140 Zeichen setzen

Man kann sich über den Sinn und Nutzen von Twitter lange streiten. Ich zum Beispiel weiss bis heute nicht, was eigentlich die Intention des Dienstes war. Wer hat das warum erfunden? Was auch immer sich der Herr Twitter dabei gedacht hat: Der Erfolg gibt ihm recht. Twitter ist in aller Munde, mal als Aphorismen-Maschine, mal als News-Aggregator. Wie auch immer: Ich finde es ist ein lustiger Ort an dem ich manchmal spannende Dinge erfahre, schöne Links entdecke oder wunderbare Bonmots lese.

Die 140 Zeichen, die man zur Verfügung hat, werden immer mehr mit Bedacht gewählt und so nahm die Entwicklung ihren lauf. Besonders geschriebene, sogenannte “tweets”, wurden kurzerhand zur “Twitteratur” erklärt. Und was wäre eine Form der Literatur ohne Kritik? Eben. Nichts. Weswegen sich ein Haufen wagemutiger Twitterer und Blogger zusammentaten und die “Twitkrit” gründeten um ausgewählte tweets in ihren gesamtgesellschaftlichen Kontext einzuordnen und kritisch-fundiert unter die Lupe zu nehmen. Das war vor einem Jahr. Nun wird Geburtstag gefeiert und mehrere Blogger/Twitterer/Menschen wurden angefragt, mal eine Gast-Twit-Krit zu schreiben, so auch ich. Und wenn ihr die mal lesen möchtet, dann bitte ich euch hier entlang. Nochmal an dieser Stelle: Happy Birthday Twitkrit. Auf die nächsten 139 Jahre.



Wo viel Licht, da genauso viel Schatten

Liebe Leser, es gibt mal wieder einiges zur Kenntnisnahme. Ich versuche ein ausgewogenes Verhältnis herzustellen von guten und von schlachten Dingen. Fangen wir mit etwas schlechtem an:

- Manchmal muss man schnell sein. Oder das Glück haben, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Der richtige Ort ist eigentlich immer das Blog von Stefan Niggemeier, Medienjournalist. Da kommen einem immerwieder Geschichten in die Quere, bei denen man nur den Kopf schütteln kann. So auch diesmal: Das Medienmagazin ZAPP vom NDR hatte einen Bericht über Inken Ramelow gemacht. Ramelow beliefert Boulevard-Magazine (Explosiv, Brisant, Hallo Deutschland…etc. You Name it) regelmässig mit ehrabschneidenden Beiträgen, bei denen Menschen vor die Kamera geholt werden, die sich der Tragweite ihres öffentlichen Auftritts nicht bewusst sind. Dabei wird sich auch über ausgesprochene Urteile hinweggesetztz, zum Beispiel in dem Fall, als ein kleines Mädchen beerdigt wurde, auf dem Friedhof Presseverbot ausgesprochen wurde, aber Ramelow mit ihrem Kameramann trotzdem einfach mit der Trauergesellschaft zur Begräbnis ging (und später von der Polizei herausgebeten wurde). Solche Geschichten über skrupelloses Berichterstatten finden sich zu Hauf über Frau Ramelow und wurden auch in dem Beitrag von ZAPP thematisiert. Ramelow wiederum hat nach dem Beitrag dem NDR mit rechtlichen Schritten gedroht

weil das Medienmagazin „Zapp” in „ehrverletzender, unwahrer und missverständlicher Art und Weise” über sie berichtet habe.

Das Video von dem Beitrag stand noch auf YouTube, als ich den Artikel bei Niggemeier heute Morgen las. Mittlerweile ist es entfernt worden, bei YouTube, aufgrnd einer Urheberrechtsverletzung beanstandet von…na? Genau, Ramelows Firma “Hamburg on Air”. Bitte lesen sie die ganze Story über eine Frau, der die Persönlichkeitsrechte fremder Menschen scheissegal sind, im Gegensatz zu ihren eigenen (die nicht mal besonders angegriffen wurden, handelte es sich doch “nur” um einen Beitrag über ihre zweifelhafte Arbeitsweise). Ich kann kaum ausdrücken, wie sehr ich solche Leute verachte.

- Wie versprochen nun mal etwas angenehmes: Ich bin ein grosser Freund deutschsprachiger Elektro-Mädchen-Bands. Auch wenn man das nun für ein recht spezielles Genre halten könnte, da geht einiges. Vielleicht ist es nicht immer Elekrto, aber doch immer elektronisch. So gibt es die Grand Dame in diesem Genre, die schon Musik machten, aks die meisten dieser Gruppen noch überlegten, welches Kleid sie ihrer Barbie zu Weihnachten anziehen sollten, namentlich “Cobra Killer”. Sehr erfrischend auch eine Band aus Berlin, die ich zuletzt live sah, und die KIZ auf ihrer letzten Tour supporteten, was bei der Hip-Hop hörenden jungen Gefolgschaft wohl eher zu Verwunderung geführt hat. Ein Bandname, der immernoch die Leute zum schmunzeln bringt: The toten Crackhuren aus dem Kofferraum. Aber nun gibt es eine neue Band aus dem Süden des Landes, aus München, und die haben es mir auch wieder sehr angetan in ihrem Witz, ihrer Non-Cahalance und dem gesamten Auftreten bis hin zum wunderbaren Bandnamen der so ziemlich alles in die Eier tritt, was man an Casting-Bands zu glatt und aufgesetzt findet. Meine Damen und Herren, bitte spitzen sie ihre Lauscher und entspannen sie sich zu den Klängen von den durchaus attraktiven “Monrotz”. Unbedingter Anspieltip (und Favorit für den besten Songtitel mindestens des Jahres!): “Ich hab hier die Brüste“.

