18 Jahre Domian

Domian hat 18-jähriges Jubiläum und das bedeutet, mehr oder weniger, dass ich seit 18 Jahren jede Nacht zwischen 1 und 2 Uhr WDR gucke. Das ist die Hälfte meines Lebens! Grund genug also, dieser Sendung mal ein paar Zeilen zu widmen:

Domian und ich, wir haben ungefähr zur gleichen Zeit beim Fernsehen angefangen. Er ein Jahr später als ich, aber dafür auch deutlich konstanter on Air. Dabei hat er viele andere Call-in-Formate kommen und gehen sehen. Aber Domian blieb. Bis heute. Warum?

Domian hat Meinung, der sitzt da nicht so neutral wie möglich, sondern der macht auch mal Ansage, wenn ihm etwas gehörig gegen den Strich geht. Das Angenehme dabei ist, das er nicht psychologisch oder juristisch korrekt argumentiert, sondern nur nach gesundem Menschenverstand. Dass er dabei in den vergangenen 18 Jahren schon eine Menge gehört hat, ist klar. Manchmal tut er heutzutage noch so, als würde ihn ein Anrufer mit irgendeiner seltsamen Neigung schocken. Das kann man ihm nicht mehr so richtig abnehmen. Der hat doch schon alles gehört. Legendär dabei ist sicherlich der Hackfleischbeischläfer - wobei ich mir bis heute unsicher bin, ob der sich nicht einen Spaß gemacht hat. Aber vielleicht ist das auch der Witz von Domian oder das Geheimnis: Alles sofort Ernst zu nehmen, auch wenn es zum lachen ist. Dann lachen und trotzdem ernst nehmen.

Unvergessen auch dieser FC-Fan-Depp, der die Anti-Pezzoni-FB-Seite initiiert hat und dann auch noch bei Domian anruft. Oh Lord.


[YouTubeDirektFandepp]

Ich hab aber noch einen persönlichen Bezug zu Domian:

07.09.1996

Ich sitze in meiner ersten eigenen Wohnung (WG) in Köln und hab das Telefon bereitliegen. Der Fernseher läuft. Die Leute erzählen Domian ihre Probleme. Dabei steht ein Foto von mir in die Kamera gerichtet neben ihm auf dem Schreibtisch. Das Bild musste ich ihm selber einwerfen gehen, bei irgendeiner Adresse in der Stadt. Da hab ich mir noch gedacht: “Guck mal, ich soll das einwerfen, weil der bestimmt so einen komischen Schlafrhythmus hat und ein reiner Nachtmensch ist. Wie so einer, der von der Schicht kommt.” Das fand ich sehr interessant.

In der Sendung hat er dann von seinen Anrufern Fragen an mich gesammelt und mich zehn Minuten vor Ende angerufen, um die mit mir abzuarbeiten. Leider kam irgendwie keine wirklich interessante Frage, was ein bisschen schade war, aber cool fand ich es trotzdem, so Teil der Sendung zu sein. Als ich einige Zeit später (für mich) überraschend Proband eines Piloten einer KHM-Sendung war, ist er in der Sendung noch mal aufgetaucht, ich glaube als Bühnenhelfer zusammen mit Biolek. Was für eine Ehre (Einer Sendung übrigens, in der Wolfgang Lippert als Zauberer für mich aufgetreten ist.). Mehr hab ich mit dem leider nie zu tun gehabt. Aber ich mag den.

Domian ist einfach superrreal. Ich find es schade, dass die Talkshow-Versuche von dem nie so hingehauen haben, ich fand die nämlich immer extrem gut. Wie der da einmal diesen Nazi bei sich in der Sendung hatte und dem die Meinung gegeigt hat, dass war toll. Domian ist sozusagen in den Medien das personifizierte Rückgrat.

Und natürlich liebe ich, wie alle Anderen auch, die ganzen Spinner, die da immer anrufen und so herrlich skurril sind. Ich erinner mich an einen Anrufer, der meinte Unglücke im Traum vorhergesehen zu haben. Dann erzählte er von einem Flugzeugabsturz, an den sich aber Domian nicht erinnern konnte und der Anrufer kam total ins stottern, weil seine Konstruktion plötzlich im Eimer war. Ich hab mich kaputt gelacht. Ich glaube, das war einer der lustigsten Anrufer ever. Domian ist aber ganz ernst geblieben (ich meine abe gesehen zu haben, wie er ein Schmunzeln unterdrückte…). Für solche Anrufer liebe ich die Sendung.

Deswegen, Domian, alles Gute und Beste zum Jubiläum! Du bist ein wichtiger Anker des deutschen Fernsehens! Echt jetzt mal (Und halb Twitter würde ohne dich nachts zu Grunde gehen…). Deswegen: Alles so weitermachen wie bisher. Auf die nächsten 18 Jahre!



Heino - Der Heini aus der Stadt von Heine

Hach, es ist schon ein Kreuz. Da hat ein Marketing Typ eine Idee und schon muss man sich wieder mit Asbach Cola Uralt Figuren auseinandersetzen.

Heino ist wieder da. Und weil die Hörerschaft für ein “normales” Heinoalbum schon ausgestorben sein dürfte, wildert man in fremden Gefilden oder bricht zu neuen Ufern auf, je nach Sichtweise. Heino hat auf jeden Fall eine Platte gemacht, auf der er nur Pop/Rock/Punkrock/HipHop Acts covert. Sportfreunde Stiller, Nena, Rammstein, Peter Fox. Und, exemplarisch als erste Single, natürlich die Ärzte.


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Erstmal das: Ja, natürlich passt das textlich schonmal wie die Faust aufs Auge. Aber: Warum genau soll das nochmal gut sein? Durch das wegfallen einer ironischen Ebene, weil Heino eben wirklich so ein Vater sein könnte, verliert das Lied jeglichen Witz und ist einfach nur noch ein trauriges Lied das davon handelt, wie Kinder von ihren Eltern daran gehindert werden, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Das ist lustig? Das ist jetzt natürlich superernst genommen, aber wie soll man Pop auch anders begreifen?

Was mir aber auf die Nerven geht, ist etwas ganz Anderes. Ich lese seit Tagen dass Heino “sich jetzt endlich mal wehrt” und “zurückschiesst”, gegen all den “jahrelangen Spott und Hohn”.

Ich hab zu Weihnachten die Otto Filmbox geschenkt bekommen, mit allen Filmen des Ostfriesen. Da gibt es ja auch diese Thriller/Heino-Parodie. Die ein bisschen lustig ist und natürlich auch Heinos Ikoknografie nährt (Blond, Sonnenbrille), von deren Marken-haftigkeit der Düsseldorfer meiner Meinung nach ganz gut profitiert hat. Das wichtigste daran ist aber: Das ist 25 Jahre her!


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Heino-Witze sind so alt wie abgestandener Eierlikör. Und da “leidet” der noch heute so schlimm drunter? Nicht eher darunter, dass bis auf ein paar DVU-Fans und Vorpommerer wirklich niemand mehr größeres Interesse für den Sänger mit dem superrollenden R hat?

An Heino ist nichts “cool”. Heino hat schon immer in seiner Karriere verzweifelt versucht, sich überall anzubiedern, bei noch lebenden und halbwegs liquiden Käuferschichten als “Kult” durchzugehen. Ich erinner mich an den Acid-Enzian. Das wurde dann noch Rap genannt und hat ganz viel ganz schlimm durcheinander gewürfelt. Deswegen konnte da auch keiner was mit anfangen (Übrigens: Da hat er sich mit stilisierten Smileys, die sein Gesicht zeigen, schon des Images angenommen, unter dem er ja ach so gelitten hat…).


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Immerhin: Diesmal hat der Marketing-Mensch alles richtig gemacht. Die Platte kommt ganz früh im Jahr, wenn noch nicht viel los ist. Sie kommt in die Karnevalszeit, wo die Bereitschaft zu Quatschmusik am höchsten sein dürfte. Es werden nur credibile Hits gecovert. Und es wird ein “Rockerkrieg” erfunden, der das alte Klischee der Heinowitze aus den 80ern bedient. Bämm - plötzlich gilt der als cool.

