So heisst dieses schöne und ergreifende Lied, mit dem ich mich hiermit hochoffiziell zum nächsten Grand Prix bewerben möchte. Damit sollte es klappen. Brandaktuell, catchy und ein super Thema.
Das sind die Zutaten, die zu so einem Lied führen. Vielleicht sollte ich mir auch mal so eine Loop-Station holen? Ich hätt ja schonmal Bock drauf und Gesangsloops in Garage Band zusammen zu schneiden, ist nun auch nicht der wahre Jakob. Hier das Lied. Nennen wir es einfach mal:
P.S.: Ich habe den Text ebenfalls heute Morgen geschrieben und als ich ihn dann einsang fiel mir auf, das ich eine Zeile vergessen hatte und ich musste improvisieren. Diese Zeile ist tatsächlich auch die schlechteste im ganzen Lied. Welche mag das nur sein? :)
Diesmal wird es nicht so lang wie sonst, wenn ich einen Song und seine Cover auseinander nehme (was dann eh wieder keinen interessiert…:)). Tatsächlich kommen in diesem Post nur zwei Videos vor. Ein Altes und ein Neues.
Fangen wir mit dem Alten an:
Wir sehen hier die (französiche!) Band “Magazine 60″ (englischer Name!) bei ihrem Auftritt bei “Formel Eins” (deutsche Show!) mit ihrem (spanischen!) Titel “Don Quichotte”, der es, man glaubt es kaum, sogar bis Platz 56 der (amerikanischen!) Charts geschafft hat und sich eindeutig dem Genre “Italo (!!!) Disco” zuordnen lässt. Ein internationaleres Produkt kann man sich also kaum vorstellen. Es fällt mir aber ehrlich gesagt auch schwer mir ein bizarreres Lied auszudenken. Gut, das liegt sicherlich auch an der Performance in diesem Clip, die so viele wunderbar unfreiwillig komische Momente hat (Die Choreographie? Hallo?) und von denen mit einer unglaublichen Ernsthaftigkeit vorgetragen wird…der Wahnsinn. Schon alleine das die Frau das gesamplete Zeug Lip-Synced ist den ganzen Clip wert. Also erstmal gucken:
Das Eigentlich faszinierende dabei ist ja eben auch: Man kann die Songstruktur nicht so richtig nachvollziehen. Es ist als wenn die im Studio gesessen hätten und so ein bischen was aufnahmen und einer von denen hat dann noch gesagt: “Ey, und hier machen wir jetzt noch so ne Gitarre rein, die null passt! So ne leicht spanisch gespielte!” Und alle so: “Yeah!!!!!”
So entstand also dieses musikalische Kuddelmuddel, das, wie gesagt, sogar in den Staaten immerhin in die Mitte der Top 100 gecharted ist. Respect. Und der Titel ist eigentlich auch ganz gut gewählt, denn “Don Quichotte” ist in der Tat ein äusserst bizarres Buch und dieser Vorgabe wird der Song in jeder Hinsicht gerecht. Zwei Jahre später versuchten sie es mit einem weiteren Song der nach dem (mexikanischen!!!) Volkshelden “Pancho Villa” benannt war, aber es war nicht mehr dasselbe (obwohl nicht minder komisch zusammengewürfelt, siehe Link). Damit hätte sich die Geschichte der vermutlich internationalsten Band ever eigentlich auch zu Ende erzählt. Eigentlich.
Wenn nicht 20 Jahre später ein Typ in seinem Studio gesessen hätte und auf der Suche nach einem Sample für eine weitere Single seines Soloalbums auf “Don Quichotte” gestossen wäre. Der Typ war Will I. Am von den Black Eyed Peas. Und er hat einzig die Gitarre aus dem Break genommen und in seinem Stück verwurstelt. Wie sich das genau anhört, sieht man hier:
Das geilste an der ganzen Sache ist eigentlich das: Das er für dieses kurze Stückchen Musik, die beiden Typen als Komponisten voll mitcrediten musste. Sprich: Die haben 20 Jahre später nochmal richtig abgesahnt, denn ich weiß es zwar nicht genau, aber die Single dürfte sich schon einigermassen ordentlich verkauft haben. Nur mit einer klitzekleinen Idee, einem Fragment aus einem Song. Ich liebe solche Geschichten. Ich hätte mir nur gewünscht, das die in dem Will I. Am Video eine ähnlich versierte Choreo an den Tag gelegt hätten. Aber, Meh, man kann halt nicht alles haben.