- Womit wir wieder beim aufregen wären. Bei meinem lieben Freund René habe ich einen Artikel über die momentane Debatte des zensierten Internets gefunden. Schwierige Diskussion, natürlich ist es albern was die Bundesregierung da macht, natürlich ist es populistischer Wahlkampf, es gibt sehr viele Argumente, die sehr schlüssig belegen warum die von-der-Leyen-Nummer eine Luftblase ist. Im Zuge dessen hat man immer lautes und hysterisches Geschrei von wegen “Zensur” gehört, ein Chor in den ich nie so recht einstimmen wollte. Jetzt hat sich aber mein ehemaliger Chef in der Debatte gemeldet und versucht auf ihrem Rücken Werbung für die eigene Sache zu machen, und da wird es dann doch recht ekelhaft und unsachlich. Oder, um es mal klar zu formulieren: Dieter Gorny benutzt die Kinerporno-Debatte um seinen Kampf, in dem er sich von der Plattenindustrie instrumentalisieren lässt, gegen Urheberrechtsverletzungen lautstark zu inszenieren. Da schüttelt es mich Big Time. Pietät, was war das nochmal?
Deswegen, lieber Dieter, das folgende Lied nur für dich (und warum hat das die Gema eigentlich noch nicht bei YouTube sperren lassen? Das ist doch ein Skandal! Freie Werbung für eine Band und die sollen davon nichts bekommen? Na los, komm schon Gema, schnell sperren lassen!):


[YouTubeDirektWasIstMitDirLos?]

- Und bei all diesem schlechten in der Welt, nochmal etwas erfreuliches: MC Winkel entdeckt (manchmal) auch noch gute Musik!


[YouTubeDirektStudierenMachtSpass]



Aber nur ein Bier…Teil 2

Wie immer sind wir beide im Chat. Und wie immer gucken wir was so geht. Ja, ich wollte heute Abend auf diese Party, da läuft auch so Old-School-90er-Hip-Hop und so. Meine beste Freundin will auch mit und zwei Kumpels von ihr sind zu Besuch, die wären auch dabei. Die haben sich früher nämlich immer, als sie jung waren, an einem Platz in ihrer Heimatstadt getroffen und um die Wette zu New Jack Swing New Jack Swing getanzt. Für die dürfte bei 90er-Rap wohl auch was dabei sein. Ach, du bist da in der Nähe mit ein paar Freundinnen? Dann kommt doch vorbei! Super! Wir sehen uns dann da!

Die Party war gut. Eben so voll Berlin. Altes Haus, alte Räume, alles ein bischen improvisiert. Die Musik ist zu Beginn grossartig und der Raum angenehm gefüllt. Meine Beste, ihre Kumpels und ich grooven ein wenig rum. Es wird immer voller, die Musik leider auch immer uninteressanter. Als ich nach ein paar Bier aufs Klo gehe, kriege ich die SMS “Wir sind jetzt gleich da!”. “Ja, oberster Stock!” schreibe ich zurück. Als wenn es so schwer wäre, mich in dem überschaubaren Laden zu finden. Aber es ist mittlerweile richtig voll geworden. Die Leute stehen sich auf den Füssen. Als erstes entdecke ich ihre Freundin, die mir überschwänglich um den Hals fällt und mich 5mal links und rechts küsst, wie es entweder in ihrem Heimatland üblich ist oder um mir zu zeigen, wie sehr es sie freut, mich wiederzusehen. Dann erblicke ich sie. Es ist schön sie wiederzusehen, viel zu lange her.

Ich freue mich ehrlich, sie sich auch, dann geht sie aber erstmal auf den anderen Floor, weil ihre Freundinnen sie da hinziehen. Die wollen mal sehen was da so geht. Meine Beste und ihre Kumpels sind müde und wollen aufbrechen. Ich aber bleibe noch. Ich möchte ja auch ein bischen Zeit des Abends mit ihr verbringen, schliesslich ist sie extra wegen mir hier hingekommen. Ich verabschiede mich von meiner besten Freundin und sage ihr noch, das ich heute bei ihr pennen würde.

Nach einiger Zeit allein an der Bar kommt die Mädchengruppe zurück. Die beiden Freundinnen tanzen und vergnügen sich mit den Anwesenden, ich unterhalte mich mit meiner fast-nur-noch-online-Freundin. Zwischendurch wird sie immerwieder angegraben. Lustig dabei zu beobachten: Je später der Abend, desto aggressiver die Baggerei. Da sind wirklich ein paar Jungs unterwegs, die es jetzt wissen wollen. Die jetzt endlich noch was an den Start kriegen wollen. Das ist etwas peinlich, in all seiner Verlorenheit. Sie blitzen alle bei ihr ab. Als der Laden wieder leerer wird, und wirklich nur noch Typen da sind, die jetzt schnell was vors Rohr kriegen wollen, beschliessen wir den Abend zu beenden. Wir holen unsere Jacken von der Garderobe und gehen vor die Tür. Zu zweit steigen wir ins Taxi. Sie lehnt sich zu mir. Ich solle wissen, das wirklich und eindeutig nichts läuft. Ich will gar nicht das irgendwas läuft, sage ich ihr und meine das auch wirklich so. Ich will sie nur nach Hause bringen und dann weiterfahren. Gut. Das wäre geklärt. Sie lehnt sich zum Taxifahrer und verrät ihm die Adresse.

Moment mal. Jetzt werde ich stutzig. Warum will sie denn jetzt doch zu mir fahren? Ich sage ihr, das ich erstens nicht aufgeräumt habe und das zweitens es keinen Sinn macht zu mir zu gehen, wenn sie will das nichts läuft. Weil ich nix im Kühlschrank habe und so. Und das ich das doof finde, wenn sie dann bei mir sitzt und wir noch kurz labern, sie dann aber wieder wegfährt. Mit einem Fragezeichen über dem Kopf schaut sie mich an. Sie versteht nicht so ganz, was ich meine. Das macht mich jetzt doch ein wenig fuchsig. Dann kommt mir aber in den Sinn: Ach so! Sie will mich zu erst rausschmeissen und dann weiter zu sich fahren, vielleicht weil sie denkt das es nähjer zu mir wäre, oder weil sie nicht will das ich weiss wo sie wohnt. Was ziemlicher Quatsch wäre. Ausserdem will ich ja heute bei meiner besten Freundin pennen, es macht also relativ wenig Sinn, zu meiner Bude zu fahren. Denn das ist die Adresse, die sie dem Taxifahrer gesagt hat.

