Domian hat 18-jähriges Jubiläum und das bedeutet, mehr oder weniger, dass ich seit 18 Jahren jede Nacht zwischen 1 und 2 Uhr WDR gucke. Das ist die Hälfte meines Lebens! Grund genug also, dieser Sendung mal ein paar Zeilen zu widmen:
Domian und ich, wir haben ungefähr zur gleichen Zeit beim Fernsehen angefangen. Er ein Jahr später als ich, aber dafür auch deutlich konstanter on Air. Dabei hat er viele andere Call-in-Formate kommen und gehen sehen. Aber Domian blieb. Bis heute. Warum?
Domian hat Meinung, der sitzt da nicht so neutral wie möglich, sondern der macht auch mal Ansage, wenn ihm etwas gehörig gegen den Strich geht. Das Angenehme dabei ist, das er nicht psychologisch oder juristisch korrekt argumentiert, sondern nur nach gesundem Menschenverstand. Dass er dabei in den vergangenen 18 Jahren schon eine Menge gehört hat, ist klar. Manchmal tut er heutzutage noch so, als würde ihn ein Anrufer mit irgendeiner seltsamen Neigung schocken. Das kann man ihm nicht mehr so richtig abnehmen. Der hat doch schon alles gehört. Legendär dabei ist sicherlich der Hackfleischbeischläfer - wobei ich mir bis heute unsicher bin, ob der sich nicht einen Spaß gemacht hat. Aber vielleicht ist das auch der Witz von Domian oder das Geheimnis: Alles sofort Ernst zu nehmen, auch wenn es zum lachen ist. Dann lachen und trotzdem ernst nehmen.
Unvergessen auch dieser FC-Fan-Depp, der die Anti-Pezzoni-FB-Seite initiiert hat und dann auch noch bei Domian anruft. Oh Lord.
Ich hab aber noch einen persönlichen Bezug zu Domian:
07.09.1996
Ich sitze in meiner ersten eigenen Wohnung (WG) in Köln und hab das Telefon bereitliegen. Der Fernseher läuft. Die Leute erzählen Domian ihre Probleme. Dabei steht ein Foto von mir in die Kamera gerichtet neben ihm auf dem Schreibtisch. Das Bild musste ich ihm selber einwerfen gehen, bei irgendeiner Adresse in der Stadt. Da hab ich mir noch gedacht: “Guck mal, ich soll das einwerfen, weil der bestimmt so einen komischen Schlafrhythmus hat und ein reiner Nachtmensch ist. Wie so einer, der von der Schicht kommt.” Das fand ich sehr interessant.
In der Sendung hat er dann von seinen Anrufern Fragen an mich gesammelt und mich zehn Minuten vor Ende angerufen, um die mit mir abzuarbeiten. Leider kam irgendwie keine wirklich interessante Frage, was ein bisschen schade war, aber cool fand ich es trotzdem, so Teil der Sendung zu sein. Als ich einige Zeit später (für mich) überraschend Proband eines Piloten einer KHM-Sendung war, ist er in der Sendung noch mal aufgetaucht, ich glaube als Bühnenhelfer zusammen mit Biolek. Was für eine Ehre (Einer Sendung übrigens, in der Wolfgang Lippert als Zauberer für mich aufgetreten ist.). Mehr hab ich mit dem leider nie zu tun gehabt. Aber ich mag den.
Domian ist einfach superrreal. Ich find es schade, dass die Talkshow-Versuche von dem nie so hingehauen haben, ich fand die nämlich immer extrem gut. Wie der da einmal diesen Nazi bei sich in der Sendung hatte und dem die Meinung gegeigt hat, dass war toll. Domian ist sozusagen in den Medien das personifizierte Rückgrat.
Und natürlich liebe ich, wie alle Anderen auch, die ganzen Spinner, die da immer anrufen und so herrlich skurril sind. Ich erinner mich an einen Anrufer, der meinte Unglücke im Traum vorhergesehen zu haben. Dann erzählte er von einem Flugzeugabsturz, an den sich aber Domian nicht erinnern konnte und der Anrufer kam total ins stottern, weil seine Konstruktion plötzlich im Eimer war. Ich hab mich kaputt gelacht. Ich glaube, das war einer der lustigsten Anrufer ever. Domian ist aber ganz ernst geblieben (ich meine abe gesehen zu haben, wie er ein Schmunzeln unterdrückte…). Für solche Anrufer liebe ich die Sendung.
