Wenn schon falsch, dann richtig!

Ich wollte hier eine ganz originelle Einleitung schreiben, so mit feinen Spitzen. Aber das ist eigentlich viel zu albern. Thomas Knüwer, ein Journalist/Blogger, der immer richtig drauf haut (oftmals zu Recht) wenn Kollegen von ihm irgendwo Murks schreiben, weil sie sich zu fein waren, mal 20 Sekunden zu googlen, macht in seinen eigenen Artikeln oftmals genug die Fehler, die er den anderen um die Ohren hauen würde.

Besonders doof ist das, wenn man einen Post schreibt über etwas, was einen begeistert hat, weil man dann die Begeisterung, die man ja eigentlich versucht zu teilen, total schmälert. Denn der Gedanke ist ja: Wenn er nichtmal die einfachsten Sachen richtig schreiben kann, wie soll er dann erkennen können ob etwas Qualität hat?

Deswegen jetzt mal ein paar kleine Hinweise zu seinem aktuellen Text über Ray Cokes live, der einem Fernsehliebhaber wie mir große Schmerzen bereitet. Also der Text, nicht der Cokes. Den würde ich gerne wieder auf dem Bildschirm sehen.

Und, nehmen wir mal den Grundtenor von Knüwers Lobrede, das würde sich wohl auch lohnen. Denn Ray Cokes scheint zur alten Form zurückgefunden zu haben und so ausser Rand und Band zu sein, wie damals zu seligen MTV Zeiten. Knüwer schreibt:

Den Jüngeren unter den Lesern muss man diesen Namen vielleicht erklären. In den Zeiten, da MTV das Fernsehen und die Ästhetik des Bewegtbildes längst verändert hatte, war Cokes mit seiner abendlichen Live-Talkshow „Most Wanted“ von 1992 bis 1996 die Hoffnung, dass dieses veränderte Fernsehen noch einmal mutiert, mutiger wird und schräger, mit wackelnder Kamera deren Bediener „Rob the camera man“ ganz selbstverständlich ein handelnde Person war – Jürgen von der Lippe würde später die ARD mit diesem Konzept bekannt machen. Zwischenzeitlich war Cokes dann noch auf Arte zu finden – das war’s.

Gut, das überhebliche “Den Jüngeren..”-Blabla sei mal geschenkt. An diesem “Gag” haben sich schon andere die Finger verbrannt, ich glaube ich hab das sogar schon selber mal auf meinem Blog irgendwo geschrieben. Würd ich aber nicht mehr tun. Egal. Veränderte Ästhetik und so geht auch alles klar. Und dann der erste grobe Schnitzer: Jürgen von der Lippe würde die ARD mit dem Konzept des “ich rede mit meinem Kameramann, weil er mein Kumpel ist” bekannt machen. “Später”. Also nach Ray Cokes.

Jürgen von der Lippes Sendung “So isses” bot unter Anderem ein großes Wiedererkennungsmerkmal: Die Gespräche von von der Lippe mit seinem Kameramann Günni. In der Show, die 1984 gestartet ist und die 1989 aufhörte. Drei Jahre bevor “MTVs Most Wanted” überhaupt auf Sendung ging. (Um das noch zuende zu rechnen: Cokes kam 1987 zu MTV, da hat von der Lippe schon drei Jahre mit seinem Kameramann Günni im Fernsehen geredet). Muss man nicht wissen, die genauen Daten musste ich jetzt auch googlen. Aber wenn man Fernsehen mag und geguckt hat, dann sollte einen dieser Vergleich schon stutzig machen. Vor allem: Vollkommen ohne Not. Er hätte den ja gar nicht machen müssen, es kam ja einfach von ihm selbst. Ja klar, der Versuch nochmal das deutsche TV als lahmarschig und schnarchig und uninnovativ darzustellen, um das eigene Stück zu erhöhen. Wenn das aber dann so kapital falsch ist, stürzt das Stück eben auch genauso schnell wieder ab.

Dann kommt ein längerer Teil, in dem er von der Show, die er vorgestern live mit Ray Cokes in Köln sah, schwärmt, wie ein kleiner Schuljunge. Das ist toll, das ist ehrlich und bis auf ein paar Ausreisser schafft er es auch (zum Glück!) nicht, die ganze Zeit die Coolness-Maske aufzubehalten, die ihn zu permanenten (und langweiligen) Spitzen gegen das ach so schlimme, deutsche Fernsehen treibt. Da spricht ehrliche, aufrichtige Begeisterung über das erlebte. Das ist schön.