Ich rede auf sie ein, wie doof das wäre, und das sie doch jetzt ihre Adresse sagen soll, weil ich eh ganz woanders hinwill. Sie lächelt und trinkt einen Schluck Jägermeister. Und da kommt mir der Gedanke: Sie kennt meine Adresse doch gar nicht! Ich hab ihr die nie gesagt, woher soll sie die wissen! Oder vielleicht doch? Also stelle ich sie auf die Probe. Ob sie da wohnen würde, frage ich, sie bejaht. Wie denn das Einkaufszentrum da heissen würde. Sie sagt, sie habe es vergessen. Ha! Was für eine schlechte Lügnerin! Ich habe sie ertappt.

To make a long story short: Als wir ankommen, schliesst sie die Tür auf. Sie wohnt die ganze Zeit bei mir im Hinterhaus, ohne das wir beide das wussten. Darauf gehen wir doch nochmal zu ihr hoch und trinken ein Bier zusammen. Ich kann es nicht fassen. Tatsächlich etwas überfordert von diesem enormen Zufall verabschiede ich mich und gehe in mein Bett, das nun tatsächlich deutlich näher ist, als die Wohnung meiner besten Freundin. Nämlich eine Treppe runter und eine Treppe wieder hoch.

Als ich grinsend im Bett liege denke ich mir noch: Na, da hätte sie mir vor ein paar Tagen ja DOCH Zigaretten mitbringen können.



Aber nur ein Bier….

“Ich kann nicht schlafen.”
“Ich auch nicht. Was ist denn los, Baby?”
Ich nenne Frauen, die ich toll finde, gerne Baby, weiss auch nicht warum. Eigentlich ist das ja ein superuncooler Kosename, aber andererseits ist der auch zu Recht ein Klassiker. Der versprüht so was…cooles? Oder beschützendes. Das vermutlich. Ich sehe an dem kleinen Stiftsymbol das sie mir die ganze Zeit ihre Antwort schreibt. Da scheint wohl etwas mehr zu kommen, wenn sie jetzt schon so lange an ihrer Antwort herumtippt. Ich warte und blicke auf meinen blinkenden Cursor. Da meine kleine heute bei mir schläft, sitze ich am Küchentisch. Das ist aber eh ganz gut, denn hier kann ich rauchen. Wiederum gar nicht gut ist, das meine Kippen langsam zur Neige gehen. Wenn meine Kleine schläft, dann kann ich nicht aus dem Haus gehen, um mir Neue zu holen. Ich werde sie mir also einteilen müssen.

Nachdem wir eine Zeit lang rumgetippt haben, gehen wir auf Sprache über. Voice over IP. Schön was heutzutage alles möglich ist. Sie geht sich jetzt Zigaretten holen und ich wünschte sie würde mir welche mitbringen können, es wird langsam eng für mich. Sie ist vor kurzem erst umgezogen, in eine neue Bude. Ich werde sie mal besuchen müssen. Wenn sie mich denn endlich mal wieder einladen würde. Vor langer, langer Zeit, da gabs mal was zwischen uns, im Vergleich zu der Zeit, die wir uns kennen, eigentlich nur ein Wimpernschlag, aber ein ganz besonderer. Ich würde mir wünschen, das mal wieder zu erleben, aber ich weiss nicht, ob sie das genauso sieht. Naja. Seit heute Abend weiss ich es eigentlich schon. Sie klagt mir ihr Leid mit ihrer neuen Flamme. Gut. Offensichtlich bin ich nicht aktuell.

Macht aber nix, ich mag sie ja trotzdem und versuche gute Ratschläge zu geben. Ob ausgerechnet ich der richtige dafür bin, anderen Leuten Beziehungstips zu geben (meine Längste dauerte wohl ca. 3,5 Jahre), weiss ich nicht, aber in der Theorie ist ja alles immer deutlich einfacher. Da hab ich gar kein Problem zu analysieren, vor allem wenn es nicht um mich selbst geht. Aber das geht wohl jedem so. Ich leihe ihr nicht mein Ohr, ich schenke es ihr, stelle es ihr zur vollen Verfügung. Wir quatschen bis tief in die Nacht, oder früh am Morgen, je nachdem ob man Türsteher oder Bäcker ist. Ich muss mich irgendwann verabschieden, ich muss schlafen und die kleine Prinzessin muss am nächsten Morgen natürlich zur Schule gebracht werden. Wir verabreden uns lose. Jaja. Mal sehen. Bis dann. Bis irgendwann. Ja, mach du es auch gut. Schlaf schön. Du auch. Gute Nacht. Hach. Jetzt ist sie weg. Und ich habe es tatsächlich geschafft, mir die Zigaretten so einzuteilen, das ich jetzt noch eine letzte übrig habe. Ich lehne mich zurück auf dem Küchenstuhl, lausche dem Kühlschrankbrummen und gucke aus dem Fenster in die Dunkelheit, wobei ich natürlich hauptsächlich versuche, in die fremden Fenster des Hinterhauses zu spinxen. Ich liebe es in fremde Fenster zu gucken. Es ist mitten in der Nacht. Jetzt ist niemand mehr wach. Lächelnd blase ich den Rauch an die Decke. Zeit ins Bett zu gehen.

Wir kontakten uns eigentlich jeden Tag. Via SMS, via Skype, via Facebook-Chat, whatever. Sämtliche Kommunikationswege sind uns offen und wir nutzen sie alle. Sie hält mich auf dem Laufenden, was mit ihrem nix-peilenden Love Interest geht und ich hör zu und bin langsam immer mehr gespannt, was er jetzt schon wieder nicht kapiert hat. Sozusagen mein persönlicher, täglicher Gossip-Service.