Ich finde das sehr unangenehm und ich möchte ungern jemandem zujubeln, der so verzweifelt alles versucht um mich als Käufer zu gewinnen. Und ich lass mich nicht gerne für blöd verkaufen. Heino leidet, wenn überhaupt, an mangelnden Plattenverkäufen. Johnny Cashs American Recordings gingen mir ab dem dritten Teil zwar auch auf die Nerven, weil es irgendwann zum Cash (hihi) Cow milking wurde, aber dessen Cover Versionen haben durch sehr exaktes und behutsames auswählen und eine besondere Interpretation dem Orignal wenigstens noch etwas hinzugefügt. Eine gewisse Deepness. Von Heino gecoverte Lieder verlieren alles, was sie ausmacht und sie werden nur noch zu leeren Mitgröhlhüllen. Weil man schon merkt, dass sie für ihn selbst keinerlei Bedeutung haben.

Das ist nicht cool. Das ist homeshopping Television das so tut, als wäre es AC/DC.

Das Einzige, das noch nerviger als diese Platte ist: Von solchen Platten stehen uns jetzt mit Sicherheit hunderte ins Haus:

“Andy Borg singt Einstürzende Neubauten”

“Stephan Mross: Meine liebsten Battlerap-Tracks”

“Bata Iliç - Für immer Punk”

Hoffen wir das dieser Popsommer schnell an uns vorbeizieht.

Zum weiterlesen:

- Staiger, Raplabellegende, ist in etwa derselben Meinung wie ich. Danke Form Prim!

- Wie humorbefreit Heino schon in den 80ern reagiert hat, zeigt dieser Artikel von damals sehr gut. Danke Nico!



“Nett” ist die Schwester von “Yps”

Heute, einen Tag vor meinem Geburtstag, ist es also so weit: Der groß angekündigte Relaunch der wichtigsten Zeitschrift meiner Jugend stand an: Die Yps liegt wieder am Kiosk.

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Dabei ist die Idee dahinter so simpel wie clever: Da man wohl kaum eine Wurst von Teller ziehen würde, wenn man versucht mit gefühlten 1.000.000.000 anderen Kindertiteln, die alle mittlerweile auch Gimmicks haben, zu konkurrieren, geht man einfach auf die alte Leserschaft zu. Die neue Yps will für die alten Leser sein, sprich: MItgewachsen. Eine coole Coffetable-Zeitschrift. Oh! Welch Idee! Wirklich, ganz unironisch, das macht total Sinn. So Ottos wie ich haben doch voll Bock, sich wieder eine Yps am Kiosk holen zu können, um wieder so ein Yps-am-Kiosk-hol-Gefühl zu haben und sei es auch nur ein kurzer Kick. Dazu würden mir auch auf Anhieb eine Menge Texte oder Autoren und Autorinnen einfallen, die ich dazu im Heft haben wollen würde. Zum Beispiel coole Ideen, was man mit seinen Kindern für bekloppte Experimente machen kann (die auch alleine Spaß machen). Comics für Groß und Klein, auch ein paar Klassiker, allen voran natürlich Pif und Herkules oder noch besser: Piffi! “Nix-Glop-Glop!”

Man könnte in den Comics, die übrigens mindestens die Hälfte des Hefts einnehmen sollten, der Nostalgie frönen, gleichzeitig einfach Spass an den Geschichten haben und sie, falls vorhanden, mit seinen Kindern teilen. Das könnte ein Heft sein, an dem Familien Spaß haben, ohne diesen nervigen Familiencharakter im Vordergrund oder Singles, die gerne zurückblicken. Fresh und Old School zugleich! Wie cool ist das denn, bitte schön?

Nun: All das ist es nicht.

Stattdessen ist es ein Heft über die 80er Jahre, mit ein bisschen Comic-Promotion von Ehapa für einen, schon auf 4 Test-Seiten zum einschlafen lähmenden, Zombie-Comic. Werde Spion, werde Zauberer, werde Dinosaurierforscher. Die Seiten ballern einen zu mit Testosteron. Dazu noch ein paar superlustige Comicstrips, bei denen einer nur aus einem Panel eines Ausschnitts einer Kellnerin besteht (”Höh Höh Höh!”), Zaubertricks mit Bierflaschen und Zigaretten und einer Bilderstrecke mit Autos von damals und heute. Ey, boah, ey (Die “Modestrecke” in der Yps und seine Freunde irgendwelche Klamotten präsentieren, lasse ich mal höflich unter den Tisch fallen…ähem).

Am Anfang gibt es eine mehrseitige Story über die Entstehung und den Werdegang der Yps. Das ist ein schöner Artikel und sehr guter Opener. Dann kommen schon die Facebook-Fans der Yps zu Wort und es wird schlagartig belanglos. Gefolgt von einer Doppelseite “Extrablatt”, was einerseits cool ist, weil die genauso gelayoutet ist, wie damals in der Yps. Aber dann ist alles so ironisch gemeint, aber die Leute kann man wohl trotzdem auf Facebook finden, so heisst es. Ich verstehe gar nicht, warum ich davon jemanden anschreiben sollte. Und, ach, liebe Leute: Das Extrablatt in der Yps waren damals schon die uninteressantesten Seiten.

Und so geht das die ganze Zeit weiter: Promis erzählen in einem kleinen Statement von ihrer Yps-Zeit. Gefolgt von den unvermeidbaren Gadgetery-Seiten, in denen allen ernstes immer noch ein USB-Tassenwärmer als verrücktes, nie gesehenes, neues, crazy Gadget vorgestellt wird. Oh, ich merke schon die Arthritis in meinen Armen. Hoffentlich werde ich das Heft bis zur letzten Seite noch halten können.

Die zweite, halbweg interessante Seite taucht auf: Ein Interview mit Heinz Körner, dem damaligen Zeichner von “Yinni und Yan”, ebenfalls einer exklusiven Yps-Serie über ein Reporter-Team. War auch ein bisschen langweilig immer, aber okay. Dann kommen die Comics. Naja, eigentlich nur ein paar Comicstrips, bei Ruthe (”Shit Happens”) und Josha Sauer (”Nicht lustig”) sogar nur (wenigstens exklusive) Cartoons auf eine Seite aufgeblasen. Dazwischen Strips von Øverli namens “Pondus”, angeblich eine der “erfolgreichsten skandinavischen Comic-Reihen aller Zeiten” und ungefähr so lustig wie “Tom”, falls den einer kennt. So plätschert das Heft vor sich hin. Alte Coladosen werden neben neuen fotografiert. MIchael Groß, der Schwimmer, wird als “Held von damals” interviewed und dann kommt ein alter Comic von, na klar: Yinni und Yan.

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Das ist kein Heft von Fans für Fans. Das ist ein Heft, das komplett unter Marketing-Gesichtspunkten gestaltet und dann am Schluss mit einem Yps-Gefühl überzogen wurde. Dieser andauernde Nostalgie-Scheiss mag ganz lustig sein, aber muss man den wirklich so breit treten? Ich weiß, das ich morgen 36 werde, daran muss mich kein Heft erinnern. Immer ist alles “kultig” und “retro” und auf dem Heft und dem Heftrücken steht in grellem Pink: “Eigentlich sind wir doch schon erwachsen!”

Oh, wir sind so erwachsen und lesen trotzdem Comics. Hihihi. Oh, wir sind so erwachsen und probieren trotzdem nochmal die Urzeit-Krebse aus. Hohoho. Oh, wir sind ja so erwachsen und kaufen uns heute trotzdem einen USB-Tassenwärmer. Dieses andauernde rumspiessen auf Erwachsenen-Bildern und Männlichkeits-Bildern ist so penetrant und nervig und unvisionär und engstirnig und lahmarschig, das ich mich fast schäme, damals die Yps überhaupt gelesen zu haben, wenn das hier jetzt ihres Geistes Kind sein soll.

Die neue Yps will keine Frauen als Leser. Die neue Yps will keine Comic-Leser als Leser. Die neue Yps will keine Familien als Leser. Die neue Yps will männliche Singles als Leser, die sich das Heft aus Gag aufs Klo legen. Oder wie ich auf Facebook in einem Kommentar schrieb: “Diese Yps fühlt sich an wie ein Comicheft, das von so Armani-Managern mit spitzen Fingern in der Umkleide ihres Spas rumgereicht wird.”