Und dann kommt der Absatz aus der Hölle:

Derzeit gibt es vor allem im öffentlich-rechtlichen System viele Versuche innovative TV-Formate auszuprobieren. Während sich der Kontrollverlust bei ZDF Neon auf das Lästern über Talkshow-Gäste im Anschluss an den Talk beschränkt bedeutet er für Cokes die Übergabe eines Interviews an zufällig ausgewählte Zuschauer. Verglichen mit der augesetzten Pseudo-Coolness der ZDF Neon-Magazinen, bei denen Tiltshift- und andere Filter mangelnde Inhalte regelmäßig überdecken, verglichen mit der demonstrativen Wurschtigkeit von „Roach und Böhmermann“ gegenüber ihren Gästen – da wirkt Ray Cokes noch immer wie der personifizierte Antichrist mit den vier Kameramännern der Apokalypse, die über das Land kommen um zu zeigen, wie fantastisch unterhaltend Fernsehen sein kann.

ZDF Neon“? Seriously? So gelangweilt vom schreiben, dass nicht mal mehr ein Mindestmass Mühe drin ist? Der Sender heisst, wie sich ja nun tatsächlich rumgesprochen hat, “neo”. Klein geschrieben, finden die halt schick. Kriegt aber auch jeder hin. Dann das “lästern über Talkshow-Gäste im Anschluss an den Talk”, damit kann eigentlich nur “neo Paradise” gemeint sein, die Show mit Joko und Klaas und da sind die meisten Talks eher von einer Art Respekt dem Gast gegenüber beseelt. Ich hab ein paar da gesehen, da wurden nach dem Gast noch Späßchen über den gemacht, aber das waren vielleicht 3 von 60, oder so. Vielleicht meint er aber auch was Anderes.

UPDATE: Jemand auf Twitter wies mich darauf hin, das hiermit auch der Nachklapp aus “Roche und Böhmermann” gemeint sein kann, in dem sie nach der Sendung noch alleine in der Studiokulisse setzen und die vergangene Sendung, auch selbstkritisch, Revue passieren lassen. “Sein Fett weg” bekommt dort eigentlich nur, wer durch klassisch langweiliges rumgelaber in der Sendung eher negativ aufgefallen ist. Ansonsten ist diese Kleinigkeit eine große, kleine Idee. Zu der Sendung kommen wir aber gleich noch…

“…ausgesetzten Pseudo-Coolness der ZDF Neon-Magazinen, bei denen Tiltshift- und andere Filter mangelnde Inhalte regelmäßig überdecken”. Okay, wieder der Neon-Fehler, anscheinend weiß er wirklich nicht, wie der Sender heißt. Demnächst dann neue kritische Knüwer-Artikel über N25 und RTJ, SAT 2 und die ART. Ist ja egal wie die heißen. So ähnlich. Ich freu mich. Das “ausgesetzt” soll bestimmt “aufgesetzt” heißen, was nicht schlimm ist, Flüchtigkeitsfehler. Mein Blog ist voll davon. Aber bei jemandem der Kollegen jedes falsch gesetzte Komma krumm nimmt, hat das natürlich einen gewissen Unterhaltungswert. Das Format, das er hier beschreibt, soll sicher “Bambule” mit Sarah Kuttner sein (wie gesagt, ich kann immer nur spekulieren, was er meint…). Ein Magazin, das mit Sicherheit streitbar ist und Menschen über 35 oftmals bestimmt belanglos vorkommen kann. Vielleicht auch uninteressant. Aber Pseudo-Cool? Seriously? Und Inhalte überdecken? Sorry, das ist wirklich albern. Es mögen nicht seine Inhalte sein, aber Themen, die 30-somethings hierzulande bewegen als mangelnde Inhalte bezeichnen, das ist schon kackdreist. Naja. Nehmen wir aber an, er hat das nicht so gemeint und im Überschwang der Gefühle für die erlebte Ray Cokes Show so formuliert.

