Rundum

Lieber Matussek, lieber Pirinçci, lieber Broder, liebe Lewatschoff(Name falsch geschrieben, verbessert, danke @Jigedi!) Lewitscharoff, lieber Sarazzin und alle anderen ähnlichen Krawallschwestern und Radaubrüder, die gerade versuchen ihre Bücher zu verkaufen,

ich hasse euch.

Ich hab mir lange überlegt, ob ich dieses Wort benutzen soll. “Hass”. Nutze ich eigentlich nie. Ja, klar: Man sagt mal “Ich hasse Spargel!” oder “Ich hasse aufräumen” oder so, aber das man irgendwelche anderen Menschen einfach so hasst? Käme mir nie in den Sinn. Deswegen erschrecke ich auch immer, falls mir das dann mal rausrutscht. Ich will gar keinen hassen. Hass ist so derbe brutal, schon als Verb, ich will das nicht. Der Klang schon. Hass. Da schlägt vorne eine Faust und hinten zischt noch eine Schlange. Ich finde, dass ist ein tolles Wort, denn es klingt wirklich genau so hart und schlimm, wie es auch inhaltlich ist.

Nun, wenn man diese Empfindungen und Überlegungen dem zu Grunde legt, was ich eingangs schrieb, dann muss es schon verdammt ernst sein. Und das ist es, meiner Meinung nach auch. Es reicht jetzt. Ironie, Sarkasmus und Zynismus haben in der Auseinandersetzung mit euch versagt (auch wenn ihr sie nach wie vor munter anwendet), gutes Zureden und der Versuch, in aller Ruhe zu erklären, warum ihr irrt, kommt bei euch gar nicht mehr an, weil der Tinnitus auf euren beiden rechten Ohren schon so ausgeprägt ist, dass nur noch die besonders schrillen und lauten Töne überhaupt eine Chance haben, bis zu eurem Hirn durchzudringen. Man kann euch nicht mehr zur Vernunft bringen, ihr habt alle Seile gekappt. Ihr wollt keinen Diskurs mehr, weil das immer bedeuten würde, die Bereitschaft zu haben, die eigene Meinung zu überdenken. Aber die habt ihr schon lange nicht mehr. Eurer Meinung nach wurde viel zu viel geredet und geredet. Ihr wollt jetzt Aktion. Schluss mit der Laberei, endlich anpacken! Und was macht ihr? Genau. Ihr schreibt ein Buch. Ihr labert rum. Ihr Witzfiguren.

Es geht euch nicht um die Sache. Sarazzin bereitet der herbeiphantasierte “Tugend-Terror” keine schlaflosen Nächte, Pirinçcis Seelenheil hängt nicht davon ab, dass wir wissen, wie er Deutschland findet. Ihr wollt verkaufen. Ihr wollt eure Bücher verkaufen und ihr habt gelernt, dass man am meisten Bücher los wird, wenn man kläfft. Wenn man Ressentiments bedient. Wenn man sich so laut wie möglich artikuliert. Die Leute kaufen euer Buch. Auch wenn sie es nicht lesen, der Kauf allein wird zum Statement, zum Zeichen der Haltung. So wie mir mal ein Typ auf seinem Handy zeigte, dass er da gerade “Deutschland schafft sich ab” liest, weil er abchecken wollte, wie ich drauf reagiere (und als ich gelassen meinte, dass das Buch scheisse sei, musste er gleich ein: “Ich finde, der sagt wahre Sachen…” hinterher schieben…). Eure Bücher sind Trophäen und das wisst ihr. Und wisst ihr was das ist? Schäbig.

Ihr zündelt nicht, ihr giesst Benzin über das ganze Land und zündet das mit einem Flammenwerfer an. Für die paar Euro und das bisschen Applaus aus der Ecke derer, die gar nichts mehr haben und deswegen die Schuld bei allen anderen suchen. Das ist gefährlich, das ist fahrlässig und das ist gemein. Ihr spaltet, nichts an euch ist konstruktiv, ihr schreibt literarische Baseballknüppel, die auf den Köpfen derer landen, die sich bemühen alle Seiten zu vereinen oder wenigstens zum Dialog miteinander zu bringen. Ihr wollt Hass säen und Hass ernten. Das ist keine Wut, denn Wut weiß immer auch, dass sie subjektiv ist - ihr haltet euch aber für Beobachter. Das ist auch keine Verzweiflung, denn zum verzweifeln geht es euch viel zu gut in euren gated Communities, in euren Filterblasen. Das ist kalkulierter Hass. Das ist Talkshowanbiederung. Ihr wollt keine Lösung anbieten, ihr wollt nur “das Kind beim Namen nennen”, um dann bei Will, Plasberg und Illner zu landen. Und euch wie Aufklärer fühlen. Ihr wollt alles kaputt machen, damit ihr die nächste Tankfüllung eures SUV zahlen könnt.

Mir ist da jetzt jede Etikette, jedes Benehmen (diese zwei Begriffe kennt ihr nicht, kann euch aber sicher mal beizeiten jemand erklären) total egal. Ihr seid jetzt meine Feinde. Ich kann mit Feinden leben, mich kann nicht jeder lieben. Auch wenn ich das unangenehm finde, auch wenn ich Harmoniesüchtig bin. Anscheinend gibt es Menschen, die Frieden bewusst ablehnen, weil sie damit nichts verdienen können: Waffenfabrikanten und Das-wird-man-ja-wohl-noch-sagen-dürfen-Buchautoren. Eure Bücher und Texte sind Tretminen und damit habt ihr mich als erklärten Gegner. Profit aus dem Leid anderer schlagen ist so ziemlich das erbärmlichste, was man sich leisten kann. Ihr seid inhaltliche und moralische Nullen.

Ich weiß, ein Text wie dieser belustigt euch (wenn ihr ihn überhaupt lest). Und das hat mich bislang auch davon abgehalten, so etwas zu schreiben. Aber ich scheisse auf euren Zynismus. Ich bin viel größer als ihr. Mein Herz kann zum Glück lieben. Und das strahlt eure Geschäftsgrundlage “Hass” kaputt, auch in dieser Welt, auch zu diesen Zeiten.

Deswegen, an dieser Stelle, etwas in eurem Jargon, in eurer Deutlichkeit, in eurer Sprache:

Fickt euch. Hart. Niemand braucht euch.



Meine liebste Vorspeise

Ich hab noch nie an einer “Blogparade” teilgenommen, glaube ich. Ich verstehe auch immer noch nicht so richtig, was das überhaupt sein soll und so. Aber es geht ums Lieblingsessen und ich finde, ich habe mich noch nicht ausreichend als Foodblogger auf meinem Blog positioniert. Ausserdem hat mich die liebe Futterqueen, wir folgen uns glaube ich schon seit Ewigkeiten auf Twitter, gefragt, ob ich nicht mitmachen mag und da dachte ich: Ja, ich mag. So, here we go:

Wenn man mich nach meinem Lieblingsessen fragt, kann ich vermutlich eine quadrillion Gerichte aufzählen. Das eine Lieblingsessen gibt es eben nicht, ich finde ganz viele Gerichte unfassbar toll. Und kann mich immer nur schlecht entscheiden, was ich denn essen will, wenn ich was essen will. Deswegen esse ich ganz oft, wenn ich alleine bin, doofe Sachen, weil ich so lange damit verbracht habe zu überlegen, was ich esse, dass ich gar keine Geduld mehr hab, lange auf etwas zu warten, weil beim ganzen hin- und herüberlegen mein Hunger und Appetit in unmessbare Höhen geschnellt sind. Dann gilt es nur noch satt zu werden. Fast food oder so. Eigentlich vollkommen bescheuert.

Wenn ich mich nur von Vorspeisen ernähren müsste, würde das vielleicht viel besser funktionieren. Da ist meine Favoriten-Verteilung doch eindeutiger und kleiner. Und über allen möglichen Vorspeisen trohnt mein absoluter Favorit, meine Mother of all Vorspeisen, mein vorspeisiges Shangri-La, meine Vorspeise um alle zu knechten, mein…na, ich denke es ist klar was ich meine. Eben mein Lieblingsessen. Und es ist:

Vitello Tonnato.

Das sind (falls das jemand nicht kennt) hauchdünne, gebratene in Weißwein gegarte Kalbfleischscheiben mit einer Thunfsich-Kapern-Sauce. Mehr ist das im Grunde genommen nicht. Aber das ist ein Gericht, so bald ich irgendwo bin, wo das auf der Karte steht, muss ich das sofort bestellen. Keine Ahnung warum, das ist so ein komischer Zwang. Vielleicht weil ich das perfekte VT suche. Und deswegen jedes probiere, dass ich in die Finger kriege. Ich hab schon fantastische Versionen dieses Gerichts weltweit gegessen und muss sagen, dass die Ausfall-Quote, also die Vitellos, die richtig daneben gegangen sind, wunderbar gering ist. Es kommen vielleicht zwei Schlechte auf fünf Gute, würde ich sagen. Das ist erfreulich.

Das Gericht findet sich auch längst nicht auf jeder Karte. Ebenfalls ein Grund, es jedes Mal zu essen, wenn man die Gelegenheit dazu bekommt. Ich hab es auch noch nie selbst gemacht, obwohl ich ja gerne koche, vor allem leckere Dinge, aber da trau ich mich irgendwie nicht. Sollen es doch die anderen verkacken, ich nicht! Man muss auch nicht alles selber kochen. Es muss einfach ein paar Dinge geben, die man machen lässt.

Das zarte Kalbsfleisch in dieser sämigen, salzigen Creme, die so herrlich fischig schmeckt und durch die Kapern noch diese ultrastarke Zitronennote kriegt, die sich mit dem milden Fleischgeschmack zu einem großen Ganzen ergänzen: Mir läuft schon bei der Vorstellung das Wasser ganz schrecklich im Mund zusammen. Ich bin sowieso immer wieder erstaunt, wie genau sich Geschmäcker in Lieblingsgerichten zu einem Erlebnis kombinieren und versuche das irgendwie nachzuvollziehen. Aber bei Vitello Tonnato ist mir das ebenso rätselhaft wie bewusst. Und wenn ich am Ende den Teller noch mit Brot “saubermache”, dann bin ich glücklich. Ich glaube, dass meiste Glück hab ich sowieso der italienischen Küche zu verdanken. Lustigerweise habe ich Vitello nie so richtig damit in Verbindung gebracht, keine Ahnung warum. Ich finde, viele italinische Gerichte haben eine Art gemeinsamen “Stamm”, das VT fällt da immer aus der Reihe. Eventuell ist es mir auch deswegen so sympathisch.

