Die Donots sind back…äh…zurück!

Die Menschen entwickeln die aussergewöhnlichsten Spleens, wenn sie seit 20 Jahren zusammen sind. Manche entdecken plötzlich wagemutige Hobbys wie Fallschirmspringen oder Golf, andere entwickeln obszessive Leidenschaften für solche Dinge wie Nahrung und beschäftigen sich plötzlich mit Molekularküche, wiederum andere suchen sich eine junge Geliebte. Und dann gibt es diejenigen, die plötzlich deutsch sprechen.

Die Donots, seit über 20 Jahren im Geschäft - was man ihnen, unverschämterweise, nicht ansieht - haben beschlossen, mal was anderes auszuprobieren und ihr neues Album “Karacho” mit ausschliesslich deutschen Texten bestückt. Nun kommen die ja aus Ibbenbüren, einer kleinen westfälischen Bergbaustadt im Norden NRWs, mit Stadtteilen, die auf Namen wie “Püsselbüren”, “Dickenberg” oder “Uffeln” hören und einem Flüsschen, bei dessen Benennung die Entdecker nicht weit im Alphabet gekommen sind, weswegen sie es “Aa” nannten. Kein Scheiss.

In so einem Spannungsfeld zwischen Kohle, Schiefer, Fachwerk und dem jährlichen Kartoffelfest “Tolle Knolle” erwartet man sicher einiges. Ruhe, Gelassenheit, Sicherheit, Geborgenheit würde mir da als Erstes einfallen. Ich bin ja in Wesseling aufgewachsen, einer Kleinstadt zwischen Köln und Bonn, ich kenne das Leben in westdeutschen Kleinstädten also gut. Aber von solchen Orten aus den Punkrock erobern, eine zwei Dekaden währende, stetig wachsende Karriere hinlegen und sich dann nochmal neu erfinden? Das ist mehr als bemerkenswert. Das sind die Donots.

Vielleicht liegt das alles auch in ihrem Naturell, denn, ganz im Ernst, es gibt auf dem ganzen Planeten keine freundlichere Band als diese, geht gar nicht. Die Männer sind total offen, uneitel, sich für nix zu schade und gehen trotzdem ihren Weg. Wenn es so etwas wie Karma gibt, dann wird ihr Erfolg niemals versiegen und sie immer erfolgreicher und glücklicher. Es ist wirklich so, dass man sich wünscht, die würden alle bei einem einziehen, einfach weil es so unheimlich angenehm ist, wenn die um einen herum sind (oder man selbst in ihrer Nähe sein kann). Doch genug der Liebeserklärung. Wichtig ist, was kann das neue Album “Karacho” (Amazon-Partner-Link) und wie gut tut der Sprachenwechsel?

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Wir machen es einfach so: ich zähle erstmal das Negative auf und danach konzentrieren wir uns nur noch auf das Positive am Album. Dann haben wir nämlich die Kritikpunkte aus den Füßen und brauchen uns über den Rest nur noch freuen.

Erster Kritikpunkt: “Junger Mann zum Mitleiden gesucht”. Das Wortspiel ist eigentlich ganz okay, aber der Song als Ganzes, also ich weiß ja nicht. Das Lied klingt wie “I will survive”, da ist so eine Dramagitarre, die durch das Riff zieht, die find ich schwierig. Und textlich will da bei mir leider auch kein Funke überspringen. Ich hab so ein bisschen das Gefühl, die Titelzeile war zuerst da und die gefiel und dann wurde versucht, da einen Text drumrum zu spinnen, der halbwegs passt und Sinn macht. Let’s call it a filler.

Zweiter Kritikpunkt: “Immer noch”. Dudes, seriously? Ein Countrysong? Nach Texas Lightning und dieser Countrysängerin mit der kehligen Stimme und diesem Hit, in dem sie alles so schnell sang? Nachdem sich sogar Taylor Swift nach Jahren vom Country abgewendet hat? The Boss Hoss? Und es ist ja nicht so, als wäre alles schlecht daran. Ich mag dann und wann nochmal einen guten, alten Dolly Parton Song und “Eastbound & Down” ist, trotz akustischer Überstrapazierung als “Circus Halligalli” Titelsong, immer noch ein Knallerlied (Jerry Reed hat eh ein paar ganz gute Nummern gemacht…). Aber das Genre ist auserzählt, da muss nix Neues kommen. Das tut mir ein bisschen weh. Vielleicht ist es auch nur deutscher Country, der mich schmerzt, das weiß ich nicht. Aber ich sehe vor meinem geistigen Auge sofort die “Ibbenbürer Westerngemeinde”, wie sie zu dem Lied von “ihren” Jungs squaredanced und das freut mich sehr für die, aber ich muss das nicht hören.

Nun hab ich mir die Platte auf Vinyl gekauft, schönes Artwork, dickes Doppelvinyl. Der eine Song ist auf der ersten, der andere auf der zweiten Schallplatte und diese Besonderheit ist Glück, denn jede Platte auf der Welt hat ihren Aussetzer. Hier ist es eben einer pro Vinyl. Dadurch absolut verkraftbar und problemlos auszuhalten, denn: Der Rest des gesamten Albums ist großartig.

