Wir waren im Filmpark Babelsberg. Zum Geburtstag eines Freundes. Drei Kinder, drei Erwachsene. Fangen wir von Vorne an: Eintritt für einen Erwachsenen: 19 Euro. Auch wenn mein Vater jetzt sagen würde: “Das sind ja 38 Mark!”, der Preis ist wohl Standard für Vergnügungsparks. Kann ich mit leben. Die ganzen Attraktionen, die Shows, die Wartung der Fahrgeschäfte - das will alles bezahlt werden. Geh ich also voll d´accord mit. Ich meine: Hey, das Phantasialand kostet auch schon 31 Euro für einen Erwachsenen (”Das sind ja 62 Mark!”). Und das Belantis in Leipzig 18,90 Euro (”Das sind ja 37 Mark 80!”). Ganz zu schweigen vom Heide-Park Soltau: 31,50 € (”Das sind ja 63 Mark!”). Insofern befinden wir uns hier also im unteren Mittelpreissegment. Gut, man weiss das Babelsberg flächenmässig so gar nicht an die anderen Parks rankommt, aber das will man ja auch nicht. Darum geht es hier gar nicht. Hier hat man die Gelegenheit ein Filmstudio mit laaaaanger Tradition zu bewundern. Aufgelockert durch ein paar Attraktionen. Das ist doch eine nette Idee. Da sollten sich die Eintrittsgelder doch lohnen, in Puncto Wartung etc.
Als erstes rannten die Kinder zur grossen Panamafahrt. Eine kleine Bötchenfahrt durch eine Art Märchenwald. Bei jeder Figur wird die Geschichte von Janosch durch versteckte Lautsprecher ein Stückchen weitererzählt, inklusive einem grossen, klitzeklein-gruseligem Finale mit einem Schatz in einer Höhle. So war diese Fahrt wohl mal gedacht und gepitcht. Und ich gebe zu: An ihrem Eröffnungstag und vielleicht auch noch die Woche danach mag sie auch so gewirkt haben. Heute aber ist das etwas anders: Mit viel Glück kriegt man noch Fragmente der Geschichte erzählt und kann noch 2 Sätze davon aufschnappen, weil das Boot in dem man sitzt schon lange an der Figur vorbei ist. Glück braucht man auch um die Figuren zu sehen, die sich hinter meterhohem Schilf verbergen, der zwar über die Jahre schön gewachsen ist, was aber anscheinend niemand gestört hat. Vielleicht ist auch einfach nur der Gärtner krank? Man weiss es nicht. Weiter gehts zu einem Wolf, der eine Gans auf dem Schoss hat und auf ihr Gitarre spielt. Damit man nicht allzu sehr verwirrt ist und sich fragt, wann Janosch denn bitte schön DAS geschrieben haben soll, gibt es schon gar keine Erzählerstimme mehr zu hören (später kam sie dann, aber da konnte ich nun wirklich gar nichts mehr verstehen). Nachdem man eine ausgeblichene Wandmalerei im Stile des Autors passiert hat, kommt man zu einer schönen Laubsägearbeit des Janoschen Froschs, die aussieht als wenn sie Kevin-Jürgen aus der 4c der Babelsberger Gesamtschule gemacht hätte, der unter ADS leidet, wie seine Lehrer behaupten, was erklärt das aus der Figur allerlei Drähte und Schläuche herausgucken, die aber alle durch eine erfrischend auffällige Funktionslosigkeit bestechen. Dann geht es noch durch eine Höhle mit einem Styroporschatz, der auch schon bessere resp. “goldenere” Tage gesehen hat, zu dramatischer Musik und die Fahrt ist zu Ende. Am Ausgang wartet noch ein Wasserspielplatz auf die jungen Besucher, mit kleinen Wasserspielen die ich auf Spielplätzen zwischen Kreuzberg und Friedrichshain so zwar auch schon gesehen habe, aber hier das erste Mal mit dem Gedanken an rausgeworfenes Eintrittsgeld geniessen durfte.