Ich achte in letzter Zeit viel mehr auf meine Ernährung, fange an, auch durch meine Tochter, öfters vegetarisch zu essen. Ich war nie der größte Fleischesser, aber ab und zu mochte ich das. Ein tolles Schnitzel oder ein fresher Burger. Super. Langsam aber sicher, baue ich das ab. Ich überlege sogar schon, Attila Hildmans Vegan-Challenge mal auszuprobieren. Warum denn nicht? Schaden kann es sowieso nichts. Mir sind die Tiere dabei ehrlich gesagt gar nicht so wichtig, ich bin nicht so der Tierschützer-Chabo oder der riesen Tierliebhaber (nie ein Haustier gehabt). Aber das aller-aller-aller-meiste Fleisch, dass wir essen, ist nunmal ziemlicher Dreck, da muss man sich gar nix vormachen. Ist halt so.

Worauf ich aber hinaus will, ist: Wo auch immer meine Ernährungswege mich hinbringen werden: Ich werde mir nachwievor kein einziges Vitello Tonnato entgehen lassen, dass mir vorgesetzt wird. Bis ich das perfekteste der Welt gefunden habe. Ich sag euch dann auch gerne, wo das war. Mampf!



Papa, Perry, Pop

Musik, Musik, Musik. Man möchte dem Kind natürlich den bestmöglichen Musikgeschmack der Welt mit auf den Weg geben und welcher andere könnte das sein, ausser der Eigene? Eben.

So versuche ich natürlich meinem Töchterchen immer wieder Lieder mit auf den Weg zu geben, die ich toll finde. Und meistens klappt das auch ganz gut. Sie hingegen findet natürlich ihren eigenen Weg im Dschungel Pop und steht auch auf so aktuelle Acts wie One Direction oder Taylor Swift. Oder eben Katy Perry.

“Seelenloser Popmüll!”, höre ich die Pink Floyd-Fraktion schon maulen, aber das ist in Ordnung. Für die ist Perry ja auch nicht da. Allerdings muss ich als Erziehungsberechtigter sagen, dass mir im momentanen Bravo-Zirkus Katy Perry mit am meisten gefällt und das nicht nur musikalisch, sondern auch als Role Model, was ja eine zentrale Funktion von Teeniestars ist. Perry steht für ein selbstbewusstes Leck-mich-am-Zuckerpo und bringt eine gewisse Kraft mit auf die Bühne. Natürlich verkörpert sie auch Sehnsucht und “auch mal Schwach sein”, aber im Vergleich kann es einen durchaus schlimmer treffen. Also, was das Fandom des Nachwuchs betrifft. Da finde ich zum Beispiel Rihanna schon deutlich problematischer. Weil Perrys Popkosmos immer auch Doppeldeutigkeiten hat, immer einen doppelten Boden. Während die jüngeren die Candyworld toll finden, wissen die älteren was damit auch gemeint sein “kann”. Ein bisschen wie die Simpsons. Nur eben als Musikact. Bei Rihannas “S&M” gibt es zum Beispiel keine zwei Sichtweisen und wer einem neugierigen Kind dann erklären soll, was die da singt, dem wünsche ich viel Vergnügen (also, nicht dass das nicht möglich wäre, das kann man vermutlich sogar ganz witzig erklären - aber nachsingen im Kinderzimmer müssen sie es ja dann trotzdem nicht unbedingt…).

Nun ist Töchterchen eben Perry Fan und diese hat, wie es vermutlich im Marketing Plan eines jeden weiblichen Solo-Pop-Acts fest vorgesehen ist, nun ein Parfum veröffentlicht. Benannt nach einem Queen Song (ich sag jetzt nicht welchem, aber wer auf “Fat Bottomed Girls” tippt, sollte mal seinen Charme nachjustieren). Und im Rahmen dessen war der Star auch in Berlin und kündigte an, zu seiner großen Duftpremiere an den Kudamm zu kommen und den Fans zu winken. Ab dem Tag, als Töchterchen dies erfuhr, war die Aufregung groß. KATY PERRY KOMMT NACH BERLIN!

Ich habe sofort alle möglichen und unmöglichen Hebel in Bewegung gesetzt, um vielleicht ein ganz kurzes Treffen für ein Foto zu ermöglichen, aber nichts hat funktioniert. Ich hab unzählige Bettelmails geschrieben, zum Teil an Menschen, die ich gar nicht kannte, weil ich über 27 Ecken irgendeine Emailadresse bekommen habe, von jemand, der mir weiterhelfen können sollte. Verschiedene Freunde und Bekannte haben ihre Hilfe angeboten und ebenfalls Mails geschrieben und rumgefragt. Aber es war nichts zu machen: Katy Perry zu treffen ist offensichtlich komplizierter als eine Audienz beim Papst zu bekommen.

Aber das ist natürlich auch vollkommen in Ordnung. Ich habe die Kleine von Anfang an darauf vorbereitet, dass ich zwar alles versuchen werde, aber dass es vermutlich nicht klappen wird und wir uns dann eben am Kudamm vor den Laden stellen und warten müssen, bis die Diva kommt. Und genau das haben wir dann auch getan. Wir standen da mit ganz vielen Schaulustigen und haben gewartet und uns die Beine in den Bauch gestanden. Am roten Teppich war ein Moderator, der dazu engagiert war die Fans und die Wartenden bei Laune zu halten. Mir hat er ehrlich gesagt die Laune verdorben, weil er immer irgendwelche Zeiten gelogen hat (”Gleich kommt sie!”, “In fünf Minuten kommt sie aber wirklich!”, “Jetzt wird sie aber in circa zehn Minuten da sein!”, “Nur noch zwei Minuten!”, “Jetzt sind es ganz ehrlich wahrscheinlich nur noch fünf Minuten!”, “Sie muss jeden Augenblick da sein!” usw.), was gar nicht Not tat. Und er war Null an Perry interessiert, konnte nicht mal Begeisterung heucheln. Der hat halt sein Programm da runtergespult, das sich alle fünf Minuten wiederholte. Könnte man auch inspirierter machen, vor allem besser. War den meisten Fans aber vermutlich eh egal. Mich ärgert schlechtes moderieren nur immer, aber das ist natürlich auch Berufskrankheit.

Ich hab Töchterchen dann immer wieder auf die Schultern genommen, wenn etwas zu passieren schien. Und ich hab eine Fastschlägerei in der Menge, ziemlich genau vor uns beobachtet. Aus dem Laden über uns blickte mich ein Fotograf mitleidig an. Anscheinend sah man mir an, dass ich nicht unbedingt wegen Katy Perry da war und mir etwas aufregenderes hätte vorstellen können. Über eine Stunde nach der angesagten Ankunftszeit kam sie dann aber endlich irgendwann auf einem Motorrad angerauscht, flankiert von irgendwelchen Hells Angels oder Banditos oder Motorradkomparsen. Ich nahm Töchterchen auf die Schultern und sah überhaupt nichts mehr, sondern musste aufpassen, von der hin und her springenden Masse nicht umgeworfen zu werden. Perry lief einen großen Bogen, war dann auf der anderen Seite. Töchterchen blickte ihr verzweifelt hinterher. Dann kam der Star über den roten Teppich auf die exakt andere Seite hinter uns. Ich nahm meine Kleine so schnell wie möglich auf meine Schultern und stellte mich so nah wie möglich in eine Lücke bei den Wartenden. Und somit trennte uns quasi nur mehr eine Menschenreihe von der Fireworks-Sängerin.

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Töchterchen auf der Schulter war mit fotografieren und “KATY!!!!”-Rufen beschäftigt, während ich die Position hielt. Da der Popstar sehr langsam am Zaun entlagging, befürchtete ich noch lange so stehen zu müssen. Nun ist meine Tochter schon 12 Jahre alt und kein Kleinkind mehr, das man mal eben easy ein paar Stunden auf den Schultern trägt. Aber plötzlich war mit einem ganz ruhigen: “Lässt du mich bitte runter, Papa?” mein Workout beendet. “Ich will gehen.”

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Die Stimmung war nun sehr gedämpft. Warum sie denn traurig sei, wollte ich wissen. Sie konnte es mir nicht sagen, wusste es selber nicht. Oder konnte es vielleicht nicht artikulieren. Seinem Star, seinem Idol so nah zu sein, räumlich, aber trotzdem nicht ranzukommen, auf einer anderen Ebene…ich kenne das Gefühl. So oder so ähnlich hab selbst ich das heute noch, wenn ich Stars treffe, die mir etwas bedeuten. Und so hab ich mein tolles Mädchen ganz fest an mich gedrückt und getan, was jeder in meiner Situation getan hätte: Ins Hard Rock Cafe gehen und einen großen, leckeren, alkoholfreien Supercocktail als Trost bestellen. Und Simsalabim verwandelte sich die traurige Erkenntnis in ein tolles Fast-Treffen.

Manchmal ist es so einfach.

P.S.: Als Ausgleich und Beweis, wie sehr ich selber zum kleinen Teeniefan werde, in vergleichbaren Situationen: Ich mit meinem absoluten Herz- und Lieblingsschriftsteller Dave Eggers auf einer Lesung von ihm im Frühjahr:

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Fansein ist total super.



Stirb, Medium, stirb!

Alles fängt an mit einem Tweet:

Erstmal zum Tweet-Autor: Ich mag Jens Best. Best geht vielen Leuten auf den Sack, weil er zu allem gerne seinen Senf abgibt. Ich bin auch oft uneins mit ihm, aber ich finde seine vehemente Auf-den-Sack-Gehigkeit wirklich aufrichtig bewundernswert. Er taucht nie ab, bleibt immer sichtbar und steht zu 100% für sich und seine Meinung. Find ich stark.