Erinnert sich noch jemand an meine schonungslose Aufklärungsarbeit um den wundervollen Song “Ooh Child” und dessen frevelhfate Coverversionen? Damals hiess die reisserische Überschrift “Ein Song als Opfer”, beim heutigen Lied aber heisst es “Ein Song als Sieger”. Warum dies?
Nun, ein guter Song zeichnet sich durch viele verschiedene Aspekte aus. Einer aber wird häufig vernachlässigt, ist aber mindestens so wichtig wie alles andere, wenn nicht vielleicht sogar der allerbeste Gratmesser, wenn es darum geht die Qualität eines Songs einzuordnen.
Der Song um den es diesmal gehen soll heisst “Wichita Lineman” und war der grosse Durchbruch des Country-Sägers Glen Campbell. Ich bin mir nicht sicher ob hierzulande jemand den Sänger, geschweige denn den Song kennt. Deswegen hier erstmal das Original, den Smashhit:
So weit, so gut. Eine verträumte Nummer über einen Telegrafenmastleitungenausbesserer. Ist ja vermutlich auch der romantischste Beruf, den man sich so vorstelllen kann. Gut, Ironie beiseite: Das Bild funktioniert ganz gut. Dieses tägliche hochklettern, der Duft der Freiheit um die Nase und dann aber auch noch auf den Leitungen mithören können. Das ist tatsächlich ein romantisches Bild. Der Song wurde damals von Jimmy Webb für Campbell geschrieben und das allerbeste ist: Webb tritt auch heute moch auf und erzählt gerne das ein oder andere Anekdötchen. Und dann sitzt da einer im Publikum, filmt das mit, lädt es bei YouTube hoch und wir können uns das alle ansehen um die perfekte Hintergrundinfo zu dem Song aus erster Hand zu bekommen. Ein grün angesprühtes Piano spielt dabei eine Rolle, welche weiss ich selbst noch nicht so genau:
Nun hat man schon beim ersten hören dieses Songs ein Gefühl, das einen irritiert. Man denkt nämlich das Lied hat, relativ ungewöhnlich für einen Countrysong, so etwas wie “Seele” oder anders gesagt “Soul”. Das kann man sehr schön klassisch hören, sexy gespielt, ein bischen Drama in der Stimme und nochmal schöne Bläsersätze geschrieben: Zack, fertig ist der Wichita Lineman zum fummeln.
Das war aber nur Willie Hutchs Soulinterpretation des Kabelreparierers. Selbst innerhalb des Kosmos Soul kann man das auch noch anders auslegen. Man kann das Tempo etwas anheben und dadurch das Drama noch eine Spur erhöhen. Wenn ich auch zugeben muss, das das Stimmchen doch etwas dünn ist. Dafür wird das Stück immer tanzbarer und entfernt sich immer mehr vom Original. Was aber gar nix ausmacht. Vielleicht im direkten Vergleich nochmal das Original oben hören und sich wundern, was sich da rausholen lässt:
Fünfköpfige Soulgruppen haben immer so ein gewisses Flair. Ein Flair des Choralen, meinetwegen auch funky Choral. So wie die Temptations zum Beispiel. Im Gegensatz zu denen haben aber die Dells den Wichita Lineman gecovert. Mit ganz wunderbaren “Babababababababa”-Adlibs in der Hook. Und einem Sänger mit einem so dermassen coolen, heiseren Schmelz in der Stimme, das ich schon genau weiss wie die Ladys damals geschmolzen sind. Also ich kanns mir zumindest vorstellen. Ich fand ja Mädels, die so eine leicht rauhe Stimme haben auch immer supersexy, warum sollte das bei denen anders sein? Rod Stewart ist ja ein gutes Beispiel, das dezente Heiserkeit im Gesang sogar über überlebensgrosse Warzen hinwegsehen lässt.