Und dann kam das Wochenende.
(Fortsetzung folgt)



Fans vs. Artist

Ich weiss gar nicht ob es das schonmal gab. Kann gut sein, und ich habe es nur nicht mitbekommen, aber so weit ich weiss und das jetzt so aus meinem Gedächtnis einschätze, hat es das noch nicht gegeben. Zumindest war es nie so klar, wie jetze. Natürlich, die Möglichkeit besteht auch noch, das es eigentlich ganz anders ist, das werde ich aber erst später in Betracht ziehen. Nun erstmal die eigentliche Geschichte, wie sie sich einem darstellt:

Phoenix bringen im Mai ihr lang ersehntes neues Album mit dem wundervollen Titel “Wolfgang Amadeus Phoenix” raus. Zwei Songs sind schon veröffentlicht. Von dem Lied “1901″ kann man sich auf der Seite der Band sogar die Spuren runterladen und den Song remixen. Sehr schön, sehr vorbildlich. Ein zweites Lied haben die, zum Beispiel bei Saturday Night Live, auch gespielt: “Lisztomania”, ganz ehrlich, ein Hit. Sehr hookig, sehr schön. Und dazu hat dann jemand, vermutlich ein Fan, ein Video zu geschnitten, das es nicht nur bis in die Kuturteile der Online-Ableger verschiedener grosser Zeitungen geschafft hat, sondern sogar (!!!) auch Video des Monats hier auf dem Weltfrieden wurde. Hier zeig ich eich nochmal den Clip:


[YouTubeDirektBratVersion]

Ein Mash-Up vom Phoenix Song gemischt nur mit Tanz-Szenen aus den Brat Pack Filmen der 80er, allen voran “Breakfast Club”, aber auch “Ist sie nicht wundervoll”, “Mannequin” und “Footlose” etc. Das passt sowas von herrlich zusammen! Besser könnte es nicht sein. Das Styling, das ja jetzt locker als Berlin-Mitte-Style durchgeht und diese teilweise coole, teilweise schreckliche Art zu tanzen. Und wie schön das zu dem modern anachronistischen Sound von Phoenix passt…Wunderbar. Das sind die Momente in denen Magie entsteht, in denen Lied und Video eine Allianz bilden und zusammenschmelzen, wie Amalgam. Man könnte auch sagen, das ist der Stoff aus dem Klassiker gemacht sind.

Und dann kommt die Band an und dreht ihr eigenes Video. Und jetzt ist man wirklich gespannt:


VimeoDirektBayreuth

Und wenn man das gesehen hat, da muss man sich dann doch fragen: Häh? Was soll das denn bitte? Oder, wie es die geschätzte Zartha gestern abend so schön twitterte:

irgendwie enttäuschen mich @wearephoenix dieses jahr. das “lisztomania”-video hat hoffentlich nicht ernsthaft geld gekostet.

Das hoffe ich auch, sieht aber auch nicht so aus. Ich denke das teuerste war der Album-Titel-gelabelte Mini-Zeppelin. Aber das Video ist echt arm. Ein klassischer Schnellschuss. Mit so einem Lari-Fari-Konzept, das auf einen Bierdeckel passt. Und mit Super8-Zwischenschnitten. Ansonsten kein ästhetisches Konzept, keine Linie, kein Faden. Gähn. Aber, wenn man dann jetzt mal davon absieht, das die Fans um Lichtjahre bessere Arbeit geleistet haben, kommen wir doch mal zur Wahrscheinlichkeits-Theorie: Phoenix brauchen ein Video, das auch auf den drei Sendern gezeigt werden kann, die ab und zu noch Videos spielen (damit meine ich sicher keine Musiksender!), und da gibt es natürlich das Problem, das das Fanvideo, ähm, sagen wir mal: “Urheberrechtlich bedenklich” ist. Das können die niemals als offizielles Video vermarkten. Deswegen schnell ein Billo-Video zu drehen, das man “offiziell” rausgeben kann, ist da wohl die schnellste, aber leider auch die uneleganteste Möglichkeit. Ob man sich damit so einen grossen Gefallen tut, steht auf einem anderen Blatt, aber der Song ist stark, ich denke den kann nicht mal so ein konzeptloser Clip runterziehen. Hoffen wirs. Ich geh jetzt mit Molly Ringwald tanzen…



Der Paintgott lüftet seine Geheimnisse…

…und ihr dürft ihm dabei zusehen. Na? Stellt sich schon ein Bob Ross Gefühl ein?

[ScreenToasterDirektWasSieSchonImmerÜberPaintWissenWollten...]

Übrigens: Da das ganze eine Serie werden soll, dürft ihr euch schonmal wünschen, was ich in den nächsten Lektionen malen soll…Ich bin gespannt! Wünsche bitte in die Comments.



Ein paar Gedanken zu DSDS

Ich leide ja unter einer Krankheit, die in 10 Jahren vermutlich das AAZ-Syndrom genannt wird und für die es dann, hoffentlich, Heilung geben wird. AAZ bedeutet “Alles-Anseh-Zwang” und so ist es wirklich: Gibt es eine neue Show, ich muss sie sehen und etablierte Formate gucke ich sowieso, mal mit mehr, mal mit weniger Begeisterung. So verwundert es auch nicht das ich, natürlich, die aktuelle Staffel des RTL-Quoten-Fegers “Deustchland sucht den Superstar” verfolge. Eine Zeitlang habe ich die Mottoshows ja nicht mehr geguckt, weil die langweilig wurden (Die Elli-Staffel, die Tobias-Staffel), aber seit Thomas Godoj gucke ich auch wieder am Samstagabend. Am liebsten mit Freunden, zum Beispiel Herrn Waldmeister, aber wenn keiner da ist (oder ich nicht da bin), dann guck ich das auch alleine.