Aber hier irrt er und da er nicht der Einzige ist, der diese Annahme teilt, muss ich mal einen Text drüber schreiben. Keinen Text, der sich mit den grotesken Forderungen der Verlage (a.k.a. Leistungsschutzrecht) beschäftigt, da sind andere deutlich bessere Quellen mit fundierteren Meinungen. Ich finde das einfach nur Gaga.

Mir geht es um das im Netz sehr weit verbreitete Herbeisehnen des Todes von Medien, die älter sind als das Internet, also allen ausser dem Internet.

- Zeitungen
Zugegeben, die Verleger haben sich jüngst mit ihren Kampagnen keinen Gefallen getan und nicht unbedingt Freunde gemacht. Sie faseln von “Qualitätsjournalismus”, sind aber selber oftmals nicht im Stande, Grundqualität abzuliefern. Im Sinne von: Durchdachte Inhalte. Oder vernetzte Inhalte. Dazu noch die einseitige Berichterstattung über das Leistungsschutzrecht, das tut schon ein bisschen weh. Aber ich möchte trotzdem nicht drauf verzichten. Und viele Andere möchten auch nicht drauf verzichten.

Meine Eltern
Lesen jeden Morgen den KStA. Mein Vater regt sich immer auf, das die scheiße recherchieren, was ihm natürlich bei den Sachen auffällt, bei denen er sich auskennt. Und die Beispiele, die er mir genannt hat, die haben ja auch gestimmt. Dumme Redaktionsfehler, vielleicht Flüchtigkeitsfehler, vielleicht “Der Leser ist doch eh egal”-Fehler, aber definitiv unnötige Fehler. Und trotzdem hat er ihn noch abonniert und liest ihn jeden Morgen zum Frühstück. Um ein Grundbedürfnis nach Information zu decken. Das er nicht durchs Fernsehen decken lassen will, sowieso nicht durchs Internet, sondern durch die Zeitung beim Frühstück. Und wenn ich da zu Besuch bin, mach ich es genauso. Auch wenn ich iPad und Rechner und Kindle und Handy dabei hab: Ich finde das super beim Frühstück ein Holländerbrötchen zu essen und dabei in der Zeitung etwas ausführlicher als durch SpOn über die Geschehnisse von gestern informiert zu werden. Das ist fast meditativ.

Anderes Beispiel: Meine beste Freundin
Hat alles zu Hause und nutzt es auch ausgiebig. Computer, Handy, Fernsehen, alles da. Aber hat immer das Gefühl, uninformiert zu sein. Eine zeitlang gab es mal diese Zeitung zum selber zusammenstellen, ich glaube die hiess niuu oder so, da hab ich ihr mal (auch weil ich selber neugierig war) ein Probeabo zusammengestellt und schicken lassen. Und sie fühlte sich rundum informiert. Hat sich morgens mit einer Tasse Tee in die Küche gesetzt, wenn unser Kind in der Schule war, und gelesen. Oder die Zeitung in die Tasche gestopft und im Café gelesen. Die würde niemals einen Rechner mitnehmen oder im Café auf SpOn irgendwelche Neuigkeiten lesen. Da würde sie dann eher eine der herumliegenden Zeitungen nehmen.

(Nachtrag: Als ich eben mit ihr telefonierte, meinte sie, das sie mittlerweile doch Nachrichten auf dem Handy lesen würde, wenn sie irgendwo rumsitzt…na gut. Sie hat aber nochmal betont, wie sehr ihr die niuu gefallen hat!)

Zeitungen haben einen Sinn. Das Medium “bedrucktes Papier” hat einen Sinn. Ist robust, ist leicht, ist easy anwendbar. Das ist nicht zu ersetzen. Ja, seine Inhalte bedürfen einer Nachjustierung. Aber deswegen erkläre ich doch kein Medium für Tod.

“Ja, aber die FTD!”

Wenn man es nicht schafft, Leser von seiner Einzigartigkeit am Markt zu überzeugen, dann macht man vermutlich etwas falsch, vor allem wenn man als Letzter kommt. Es tut mir ja leid, aber da ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man auch wieder als Erster geht. Und wenn man sich so arrogant verabschiedet, wie die FTD das getan hat, dann war das vielleicht auch alles nicht so falsch.

“Ja, aber die FR!”

Ja, die FR bedauer ich auch, wobei ich die auch nur online gelesen hab. Aber hier gilt das natürlich auch: Wer liest die noch, wo ist der Leser. Und damit meine ich eben kein blindes hinterherrennen irgendwelcher Marktforschungs-Ergebnisse, sondern Intuition. Gespür für den Leser, für den Markt. Das war wohl nicht gegeben. Ich hätte ehrlich gesagt gedacht, das es zuerst die Berliner Zeitung erwischt, aber nun ja. Wenn man am Leser vorbeischreibt, dann kann man nicht bestehen, so leid mir das auch tut.

“Ja, aber die PRINZ!”

Hahahahahahahahahaha. Das letzte Mal, dass ich in die PRINZ geguckt hab, war das ein Gutscheinkatalog mit Partybildchen. Nichts mehr an Originalität, keine Meinung mehr, nur noch MaFo, MaFo, MaFo und dem Anzeigekunden in den Arsch kriechen. Sorry, aber warum gab es die überhaupt noch so lange?

Das sind eure Argumente für den Tod der Zeitung, für das Ende von Print? Da müsst ihr aber noch eine gehörige Schippe drauflegen, um mich zu überzeugen. Und viele Andere auch. Ich weiß natürlich auch ehrlich gesagt nicht, warum so viele im Internet sich wünschen, das gedrucktes stirbt. Es nimmt dem Netz nichts weg. Und so viele Baumschützer gibt es nicht mal online. Aber, liebe Leute: Get over it. Print bedient etwas, was das Netz nicht bedienen kann. Ja, es werden noch andere Zeitungen und Zeitschriften sterben. Es geht vielen schlecht. Und das große Auflagenwunder vergangener Jahrzehnte ist vorbei. Der Markt wird dünner. Aber er wird niemals verschwinden. Was eine Zeitung (in der analogen Welt) kann, kann nur eine Zeitung. Ich werde zumindest niemals eine Ecke meines Handys abreissen, um einen Kaugummi reinzupacken. Eine Telefonnummer auf meinen kindle kritzeln. Einen Tag später ausführliche Texte im Netz suchen zu Nachrichten, die ich da einen Tag vorher gelesen habe (wenn ich nicht drauf hingewiesen werde). Oder am Frühstückstisch meiner Eltern mit einem iPad sitzen.

- Fernsehen

Auch hier: Totaler, seltsamer Hass von Menschen, die sich stolz damit brüsten, gar keinen Fernseher mehr zu haben. Und die rufen es in die Welt hinaus: Fernsehen ist tot, braucht keiner mehr, Volksverdummung, blablabla. Regen sich aber dann über jeden TV-Beitrag über das Internet auf, der tendenziell negativ ausfällt. Wald? Hineinruft? Herausschallt?

Wenn man sich das Netz ansieht, hat man es beim Fernsehen immer noch mit dem Leitmedium Nummer 1 zu tun. Auf Twitter wird gemeinsam Tatort oder “Bauer sucht Frau” geguckt, bei Facebook versammelt man sich auf Fanpages über das Dschungelcamp und auf vielen Blogs lese ich Artikel über Dexter, Game of Thrones, Misfits oder die Big Bang Theory. Alles Fernsehen. Die Mediatheken der Sender laufen heiss, wenn eine neue Folge “Roche und Böhmermann” online geht und Zattoo dürfte zu internationalen Fussballturnieren einen deutlichen Download-Anstieg verzeichnen. Alles Fernsehen. Piraten lassen sich regelmässig zu Lanz oder anderen Talkern einladen. Bei Protesten vor dem Brandenburger Tor werden ZDF-Journalisten via Twitter beschimpft, weil sie zu wenig oder gar nicht berichterstatten, was so vielen berichterstattungswürdig erscheint. Und auf SpOn wird jede Talkshow am nächsten Tag besprochen. Alles Fernsehen.

Sieht so ein totes Medium aus?

Was ich nie kapiere ist: Das Wirkprinzip von Fernsehen ist ein komplett anderes, als das vom Netz. Die einzige Gemeinsamkeit sind laufende Bilder. Beim einen Medium als Default, beim anderen als Option. Das war es aber auch. Fernsehen ist eines der passivsten Medien, die es gibt, was gleichzeitig auch die Erklärung für seinen großen Erfolg ist. Ich muss nichts anderes tun ausser umschalten. Immer läuft irgendwo, irgendwas. Etwas läuft, was ich immer weiter laufen lassen könnte. Ich muss nichts tun. Nun mag es auch im Netz Seiten geben, die mir unendlich viele Videos hintereinander vorspielen, aber die sind eher selten. Und da ist das “umschalten” auch nicht so einfach, erfordert einen Mausklick, der sich aber vorher genauer mit dem Inhalt beschäftigen muss, damit ich überhaupt weiss, wo der Klick hingehört, wo der Link ist. Alles schon wieder viel zu viel Aktion. Ja, Fernsehen ist ein faules Medium. But guess what: Das ist sein Erfolg.

Warum also den Tod des Fernsehens herbeisehnen? Welchen Teil des Internets stört das Fernsehen? Ja, Fernsehen ist ein Medium, das primär “von oben herab” sendet. Die lassen sich die Inhalte nicht so leicht diktieren, wie irgendwelche Blogger oder im Zweifelsfall noch News-Seiten, das pisst viele an. Na und? Noch kein Grund zur Abschaffung oder kein Anzeichen des Untergangs. Diese ganzen schlauen Medienpropheten, die dem TV seine baldige Abwesenheit prophezeihen, vernachlässigen alle Umstände und stellen ihre eigene Sichtweise als Vision auf. Fernsehen muss auch nicht allen gefallen, das ist in Ordnung. Niemand kann gezwungnen werden, einen Fernseher zu besitzen. Auch okay. Aber einen gesunden Patienten, der hier und da ein paar Zipperlein hat, deswegen gleich für Tod zu erklären? Das ist wie bei “Ritter der Kokosnuss”, als der den Alten auf seiner Schulter zum Wagen rausbringt, auf dem die Toten gesammelt werden und der Alte ruft: “Lass mich runter, ich bin gar nicht tot, ich will spazieren gehen!”.