Ein Lied, das so oft gecovert wird, über Genregrenzen hinweg, das muss schon ein ziemlicher Hit sein, und ein ziemlicher Hit bedeutet natürlich auch immer was? Ziemlichen Konsens. Und wer stürzt sich auf Konsens? Richtig, Crooner. Die haben ja alles gesungen, von dem sie sicher sein konnten, das es irgendwer mag. Ein Paar waren dabei so cool, da sie das mit einer gewissen Selbstironie taten (Dean Martin), einige haben sich da etwas zu ernst genommen (Sinatra) und andere waren irgendwie nie so richtig Bewohner unseres Planeten. Zu letzteren zählte sicher auch Sammy Davis Jr., der immer gerne das machte, was ihm gerade in den Kram passte. Und dazu zählte eben auch, mal ein Countrylied zu croonen. Gut, es ist nicht wirklich gecroont. Es ist sogar ziemlich hochgejazzt, ohne dabei jazzig zu sein. Es ist geuptempoter Soul, der eigentlich schon fast Disco ist. Aber dafür etwas zu Old-School-Funky. Die Orgel, Alter, die Orgel! Hammerversion! Man spürt förmlich Sammy Davis Schweiss von der Bühne auf einen spritzen.
Wenden wir uns den etwas skurileren Coverversionen zu, denn im Soul scheinen wir schon jede erdenkliche Form abgehandelt zu haben (die Downtempo-Reggae-Version habe ich jetzt euch und mir mal erspart, die ist nicht wirklich spannend. Stellt euch das Lied einfach noch langsamer vor, dann habt ihr eine ungefähre Vorstellung).
Mediensatire ist ja immer so eine Sache. Meistens geht das etwas daneben, wenn man dem Medium, in dem man mit seiner Satire ja schliesslich doch auch stattfinden möchte, nicht allzu sehr auf den Schlips treten will. Heraus kommt meistens etwas unfertiges, ungares, mit dem dann eigentlich niemand so richtig etwas anfangen kann. Ob es sich bei dem folgenden auch darum handelt, weiss ich gar nicht so genau, ich bin auch gerade zu faul nachzusehen, aber ich habe den schweren Eindruck, das ich ganz richtig liege. Mit diesem gefaketen Zapping und der Ansage, das jetzt ein Sänger für die Kinder kommt und dann da ein komisches Monster steht, mit einer Maske die selbst GWAR zu peinlich gewesen wäre, das alles atmet die Luft einer frechen Abrechnung mit dem Fernsehen. Allerdings ist diese Version des Webb-Songs zu merkwürdig, um sie nicht hier zu zeigen. Ich gucke da fasziniert hin: Alles sieht irgendwie scheisse aus, hört sich auch scheisse an, aber der Song kriegt einen trotzdem.
Ein Phänomen das ich nie so recht verstanden habe, ist dieser Neo-Sixties-Sound. Warum sollte es cool sein zu versuchen, heute die Musik der 60er nachzuempfinden? Damit meine ich nicht so einen wirklich schmerzhaften Frevel wie den einer Amy Whinehouse, die einfach nur ein grossartiges Instrumental nimmt (Ain´t no mountain high enough) und durch eine neue, selbst schlecht ausgedachte Gesangesmelodie verhunzt, ich meine eher so nachempfundene Sachen wie zum Beispiel “Hip Teens…” von Frank Popp. Ich steh da irgendwie nicht so richtig drauf, weiss auch nicht warum. Vielleicht weil ich finde, das die Musik von damals so reichhaltig ist, das es da noch ohne Ende Acts und Songs zu entdecken gibt, die ich noch gar nicht kenne und deswegen keinen Aufguss brauche. Ich weiss es doch auch nicht. Eine Band, die das aber anscheinend auch gerne macht und von der ich noch nie etwas gehört habe ist/war Optiganally Yours, die ganz offensichtlich auch in Japan getourt sind und auf der Bühne etwas machen. Fragt mich nicht was, ich habe es nicht so ganz kapiert. Aber schon allein weil die mitten in den Song einen Breakdance-Battle einfügen (übrigens ohne jegliches tänzerische Talent) und als Basis für ihr Lineman-Cover einen simplen HipHop-Beat nehmen, sollte man das mal gesehen haben:
In den letzten Jahren war es plötzlich total Hip und angesagt, Chöre zu gründen. Und Popsongs zu singen. Das war meistens sehr charmant und hatte so eine gewisse ironische Note, aber so schnell wie dieser Trend erschienen ist, ist er auch wieder verschwunden. Was vielleicht ganz gut war, denn so ein Konzept hält sich irgendwie nicht wirklich auf Dauer. Glaube ich. Da gab es doch diesen belgischen Schulchor, oder? Naja, keine Ahnung. Ich mag aber auch die Ausstrahlung klassischer Chöre. Man erwartet immer das die jetzt so Blues-Brothers-mässig durch die Halle turnen. Aber ich bitte euch: Doch nicht beim Wichita Lineman!
