Ein Schweinchen namens WTF? — UPDATE —

UPDATE: Das ganze war eine Aktion für die “Deutsche Krebshilfe” um auf die Gefahr von Hautkrebs aufmerksam zu machen. Ich habe die Aktion unterstützt. Alles über das, gesunde, Schwein lest ihr hier. Warum ich mitgemacht hab, lest ihr hier.

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Ich bin gestern über eine Seite gestolpert, die ein wenig komisch wirkt. Hier kann man sie sich ansehen.
Da wird ein Schwein irgendwie bearbeitet, keine Ahnung was die da mit dem machen. Und wie immer, wenn ich nicht weiter weiss, frag ich meine sozialen Netzwerke. Aber auch da: Ratlosigkeit. Ein Drittel meint, das sähe schwer nach einem Viral aus, das andere Drittel ist empört und das letzte mindestens genauso verwirrt wie ich.

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Was haben wir: Wir haben eine Seite mit einer komischen Domain, also nur eine Nummernfolge. Nichts, auf das man zufällig stösst. Wir haben einen Hoster, der wohl irgendwo aus der Nähe von München kommt. Auch eher unspektakulär. (Ich hab dem auch mal gemailt, aber noch keine Antwort bekommen…) Dann eine Tabelle mit viel Kauderwelsch und ein paar verständlicheren Informationen. Da geht es um Kot-Konsistenz und “Hundesitzigkeit”. Komisches Wort, bin ich sofort drüber gestolpert, hab ich nämlich noch nie gehört. Ist aber anscheinend (nach recht oberflächlichem googlen) ein Anzeichen für Krankheit bei Schweinen. Die sitzen dann so auf den Hinterbeinen, wie ein Hund eben, nur das das bei denen nicht normal ist.

Jemand bei meinen Facebook-Kommentaren hat noch folgendes rausbekommen:

“Ich befürchte, es ist ein Versuchslabor. Googlen nach 308 nm hat ergeben, dass dies UV-Strahlung ist, die mit einem bestimmten Laser erzeugt wird. Und es sieht so aus, als ob die Auswirkung dauerhafter Bestrahlung auf das Schwein getestet wird.”

So und das ist so ziemlich alles, was wir an Infos haben. Jetzt muss man das einsortieren.

Mehrere halten das für einen Fake. Ich find auch, das das manchmal komisch aussieht. Irgendwie unecht. Wenn die so mit der Kamera rumlaufen. Andererseits gibt es diese feste Laborkamera, das sind die meisten Filme. Die sind so langweilig. Da kann ich mir definitiv vorstellen, das das echt ist. Ich versuche mir auch vorzustellen, wofür das ein Viral sein könnte, wenn es eins ist, aber ich komm nicht drauf. Wird wohl kaum für eine Serie über Schweine sein, oder so. Schräg. Vor allem, wenn es echt ist, dann wofür? Was machen die da? Ein Schwein mit Laser bestrahlen? Wozu das? Das hört sich so nach Science Fiction an…(Die Fotos auf der Seite sind echt gruselig…)

Nochmal: Falls irgendwer wirklich Ahnung hat, was da passiert, bitte in die Kommentare. Das muss doch rauszufinden sein!



Das hier hat so unglaubliche Meme-Qualitäten…

Wer sich seit dem Fischmob-Song “F.R. David” (übrigens nachwievor einer ihrer besten Songs…J.Mascis FTW!!!!) immer gefragt hat, was der heut denn nun wirklich macht, hier ist die Antwort: Immernoch Musik.

Letztes Jahr hat er dann wohl eine neue Platte rausgebracht und ein, ähem, “Video” zu dem Song “Some people never learn” gemacht, in dem er da so mit Gitarre sitzt, singt und dazu werden immer echte Bilder von echten Tragödien/Dramen drüber gelegt. Das führt bei dem Song, dessen Sozialkritik sich mir nicht sofort erschliesst, zu einer gewaltigen sogenannten Bild-Text-Schere. Gutes Beispiel dafür sieht man u.a. bei Minute 1:26 wenn er wunderschön gehaucht singt “Some people never leeaaaarn…” und man gleichzeitig jemanden sieht, der vom WTC springt. Und das ist nur ein Beispiel von vielen…(Am Ende singt er “I keep on doing the same mistakes…” zu Bildern von Mutter Teresa…o_O)

Das ist so dermassen unfreiwillig WTF, unfreiwilliger WTF geht gar nicht mehr.


[YouTubeDirektDavidVsDieWelt]



Kleine Flashvideoanalyse: Französiche Italo-Disco auf spanisch und das späte Geld

Diesmal wird es nicht so lang wie sonst, wenn ich einen Song und seine Cover auseinander nehme (was dann eh wieder keinen interessiert…:)). Tatsächlich kommen in diesem Post nur zwei Videos vor. Ein Altes und ein Neues.

Fangen wir mit dem Alten an:

Wir sehen hier die (französiche!) Band “Magazine 60″ (englischer Name!) bei ihrem Auftritt bei “Formel Eins” (deutsche Show!) mit ihrem (spanischen!) Titel “Don Quichotte”, der es, man glaubt es kaum, sogar bis Platz 56 der (amerikanischen!) Charts geschafft hat und sich eindeutig dem Genre “Italo (!!!) Disco” zuordnen lässt. Ein internationaleres Produkt kann man sich also kaum vorstellen. Es fällt mir aber ehrlich gesagt auch schwer mir ein bizarreres Lied auszudenken. Gut, das liegt sicherlich auch an der Performance in diesem Clip, die so viele wunderbar unfreiwillig komische Momente hat (Die Choreographie? Hallo?) und von denen mit einer unglaublichen Ernsthaftigkeit vorgetragen wird…der Wahnsinn. Schon alleine das die Frau das gesamplete Zeug Lip-Synced ist den ganzen Clip wert. Also erstmal gucken:


[YouTubeDirektNoACasa, via Quitzi]

Das Eigentlich faszinierende dabei ist ja eben auch: Man kann die Songstruktur nicht so richtig nachvollziehen. Es ist als wenn die im Studio gesessen hätten und so ein bischen was aufnahmen und einer von denen hat dann noch gesagt: “Ey, und hier machen wir jetzt noch so ne Gitarre rein, die null passt! So ne leicht spanisch gespielte!” Und alle so: “Yeah!!!!!”