Das reicht mir nicht. Aber vielleicht bin ich da auch nicht repräsentativ. Ich empfehle nur allen alten Yps-Fans, die ein altes Yps-Gefühl wiederhaben wollen, lieber auf dem Flohmarkt oder bei ebay nach alten Yps-Heften zu suchen, als sich diesen halbgaren, ideenlosen Neuanfang anzutun und das Heft, das einem damals die Nachmittage versüßt hat, so lieblos zerfasert mit ansehen zu müssen. Guckt weg. Das ist ein okayes Heft, aber das ist nicht Yps. Sorry.

P.S. : Das erinnert mich an “Donald”, ein Heft mit dem ähnliches versucht wurde: Ein Männer-Lifestyle-Magazin aufgehangen an einer kollektiven Kindheitserinnerung, in diesem Falle Donald Duck. Da frag ich mich doch: Kennt man bei Ehapa nur chauvinistische Single-Männer ohne Ideen und mit zu viel Zeit und Geld als Zielgruppe? Und kommt keiner drauf, das die alles, was mit “Kindheit” zu tun hat, eher doof finden und nich zu Hause rumliegen haben wollen? Ich würd mir an Ehapas Stelle mal eine neue MaFo suchen gehen…



Wenn schon falsch, dann richtig!

Ich wollte hier eine ganz originelle Einleitung schreiben, so mit feinen Spitzen. Aber das ist eigentlich viel zu albern. Thomas Knüwer, ein Journalist/Blogger, der immer richtig drauf haut (oftmals zu Recht) wenn Kollegen von ihm irgendwo Murks schreiben, weil sie sich zu fein waren, mal 20 Sekunden zu googlen, macht in seinen eigenen Artikeln oftmals genug die Fehler, die er den anderen um die Ohren hauen würde.

Besonders doof ist das, wenn man einen Post schreibt über etwas, was einen begeistert hat, weil man dann die Begeisterung, die man ja eigentlich versucht zu teilen, total schmälert. Denn der Gedanke ist ja: Wenn er nichtmal die einfachsten Sachen richtig schreiben kann, wie soll er dann erkennen können ob etwas Qualität hat?

Deswegen jetzt mal ein paar kleine Hinweise zu seinem aktuellen Text über Ray Cokes live, der einem Fernsehliebhaber wie mir große Schmerzen bereitet. Also der Text, nicht der Cokes. Den würde ich gerne wieder auf dem Bildschirm sehen.

Und, nehmen wir mal den Grundtenor von Knüwers Lobrede, das würde sich wohl auch lohnen. Denn Ray Cokes scheint zur alten Form zurückgefunden zu haben und so ausser Rand und Band zu sein, wie damals zu seligen MTV Zeiten. Knüwer schreibt:

Den Jüngeren unter den Lesern muss man diesen Namen vielleicht erklären. In den Zeiten, da MTV das Fernsehen und die Ästhetik des Bewegtbildes längst verändert hatte, war Cokes mit seiner abendlichen Live-Talkshow „Most Wanted“ von 1992 bis 1996 die Hoffnung, dass dieses veränderte Fernsehen noch einmal mutiert, mutiger wird und schräger, mit wackelnder Kamera deren Bediener „Rob the camera man“ ganz selbstverständlich ein handelnde Person war – Jürgen von der Lippe würde später die ARD mit diesem Konzept bekannt machen. Zwischenzeitlich war Cokes dann noch auf Arte zu finden – das war’s.

Gut, das überhebliche “Den Jüngeren..”-Blabla sei mal geschenkt. An diesem “Gag” haben sich schon andere die Finger verbrannt, ich glaube ich hab das sogar schon selber mal auf meinem Blog irgendwo geschrieben. Würd ich aber nicht mehr tun. Egal. Veränderte Ästhetik und so geht auch alles klar. Und dann der erste grobe Schnitzer: Jürgen von der Lippe würde die ARD mit dem Konzept des “ich rede mit meinem Kameramann, weil er mein Kumpel ist” bekannt machen. “Später”. Also nach Ray Cokes.

Jürgen von der Lippes Sendung “So isses” bot unter Anderem ein großes Wiedererkennungsmerkmal: Die Gespräche von von der Lippe mit seinem Kameramann Günni. In der Show, die 1984 gestartet ist und die 1989 aufhörte. Drei Jahre bevor “MTVs Most Wanted” überhaupt auf Sendung ging. (Um das noch zuende zu rechnen: Cokes kam 1987 zu MTV, da hat von der Lippe schon drei Jahre mit seinem Kameramann Günni im Fernsehen geredet). Muss man nicht wissen, die genauen Daten musste ich jetzt auch googlen. Aber wenn man Fernsehen mag und geguckt hat, dann sollte einen dieser Vergleich schon stutzig machen. Vor allem: Vollkommen ohne Not. Er hätte den ja gar nicht machen müssen, es kam ja einfach von ihm selbst. Ja klar, der Versuch nochmal das deutsche TV als lahmarschig und schnarchig und uninnovativ darzustellen, um das eigene Stück zu erhöhen. Wenn das aber dann so kapital falsch ist, stürzt das Stück eben auch genauso schnell wieder ab.

Dann kommt ein längerer Teil, in dem er von der Show, die er vorgestern live mit Ray Cokes in Köln sah, schwärmt, wie ein kleiner Schuljunge. Das ist toll, das ist ehrlich und bis auf ein paar Ausreisser schafft er es auch (zum Glück!) nicht, die ganze Zeit die Coolness-Maske aufzubehalten, die ihn zu permanenten (und langweiligen) Spitzen gegen das ach so schlimme, deutsche Fernsehen treibt. Da spricht ehrliche, aufrichtige Begeisterung über das erlebte. Das ist schön.

Und dann kommt der Absatz aus der Hölle:

Derzeit gibt es vor allem im öffentlich-rechtlichen System viele Versuche innovative TV-Formate auszuprobieren. Während sich der Kontrollverlust bei ZDF Neon auf das Lästern über Talkshow-Gäste im Anschluss an den Talk beschränkt bedeutet er für Cokes die Übergabe eines Interviews an zufällig ausgewählte Zuschauer. Verglichen mit der augesetzten Pseudo-Coolness der ZDF Neon-Magazinen, bei denen Tiltshift- und andere Filter mangelnde Inhalte regelmäßig überdecken, verglichen mit der demonstrativen Wurschtigkeit von „Roach und Böhmermann“ gegenüber ihren Gästen – da wirkt Ray Cokes noch immer wie der personifizierte Antichrist mit den vier Kameramännern der Apokalypse, die über das Land kommen um zu zeigen, wie fantastisch unterhaltend Fernsehen sein kann.

ZDF Neon“? Seriously? So gelangweilt vom schreiben, dass nicht mal mehr ein Mindestmass Mühe drin ist? Der Sender heisst, wie sich ja nun tatsächlich rumgesprochen hat, “neo”. Klein geschrieben, finden die halt schick. Kriegt aber auch jeder hin. Dann das “lästern über Talkshow-Gäste im Anschluss an den Talk”, damit kann eigentlich nur “neo Paradise” gemeint sein, die Show mit Joko und Klaas und da sind die meisten Talks eher von einer Art Respekt dem Gast gegenüber beseelt. Ich hab ein paar da gesehen, da wurden nach dem Gast noch Späßchen über den gemacht, aber das waren vielleicht 3 von 60, oder so. Vielleicht meint er aber auch was Anderes.