Wie dem auch sei: In der aktuellen Staffel entblösst sich mal wieder einiges und auch wenn ich weiss, das das meiste davon Kalkül ist, damit man überhaupt etwas zu schreiben hat über die Sendung, so muss ich mich doch diesmal an so vielen Stellen der Show am Kopf kratzen, das ich mich schon am Kopf kratze, weil ich mir so viel am Kopf kratzen muss. Ich gebe zu: Das wird jetzt Superstar-Content, das wird vielleicht für aussenstehende nicht so interessant, bzw. aufschlussreich. Ich höre ja immer die gleichen Argumente, wenn ich mich mal aufrege. “Das weiss man doch, das der Bohlen so ist.” oder “Das haben die doch alles beim Sender so gemacht, um die Quote nach oben zu treiben.” und ähnliches. Aber mal ehrlich: Irgendwer muss das doch jetzt mal bitte aufschreiben. Und da opfert sich eben jetzt der Weltfrieden für. Dann wollen wir mal:

- Annemarie ist meine Favoritin. Die sieht am Besten aus, die kann singen. Vielleicht nicht perfekt und technisch nicht so rein wie Sarah, aber dafür mit einer komplett eigenen Note, die Sarah vollkommen abgeht. Ich weiss auch nicht was das immer ist, das die Leute auf so Blender reinfallen: Ja, Sarah ist technisch die brillianteste, kein einziger Ton geht daneben. Keiner der Kandidaten kann so singen wie sie. Aber das ist eben nur Technikgefasel. Sarah hat keine eigene Stimmfarbe, sie imitiert die jeweiligen Interpreten stimmlich zur Perfektion. Deswegen sucht sie sich ja auch immer ähnliche Stimmen aus. Aber die Stimme alleine hat ungefgähr null Wiedererkennungswert, wenn das im Radio laufen würde, würde man sie wohl nur am cheapen Bohlen-Arrangement erkennen, denn am Gesang. Tolle Studio-Sängerin, aber nun wirklich kein Superstar. Die Jury behauptet ja immer, es käme ihr auf das Gesamtpket an. Sarah hat leider null Entertainer-Qualitäten. Das ist auch alles egal: Frauen gewinnen den Wettbewerb ja eh nie.

- A propos Frauen: Nina Eichinger ist ein supersympathisches Mädchen, mit der ich gerne mal was trinken gehen würde und niemand kann ihr verdenken, den Job als Juroron bei DSDS angenommen zu haben, das hätte jder gemacht. Aber: Sie dient allemal als Puffer zwischen Bohlen und seinem Spezi Volker Neumüller, der manchmal eine etwas zu betont andere Meinung als Bohlen vertritt. Nina sitzt zwischen den beiden und schon die Jury übergeht ihre Anmerkungen immer so dermassen, das ihr anscheinend auch die Lust vergangen ist sich überhaupt noch die Mühe zu machen, etwas substanzielles beizutragen und deswegen beurteilt sie nur noch, wie Juroren in der Mini-Playbackshow, wo einem die Redakteure vorher eintrichtern: “Du kannst alles sagen, aber mach sie nicht runter. Immer positiv formulieren!”. Da ich in letzter Zeit desöfetren über die Thematik gestolpert bin: Aus feministischer Sicht ist DSDS eine Katstrophe, ja, der Supergau. Selbst der Frau in der vermeitlichen “Machtposition” wird eine eigene Meinung nicht zugetraut. Was sehne ich mich nach der grossartigen Anja Lukaseder zurück. Die sass in den letzten beiden Staffeln in der Jury und glänzte als Konterpart zu Bohlen. Sie hatte Ahnung, war charmant und sah gut aus. Alles drei Punkte die Bohlen nicht zu erfüllen im Stande ist. Da RTL aber die Show mittlerweile auf Dieter zugeschnitten hat, ja, sie haben sie geradezu abhängig von ihm gemacht (Wer soll auch sonst die Schlagzeilen generieren, die man braucht?), gehe ich davon aus, das der Pop-Titan (sic!) mittlerweile ein Wörtchen mitzureden hat, bei der Jurybesetzung und Anja dürfte ihm ein Dorn im Auge gewesen sein, mit ihrer eigenen und fundierten Meinung. Ausserdem hat die letzte Staffel wieder ein Act gewonnen, mit dem Bohlen nichts anfangen kann (Godoj) und das passt dem ja gar nicht in den Kram. Jetzt will ER wieder die Nummer Eins-Single produzieren, da kann er keinen Rocker gebrauchen. Rock kann er nämlich nicht.

- Womit wir beim nächsten Punkt wären: Bohlens Chartwahrnehmung. In der allerersten Castingfolge kam es zum Eklat und Max von Thun verliess die Jury wegen einem Zank mit Bohlen. Es ging dabei um das Lied “Umbrella” von Rihanna. Eine super Nummer. Keine Frage. Der Casting-Kandidat coverte es mit Akkustikgitarre, was durchaus seinen Charme hatte, aber jetzt auch nix weltbewegend neues war, ich glaube ich habe von dem Lied schon 30 Coverversionen jeglicher Coleur gehört. Bohen fands scheisse, Max fands gut, weil er das Lied im Original immer scheisse fand. Da platzte Bohlen der Kragen: Wie man denn so ein Lied scheisse finden könne, das so viel verkauft hat. Häh?
Genau, Bohlen findet das Lied selbst anscheinend auch nicht so prickelnd, er findet es nur so toll weil es soviel verkauft hat. Das ist sein einziger Qualitätsmassstab. J, ich weiss, das gibt er auch offen zu, da macht er keinen Hehl draus und das weiss auch jeder. Aber so unangenehm wie der das da rüber gebracht hat, da muss man sich schon sehr sicher im Sattel fühlen. Bei der Mottoshow am Samstag hat Benny “Closer” von Ne-Yo gesungen. Und was war Bohlens Fazit? Das er sich wohl keinen Gefallen damit getan hätte eine Nummer zu singen, die kaum jemand kennt. Hä? “Closer2 war doch auch bei uns in den Top 10, müsste Dieter also mitbekommen haben, oder war er da gerade im Urlaub? Vielleicht liest er aber auch immer nur die Ballermann-Trendcharts, da kommt das vielleicht nicht vor. Eine verzerrte Wahrnehmung.