So entstand also dieses musikalische Kuddelmuddel, das, wie gesagt, sogar in den Staaten immerhin in die Mitte der Top 100 gecharted ist. Respect. Und der Titel ist eigentlich auch ganz gut gewählt, denn “Don Quichotte” ist in der Tat ein äusserst bizarres Buch und dieser Vorgabe wird der Song in jeder Hinsicht gerecht. Zwei Jahre später versuchten sie es mit einem weiteren Song der nach dem (mexikanischen!!!) Volkshelden “Pancho Villa” benannt war, aber es war nicht mehr dasselbe (obwohl nicht minder komisch zusammengewürfelt, siehe Link). Damit hätte sich die Geschichte der vermutlich internationalsten Band ever eigentlich auch zu Ende erzählt. Eigentlich.

Wenn nicht 20 Jahre später ein Typ in seinem Studio gesessen hätte und auf der Suche nach einem Sample für eine weitere Single seines Soloalbums auf “Don Quichotte” gestossen wäre. Der Typ war Will I. Am von den Black Eyed Peas. Und er hat einzig die Gitarre aus dem Break genommen und in seinem Stück verwurstelt. Wie sich das genau anhört, sieht man hier:


[YouTubeDirektMamma]

Das geilste an der ganzen Sache ist eigentlich das: Das er für dieses kurze Stückchen Musik, die beiden Typen als Komponisten voll mitcrediten musste. Sprich: Die haben 20 Jahre später nochmal richtig abgesahnt, denn ich weiß es zwar nicht genau, aber die Single dürfte sich schon einigermassen ordentlich verkauft haben. Nur mit einer klitzekleinen Idee, einem Fragment aus einem Song. Ich liebe solche Geschichten. Ich hätte mir nur gewünscht, das die in dem Will I. Am Video eine ähnlich versierte Choreo an den Tag gelegt hätten. Aber, Meh, man kann halt nicht alles haben.



Wichita Lineman - Ein Song als Sieger

Erinnert sich noch jemand an meine schonungslose Aufklärungsarbeit um den wundervollen Song “Ooh Child” und dessen frevelhfate Coverversionen? Damals hiess die reisserische Überschrift “Ein Song als Opfer”, beim heutigen Lied aber heisst es “Ein Song als Sieger”. Warum dies?

Nun, ein guter Song zeichnet sich durch viele verschiedene Aspekte aus. Einer aber wird häufig vernachlässigt, ist aber mindestens so wichtig wie alles andere, wenn nicht vielleicht sogar der allerbeste Gratmesser, wenn es darum geht die Qualität eines Songs einzuordnen.

Der Song um den es diesmal gehen soll heisst “Wichita Lineman” und war der grosse Durchbruch des Country-Sägers Glen Campbell. Ich bin mir nicht sicher ob hierzulande jemand den Sänger, geschweige denn den Song kennt. Deswegen hier erstmal das Original, den Smashhit:


[YouTubeDirektGlensFinest]

So weit, so gut. Eine verträumte Nummer über einen Telegrafenmastleitungenausbesserer. Ist ja vermutlich auch der romantischste Beruf, den man sich so vorstelllen kann. Gut, Ironie beiseite: Das Bild funktioniert ganz gut. Dieses tägliche hochklettern, der Duft der Freiheit um die Nase und dann aber auch noch auf den Leitungen mithören können. Das ist tatsächlich ein romantisches Bild. Der Song wurde damals von Jimmy Webb für Campbell geschrieben und das allerbeste ist: Webb tritt auch heute moch auf und erzählt gerne das ein oder andere Anekdötchen. Und dann sitzt da einer im Publikum, filmt das mit, lädt es bei YouTube hoch und wir können uns das alle ansehen um die perfekte Hintergrundinfo zu dem Song aus erster Hand zu bekommen. Ein grün angesprühtes Piano spielt dabei eine Rolle, welche weiss ich selbst noch nicht so genau:


[YouTubeDirektPaintItGreen]

Nun hat man schon beim ersten hören dieses Songs ein Gefühl, das einen irritiert. Man denkt nämlich das Lied hat, relativ ungewöhnlich für einen Countrysong, so etwas wie “Seele” oder anders gesagt “Soul”. Das kann man sehr schön klassisch hören, sexy gespielt, ein bischen Drama in der Stimme und nochmal schöne Bläsersätze geschrieben: Zack, fertig ist der Wichita Lineman zum fummeln.


[YouTubeDirektHutchDerLinemanDoktor]

Das war aber nur Willie Hutchs Soulinterpretation des Kabelreparierers. Selbst innerhalb des Kosmos Soul kann man das auch noch anders auslegen. Man kann das Tempo etwas anheben und dadurch das Drama noch eine Spur erhöhen. Wenn ich auch zugeben muss, das das Stimmchen doch etwas dünn ist. Dafür wird das Stück immer tanzbarer und entfernt sich immer mehr vom Original. Was aber gar nix ausmacht. Vielleicht im direkten Vergleich nochmal das Original oben hören und sich wundern, was sich da rausholen lässt:


[YouTubeDirektOCWichita]

Fünfköpfige Soulgruppen haben immer so ein gewisses Flair. Ein Flair des Choralen, meinetwegen auch funky Choral. So wie die Temptations zum Beispiel. Im Gegensatz zu denen haben aber die Dells den Wichita Lineman gecovert. Mit ganz wunderbaren “Babababababababa”-Adlibs in der Hook. Und einem Sänger mit einem so dermassen coolen, heiseren Schmelz in der Stimme, das ich schon genau weiss wie die Ladys damals geschmolzen sind. Also ich kanns mir zumindest vorstellen. Ich fand ja Mädels, die so eine leicht rauhe Stimme haben auch immer supersexy, warum sollte das bei denen anders sein? Rod Stewart ist ja ein gutes Beispiel, das dezente Heiserkeit im Gesang sogar über überlebensgrosse Warzen hinwegsehen lässt.