Weiter ging es durch ein Mittelaltertor in eine Westernstadt, die in eine Geisterstadt überging in der eine U-Boot-Kulisse als Attraktion wartete. So schnell man diesen Satz gelesen hat, so schnell ist man auch durch die drei Welten gegangen. Ach ja, die Leute beim Film sind schon verrückt, da ist alles auf kleinstem Raum. Die U-Boot-Kulissen-Führung glänzte durch eine formvollendete Trostlosigkeit, die den leeren Gesichtsausdrücken der Besucher in nichts nachstand. Beginnend im Kommandoraum wurde man gebeten die Blicke auf gefühlte briefmarkengrosse Monitore zu richten, auf denen ein angebliches Making-Of eines Films gezeigt wurde, der in dieser Kulisse gedreht wurde. Ein Uboot-Film mit Rutger Hauer und Martin Sheen, von dem ich wirklich noch nie etwas gehört hatte (und ich bin Filmfreund!), und deswegen von einer Direct-to-Video-Premiere ausging, in dem es darum geht, das ein russisches Atomuboot (die Kulisse in der wir uns befanden) gegen ein amerikanisches stösst. Danach ging es in die Raketentanks (oder so ähnlich) des U-Bootes, in dem ein Tauchgang mit Zusammenstoss simuliert werden sollte. Es rüttelte, es blinkte, Lautsprecher schrien und hinter einer Scheibe ging Wasser hoch. Dann ging das Licht an und man wünschte uns noch einen schönen Tag und viel Spass im Filmpark.
Nach den “Gärten des kleinen Muck”, die eindrucksvoll bewiesen das der Muck wirklich sehr klein gewesen sein muss, kam man auf einen Platz an dem man endlich wieder Geld ausgeben durfte. Für eine Art Autoscooter, ein Erlebniskino (diese Schütteldinger mit Platz für 12 Personen), labbrige Fritten und pseudofernsteuerbare Autos und Boote, die zwar auf festgefahrenen Pfaden fuhren, aber als Steuereinheit trotzdem ein Lenkrad hatten. Alles ab ein Euro (”Das sind ja zwei Mark!”) aufwärts. Von da ab in die Traumwerkerhalle, in der die kreativen Jobs der Filmhandwerker vorgestellt wurden, also Bühnenbau, Maske, Kostüm, Kulissen, Requisite etc. Bei den Malern durften Kinder ausgedruckte Bilder ausmalen (Motive: Sandmännchen, ein Indianer, der kleine Muck und noch irgendwas). UMSONST! Im Gegensatz zu den Maskenbildnern, die den Kindern Tiger ins Gesicht malten, oder der Kostümabteilung, wo man für 7 Euro (”Das sind ja 14 Mark!”, Kinder nur 4 €) einen alten Fummel überstreifen durfte, den sicherlich schon genug andere Vergnügungssüchtige vollgeschwitzt haben.
Nachdem wir die Halle verlassen hatten, gingen die Kinder in die Sandmannausstellung und ich ging zu einem kleinen Büdchen, um erstmal Stärkung in Form von Getränken zu kaufen. Eine lange Schlange schreckte mich nicht davon ab, mich anzustellen. Nach und nach wurde die Schlange kürzer. Als ich endlich an der Reihe war, sagte mir die junge Aushilfsverkäuferin, das sie nun zu machen MUSS. Irgendwann gegen 14 Uhr. Ich hab das nicht so wirklich verstanden, wurde aber freundlich zu einem anderen Kiosk geschickt. War vermutlich gewerkschaftliche Zwangspause, warum sie das aber nicht lautstark ankündigte, sondern nach und nach jeden in der Schlange zu sich vortreten liess, um ihm persönlich mitzuteilen, das sie nun nichts mehr verkaufen dürfe, wird wohl für immer ihr kleines Geheimnis bleiben.
