Ach. Bloggen ist einfach nicht dasselbe, wenn ihr nicht euren Senf zu den Texten abgeben könnt. Wirklich. Deswegen habe ich mir für die vorübergehende Unkommentierbarkeit der Artikel was überlegt, beziehungsweise Waldi hatte eine Idee, dazu aber dann später mehr.
Tourgeschichten sind die besten Geschichten. Naja, vielleicht nicht die besten, aber man muss sich eine Tournee immer als ca. Einmonatigen Ausnahmezustand vorstellen. Die Gesetze der Logik, der Höflichkeit, der Hygiene, der gesunden Ernährung, der Emanzipation, der Vernunft, der Selbstlokalisierung (”Wo bin ich?”), der Schlaffindung und der Intelligenz sind komplett aufgehoben. So war das damals auch mit Fritten und Bier. Ich erinner mich da gerne an den Auftritt zum Beispiel in Würzburg zurück:
(Man muss sich jetzt vorstellen wie zu dem Geräusch einer Harfe das Bild so in Schlangenlinien verschwimmt und wieder klar wird. Mittendrin steht fett geschrieben: “10 Jahre vorher“)
Der Gig war lustig. Klaus und Iwie sind extra aus Nürnberg gekommen um uns live zu sehen. Peta wollte die ganze Zeit “Spanien” hören, aber das war noch vom ersten Album und das haben wir nicht einstudiert. Dafür sind Klaus und Iwie fröhlich feiernd abgegangen, als wir “Cool” als Zugabe gespielt haben. Das war ja auch von denen, das Lied. Nach dem Gig ging es mit Gagu, unserer Vorband, zurück ins Hotel. Das Hotel war über einer Metzgerei, die zu dem “Komplex” gehörte. Naja, dann würde es wohl immerhin frische Wurst auf dem Frühstücksbuffet geben, das freut doch die Fleischfresser unter uns.
Einer von unserem Support Act hatte Geburtstag. Ich weiss leider nicht mehr genau wer, aber das musste gefeiert werden. Die haben sich dafür auch immerhin Freunde nach Wü kommen lassen. Da sassen wir also alle zusammen in grosser Runde vor den Zimmern, sozusagen auf dem Flur, der aber mehr einem kleinen Platz glich, von wo aus die Gänge zu den Zimmern abgehen. Notorische Tourneepleitigkeit ermöglichte uns aber leider nicht das besorgen schöner Geschenke, aber wenn man etwas auf Tour lernt, dann ist das Improvisieren. Wir beschlossen das es nicht nur Teppiche resp. Läufer als Geschenk geben sollte, sondern auch Fernseher und die ein oder andere Matratze. Wir holten die Sachen aus unseren Zimmern und stapelten sie im Flur. Nun standen da ca. 6 Hotel-TVs aufeinander, mehrere Matratzen bildeten ein 1A Trampolin und sämtliche in den Zimmern und Fluren auffindbaren Blumengestecke, wurden zu einem riesengrossen Geburtstagsbouquet umfunktioniert. Was für ein Freudenfest. Das schien aber nur die Wahrnehmung der Band und ihrer Freunde zu sein, denn irgendwann meldete sich…EIN ANDERER GAST!
Wir sahen ihn wie ein Alien an, das uns gerade anbot, uns mit auf sein Raumschiff zu nehmen, um uns mittels Analsonden genauer zu untersuchen. Wir hatten nicht geahnt, das hier tatsächlich auch andere, ganz normale Menschen freiwillig schlafen würden. Irgendwer hat es tatsächlich geschafft deeskalierend zu wirken. Der Mann, zutiefst echauffiert von unserem nächtlichen Gelage mitten auf dem Hotelflur, ging zurück auf sein Zimmer. Wir beschlossen das die ganze Gruppe im Zimmer des Geburtstagskinds weiterfeiern würde. Band plus Vorband plus Gäste plus Crew (Ok, Crew hört sich jetzt cool an, war aber nur der Roadie und der Tourmanager). Das kleine Zimmerchen war auf jeden Fall voll.
Wir amüsierten uns köstlichst über unseren Schlagzeuger, der neben einem Mädchen auf dem Bett sass. Das allein wäre noch keinen Kicherer wert, aber unser Schlagzeuger hat Dreadlocks. Und das Mädchen hatte auch Dreadlocks. Und sie haben jeder eine Dreadlocke genommen, von ihren Köpfen und die mit der jeweils anderen zusammengeknotet. Und sassen dann da, als wenn nichts besonderes wäre. Es war ja auch nichts besonderes, aber dadurch das sie so taten, als wenn es das nicht wäre, gingen sie ja davon aus das es das ist, was es nicht war und das fanden wir anderen ausserordentlich komisch. Und wo war eigentlich unser Gitarrist?