[YouTubeDirektFunkyLineman]

Ein Lied, das so oft gecovert wird, über Genregrenzen hinweg, das muss schon ein ziemlicher Hit sein, und ein ziemlicher Hit bedeutet natürlich auch immer was? Ziemlichen Konsens. Und wer stürzt sich auf Konsens? Richtig, Crooner. Die haben ja alles gesungen, von dem sie sicher sein konnten, das es irgendwer mag. Ein Paar waren dabei so cool, da sie das mit einer gewissen Selbstironie taten (Dean Martin), einige haben sich da etwas zu ernst genommen (Sinatra) und andere waren irgendwie nie so richtig Bewohner unseres Planeten. Zu letzteren zählte sicher auch Sammy Davis Jr., der immer gerne das machte, was ihm gerade in den Kram passte. Und dazu zählte eben auch, mal ein Countrylied zu croonen. Gut, es ist nicht wirklich gecroont. Es ist sogar ziemlich hochgejazzt, ohne dabei jazzig zu sein. Es ist geuptempoter Soul, der eigentlich schon fast Disco ist. Aber dafür etwas zu Old-School-Funky. Die Orgel, Alter, die Orgel! Hammerversion! Man spürt förmlich Sammy Davis Schweiss von der Bühne auf einen spritzen.


[YouTubeDirektWichitaRatPack]

Wenden wir uns den etwas skurileren Coverversionen zu, denn im Soul scheinen wir schon jede erdenkliche Form abgehandelt zu haben (die Downtempo-Reggae-Version habe ich jetzt euch und mir mal erspart, die ist nicht wirklich spannend. Stellt euch das Lied einfach noch langsamer vor, dann habt ihr eine ungefähre Vorstellung).

Mediensatire ist ja immer so eine Sache. Meistens geht das etwas daneben, wenn man dem Medium, in dem man mit seiner Satire ja schliesslich doch auch stattfinden möchte, nicht allzu sehr auf den Schlips treten will. Heraus kommt meistens etwas unfertiges, ungares, mit dem dann eigentlich niemand so richtig etwas anfangen kann. Ob es sich bei dem folgenden auch darum handelt, weiss ich gar nicht so genau, ich bin auch gerade zu faul nachzusehen, aber ich habe den schweren Eindruck, das ich ganz richtig liege. Mit diesem gefaketen Zapping und der Ansage, das jetzt ein Sänger für die Kinder kommt und dann da ein komisches Monster steht, mit einer Maske die selbst GWAR zu peinlich gewesen wäre, das alles atmet die Luft einer frechen Abrechnung mit dem Fernsehen. Allerdings ist diese Version des Webb-Songs zu merkwürdig, um sie nicht hier zu zeigen. Ich gucke da fasziniert hin: Alles sieht irgendwie scheisse aus, hört sich auch scheisse an, aber der Song kriegt einen trotzdem.


[YouTubeDirektSchlechtesProgrammLineman]

Ein Phänomen das ich nie so recht verstanden habe, ist dieser Neo-Sixties-Sound. Warum sollte es cool sein zu versuchen, heute die Musik der 60er nachzuempfinden? Damit meine ich nicht so einen wirklich schmerzhaften Frevel wie den einer Amy Whinehouse, die einfach nur ein grossartiges Instrumental nimmt (Ain´t no mountain high enough) und durch eine neue, selbst schlecht ausgedachte Gesangesmelodie verhunzt, ich meine eher so nachempfundene Sachen wie zum Beispiel “Hip Teens…” von Frank Popp. Ich steh da irgendwie nicht so richtig drauf, weiss auch nicht warum. Vielleicht weil ich finde, das die Musik von damals so reichhaltig ist, das es da noch ohne Ende Acts und Songs zu entdecken gibt, die ich noch gar nicht kenne und deswegen keinen Aufguss brauche. Ich weiss es doch auch nicht. Eine Band, die das aber anscheinend auch gerne macht und von der ich noch nie etwas gehört habe ist/war Optiganally Yours, die ganz offensichtlich auch in Japan getourt sind und auf der Bühne etwas machen. Fragt mich nicht was, ich habe es nicht so ganz kapiert. Aber schon allein weil die mitten in den Song einen Breakdance-Battle einfügen (übrigens ohne jegliches tänzerische Talent) und als Basis für ihr Lineman-Cover einen simplen HipHop-Beat nehmen, sollte man das mal gesehen haben:


[YouTubeDirektRocksteadyLineman]

In den letzten Jahren war es plötzlich total Hip und angesagt, Chöre zu gründen. Und Popsongs zu singen. Das war meistens sehr charmant und hatte so eine gewisse ironische Note, aber so schnell wie dieser Trend erschienen ist, ist er auch wieder verschwunden. Was vielleicht ganz gut war, denn so ein Konzept hält sich irgendwie nicht wirklich auf Dauer. Glaube ich. Da gab es doch diesen belgischen Schulchor, oder? Naja, keine Ahnung. Ich mag aber auch die Ausstrahlung klassischer Chöre. Man erwartet immer das die jetzt so Blues-Brothers-mässig durch die Halle turnen. Aber ich bitte euch: Doch nicht beim Wichita Lineman!


[YouTubeDirektGediegenerLineman]

Hab ich eigentlich schonmal erwähnt, das ich gerne eine Lap Guitar hätte? Nein? Ich hätte gerne eine Lap Guitar. Ich weiss auch nicht warum, vermutlich würde und werde ich sie auch nicht spielen können, aber ich finde das so ein stylisches Instrument. Wenn ich die irgendwo sehe, dann kriege ich immer direkt Bock, die auch mal zu spielen. Vielleicht würde es schon reichen, wenn ich die irgendwo mal ausprobieren täte, aber selbst das schein nciht ganz so einfach zu sein. Hierzulande sind die Teile dann doch etwas spezieller. Mir fällt ja auch auf Anhieb kein Spezialgeschäft für Kuhglocken oder Alphörner ein. Um an dieser Stelle mal ein ziemlich weit hergeholtes Beispiel zu bringen. Komischerweise scheinen Lapguitars auch superuncool zu sein und nur noch von alten Säcken gespielt werden zu können. So sieht es zumindest aus. Womit ich nicht sagen will, das der Mann in dem folgenden Video ein alter Sack sei. Er ist halt ein alter Mann, mit einer gewissen Sackform. Geht das so? ;)


[YouTubeDirektSlideSlideSlideman]

Wo wir schonmal bei Instrumentals sind, können wir ja auch gleich noch etwas jazziger werden. Jazztrios. Oh du Hort seltenen Spasses. So wird man auch im folgenden Video nur schwerlich jemanden lachen sehen. Aber das Leben eines Lineman ist nunmal auch kein Spass, vor allem nicht bei so einem melancholischen Song. Da ist höchste Konzentration gefragt. Man sieht förmlich, wie der Gitarist die Strommäste erklimmt und von oben in den Sonnsnuntergang über der Wüste Arizonas blickt. Vermutlich kommt er eigentlich aus Osnabrück und ist Sozialversicherungsfachangestellter. Da seht ihr mal wieder, was im Jazz alles möglich ist!