“…verglichen mit der demonstrativen Wurschtigkeit von „Roach und Böhmermann“ gegenüber ihren Gästen…”
ALTER! ROACH? Mann ey, mach mal deine Hausaufgaben! Du glaubst doch nicht das da eine Frau sitzt, die “Schabe” heißt und wenn das ein absichtlicher Diss gewesen sein soll, dann muss ich mir leider sofort den eigenen Schädel zertrümmern, weil ich das nicht fassen könnte. Abgesehen davon zeugt das ausmachen einer Haltung “demonstrativer Wurschtigkeit” gegenüber ihren Gästen davon, die Show vielleicht einmal 4 Minuten gesehen zu haben. Ist für Medienprofi Knüwer natürlich Zeit genug, sich ein Urteil zu bilden. Und dann schreiben wir noch schnell den Namen falsch, weil ist doch egal, der Scheiß. Findet er eh nicht gut, hat also gar kein Recht, richtig geschrieben zu werden. Ich könnte noch erwähnen, dass es sich bei “Roche und Böhmermann” um ein Format des Senders zdf.kultur handelt, aber das wäre wirklich zu viel an richtiger Information. Vermutlich heißt der Sender bei ihm auch anders. ZDF Kult oder so, keine Ahnung.

Er schreibt noch das diese Ray Cokes Show, die er da live gesehen hat und die eine Art Showcase für eine neue TV-Show sein soll, eine tolle Chance wäre “junge Musik außerhalb der Charts wieder im Fernsehen stattfinden zu lassen.”. Als er da war, traten Jupiter Jones und die Donots (ich LIIIIIIIIIIIIIIIIIEBE die Jungs!!!!) auf. Muss ich jetzt nachgucken, wo die in den Charts stehen? Ne, oder? Auf jeden Fall nicht außerhalb.

Knüwer schliesst mit dem Fazit, dass diese Live-Anarchie absolut sehenswert sei. Und ich kann mir auch gut vorstellen, dass ein wiederaufgedrehter Cokes live eine Offenbarung ist und sei es nur der alten Zeiten wegen. Egal aus welchem Grund: super Typ, super Show, her damit. Ach so, das ist gar nicht das Fazit von Knüwers Artikel? Da kommt noch was?

Hinter mir saß in Köln eine Viva-Moderatorin. Je länger der Abend wurde, desto trauriger wirkte sie. Fast hatte ich den Eindruck, sie erkannte: So gut wie Ray Cokes wird sie nie werden.

In Wirklichkeit hat sie wohl gedacht: “Was dreht sich der komische Typ die ganze Zeit zu mir um?”

Disclosure (hier stand vorher “Disclaimer”, aber das ist der völlig falsche Begriff, worauf mich ix hinwies…): Nicht das am Ende jemand behauptet, ich hätte das geheim (huhuhuuuuuu) gehalten: Ich bin mit Klaas und Sarah im gleichen Management und ich hab mit beiden auch schon Mal ein Bier getrunken. Und nehme mir trotzdem raus ihre Sendungen, die sie für neo machen - für die ich auch eine Sendung machte - sehr, sehr gut zu finden. Ich kenne auch die Redaktion der Sendungen, weil ich mit denen auch zusammengearbeitet habe. Disclaimer osure (s.o.) over and out.

P.S.: Noch ein Update: Er hat jetzt alle faktischen Fehler, auf die ich ihn hier hingewiesen hab, gestrichen oder geändert. Aus “Neon” wurde “Neo” und Jürgen von der Lippe taucht auch nicht mehr auf. Normalerweise bedankt man sich ja auch, wenn einen jemand auf eigene Fehler hinweist, gerade in Texten. Dann ändert man die und schreibt dazu, darauf hingewiesen zu sein. So machen wir das seit Jahren in diesem Internet. Muss er ja nicht wissen, er ist ja erst ganz neu hier :) Hab ich gern gemacht, Thomas, nix für ungut.



Undercover Boss und das Problem deutscher Kniesbüggel

Gestern Abend hatte die deutsche Version von “Undercover Boss” auf RTL Premiere und hat zu Beginn gleich mal einen Quotensieg hingelegt. So weit, so gut. Und vor allem: So selten, denn “Undercover Boss” kam nicht nur beim Publikum gut an (oder hat zumindest sein Interesse geweckt), sondern war im Vorfeld auch noch ein ziemlicher Kritikerliebling: Ansonsten eher ein Garant für äusserst schlechte Quoten. Umso erfreulicher, das es eben auch noch die Fälle gibt, in denen beides stimmt: Zuspruch und Kritik.