Das Fernsehen ist durchaus kritikwürdig. Heutzutage läuft da sehr viel Scheisse. Und das müsste nicht sein. Auch hier wieder: Marktforschungsoptimierte Programme sind ein Graus. Und die Verarschung und Vorführung von Leuten im Privatfernsehen in Formaten wie “Bauer sucht Frau” oder “Schwer verliebt” ist zum kotzen und soll allen Verantwortlichen ein fieses und fettes, haariges Furunkel am Arsch wachsen lassen. Aber Fernsehen darauf zu reduzieren, ist wie zu sagen: Das Internet ist vor allem Kinderpornographie. Reine, alberne Demagogie.

Ich freu mich schon, wenn irgendein Shoppingsender schliesst und dann online zu lesen ist: “Das große Fernsehsterben beginnt!”

- Radio

Warum lese ich eigentlich so wenige Rants gegen das Radio? Weil viele “Wortführer” im Netz von da kommen? Weil man das im Auto zur Arbeit noch braucht? Weil Podcasts nichts anderes sind?

Das finde ich erstaunlich. Die große Kritik am Medium Radio, die Rufe über ein “totes Medium” oder für “Kein Grundrecht auf Rundfunk” sind doch eher seltener Natur. Ich muss ehrlich gestehen, das mir das von allen Medien eigentlich am egalsten ist. Ja, ich höre gerne Domian, aber den kann ich ja auch gucken. Ich freu mich auch wenn ich mal einen guten, mir unbekannten Song im Radio höre - verfluche aber auch die Radiomacher dafür, es mir extra schwer zu machen, herauszufinden was ich da genau gehört habe. Ja, ich kann das online nachgucken, aber wie schön wäre es, wenn ich keinen Mediensprung machen müsste und mir einfach geSAGT würde, was ich gerade gehört hab? Max Goldt schrieb mal sehr schön sinngemäss über Radio, dass er niemand bräuchte, der ihm sagt, was für eine gute Stimmung er nun haben müsse, dass er seine Laune ganz gut selber im Griff hätte, er aber bei guter Musik immer gerne wissen würde, was er denn da nun gehört habe.

Radio ist das vielleicht schlimmste Opfer des Marktes, weil man hier (meine ich mich zu erinnern) irgendwie nicht so richtig “Quoten” messen kann und sich deswegen nur auf Zahlen gestützt wird, die irgendein Unternehmen im Quartal produziert, basierend auf Umfragen etc. Da wirds dann ganz abenteuerlich. Und alle Sender halten sich sklavisch an diese Zahlen, so wie es auch alle Werbekunden tun. Deswegen hat man beim Gros der Sender heute nur noch Jingle-Geballer und “Das Beste von Früher, Heute, Morgen und Niemals” oder so am Start.

Wie gesagt: Ich brauche Radio nicht unbedingt als Medium, zu selten sind unsere Berührungspunkte. Aber es gibt viele Menschen, die gerne Radio hören. Die jeden Morgen im Stau auf dem Weg zur Arbeit stehen und da gerne David Guetta hören, oder irgendwas Anderes, was sie vielleicht nicht selber auf CD haben. Oder die hören wollen, wo Stau ist. Oder auch Menschen, die dann zu Hause klassische Musik hören oder Hörspiele oder Reportagen. Es gibt Radiohörer und es soll sie geben. Radio nimmt meinem Medienkonsum nichts weg, gar nichts. Warum sollte ich also dagegen sein, warum sollte ich permanent rufen “Radio stirbt” und wenn dann nach fünf Jahren wirklich mal ein Lokalsender zu macht direkt rufen: “Seht ihr! Ich habs gesagt: Radio stirbt! Und das war erst der Anfang! Alle Anderen werden folgen! Radio stirbt, weil es unmodern ist!”

Warum rufen Menschen so was? Warum diese Verbitterung, diese Unentspanntheit?

Es gibt Tage, an denen kotzt mich das Internet an. Da bleibt man in irgendwelchen Kommentarspalten großer Zeitungen stecken oder liest dämliche Verschwörungstheorien oder klickt aus Versehen auf einen Broder-Artikel oder wundert sich über all den unreflektierten Hass und die Grabenkämpfe allerorten. Wundert sich, wie man dem Menschenbild, das im Netz konstruiert wird, jemals entsprechen soll. Wundert sich über das plötzliche aufpoppen eines Fettnäpfchens, das man nie als solches wahrgenommen hat, man aber gleich abgewatscht wird mit der Haltung, das man es schon immer hätte kennen müssen - denn es steht ja im Netz. Diese Tage frustrieren mich. Mich, der ich das Netz immer als tolles, fantastisches Medium propagiere. Als spannende Welt, als Meinungskanal, als vollkommen neue Möglichkeit des publizierens. Als spannenden Pool verschiedener Sichtweisen. Der leider oftmals dann aufhört, wenn die Meinung eine Andere ist.

Und dann klapp ich den Computer zu. Und mach den Fernseher an. Oder lese ein Videospielmagazin wie die “M!” oder das Rapfachblatt “Juice”. Oder ein Buch. Und denke:

Hach. Auch schön.



D.B.

Irgendwann Ende der 90er. Meine Freundin lebt in Hamburg, ich bin ganz oft bei ihr, pendel zwischen Hamburg und Köln hin und her. Ich bin ins Hotel Atlantic eingeladen, da findet eine Party von PETA statt. PETA, ja, hat man zu der Zeit schon mal gehört, ist diese “coole” Tierschutzorganisation. Kann man ja mal hingehen, da sollen auch ein paar Freunde von mir sein.

Und da trifft sich dann alles irgendwann an der Bar, weil die Party selbst zu uninteressant ist. Und wir ziehen durch das ganze Hotel. Und wir spielen am Piano. Und singen. Und gehen zu einem aufs ZImmer, alle zusammen. Und ich werde gefragt, was ich noch trinken will. Und ich sage “Four Roses” und bekomme stattdessen vier Whisky gebracht. Und da sitzen wir und lachen und erzählen uns alle totalen Stuss. Und einer fängt plötzlich an schlüpfrige Sachen zu fragen. Lieblingsstellung und so ein Quatsch. Und wir sitzen auf dem Boden, auf den Stühlen, auf dem Bett, auf der Couch. Überall. Und antworten und lachen. Und einer sitzt dabei und lächelt selig und guckt sich den Quatsch an und lässt uns machen. Er passt irgendwie auf uns auf. So eine Art persönlicher Buddha.

Ich hab Dirk Bach nicht oft getroffen, ich will jetzt hier auch gar kein großes Fass aufmachen. Aber ich bin ihm ein paar Mal begegnet. Und wer auch immer ihn getroffen hat, der weiß was ich meine, wenn ich von einer besonderen Aura spreche. Dirk war sehr gütig, beruhigte einen schon, wenn er neben einem sass. Der war nicht das gemütliche Dickerchen aus dem Fernsehen, sondern ein ganz genauer Zuhörer, der sich - egal welcher Trubel um einen rum war - total auf seinen Gegenüber einliess und konzentrierte. So hab zumindest ich ihn erlebt. Und das waren tolle Begegnungen.

Ich finde die Vorstellung komisch, dass der nicht mehr da ist. Das das Fernsehen jetzt ohne den auskommen muss. Nicht das ich seine Sendungen (außer dem Dschungel) regelmäßig verfolgt hätte, aber es war gut zu wissen, das er da war. Vor kurzem hab ich noch das Plakat für sein Theaterstück hier in Berlin gesehen und gedacht: Mensch, mit DEM muss ich noch mal Kontakt aufnehmen, das waren immer schöne Abende, bei denen der dabei war. Den würd ich gerne mal Wiedersehen.

Und dann geht das plötzlich nicht mehr.

Was soll ich sagen? Danke Dirk. Danke für die Begegnungen, danke für deinen Versuch, Güte zu verteilen. Deine Engagements sind zahlreich, die haben alle einen wichtigen Motor und Fürsprecher verloren. Hoffentlich schaffen deine Freunde, deine Kollegen oder einfach jeder, der sich berufen fühlt, diese Lücke zu schliessen. Es wird schwierig. Wenn es um den guten Zweck ging, hattest du Energie für 1000.

Ach Mann, du hinterlässt eine große Lücke. Machs gut, Dirk Bach.

P.S.: Ich weiß noch wie du mir erzählt hast, das du (unter Anderem) alles von KISS sammelst. Dann müssen wir wohl das hier jetzt spielen:

[YouTubeDirektRockNRollAllNightImHimmel]



Entschuldigung oder “Warum ich 10 Tage log”.

Erstmal das: Ich habe alles gewusst.

Dann das: Ich bitte euch ehrlich um Verzeihung. Die letzten 10 Tage hab ich euch in die Irre geführt und manchmal Sachen behauptet, die nicht gestimmt haben. Aber ich hab das aus einem Grund gemacht und ich hielt das für einen guten Grund und vielleicht versteht ihr mich ein wenig besser, wenn ihr diesen Text gelesen habt.

Ich bin nun schon seit einiger Zeit im Internet unterwegs. Und da gibt es ein paar Sachen, die ich über die Jahre auch gelernt oder mitbekommen hab. Zum Beispiel Transparenz: Grundsätzlich kann jeder machen, was er will, aber man darf halt nicht so tun, als würde man es nicht machen. Eigentlich auch logisch: Keiner wird gerne verarscht. Einer der Gründe, warum “Virals” in der Regel eher nerven, nachdem man die Ersten noch mitgemacht hat. Aber sich den Kopf zu zerbrechen und Energie zu investieren um am Ende herauszufinden, das man der Werbung für eine neue Bügelbrettkollektion auf den Leim gegangen ist, ist nicht nur unbefriedigend, sondern lässt einen auch beim nächsten Einkauf die Bügelbrettwahl deutlich überdenken (Gut, auch wenn man die in der Regel nicht so oft kaufen muss…). Wenn man aber vorher weiß, das man auf Schnitzeljagd mit einem Bügelbretthersteller geht, dann machen das nur die, die da Bock drauf haben. Das sind vielleicht nicht viele, aber die die auf Bügelbretter stehen.