UPDATE: Jemand auf Twitter wies mich darauf hin, das hiermit auch der Nachklapp aus “Roche und Böhmermann” gemeint sein kann, in dem sie nach der Sendung noch alleine in der Studiokulisse setzen und die vergangene Sendung, auch selbstkritisch, Revue passieren lassen. “Sein Fett weg” bekommt dort eigentlich nur, wer durch klassisch langweiliges rumgelaber in der Sendung eher negativ aufgefallen ist. Ansonsten ist diese Kleinigkeit eine große, kleine Idee. Zu der Sendung kommen wir aber gleich noch…

“…ausgesetzten Pseudo-Coolness der ZDF Neon-Magazinen, bei denen Tiltshift- und andere Filter mangelnde Inhalte regelmäßig überdecken”. Okay, wieder der Neon-Fehler, anscheinend weiß er wirklich nicht, wie der Sender heißt. Demnächst dann neue kritische Knüwer-Artikel über N25 und RTJ, SAT 2 und die ART. Ist ja egal wie die heißen. So ähnlich. Ich freu mich. Das “ausgesetzt” soll bestimmt “aufgesetzt” heißen, was nicht schlimm ist, Flüchtigkeitsfehler. Mein Blog ist voll davon. Aber bei jemandem der Kollegen jedes falsch gesetzte Komma krumm nimmt, hat das natürlich einen gewissen Unterhaltungswert. Das Format, das er hier beschreibt, soll sicher “Bambule” mit Sarah Kuttner sein (wie gesagt, ich kann immer nur spekulieren, was er meint…). Ein Magazin, das mit Sicherheit streitbar ist und Menschen über 35 oftmals bestimmt belanglos vorkommen kann. Vielleicht auch uninteressant. Aber Pseudo-Cool? Seriously? Und Inhalte überdecken? Sorry, das ist wirklich albern. Es mögen nicht seine Inhalte sein, aber Themen, die 30-somethings hierzulande bewegen als mangelnde Inhalte bezeichnen, das ist schon kackdreist. Naja. Nehmen wir aber an, er hat das nicht so gemeint und im Überschwang der Gefühle für die erlebte Ray Cokes Show so formuliert.

“…verglichen mit der demonstrativen Wurschtigkeit von „Roach und Böhmermann“ gegenüber ihren Gästen…”
ALTER! ROACH? Mann ey, mach mal deine Hausaufgaben! Du glaubst doch nicht das da eine Frau sitzt, die “Schabe” heißt und wenn das ein absichtlicher Diss gewesen sein soll, dann muss ich mir leider sofort den eigenen Schädel zertrümmern, weil ich das nicht fassen könnte. Abgesehen davon zeugt das ausmachen einer Haltung “demonstrativer Wurschtigkeit” gegenüber ihren Gästen davon, die Show vielleicht einmal 4 Minuten gesehen zu haben. Ist für Medienprofi Knüwer natürlich Zeit genug, sich ein Urteil zu bilden. Und dann schreiben wir noch schnell den Namen falsch, weil ist doch egal, der Scheiß. Findet er eh nicht gut, hat also gar kein Recht, richtig geschrieben zu werden. Ich könnte noch erwähnen, dass es sich bei “Roche und Böhmermann” um ein Format des Senders zdf.kultur handelt, aber das wäre wirklich zu viel an richtiger Information. Vermutlich heißt der Sender bei ihm auch anders. ZDF Kult oder so, keine Ahnung.

Er schreibt noch das diese Ray Cokes Show, die er da live gesehen hat und die eine Art Showcase für eine neue TV-Show sein soll, eine tolle Chance wäre “junge Musik außerhalb der Charts wieder im Fernsehen stattfinden zu lassen.”. Als er da war, traten Jupiter Jones und die Donots (ich LIIIIIIIIIIIIIIIIIEBE die Jungs!!!!) auf. Muss ich jetzt nachgucken, wo die in den Charts stehen? Ne, oder? Auf jeden Fall nicht außerhalb.

Knüwer schliesst mit dem Fazit, dass diese Live-Anarchie absolut sehenswert sei. Und ich kann mir auch gut vorstellen, dass ein wiederaufgedrehter Cokes live eine Offenbarung ist und sei es nur der alten Zeiten wegen. Egal aus welchem Grund: super Typ, super Show, her damit. Ach so, das ist gar nicht das Fazit von Knüwers Artikel? Da kommt noch was?

Hinter mir saß in Köln eine Viva-Moderatorin. Je länger der Abend wurde, desto trauriger wirkte sie. Fast hatte ich den Eindruck, sie erkannte: So gut wie Ray Cokes wird sie nie werden.

In Wirklichkeit hat sie wohl gedacht: “Was dreht sich der komische Typ die ganze Zeit zu mir um?”

Disclosure (hier stand vorher “Disclaimer”, aber das ist der völlig falsche Begriff, worauf mich ix hinwies…): Nicht das am Ende jemand behauptet, ich hätte das geheim (huhuhuuuuuu) gehalten: Ich bin mit Klaas und Sarah im gleichen Management und ich hab mit beiden auch schon Mal ein Bier getrunken. Und nehme mir trotzdem raus ihre Sendungen, die sie für neo machen - für die ich auch eine Sendung machte - sehr, sehr gut zu finden. Ich kenne auch die Redaktion der Sendungen, weil ich mit denen auch zusammengearbeitet habe. Disclaimer osure (s.o.) over and out.

P.S.: Noch ein Update: Er hat jetzt alle faktischen Fehler, auf die ich ihn hier hingewiesen hab, gestrichen oder geändert. Aus “Neon” wurde “Neo” und Jürgen von der Lippe taucht auch nicht mehr auf. Normalerweise bedankt man sich ja auch, wenn einen jemand auf eigene Fehler hinweist, gerade in Texten. Dann ändert man die und schreibt dazu, darauf hingewiesen zu sein. So machen wir das seit Jahren in diesem Internet. Muss er ja nicht wissen, er ist ja erst ganz neu hier :) Hab ich gern gemacht, Thomas, nix für ungut.



Stichwort: Eigene Nase

Die Diskussion um Sven Regener. Die Diskusion um die 51 Tatort-Autoren, die ein Pamphlet unterschrieben haben. Die Diskussion um die Piraten, um Christopher Lauer als deren mediales Sprachrohr. Die Diskussion um Schlecker. Die Diskussion um eine Urheberrecht-Erneuerung. Die Diskussion, das es nicht um eine Urheberrecht-Erneuerung gehe, sondern um eine Verwertungsrecht-Erneuerung. Die Diskussion um den EffZeh. Die Diskussion um die FDP. Die Diskussion um Gender Gedöns. Die Diskussion um die neue Madonna-Platte. Die Diskussion um Netzneutralität. Die Diskussion um das Leistungsschutzrecht. Die Diskussion um Vergütung. Die Diskussion ums Zitatrecht. Die Diskussion um die Banken. Die Diskussion um die NPD. Die Diskussion um Homöopathie. Die Diskussion um einen Lynchmob. Die Diskussion um die Ethik der Presse. Die Diskussion um die GEZ. Die Diskussion um Zensur. Die Diskussion um Verantwortung. Die Diskussion um die Diskussion um Verantwortung.

Ich werde mit gutem Beispiel voran gehen und mich einfach mal aus den kommenden Diskussionen raushalten. Zumindest bei Facebook und Twitter. Ich habe das Gefühl, dass zu viel Zeit und Energie dafür drauf geht, zu versuchen einen Ton zu finden, mit dem alle etwas anfangen können und verschiedene Positionen abzuwägen, nur um mich dann nachher doch wieder von der einen oder anderen Seite beschimpfen zu lassen. Und ich merke, wie mir das schlechte Laune macht, wenn mir wildfremde Menschen mehr oder weniger “ICH HABE VERDAMMT NOCHMAL DISKUSSIONSKULTUR, DU NICHTSWISSENDER VOLLWICHSER!”, wenn auch manchmal durch die Blume, virtuell ins Gesicht schreien.

Ich diskutiere gerne. Ich stelle auch meine Meinung gerne zur Disposition, wenn jemand kommt und mich davon überzeugt, das ich mich irre. Nur passiert das in den häufigsten, nein, eigentlich in allen Fällen nur, wenn mein Gegenüber ruhig, besonnen und fundiert argumentiert und nicht wenn er am lautesten grunzt. Und stellt euch mal vor: So geht es den meisten Menschen. Ich verstehe nicht, wie man denken kann es sei von Erfolg gekrönt, wenn man jemanden, den man von seiner Position überzeugen will, mit Häme, Spott, Zynismus und Ironie überzieht. Oder um es kurz zu machen: So nicht.