Deswegen, Domian, alles Gute und Beste zum Jubiläum! Du bist ein wichtiger Anker des deutschen Fernsehens! Echt jetzt mal (Und halb Twitter würde ohne dich nachts zu Grunde gehen…). Deswegen: Alles so weitermachen wie bisher. Auf die nächsten 18 Jahre!
Hui, also hier ist ja was los! Also eigentlich nicht! Es ist also los, das viel zu wenig los ist!
Habt ihr auch dieses diffuse Gefühl, dass der/die/das Fandom irgendwie so wenig, so unausgeprägt ist? Vielleicht liegt das daran, das die EM kleiner ist als eine WM, aber das reicht mir nicht als Grund. Deswegen war ich für euch ermitteln, auf der Fanmeile. Meine liebste Brause Coca-Cola hat mich eingeladen, mir das Geschehen einmal dort am Brandenburger Tor anzusehen und mich als “Fanreporter” zu versuchen. Und weil ich so einen Quatsch gerne mache und mir wenigstens ein Spiel auch mal dort, auf der Fanmeile, ansehen wollte und weil auch eine meiner liebsten Freundinnen mitgekommen ist und weil der Hermi auch da war - aus all diesen Gründen hab ich das dann einfach mal gemacht. Ich hab fürs bessere reportieren dann auch ein iPad in die Hand gedrückt bekommen. Und durfte das mit nach Hause nehmen. So. Nun ist alles offen gelegt. Wer glaubt, das ich jetzt nicht mehr frei schreiben kann, der möge bitte nicht weiterlesen. Alle anderen: Viel Spass.
So stand ich also da, beim Klassiker Deutschland - Niederlande und hab mir mal angeguckt, was die Menschen immer auf die Strasse hinterm Brandenburger Tor zieht. Das ist, ehrlich gesagt, nicht viel. Also ja, die Stimmung dort ist exorbitant gut. Ich hab eigentlich keine Hauereien sehen können, das ist für so eine Menschenmenge überraschend friedlich abgelaufen alles. Schon mal dufte.
Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt und so mit hab ich auch die Schattenseite einer solchen Grossveranstaltung miterleben dürfen: Lokalradiomoderatoren, die die Menge anfeuern. Abgesehen davon, dass die mir mit dem Vorschlaghammer der Wiederholung, ihren Sendernamen inklusive Frequenz ins Hirn gezimmert haben, waren die sich auch nicht zu blöd, jeden noch so abgedroschenen Fangesang anzustimmen, die wiederum von der Masse sofort aufgenommen und weitergesungen wurden. Ja, das funktioniert zwar, aber ist es deswegen auch gut? Die Spiele, die die zwischendurch gespielt haben, waren so ein bisschen okay (Zwei treten Fitness-mässig gegeneinander an für ein Ticket zum Finale) und so ein bisschen schmerzhaft (Zweier-Teams treten in Fangesängen gegeneinander an). Aber um mich herum wurden die eher nervig gefunden. Naja. Meine Art des moderierens ist dieses “HEY! WIR SIND JETZT ALLE SUPERGUT DRAUF!!!!” eh nicht. Ich bewundere immer Typen, die das können. Ist nicht leicht. Vor allem nicht vor so einer Masse. Dennoch: 2 Gramm mehr Hirn wären auch hier möglich.
Aber alles nicht so wild, ich bin ja nicht da gewesen, um das literarische Quartett zu sehen. Erstmal hab ich sowieso einen alten Freund dort, in diesem VIP-Bereich, wiedergetroffen. Lang haben wir uns nicht mehr gesehen. Ihn zieht es auch immer wieder aus Köln weg, so wie jetzt auch. Da haben wir ein wenig sinniert und über die ganze Welt nachgedacht. Das kann man hier ganz gut sehen:
Nachdem Lukas und ich uns voneinander verabschiedet haben, war auch schon die erste Halbzeit vorbei. Und wir steuerten direkt auf das absolute Highlight der Veranstaltung zu, das noch niemand ahnen konnte. Das Showprogramm auf der Bühne startete etwas lahm mit dem Spruch: “WIR MACHEN JETZT 15 MINUTEN PARTYYYYY!!!!”. Das hab ich schon aufregender gehört. Aber gut. Wir, das heisst unsere kleine Reisegruppe, unterhielten uns und analysierten die erste Halbzeit, wenn wir schon die TV-Analyse nicht sehen durften.