[YouTubeDirektWichitaSoFa]

Nun, wir hatten Jazz, einen Chor, die Bandbreite des Soul, ein paar andere Countryhanseln haben das auch noch gecovert, was fehlt denn da eigentlich noch? Wie wäre es mit Rock oder Indierock oder Alternative oder wie immer man das, wofür die Band steht, auch immer nennen möchte. Das kommt ja auch auf den Standpunkt des Betrachters an. Für Pur-Hörer sind das sicherlich die Alternative-Typen vor dem Herrn, für Sonic Youth-Fans sind die wohl eher sowas wie Bon Jovi. Wie man es auch dreht und wendet: R.E.M. sind mir 10000mal lieber als U2. Und ausserdem haben sie was gemacht? Richtig! Den Lineman gecovert:


[YouTubeDirektShinyHappyLineman]

So weit ein kleiner musikalischer Überblick über die wirklich weite Reise, die der Wichita Lineman schon gemacht hat. Ich finde es gibt selten Songs, die so vielfältig und unterschiedlich gecovert wurden, wie dieses kleine Liedchen. Klar, es gibt Songs die öfter nachgespielt wurden (”Yesterday” anybody?), aber das waren Songs, die nie viel Spielraum für Interpretationen liessen. Das ist hier anders. Jetzt habe ich die Nummer aber schon zigmal in zig verschiedenen Versionen gehört, damit soll es erstmal gut sein. Etwas sollte man aber nicht machen: Glen Campbell mit Kenny Rogers verwechseln. Ich bitte euch, das ist nun wirklich ein Unterschied wie Tag und Nacht. Für Exil-Schotten aber anscheinend nicht.


[YouTubeDirektGlenKennyDudelsack]

Bleibt mir als Fazit nur noch eins: Ich habe ja zu Beginn schon mit der Beweisführung angefangen und gesagt, das es ein wichtiges Merkmal gibt für die Qualität von Songs. Bei Ooh Child war der Beweis, das auch schlechte Versionen einen guten Song nicht schlechter machen. Beim Wichita Lineman ist es anders:

Ein guter Song bleibt, wieauchimmer gecovert, immernoch ein guter Song.

Was für eine schöne Entdeckung.



I wanna be discovered by you…

Ich schäme mich relativ selten. Ich glaube zwar nicht, das das einer der Gründe für meine schier unstillbare Lust an der Fremdscham ist, aber es könnte immerhin ein Erklärungsversuch sein. Wobei die folgenden Videos auch nicht unbedingt etwas mit Fremdscham zu tun haben (für andere haben sie das sicherlich). Ich bin eher fasziniert. Auf eine sehr komische Art und Weise. Am Besten zeige ich euch mal, worum es in den beiden Fällen geht:

Fall 1: Wir sind jetzt eine Band

Ich finde Bands immer erstmal gut. Wirklich. Ich finde es super wenn sich Menschen zusammentun um Musik zu machen, aus welchen Motien auch immer. Die Einen versuchen händeringend ihre “Message” unters Volk zu bringen (vgl. Die Rots), die anderen wollen einfach nur Stars werden und Musik scheint ihnen das probateste Mittel dazu zu sein. Andererseits: Erstmal eine Band gründen und sich dann später daran zu erinnern, das man ja auch mal Musik machen müsste, ist wohl ein Prozess, der durch das Netz in seiner heutigen Form begünstigt wurde. Und das ist nunmal spannend. Find ich. Das ist ja nicht mal mehr “von hinten durch die Brust ins Auge”, sondern irgendwo zwischen Speiseröhre und linkem Lungenflügel hängengeblieben. Und solch einen Fall, der sicherlich kein Einzelfall ist, habe ich nun einmal wieder entdeckt. Sie nennen sich “Die Bikinis”, haben ihren eigenen YouTube-Kanal, auf den sie laut eigener Aussagen jeden Tag ein neues Video stellen wollen, sind eine Band, laufen in ihrer Arbeitskleidung durch Köln, verteilen Stempel (!!!) auf Körperteile interessierter Menschen, auf denen ihre Domain steht und werden nicht müde zu erzählen, das sie eine Band seien. Wir sehen sie in ihrer “Zentrale”, sie führen uns rum, machen alberne Wassertrinkwettbewerbe, die sie bei Elton vs. Simon abgeguckt haben und scheinen drei recht fröhliche, lebenslustige Mädchen zu sein.

An einem Abend treffen sie sogar Dschungelkönig Ross Antony vor einem Club auf der Strasse, der umringt von seinen Fans tatsächlich interessiert zu sein scheint an dem, ähem, bisherigen Erfolg der jungen Damen mit ihrem Auftreten in der Öffentlichkeit (wie gesagt: Der Name ist Programm und die laufen immer und überall in ihren Bikinis rum). Abe die ganze Zeit hat man das Gefühl, das da doch irgendetwas fehlt. Man ist sich nicht sicher. Die sind immer so aufgedreht und fröhlich, nichts kann sie aus der Ruhe oder davon abbringen, selbst dem gruseligsten Vertreter der männlichen Spezies wortwörtlich “ihren Stempel aufzudrücken”.

Aber dann dämmert es einem: Moment mal, die sind doch eine Band! Sollten die nicht auch einen Song haben? Genau. Genau den haben sie aber eben nicht. Dieses lästige “Musikmachen”, das anscheinend zum Band sein dazu gehört, überbrücken sie mit der nimmermüden Lust das komplett durchgegniedelte Lied “I wanna be loved by you” in einer extrem verknappten Version immermal wieder Acapella aufzuführen. Als ihnen auffällt, das das auf dem Sofa gesungen etwas behäbig wirkt, haben sie sogar eine Choreografie dazu einstudiert. Seht selbst:


[YouTubeDirektWirWerdenAuchUnsereHüftenSchwingen]

Okay. Ich will das nicht überbewerten: Hier sind drei Freundinnen, die sich einen Spaß erlauben. Die meisten Videos sind ofensichtlich alle am gleichen Abend entstanden und dann auf mehrere Tage in der Veröffentlichung verteilt. Die machen einfach und gut ist. Sollte man nicht überbewerten. Wenn da nicht immerwieder diese Details wären, die einen dezent verwirren. Ich meine Hey: Einen Stempel? WTF?!?!?!?! Dann gehen sie raus, frieren sich den Arsch ab und wollen Fotos machen, mit dem Dom als Hintergrund. Der “Kameramann” Ben möchte nicht gezeigt werden und ein komischer Mann mit zu kleinem Cowboyhut macht das Foto für sie und bringt sie, endlich, dazu sich doch in die Lücke zwischen so komischen Betonklötzen zu stellen, vor denen sie vorher ihre Fotos selbst gemacht haben. Für ihre Facebook-Seite, wie sie sagen. Nur um am Ende wieder ihren grössten Hit “I wanna be loved by you” in der Accapella-Version anzustimmen.