Wir haben mit den Fünf Filmfreunden mal eine Art Theater inszeniert um unser damals neues, fünftes Mitglied einzuführen, das so ablief, das wir so getan haben als wären wir total uneins und jeden Tag ist einer mehr ausgestiegen, bis am Schluss ich das Blog angeblich alleine gemacht hab und es nur noch “Musical und Adam Sandler”-Reviews geben sollte. Wir hielten das für so over-the-top-bescheuert, dass jedem der Fake in die Augen springen musste. Stattdessen bekamen wir viele Kommentare von Leuten, die sich extrem auf den Schlips getreten fühlten. Ich denke nach wie vor, das da einige Leser eine etwas übertriebene Anspruchs-Haltung haben, was unsere Seite betrifft, aber ich verstehe auch, warum das einige Andere eher doof fanden. Es gibt im Netz die bescheuertsten Sachen, warum soll man so etwas vergleichsweise harmloses nicht glauben? Wenn jemand nervt, dann doch die Leute, die als erstes in jede Kommentarspalte reflexartig “FAKE!!!!!” reinbrüllen, oder? Man muss auch glauben, man muss auch vertrauen können.

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Ich habe, Gott sei Dank, noch nicht viele Menschen in meinem Leben verloren. Auch wenn ich jetzt merke, das es öfter passiert, um mich herum. Meine Großeltern sind gestorben, als ich superjung war. Von denen habe ich nicht viel mitbekommen. Ich will jetzt auch gar nicht zu sehr ins Detail gehen. Aber vor ein paar Jahren starben Menschen, die ich mochte. Und sie starben an Krebs. Dieser verfickten Pest.

Jährlich hauen sich junge Menschen auf die Sonnenbänke dieses Landes, weil sie einen gesünderen, frischeren Teint haben wollen. Und eine fleissige Lobby suggeriert ihnen: Hey, das ist vollkommen ungefährlich. Und das stimmt halt nicht. Die Kackteile begünstigen Hautkrebs aufs Allerstärkste. Die Message kommt aber bei denen, bei denen sie ankommen soll, nicht an. Man muss also neue, andere Wege versuchen, die zu erreichen.

Mir wurde angeboten, die deutsche Krebshilfe zu unterstützen, bei dieser Kampagne. Die Idee war die: Die Haut eines Schweins ist der menschlichen Haut am ähnlichsten. Wenn man also shocking simuliert, was einem Schwein passieren würde, wenn es mit UV-Strahlung vollgeballert wird, dann löst das vielleicht eine Diskussion aus. Und das wär doch gut, wenn die im Internet stattfände, denn das ist nunmal ein Lebensraum junger Menschen. Das schien mir einleuchtend, stimmig und ich hatte das Gefühl, ich kann wenigstens einen minimalsten, kleinen Teil in der Bekämpfung dieser beschissenen Krankheit tun. Vielleicht den ein oder anderen Menschen mehr erreichen, der dann einen Bogen um die Bräunungsstudios macht. Mal irgendwas machen, um diese UV-Strahlungs-Befürworter-Macht zu brechen, wenigstens ein Bisschen.

Deswegen habe ich also an dieser ganzen Aktion mit dem Viral teilgenommen, hab Freunde in die Irre geführt, hab Leser verschaukelt, hab ahnungslos getan. Und mich irrsinnig schlecht dabei gefühlt. Damit will ich kein Mitleid erhaschen, ich will euch nur sagen wie es war. Ich habe während dieser Aktion gemerkt, dass Leser zu verarschen nicht mein Ding ist, hatte bei irrsinnig vielen Kommentaren Bauchschmerzen und mich schwer getan. Aber ich durfte natürlich nichts sagen, bis zur (heutigen) Auflösung. Das war klar. Das Projekt sollte ja nicht an meinem schlechten Gewissen scheitern. Deswegen habe ich mich auch sehr zurückgezogen, die letzten Tage. Nichts zu sagen war mir immer noch lieber, als noch weiter lügen zu müssen. Ich wusste, das ich das für eine gute Sache tat, sonst hätte ich es vermutlich gar nicht ausgehalten. Aber sonst hätte ich mich auch niemals darauf eingelassen.

Ich hab schon viel zu viel geschwafelt. Ich habs nun mal so gemacht und ich will das auch nicht relativieren oder so. Das hab ich mir anders vorgestellt. Ihr sollte aber wissen: Es tut mir wirklich leid. Ich entschuldige mich, wenn jemand von euch dachte, dass da wirklich einem Schwein schlimmes Leid zugefügt wird (und sich jetzt dementsprechend vorgeführt vorkommt). Ich entschuldige mich bei jedem, der so etwas gerade auf dem Weltfrieden niemals erwartet hätte. Ich entschuldige mich bei jedem Twitterfollower, der sich über den Link aufgeregt hat, bei jedem Facebookfreund, der glauben wollte, was er sah und bei jedem Blogleser, der sich Mühe mit der Recherche gemacht hat. Ich hoffe, ich konnte euch meine Beweggründe erklären. Ich weiß nun (ein bisschen spät, aber immerhin), dass ich so etwas nie wieder machen werde. Das ich einfach nicht geeignet bin, für so eine Aktion. Aber ich weiß auch: Ich werde gerne jederzeit weiterhin dabei helfen, Krebsrisiken zu minimieren, wo ich es für nötig halte und helfen kann.

Viele von euch werden nun gehen und das ist verständlich und tut mir ehrlich leid. Aber allen, die an und auf meiner Seite bleiben, möchte ich zurufen:

Danke für euer Vertrauen.

P.S.: Um das ganze noch abzuschliessen: Die ganze Geschichte über das Schwein und die Kampagne und Aufklärungsmaterial über Hautkrebs und Solarien findet ihr hier: www.rosi-hat-schwein-gehabt.de



Warum ich mir eine (vermutlich) einmalige Gelegenheit entgehen lasse.

Fernsehen ist ein seltsames Geschäft. Hier geht es vor allem um Aufmerksamkeit. Wenn man nicht läuft, findet man nicht statt. Und es ist natürlich immer noch das Topmedium Nummer 1. Ich hab das zum Beispiel merken dürfen, als ich dieses Facebook-Gruppen Buch bei Langenscheidt geschrieben habe und damit beim Sat1 Frühstücksfernsehen war. Eine Sendung, die ich immer sehr als Nebenbei-TV wahrgenommen habe. Was nicht mal böse gemeint ist, aber der Name Frühstücksfernsehen impliziert das ja schon.

Da habe ich dann in aller Herrgottsfrühe in zwei sehr kurzen Interviews von dem Buch erzählt. Und dann? Dann bekam ich den Anruf, das man den Verkäufen auf Amazon gerade zugucken könne, wie sie nach oben steigen. Wegen dem einen verpennten Auftritt! Das fand ich krass und hat mir wieder mal gezeigt, das Fernsehen einfach das Leitmedium ist. Und es macht mir dazu auch noch wahnsinnig viel Spaß, Fernsehen zu machen.

Nun sollte man also, gerade in meinem Job, darauf achten dort immer stattzufinden. Zumindest so oft wie möglich oder so breit aufgestellt wie möglich. Und damit kommen wir auch schon zu dem Konflikt, mit dem ich mich seit Tagen rumplage: Ich habe eine sehr interessante Anfrage bekommen, die ich noch vor ein paar Jahren ohne mit der Wimper zu zucken sofort zugesagt hätte. Und zwar zu “Günther Jauch“. Das ist quotenstark, das ist ein toller Sendeplatz, das ist eine Sendung, über die man auch am nächsten Tag noch spricht. Grundsätzlich ist es also super, dort mit auf der Bühne zu sitzen, vor allem wenn die Währung “Aufmerksamkeit” so wichtig ist. Ausserdem mag ich Jauch und fänd es cool, den mal zu treffen. Ich hab mich aber trotzdem (nach zwei Tagen schwierigem hin und her überlegen und abwägen) zähneknirschend dagegen entschieden. Warum?

Das Thema wird “Digitale Demenz” sein und natürlich wird Manfred Spitzer, Autor des gleichnamigen Buchs, auch Gast sein. An seinem Buch, an seinen Thesen wird es sich abzuarbeiten gelten. Nun ist darin wohl vieles sehr scharf formuliert, zumindest entnehme ich das den Antworten, die der Hirnforscher in letzter Zeit in diversen Talkshows gibt. Und natürlich hat der da in ein Wespennest gestochen, vor allem weil sich der Titel seines Werks ja auch noch auf unsere Kinder bezieht. Da steht unter dem griffigen Titel als Unterzeile: “Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen”. Ja, die armen Kinder! Wir verblöden sie gleich mit!

Ich habe das Buch nicht gelesen, ich werde es auch nicht lesen, aber alles, wirklich ausnahmslos alles, was ich davon mitbekomme, ist meiner Meinung nach technologiefeindlicher Blödsinn, der wissenschaftlich diffuse Ängste bedienen will, die Eltern haben, die sich mit neuen Medien (ich fühl mich langsam ehrlich gesagt lächerlich, Netz und co noch “neu” zu nennen, aber meh) nicht auskennen und noch nicht beschäftigt haben. Spitzer pauschalisiert alles, schert alle über einen Kamm und erzählt seit gefühlten 27 Talkshows die Anekdote, wie sein Sohn sein iPhone in den Müll geworfen hat, weil er keine Lust mehr drauf hatte (und weil es wohl kaputt war…). Nun, alles gutes Futter für eine Diskussion. Ein Thema, für das ich brenne und Thesen, die ich gerne in der Luft zerreissen würde. Ich geh aber trotzdem nicht hin.