Der Ton im Netz ist nicht rauer geworden, er ist vor allem unschärfer geworden. Hauptsache draufknüppeln. Und Ohren zu halten und gleichzeitig “Lalala, ich kann dich nicht hören!” rufen. Das ist aber keine Diskussionskultur, das ist Bullshit. Respekt ist ein Fremdwort, weil im Netz alle körperlos sind. Deswegen sind alle immer auf Augenhöhe. Und deswegen freuen sich alle, wenn zum Beispiel Erika Steinbach, die nicht zu ertragende Vorsitzende des Bunds der Vertriebenen, oder wie der heisst, plötzlich auf Twitter ist, weil ihr dann jeder schreiben kann, wie doof und blöd und scheisse er sie findet, anstatt konkret und gezielt zu kritisieren. Wie traurig ist das eigentlich? (Ich hab auch zwei, drei Versuche mit ihr zu diskutieren auf Twitter miterlebt und die Frau ist wirklich beratungsresistent und auch nicht diskussionsfähig, aber da hielte ich dann konsequentes Ignorieren für die schlauere Wahl als permanentes Dissen…but maybe that´s just me)

Geil sind auch Menschen, die in Kommentaren aufschlagen, alles vor ihnen kommentierte ignorieren, weil sie keine Lust haben das zu lesen und eine Diskussion im Zweifelsfall im Keim ersticken, weil sie nochmal von vorne ansetzen, obwohl die stattfindende Auseinandersetzung schon längst viel weiter ist. Wie arrogant ist das bitte?

Ich hab da keine Lust mehr drauf. Wie gesagt, da muss jeder seine persönlichen Konsequenzen ziehen. Für mich bedeutet das zwar kein völliges einstellen meiner sozialen Netzwerkaktivitäten, aber eine deutliche und drastische Reduzierung. Auch wieder mehr bloggen. Vielleicht. Und sicher nicht (nur) über tagespolitische Themen. Im Gegenteil. Wieder offener, frischer, neuer, persönlicher werden.

Ich kann dem ganzen Hass auf der Welt, all dem Schlechten und den Bösen, den Strippenziehern und Lobbyisten, die sogar ihre Oma für ihre Sache verkaufen würden, nur eins entgegensetzen: Eine dicke Umärmelung. Das ändert nicht viel, aber im Kleinen schon.

Zusammengefasst: Ihr änder nichts, n i c h t s, wenn ihr Menschen direkt hart angeht. Die machen dann sofort zu. Ist so. Jetzt kommt mir nicht mit “If you can´t stand the heat…” oder “Wir haben halt keine Lust es zum 1000. Mal zu erklären…” oder “Ist halt Internet” oder “Naja, ist vielleicht ein bisschen ruppig, aber sonst…”, denn das ist alles Bullshit. Schutzbehauptungen, nennt das glaube ich der Jurist. Und wenn ich jemand in aller Ruhe einen Sachverhalt, von dessen Richtigkeit ich überzeugt bin (bis mich jemand vom Gegenteil überzeugt :)), noch zum eine Millionsten Mal erklären muss, so sollte ich das auch genauso tun. Als wenn ich es zum ersten Mal erklären würde. Denn wie arrogant kann ich sein, zu erwarten, das es jeder mitbekommen hätte, wenn ich irgendwas gesagt habe?

Ich halte das Netz für einen der spannendsten Orte ever, aber die Entwicklung, die das gerade nimmt, ist falsch. Vom Diskussionsmedium zum Shitstorm-Tourismus. Nein Danke, ohne mich.

Ohne Menschen wäre das Netz nichts. Also holen wir sie wieder zurück.

Epilog: Während ich mich noch mit diesem Text hier rumquäle, drin rumeditiere und unsicher bin, auf “Veröffentlichen” zu drücken, kommt via Malte Welding plötzlich dieser Text von Dietrich Brüggemann reingetrudelt und ich lese den und mein Grinsen wird von Zeile zu Zeile breiter und am Ende denke ich: “Wie toll! Da hat jemand schon meinen Text gelesen, bevor ich den veröffentlicht habe.”

Was natürlich Quatsch ist, aber beweist: Ein Umdenken findet statt. Wir lassen uns das Netz nicht von Miesepetern wegnehmen oder okkupieren. Willkommen in der Bewegung: “Netz mit Herz”. Ne, das klingt irgendwie nach Musikantenstadel. “Heartweb”. Ne, auch nicht. Das könnte so eine 90er Jahre-Single vom Captain Hollywood Project sein. “Web of love”? Deutlich zu esoterisch. Ich glaub, ich habs: “Heart Nerds!”! Abgekürzt “<3N”. Juchuh! Sofort mal Buttons machen.



We will dance.

this

(Euroweb Direktdance)

I really want you to be… Yeah. Yeah. I really want you to be… I really want you to be! Yeah. Yeah. Yeah! I really want you to be my Lollipop. Yeah…



Die unglaublich fantastische, spektakuläre und herzzerreissende Einhorn-Weltfrieden-Jubiläumswoche

Der Weltfrieden ist jetzt ganze 5 Jahre alt. Für die ein oder anderen vielleicht Zeit, ein erstes Fazit zu ziehen, für mich nicht. Was soll ich für ein Fazit ziehen, das ich nicht schon längst gezogen hätte? Das mir bloggen neue Freunde beschert hätte? Das der Weltfrieden vermutlich wirklich ein kleines bisschen Frieden erzeugt hat? Das ich in letzter Zeit viel zu wenig geschrieben habe? Das die Beiträge auch wieder weltfriedischer werden müssen? Alles geschenkt, alles keine News, alles in Ordnung.

Nun habe ich ein paar befreundete Blogger gefragt, ob sie vielleicht Lust hätten zum Jubiläum das Weltfriedeneinhorn umzuarbeiten, neu zu interpretieren. Und hab ihnen das Bild davon als Datei gleich mitgeschickt (manchmal muss man eben die Pistole auf die Brust setzen..:)). Dabei sind 2 Einhörner zurückgekommen.

Als Huck von Stijlroyal das mitbekommen hat, war er sofort von einem unglaublichen Aktionismus beseelt, der zu einem Blogeintrag bei ihm führte, nur wenige Minuten später. Und der verfehlte seine Wirkung nicht: Bis zum jetzigen Zeitpunkt sind 63 (In Worten: DREIUNDSECHZIG) Einhörner für den Weltfrieden bei mir angekommen. Eine Sechs und eine Drei. 63! 63! 63! Das muss man sich mal vorstellen! Alle feiern das Weltfriedenjubiläum!

Und weil das so viele sind habe ich beschlossen, das jetzt Weltfriedenjubiläumswoche ist. Die ganze Woche die unterschiedlichsten Einhörner. Freunde, das wird ein Fest! Ich freu mich so! Los gehts!

- Schon das erste EinHorn spricht mir geradezu aus der Seele. Und zwar aus meiner Nutella-Seele. Wenn etwas Weltfrieden ist, dann ja wohl Nutella! Danke Anja Gottschling!

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- Obwohl ich ja einmal den “Berliner Verein junger Männer die von Der kleine Prinz genervt sind” ausgerufen habe, mit dem Zitat: “Das Wesentliche ist für das Auge…was machst du da mit der Pistole?!?!?!”, so kann ich mich doch einer der Ideen des Buches nur schwer verwehren, wenn sie so charmant vorgetragen werden, wie in diesem Fall von Anousch. Aber nur dieses eine Mal! :)

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- Antje, die einen recht folgenswerten Tumblr betreibt, scheint einer der Menschen zu sein, die sich nie so recht entscheiden können. Naja, vielleicht doch. Vielleicht gehört sie eher zu den Leuten, die immer so einen wahnsinnig grossen Output haben. Oder sie lässt ihre Kreativität gerne kitzeln und übertrifft sich dann immer selbst. Wie auch immer: Sie hat drei Einhörner geschickt und eins ist toller als das Andere, und zwar genau in folgender Reihenfolge:

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- Barbara N. ist aus mehreren Gründen glücklich. Erstens scheint sie ein zimelicher My Little Pony Fan zu sein, und zu glauben, das es sich dabei um schlechte Menschen handeln muss, fiele wohl nicht nur mir besonders schwer. Und dann hat sie noch nichtmal einen Twitteraccount, zumindest keinen von dem sie irgendjemand berichtet. Deswegen, ganz pur, nur ihr Bild und keine Links. Die neue Nüchternheit, oder so.