Der Sprachenwechsel hat super funktioniert, vielleicht war das sogar genau die richtige Idee, vor allem nach dieser langen Zeit. Die Texte, die Ingo schreibt, sind auf eine gute Art bildlich. Das jahrelange schreiben auf Englisch hat dafür gesorgt, dass er irgendwie anders mit Worten in Texten umgeht, als deutsche Songwriter. Seine Worte sollen klingen, sollen einen gewissen Sound haben. Die Aussage ist nicht egal, aber seine Worte sind eben nicht nur Inhaltscontainer, sondern auch Rhythmus, Metronom, Geräusch. Das wirkt manchmal ungewöhnlich, aber das funktioniert super. Schon im Opener “Ich mach nicht mehr mit”, direkt ein Hitfavorit auf der Platte, gibt es die Zeile “Komm lebt doch mein Leben ohne mich”, über die man direkt stolpert. Aber der Song treibt weiter und kommt irgendwann zu der trotzigen Kind vor der Supermarktkasse-Zeile: “Die will ich hier nicht, will ich nicht, nicht nicht nicht nicht!”. Das funktioniert super, Worte wie Maschinengewehr-Salven. Jedes “nicht” ein Treffer. Danach folgt sofort der (erste?) Anti-Pegida-Song “Dann ohne mich”, mit so schönen Textzeilen wie “Der Dumme hängt die Flagge stets am höchsten” oder “Der kleine Mann, die große Meinung - die Dummheit feiert ihr Comeback.”. Herrlich. Man will immer nur “Ja, Mann! Amen, Bruder!” rufen. Mein Lieblingslied auf “Karacho” heißt “Kopf bleibt oben” und lässt sich schön mit folgender Textzeile zusammenfassen:

“Denn: Lieber falsches Pferd als hohes Ross - die Welt sagt Nein, das Herz sagt doppelt Doch!”

Es werden Bilder gezeichnet vom glücklichen Nachts betrunken durch die Straßen ziehen mit Herzensmenschen (”Hansaring, 2:10 Uhr”) oder es sich bequem zu machen, in der Nische des ewigen nicht-verstanden-werdens (”Problem, kein Problem”). Manchmal wird es mir etwas zu Hosig, wie bei “Du darfst niemals glücklich sein”, aber das kann man easy verknuspeln. Man spürt einfach, bei den ganzen Liedern, bei den Dingen die sie unbedingt erzählen wollen - die haben das Herz am rechten Fleck.

Musikalisch macht das ebenfalls große Freude. Moderner Punkrock, viele schöne “Oooooh”-Chöre, die ich uns schon alle im Publikum mitgröhlen sehe und höre. Tolle Riffs, bisschen englisch, weiß auch nicht, warum ich das so empfinde. Mich erinnert das einfach an so modernen, britischen Punkrock. Geil ist zum Beispiel auch “Kaputt”, das nach NDW klingt. Könnte fast ein Ideal-Song sein. Oder das schon erwähnte “Problem, kein Problem”, übrigens das Einzige nicht von Ingo, sondern von Gitarrist Guido, gesungene Stück auf dem Album, welches schon fast ein Reggae-Gefühl vermittelt, sehr leicht, fluffig, poppig. Passt trotzdem zum Rest. Sehr.

Was soll ich sagen: Das zehnte Studioalbum der Donots ist eine Überraschung und auch keine. Der Sprachwechsel funktioniert Eins A. Die Platte macht Spaß und bietet einige Hymnen für diesen Sommer. Meine wird “Kopf bleibt oben” sein. Und was daran keine Überraschung ist?

Vielleicht können schlechte Menschen gute Platten machen. Bestimmt sogar. Aber gute niemals eine schlechte. It’s Karma, Baby.



Dinge, die ich mag Pt.1

Manchmal bleiben Tabs in meinem Browser tagelang offen und dann weiss ich nicht wohin damit. Dafür mache ich nun “Dinge, die ich mag” in der Hoffnung, der Rubrik möge nicht das gleiche Schicksal beschert sein, wie so vielen anderen Serien, die ich auf meinem Blog gestartet habe: Sie kamen nie über eine Folge hinaus…:)

- Emma Zissou (eigentlch Annika) ist ein Mädchen, das man den ganzen Tag im Arm halten und knuddeln möchte. Ich bin mir gar nicht sicher, ob sie das so gerne hört, aber isso. Sie nennt sich selber “Lausemädchen” und nichts könnte sie treffender bezeichnen. Ich kenn die schon lange von Twitter, hab sie vor kurzem mal “in echt” auf einer Geburtstagsparty getroffen, wo ich sie auch sehr lustig und knuffig fand und habe nun, nach gefühlten 1000 Jahren, auch mal ihr Blog entdeckt, welches ich euch empfehle, für die kalte Jahreszeit, wo es auch ganz schön ist, sich mal etwas niedliches anzusehen.

- Bei diesem Comic, auf den ich durch Malte aufmerksam geworden bin, hatte ich schon so einen kleinen Kloss im Hals.

- Hahahahahahahahahaha!!!!


[YouTubeDirektAberMalSoGarNichtGay]

- Alter! Was für ein Freak, auf den ich deswegen unheimlich neidisch bin!


[YouTubeDirektMattTennerLover, via Wr.ong]

- Als Abschluss noch einen meiner Lieblingstweets der vergangenen Wochen:

“Kommt für mich total überraschend, dass jemand, den seine Eltern Konstantin Neven genannt haben, Kommunikations- oder Empathiedefizite hat.”

Von @Bandsalat. Grossartig.