[YouTubeDirektDankeAnUnsereFans]

Jetzt mal ehrlich: Bin ich wirklich der einzige, der das unfassbar bizarr findet? Wer noch nicht ganz überzeugt ist, oder noch mehr sehen will, dem sei der yt-Kanal empfohlen. Allerdings möchte ich mich auf diesem Wege auch beschweren: Seit 6 Tagen kein neues Video mehr! Mädels! Ihr habt es doch schon fast geschafft! Jetzt nicht aufgeben!

Fall 2: Ich bin noch zu haben

Im Amerika der 80er Jahre war es anscheinend Usus, das es örtliche Video-Partnervermittlungen gab. So wie “Video” in den 80ern ja sowieso Synonym für alles moderne, future-mässige war. Irgendwie. Da konnte man dann ein Video aufnehmen lassen, in dem man sich und seine Vorstellungen seines zukünftigen Lebenspartners in einer Art Interview ausbreitete. Nun hat jemand mal ein paar Highlights solcher Videos zusammengeschnitten. Und das ist Wirklich ein Kaleidoskop des schlechten Geschmacks. Was aber noch toller ist, sind diese anscheinend auswendig gelernten Sätze, die brav aufgesagt werden um das Interesse an der eigenen Person zu wecken und scheinbar schlagfertig rüberzukommen. Mein absoluter Liebling ist dabei Mike, ca. bei Sekunde 00:45:

“Hi, my name is Mike, and if you´re sitting and watching this tape, smoking a cigarette, well, hit the fast forward button because i don´t smoke and i don´t like people who do smoke.”

Geht es noch interaktiver? Da fühlt man sich ja fast wie beim wichsen erwischt. Es gibt natürlich noch viele weitere schöne Situationen auf dem Tape, wobei einem bizarrerweise der als Wikinger verkleidete Frührentner noch als der normalste unter den ganzen Soziopathen vorkommt. Aber wer weiss? Vielleicht haben sie alle so ihre große Liebe gefunden? Vielleicht sind die alle, die Mikes und Freds und Monroes und Wikinger, mittlerweile verheiratet, nur dank dem Videodatingservice? Ich wüsste es zu gern. Ich kann mir das auch super vorstellen. Die Nichtraucherin, die sich sofort in Mikes lustige Art verliebt hat, immer neben die Kamera zu gucken (weil da offensichtlich sein Text steht). Um das folgende Video also in seiner Gänze geniessen zu können, macht es wie ich und stellt euch einfach vor, jeder von denen hat durch seine Aufnahme seine Traumfrau gefunden.


Dating Montage
von smithy00101

[DailyMotionDirektVideoMate, via Chefreuser René]

So. Da sind also Menschen jeglicher Coleur, die ein Video (oder mehrere) aufnehmen, in der Hoffnung so oder so entdeckt zu werden. Das hat wirklich nichts mit Fremdscham zu tun. Das finde ich einfach, in beiden Fällen, so wunderbar ungelenk knuffig. Wobei knuffig wirklich ein schlimmes Wort ist. Vielleicht nehme ich auch mal so ein Video-Mate Video auf?



Zarte Rockerseelen - Harte Fäuste

Es wird mal wieder Zeit für eine YouTube Kuriositäten-Sammlung.

Nichts ist schlimmer als mit seiner Band auf einer Bühne zu stehen, vor der viele Menschen stehen, die die Band da nicht sehen wollen. Ich weiß wovon ich rede, mir ist das mit Fritten und Bier auch schonmal passiert. Da haben wir in Bochum auf einem Stadtfest gespielt. Im Publikum war eine Gruppe Punks, die ihren Spaß hatten, die Maxime unter ihnen war wohl: Komm, wir bringen diesen Viva-Clown mal aus dem Konzept. Tatsächlich war das am Anfang sogar recht lustig, weil sie wohl in einem Supermarkt um die Ecke Tiefkühlpommes gekauft haben und diese nun auf die Bühne warfen. Da fand ich ganz lustig. Aber das war ja nur die erste Hälfte des Bandnamens. Als nächstes kam das Bier und die anfänglichen Bierduschen waren auch noch voll okay, aber als die leeren Flaschen hinterherkamen, wurde es doch etwas anstrengender auf der Bühne. Ein junger Mann, offensichtlich mit einer beneidenswerten Rachenstärke ausgerüstet, rotzte von der 5. Reihe aus permanent auf die Bühne und da Rotz ja nun wirklich nicht in unserem Bandnamen vorkommt, war das doch etwas sehr daneben.

Ich spielte also irgendein Lied von uns, weiß nicht mehr welches, schloss die Augen und sang. Und dachte plötzlich: Warum ist denn unser Sound so dünn? Häh? Das öffnen meiner Augen öffnete mir die Augen: Mein Bruder hatte seine Gitarre weggelegt, nahm Anlauf und sprang direkt auf Sir Rotz zu. Von der Bühne aus. Sofort entstand natürlich ein riesen Kuddelmuddel. Meine Bandmitglieder stürzten hinterher, selbst unser Mischer sprang hinterm Pult hervor und eilte zum Pulk. Nur ich stand noch alleine auf der Bühne. Ein riesen Fragezeichen überm Kopf. So wie das Publikum auch. Und was tat ich, mutiger Supermann, der sich das letzte Mal in der 7. Klasse vor Biologie geprügelt hat? Ich sprach folgenden, dringenden Appell ins Mikrofon:

“Ey, Leute, hört doch mal auf…..!”