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- Wir kommen nun in die wudervolle Welt der Comicblogger und damit zu Bastian. Der hat ein unglaublich niedliches Einhorn gebastelt, mit Schleife ums Horn und Marienkäferfreund und Regenbogen. Mir schiessen gerade die “Oooooh!”-s aus den Ohren und den Nasenlöchern. Ich finde damit ist eine neue Dimension “Cute overload” erreicht und das meine ich nicht sarkastisch oder ironisch, sondern from the bottom of my heart. Was ich auch nicht sarkastisch oder ironisch meine.

bastianmorasteinhoernchen

- Es mag klein sein, aber es ist von Quitzi und Quitzi hat immer recht. Naja, fast immer.

christophwienkequitzieinhorn

- Boah. Claus Ast. Boah! (File under: SOWAS nennen manche Menschen “Skizzen” - die haben mich vermutlich noch nie malen sehen…)

clausastskizzenblogeinhorn

- Als junger Mann erliegt man ja mehreren Irrungen und Wirrungen, vor allem wenn man in einer Kleinstadt gross wird. Da sucht man sich Hobbys noch und nöcher um herauszufinden, was einem wirklich Spass macht. Die örtliche Bücherei kann übrigens ein Verstärker für diese Suche sein, vorrausgesetzt sie hat ein gutes Angebot. Oder um es etwas kürzer auszudrücken: Ich war so zwischen 12 und 14 ein ziemlicher Origami-Nerd. Zurückgeblieben ist davon nichts. Aber wenn man das weiß, kann man sich auch vorstellen, wie sehr ich mich über das Einhorn von Dana Radloff gefreut habe.

danaradloffeinhornrainboworigami

- Ein Einhorn kommt aus der Natur, was liegt also näher als es auch mit ebensolchen Materialien darzustellen? Den Anfang in dieser meisterlichen Disziplin macht hierbei Danielle Elsner mit diesem nicht in-Stein-gemeisselten sondern aus-Stein-geformten Einhorn. I <3 Nature.

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- Wie viele liebenswerte und tolle Memes passen eigentlich in ein Einhorn-Jubiläums-Bild? Diese Frage scheint sich auch Philipp von “Delphine hauen” gestellt zu haben. Er hat nicht nur dieses schöne Keanu Reeves-Meme zitiert oder den Aretha Franklin Hut, sondern auch meinen absoluten Lieblingstumblr: Selleck - Waterfall - Sandwich. Für mich schon jetzt ein Unicorn-instant-classic.

delphinehauennilz1a

- Der Erik mit K reduziert die Dinge gern aufs wesentliche. So hat er das auch mit dem EInhorn gemacht. Was aber nichts daran ändert, das man auch seine Version immernoch total süß finden muss. Da kann man einfach nicht anders.

erikerikmitkeinhorn

Das war der erste Schwung, morgen gehts weiter! Danke an Alle und vor allem Huck, der die ganze Chose ja angestossen hat! Ich bin ein sehr glücklicher Weltfriedenbetreiber!



Das Instrument der Liebe (Update)

So heisst dieses schöne und ergreifende Lied, mit dem ich mich hiermit hochoffiziell zum nächsten Grand Prix bewerben möchte. Damit sollte es klappen. Brandaktuell, catchy und ein super Thema.

Nilzenburgers Instrument der Liebe

Jetzt auch auf Soundcloud (ich vergess immer das da hochzuladen….):

Instrument der Liebe by nilzenburger



Wichita Lineman - Ein Song als Sieger

Erinnert sich noch jemand an meine schonungslose Aufklärungsarbeit um den wundervollen Song “Ooh Child” und dessen frevelhfate Coverversionen? Damals hiess die reisserische Überschrift “Ein Song als Opfer”, beim heutigen Lied aber heisst es “Ein Song als Sieger”. Warum dies?

Nun, ein guter Song zeichnet sich durch viele verschiedene Aspekte aus. Einer aber wird häufig vernachlässigt, ist aber mindestens so wichtig wie alles andere, wenn nicht vielleicht sogar der allerbeste Gratmesser, wenn es darum geht die Qualität eines Songs einzuordnen.

Der Song um den es diesmal gehen soll heisst “Wichita Lineman” und war der grosse Durchbruch des Country-Sägers Glen Campbell. Ich bin mir nicht sicher ob hierzulande jemand den Sänger, geschweige denn den Song kennt. Deswegen hier erstmal das Original, den Smashhit:


[YouTubeDirektGlensFinest]

So weit, so gut. Eine verträumte Nummer über einen Telegrafenmastleitungenausbesserer. Ist ja vermutlich auch der romantischste Beruf, den man sich so vorstelllen kann. Gut, Ironie beiseite: Das Bild funktioniert ganz gut. Dieses tägliche hochklettern, der Duft der Freiheit um die Nase und dann aber auch noch auf den Leitungen mithören können. Das ist tatsächlich ein romantisches Bild. Der Song wurde damals von Jimmy Webb für Campbell geschrieben und das allerbeste ist: Webb tritt auch heute moch auf und erzählt gerne das ein oder andere Anekdötchen. Und dann sitzt da einer im Publikum, filmt das mit, lädt es bei YouTube hoch und wir können uns das alle ansehen um die perfekte Hintergrundinfo zu dem Song aus erster Hand zu bekommen. Ein grün angesprühtes Piano spielt dabei eine Rolle, welche weiss ich selbst noch nicht so genau:


[YouTubeDirektPaintItGreen]

Nun hat man schon beim ersten hören dieses Songs ein Gefühl, das einen irritiert. Man denkt nämlich das Lied hat, relativ ungewöhnlich für einen Countrysong, so etwas wie “Seele” oder anders gesagt “Soul”. Das kann man sehr schön klassisch hören, sexy gespielt, ein bischen Drama in der Stimme und nochmal schöne Bläsersätze geschrieben: Zack, fertig ist der Wichita Lineman zum fummeln.


[YouTubeDirektHutchDerLinemanDoktor]

Das war aber nur Willie Hutchs Soulinterpretation des Kabelreparierers. Selbst innerhalb des Kosmos Soul kann man das auch noch anders auslegen. Man kann das Tempo etwas anheben und dadurch das Drama noch eine Spur erhöhen. Wenn ich auch zugeben muss, das das Stimmchen doch etwas dünn ist. Dafür wird das Stück immer tanzbarer und entfernt sich immer mehr vom Original. Was aber gar nix ausmacht. Vielleicht im direkten Vergleich nochmal das Original oben hören und sich wundern, was sich da rausholen lässt:


[YouTubeDirektOCWichita]

Fünfköpfige Soulgruppen haben immer so ein gewisses Flair. Ein Flair des Choralen, meinetwegen auch funky Choral. So wie die Temptations zum Beispiel. Im Gegensatz zu denen haben aber die Dells den Wichita Lineman gecovert. Mit ganz wunderbaren “Babababababababa”-Adlibs in der Hook. Und einem Sänger mit einem so dermassen coolen, heiseren Schmelz in der Stimme, das ich schon genau weiss wie die Ladys damals geschmolzen sind. Also ich kanns mir zumindest vorstellen. Ich fand ja Mädels, die so eine leicht rauhe Stimme haben auch immer supersexy, warum sollte das bei denen anders sein? Rod Stewart ist ja ein gutes Beispiel, das dezente Heiserkeit im Gesang sogar über überlebensgrosse Warzen hinwegsehen lässt.


[YouTubeDirektFunkyLineman]

Ein Lied, das so oft gecovert wird, über Genregrenzen hinweg, das muss schon ein ziemlicher Hit sein, und ein ziemlicher Hit bedeutet natürlich auch immer was? Ziemlichen Konsens. Und wer stürzt sich auf Konsens? Richtig, Crooner. Die haben ja alles gesungen, von dem sie sicher sein konnten, das es irgendwer mag. Ein Paar waren dabei so cool, da sie das mit einer gewissen Selbstironie taten (Dean Martin), einige haben sich da etwas zu ernst genommen (Sinatra) und andere waren irgendwie nie so richtig Bewohner unseres Planeten. Zu letzteren zählte sicher auch Sammy Davis Jr., der immer gerne das machte, was ihm gerade in den Kram passte. Und dazu zählte eben auch, mal ein Countrylied zu croonen. Gut, es ist nicht wirklich gecroont. Es ist sogar ziemlich hochgejazzt, ohne dabei jazzig zu sein. Es ist geuptempoter Soul, der eigentlich schon fast Disco ist. Aber dafür etwas zu Old-School-Funky. Die Orgel, Alter, die Orgel! Hammerversion! Man spürt förmlich Sammy Davis Schweiss von der Bühne auf einen spritzen.