Zur Sendung selbst: “Undercover Boss” ist ein britisches Format, das ebenfalls ultraerfolgreich nach Amerika exportiert wurde. In der Show geht es darum, das der Chef eines möglichst großen Unternehmens mit möglichst vielen Filialen, einmal für eine Woche aus seinem Büro rauskommt und verkleidet, mit anderer Identität getarnt, die ganzen Jobs macht, die seine Firma täglich am Laufen halten. Um am eigenen Leib zu merken, wie es ist da zu arbeiten, welche Entscheidungen aus der Chefetage vielleicht an den falschen Ecken und Enden gespart waren und wie die allgemeine Zufriedenhait ist, für die Firma zu arbeiten.

Nun ist das ja gerade in Amerika ein dankbares Format, denn man weiß ja um die Identifikation der dortigen Arbeiter mit ihrem Arbeitgeber. Man sehe sich nur mal die morgendliche Mitarbeitermotivation in einem Wal-Mart an, die, als sie hierzulande praktiziert wurde, eher befremden und Angst vor “sektenähnlichem Verhalten” geweckt hat. Die deutschen wollen sich eben nicht unbedingt mit ihrem Arbeitsplatz indetifizieren, sondern “Tisch und Bett” klar trennen. Geht ja auch klar, macht es aber für die Sendung schon ein bisschen schwieriger. Und das sah man der ersten Folge gestern Abend auch an:

Begleitet wurde der “Geschäftsleiter” (was ist eigentlich der Unterschied zwischen Geschäftsleiter und Geschäftsführer?) der Firma Eismann. Das sind die, die immer die Tiefkühlkost an die Tür bringen, nach Bestellung. So wie Bo-Frost. Gabs bei uns in der Siedlung damals auch immer, scheint sich ja schon lange zu halten, das Prinzip. Warum nicht? Der Boss war auch gut ausgesucht: Alt genug um “bossy” zu wirken, jung genung um nicht alt zu wirken. Ausserdem sympathisch, konnte gut reden und war sich für nix zu blöd. Idealbesetzung für so eine Sendung. Und dann ging er in einer Woche alle Stationen durch: Als “Rollimann”, die die Schnittstelle zwischen den Fahrern und den Verteilerstationen fungieren und die morgens schon die einzelnen Lieferungen bereit haben. Da hatte er einen älteren Typen beiseite, der seit Jahren für das Unternehmen arbeitet, der wegrationalisiert werden sollte, aber auf Grund des Protests der Fahrer behalten wurde, allerdings für weniger Stunden. In dieser Zeit ist sein Job allerdings nicht zu machen, weswegen er seit Jahren unbezahlte Überstunden macht um seinen Job zu halten. Als nächstes ging es mit einem Fahrer auf Tour, der eine große Familie hat, aber nicht genug Kunden. Dann noch mit einem jungen Mädchen auf Kundenakquise von Haustür zu Haustür. Und dann zu einem…öhm…ich glaube “Regional Manager” oder so, so ein Typ der eine Fahrerstation beaufsichtigt und führt. Am Ende noch eine Nacht im Kühlhaus, Waren sortieren. Und dann durfte er wieder zurück in sein Büro.

Bislang ist alles in Ordnung. Die Dramaturgie stimmt, die Einzelschicksale sind spannend und ganz gut erzählt und der Protagonist scheint wirklich mitgenommen und beteiligt. Aber es machen sich auch schon erste unangenehme Situationen bemerkbar: Der Regional Manager Typ beispielsweise zeigt einmal, wie er jeden morgen mit den Fahrern spricht, mit ihnen kommuniziert, sich erkundigt ob alles in Ordnung ist oder ob es irgendwelche Problemchen gäbe, bei denen er helfen könnte. Und in dieser Minute wird mehr als offensichtlich, das der noch nie mit denen geredet hat. Die Fahrer sind übrfordert von der Kamera und der überraschenden Fragestellung und antworten verunsichert, was sie glauben, was ihr Chef hören will. Zur Megafarce wird es aber dann, als der junge Manager danach dem “Undercover Boss” sinngemäss sagt, das sie das hier immer so machen würden und der Boss wiederum im Interview mit der Sendung (in dem er seine Eindrücke schildert) sagt, das er erstaunt sei wie toll der junge Mann hier mit seinen Mitarbeitern umginge. Das war alles so piefig und so offensichtlich faky, das hat wehgetan. Aber, das muss man den Machern zu Gute halten: Das haben die wohl auch gemerkt und gerade diese Episode so kurz wie möglich gehalten.