Und da fiel er mir auf. Ein versierter Tänzer, der ein wenig betrunken wirkte, aber dennoch offensichtlich absolut sicher stand. Warum er mir auffiel? Nun ja, er tanzte an einer etwas exponierten Stelle:
Ich bewundere ja immer Leute, die so hammergut klettern können und scheinbar problemlos in so luftige Höhen steigen. Schon alleine dafür hat der Kollege meinen Respect. Das sind richtige Fans, die das machen. Nun, nach einem wilden Tänzchen wurde es ihm ein wenig langweilig und er setzte sich hin.
Da sass er nun und verfolgte das Geschehen. Das Ding war nur: Das Geschehen war plötzlich er selbst. Auf der Bühne sollte gerade Oceana ihren offiziellen EM-Song singen. Nach nur ca. 20 Sekunden wurde jedoch das Playback abgebrochen. Große Verwunderung allenthalben. Sollte die FIFA eingelenkt haben? Nein, das war nicht der Grund für den abrupten Stop der Musik. Nach ca. 10 Minuten hat man auch auf der Bühne den Ampelmann entdeckt (oder ist von den Sicherheitskräften darauf hingewiesen worden) und das musste unterbunden werden. Deswegen plötzlich der dringende Appell des Moderators mit dem vergeblichen Versuch, die Masse gegen den Hochlufttänzer aufzuhetzen:
Zwei Sachen sieht man nicht:
1.) Auf der Leinwand über der Bühne steht groß geschrieben “runter!!!”. Hihihihi!
2.) Auf den Kletterer hat sich direkt eine Fußballmannschaft Securitys gestürzt. Ich glaub nicht, das der nochmal auf die Fanmeile darf. Maike hat das übrigens alles tausendmal besser als ich beschrieben. Und zwar hier.
Auf jeden Fall war die Halbzeitpause dadurch sehr spannend. Das Spiel wurde gegen Ende auch noch mal nägelkauend aufregend und dann war es auch schon plötzlich vorbei. Deutschland hat, nicht schön aber wirksam, sein zweites Spiel 2:1 gewonnen und, vielleicht ein erster Indikator für ausbleibende Superextase im Land, war trotzdem noch nicht sicher weiter. Das ist doch auch bescheuert. Die Leute wollen sich freuen, haben zwei von drei Spielen gewonnen und man muss ihnen als erstes sagen: Du, ihr seid aber noch nicht weiter. Ich glaube dieser Dämpfer, hat die gesamte Stimmung und Euphorie im Land gedämpft. Und die muss man jetzt mühsam wieder hochziehen. Nun ja. Meine bescheidene Psychoanalyse eines gesamten Landes. Gestatten: Bokelberg, Länderpsychologe. Klingt gut!
Nachdem das Spiel gelaufen war, feierten die Menschen noch ein wenig und verschwanden dann peu a peu, bis die Fanmeile wieder leer war und die Musik aus. Ruhe und Müllmänner. Ich mag die Romantik verlassener Feste.
Die große Frage aber blieb und bleibt: Was bleibt von diesem Abend? Lustige “Wir albern rum im VIP-Fotoautomaten”-Bilder? Ja, die auch:
Aber das reicht doch nicht. Wenn ich an die Songs denke, die zwischendurch gespielt wurden, dann wird es mir wieder klar: Deutschland hat keinen EM-Song, vor allem die Fans haben keinen Song! Das ist doch schlimm, das geht doch nicht! Ich, als Komponist und Autor des großen WM-Hymne und Ballade “Instrument der Liebe” muss eingreifen! Sofort wird das redaktionelle iPad mit Garageband angeworfen, um Abhilfe zu schaffen.
Mal überlegen: Worum geht es beim Fansein? Mal überlegen. Wir haben ja so Fanklatschen bekommen, so Pappfächer mit denen man laut klatschen kann. DIE dürfen laut sein. Meine Vuvuzela musste ich aber am Eingang der Fanmeile abgeben, weil, wie mir gesagt wurde, der Veranstalter die nicht da haben wolle. Ich war empört. Zensur ausgerechnet am Brandenburger Tor! Aber gut, was ist denn noch laut? GENAU! Und schon hatte ich den ersten Song parat. Das geklatsche, das man die ganze Zeit im Lied hört, hab ich übrigens mit den original Fanklatschen vom Brandenburger Tor eingespielt. Wahnsinn.