Wahnisnns De-eskalations-Strategie. Ich bin halt eine Pussy in solchen Sachen. Was soll ich sagen: Der Auftritt war natürlich vorbei. Wir bauten ab, luden die Sachen in den Wagen (die ganze Zeit mit Security-Spalier) und verpissten uns. Nein, das war wirklich kein besonders guter Auftritt…

Zum Glück aber stehen wir damit nicht alleine da, im Gegenteil, wir befinden uns sogar in relativ guter Gesellschaft. Wie sich dank YouTube relativ leicht zeigen lässt.

Fangen wir erstmal mit dem Chef an: Als ich mir damals das Nirvana-Video “Live! Tonight! Sold out!” gekauft habe, haben Waldi und ich folgende Szene immerwieder zurückgespult und nochmal geguckt, weil wir es nicht glauben konnten. Das ist so krass, wie schon Dave Grohl sofort über sein Drumkit springt.


[YouTubeDirektGitarreVsKopf]

Rock´n´Roll ist ein hartes Business. Wer sollte das besser wissen als Axl Rose? Da muss man mit seinen Fans auch schonmal was härter ins Gericht gehen, wenn sie sich nicht zu benehmen wissen. So wie diese Menschen in Südamerika. Die werfen Steine auf die Bühne. Um ihnen zu erklären das das nicht okay ist lässt man erstmal etwas Ruhe auf die Bühne kommen, bestellt die Kamera und die Übersetzerin zu sich und erklärt in aller Seelenruhe, das das so nicht okay ist. Gut, lasst uns ehrlich sein: Das hier ist Pussyprogramm.


[YouTubeDirektDoYouThinkThatThisIsFunny?]

Kennt einer von euch noch “Skid Row”? Das waren die Posterboys des Metal. Naja, sagen wir Rock. Immer akkurat gepflegte Matten auf dem Kopf, allen voran natürlich der Leadsänger Sebastian Bach. Ich gehe davon aus das die regelmässige Pflegepackungen in ihre Haare geschmiert haben. Das kommt natürlich nicht sehr tough rüber, da muss man schonmal beweisen, was in einem steckt. Ob man sich danach noch im Tourbus filmen lassen muss und erzählt, wie hart man war/ist: Das ist dann wohl wieder ein Zugeständnis an die Pflegepackungsindustrie. Oder?


[YouTubeDirektWhatAreWeWaitingFor?]

Fans sind ihren Stars geren ganz nah. Eigentlich gerne so nah wie möglich. Ich weiss nicht ob das wirklich so ist, aber anders kann ich es mir nicht erklären, jemanden anzugrinsen, der mir in die Fresse haut. Auch wenn es Übergott Rollins ist.


[YouTubeDirektAlteBlackFlagZeiten]

Okay. Zeit für einen weiteren Pussymoment. Meine Verwunderung über “Don´t drink and drive”-Reden der Herren Kiss beim Konzertbesuch, habe ich hier ja schon genügend Ausdruck verliehen. Schade das folgender Moment nicht beim Konzert in Berlin passiert ist: Er hätte mich nämlich keinesfalls verwundert, sondern eher mein Bild komplettiert. Ich meine mal im Ernst: Auf der Bühne von denen explodiert alles, brennt alles, fährt hoch und runter, eine Lightshow die ein beliebiges 1000-Seelen-Dorf für die nöchsten 10 Jahre mit Licht versorgen könnte und der ist genervt von einem Laserpointer? Hallo?


[YouTubeDirektLaserPointer]

Noch mal was ehrliches zum Abschluss um den Bogen zu dem krassen Nirvanavideo zu spannen: Green Day. Keine grossen Ansagen, keine Show, einfach rein und los.


[YouTubeDirektHochUndWeiter]

Nach all diesen Clips sitze ich vor meinem Rechner und rufe hinein:

“Ey! Hört doch auf mit dem Scheiss!”



Fiffige Forschläge für fiele Festival Fans

Festivals sind ja ein Universum für sich. Ein Wochenende lang hängt man mit Freunden ungemütlich im Schlamm und versucht noch ein bischen von seiner Lieblingsband mitzubekommen. Was schwer fällt, wenn man den Tag schon mit einem Frühschoppen beginnt. Und trotzdem: Wenn das Festival dann vorbei ist, dann erinnert man sich nur daran, was man für eine grossartige Zeit gehabt hat.

Denn auf Festivals, da kann man auch mal abspacken. Und da man mit der Lust daran nicht alleine ist, kommen schnell ganz viele andere dazu, die gerade auf der gleichen Wellenlänge unterwegs sind. Und nirgends kriegt man das mal wieder schöner und lustiger demnstriert, als in folgendem Video:

Ein Typ spackt, vermutlich breit oder von sich und der Musik (und dem grandiosen Ausblick) berauscht, ein bischen zur Musik rum. Ein anderer kommt dazu und spackt aus Spass etwas mit. Und dann kommt der beliebte Eigendynamikeffekt. Ich hab mich auf jeden Fall kaputtgelacht. Vor Freude. DAS ist gelebter Weltfrieden. Guckt mal:


[YouTubeDirektSpontanFlashmob]

Nun, spontanes abspacken hat auch seine Grenzen. Zumindest für manche Polizisten. Während 2 der 3 hier beteiligten Staatsdiener anscheinend eher deeskalieren wollen, reitet sie der dritte, nervöse in die Scheisse und versucht die Situation mit Elektroshocks unter Kontrolle zu kriegen. Und auch wenn Typen, die alles ausdiskutieren wollen nerven: Das ist wohl etwas zu viel des Guten. Oder Schlechten. Je nachdem. Deswegen: Passt auf, wenn ihr nackt aufs Festival geht! Die Jungs sind unberechenbar!