- Das runterbuttern von Kandidaten ist natürlich immer unterhaltsamer, als das loben. Aber wenn es so wilkürlich verteilt wird, wie von dieser Jury, dann bereitet mir das körperliche Schmerzen. Im Ernst: So daneben waren die Urteile der Drei in noch keiner Staffel. Was mal wieder meine Theorie vom Bohlen-sucht-den-Popsinglesänger bestätigt. Alle die nicht der neue Mark Medlock oder Alexander Klaws werden könnten, haben bei Bohlen superschlechte Karten. Das ist etwas albern.

- Volker Neumüller ist ein angenehmer Juror, der immer versucht alles zu begründen, was er erzählt. Aber leider verblasst auch er zur Staffage in der Sendung. Alles hat nach Dieters Pfeife zu tanzen, das merkt man ihm auch an (Neumülller managed u.a. Bohlen-Schützling Mark Medlock), jeder Disput wird solange rumgeritten, bis alle zumindest zähneknirschend Dieter in seiner verblendeten Meinung zustimmen. Traurig. Warum also noch eine dreiköpfige Jury? Oder demnächst direkt Bohlens Neue und seine Mutter hinsetzen. Dann ist da vielleicht mal EINE Person, vor deren Meinung er Respekt hat. Gut, man weiss es nicht….

- Annemarie wäre gut beraten, ihrem Vater mal zu sagen das er, bei aller Tochterliebe, dich mal seine Klappe halten sollte. Der Vater reitet seine Tochter immer weiter in die Scheisse. Annemarie selbst hat sich auf ein Spiel eingelassen, dessen Tragweite sie weder einschätzen konnte noch kann: Sie hat sich vor den Titten-Karren der Bildzeitung spannen lassen, und die werden jetzt nicht mehr locker lassen, wenn sie nicht jede Woche, die Annemarie noch dabei ist, ihr Bikini-Foto kriegen. Das alleine könnte schon als Bumerang reichen, aber ihr Vater tut sein übriges. In jedem Interview äussert er sich ungefragt über die Situation seiner Tochter, gegen wen er was hat und wie dumm seiner Meinung nach alle sind, die nicht die Genialität seines Kindes erkennen. Das ist Gift für die Beliebtheit. Das war schon in der Staffel mit Linda so, die hatte auch so einen Vater, der sie immer pushen wollte. Man merkte ihm an: Ein gescheiteter Musiker, desssen Tochter jetzt seinen Traum leben soll. Das mögen die Leute nicht, das macht auch keinen Spass zu sehen. Annemaries Dad sollte sich lieber mal selbst Sprechverbot erteilen, sonst kann er seine Tochter nämlich früher aus der Superstar-WG abholen.

Das war jetzt alles sehr ausführlich, das interesseirt bestimmt auch nur einen kleinen Teil von euch, aber das musste mal raus und dafür ist so ein Blog doch da, oder? Der Sender sollte sich hüten seinem Zugpferd zuviel Macht zu geben. Der tanzt denen jetzt schon auf der Nase rum und macht eas er will. Das ist unprofessionell. Wenn ich könnte würde ich Bohlen rauswählen.



Das Guten Tag Team

Herm liebt Wrestling. Ich kannte mich da mal aus, bin dann viele Jahre ausgesteigen und finde langsam wieder rein. Irgendwie ist Wrestling super. Die Kids in den USA gucken das, und wenn wir mal ganz ehrlich sind, dann ist das so, wie wir früher mit einer Tüte Haribo Erdbeeren Samstag Abend in den Sommerferien vor dem Fernseher gesessen und Bud Spencer geguckt haben. Gut, vielleicht ist es nicht ganz so charmant, der Witz fehlt und die nehmen sich selbst ein bischen zu ernst, aber ansonsten ist es genauso! Abgesehen von den super Schlaggeräuschen, dem charmanten Terence Hill als Sidekick und der Tatsache, das Bud und Terence immer für etwas Gutes gekämpft haben. Und das alles so Comichaft war und Oliver Onions den grossartigen Soundtrack geliefert haben. Aber wenn man das alles wegnimmt, dann st es eigentlich das gleiche. Gut, abgesehen von der riesengrossen Eitelkeit amerikanischer Profiwrestler, die sie ihren europäischen Kollegen voraushaben.

Okay, ich seh es ein, der Vergleich hinkt. Ganz und gar nicht hinken tut aber DAS neue europäische sogenannte “Tag Team”, so nennt sich das, wenn zwei Superwrestler ein Team bilden. Und das ist in diesem Fall das “Guten Tag Team”, hier ist ihr erstes Pressefoto:

Hermit “The Herm” Herm und Nilz “Burger” Nilzenburger, mit Herz.

Und hier der Soundtrack, der zu hören ist, wenn sie die Halle betreten:


[YouTubeDirektFantasie]

Manchmal, wenn sie Lust haben, hört man auch den hier:


[YouTubeDirektWieBrüder]

Und wenn vorrauszusehen ist, das sich das Guten Tag Team in einem sogenannten Nose-Fight befindet, bei dem die Zinken aufeinenader losgelassen werden, dann können sie die Halle natürlich nur unter diesen Tönen betreten:


[YouTubeDirektWerHatAngstVorDenSupernoses?]

Ihr seht: Wir sind bereit. Es kann losgehen? Wer traut sich gegen uns anzutreten?

Edit: Ausserdem habe ich gerade gesehen, das der Herm heute Geburtstag hat! HAPPY BIRTHDAY Tag Team Partner! Und jetzt singen wir hier alle für Herm, ich fang an: Happy Birthday to you…..