Aber, ach, ich weiss auch nicht. Das ist es noch nicht. Da wollte ich irgendwie nicht hin, das ist so negativ, so anti. Ausserdem der Sound, der klingt so ein bisschen outdated. Wer will denn heute noch Akkustikgitarren mit Orgelsolo hören und leicht übersteuertem Gesang mit aufgesetztem Rio Reiser-Akzent? Also, ich war nicht überzeugt. Deswegen musste ich nochmal ran.
Wenn man sich die Modeblogs ansieht (und ich sehe mir GERNE Modeblogs an - wenn auch nicht wegen der Mode, sondern wegen der hübschen Mädchen), so scheint das 80er-Revival doch immernoch im vollen Gange zu sein. Gut, ausser vielleicht bei Robyn, die sich entschieden hat, das schlimmste aus den 90ern zu tragen und zu verkörpern, aber okay. So sind sie, die Paradiesvögel. Ich hab mich also an der Kühle und Monotonie der 80er orientiert und geguckt, ob sich das mit dem Fansein verbinden liess:
Okay, ganz ehrlich: Das kann man doch nicht gröhlen! Das ist doch ausserdem total unemotional. Nein, nein, nein. So geht es auch nicht.
Ich brauche Emotionen, ich brauche Udo Jürgens Gefühl, ich brauche Fans, am Besten jeglicher Richtung. Ich brauche ein Lied, das alle mitnimmt. Eine Ballade, eine Powerballade! Das ist es! So muss es klappen! Fünf Minuten und sechsunddreissig Sekunden echte Gefühle! (Der eventuell etwas müde wirkende Gesang sei der frühen Stunde der Aufnahme entschuldigt - und der Tatsache das ich kein Studio hab. Aber das ist ja auch nur ein Demo…) Für mich ganz klar der Nachfolger des großen “Instruments der Liebe”:
EM gerettet.
Heute bitte gegen Griechenland gewinnen.
Und hier noch ein frisch gemachtes Poster meines Fanmeilenhelden:
Eine liebe Freundin von mir ist schwanger. Und seitdem ich das weiß und wir uns sprechen, hau ich die ganze Zeit Tipps raus. So wie: “Na, schon Geburtstvorbereitungskurs ausgesucht?”. Natürlich gefolgt von einem: “Naja, so wichtig ist das auch nicht, aber schon interessant.”. Und dann seine geballte Erfahrung (”Nach sechs Monaten kannst du ja dann auch endlich wieder Alkohol trinken, denn dann müsstest du ja abstillen…”) immer so en passant ins Gespräch einfliessen lassen (”Ja, ne, scharf essen ist nicht so gut…!”).
Und das ist so lustig, weil ich mich automatisch als “Experte” geriere, nur weil ich vorn ziemlich genau 11 Jahren meiner damaligen Freundin und heutigen wichtigsten Vertrauten und bester Freundin dabei geholfen habe, unsere Tochter auf die Welt zu bringen, so weit man da als Mann neben dem Bett eben helfen kann, bei so einer 20 stündigen Dauerbelastung. Ja, ich hab mich auch vorher informiert und so, aber eigentlich: Kinder haben zum Glück auch schon viele andere Leute vor mir und nach mir auf die Welt gebracht. Von denen haben aber mit Sicherheit die Wenigsten das Gefühl, sobald sich in ihrer Nähe ein Damenbauch wölbt, gleich Ernährungstipps geben zu müssen. Ich weiß auch nicht, woher das kommt. Ich bin irgendwie immer noch so fasziniert von der ganzen Thematik, dass ich sofort ins erzählen und beratschlagen komme, wenn sich die Gelegenheit bietet. Wobei hier “erzählen und beratschlagen” wohl zu großen Teilen als Euphemismus für “klugscheißen” gelesen werden kann.
Im Nachhinein fiel mir das auch auf und ich entschuldigte mich dann. Sie fand das aber gar nicht so schlimm, wie es mir vorkam. Im Gegenteil, sie freue sich über meine Tipps, liess sie mich wissen.
Oh oh.
Ich bereite dann jetzt mal mein 12-seitiges Referat über Beckenbodenübungen, Rückbildungsgymnatik und Dammrisse vor.