[YouTubeDirektWichitaRatPack]

Wenden wir uns den etwas skurileren Coverversionen zu, denn im Soul scheinen wir schon jede erdenkliche Form abgehandelt zu haben (die Downtempo-Reggae-Version habe ich jetzt euch und mir mal erspart, die ist nicht wirklich spannend. Stellt euch das Lied einfach noch langsamer vor, dann habt ihr eine ungefähre Vorstellung).

Mediensatire ist ja immer so eine Sache. Meistens geht das etwas daneben, wenn man dem Medium, in dem man mit seiner Satire ja schliesslich doch auch stattfinden möchte, nicht allzu sehr auf den Schlips treten will. Heraus kommt meistens etwas unfertiges, ungares, mit dem dann eigentlich niemand so richtig etwas anfangen kann. Ob es sich bei dem folgenden auch darum handelt, weiss ich gar nicht so genau, ich bin auch gerade zu faul nachzusehen, aber ich habe den schweren Eindruck, das ich ganz richtig liege. Mit diesem gefaketen Zapping und der Ansage, das jetzt ein Sänger für die Kinder kommt und dann da ein komisches Monster steht, mit einer Maske die selbst GWAR zu peinlich gewesen wäre, das alles atmet die Luft einer frechen Abrechnung mit dem Fernsehen. Allerdings ist diese Version des Webb-Songs zu merkwürdig, um sie nicht hier zu zeigen. Ich gucke da fasziniert hin: Alles sieht irgendwie scheisse aus, hört sich auch scheisse an, aber der Song kriegt einen trotzdem.


[YouTubeDirektSchlechtesProgrammLineman]

Ein Phänomen das ich nie so recht verstanden habe, ist dieser Neo-Sixties-Sound. Warum sollte es cool sein zu versuchen, heute die Musik der 60er nachzuempfinden? Damit meine ich nicht so einen wirklich schmerzhaften Frevel wie den einer Amy Whinehouse, die einfach nur ein grossartiges Instrumental nimmt (Ain´t no mountain high enough) und durch eine neue, selbst schlecht ausgedachte Gesangesmelodie verhunzt, ich meine eher so nachempfundene Sachen wie zum Beispiel “Hip Teens…” von Frank Popp. Ich steh da irgendwie nicht so richtig drauf, weiss auch nicht warum. Vielleicht weil ich finde, das die Musik von damals so reichhaltig ist, das es da noch ohne Ende Acts und Songs zu entdecken gibt, die ich noch gar nicht kenne und deswegen keinen Aufguss brauche. Ich weiss es doch auch nicht. Eine Band, die das aber anscheinend auch gerne macht und von der ich noch nie etwas gehört habe ist/war Optiganally Yours, die ganz offensichtlich auch in Japan getourt sind und auf der Bühne etwas machen. Fragt mich nicht was, ich habe es nicht so ganz kapiert. Aber schon allein weil die mitten in den Song einen Breakdance-Battle einfügen (übrigens ohne jegliches tänzerische Talent) und als Basis für ihr Lineman-Cover einen simplen HipHop-Beat nehmen, sollte man das mal gesehen haben:


[YouTubeDirektRocksteadyLineman]

In den letzten Jahren war es plötzlich total Hip und angesagt, Chöre zu gründen. Und Popsongs zu singen. Das war meistens sehr charmant und hatte so eine gewisse ironische Note, aber so schnell wie dieser Trend erschienen ist, ist er auch wieder verschwunden. Was vielleicht ganz gut war, denn so ein Konzept hält sich irgendwie nicht wirklich auf Dauer. Glaube ich. Da gab es doch diesen belgischen Schulchor, oder? Naja, keine Ahnung. Ich mag aber auch die Ausstrahlung klassischer Chöre. Man erwartet immer das die jetzt so Blues-Brothers-mässig durch die Halle turnen. Aber ich bitte euch: Doch nicht beim Wichita Lineman!


[YouTubeDirektGediegenerLineman]

Hab ich eigentlich schonmal erwähnt, das ich gerne eine Lap Guitar hätte? Nein? Ich hätte gerne eine Lap Guitar. Ich weiss auch nicht warum, vermutlich würde und werde ich sie auch nicht spielen können, aber ich finde das so ein stylisches Instrument. Wenn ich die irgendwo sehe, dann kriege ich immer direkt Bock, die auch mal zu spielen. Vielleicht würde es schon reichen, wenn ich die irgendwo mal ausprobieren täte, aber selbst das schein nciht ganz so einfach zu sein. Hierzulande sind die Teile dann doch etwas spezieller. Mir fällt ja auch auf Anhieb kein Spezialgeschäft für Kuhglocken oder Alphörner ein. Um an dieser Stelle mal ein ziemlich weit hergeholtes Beispiel zu bringen. Komischerweise scheinen Lapguitars auch superuncool zu sein und nur noch von alten Säcken gespielt werden zu können. So sieht es zumindest aus. Womit ich nicht sagen will, das der Mann in dem folgenden Video ein alter Sack sei. Er ist halt ein alter Mann, mit einer gewissen Sackform. Geht das so? ;)


[YouTubeDirektSlideSlideSlideman]

Wo wir schonmal bei Instrumentals sind, können wir ja auch gleich noch etwas jazziger werden. Jazztrios. Oh du Hort seltenen Spasses. So wird man auch im folgenden Video nur schwerlich jemanden lachen sehen. Aber das Leben eines Lineman ist nunmal auch kein Spass, vor allem nicht bei so einem melancholischen Song. Da ist höchste Konzentration gefragt. Man sieht förmlich, wie der Gitarist die Strommäste erklimmt und von oben in den Sonnsnuntergang über der Wüste Arizonas blickt. Vermutlich kommt er eigentlich aus Osnabrück und ist Sozialversicherungsfachangestellter. Da seht ihr mal wieder, was im Jazz alles möglich ist!


[YouTubeDirektWichitaSoFa]

Nun, wir hatten Jazz, einen Chor, die Bandbreite des Soul, ein paar andere Countryhanseln haben das auch noch gecovert, was fehlt denn da eigentlich noch? Wie wäre es mit Rock oder Indierock oder Alternative oder wie immer man das, wofür die Band steht, auch immer nennen möchte. Das kommt ja auch auf den Standpunkt des Betrachters an. Für Pur-Hörer sind das sicherlich die Alternative-Typen vor dem Herrn, für Sonic Youth-Fans sind die wohl eher sowas wie Bon Jovi. Wie man es auch dreht und wendet: R.E.M. sind mir 10000mal lieber als U2. Und ausserdem haben sie was gemacht? Richtig! Den Lineman gecovert:


[YouTubeDirektShinyHappyLineman]

So weit ein kleiner musikalischer Überblick über die wirklich weite Reise, die der Wichita Lineman schon gemacht hat. Ich finde es gibt selten Songs, die so vielfältig und unterschiedlich gecovert wurden, wie dieses kleine Liedchen. Klar, es gibt Songs die öfter nachgespielt wurden (”Yesterday” anybody?), aber das waren Songs, die nie viel Spielraum für Interpretationen liessen. Das ist hier anders. Jetzt habe ich die Nummer aber schon zigmal in zig verschiedenen Versionen gehört, damit soll es erstmal gut sein. Etwas sollte man aber nicht machen: Glen Campbell mit Kenny Rogers verwechseln. Ich bitte euch, das ist nun wirklich ein Unterschied wie Tag und Nacht. Für Exil-Schotten aber anscheinend nicht.


[YouTubeDirektGlenKennyDudelsack]

Bleibt mir als Fazit nur noch eins: Ich habe ja zu Beginn schon mit der Beweisführung angefangen und gesagt, das es ein wichtiges Merkmal gibt für die Qualität von Songs. Bei Ooh Child war der Beweis, das auch schlechte Versionen einen guten Song nicht schlechter machen. Beim Wichita Lineman ist es anders:

Ein guter Song bleibt, wieauchimmer gecovert, immernoch ein guter Song.

Was für eine schöne Entdeckung.