[VimeoDirektTaserGegenLöres]

[Erstes Video via Facebook, zweites via René]



Fans vs. Artist

Ich weiss gar nicht ob es das schonmal gab. Kann gut sein, und ich habe es nur nicht mitbekommen, aber so weit ich weiss und das jetzt so aus meinem Gedächtnis einschätze, hat es das noch nicht gegeben. Zumindest war es nie so klar, wie jetze. Natürlich, die Möglichkeit besteht auch noch, das es eigentlich ganz anders ist, das werde ich aber erst später in Betracht ziehen. Nun erstmal die eigentliche Geschichte, wie sie sich einem darstellt:

Phoenix bringen im Mai ihr lang ersehntes neues Album mit dem wundervollen Titel “Wolfgang Amadeus Phoenix” raus. Zwei Songs sind schon veröffentlicht. Von dem Lied “1901″ kann man sich auf der Seite der Band sogar die Spuren runterladen und den Song remixen. Sehr schön, sehr vorbildlich. Ein zweites Lied haben die, zum Beispiel bei Saturday Night Live, auch gespielt: “Lisztomania”, ganz ehrlich, ein Hit. Sehr hookig, sehr schön. Und dazu hat dann jemand, vermutlich ein Fan, ein Video zu geschnitten, das es nicht nur bis in die Kuturteile der Online-Ableger verschiedener grosser Zeitungen geschafft hat, sondern sogar (!!!) auch Video des Monats hier auf dem Weltfrieden wurde. Hier zeig ich eich nochmal den Clip:


[YouTubeDirektBratVersion]

Ein Mash-Up vom Phoenix Song gemischt nur mit Tanz-Szenen aus den Brat Pack Filmen der 80er, allen voran “Breakfast Club”, aber auch “Ist sie nicht wundervoll”, “Mannequin” und “Footlose” etc. Das passt sowas von herrlich zusammen! Besser könnte es nicht sein. Das Styling, das ja jetzt locker als Berlin-Mitte-Style durchgeht und diese teilweise coole, teilweise schreckliche Art zu tanzen. Und wie schön das zu dem modern anachronistischen Sound von Phoenix passt…Wunderbar. Das sind die Momente in denen Magie entsteht, in denen Lied und Video eine Allianz bilden und zusammenschmelzen, wie Amalgam. Man könnte auch sagen, das ist der Stoff aus dem Klassiker gemacht sind.

Und dann kommt die Band an und dreht ihr eigenes Video. Und jetzt ist man wirklich gespannt:


VimeoDirektBayreuth

Und wenn man das gesehen hat, da muss man sich dann doch fragen: Häh? Was soll das denn bitte? Oder, wie es die geschätzte Zartha gestern abend so schön twitterte:

irgendwie enttäuschen mich @wearephoenix dieses jahr. das “lisztomania”-video hat hoffentlich nicht ernsthaft geld gekostet.

Das hoffe ich auch, sieht aber auch nicht so aus. Ich denke das teuerste war der Album-Titel-gelabelte Mini-Zeppelin. Aber das Video ist echt arm. Ein klassischer Schnellschuss. Mit so einem Lari-Fari-Konzept, das auf einen Bierdeckel passt. Und mit Super8-Zwischenschnitten. Ansonsten kein ästhetisches Konzept, keine Linie, kein Faden. Gähn. Aber, wenn man dann jetzt mal davon absieht, das die Fans um Lichtjahre bessere Arbeit geleistet haben, kommen wir doch mal zur Wahrscheinlichkeits-Theorie: Phoenix brauchen ein Video, das auch auf den drei Sendern gezeigt werden kann, die ab und zu noch Videos spielen (damit meine ich sicher keine Musiksender!), und da gibt es natürlich das Problem, das das Fanvideo, ähm, sagen wir mal: “Urheberrechtlich bedenklich” ist. Das können die niemals als offizielles Video vermarkten. Deswegen schnell ein Billo-Video zu drehen, das man “offiziell” rausgeben kann, ist da wohl die schnellste, aber leider auch die uneleganteste Möglichkeit. Ob man sich damit so einen grossen Gefallen tut, steht auf einem anderen Blatt, aber der Song ist stark, ich denke den kann nicht mal so ein konzeptloser Clip runterziehen. Hoffen wirs. Ich geh jetzt mit Molly Ringwald tanzen…



Reine Entspannung

Ich habe durch Zufall einen neuen Entspannungsfetisch für mich entdeckt. Waschmaschinenvideos. Ja, das klingt bizarr und irgendwie ist es das auch. Es gibt tatsächlich eine grosse Szene von Menschen, die Videos ihrer laufenden Waschmaschine bei YouTube hochladen. Und in den Kommentaren wird dann gefachsimpelt: Ist das ein Toploader? Ich dachte die gäb es nur als Frontloader? Welchen Weichspüler benutzt du? Was war das für ein Fleckenpulver? Kann die auch 600 Umdrehungen? Und so weiter, ihr könnt euch ungefähr vorstellen, wo die Reise hingeht.

Nun ist man leider, leider, leider im Internet auch immer skeptisch, wenn Menschen etwas scheinbar banalem wie Waschmaschinen so viel Aufmerksamkeit schenken. Und sofort kommt man ins Spekulative: Ist das etwa was sexuelles? Gibt es Menschen die von laufenden Waschmaschinen angeturnt sind? So abwegig ist der Gedanke ja nicht, finde ich, nachdem ich mal durch Zufall auf ein Forum von Ballonliebhabren gestossen bin, für die es nichts erotischeres gibt, als aufgeblasene Ballons. Und noch eine Frau dazu, die dann mit den Dingern spielt (da gab es dieses eine, ca. 24-jährige Mädchen, die ihre Ballonvideoproduktion anscheinend schon professionalisiert hat und in der Ballonliebhaberszene schon ein grosser Star war, zumindest hat man ehrfürchtig über ihre neuesten Clips geredet….). Wenn es sowas schon gibt, warum dann nicht auch mit Waschmaschinen? Eben.

Aber andererseits: Wenn man die Videos ganz Internet-Vorurteilsfrei betrachtet, dann haben die wirklich eine eigene Magie. Wisst ihr, ich komme langsam in ein Alter in dem mich zu kurze Flashvideos nerven, ich möchte längere Zeit passiv bleiben und einfach nur gucken und da sind die Clips genau das richtige. Ich zeige euch erstmal einen, den ich randomly ausgewählt habe. Der hat aber eine schöne Dramaturgie, in der man auch noch die gesamten Vorbereitungen gezeigt bekommt, also Waschmittelschubladenbefüllung mit genauer Anzeige der verwendeten Produkte. Nur wäscht der Kollege ziemlich wenig Wäsche.


[YouTubeDirektFrontloader]

Der Schleudergang hat es wirklich in sich. Und das Ende ist so schön unprätentiös. Mit dem Finale ist der Film vorbei. Wie in guten 70er Jahre Krimis.

