Ich mag ja so alten Soul und Disco-Kram. Ein Riesenhit aus der Zeit ist sicher der Song “Ooh Child”, von den Five Stairsteps. Ein wunderschönes, pathetisches Lied über den Lauf der Dinge. Und das manchmal eben doch nicht alles zum weinen ist, auch wenn es danach aussieht. In USA war das damals ein Chartbreaker, hierzulande ist die Nummer zwar wahrscheinlich bekannt, aber eben nie der Superhit gewesen (wie viele andere grossartige Songs übrigens auch, zum Beispiel “Brandy” von Looking Glass, ein Lied das mir ebenfalls regelmässig das Herz bricht und dabei kann ich nichtmal schwimmen…). Macht ja nix, dafür habt ihr ja mich. Ich habe mal ein wenig geguckt und herausgefunden, das dieses Lied ein Schicksal heimgesucht hat, das man dem Lied das man am meisten hasst nicht mal wünschen würde (in meinem Fall ist das schwer zu benennen, da gibt es einige Kandidaten, aber einigen wir uns einfacherweise mal auf “Zombie” von den Cranberries): Es wurde entweder von Idioten gecovert oder idiotisch gecovert. Hier nun eine kleine kommentierte Auswahl. Ich habe die Videos extra nicht eingebunden, damit die mir nicht die Seite lähmen, beim Aufbau. Aber ihr könnt ja auch auf Links klicken, oder? Los gehts.
Hier hätten wir ersteinmal das Originallied, damit ihr überhaupt wisst, womit wir es hier zu tun haben. Das selbstgemachte Video ist herrlich pathetisch und passt irgendwie zum Lied. Pathoisieren ohne sich zu schämen: Das können nachwievor nur Amerikaner und ich vermute das wird auch so bleiben.
Den ersten Knaller hau ich direkt zum Anfang raus: Dino, ein Künstler von dem man eigentlich nichts gehört hat und wohl auch im nachhinein nichts mehr hören wird, dachte sich wohl, ich schätze mal Anfang 90er, das man den schönen Song einer Frischzellenkur unterziehen könnte, damit er nachfolgenden Generationen nicht verloren geht und er, Dino, die Aufmerksamkeit bekommt, die er als Künstler seit jeher verdient hat. Und was könnte Videotechnisch besser sein als sich dazu auch noch mit seiner Schmalzlocke auf eine Felsformation zu stellen und den Song zu interpretieren? Eben, nichts. Deswegen hat er es ja auch genauso gemacht. Krieg ich Gänsehaut von. Gruselgänsehaut.
Ich lese ja regelmässig das deutsche Fachblatt für Sprechgesang, die Juice. Gut, neulich hatten wir die erste ernsthafte Krise, die Zeitung und ich, als der Rezensent Lupe Fiasco verrissen hat. Aber die Begründung konnte ich verstehen, ist halt thematisch eher speziell. Also so für Hip Hopper, die es real keepen. Kein Thema für mich. Ich hab ja die Freiheit mich für Raptexte über Nerdscheiss zu begeistern. Das sollte jetzt gar nicht Thema sein: In der Juice auf jeden Fall habe ich, zumindest wissentlich, noch nichts über die Gruppe “Urbanize” gehört oder gelesen. Vielleicht bin ichs auch einfach nur übergangen, keine Ahnunug. Aber diese beiden jungen Herren scheinen ein Album zu haben, oder zu machen oder was weiss ich. Auf jeden Fall haben sie für einen Song die Hook von “Ooh Child” hochgepitcht und zur eigenen Hook gemacht, in einem Lied über Freundschaft. Was so dämlich, bis auf die sentimentale Grundstimmung des Originalsongs, überhaupt nicht zusammenpasst, das man sich ein wenig schämt. Vor allem weil es eine Martin de Vries Produktion ist, den ich als deutschen Popproduzenten wirklich sehr schätze. Der hat zum Beispiel Samajona gemacht, die fand ich super. Wirklich. Sehr stimmige Produktion. Aber das hier, Urbanize, das ist Frevel. Sorry.
Sensible Frauen, die man mit ihrer Gitarre auf der Bühne vergessen hat, machen auch das schönste Lied mit einem Wimpernschlag zunichte. Das schenit zumindest die Botschaft der folgenden Coverversion zu sein. Meine Güte, singt die das affektiert. Mädchen, das ist ein Lied der Hoffnung, du solltest nicht den Weltschmerz vertonen! Schrecklich und sofortiges Coververbot für die Dame. Und zwar von jedem existierenden Lied. Soll sie doch bitte ihren eigenen Scheiss singen. (Und ich bin u.a. bekennender Aimee Mann Fan, aber die hat ja auch Klasse und muss nicht so bescheuert singen)…Stimmenüberschlag - dein Name sei Beth Orton!