Blogger sucht Frau

Das würde ich doch mal für ein innovatives Fernsehformat halten, oder? Überhaupt: Ich erinner mich noch an Zeiten, in denen es keine Blogs gab und man über dieses Internet immer die verrücktesten Sachen gehört hat. Das war eine Zeit in der man sich noch mit AOL ins Netz gewählt hat und ein verrückter Aktionskünstler alle CDs des Unternehmens sammelte, die umsonst in Zeitschriften beilagen oder im Kiosk oder an der Supermarkttheke rum und die wollte er alle zu einem Turm stapeln und vor der AOL-Zentrale abliefern um ihnen zu zeigen, wie sehr der Konzern “real-life-spammt”. Hach, das waren noch Zeiten, als es noch kein Google gab und meine favorisierte Suchmaschine Fireball war. Als Napster noch kein gekaufter Konzern war und man Foren für grossartige Kommunikationsmöglichkeiten hielt. Worauf ich aber hinauswill: Zu dieser Zeit hörte man immer und überall, wenn es ums Netz ging, die verrücktesten Meldungen über Hochzeiten in Chats. Manche dieser Berichte konzentrierten sich auf “virtuelle Hochzeiten”, die dann auch nur im Chatroom stattfanden, mit den Mitchattern als Hochzeitsgesellschaft. Öfter hat man aber auch die Berichte gehört über Pärchen, die sich im Internet kennengelernt haben und dann in echt heirateten. Durch das aufkommen von “Second Life” sind diese Berichte nochmal kurz wieder aufgeflammt, aber ansonsten habe ich die eigentlich nicht mehr gehört. Da frag ich mich doch: Warum? Gerade Blogs wären doch eigentlich prädestiniert für die virtuelle Partnersuche, oder? Ich habe zumindest noch keinen einzigen Bericht gehört über zwei Menschen die sich durchs bloggen kennengelernt haben und dann sogar heirateten.

Deswegen würde ich diese Sendung ins Leben rufen. “Blogger sucht Frau”. Exklusiver Weltfriedencontent. Wer ist dabei? Wer will? Wen soll ich vorstellen? Na los, traut euch. Am besten in den Comments melden und ich nehem das dann für die erste Ausgabe auf…Hehehe..;) Das wird super!



Man trifft sich, man kennt sich, man sieht sich.

Von Mittwoch bis Freitag war in Berlin die mittlerweile dritte re:publica. Eine Konferenz von Bloggern für Blogger. Und die Veranstaltung ist mächtig gewachsen. Von ca. 700 Besuchern im letzten Jahr zu mindestens dem doppelten in diesem. Deswegen hat man auch noch eine neue Riesenlocation dazu genommen, und zwar das alt-ehrwürdige Showtheater “Friedrichstadtpalast”.

Zur Konferenz selbst: Es gab viele Vorträge, Panels und Workshops. Ich habe auch oft genung vor Beginn der Konferenz ins Programm geschaut und mir überlegt, was ich mir wann angucken soll. Aber so richtig konnte ich mich nie entscheiden und ehrlich gesagt hatte ich auch keine Lust mit Textmarker auf meinem Monitor rumzuschmieren und beschloss deshalb auf die gedruckte Version des Programms zu warten, die ich am ersten Konferenztag bekommen sollte.

Mittwoch Morgen stand ich also vor dem grossen Prachtbau. Noch schnell was auf dem Weg gefrühstückt und dann die Akkreditierung abgeholt. Rein in den Palast und erstmal Platz genommen und WLAN gecheckt. Ging nicht. Wenn ihr jetzt einen running Gag erwartet, keine Sorge, der wird nicht kommen. Es ging manchmal einigermassen, dann wieder gar nicht. In der Kalkscheune ging es besser. Das WLAN war der Gag der Veranstaltung. Später haben alle nur noch Witze darüber gemacht, die am dritten Tag aber auch schon keiner mehr hören wollte. Soviel zu dieser Situation.

Ich werde nun einmal versuchen einen halbwegs chronologischen Ablauf, der Leute die ich traf aufzustellen, auch wenn mir dabei sicherlich nicht nur zeitliche Fehler unterlaufen, sondern ich eventuell auch noch den ein oder anderen vergessen werde, aber fangen wir doch einfach erstmal an:

- Als erstes traf ich einen schon recht müden Christoph vor dem Eingang, der schon einige Stunden länger als ich wach war, weil er beim Aufbau half.
- Im Vorraum traf ich Fräulein Tessa, ganz fleissig. Es war noch früh, wir waren beide noch nicht richtig fit, also ging ich in den grossen Saal, während sie weiter malochen musste.
- Als nächstes sah ich Herm, der schon mit Philipp, Zartha und Julie zusammensass. Christoph war auch wieder dabei und irgendwann setzte sich auch René zwei Reihen hinter uns, ohne uns direkt gesehen zu haben (Wir haben dann spekuliert ob die Abwesenheit des WLAN eventuell seinen Kopf wegen Informationsunterfütterung platzen lassen könnte…hehehe. Dabei fällt mir auf: Gibt es überhaupt einen “Information Underload”?)
- Nach dem Vortrag traf ich draussen Jamade und David und hielt einen schönen, kölschen Plausch mit den zwei Spitzbuben. Dazu stiess dann noch Gero, einer der beiden wunderbaren Conferenciers der Konferenz.
- Zurück im Saal flirtete ich über die riesengrosse SMS-Wand mit Lisa, mit der ich mich während der ganzen Veranstaltung zum Schnaps verabredete, was wir aber kein einziges Mal geschafft haben. Meinen romantischen SMS-Tweet hat sie auch verpasst, weil sie die Wand gerade nicht verfolgte. Der Text, der da schön gross zu lesen war lautete:

“ein schnaps, ein eis, ein herz. KdL09″

Abgesehen von der vermutlichen Begeisterung über diesen wunderbaren Text fragen sich sicherlich einige von euch, was denn KdL bedeuten soll. Das war meine Erfindung als Sub-Sub-Titel zur re:publica, die ja mit Zweitnamen schon “Shift happens” hiess. Ich fügte noch ein “Konferenz der Liebe” hinzu und wollte sehen, ob sie hält, was ich ihr verspreche. Klassischer Weltfridenstyle. Ich lud dann Lisa in der Pause und der Sonne auf ein Bottermelk Fresh Zitrone ein und lernte einige ihrer sehr nette OPAK-Kollegen kennen. Lustige Truppe (bis auf einen, der ein wenig müffelig war, aber vielleicht war das ja auch nur der lange Tag, oder so).
- Zurück auf der Konferenz lief mir endlich auch Herr Grau über den Weg. Wir setzten uns alle in den 4chan-Vortrag und hörten zu wie eine ehrliche Meme-Maschine funktioniert.