Meine Fragen sind sinnlos, wenn mir überhaupt eine einfällt. Ansonsten rede ich viel und lasse die Band, die um mich herum läuft und um die es eigentlich geht, selten zu Wort kommen. Wir sind offensichtlich befreundet und es fällt uns bzw. mir schwer, wieder den Abstand zu finden, um ein Interview zu führen. Ein informatives Interview. Immerhin, wir bekommen raus, dass die Band eine neue Platte hat. Wir erfahren auch wie diese Platte heißt und wer ganz genau hinguckt, kann auch sehen, wie das Artwork des Albums ist. In einem der wenigen Momente, in denen mal eine Frage mit etwas mehr Inhalt aus mir herausblubbert, versagt dann die Band. Der Sänger antwortet mir, aber es fällt ihm schwer herauszustellen, was an seinem neuen Album so Besonders sei. Im Prinzip haben in diesem Beitrag alle Beteiligten versagt. Sogar der Schnitt…naja. Die haben halt versucht zu retten, was noch zu retten war von dem Material, das ich ihnen aus Dänemark mitgebracht hab. Niemand kann behaupten, ich hätte ihn nicht gewarnt. Hier ist das Interview.
Ich durfte mit meiner Lieblingsband ein paar Tage mit auf Tour gehen, mit im Nightliner schlafen! Meine Freundin war auch dabei, ich war selig. Das Wetter war hervorragend und wir haben den ganzen Tag mit absolutem Nonsens verbracht und uns alle nur kaputt gelacht. Jeder Tourbus, jeder Hi8-Ausschnitt in diesem Beitrag ist mir beim Ansehen sofort wieder ins Gedächtnis gesprungen. Ich musste sofort wieder lachen, hatte Tränchen in den Augen, weil ich mich an die Lachkrämpfe erinnerte. Ich erinnere mich, dass es im Backstageraum eine Schachtel Zigaretten für uns alle gab, weil die Sponsor des Roskilde-Festivals waren. Ich erinnere mich, dass wir danach noch auf ein anderes Festival gefahren sind, auf dem ich Alex im Rasen liegend filmte, wie er “Strawberry Fields forever” acapella sang, was super lustig und auch super gut war. Und wie meine damalige Freundin dann mit der Kamera zu NOFX ging, die vor ihrem Tourbus sassen und die dazu brachte “Fritten und Bier ist super!” in die Kamera zu sagen, was mich natürlich unheimlich stolz machte. Ich weiss wie lustig und insiderig und bauchschmerzlachend jede einzelne der Szenen in dem Beitrag zu Ende ging. Ich bin froh, das dieser kurze Clip jetzt aufgetaucht ist und mich an all das erinnert. Vielleicht könnt ihr ein bisschen dieser Laune jetzt auch spüren, wenn ich euch mein schönstes Interview ever zeige:
Scheiss doch auf alle Diskussionen, auf den ganzen Hass, mit dem sich alle gerade im Internet gegenseitig bewerfen. Vergesst das alles. Denn es gibt Geschichten, bei denen ist man glücklich das es das gibt, dieses Netz. Wo sich Fremde im nullkommanichts miteinander vernetzen können, um etwas Gutes zu schaffen. Um einen wunderschönen Moment zu erzeugen, der so nie wieder kommt. Und der durch nichts in der Welt aufgehalten werden kann. Und der, ist er einmal passiert, auch nie wieder weggenommen werden kann.
Ich glaube das ein Film wie dieser Tausend mal mehr erreicht, als jeder aufklärende Film. Ich glaube das die Magie, die dahinter steckt, mehr Frieden stiftet, als alles andere. Das jeder, der das sieht, so berührt ist (selbst wenn er es nicht zugibt), das er dieses Gefühl weiter mit sich rumträgt und im besten Falle auch weitergibt. Ich glaube sehr an die positive Wirkung guter Taten. Nichts finde ich inspirierender, als Menschen die andere Menschen gerne glücklich machen. Danke für diese wundervollen 10 Minuten, von denen sich jede Sekunde lohnt. Danke Internet, dass du so tolle Sachen machst. Deswegen lieb ich dich so, nicht wegen dem anderen Scheiss. Genug gequatscht, sofort gucken:
Die letzten 13 Hefte sind schon lange raus, vermutlich bekommt ihr überall schon die zweiten oder vielleicht sogar dritten Hefte. Durch eine Verkettung mehrerer Umstände, von denen die meisten gut waren, kam ich nicht früher dazu, diesen Post zu machen. Zuerst hatte ich vor zu jedem Heft ein einzelnes Videoreview aufzunehmen, aber dann hatte ich die viel bessere Idee für diesen letzten Post über die 52 neuen Comics des DC-Universums: Ein COMIC!
