein Ansporn für die Unterhaltungsabteilung ist, in Zukunft voll auf Miss-Wahlen zu setzen. “The next Kader Loth” könnte ein mögliches Format sein. “Germanys Next Giulia Siegel” ist ebenfalls denkbar.

Wenn man eins in den letzten Monaten gelernt hat, dann das die Skala nach unten offen ist. Ich gucke ja viel und gerne Trash Fernsehen, aber das wird selbst mir zuviel. Bitte, kann da mal jemand die Reissleine ziehen und wieder Qualität abliefern? Das kann ja gerne doof sein, meinetwegen auch primitiv und trashig. Von mir aus total low. Aber es sollte eben 2,3 Qualitätsstandards erfüllen. Nur Scheisse senden und on air pilotieren ist eben kein Programm. Das hat man bei Pro Sieben mal gewusst, ich weiss nur nicht wo dieses Wissen hin ist.

Stefan, D!, Elton und Simon - bitte kommt zurück. Ich möchte auch an den Tagen vor und nach Greys Anatomy wieder den Sender einschalten können.



Zarte Rockerseelen - Harte Fäuste

Es wird mal wieder Zeit für eine YouTube Kuriositäten-Sammlung.

Nichts ist schlimmer als mit seiner Band auf einer Bühne zu stehen, vor der viele Menschen stehen, die die Band da nicht sehen wollen. Ich weiß wovon ich rede, mir ist das mit Fritten und Bier auch schonmal passiert. Da haben wir in Bochum auf einem Stadtfest gespielt. Im Publikum war eine Gruppe Punks, die ihren Spaß hatten, die Maxime unter ihnen war wohl: Komm, wir bringen diesen Viva-Clown mal aus dem Konzept. Tatsächlich war das am Anfang sogar recht lustig, weil sie wohl in einem Supermarkt um die Ecke Tiefkühlpommes gekauft haben und diese nun auf die Bühne warfen. Da fand ich ganz lustig. Aber das war ja nur die erste Hälfte des Bandnamens. Als nächstes kam das Bier und die anfänglichen Bierduschen waren auch noch voll okay, aber als die leeren Flaschen hinterherkamen, wurde es doch etwas anstrengender auf der Bühne. Ein junger Mann, offensichtlich mit einer beneidenswerten Rachenstärke ausgerüstet, rotzte von der 5. Reihe aus permanent auf die Bühne und da Rotz ja nun wirklich nicht in unserem Bandnamen vorkommt, war das doch etwas sehr daneben.

Ich spielte also irgendein Lied von uns, weiß nicht mehr welches, schloss die Augen und sang. Und dachte plötzlich: Warum ist denn unser Sound so dünn? Häh? Das öffnen meiner Augen öffnete mir die Augen: Mein Bruder hatte seine Gitarre weggelegt, nahm Anlauf und sprang direkt auf Sir Rotz zu. Von der Bühne aus. Sofort entstand natürlich ein riesen Kuddelmuddel. Meine Bandmitglieder stürzten hinterher, selbst unser Mischer sprang hinterm Pult hervor und eilte zum Pulk. Nur ich stand noch alleine auf der Bühne. Ein riesen Fragezeichen überm Kopf. So wie das Publikum auch. Und was tat ich, mutiger Supermann, der sich das letzte Mal in der 7. Klasse vor Biologie geprügelt hat? Ich sprach folgenden, dringenden Appell ins Mikrofon:

“Ey, Leute, hört doch mal auf…..!”

Wahnisnns De-eskalations-Strategie. Ich bin halt eine Pussy in solchen Sachen. Was soll ich sagen: Der Auftritt war natürlich vorbei. Wir bauten ab, luden die Sachen in den Wagen (die ganze Zeit mit Security-Spalier) und verpissten uns. Nein, das war wirklich kein besonders guter Auftritt…

Zum Glück aber stehen wir damit nicht alleine da, im Gegenteil, wir befinden uns sogar in relativ guter Gesellschaft. Wie sich dank YouTube relativ leicht zeigen lässt.

Fangen wir erstmal mit dem Chef an: Als ich mir damals das Nirvana-Video “Live! Tonight! Sold out!” gekauft habe, haben Waldi und ich folgende Szene immerwieder zurückgespult und nochmal geguckt, weil wir es nicht glauben konnten. Das ist so krass, wie schon Dave Grohl sofort über sein Drumkit springt.


[YouTubeDirektGitarreVsKopf]

Rock´n´Roll ist ein hartes Business. Wer sollte das besser wissen als Axl Rose? Da muss man mit seinen Fans auch schonmal was härter ins Gericht gehen, wenn sie sich nicht zu benehmen wissen. So wie diese Menschen in Südamerika. Die werfen Steine auf die Bühne. Um ihnen zu erklären das das nicht okay ist lässt man erstmal etwas Ruhe auf die Bühne kommen, bestellt die Kamera und die Übersetzerin zu sich und erklärt in aller Seelenruhe, das das so nicht okay ist. Gut, lasst uns ehrlich sein: Das hier ist Pussyprogramm.


[YouTubeDirektDoYouThinkThatThisIsFunny?]

Kennt einer von euch noch “Skid Row”? Das waren die Posterboys des Metal. Naja, sagen wir Rock. Immer akkurat gepflegte Matten auf dem Kopf, allen voran natürlich der Leadsänger Sebastian Bach. Ich gehe davon aus das die regelmässige Pflegepackungen in ihre Haare geschmiert haben. Das kommt natürlich nicht sehr tough rüber, da muss man schonmal beweisen, was in einem steckt. Ob man sich danach noch im Tourbus filmen lassen muss und erzählt, wie hart man war/ist: Das ist dann wohl wieder ein Zugeständnis an die Pflegepackungsindustrie. Oder?


[YouTubeDirektWhatAreWeWaitingFor?]

Fans sind ihren Stars geren ganz nah. Eigentlich gerne so nah wie möglich. Ich weiss nicht ob das wirklich so ist, aber anders kann ich es mir nicht erklären, jemanden anzugrinsen, der mir in die Fresse haut. Auch wenn es Übergott Rollins ist.


[YouTubeDirektAlteBlackFlagZeiten]

Okay. Zeit für einen weiteren Pussymoment. Meine Verwunderung über “Don´t drink and drive”-Reden der Herren Kiss beim Konzertbesuch, habe ich hier ja schon genügend Ausdruck verliehen. Schade das folgender Moment nicht beim Konzert in Berlin passiert ist: Er hätte mich nämlich keinesfalls verwundert, sondern eher mein Bild komplettiert. Ich meine mal im Ernst: Auf der Bühne von denen explodiert alles, brennt alles, fährt hoch und runter, eine Lightshow die ein beliebiges 1000-Seelen-Dorf für die nöchsten 10 Jahre mit Licht versorgen könnte und der ist genervt von einem Laserpointer? Hallo?


[YouTubeDirektLaserPointer]

Noch mal was ehrliches zum Abschluss um den Bogen zu dem krassen Nirvanavideo zu spannen: Green Day. Keine grossen Ansagen, keine Show, einfach rein und los.


[YouTubeDirektHochUndWeiter]

Nach all diesen Clips sitze ich vor meinem Rechner und rufe hinein:

“Ey! Hört doch auf mit dem Scheiss!”