Hab ich eigentlich schonmal erwähnt, das ich gerne eine Lap Guitar hätte? Nein? Ich hätte gerne eine Lap Guitar. Ich weiss auch nicht warum, vermutlich würde und werde ich sie auch nicht spielen können, aber ich finde das so ein stylisches Instrument. Wenn ich die irgendwo sehe, dann kriege ich immer direkt Bock, die auch mal zu spielen. Vielleicht würde es schon reichen, wenn ich die irgendwo mal ausprobieren täte, aber selbst das schein nciht ganz so einfach zu sein. Hierzulande sind die Teile dann doch etwas spezieller. Mir fällt ja auch auf Anhieb kein Spezialgeschäft für Kuhglocken oder Alphörner ein. Um an dieser Stelle mal ein ziemlich weit hergeholtes Beispiel zu bringen. Komischerweise scheinen Lapguitars auch superuncool zu sein und nur noch von alten Säcken gespielt werden zu können. So sieht es zumindest aus. Womit ich nicht sagen will, das der Mann in dem folgenden Video ein alter Sack sei. Er ist halt ein alter Mann, mit einer gewissen Sackform. Geht das so? ;)
Wo wir schonmal bei Instrumentals sind, können wir ja auch gleich noch etwas jazziger werden. Jazztrios. Oh du Hort seltenen Spasses. So wird man auch im folgenden Video nur schwerlich jemanden lachen sehen. Aber das Leben eines Lineman ist nunmal auch kein Spass, vor allem nicht bei so einem melancholischen Song. Da ist höchste Konzentration gefragt. Man sieht förmlich, wie der Gitarist die Strommäste erklimmt und von oben in den Sonnsnuntergang über der Wüste Arizonas blickt. Vermutlich kommt er eigentlich aus Osnabrück und ist Sozialversicherungsfachangestellter. Da seht ihr mal wieder, was im Jazz alles möglich ist!
Nun, wir hatten Jazz, einen Chor, die Bandbreite des Soul, ein paar andere Countryhanseln haben das auch noch gecovert, was fehlt denn da eigentlich noch? Wie wäre es mit Rock oder Indierock oder Alternative oder wie immer man das, wofür die Band steht, auch immer nennen möchte. Das kommt ja auch auf den Standpunkt des Betrachters an. Für Pur-Hörer sind das sicherlich die Alternative-Typen vor dem Herrn, für Sonic Youth-Fans sind die wohl eher sowas wie Bon Jovi. Wie man es auch dreht und wendet: R.E.M. sind mir 10000mal lieber als U2. Und ausserdem haben sie was gemacht? Richtig! Den Lineman gecovert:
So weit ein kleiner musikalischer Überblick über die wirklich weite Reise, die der Wichita Lineman schon gemacht hat. Ich finde es gibt selten Songs, die so vielfältig und unterschiedlich gecovert wurden, wie dieses kleine Liedchen. Klar, es gibt Songs die öfter nachgespielt wurden (”Yesterday” anybody?), aber das waren Songs, die nie viel Spielraum für Interpretationen liessen. Das ist hier anders. Jetzt habe ich die Nummer aber schon zigmal in zig verschiedenen Versionen gehört, damit soll es erstmal gut sein. Etwas sollte man aber nicht machen: Glen Campbell mit Kenny Rogers verwechseln. Ich bitte euch, das ist nun wirklich ein Unterschied wie Tag und Nacht. Für Exil-Schotten aber anscheinend nicht.