Auch wenn man es ihm nicht ansieht, da stecken ein paar Tage Arbeit drin. In erster Linie möchte ich aber dem weltbesten Comicladen danken, die dieses Experiment gewagt haben, Blogger mit Comics auszustatten und damit machen zu lassen, was sie wollen. Die haben sich das alles sicher etwas pünktlicher vorgestellt, aber besser spät als nie. Danke lieber GROBER UNFUG.
Für alle, die nicht wissen um was es geht, hier der Einleitungstext:
DC rebootet gerade sein Universum und bringt jede Serie neu mit der Nummer 1 raus. Mein Lieblings- und Stammcomicladen “Grober Unfug” hat mich gefragt, ob ich Lust hätte all diese Erstnummern zu lesen und für euch zu reviewen. Das lass ich mich natürlich nicht zweimal fragen. Für diesesmal habe ich mich für die Comicform als Review entschieden. Viel Spass!
Vor 20 Jahren habe ich immer meine beste Freundin Simone besucht. Die hatte in der Schrankwand ihres Jugendzimmers einen Fernseher eingelassen. Darunter waren die Schubladen mit den Hörspielkassetten, eine einzige Schublade war voll mit Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg, damals ein beliebter Valiumersatz, denn bei nichts konnte man besser einschlafen.
Aber unsere Kassettenrecorder und Kompaktanlagen waren nicht mehr dazu da, nur Kinderverblödungshörspiele wiederzugeben. Da kam etwas Neues aus den Boxen: Musik. Und die Musik:Hörspiel-Ratio verlagerte sich auf Ersteres.
Simone wohnte in einem Reihenhaus mit einem entscheidenden Vorteil, zumindest unserem Haus gegenüber: Kabelfernsehen. Das war nämlich in unserer Siedlung noch nicht verlegt. Bei ihr aber schon. Und so sassen wir auf ihrem Bett, redeten über Schule, über meinen Schwarm (praktischerweise ihre beste Freundin), über ihren Schwarm und so allerlei Zeug und liessen dabei englisch moderiertes MTV laufen. Ich musste nur immer still sein, wenn NKOTB auf dem Bildschirm erschienen. Sie klebte dann am Fernseher, während ich mich ein wenig lustig machte über diesen Quatsch. Aber was lässt man seiner besten Freundin nicht alles durchgehen?
“Ah, das hab ich zuletzt schon mal gesehen, ich schalt mal um, das ist voll nervig…”, sagte sie. Aber bei mir, besser gesagt in mir hat sich plötzlich etwas geregt.
“Nein, warte mal, lass mal!”
Cheerleader mit Anarchie-A auf der Brust, ein Hausmeister, eine rockende Crowd und ein Typ in einem cool-uncool gestreiften Shirt mit seinen Haaren im Gesicht. Und eine Power, eine Wut, eine Kraft, die dem Innenleben eines pubertierenden, jungen Mannes nicht unähnlich ist. Ich war sofort, ab dem ersten Moment, drin. Konnte mich dem Sog nicht entziehen. Ab jetzt wurde jeden Tg nach der Schule auf dieses Video gelauert. Und Simone hatte endlich einen Grund, sich auch über mich lustig machen zu können. Es war offensichtlich: Ich war Fan.
Später hab ich mir die Platte dann als MC (!!!) gekauft, damit ich sie sofort auf meinem Walkman immer und überall hören kann. Da war ich mit meinen Eltern im Italien-Urlaub. Jeden Tag die Kassette rauf und runter. Meine Mutter wollte die dann auch mal hören, um zu sehen, was ich so mag. Was soll ich sagen: Sie war beeindruckt. Diese Power hat sie wohl auch eiskalt erwischt. Was zwar nicht dazu führte, das ich die Platte im Autoradio hätte hören dürfen, aber gut. Ich konnte immerhin von mir sagen: “Meine Mutter mag die Nevermind.”
Noch heute hab ich dieses wohlige Kinderzimmer-Gefühl, wenn die ersten Takte von “Smells like teen spirit” erklingen. Ich werd wieder ganz jung, wenn ich die “Nevermind” durchhöre. Und würde mir fast wieder wünschen zu pogen, wenn ich “Territorial Pissings” höre. Ausserdem freue ich mich total das überall in der Stadt Plakate mit dem Baby-Cover-Motiv zu sehen sind und halte das für Stadtverschönerung.