In der Mittagspause war ich mirt Herm und Julie bei dem schwedischen Klamotten-Giganten, um mir das Vincent Gallo Leinen-Jackett zu kaufen. Es war eins in meiner Grösse da und es stand mir ziemlich gut, deswegen wurde nicht lange gefackelt, sondern zugeschlagen. Danach schnell wieder zurück zur Location.

Am Abend habe ich dann zusammen mit Johnny die grosse, glamuröse und gigantische Gameshow “re:search - Deutschland sucht” moderiert (wo ich auch den sehr netten Lars kennengelernt habe) und was soll ich sagen: Es war ein Riesenspass! Danke auch nochmal an Johnny und Tanja dafür. Danach sind wir noch alle zusammen in die Kalkscheune rüber, wo Fettes Brot aufgelegt haben, was gut war, aber die Stimmung war ein bischen lau, weswegen ich dann auch nach Hause und ins Bett gegangen bin.

Tag Zwei ist recht schnell erzählt: Jens Scholz, Don Dahlmann und ich sassen im Hof. Der Tagesspiegel nannte es gar den “Altherrentisch“. Zwischendurch sind wir mal in den grossen Saal gegangen, weil da das WLAN funktionierte, dann haben wir uns aber wieder rausgesetzt. Ach ja, einen Vortrag habe ich dann doch noch gesehen, mit Jens zusammen, und zwar über die “One Laptop per child”-100-Dollar-Laptops und was man damit anfangen kann. Ich habe nicht so wahnsinnig viel verstanden, aber der vortragende Professor war sehr leidenschaftlich bei der Sache, das hat mir gefallen. Es war ein wahnsinnig angenehmer und gemütlicher Tag in grossartiger Gesellschaft. Jens und ich haben uns Poken geholt und abends haben wir alle noch die äusserst amüsante Twitterlesung gesehen, bei der auch Sascha Lobo dabei war. Und Stefan Niggemeier als Gastleser für die sehr lustigen Trottelbot-Tweets. Feinstes Entertainment, die re:publica-Abende wissen sehr zu unterhalten.

Der letzte Tag.
Ich kam erst spät auf die Konferenz, weil meine Mädels in den Urlaub gefahren sind und ich noch Lunch-Pakete machen musste und ein bischen Auto einräumen helfen. Die Gang habe ich dann vor Ort direkt getroffen und wir sind sofort in den Porno-Vortrag gegangen. Der war sehr gut. Sehr Filmwissenschaftlich und ehrlich gesagt sehr un-web2.0-ig. Auch die soziokulturelle Note (”Zukunftsvisionen im Pornofilm”) hab ich ncht so richtig mitbekommen. Es ging eher so darum, wie sich das Genre entwickelt hat, an Hand von Beispielen aus allen Zeiten. Ich fand es aber trotzdem ganz interessant. Wenn ich mir auch etwas mehr Tiefe gewünscht hätte. Das klingt in dem Zusammenhang jetzt schlüpfrig, aber ich mein es gar nicht so.
Dann habe ich noch einen Vortrag über die “Hedonistische Internationale” gesehen, der wirklich sehr gut war, und dann war eigentlich auch schon alles vorbei. Ich habe einen etwas müden Björn Grau zum Newthinking Store als Pfleger begleitet und da wurden die Abschlussbiere getrunken. Es gab Reissdorf Kölsch, ich habe mich mit Peter Noster schon wieder viel zu lang über Filme unterhalten, was mir immer passiert wenn ich andere Filmfans treffe. Mit solchen Gesprächen können Umstehende dann meistens weniger anfangen und wenden sich ab. Ich dachte im Augenwinkel gesehen zu haben, wie Herm sich ein Mädchen “klarmacht”, aber die ist dann irgendwann gegangen, war wohl doch nix.
Und dann gingen wir alle zusammen auf Sascha Lobos Followerparty, bei ihm zu Hause. Der rotirokesene Impressario hat sich 6 neue Flatscreens geholt und in jedes Zimmer einen gehängt, auf dem man den Live-Twitter-Feed der Party lesen konnte. Ich habe die äusserst charmante Miss Caro kennengelernt und ihre nicht weniger charmante Old-Media-X-Beine-Freundin, deren Namen ich, Scham auf mich, leider vergessen habe (Susan oder so?). Immer wenn es hiess, das Bier sei gerade alle, kam Nachschub und die bezaubernde Mercedes Bunz, die ich ja toll finde, hat mich beim reinkommen so angelächelt, als wenn sie sich wirklich freuen würde mich zu sehen.

Einige werden sich jetzt zu Recht fragen, was das denn für ein Artikel über eine Blogger-Medien-Konferenz sei. Wo denn die Vortragsfakten blieben, was ich denn da überhaupt gemacht hätte. Oder wie Don Dahlmann es so schön am zweiten Tag am Altherrentisch formulierte: “Jetzt habe ich 60 Euro dafür ausgegeben, mit Nilz Bokelberg den ganzen Tag am Tisch zu sitzen.” Und genau darum geht es. Das ist die re:publica für mich. Die Leute sind alle da, alle auf einem Fleck. Es wird gequatscht, verabredet, diskutiert, gelacht. Es geht um das Treffen echter Menschen.

Deswegen ist das so ein Freudenfest für mich und deswegen freue ich mich schon auf die Neuauflage im nächsten Jahr. Scheiss doch auf funktionierendes WLAN, solange es funktionierende Münder gibt.