Ich bin ja gerne Kunde. Aber manchmal muss ich mich schon fragen, ob man mich auch gerne als Kunde hat…
Es war so: Ich liebäugel ja mit der Anschaffung eines neuen Computers. Nun wollen mir alle weiss machen, ich solle mir ein MacBook holen, was ein Plan ist dem ich auch generell zustimmen würde, nachdem ich so schlechte Erfahrungen mit meinem Acer-Notebook gemacht habe. Aber Macs sind halt immernoch in der beliebten “unbezahlbar”-Region angesiedelt, weswegen das erstmal nix wird. Nun habe ich aber in einem Prospekt einen schönen Vaio gesehen und die sind ja eigentlich, von der Architektur her, auch relativ sicher zusammengeschraubt. Also wollte ich mir das Angebot mal aus der nächsten Nähe ansehen und bin zu dem Laden gegangen, der wie der grosse Planet mit den Ringen heisst. Am Alex. Eigentlich eine doofe Adresse, weil man da immer in den Keller muss und sich so ein bischen doof vorkommt. Ausserdem wirkt die Computerabteilung da immer so ein bischen abgewichst, aber was solls, nach dem Teil könnte ich ja mal gucken.
Es war nicht da. Zumindest ich hab es nicht gefunden. Also wartete ich auf den offensichtlich der Abteilung zugehörigen Verkäufer, der gerade eine Kundin beriet. Naja, wirklich beraten hat er sie auch nicht. Sie kam mit ihrem Computer vorbei und fragte ihn um Rat. Dabei hat sie den Computer nicht bei ihm gekauft, nichtmal bei der Kette. Geduldig hat er sich trotzdem alle ihre Probleme angehört und vorführen lassen. Um ihr nach 20 Minuten zu sagen, das er ihr nicht helfen könne. Er gab ihr noch ein paar Tips, dann ging sie wieder. Übrigens erinnerte mich das an ein Erlebnis das ich in einer anderen Elektronikmarktriesenkette hatte. Eine Frau brachte ein Notebook zurück, das sie auch da gekauft hatte, mit der Begründung es sei jetzt schon, nach nur einer Woche, kaputt. Der Verkäufer, der sich wirklich gut auskannte, stand vor einem Rätsel und musste ins Bios. Er fragte die Kundin ob sie irgendwas gemacht hätte. Sie sagte, sie hätte nichts gemacht. Aber ein Bekannter hätte ihr ein paar Sachen installiert. Damit alles besser läuft. Und dieser Bekannte würde sich echt gut auskennen. Nun fand der Verkäufer heraus das der “Bekannte” ihr nicht nur sämtliche Anwendersoftware in gecrackten Versionen installiert hatte, sondern ich auch noch ein fröhlich-buntes Potpurri sämtlicher erhaltbarer Viren direkt mit aufgespielt hat. Sie echauffierte sich. Die Software sei nicht illegal, sonst hätte ihr Bekannter ihr das ja wohl nicht aufgespielt. Und der hätte voll Ahnung, wieso sollte er Viren aufspielen. Der Verkäufer veröor langsam die Geduld und meinte, er könne der Frau nicht helfen, weil die Software illegal sei. Sie bekam einen hysterischen Anfall und wollte das ihr Computer wieder läuft. Der Verkäufer lachte, ich lachte auch. Die Frau verliess wutschnaubend den Laden. Und ich fragte mich, wie doof manche Menschen eigentlich sein können. Mein Mitleid mit Verkäufern, die sowas wohl öfter erleben müssen.