In dieser Runde, in dieser Konstellation kann ich nur verlieren. Natürlich kenn ich mich aus, weil es um meine ganz persönliche Lebensrealität geht. Ich hab aber keine Studien auswendig zur Hand und ich werd einen Teufel tun, mich mit einer Zettelwirtschaft bewaffnet in ein Fernsehstudio zu setzen, nur um einem ignoranten Mann genug Gegenthesen zu liefern, die er dann spontan sowieso nicht akzeptieren würde. Ich hab mir den jetzt in zwei Sendungen (N3 Talkshow, ZDF LogIn) genau angesehen und komme zu dem Fazit: Spitzer geht es zu keinem Zeitpunkt um eine Diskussion, genausowenig wie es ihm um eine Lösung geht. Spitzer geht es wahrscheinlich nicht mal so sehr um unsere Kinder. Spitzer geht es nur um eins: Sein Buch zu verkaufen.

Das er mit dieser Strategie gut fährt, beweisen ihm die Spiegel Bestseller Listen, die er seit dieser Woche anführt. Da will man nicht so schnell runter und das bisschen Restsommerloch kann man ja noch nutzen, dort auch an erster Stelle zu bleiben. Und so poltert er wohl weiter lautstark durch diverse Shows und brüllt wie zuvor jeden nieder, der anderer Meinung ist als er. Wirft Menschen ausgedachte Lobbytätigkeiten vor und beschimpft sie als ahnungslos. Behauptet Medienkompetenz wäre egal (!!!) und es ginge nur um Wissen und kapiert zu keinem Zeitpunkt, wo die eigentlichen Probleme liegen. Darum geht es ja auch nicht. Die Studien, die er alle ausgesucht hat, sind alle gut und seriös, alle Studien die etwas anderes behaupten sind schlecht und unseriös. Es muss eine schöne Welt sein in Spitzers Kopf. (All das basiert auf seinem Auftritt bei ZDF login, oben verlinkt)

Nun, dem Mann ist an keiner Diskussion gelegen, klar, sonst müsste er ja sein eigenes Buch anzweifeln, das er gerade verkaufen möchte. Er ist so eine Art Hirn-Sarrazin: Ich habe recht, sie sind alle blöd. Und mit dem soll ich mich in eine Sendung setzen? Von dem soll ich mich anschreien lassen, als blöd verkaufen lassen? Von dem soll ich mir Studien zitieren lassen und mich als ahnungslos oder vielleicht auch als Lobbyist hinstellen lassen? Ich soll dem, als vermeitliches “Opfer”, indirekt helfen auch nur ein weiteres seiner offensichtlich panikschürenden Bücher zu verkaufen? Ich soll der kleine, junge, unwissenschaftliche Trottelnerd sein, der ja nicht weiß, was er sagt?

Ich hab mich wirklich gefreut und war ein bisschen stolz, bei Jauch eingeladen zu werden. Wirklich. Das ist mir eine sehr große Ehre. Aber nicht für diesen Preis. Ich diskutiere nicht mit einem Verweigerer eines Mindestmass an sozialem Miteinander. Ich diskutiere nicht mit so einem Verkäufer. Und erst recht nicht mit solch einem Fundamentalisten. Ich diskutiere nicht mit einem Wissenschaftler, der nicht diskutieren will oder kann. Sorry Günther! Aber danke! Und viel Glück!



Wenn schon falsch, dann richtig!

Ich wollte hier eine ganz originelle Einleitung schreiben, so mit feinen Spitzen. Aber das ist eigentlich viel zu albern. Thomas Knüwer, ein Journalist/Blogger, der immer richtig drauf haut (oftmals zu Recht) wenn Kollegen von ihm irgendwo Murks schreiben, weil sie sich zu fein waren, mal 20 Sekunden zu googlen, macht in seinen eigenen Artikeln oftmals genug die Fehler, die er den anderen um die Ohren hauen würde.

Besonders doof ist das, wenn man einen Post schreibt über etwas, was einen begeistert hat, weil man dann die Begeisterung, die man ja eigentlich versucht zu teilen, total schmälert. Denn der Gedanke ist ja: Wenn er nichtmal die einfachsten Sachen richtig schreiben kann, wie soll er dann erkennen können ob etwas Qualität hat?

Deswegen jetzt mal ein paar kleine Hinweise zu seinem aktuellen Text über Ray Cokes live, der einem Fernsehliebhaber wie mir große Schmerzen bereitet. Also der Text, nicht der Cokes. Den würde ich gerne wieder auf dem Bildschirm sehen.

Und, nehmen wir mal den Grundtenor von Knüwers Lobrede, das würde sich wohl auch lohnen. Denn Ray Cokes scheint zur alten Form zurückgefunden zu haben und so ausser Rand und Band zu sein, wie damals zu seligen MTV Zeiten. Knüwer schreibt:

Den Jüngeren unter den Lesern muss man diesen Namen vielleicht erklären. In den Zeiten, da MTV das Fernsehen und die Ästhetik des Bewegtbildes längst verändert hatte, war Cokes mit seiner abendlichen Live-Talkshow „Most Wanted“ von 1992 bis 1996 die Hoffnung, dass dieses veränderte Fernsehen noch einmal mutiert, mutiger wird und schräger, mit wackelnder Kamera deren Bediener „Rob the camera man“ ganz selbstverständlich ein handelnde Person war – Jürgen von der Lippe würde später die ARD mit diesem Konzept bekannt machen. Zwischenzeitlich war Cokes dann noch auf Arte zu finden – das war’s.

Gut, das überhebliche “Den Jüngeren..”-Blabla sei mal geschenkt. An diesem “Gag” haben sich schon andere die Finger verbrannt, ich glaube ich hab das sogar schon selber mal auf meinem Blog irgendwo geschrieben. Würd ich aber nicht mehr tun. Egal. Veränderte Ästhetik und so geht auch alles klar. Und dann der erste grobe Schnitzer: Jürgen von der Lippe würde die ARD mit dem Konzept des “ich rede mit meinem Kameramann, weil er mein Kumpel ist” bekannt machen. “Später”. Also nach Ray Cokes.

Jürgen von der Lippes Sendung “So isses” bot unter Anderem ein großes Wiedererkennungsmerkmal: Die Gespräche von von der Lippe mit seinem Kameramann Günni. In der Show, die 1984 gestartet ist und die 1989 aufhörte. Drei Jahre bevor “MTVs Most Wanted” überhaupt auf Sendung ging. (Um das noch zuende zu rechnen: Cokes kam 1987 zu MTV, da hat von der Lippe schon drei Jahre mit seinem Kameramann Günni im Fernsehen geredet). Muss man nicht wissen, die genauen Daten musste ich jetzt auch googlen. Aber wenn man Fernsehen mag und geguckt hat, dann sollte einen dieser Vergleich schon stutzig machen. Vor allem: Vollkommen ohne Not. Er hätte den ja gar nicht machen müssen, es kam ja einfach von ihm selbst. Ja klar, der Versuch nochmal das deutsche TV als lahmarschig und schnarchig und uninnovativ darzustellen, um das eigene Stück zu erhöhen. Wenn das aber dann so kapital falsch ist, stürzt das Stück eben auch genauso schnell wieder ab.

Dann kommt ein längerer Teil, in dem er von der Show, die er vorgestern live mit Ray Cokes in Köln sah, schwärmt, wie ein kleiner Schuljunge. Das ist toll, das ist ehrlich und bis auf ein paar Ausreisser schafft er es auch (zum Glück!) nicht, die ganze Zeit die Coolness-Maske aufzubehalten, die ihn zu permanenten (und langweiligen) Spitzen gegen das ach so schlimme, deutsche Fernsehen treibt. Da spricht ehrliche, aufrichtige Begeisterung über das erlebte. Das ist schön.

Und dann kommt der Absatz aus der Hölle:

Derzeit gibt es vor allem im öffentlich-rechtlichen System viele Versuche innovative TV-Formate auszuprobieren. Während sich der Kontrollverlust bei ZDF Neon auf das Lästern über Talkshow-Gäste im Anschluss an den Talk beschränkt bedeutet er für Cokes die Übergabe eines Interviews an zufällig ausgewählte Zuschauer. Verglichen mit der augesetzten Pseudo-Coolness der ZDF Neon-Magazinen, bei denen Tiltshift- und andere Filter mangelnde Inhalte regelmäßig überdecken, verglichen mit der demonstrativen Wurschtigkeit von „Roach und Böhmermann“ gegenüber ihren Gästen – da wirkt Ray Cokes noch immer wie der personifizierte Antichrist mit den vier Kameramännern der Apokalypse, die über das Land kommen um zu zeigen, wie fantastisch unterhaltend Fernsehen sein kann.

ZDF Neon“? Seriously? So gelangweilt vom schreiben, dass nicht mal mehr ein Mindestmass Mühe drin ist? Der Sender heisst, wie sich ja nun tatsächlich rumgesprochen hat, “neo”. Klein geschrieben, finden die halt schick. Kriegt aber auch jeder hin. Dann das “lästern über Talkshow-Gäste im Anschluss an den Talk”, damit kann eigentlich nur “neo Paradise” gemeint sein, die Show mit Joko und Klaas und da sind die meisten Talks eher von einer Art Respekt dem Gast gegenüber beseelt. Ich hab ein paar da gesehen, da wurden nach dem Gast noch Späßchen über den gemacht, aber das waren vielleicht 3 von 60, oder so. Vielleicht meint er aber auch was Anderes.

