In Hamburg gibt es ein paar Jungs die die äusserst sympathische Premium-Cola herstellen. Mit dem erklärten Ziel alles anders zu machen, als das unter Unternehmen üblich ist. So werden alle Einnahmen gerecht geteilt, es wird eng mit Zulieferern und Abfüllern zusammengearbeitet und ständig so herumkalkuliert, das die, die sich den Arsch abarbeiten, auch fair entlohnt werden. Man kann das auch alles genauer auf dem Blog der Cola-Macher nachlesen. Wie ein Typ, der sich aus eigener Doofheit an einer Premium Cola Flasche verletzt hat zum Trost dennoch eine Kiste geschickt bekommt. Lauter solche Sachen. Dabei ist die Bescheidenheit und der Spass, den die Macher am bewussten anders-machen offensichtlich haben aber niemals billiges Kalkül oder wenn, dann spielen sie es wirklich sehr gut, aber ich finde das alles sehr ehrlich und transparent und spannend. Und ich habe tatsächlich noch nicht von solch einem Unternehmen gehört. Zumindest nicht in Zusammenhamg mit coolen Menschen…hehehe.
So sahen das auch schon andere Publikationen vor mir, wie der ausführliche Pressespiegel beweist. Das Experiment, das jetzt schon einige Jahre läuft, finden alle spannend und wundern sich wohl das es bislang bestens funktioniert. Ja, man kann anscheinend ein kleines Getränkeunternehmen gründen und am Leben halten, wenn man nur genug Einsatz und Freude an der Sache aufbringt. Ebenfalls eine schöne Idee: Die Innenseiten der Etiketten werden von Künstlern oder Freunden oder im besten Falle beidem gestaltet. Man weiss nie welches Etikett man kriegt. (BTW: Ich hab 2003 auch eins gemacht….siehe hier auf der letzten Seite, der kleine 4-Panel-Comic)
Auf der Homepage der Cola ist alles schlicht und simpel gehalten. Der Name führt zum Wikipediaeintrag der Marke. Und da ist das Problem:
Nach einer längeren Löschdiskussion ist der Eintrag wegen mangelnder Relevanz gelöscht worden. Das möchte den Jungs nicht so recht einleuchten und wenn man die Diskussion nachliest, kann man sehen wie engagiert sie zu Werke gehen um zu erläutern, warum ihr Unternehmen eben doch einen Wikieintrag behalten solle. Aber bei Wikipediarelevanzdiskussionen ist es wie im echten Leben: Die meisten Diskutanten diskutieren nicht um sich überzeugen zu lassen, sondern nur um ihren Standpunkt vehement zu verteidigen, komme was wolle. Uwe von Premium Cola hat sich die Relevanz Kriterien der Wikipedia angeguckt und auch genau auf Grundlage dieser diskutiert. Das hat den Jungs nicht gereicht. Dann hat er verlangte Belege für Media Coverage angebracht. Die war dann plötzlich nicht mehr gut genug. Egal was er machte, er hatte es hier mit einer Wand zu tun. Nun lässt sich sicher über die Relevanz von Premium Cola in einer Enzyklopädie streiten, aber als Modell-Betrieb ist das schon sehr spannend. Klar, jetzt kommt das Argument: Aber wenn man einen zulässt, dann muss man auch alle zulassen. Weiss ich nicht. Seh ich nicht so (obwohl es mich, ehrlich gesagt, schon sehr gewundert hat das der Fritz Cola Eintrag auch gelöscht worden ist - ich finde das die schon eine recht weite Verbreitung haben…kann aber nur mein subjektiver Eindruck sein). Ich finde das bei PC mehrere Faktoren zusammenkommen, die das Alleinstellungsmerkmal mehr als herausheben (andere wirtschaftliche Herangehensweise, ursprüngliches Afri Cola Originalrezept etc.). Aber jedes dieser Argumente ist den Wikiwärtern einzeln zu schwach.
Klar, die Premium Cola Jungs sind gefrustet. Kann ich verstehen. Bei ihnen entsteht der Eindruck: Nur was in grossen Medien (Spiegel, Bild etc.) auftaucht, wird bei Wikipedia relevant. Und mir fällt mal wieder auf, wie unangenehm ich die Löschdiskussionen finde. Klar, manchmal ist das ganz lustig. Und meistens, wenn die Autoren der Artikel oder diejenigen um die es in dem Eintrag geht, sich an der Diskussion beteiligen, geht deren Argumentation nicht über ein “Aber ICH finde das relevant!” hinaus und da schalten die Wiki-Leute auf Durchzug. Kann ich gut verstehen. Aber hier ist die Sache irgendwie schräg gelaufen. Finde ich zumindest, wenn ich die Löschdiskussion sehe. Auch wenn man sieht das eigentlich die eine Hälfte für behalten und die andere für löschen ist und dann trotzdem gelöscht wird. Unguter Beigeschmack von Gottspielen. Sehr unguter Beigeschmack.
Vielleicht bin ich auch voreingenommen, weil es hier um etwas Gutes geht, um ein Weltfrieden-Produkt. Vielleicht sehe ich das etwas verklärt. Vielleicht ist das alles wirklich nicht relevant. Viellicht sollte man aber den fleissigen Wiki-Pflegern mal ein bischen besser auf die Finger schauen. Und vielleicht sollte man den Premium Cola Artikel wieder reinnehmen.
Übrigens: Von mir aus können auch alle deutschen Colas einen eigenen Artikel kriegen, wen sollte das stören? Ich finde Getränke sind etwas so “Allgemeingütiges”, das hat schon immer auch seine Daseinsberechtigung. Das ist schon was anderes als ein “Hintertupfinger Skatverein”. Und einen etwas höflicheren Stil können die sich in ihren Löschdiskussionen auch mal angewöhnen.