Bleibt mir als Fazit nur noch eins: Ich habe ja zu Beginn schon mit der Beweisführung angefangen und gesagt, das es ein wichtiges Merkmal gibt für die Qualität von Songs. Bei Ooh Child war der Beweis, das auch schlechte Versionen einen guten Song nicht schlechter machen. Beim Wichita Lineman ist es anders:
Ein guter Song bleibt, wieauchimmer gecovert, immernoch ein guter Song.
Ich habe Geburtstag und weil ich Geburtstag so sehr liebe, habe ich ja schon vor ein paar Jahren angefangen, den einfach auf eine Woche auszudehnen. Weil Geburtstag so ein grossartiges Fest ist. Heute, an meinem Geburtstag geht also meine Geburtstagswoche los (ich habe das übrigens schonmal hier erzählt, finde das aber immerwieder so lustig, das ich es gerne nocheinmal erzähle, erst recht für die neu hinzugekommenden: Als ich so 6 oder so war, da war ich mal mit meiner Schwester, ihrer besten Freunidn und deren kleiner Schwester im Theater in Köln, zu Ehren des Geburtstages der kleinen Schwester der Freundin meiner Schwester. Und da haben meine grosse Schwester und ich mitangehört, wie die Freundin dem Geburtstagskind immer vom “Geburtstagsmann” erzählt hat. “Ja, das ist schön was dir der Geburtstagsmann da gebracht hat, oder?”. So in etwa. Und auch wenn ich schon in jungen Jahren gerne leichtgläubig war und mir die fantastischsten Geschichten auftischen liess: Das war ja nun wirklich mal eine vollkommen bescheuerte Idee. Meine Schwester und ich mussten jedenfalls immer konspirativ kichern, wenn wieder die Rede vom Geburtstagsmann war.). Und damit schenke ich mir doch einfach mal selbst einbischen Musik hier auf dem Weltfrieden. Ohne ausufernde Erklärungen oder Begleittexte. Einfach nur Musik weil sie mir gefällt. Hurra! 33! Auch noch Schnapszahl!
Und all ihr Feedreaderleser müsst jetzt auf die Seite kommne, weil ich an meinem Geburtstag zu faul bin, euch noch Extra-Links drunter zu machen…:)
Schön sind ja vielschichtige Lieder. Songs, die scheinbar niemals aufhören wollen. Episch lange Rockopern, die klassischen Symphonien in nichts nachstehen. Doch dabei gibt es ein paar bemerkenswerte Ausnahmen: Und zwar Songs bei denen man sich wünschen würde, sie fängen mit dem Ende an und kämen gar nicht zu dem anderen Kuddelmuddel. Deswegen starte ich jetzt hier die Sammlung von “Outros, die die Ursprunglieder bei weitem überflügeln”. Und da muss man, natürlich, als erstes zu Guns N Roses kommen und ihrem genialen Finale von November Rain, ein Song der vorher eigentlich ein bischen nervt mit seiner absoluten Keimfreiheit. Aber das Outro, wenn Slash die Gitarre singen lässt, das hat dann doch schon eine ganz eigene Qualität:
Aber es gibt noch andere, klassischere Fälle: Hier einer, bei dem es sogar “nur” das Outro in einen Soundtrack geschafft hat. Ich bin gerade unsicher ob es “Casino” oder “Good Fellas” war, aber in einem von den beiden ist als Musik an einer bestimmten Stelle nur das Outro von Claptons “Layla” zu hören. (Übrigens wohl einer der seltenen Fälle, in denen das Outro länger als der eigentliche Song ist)
Mein kongenialer GTT-Partner Herm hat eine sehr rührende Geschichte auf seinem Blog geschrieben. Über ein Erlebnis seiner Kindheit. Dabei bin ich aber über ein Detail der Geschichte gestolpert, das mich als Erziehungsberechtigten in meinen Grundfesten erschüttert hat: Herms Vater hat wohl damals auf Urlaubsfahrten desöfteren gerne seine Kassette von und mit Ronny gehört. Ein Cowboyschlagersänger. Und offensichtlich hing das Tape dem Rest der Familie irgendwann so zu den Ohren raus, das Klein-Herm es irgendwann beherzt im Mülleimer eines Rastplatzes aussetzte. Und dieses Familiengeheimnis äussert er auf seinem Blog. Ich zitiere:
In einem unbeobachteten Moment ließ ich die Kassette dann auf einem Autoparkplatz verschwinden, ein bis Heute in meiner Familie ungeklärter Fall. Mutti wenn du das hier liest, deine Vermutungen stimmten damals tatsächlich, ich war’s.