Hui, der Artikel wird länger als ich dachte…egal, weiter gehts. Wir haben ja Wochenende, da habt ihr jetzt einiges zu tun…:)
Ich fand Destinys Child irgendwie immer ganz gut. Weiss auch nicht wieso. Originelle Hooks und Produktionen, funktionierten immer gut im Club und hatten dennoch etwas unpeinliches. Fand ich voll in Ordnung. Ich habe mir auch Beyoncés und Kelly Rowlands Soloplatten geholt. Absolut Okaye Discs. Immer ein paar gute Nummern drauf, als Alben aber eher nicht auf “Ewigkeit” konzipiert. Nun habe ich nie das “Vergnügen” gehabt, Destinys Child einmal Live zu erleben und das war und ist vermutlich auch ganz ganz grosses Glück für die Gruppe und auch für mich gewesen, denn ob ich nicht vor Fassungslosigkeit zur Salzsäule erstarrt wäre und den Hallenboden vollgesabbert hätte, wenn ich folgendes dort auf der Bühne hätte miterleben müssen, dafür kann ich nichtmal im nachinein garantieren. Aber etwas ist sehr lustig daran: Ihr habt das Lied ja nun schon einige male gehört, die Gesangsmelodie ist soweit klar. Nun können diese weiblichen Popsternchen aber gar nie nie nie anders, als wild drauflos zu phrasieren, wahrscheinlich damit man aber auch wirklich in JEDEM einzelnen Lied hören soll, wie toll die singen können. Nun singt die junge Dame hier also im Rahmen des Liedes munter die Tonleiter rauf und runter, so dass niemand mehr dem eigentlich bekannten Song so richtig folgen kann, und ruft dann aber noch: “Sing along, if you know it!” Was für eine Chuzpe! Toll!
Japaner dehenn Worte nicht lange. Oder wollen schnell durch ein Lied. Oder haben keine Zeit am Satzende. Oder werden vielleicht gar nicht von folgender Band repräsentiert. Was auch immer es ist, mich macht vor allem dieses “das letzte Wort der Zeile schnell vorziehen” wahnsinnig nervös, aber der Erfolg scheint ihnen recht zu geben. Gilt das jetzt schon als J-Pop?
Sicher auch für ihre Hochzeit buchbar, Harold “Jukebox” Robinson, aber Achtung: Der Mann hats eilig, deswegen sind die Songs schneller…
Babes in Toyland, L7, Hole, meinetwegen auch noch die Breeders, da gabs doch noch so eine Band…der Name fällt mir jetzt nicht mehr ein. Irgendwie fand ich das immer gut, diese Frauen-Punkrock-Bands. Die haben immer so einen ganz komischen eigenen Style, der manchmal sehr nice und hittig wirkt (auch wenn ers vermutlich nicht soll), aber mir hat das immer gefallen. Nie das ganze Werk der Bands, aber einzelne Nummern “jederzeit gerne wieder” (Zitat: E-Bay). So weit, so gut. Aber jetzt wirds wirklich schmerzhaft, kanpp auf der Schwelle zur Körperverletzung. Ich kannte die Gruppe “Nauty Pet” bislang nicht. Aber was ich hier in einem Ausschnitt eines Gigs der Band in L.A. sehe, verdirbt mir auch die Lust, mich weiter mit der Band zu beschäftigen. Das ganze ist sicher als ironischer Seitenhieb zu verstehen, ich finds einfach nur schlecht. So kann, darf und soll man nicht covern. Unter diesen Umständen weigere ich mich Frauen-Punkrock-Beauftragter zu werden.
Mary Wilson war Mitglied einer der drei aller-aller-aller-wichtigsten Soulgruppen, die jemals auf diesem Planeten zu bestaunen waren: Die Supremes. Was für eine Band absoluter Grossartigkeit. Wie toll haben die die Songs umgesetzt, die man ihnen hinwarf. Wie schön haben die gesungen, wie speziell sind die Aufnahmen ihrer Lieder? Ich könnte noch ewig so weiterschwärmen. Eine fantastische Band, fast so gross wie die Beatles. Die liegen nur weiter vorne, weil die ihre Songs selbst geschrieben haben, aber das ist ja eigentlich auch kein wirkliches Kriterium, weil im Pop und in der Liebe ist ja alles erlaubt. Hmm. Aber die Beatles waren emanzipiert. Deswegen muss man die besser finden. Spielt keine Rolle, zurück zu den Supremes:
Diana Ross hat aus dieser Band heraus ihre beeindruckende Solokarriere gestartet und Pop wäre ohne sie deutlich ärmer gewesen und geworden. Das soll aber nicht heissen, das die anderen Supremes deswegen untätig gewesen seien. In zumindest einem Fall kann man sagen: Sie waren es leider nicht. Mary Wilson hat Solo weitergemacht. Auch noch, unschwer überhörbar im nächsten Clip, in der Hochzeit der 80er. Und ausgerechnet dann covert sie “Ooh Child”. Also, Kinnings, jetzt ohne stänkern zu wollen und so und die 80er haben ein paar wirklich grossartige Songs und Künstler hervorgebracht, aber das was hier passiert geht mal so überhaupt gar nicht. Klingt wie ich es mir vorstelle, Instant-Brühe-Pulver roh zu essen. Das ist schmerzhaft.
Am Ende des Tages kann man aber dann doch noch aufatmen. Man hat jetzt viel schlimmes gesehen, aber die Erkenntnis bleibt:
Man kann grossartige Songs nicht zerstören, egal was man versucht.