“JETZT geht die Party endlich los!!!!”, schrie er als er in das deutlich überfüllte Zimmer gestürmt kam. In seiner Hand ein handelsüblicher Feuerlöscher. Schlauch ausrichten, Hebel nach oben ziehen und schon war, wirklich in einem “blink of the eye“, wie der sympatische Amerikaner zu sagen pflegt (der Engländer übrigens auch), das Zimmer komplett voll mit bläulichem Löschschaum. Wobei das eher wie Staub aussah, das Zeug. Wir lachten uns kaputt. Man sah die eigene Hand vor Augen nicht mehr. Am nüchternsten war nur unser Mischer der sofort rief: “Alle raus hier! Das Zeug entzieht den Sauerstoff!”
Während die meisten sich wieder auf dem Flur einrichteten, gingen ein paar mutige Recken ins Zimmer und öffneten die Fenster, damit das Zeug abziehen konnte. Das ganze Happening hatte aber eher den Charakter des grossen Finales. Aus der Feier war die Luft raus, ins Zimmer kam sie wieder rein, das bedeutete: Zeit ins Bett zu gehen.
Die Konstellationen der Zimmerbelegungen änderten sich jeden Abend. Ich war mit unserem Tourmanager auf einem Zimmer, als ich am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe irgendwelche Leute meckernd über den Flur gehen hörte. Sie klopften an mehreren Zimmern, traten ein, schimpften und gingen zum nächsten Zimmer. Irgendwann klopfte es bei uns. Ich war wach und wollte gerade den vermeintlichen Zimmerservice wieder wegschicken, als das Türschloss knackelte. Ich sah die Silouetten, durch das ins dunkle Zimmer drängende Licht vom Flur, in der Tür stehen. Eine Frau und zwei Männer. Langsam erkannte ich: Die Besitzerin des Hotels und zwei Beamte der örtlichen Polizei. Ich wollte gerade fragen was denn los sei (Ich wusste natürlich was los war, aber man stellt sich in solchen Situationen ja immer erstmal dumm, wobei: Da war eine Rockband im Hotel und ein Mann, der schlecht geschlafen hat - wer sollte wohl, nach logischen Gesichtspunkten, für das Chaos auf dem Flur verantwortlich sein?), da kam mir die Dame mit ihrer schrill, kreischenden Stimme schon zuvor:
“Wer ist hier verantwortlich?!?!?!”
“Was? Wie bitte?”
“Ich will wissen wer hier verantwortlich ist!?!? Wer hat das sagen in dieser Truppe?!?!”
Ich war mir nicht sicher was ich antworten sollte. Von dem lieblichen Organ der empörten Powerfrau wachte auch unser Tourmanager auf. Ächzend stellte er sich hin und sah die 3er-Gruppe aus seinen verpennten Augen an. Dann rang er sich den Satz ab:
“Das bin dann wohl ich..”
Sofort trafen ihn Stakkatoartig die Wut-Tiraden der Hotelchefin. Sie kriegte sich nicht mehr ein und schimpfte wie ein Wasserfall bzw. redete wie ein Rohrspatz, flankiert von unterstützenden Kommentaren der beiden Ordnuungshüter. Der frisch aufgestandene Bandverantwortliche fuhr ihr über den Mund, charmant und entwaffnend logisch wie eh und je, mit dem Satz:
“Was halten sie denn davon, das ich mir erstmal eine Hose anziehe und dann können wir alles in Ruhe bereden.”
Die Polizisten begleiteten die brüskierte Frau aus dem Zimmer, die eigentlich lieber geblieben wäre. Nach einem kurzen Frischmachen ging unser Aufpasser aus dem Zimmer, zur Rezeption und klärte alles. Das Ende vom Lied?
Auf dem Hinterhof stand eine Nigel-Nagel-Neue Kühlmaschine für die Metzgerei. Und die hat so superfeine Lamellen. Und da ist das Löschzeug beim lüften des Zimmers reingeflogen. Und die Reinigung dieser neuen Spezialmaschine erforderte auch eine Spezialbehandlung. Kurzum: Wir mussten für die Reinigung und das aufräumen des Chaos 1000 Mark zahlen. Das ging empfindlich an die Tourkasse. Ausserdem wurde uns ein ewiges Hausverbot für das Hotel ausgesprochen. Am schlimmsten war aber: Wir haben keine frischen Leberwurstbrote bekommen.
Zurück ins hier und jetzt, liebe Leser! Ihr wollt den Beitrag kommentieren, aber es geht nicht? Dann herzlich willkommen zu WECK, Waldis Extrem Cooles Kommentieren. Beim Weltfrieden sind ja gerade die Kommentare kaputt, bei so vielen anderen Blogs aber nicht, weswegen wir die einfach übernehmen, aber freundlich. Für heute habe ich mir diese Kommentarspalte ausgesucht. Folgt dem Link und gebt euren Kommentar zu meiner Geschichte ab, aber schreibt davor immer das Tag “@ Weltfrieden: “, damit ich weiss das ihr mich und diese Geschichte meint. Und auch bei anderen Kommentarspalten gilt: Höflich bleiben. Aber das wisst ihr, als Weltfiedenkommentatoren, ja eh.