Mein Mitleid mit Verkäufern hat aber einen ganz starken Dämpfer bekommen, als ich nun in diesem Laden am Alex stand und nch dem Vaio fragte. Das sei schon komplett raus, teilte er mir mit. Na gut, dachte ich, dann sollte ich vielleicht wirklich auf ein MacBook sparen. Da stand noch ein anderes Notebook, ähnliche Preisklasse, das ich aber auch ganz interessant fand. Der Verkäufer zeigte es mir mit den Worten: “Hier, das ist auch ganz gut.”. Na gut, dann lass ich es mir mal zeigen, dachte ich. Und erwartete technische Details, Daten, die nicht auf dem Schildchen standen, Infos mit denen man was anfangen kann, einen Wortschwall der es mir unmöglich machte, das Teil nicht zu kaufen. Stattdessen zeigte er kurz überhalb des Monitors und unterhalb der Tastatur und sagte:
“Hier. Mit Kamera und mit eingebautem Mikro.”
Ungläubig schaute ich ihn an, lächelte ein wenig und wartete das er anfing zu lachen. Ich meine, im Ernst: Er preist mir die unwichtigsten Features an? Als wenn ich sagen würde: Scheiss auf die technischen Features, aber endlich hab ich ne Digitalkamera mit scheiss Auflösung und scheisse zu bedienen, dafür aber mit Mikrofon? Gut, etwas sperrig mag sie sein für ne Digicam, dafür kann ich die Bilder aber bestimmt direkt mit so lustigen Rahmen verzieren? Hallo?
Er lachte nicht. Ich wollte ihm noch eine Chance geben, das “richtige” Verkaufsgespräch zu beginnen. Deswegen fragte ich (und auch weil ich es tatsächlich wissen wollte): “Hat der denn auch nen FireWire -Anschluss?”
Er guckte an dem Gerät herum und sagte: “Ja…äh…ich glaube hier…warte mal…”. In der Zeit die er gesucht hat, hatte ich die Buchse schon längst gefunden. Wollte ihm den Spass aber nicht verderben und liess ihn sie auch finden. “Ja hier.” Ich las mir die Spezifikationen auf dem Schildchen nochmal durch und das Teil war wirklich ok. Nicht der Oberknaller aber schon im oberen Drittel. Ich stand da also und überlegte und hatte schon eine gewisse innere Bereitschaft, mich dafür zu entscheiden. Der Verkäufer zog einen Flyer aus der Tasche. “Hier, und das nimmste dann noch dazu.”, sagte er. Die Sponsoren Berlins neuester Arena boten eine Mobile Flatrate mit USB-Gelöt. “Nein Danke, das brauch ich wirklich nicht.”, sagte ich. Und da geschah das Wunder: Seine Verkäufer-Gene wurden geweckt. das wäre doch super, so ein Teil, WLANS in Cafés und so, da würde mein Computer im Nu ausspioniert, malte er in den schlimmsten Schreckensvisionen-Farben an die Wand, und ausserdem hätte ich nur so ne kurze Kündigungsfrist und weil ich es wär, würde er mir auch die ersten zwei Monate Grundgebühr streichen können, so als Deal unter uns. Erstaut sah ich ihn an. Mr. Lethargie persönlich war plötzlich Mr. Salesman. Als ich nen Computer wollte, hat er den Mund für 5 Pfennig nicht aufbekommen und jetzt, wo es um so nen scheiss 2000-Jahres-Vertrag geht, den ich eh nicht will, da kommt er rüber als wenn er Sabbelwasser getrunken hätte. Ich ging langsam rückwärts, bedankte mich, lächelte krampfhaft hinterher und verliess dann schnell die Abteilung.
Lieber Saturn am Alex: Vielleicht ist das doch nicht die richtige Strategie, Verkäufer mit Prämien anzuheizen, wenn die dann nämlich nichts anderes mehr ernsthaft verkaufen wollen, oder? Das war echt Spookie. So “Return of the living mobile Flatrate-Verkäufer”-mässig. George A. Romero, bitte übernehmen sie.
P.S.: Es kann natürlich sein, das sich jemand aus der Mobilfunk-Abteilung in die Notebook-Abteilung geschlichen hat, um da Flatrates an den Mann zu bringen und der sich nur rudimentär mit den dort feilgebotenen Computern auskennt…aber das wäre ja NOCH gruseliger!