Spanien, bei Fuss! (Zweiter Teil)

Der erste Tag, die ersten dreissig Kilometer. Ich war nicht schlecht, wirklich nicht. Ich habe extrem lange mitgehalten. Aber so ganz langsam (und ohne das ich es wirklich zuzugeben im Stande gewesen wäre) leuchtete mir doch ein, warum die so einen Wert auf dieses “Wanderschuhe”-Thema gelegt haben. Die wurden nämlich langsam ziemlich ungemütlich. Echt jetzt mal. Zähneknirschend nahm ich das hin, aber fiel immer weiter zurück. Auch das Lockenmädchen setzte sich jetzt von mir ab, ich war einfach zu langsam. Und verlor immer mehr Geschwindigkeit. Und noch langsamer. Und noch langsamer. Und…noch….laaaa…..ngs….aaaa….m…eeee..rrr….

Damit kommen wir zu dem Teil, an dem ich meinen tiefsten und herzlichsten Dank an den Hochleistungssport aussprechen muss. Und zwar nicht weil er mich in meiner prekären Situation zu Höchstleistungen getrieben hätte, iwo, wo denkt ihr hin? Aktiver Sport und ich, wir waren tatsächlich immer wie so zwei Gangs aus der Stadt die sich respektieren und ein Wafenstillstandabkommen geschlossen haben, aber wehe einer würde sich mal alleine in das Viertel der anderen wagen: Wenn er das tut, dann geht das selten gut aus. Mein Dank an den Hochleistungssport gehet eher über 3 Banden. Also: Die am Rande eines Spielfelds, nicht die Gangs.

Die Kommilitonin des Lockenmädchens hat früher nämlich ziemlich ausgiebig Hochleistungssport betrieben. Ich weiss zwar nicht genau welchen, aber irgendeiner bei dem man körperlich zumindest ne Menge zu tun hat. Und das kann, wenn man es zu exzessiv macht, eben schon in jungen Jahren gerne mal auf die Knochen gehen. Welch Ironie des Schicksals: Da ist das (ehemals) ultrasportliche Mädchen, das auch brav seine eigenen, neuen Wanderschuhe selbst eingelaufen hat, an den unsportlichen Fremdschuhwanderer mehr oder weniger gebunden. Denn wir hatten beide dasselbe Tempo, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Das klingt jetzt nach Zweckgemeinschaft, das hört sich an nach unüberwindbaren Differenzen und extremst unterschiedlichen Interessenslagen. Und genau so war es auch…NICHT! Dieses Mädchen war so unglaublich lustig, beseelt von einem wundervollen, bösen (aber nicht verletzenden) Humor. Ich hatte meine Wegbegleiterin gefunden. Wir teilten uns meinen Wanderstab, wenn es bergauf ging hielt ich ihr den Stock hin und zog sie hoch. Und immerwieder mussten wir uns die Bäuche halten vor lachen. Das war einfach alles zu absurd. Auf was hatten wir uns da bitte eingelassen?

Nun war es nicht nur lange her, das wir überhaupt noch jemanden aus unserer Gruppe gesehen hatten, nein, langsam liess auch die Wanderer-Dichte generell nach. Wir folgten zwar immernoch den gelben Pfeilen, aber es war langsam spät und die meisten waren wohl schon in ihren Herbergen eingechekt. Und da sahen wir es am Ende der Strasse: Unser Hotel. Wir hatten uns auf dem Weg noch in einem kleinen Laden ultrahässliche 80er-Jahre Stirnbänder im Partnerlook geholt, die da nicht verkauft wurden, weil sie so hip waren, sondern weil sie immernoch da rum lagen. Haben, glaub ich, einen Euro oder so gekostet. Also: Ich, mit Bart, Stirnband das die langen Haare vom Kopf weghält, Rucksack auf dem Rücken unter dem die quer zwischengestopfte Regenjacke rausguckt und ein erschöpftes Mädchen im Sportdress, ebenfalls mit dem gleichen türkis-pinken Kopfschmuck. Mit der Verve zweier Menschen die 27 Beckenoperationen hinter sich haben müssen nahmen wir die 3-stufige Treppe ins Hotel. Wir hörten die anderen auch schon. Sie waren im grossen Speisesaal.

Mit der letzten Kraft schmissen wir uns durch die Schwingtür und traten mit einem lauten “Wir sind da!” ein. Ein kurzer Moment der Irritation. Mehrere Augen guckten uns an, als wenn sie einen Geist gesehen hätten. Und dann: Nicht enden wollender Applaus. Ich weiß nicht ob wir schon abgeschrieben wurden, ob schon Hubschrauber nach uns geschickt wurden, aber offensichtlich hat niemand mehr ernsthaft mit uns gerechnet. Was vielleicht auch erklärt, das alle schon ihr Abendessen hatten, wir haben dann aber extra welches serviert bekommen und wurden mit Fragen gelöchert. Wir assen und dann ging erstmal jeder auf sein Zimmer.

Liebe Zartbesaitete: Jetzt wird es ein wenig ekelig. Denn ich zog meine Schuhe aus. Und die dicken Wollsocken. Und die dünneren Socken darunter auch. Und dann kam ich an die letzte Sockenschicht. Da merkte ich dann schnell, das ich die eher langsamer und mit einer gewissen Vorsicht ausziehen musste. Nachdem ich mich also aus den Strümpfen gepellt hatte, sah ich das ganze Ausmass: 5-Mark-Stück grosse Hautfetzen hingen mir von der Ferse schlaff runter. Dahinter nässendes, rotes Fussfleisch. Ich dachte, das ich das erstmal säubern sollte und erlebte in dem Moment, als ich die Überreste meiner Füße unter fliessendes Wasser hielt, wirklich unglaubliche, nie erahnte Schmerzen, die mir bedeuteten: Ne, lass das mal lieber mit dem Wasser. Ich legte mich so ins Bett, das meine Füsse unten heraushingen und ich einigermassen schlafen konnte. Dann fiel ich ins Lummerland.

- Tag 2
Am nächsten Morgen waren, zu meiner Verwunderung, meine Füße noch nicht verheilt (ich bin ja kein Mediziner, ich gehe immer vom besten Heiliungsprozess aus). Nun waren, zum Glück, in unserem “Betreuerteam” auch Arztgattinnen zugegen. Denen konnte ich meine Füsse zeigen, was sie zu spontanen Begeisterungsstürmen hinriss, das sie so etwas noch nie gesehen hätten, etc. Die Damen waren natürlich auch bestens ausgestattet und verarzteten mich erstmal mit Sprühpflastern, was mir tatsächlich angenehme Linderung bescherte und ich konnte erstmal in Ruhe frühstücken. Nun war mein Schicksal der Gruppe natürlich nicht verborgen geblieben und in einem Akt totaler Selbstlosigkeit (für den ich ihm heute immernoch, vielleicht sogar noch mehr als damals aus tiefstem Herzen dankbar bin), lieh mir ein Kommilitone seine Reef-Sandalen für den Rest der Reise. Das waren keine Flip Flops, sondern so richtige Sandalen eben. Die sahen jetzt auch in Socken nicht wahnsinnig sexy aus, aber ich merkte auch bald: Diesen Weg wird man ohne sexyness bestreiten müssen. Hier will sich einer gegen mich stellen, da muss ich eventuelle Fusskleidvorlieben des anderen Geschlechts beiseite lassen. Denn das geile an den wirklich saugemütlichen Sandalen war ja: Die waren an der Hacke quasi frei.

Okay! Ich war wieder im Rennen! Also, zumindest wieder im Spiel, denn trotz aller High-Tech-Pflaster und Luft-Fuss-Schuhwerke konnte ich natürlich immernoch nicht schneller gehen. Das verhinderten auch die vielfältigen Blasen an meiner Fusssohle, die dort offensichtlich einer Werkschau über die Mannigfaltigkeit des Auftretens von Blasen an Füssen veranstalteten. Beim Start hab ich mitgehalten, aber ich fiel schon schnell zurück. Das Lockenmädchen ist pflichtbewusst und solidarisch eine Zeitlang in meinem Tempo mit gelaufen, aber irgendwann hat auch sie, verständlicherweise, meine Entdeckung der Langsamkeit nicht mehr aushalten können. Und damit zurück zu den absoluten Vorzügen des Hochleistungssports…:)

Fortsetzung folgt…