Meine beste Freundin meinte, das sei doch eine gute Idee. Ich war mir nicht so sicher, habe aber im Zweifelsfall immer auf sie gehört, also meldete ich mich in dem grossen und professionell wirkenden Fitnessstudio um die Ecke zum Schnuppertraining an. Ich nahm meine Boxerhose mit, ein Handtuch und ein frisches T-Shirt. Ich kam rein, mein Personal Trainer war schon da.
“Zieh dich doch schonmal um, ich zeig dir dann gleich alles.”
Also. Ich kam mir in meinem selbstgewählten Muckioutfit irgendwie ein wenig lächerlich vor. So wie damals beim Turnen in der Schule. Da kannste machen was du willst: Cool aussehen und sportlich gekliedet sein, die beiden werden sich immer hassen wie Michael Douglas und Kathleen Turner in “Der Rosenkrieg”. Naja, die paar Leute die da waren würde ich sowieso sonst nirgendwo sehen. Ich betrat die heiligen Hallen. Hier würde ich also meinen Körper auf Vordermann bringen. Ja, langsam fühlte es sich gut an. Diese ganzen Hebel, Stahlseile, Ketten - kurz diese vielen verschiedenen Geräte die man noch nie gesehen hatte und die nur dem Zweck dienen, den eigenen Body zu shapen, die fand ich irgendwie geil. Also in einem nicht-sexuellen Sinne. Dieses glänzende Chrom. Blinkender Stahl. Schweiss. Ächzen. Schwere Gewichte. Einfach super. Ich fühlte schon wie mein Bauch sagte: Ey, cool. Hier will ich schrumpfen, hier will ich ein Ribbelmuster kriegen, hier werde ich zum Waschbrett. Welches Gerät würden wir wohl zuerst erobern? Das Butterfly? Den Hackentrainer? Diese Stemmstange? Ich war aufgeregt.
“Komm doch erstmal hier rein…”
Jäh riss mich die Stimme aus meinen Mister Universum-Träumen. Ich ging in einen Raum, die Wände waren verglast. Innen war es total harmonisch, also so Apricot-farbener Teppich und Sportmatten und so. Was sollte das? Wieso kam ich ins Ikea-Kinderparadies? Und dann nicht mal mit Bällen? Und was schleppt der da für ein komisches, billiges Teil an?
“So, hier oben die Hände drauf, und jetzt immer mit dem Oberkörper nach vorne wippen.”
Draussen wurden unter Hochanstrengung Muskeln aufgebaut, definiert. Mensch gegen Maschine, bis zum Abwinken. Und ich lag hier drin, mit so einem komischen Bügel der wippt…ich kam mir vor wie bei einer Rentnergymnastik. Natürlich spürte ich auch die hämischen bis mitleidigen Blicke der anderen Trainierenden. Ob das wohl noch lange dauert?
“Jetzt mach noch ein bischen. Gleich gehen wir weiter.”
Ich wippte und wippte und wippte und wenn man jemals so etwas wie ein Wipp-Trauma bekommen könnte, dann wäre das wohl der beste Zeitpunkt dafür gewesen. Endlich waren wir fertig. Endlich den Glaskasten verlassen. Endlich dahin wo die “Erwachsenen” spielen un dals erstes durfte ich aufs: Rad. Na super, Fahrad fahren kann ich auch in der Stadt, wie uncool ist das denn? Ich trat in die Pedale. Mein PT erhöhte langsam die Schwierigkeit. Hätte ich mich nicht so auf meine Beine konzentriert…ich wäre stante pede eingeschlafen.
“So, und zum Abschluss noch hier an das Butterfly.”
Endlich! Jetzt war es so weit. Da stand es vor mir, das Ungetüm das ich bezwingen wollte. Es lachte mich aus: “Du? Was willst du denn von mir?! Das ich nicht lache, du kriegst mich doch kein einziges Mal richtig durchgezogen! Geh mal wieder mit deinen Bügeln spielen!”
“Hey! Wir Wippbügel sind keine Geräte zweiter Klasse! Wir sind gut für den Bauch! Das ist erwiesen! Wir sind kein Spielzeug!”
“Jaja, schon gut, Schnauze jetzt da hinten in dem Aprikosenparadies!”
Ich schaffte es mehr als einmal. 10mal? 20mal? Ich weiss es nicht mehr. Aber eins weiss ich noch genau: Wie sehr ich mich gelangweilt habe. Und deswegen war mir schon nach dem ersten Butterfly-Move klar: Da gehst du nicht mehr hin.