Nun zeige ich euch mal die Eudore Sparmeister in Aktion. Schon allein der Name! Was für ein Name für eine Waschmaschine! Da sieht man doch die glückliche Hausfrau im Waschkeller dahinschmelzen! Ich kann mir schon vorstellen wie Frau Suhrbier vor der Maschine steht, glücklich drüber streichelt und sagt “Ach, mein kleiner Sparmeister…”. Dann zieht sie sich aus und tänzelt leichtfüssig und mit geschürzten Lippen durch den Waschkeller und pfeifft dabei “Schöner fremder Mann” von Connie Francis. Was für ein schönes Bild. In dem Video ist davon zwar nichts zu sehen, aber wenn ihr die Waschmaschine seht, werdet ihr ähnliche Bilder im Kopf haben:


[YouTubeDirektBlauerBoden]

Man muss bei dem Video leider die Kameraführung bemängeln, die ist nicht ideal. Wobei der spontane Schwenk gegen Ende um das vibrieren auf dem Boden zu zeigen, schon sehr schön ist. Aber das geht noch besser…

Denn jetzt wirds richtig High-Class-Waschmaschinen-Custom-Nerdig. Ich präsentiere euch:
“The Frankenmore”
Hierbei handelt es sich um den absoluten Oberburner: Die Frankenmore ist zusammengebaut aus der Hülle einer 68er Kenmore mit den Innereien einer 82er Kenmore. Super-Waschmaschinen-HotRod-Style. Das ist ja wohl der Hammer. Ich will gar nicht wissen was sonst noch so alles in der Washer-Tuner Szene abgeht, denn kann es noch besser als das hier werden? Allein der Name: Frankenmore! Wie geil ist das denn bitte schön, Digger! Ich will jetzt nicht viele Worte verlieren, das müsst ihr euch ansehen.


[YouTubeDirektFrrrrreeeeuuunnnnnnnddddd]

Liebe Weltfriedenleser, ich werde die neuesten Entwicklingen in der Waschmaschinenszene für euch im Auge behalten. Denn das ist es was ich unter Service am Leser verstehe. Ihr wollt Waschmaschinen? Ich gebe euch Waschmaschinen! Und zwar nur die besten der Welt! Olé Olé.

Und jetzt warte ich noch auf ein Video der Frankenmore, aber diesmal mit einer Spee-Befüllung! Stellt euch mal vor, was da los ist!



Verloren zwischen Speed und Time

Bei René habe ich diesen Kurzfilm gesehen, der irgendwie etwas ist, was ich so noch nie gesehen habe:

The Wizard of Speed and Time


[YouTubeDirektSchnell]

Man kann schon von einem kleinen Meisterwerk reden, vor allem dieser Bruch mitten im Film, wo sich alles zu einer grossen Musicalnummer wendet, bei der die Klappe andauernd versucht dem Kamerastativ ein Bein abzubeissen. Sagenhaft. In den Kommentaren bei René hat noch jemand ein Remake des Films gefunden, aus den frühen 80ern. Also nur ca. 4-5 Jahre nach dem Originalfilm. Der Kommentator bemängelte. das das grössere Budget und die professionellere Machart wohl auch den Spirit des Films geklaut hätten. Ausserdem, das erwähnte er zwar nicht, passt aber argumentativ auch, ist die komplette Musicalnummer gestorben. Stattdessen wird jetzt stringent die Geschichte des rennenden Grünmützchens erzählt. Bis zur fatalen Banane. Aber ich finde das nicht seelenlos, ganz und gar nicht. Das hat genausoviel Charme wie das alte Original auch. Es ist nur ein bischen Eye-Candyer, was aber ja erstmal nix schlimmes ist. Sehen sie bitte selbst:


[YouTubeDirektNochSchneller]

Jetzt wurde ich natürlich neugierig. Wo kommt dieser Film her? Wer hat den warum gemacht? Was steckt dahinter? Ich vermutete eine Art Demoband einer Special Effect Firma. Da mussten die ja nur zeigen was sie können und wenn man das originell präsentiert, dann springen die Kunden ja auch eher an/auf/zu. Und jetzt gehts erst richtig los, denn die Sache wird nicht unkomplizierter…

Erstmal lande ich auf der Seite des Filmemachers selber. Gut, warum man 2005 noch seine Homepage in diesem, euphemistisch gesagt, Retro-Chic-Style präsentieren muss erschliesst sich mir nicht so ganz, aber das muss es ja vielleicht auch gar nicht. Fakt ist: Ich bin hier direkt an der Quelle, jetzt kann ich sicher alles lesen, wie es zu dem Film kam, was der eigentlich soll und warum im Original Kameras tanzen. Aber Pustekuchen. Die Homepage ist das traurige Dokument des scheiterns an eigenen Ansprüchen, denn man sieht alle Naselang Fragen oder Kategorien, die der Filmemacher bearbeiten wollte/will, aber er hat de facto gar nichts geschafft. Ausser irgendwas reinzustellen, was er verkaufen will. Eine alte Kellogsschachtel etc. Das alles garniert mit etwas flachem Humor…mir gefällt sowas ja. Aber ich finde es zum verzweifeln da dann alle Fragen zu sehen, die ich auch stellen würde, aber keine einzige Antwort zu erhalten. Also beginne ich mich durch die Links zu klicken.

Als erstes kommt man zu einer Sammlung angeblich unterhaltsamer Newsgroup-Einträge, die von dem Film handeln. Langweilig wie sau.

Der nächste Link führt auf eine Seite, die sich vielleicht mal mit dem “Wiz” beschäftigt hat, aber auf der nun das “Baby Blues Jazz Ensemble” in geschmackssicherem Jürgen von der Lippe-Hemden-Gedächtnis-Style zu bewundern ist. (Anspieltip “This Masquerade”) Bringt mich aber auch nicht weiter. Also auf den nächsten Link geklickt.

Ich klicke auf “The Story” und wunder mich im ersten Moment, das da so ein langer Text erscheint. Der scheint ja länger zu sein, als der Film den ich kenne. Und jetzt platzt die Bombe: Es gibt wohl einen (Spiel)Film darüber, wie Mike Jittlov den Kurzfilm macht und die Hauptrolle in dem Film über Mike Jittlov spielt: Mike Jittlov! Und den Trailer gibt es auch online, mit dem wunderbaren Satz:

“5 years in the making, 5 days in the theatres, so see it while you can!”


[YouTubeDirektSchnellsterTrailer]

Ist ja wohl absolute Ehrensache, das ich jetzt alles tun muss, um diesen Film mal zu sehen, oder? Das scheint genau was für mich zu sein…Ach ja, ich liebe das Internet.