Und man muss ja auch sagen, das die “Nevermind” nicht nur der Startschuss für das große Grunge-Fest war, sondern auch so ziemlich eine der besten Platten, der Musikrichtung. Es gab schon auch noch ein paar Andere, ganz gute, wie von Soundgarden zum Beispiel (”Badmotorfinger”), aber es gab auch irrsinnig viel mittelmässiges Zeug, das so auf der Welle mitschwamm und heute verklärend hochgejazzt wird (bspw. Pearl Jams “Ten”). Keine Platten für die Ewigkeit, sondern Platten, denen man ihr Alter anhört - wohingegen eine “Nevermind” genauso auch heute noch erscheinen könnte. Das trennt eben das Masterpiece von “auch ganz gut”.
Die Frage ist nur: Wäre mein Leben ein anderes geworden, wenn es diese Platte nie gegeben hätte? Ich habe wirklich keine Ahnung. Ich weiss nicht ob die als Katalysator für irgendwas gewirkt hat und ob, wenn es sie nie gegeben hätte, nicht einfach eine andere Platte an ihre Stelle getreten wäre. Vermutlich nicht. Oder doch? Grunge war ja irgendwie der coolere Metal und intelligentere Punk. Und dazwischen hab ich mich wiedergefunden.
Wie hat man immer diese Typen ausgelacht, die eine alte Thin Lizzy-Platte (o.ä.) aufgelegt und geschwelgt haben. Zwanzig Jahre nach “Nevermind” bin ich selbst so einer. Allerdings ohne die kulturpessimistische Note, das bitte ich festzuhalten.
Vielleicht, um die Frage im Titel abschliessend zu beantworten: Ja, natürlich kann sie das. Genauso wie ein Buch oder ein Film oder ein Bild. Das ist doch der Trick:
Wir definieren uns über Kunst, während sie sich über uns definiert.
P.S.: Ich habe keine Ahnung, ob dieses Re-Release der Platte, das es nun gibt, was kann. Ob man diesen Bonus-Klimbim braucht und ob das für irgendjemanden interessant ist. Ich fand nur den Anlass des zwanzigjährigen Jubiläums gut, mal drüber zu schreiben. Simone suche ich noch manchmal in sozialen Netzwerken, aber finde sie nicht. Vermutlich hat sie geheiratet, einen neuen Namen und lebt jetzt ganz woanders. Vielleicht in Amerika, wo sie dann zu den Konzerten von NKOTBSB geht, sich an ihre Zeit im Kinderzimmer erinnert und lächelt. So wie ich.
P.P.S.: Bei der “Spin”, der ziemlich besten Musikzeitschrift der Welt, gibt es ein Nevermind-Tribute-Album zum freien Download. Die Qualität ist durchwachsen, aber es ist allemal interessant. Ausserdem covern da die Meat Puppets “Smells like Teen Spirit” und Amanda Palmer “Polly”, was schon zwei Highlights sind, die den Download allemal rechtfertigen.
Wenn grenzenlose Liebe zu steigern ist, dann ist das eben passiert, als ich diesen Trailer zum 30-Minüter zum neuen Beastie Boys Album gesehen habe. Ich liebe diese Band und ich könnte mie vor Glücksgefühlen den Sack abreissen, wenn ich dieses Video sehe:
Ich habe gerade im kurzen Abstand drei deutsche Bücher hintereinander gelesen, die ich euch alle ans Herz legen möchte:
- “Für Uwe” vom Christian “Ulmi” Ulmen, in dem er als Uwe Wöllner seine Lebensgeschichte erzählt.
Diese halb-autistische Figur, die er da erfunden hat (und die er schon in diversen Formaten ausprobierte, aktuell in einem Talk-Format auf dem RBB), geht ja oftmals über so ein Mass des Erträglichen hinaus, deswegen hatte ich ein bisschen Angst vor dem Buch. Denn die Versuchung, diese Figur einem gewissen Humor zu opfern und leiden zu lassen (weil ihr ihr eigenes Leid vermutlich gar nicht so bewusst wäre), lag sicher nahe. Ähnlich einem Donald Duck, den man auch immer volle Kanne in die Scheisse reiten lässt, auch wenn er gar nichts dafür kann. So hat Ulmen das Buch aber eben NICHT geschrieben und so hat er die Geschichte auch nicht angelegt. Klar, Uwe hat einen sehr speziellen Blick aufs Leben und die Menschen, aber er macht erstaunlich viel Sinn an manchen Stellen, wenn man es aus seiner Perspektive betrachtet, was man ja als Leser in diesem Fall tut. Ums nochmal kurz zu sagen: Die Geschichte von Uwe, der aus seinem Kaff alleine in die große weite Welt nach Berlin geht und da unter Anderem seine vermeintliche Liebe findet, ist so unglaublich herzzerreissend und komisch zugleich, das Herr Ulmen ruhig noch mehr Bücher schreiben sollte. Meinetwegen auch als Uwe.