Nun ist es in der Auflösung der Show immer so, das die einzelnen Leute, die der Boss kennengelernt hat, in die Zentrale eingeladen werden und da erkennen, das sie eigentlich mit dem Oberchef ihres Unternehmens zusammengearbeitet haben - was sie vorher nicht wussten. Da ist das “Hallo” groß und der Boss, gerührt von den Schicksalen der Einzelnen, hat dann meistens auch noch ein paar warme Worte und eine Überraschung in Petto. Das funktioniert zum Beispiel bei dem Mädchen, das die Akquise macht genau so, wie das sein soll: Sie hatte vorher im Gespräch erklärt, das sie unbedingt zur Teammanagerin aufsteigen will und als sie dann im Büro sass -ZACK- zur Team Managerin aufgestiegen. Wunderbar. Aber dann:

Der “Rollimann” der seit Jahren unbezahlte Überstunden macht, wegen kurzsichtiger Planung der Chefetage bekommt was? Eine einwöchige Reise nach Ägypten, weil er noch nie Urlaub gemacht hat. Wohlgemerkt: Vorher wurde immer groß von den 500 Millionen Umsatz der Firma berichtet und so weiter. Und der Typ wird mit einer 800 Euro Reise abgespeist? Come on, seriöslich? Der italienische Fahrer mit der großen Familie bekommt den Rat “Noch etwas mehr reinzuhauen, du kannst noch mehr!” und später im Off-Text wird noch gesagt, das er jetzt “mehr Kunden bekäme”. Echt jetzt? Thats it?

Und damit wird wieder das ganze Elend deutscher Arbeitnehmer deutlich: Sie wollen sich nicht nur nicht mit ihrer Firma identifizieren, ihre Firma will auch gar nicht, das sie das machen könnten! Da wird alles strikt getrennt und man solle sich doch über einen Urlaub in Ägypten freuen (der später im Off-Text noch zu einem Urlaub in Thailand umgewandelt wurde - vermutlich wegen den Unruhen…). Aber was wird das in und an der Firma ändern, das der eine Woche im Urlaub war? Nix! Wird er ein besserer Arbeiter danach sein? Nö. Wird er wegrationalisiert? Höchstwahrscheinlich. Deutschen Chefs (okay: Diesem deutschen Chef zumindest) fehlt dieser Mut zum Symbol, zur Tat. Ja, RTL soll bitte eine Woche in unserem Unternehmen filmen und ja: Natürich tragen wir auch auf der Chefetage alle immer die Hemden mit dem Eismann-Logo auf den Kragen! Aber, ich bitte sie, die Sendung soll doch wohl keine Konsequenzen haben! Wo kämen wir denn da hin?

Und somit hat der deutsche Ableger von “Undercover Boss” vor allem den Beigeschmack eines ein-stündigen Firmenportraits. Also alles schön zeigen, schön Werbung machen - aber das wars dann auch. Ich möchte überhaupt nicht sagen, das die Show in UK oder den USA wirklich Veränderung in den jeweiligen Firmen bewirken würde, ich bin ja nicht doof. Dennoch: Die Gesten sind da weitaus größer (Ich erinnere mich an eine Folge, wo die Firma ein Stipendium für den Sohn eines Mitarbeiters zahlte, weil der Vater das Studium nicht zahlen konnte). Das ist zwar dann immernoch Unternehmenswerbung, aber eine die wenigstens irgendwas bewegt - und sei es nur das sie einem jungen Menschen einen Studienplatz zusichert.

Für mich scheitert also die erste deutsche Folge “Undercover Boss” an der deutschen Kniesbüggeligkeit. Ich bleibe aber dran.