UPDATE: Jemand auf Twitter wies mich darauf hin, das hiermit auch der Nachklapp aus “Roche und Böhmermann” gemeint sein kann, in dem sie nach der Sendung noch alleine in der Studiokulisse setzen und die vergangene Sendung, auch selbstkritisch, Revue passieren lassen. “Sein Fett weg” bekommt dort eigentlich nur, wer durch klassisch langweiliges rumgelaber in der Sendung eher negativ aufgefallen ist. Ansonsten ist diese Kleinigkeit eine große, kleine Idee. Zu der Sendung kommen wir aber gleich noch…

“…ausgesetzten Pseudo-Coolness der ZDF Neon-Magazinen, bei denen Tiltshift- und andere Filter mangelnde Inhalte regelmäßig überdecken”. Okay, wieder der Neon-Fehler, anscheinend weiß er wirklich nicht, wie der Sender heißt. Demnächst dann neue kritische Knüwer-Artikel über N25 und RTJ, SAT 2 und die ART. Ist ja egal wie die heißen. So ähnlich. Ich freu mich. Das “ausgesetzt” soll bestimmt “aufgesetzt” heißen, was nicht schlimm ist, Flüchtigkeitsfehler. Mein Blog ist voll davon. Aber bei jemandem der Kollegen jedes falsch gesetzte Komma krumm nimmt, hat das natürlich einen gewissen Unterhaltungswert. Das Format, das er hier beschreibt, soll sicher “Bambule” mit Sarah Kuttner sein (wie gesagt, ich kann immer nur spekulieren, was er meint…). Ein Magazin, das mit Sicherheit streitbar ist und Menschen über 35 oftmals bestimmt belanglos vorkommen kann. Vielleicht auch uninteressant. Aber Pseudo-Cool? Seriously? Und Inhalte überdecken? Sorry, das ist wirklich albern. Es mögen nicht seine Inhalte sein, aber Themen, die 30-somethings hierzulande bewegen als mangelnde Inhalte bezeichnen, das ist schon kackdreist. Naja. Nehmen wir aber an, er hat das nicht so gemeint und im Überschwang der Gefühle für die erlebte Ray Cokes Show so formuliert.

“…verglichen mit der demonstrativen Wurschtigkeit von „Roach und Böhmermann“ gegenüber ihren Gästen…”
ALTER! ROACH? Mann ey, mach mal deine Hausaufgaben! Du glaubst doch nicht das da eine Frau sitzt, die “Schabe” heißt und wenn das ein absichtlicher Diss gewesen sein soll, dann muss ich mir leider sofort den eigenen Schädel zertrümmern, weil ich das nicht fassen könnte. Abgesehen davon zeugt das ausmachen einer Haltung “demonstrativer Wurschtigkeit” gegenüber ihren Gästen davon, die Show vielleicht einmal 4 Minuten gesehen zu haben. Ist für Medienprofi Knüwer natürlich Zeit genug, sich ein Urteil zu bilden. Und dann schreiben wir noch schnell den Namen falsch, weil ist doch egal, der Scheiß. Findet er eh nicht gut, hat also gar kein Recht, richtig geschrieben zu werden. Ich könnte noch erwähnen, dass es sich bei “Roche und Böhmermann” um ein Format des Senders zdf.kultur handelt, aber das wäre wirklich zu viel an richtiger Information. Vermutlich heißt der Sender bei ihm auch anders. ZDF Kult oder so, keine Ahnung.

Er schreibt noch das diese Ray Cokes Show, die er da live gesehen hat und die eine Art Showcase für eine neue TV-Show sein soll, eine tolle Chance wäre “junge Musik außerhalb der Charts wieder im Fernsehen stattfinden zu lassen.”. Als er da war, traten Jupiter Jones und die Donots (ich LIIIIIIIIIIIIIIIIIEBE die Jungs!!!!) auf. Muss ich jetzt nachgucken, wo die in den Charts stehen? Ne, oder? Auf jeden Fall nicht außerhalb.

Knüwer schliesst mit dem Fazit, dass diese Live-Anarchie absolut sehenswert sei. Und ich kann mir auch gut vorstellen, dass ein wiederaufgedrehter Cokes live eine Offenbarung ist und sei es nur der alten Zeiten wegen. Egal aus welchem Grund: super Typ, super Show, her damit. Ach so, das ist gar nicht das Fazit von Knüwers Artikel? Da kommt noch was?

Hinter mir saß in Köln eine Viva-Moderatorin. Je länger der Abend wurde, desto trauriger wirkte sie. Fast hatte ich den Eindruck, sie erkannte: So gut wie Ray Cokes wird sie nie werden.

In Wirklichkeit hat sie wohl gedacht: “Was dreht sich der komische Typ die ganze Zeit zu mir um?”

Disclosure (hier stand vorher “Disclaimer”, aber das ist der völlig falsche Begriff, worauf mich ix hinwies…): Nicht das am Ende jemand behauptet, ich hätte das geheim (huhuhuuuuuu) gehalten: Ich bin mit Klaas und Sarah im gleichen Management und ich hab mit beiden auch schon Mal ein Bier getrunken. Und nehme mir trotzdem raus ihre Sendungen, die sie für neo machen - für die ich auch eine Sendung machte - sehr, sehr gut zu finden. Ich kenne auch die Redaktion der Sendungen, weil ich mit denen auch zusammengearbeitet habe. Disclaimer osure (s.o.) over and out.

P.S.: Noch ein Update: Er hat jetzt alle faktischen Fehler, auf die ich ihn hier hingewiesen hab, gestrichen oder geändert. Aus “Neon” wurde “Neo” und Jürgen von der Lippe taucht auch nicht mehr auf. Normalerweise bedankt man sich ja auch, wenn einen jemand auf eigene Fehler hinweist, gerade in Texten. Dann ändert man die und schreibt dazu, darauf hingewiesen zu sein. So machen wir das seit Jahren in diesem Internet. Muss er ja nicht wissen, er ist ja erst ganz neu hier :) Hab ich gern gemacht, Thomas, nix für ungut.



Angezogen einschlafen

Für den “Literaturwettbewerb Prenzlauer Berg” hab ich eine Kurzgeschichte geschrieben (Vorgabe war “Wildnis in der Stadt”). Da ich es damit nicht unter die 10 Nominierten geschafft habe, pack ich sie nun hier rein, denn ich mag die ganz gerne und das wär irgendwie doof, wenn die nie jemand zu Gesicht bekäme. Viel Spaß!

Angezogen einschlafen

Das erste Mal ist er mir begegnet, als ich auf den Winter gewartet habe: Nachts stieg ich aus der Tram und da lief er vor mir über die zweispurige Hauptverkehrsader, auf der gerade nicht viel los war. Ein echter Fuchs. Mitten in der Stadt. Eigentlich hab ich mir die immer röter vorgestellt. Der hier sah fast weiß aus. Oder grau. Auf jeden Fall nicht rot. Kein Bisschen. Er rannte vor mir in die Seitenstrasse und ich sah ihn nicht mehr. Ich war ganz euphorisiert. Ein Fuchs! Sofort überlegte ich, wo und wie der wohl lebt und ob den schon viele andere gesehen haben.

Ich malte mir aus, dass er in dem kleinen Mini-Park wohnt, gleich gegenüber. Zwischen Hauptstrasse und Plattenbausiedlung. Wie der da im Gebüsch sein Basislager hat. Ich hab überhaupt keine Ahnung, wie ein Fuchs so lebt. Bauen die vielleicht Nester? Ich lach mich selber aus. Nester! Was kommt als nächstes? Stell ich mir jetzt noch vor, wie der Fuchs Eier legt? Er wird da schon irgendwie leben. Fuchsbau! Ja, bei dem Wort klingelts. Das hab ich schon mal gehört. Ist wahrscheinlich so eine Mulde in der Erde, wie eigentlich immer bei Tieren. Ich hab als Kind bei uns im Naherholungsgebiet immer Maulwurfshügel umgegraben und zerwühlt, aber nicht ein einziges Mal einen Gang unter dem Erdhaufen entdeckt. Zumindest keinen, den man direkt als solchen erkennen konnte. Diese Enttäuschung, das Tiere dann in freier Wildbahn eben doch nicht so leben, wie man sich das mit Hilfe von Büchern und Zeichentrickserien zusammengereimt hat, sitzt immer noch tief. Deswegen kann ich mir nicht vorstellen, das der Fuchsbau was tolles ist.

Aber der Fuchs war toll. Ich stellte mir vor, wie der durch die Strassen zieht, immer auf der Suche nach etwas essbarem. Was fressen Füchse denn so? Mäuse bestimmt, oder? Vielleicht auch Vögel? Das kann ja wirklich alles mögliche sein. Ich stelle mir vor, wie er zwischen den parkenden Autos entlangschleicht und überrascht wird von einem Anwohner, der gerade mit seinem Hund Gassi geht. Das find ich auch so toll an einem Fuchs, das er ja so etwas wie ein „freier Hund“ ist. Der Anwohner aber würde sich tierisch aufregen über den Fuchs. Er hielte das Tier für gefährlich. Weil er es nicht einschätzen könnte. Und weil es frei ist. Es könnte Tollwut haben und seinen Hund beißen und anstecken. Tollwut. Auch so ein Mysterium meiner Kindheit. Ich erinnere mich, das in einem kleinen Park regelmäßig Schilder mit „Achtung, Tollwut!“ aufgehängt waren, aber ich habe das nie verstanden. War das jetzt für Menschen gefährlich? Oder nur für Tiere? Und was war das eigentlich genau? Das klang gleichermaßen bedrohlich, aber auch irgendwie cool. Der hatte direkt so eine Kraft, der Begriff.

Der Mann würde Angst vor dem Fuchs haben. Angst um sein Haustier. Er würde seinen Hund fest an der Leine ziehen und schnell mit ihm weggehen. Weit weg von dem wilden und freien Tier. Dann würde er eine wütende Email an die Bezirksverwaltung schreiben, wie es denn möglich sei, das hier solche Tiere frei herumlaufen. Und die Bezirksverwaltung würde die Stirn runzeln und überlegen, was zu tun sei. Dann schickte sie einen Tierfänger los, der mehrere Abende erfolglos auf der Lauer liegen würde. Bevor sie dann zu drastischeren Maßnahmen greifen müsste und Fallen aufstellte. Und dann nach zwei Wochen feierlich verkündete, das der Fuchs nun gefangen und die Strassen wieder sicher seien.