Das vermeintliche Highlight des Parks stand auf dem Programm: Die Stuntshow. Man orientiere sich in der Geschichte an Mad Max, liess der Warm-Upper einen wissen, der mit der aufgesetzten Fröhlichkeit, die nur ein Mensch haben kann, der das jeden Tag macht, die Show einleitete. Ich muss sagen: Die Show war okay. Die Geschichte störte nicht (mittendrin wurde sie sogar unterbrochen um zwei Stunts extra anzusagen und nicht in der Story “untergehen” zu lassen), im Gegenteil, sie war so gut wie nicht vorhanden. Was okay war, hier waren immerhin Stuntmen und Frauen am Werk und keine Theaterschauspieler. Da soll man bloss nicht zu überambitioniert zu Werke gehen, ich bin zum Beispiel der schlechteste Schauspieler der Welt. Gut, die Kämpfe waren nicht sonderlich ausgewogen choreographiert (wenn einer an seiner Position wartet um jemanden schlagen zu können, der erst irgendwohin klettern muss um geschlagen zu werden…dann wirkt das etwas bizarr), aber ich will kein Meckerkopp sein. Das Feuer sah toll aus, der Kampf in einem freischwingenden Käfig war eindrucksvoll und als die Baronin sich über den Köpfen der Zuschauer abseilte war das nicht nur spektakulär, sondern vor allem für sämtliche Väter in der Arena eine Augenweide. Auch wenn ich die dunkelhaarige Stuntfrau attraktiver fand. Ich habe auf jeden Fall irgendwann den Überblick verloren, wer denn jetzt eigentlich gegen wen kämpft. Ein grosses Finale mit einer Wasserexplosion (WTF?) und der Spuk war vorbei. Okay. Ich hätte für die Show 5 Euro Eintritt gezahlt (”Das sind ja 10 Mark!”). Meinetwegen auch 10 (”Das sind ja 20 Mark!”), aber mehr nicht.
Wir gingen zu einem Imbiss essen (erwähnte ich schon die labbrigen Fritten, die von einer Verkäuferin gereicht wurden - der zweite Stand hatte in der Zwischenzeit zu gemacht, was machen die Gewerkschaften hier bloss? - die den Eindruck machte, sie würde einem am liebsten das Essen von ihrer Theke aus ins Gesicht und in die Haare schmieren, plus dem unguten Gefühl, das sie sicher ins Essen gespuckt hat?) die Kinder durften noch auf den Spielplatz (Der, ganz im Ernst, wirklich schön angelegt ist) und nach dem 4D Kino, dessen vierte Dimension sich auf ein stärkeres Gebläse im Raum konzentrierte bei einem Mitschüttel-3D-Film, dessen Kopie schon etwas ältern Datums gewesen zu sein schien, verliessen wir den Park wieder.
Dinge die wir nicht mitgemacht haben:
- Zuschauer sein in einer Fernsehshow. Oder besser gesagt: Die Antwort auf die Frage: Wo kriegen diese Talkshows eigentlich immer ihr Klatschvieh her?
- Führung durchs GZSZ Aussenset. Sollte man mal nach Besuchermeinungen googlen. Muss spektakulär sein. Für wahre Fans der Serie anscheinend eine so spannende Geschichte, wie die Schlafforschung an Ottern für einen Basejumper.
Wenn ihr die Karte nicht geschenkt bekommt und ihr 38 Mark (”Das sind ja 19 Euro!”) sinnlos verprassen wollt: Geht da nicht hin. Lieber einen Tag im Kino, da erlebt man Film wirklich. (BTW: Immer wieder sehr zu empfehlen sind die Ausstellungen im Filmmuseum am Potsi. Klein aber oho.)
Wenn ihr aber Freunde wahrer Tristesse seid, ihr eure neue Flamme am liebsten in Kaufhausrestaurants ausführt und glaubt, das es keinen wilderen Platz auf der Welt gibt als die erste Reihe im Konzert von Westernhagen - Dann nix wie hin nach Babelsberg. Das müsste euch gefallen.
Kommentare bitte hier mit dem Zusatz “@ Weltfrieden”, denn hier sind sie immernoch kaputt, was sich aber nur noch um 2-3 Tage handeln kann, dann platzt die Überraschungstüte…