Ich hab gestern Christiansen gesehen. Ich muss ja ehrlich gestehen: Ich bin bislang davon ausgegangen, das wenigstens die Öffentlich Rechtlichen um eine, naja, zumindest halbwegs objektive Diskussion bei brisanten Themen bemüht sind. Hier und da ist das tatsächlich auch so, zum Beispiel bei den Tagesthemen. Finde ich.
Nun hat die Sendung “Sabine Christiansen” ja auch nicht durch Zufall ein Layout, das entfernt an die Tagesschau/themen erinnert. Man ist um Seriösität bemüht und versucht sich krampfhaft abzugrenzen von etwaigen Boulevardjournalismusvorwürfen oder ähnlichem. Das Ende dieser Fahnenstange ist aber erreicht, wenn es um diffizile Themen geht wie “Killerspiele”, so wie gestern Abend.
Die Diskussionsrunde bestand aus: Ralph Möller (”Gladiator”), Susanne Fröhlich (”Moppel-Ich”), Willi Lemke ( SPD, Bremen), Udo Nagel (parteilos, Innensenator Hamburg), Harald Döring (Förderverein Gutenberg-Gymnasium Erfurt). Klar, wenn sonst keiner vor die Kamera will, dann mixt man halt einfach Entertainment mit Politik. Klassische Vorgehensweise. Nix neues.
Traurig, wenn vermutlich ebenso klassisch, ist dann die Vorgehensweise der Redaktion. Wenn Sabine Christiansen in ihrem Stuhl sitzt und dem Bremer Lemke ins Wort fällt, weil dieser gerade erklärt das ein Verbot der Spiele megasinnlos ist, um ihm “typische Szenen aus Counter-Strike” zu zeigen, und dann in einem Endlosloop reine Kill-Szenen auf den Flatscreens im Hintergrund der Runde zu sehen sind, dann frage ich mich doch ob das Prädikat “Qualitätsjournalismus” nicht besser bei den RTL2 News aufgehoben ist. Denn objektive Berichterstattung sieht anders aus. Auch wenn man einen professionellen Spieler eingeladen und ins Publikum gesetzt hat, damit er möglichst normal aussieht und rechtfertigen kann, was das Spiel so besonders macht. (Wobei es ja schon die Höhe ist, das er sich rechtfertigen muss…hallo?) Nagel sagt, was alle alten Menschen sagen die Angst vor neuen Medien haben. “Die sind schlimm, die müssen weg, dann ist alles sicherer.”
Zwei Dinge die mich wirklich aufregten sind aber folgende:
1. Als es um die Möglichkeit der beschaffung von Waffen ging, wurde es plötzlich absurd. Nagel sagte: “Klar, sie könnten jetzt alle Waffen im Privathaushalt verbieten, aber bedenken sie: Deutschland ist ein Land mit offenen Grenzen. Wer Waffen will, der wird sie auch bekommen. Das lässt sich nicht so einfach verbieten.” Er sprach noch etwas von sorgfältigerem Umgang mit Waffenschein etc.
Was mich fuchst: Warum benutzt er nicht dieselbe Argumentation für Computerspiele? Also so: “Klar können sie Killerspiele verbieten, aber das Internet vernetzt die ganze Welt. Wer solche Spiele will, der wird sie auch im Handumdrehen bekommen. Vielleicht sollte man sich mehr um die Jugebndlichen kümmern?” Käme ihm natürlich nie über die Lippen. ER kümmert sich ja, die anderen nur nicht. Horror.
2. Natürlich können Menschen aus der Unterhaltungsbranche nicht alles wissen. Verlangt ja auch niemand. Ralph Möller erzählte von einer Aktion, bei der er an Schulen geht und den Kids erzählt, wie anstrengend sein Lebensweg war und wie er sich den Arsch aufreissen musste. Lobenswert. Cool. Ich würd auch an Schulen gehen und den Kids erzählen das Viva-Moderator kein Lebensinhalt sein kann. Sofort. Hat einer von euch ne Schule? Ich komme.