Der Mann würde sich freuen. Er wäre glücklich sein Recht durchgesetzt zu haben und wieder in Ruhe mit seinem Hund seine nächtliche Runde drehen zu können, ohne Angst haben zu müssen, das aus irgendeiner Parklücke irgendein Tier schießt und ihn oder sein Haustier überfällt. Der Fuchs aber würde in einem Wald, irgendwo vor den Toren der Stadt ausgesetzt. Die neue Umgebung wäre für ihn fremd und gefährlich. Gestresst würde er Tag und Nacht durch das Unterholz rennen. Um dann eines diesigen Morgens auf einer Bundesstrasse, die er hektisch passierte, von einem Lastwagen erfasst zu werden. Der Fuchs wäre auf der Stelle tot. Und der Fahrer hätte es gar nicht mitbekommen.

Ich merkte, wie ich wahnsinnig wütend wurde. Auf den Igel, auf den Gassigeher, auf das Bezirksamt, auf den Lastwagenfahrer. Und auf mich. Weil ich mir so eine Geschichte so gut vorstellen konnte, das ich sie mir am Ende sogar selber glaubte.

Ein paar Tage später. Es war spät am Abend. Und noch lange nicht so kalt, wie es eigentlich sein sollte. Ich zog mich extra warm an und schwitzte ab dem Moment, in dem ich vor die Tür ging. Dieses Zwiebelprinzip war noch nie was für mich, weil ich gar nicht weiß, ab welchem Moment ich das einsetzen muss. So kommt es, das ich es im Vorwinter immer viel zu warm hab. Ich ließ die Jacke einfach auf und die kühle Luft an mich ziehen. Ich freute mich auf die bevorstehende Party. Seitdem ich hier lebte, ging ich viel zu selten aus. Dieser Abend sollte eine dieser Ausnahmen sein. Und ich wusste: Es würde lang werden. Und feucht. Und fröhlich. Ich würde nicht gehen wollen, ehe ich nicht sturzbetrunken wäre.

Nachdem ich in einem etwas ekeligen Imbiss eine Stärkung zu mir genommen hatte, ging ich die Strasse hinunter. Ein kleiner Verdauungsspaziergang. Wenn ich gleich abbiegen würde, wäre ich vor dem Lokal, in dem die Feier stattfindet. Und da schoss er auf den Bürgersteig, drehte sich ein paar mal vor meinen Füssen und war ebenso schnell wieder verschwunden. Über die Strasse, über die Gleise der Straßenbahn, in eine Seitenstrasse hinein und weg war er.

Ich kann bis heute Glenn Close und Meryl Streep nicht auseinanderhalten, aber ich bin mir sicher: Das war derselbe Fuchs. Und ich hatte so das Gefühl, das er mich auch wiedererkannt hat oder mir etwas sagen wollte. Das klang wahnsinnig esoterisch und ich wollte mich gerne selber ohrfeigen, für diesen Gedanken, aber ich wurde ihn nicht los. Irgendwas war da zwischen uns. Ich konnte auch seine Fellfarbe immer noch nicht definieren. Sie sah einfach nicht nach Fuchs aus. Aber angenommen, er wollte mir etwas sagen: Dann was? Was versuchte mir ein wildes Tier, mitten in der Großstadt mitzuteilen? Ich würde unbedingt googlen müssen, was es nun mit dieser Tollwut auf sich hat. Vielleicht ist die ja doch gefährlich für die Menschen.

Ich verstand immer noch nicht, woher meine Faszination für das Tier kam. Tief wühlte ich in meinen Erinnerungen. Fuchs. Meine Mutter heißt so mit Mädchennamen. Deswegen musste ich das Tier ja noch nicht gut finden. Aber die hat mir meistens zum einschlafen vorgelesen. Unter anderem auch den „kleinen Prinz“. Und hat der da nicht auch so eine Begegnung mit einem verführerisch-bösen Fuchs? Mir kamen kleine Bröckchen Kotze hoch, denn das Buch ist für mich eines der schlimmsten, das es gibt. Ich habe sogar schon damit geliebäugelt einen Verein namens „Das Wesentliche IST sichtbar“ zu gründen. Überall Tassen, Postkarten, Memory-Spiele mit dieser Grützfigur. Die ist die Diddelmaus des Bildungsbürgertums. Und dann noch erwachsene Menschen die „Man sieht nur mit dem Herzen gut…“-Zitate für eine gute und clevere Lebensphilosophie halten. Schlimm. Die kann man doch nicht ernst nehmen.

Ich war wahnsinnig wütend auf den kleinen Prinz. Und auf Antoine de Saint-Exupéry. Und auf mich, weil ich wusste, wie der geschrieben wird, ohne nachgucken zu müssen.

Dezember. Der Stressmonat. Von nun an sollte sich alles nur noch um Geschenke drehen. Zum 1. mussten diverse Adventskalender fertig sein. Dann war Nikolaus und schließlich Weihnachten. Meine Familie kam in die Stadt, wir wollten ein großes Familienfest feiern. Das bedeutete aber auch: Noch mehr Geschenke als sonst besorgen. Ich wusste wirklich nicht, wann ich diesen Monat besonders zur Ruhe kommen würde. Vermutlich gar nicht. Dazu kamen ja auch noch die ganzen Weihnachtsfeiern, zu denen man eingeladen war. Die machten zwar total Spaß, aber danach fiel man auch erstmal wieder einen ganzen Tag aus.

Daran dachte ich nicht mehr, als ich nach Hause wankte. Wir haben unsere erfolgreiche Zusammenarbeit in einem Restaurant gefeiert, in dem es fantastisches Fleisch gab. Und ganz wunderbaren Rotwein. Wir saßen an einer langen Tafel und nach dem Essen, haben manche angefangen, sich umzusetzen. Andere gingen zum rauchen vor die Tür. Man saß in Grüppchen um den Tisch verteilt, tauschte Neuigkeiten aus, trank noch einen Espresso, noch einen Wein, noch ein Wasser, vielleicht noch einen Wein. Es wurde gelacht, es wurde diskutiert. Und irgendwann, als die Kellner durch demonstratives Gähnen andeuteten, das sie gerne schließen würden, war eine weitere Weihnachtsfeier beendet. Und ich lief nach Hause, mit einem letzten, vollen Weinglas in der Hand, das ich seltsam geschickt aus dem Laden geschmuggelt hatte. Ich mag es durch die nächtlichen, kalten und vorweihnachtlichen Strassen zu laufen. Tief durchzuatmen, auch wenn ich ein wenig Schlagseite habe. Meine Schritte waren das einzige Geräusch, das ich in dem Moment hörte. Ich musste ein wenig über mich selbst kichern, weil mich die weinselige Albernheit erwischt hat. Das liebe ich am Meisten. Wenn man grundlos kichert. Kurz blieb ich stehen um durchzuatmen und meinen Weg in Ruhe fortzusetzen. Und da stand er vor mir. Einfach so. Aus dem Nichts.

„Was willst du eigentlich von mir?“, fragte ich ihn, ein wenig lallend. Er guckte mich an, mit diesem komischen Blick, den Tiere haben. Dieser Blick, bei dem man immer versucht ist, dem Tier gewisse Gedanken zuzutrauen. Gedanken, die vielleicht eher das eigene Empfinden spiegeln.
„Jetzt sag schon! Warum verfolgst du mich?“ Der Fuchs zuckte kurz mit dem Kopf. Ich hatte jetzt immerhin genug Zeit, mir sein Fell genau anzugucken. Das war Grau. Silbergrau. Und total dreckig. Gefiel mir nicht, gefiel mir überhaupt nicht.
„Sag! Du nervst mich langsam. Hau ab!“, sagte ich. Wenig überzeugend. Komisch eigentlich, das mich das Tier so aggressiv gemacht hat. Ich rief Sachen wie „Kusch!“ oder machte Geräusche von denen ich glaubte, das Tiere sie unheimlich finden könnten. Aber der Fuchs rührte sich nicht. Er blieb einfach stehen und sah mich an. Vielleicht sollte ich die Straßenseite wechseln. Das Tier ließ mich offensichtlich nicht vorbei.

Ich wurde wahnsinnig wütend auf den Fuchs und warf mein Weinglas nach ihm. Es zersprang auf dem Boden, spritzte den Fuchs mit Rotwein voll. Das Tier rannte weg. „Höret her, Bürger! Hier läuft ab heute ein rot gesprenkelter Fuchs durch die Strassen.“, hörte ich mich hochoffiziell sagen. Aus meinem Kichern wurde ein Lachen und glücklich ging ich nach Hause und ließ mich auf mein Bett fallen, wo ich noch angezogen sofort einschlief.



Wie mich eine Papp-Spielhölle mal zum weinen brachte.

Scheiss doch auf alle Diskussionen, auf den ganzen Hass, mit dem sich alle gerade im Internet gegenseitig bewerfen. Vergesst das alles. Denn es gibt Geschichten, bei denen ist man glücklich das es das gibt, dieses Netz. Wo sich Fremde im nullkommanichts miteinander vernetzen können, um etwas Gutes zu schaffen. Um einen wunderschönen Moment zu erzeugen, der so nie wieder kommt. Und der durch nichts in der Welt aufgehalten werden kann. Und der, ist er einmal passiert, auch nie wieder weggenommen werden kann.

Ich glaube das ein Film wie dieser Tausend mal mehr erreicht, als jeder aufklärende Film. Ich glaube das die Magie, die dahinter steckt, mehr Frieden stiftet, als alles andere. Das jeder, der das sieht, so berührt ist (selbst wenn er es nicht zugibt), das er dieses Gefühl weiter mit sich rumträgt und im besten Falle auch weitergibt. Ich glaube sehr an die positive Wirkung guter Taten. Nichts finde ich inspirierender, als Menschen die andere Menschen gerne glücklich machen. Danke für diese wundervollen 10 Minuten, von denen sich jede Sekunde lohnt. Danke Internet, dass du so tolle Sachen machst. Deswegen lieb ich dich so, nicht wegen dem anderen Scheiss. Genug gequatscht, sofort gucken:


[VimeoDirektCainesSpielhalle]