Irgendwann in den späten 80ern ist Stermann von Duisburg nach Wien gezogen. Als Wien hierzulande nur als Liferant von Sachertorte, Falco und der EAV bekannt war. Und da ist er dann hängengeblieben, hat einen riesen Bogen um alles Deutsche gemacht (wie einem “Deutschen-Stammtisch”) und sich mehr als akklimatisiert. Er ist als Piefke in der MItte der Wiener angekommen. Schwer genug.
Das Buch das er darüber geschrieben hat ist von einer solch unverschämten Grossartigkeit, das man sein eigenes Leben als viel zu unaufregend empfindet, um es aufzuschreiben. Dabei passiert ihm gar nichts ungewöhnliches. Zumindest nicht mehr oder weniger Ungewöhnliches, als jedem andern Menschen auch. Und das es den Blick enorm schärft, wenn man alleine in der Fremde ist, ist zwar auch kein Geheimnis, in diesem Buch aber herrlich zu erkennen. Stermann, mittlerweile superpopulär mit seinem Kollegen Grissemann, hat dabei so eine tolle Sprache gefunden, um seine Geschichte zu erzählen. Niemals wird es verletzend oder böse, wenn er über andere Spinner schreibt. Man muss seine Figuren alle lieben, selbst die, die nur schimpfen. Und die letzte Seite hat mir dann sogar noch ein Tränchen abgerungen und ich war glücklich, das Buch gelesen zu haben. Ich liebe aber auch Wien.
- “Das Leben ist keine Waldorfschule” von Mischa Sarim-Vérrolet als Beweis, das Slammer auch schöne Texte zum selberlesen schreiben können (wobei ich ihn viel bloggiger als slammig finde). Supergute Episoden-Sammlung eines Jungen aus OWL.
Das Buch ist eigentlich derbe unaktuell, weil Mischa gerade sein zweites Buch vorgelegt hat, aber da ich eh immer ein bisschen langsamer bin und die Version, die ich hier gerade gelesen habe anscheinend ein Re-Release ist, nur bei einem anderen Verlag, wenn ich das richtig verstanden habe, möchte ich das hier besprechen. Das neuere gibts dann, wenn ich es gelesen hab, okay? Also: Mischas Buch ist eine Kurzgeschichten-Sammlung. Es geht eigentlich um “Mischa und wie er die Welt sah sieht”. Dabei gibt es Kindheitserinnerungen, neben Jugenderinnerungen, neben Freundinnen-Struggle, neben Allmachtsfantasien (was ein bisschen Trennschärfe vermissen lässt als Beschreibung, denn die erwähnte Allmachtsfantasie ist in dem Buch eher als ein Subgenre eines vorher genannten Themenkomplexes zu begreifen, und ja, ich formuliere gerade irrsinnig kompliziert um die Geschichte um die es geht nicht zu spoilern…) und allem anderen was einem in 30 Jahren OWL eben so passieren kann. Mischa ist Poetry Slammer und das merkt man manchen Texten auch an, die einem gewissen unsichtbaren Beat folgen. Das Schöne ist eigentlich, daß er es aber dann doch immerwieder schafft, sich darauf zu besinnen für Lesende zu schreiben und nicht für den schönsten 5-Minuten-Wortbeitrag. Das ist so ein eigener Style, der superangenehm zu lesen ist. Wie oben schon erwähnt: Für mich sind das eher Blogtexte, so vom Gefühl her. Aber vielleicht schreib ich hier auch nur total POetry Slammig und habs nur nie bemerkt…kann auch sein. Ich meide diese Veranstaltungen, weil ich immer so eine Angst vor so Alliterations-Cowboys habe, die ihre stumpfen Formalismen für cool halten. Mischa ist definitiv KEINER davon und wenn der mal hier slammen sollte, dann gehe ich auch hin. Tolle Texte!