Aber Susanne Fröhlich, bisher dadurch aufgefallen das sie ein Buch geschrieben hat, in dem steht das es nicht so schlimm ist ein paar Pfunde mehr zu haben, und das sie verheiratet ist mit einem Mann, den ich sehr schätze als Moderator der Kulturzeit auf 3Sat, hat ja wohl den Schuss nicht gehört.
“Einfach die Spiele alle verbieten! Ich frage mich wieso das noch nicht geschehen ist!”
Also, da hat vermutlich sogar manch einem CDU-Zuschauer das Toupet gewackelt, wenn er diese geballte Form von Reaktionismus gesehen hat. Vollkommen unreflektiert sitzt da eine Frau, die zwar keine Ahnung, aber davon eine ganze Menge hat, die sie auch nicht Müde wird herauszuplärren: “ALLE Studien haben belegt, das diese Spiele schädlich für die Psyche sind.” Wann Frazu Fröhlich die Zeit hatte, all diese Studien zu lesen ist mir zwar immernoch ein Rätsel, aber sie wird schon knackig recherchiert haben. Da bin ich mir sicher. Insbesondere wenn man weiss, das es ebenso viele Studien gibt, die den Zusammenhang “Killerspiele-Amoklauf” widerlegen. Aber wen interessiert das schon. Verbieten! Sofort! Weg damit! Eine äusserst differenzierte Meinung, ich bin begeistert. Während sich sogar und überraschenderweise schon Politiker darum bemühen, die Schuld nicht nur bei den Spielen zu suchen, ist für Frau Fröhlich der Fall klar.
“Ja, natürlich können die sich die dann auch aus dem Internet holen, aber es wird sehr viel schwieriger daran zu kommen.”
Wenn sogar ein Mitglied der Erfurter Schule, die ja auch Opfer eines Amokläufers war der natürlich nur durch Killerspiele konditioniert wurde, sagt das er ein pauschales Verbot für Unsinn halte, weil viele Spiele eher einen strategischen als einen blutrünstigen Charakter haben, dann könnte man sich doch auch mal an die eigene Lockenpracht fassen und zuhören und versuchen zu verstehen. Aber nicht wenn man soviel Ahnung hat wie: Die immerlustige Autorin von “Moppel-Ich”.
Worauf ich hinaus wollte: Ich halte es für regelrechten Unsinn Menschen aus der Unterhaltung in wichtigen Diskussionen zu setzen. Das ist kontraproduktiv. Die Frau hatte keine Ahnung, was ich ihr nicht vorhalten will, denn wer soll sich schon auskennen im Dschungel der Video und Computerspiele, wenn man da nicht drin steckt, nimmt man halt nur was einem hingeworfen wird. Da muss man sich nicht vorher mit auseinandersetzen, man wird entweder in eine Talkshow geladen mit dem Thema “Dick und glücklich” oder mit dem Thema “Killerspiele”, alles ist nur Unterhaltung für so jemanden. Die ist sich nicht bewusst über ihre Wirkung oder ihr Handeln. Der Job ist für sie der gleiche. Lächeln im Fernsehgarten, lächeln bei Christiansen. Deswegen meine zwei Bitten:
Unterhaltungsmenschen muss man nicht in politische Diskussionen zerren. Es ist sinnlos.
Und, schon oft zitiert und immernoch wahr: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten.
Danke und jetzt zu den Tagesthemen mit Anne Will.
P.S.: Ich glaube auch das gewalttätige Videospiele bei Kindern Aggressionen auslösen können. So muss meines Erachtens nach ein 8 Jähriger nicht unbedingt Mortal Kombat spielen. DER Zusammenhang ist mir auch klar. Aber Sebastian, Thema der momentanen Diskussion, war 18! Hallo? Und das jemand Experte in einer Diskussion ist, nur weil sie Kinder hat, ist ja wohl mehr als erbärmlich.