Erschreckend! Skandalös! Nichtauszuhalten! Wenn das Schule macht: Ich stelle mir schon meine Tochter vor, wie sie heimlich, still und leise meine Nirvanaplatten verbrennt oder meine Ärztecds von einer Eisenbahnbrücke wirft. Deswegen muss ich an dieser Stelle ein Exempel statuieren. Ich darf nicht zulassen das dieses Beispiel Schule macht. Weswegen ich mich zum äussersten entschlossen habe: Ich habe auf dem Flohmarkt eine Platte von Ronny erstanden. Und werde nun in (hoffentlich) regelmässigen Abständen beweisen, das Ronny leben muss. Das Ronny auch ein Symbol ist für Väter, die von der eigenen Familie unterdrückt werden. Die am Ausleben ihrer Leidenschaft für schlechte Musik böswillig gehindert werden. Die man musikalisch nicht mehr ernst nimmt. Ronny ist überall und überall ist Ronny. Für Ronny. Gegen pubertierendes Musikdiktat! Ronny!
Von hier aus soll die Platte also auf Reisen gehen. Ein Zeichen setzen gegen musikalische Fremdbestimmung, komme sie auch aus der eigenen Familie. Erste Mitstreiter in diesem Kampf habe ich bereits gefunden:
Gut, der Kopf ist etwas hässlich und unförmig. Aber mit dem komme ich durch jede Kinderzimmerregipswand um die dort erschallenden Töne von Bushido und Konsorten sofort zu verbannen. Ich habe aber auch noch andere Mitglieder in meiner Armee:
Ingo von den Donots setzt extra für seinen Protest sein Tegtmeier-Gesicht auf um auch zu zeigen: Wir Westfalen sind bei dem Protest dabei. Wir lassen uns das nicht länger gefallen. Wir stehen wie ein Mann hinter Ronny.
MIt denen kann mir jetzt fast nichts mehr passieren. Mit Betonung auf “fast”.
Aus der Redaktion der Bravo Girl wurde mir dieses Bild zugespielt, auf dem man einen jungen Sprechgesangsinterpreten mit romantisch-verklärtem Blick sieht, der aus seiner Weichzeichnerwelt zu uns herüberblickt und sagt: “Ja, auch und gerade Männer mit Gefühlen können diese Diskriminierung nicht länger hinnehmen. In <3, euer Ferris MC."
Und auch die aktuelle TV-Prominenz nimmt sich Zeit, trotz Aufzeichnung einer neuen Staffel ihrer Sendung gegen diesen Simon, den wichtigen Protest zu unterstützen. Elton, selber Vater, weiß wovon er redet wenn er meint, das “sämtliche Ronnykassetten aus sämtlichen Autoradios in sämtlichen Urlaubsrückreisestaus lautstark erklingen sollten!”.
Wir sind noch nicht viele, aber es gibt uns. Und wir nehmen die momentane Situation nicht länger hin. Save Ronny!
- Thriller war meine erste Schallplatte, auf der nicht erzählt wurde.
- Ich war mit meinem Bruder im Müngersdorfer Stadion bei der Bad-Tournee, mit Kim Wilde als Vorband.
- Ich hatte einen kleinen Spiegel, wo das Foto vom Singlecover von Billie Jean draufgedruckt war, in meinem Zimmer hängen.
- Erst nach der “Thriller” entdeckte ich die “Off the Wall” als mir die “Bad” zu langweilig wurde.
- Ich habe mir als kleiner Junge auf einem holländischen Wochenmarkt die Single “State of Shock” gekauft, weil ich den Song aus Formel Eins kannte.
- Ich habe wirklich jeden Tag mit einem furiosen Comeback gerechnet.
- Was immer auch war: Er war, ist und bleibt der King of Pop. Unbestritten. Die Beatles, Michael Jackson und Nirvana. Mehr braucht man nicht um Musik zu verstehen.
- Und er ist der Schöpfer meiner Lebensphilosophie: “I´m a lover, not a fighter.”
- Jetzt hat er endlich die Ruhe, die ich ihm immer gewünscht habe.
- R.I.P. MJ