Du bist kreativ? Mein Beileid.

Ehrlich gesagt hab ich gar keine Lust mehr auf diese Kackdiskussion. Ich hab mich da auch sehr bewusst rausgehalten in letzter Zeit, obwohl man da eigentlich jeden Tag was zu schreiben könnte. Aber dieser neue “offene Brief”, der mit viel TamTam die Diskussion wieder um zehn Schritte zurückwirft und einen konstruktiven Dialog erneut erschwert bis unmöglich macht, lässt mir keine andere Wahl als mich zu wehren. Denn wenn mir etwas an allem Beiträgen von allen Seiten am meisten auf den Keks geht, dann ist es dieses Wiederkäuen von Dingen, die nicht stimmen. Und natürlich das nicht-weiterdenken von Positionen. Erwachsen sein sieht anders aus. Insofern ist folgender Text bitte als notwendige Selbstverteidigung und Positionierung zwischen den Stühlen zu verstehen:

Piraten!

Ich tu alles was ich kann, euch zu verteidigen, aber ihr macht es mir nicht unbedingt leichter. Am lautesten rufen eure Blindschleichen, die denken sich ganz clever auszudrücken und am Ende des Tages nur für noch mehr Missverständnisse sorgen. An dem Begriff “geistiges Eigentum” gibt es wenig zu rütteln, weil das nur eine Begrifflichkeit ist. Das ist doch wirklich erstmal scheissegal wie man kreative Leistung nennt. Wenn ihr euch so an dem Begriff stört, dann nennt es meinetwegen “orange-karierte Glasbaisers” oder “Aachener Glitzerpimmel” oder wie auch immer, das spielt doch überhaupt keine Rolle. Wie man so sehr an so einem sinnlosen Nebenkriegsschauplatz festhalten kann, der die momentane Debatte auch noch unnötig auflädt, Trennschärfen verwischt und on Top auch noch zusätzliche easy Angriffsfläche bietet, ist mir ein Rätsel. Wenn ihr Call of Duty spielt, zieht ihr eurer Figur doch auch nicht zuerst mal ein schönes Neonoutfit an, damit die Heckenschützen euch besser treffen können. Wie kann man nur so verbohrt sein. Fuck the Begrifflichkeiten, arbeitet lieber an Realitäten. So weit ihr da was machen könnt.

Und, bitte, lasst euch verdammt noch mal nicht so vorführen. Ich weiss das ihr alle keine Medienprofis seid und das erwartet ja auch niemand. Gerade wenn man einen ungewöhnlichen Standpunkt hat, wird man in einer Talkshow schonmal schnell Kanonenfutter. Auch eure Freiheit, das jeder so sein kann wie er will, mag niedlich wirken, für euch vielleicht sogar authentisch, aber dieser ganze Zirkus da draussen ist ein Spiel. Um Codes, man kann das auch coolness nennen. Und das ist ja relativ einfach.

- Barfuss in Latschen bei Jauch sitzen: Nicht cool.
- Verängstigt bei Lanz sitzen, weil einen vier Menschen ohne Ahnung gleichzeitig angreifen: Nicht cool.

Ja, das ist oberflächlich, but guess what: Weder Lanz noch Jauch noch sonst irgendwelche Talkshows sind an inhaltlicher Tiefe interessiert. Da geht es ums Schlagzeilen generieren. Und wenn da einer seine Zehennägel präsentiert, dann ist das die Schlagzeile, egal was der sagt. Das müsst ihr nicht gut finden, das könnt ihr auch gerne ändern wollen. Aber durchs reine ignorieren geht nix weg. Isso.

Bringt mich aber vom Thema ab: Kreative. Urheber. Verwerter. Gema. Urheberrecht. Verwertungsrecht. Google. YouTube. Böse. Diebstahl. Raubkopie. Kein Raub. Abmahnung. Pfründe abstecken. Felle davon schwimmen. Ausnutzen. Selbstvermarktung. Crowdfunding.

Ich schwöre, wenn ich noch einen von euch mit solchen Begriffen sinnlos in einer Talkshow oder einem offenen Brief im Netz hantieren höre oder sehe, kotze ich sofort. Ich kann diese ganze, hundertausendmal durchgkaute Scheisse nicht mehr hören. Wir, die wir wissen was ihr meint, wissen was ihr meint. Die, die nicht wissen was ihr meint, wissen es auch noch nicht, wenn ihr es ihnen zum zwanzigsten Mal sagt. Ganz einfach. Oder ich erklärs mal so: Flieg nach China. Geh zu einem Chinesen. Sag: “Adventskranzkerzenlichterglanz.” Der wird dich komisch angucken. Sags ihm noch mal. Er wird dich wieder komisch angucken. Sag es ihm ein weiteres Mal. Er wird dich immer noch komisch angucken. Sags ihm noch zwanzig Mal, sag es ihm 24 Stunden am Stück. Sag es ihm ein ganzes Jahr. Es wird nicht ein einziges Mal der Moment kommen in dem er sagt: “Ach so! Adventskranzkerzenlichterglanz!”. Vielleicht ist jetzt klar, worauf ich hinaus will. Erkennt doch mal an, das es da draussen Missverständnisse gibt und räumt die aus dem Weg!

Ach so: Die paar Pfeifen und Trolle bei euch, die immer stammeln das Künstler sich gefälligst neue Verwertungsmodelle aussuchen sollten, dass es kein Recht darauf gäbe mit seiner kreativen Arbeit Geld zu verdienen und dass die Künstler ja vom T-Shirt-Verkauf leben könnten, distanziert euch doch mal klar von denen. Das ist nämlich ultra-kontraproduktiv, was die machen. Auf die stürzt man sich, weil man dann am Besten ein “Piraten gegen Urheber” konstruieren kann, das ist spannender zu verkaufen. Wenn aber klipp und klar gemacht wird, dass das nicht Piratenmeinung ist, ganz unmissverständlich, dann kommt man in der Debatte vielleicht schon einen guten Schritt weiter.

Kreative!

Was ihr da macht, mit euren ganzen offenen Briefen, diesen ganzen Kriegserklärungen, dieses auf-sein-Recht-pochen, das ist so ungemütlich, unversöhnlich, ungenau und dumm, das es mir die Kehle zuschnürt.

Dabei ist es mir sogar egal, ob sich nun bereits erfolgreiche Künstler beschweren oder solche, die vielleicht mal erfolgreich werden oder waren. Das spielt alles keine Rolle. Aber dieses ewige: “Es gibt ein Recht und das muss nur mal richtig angewendet werden!” ist reaktionäre Kackscheisse. Das verweigern einer Realität, die sich trotz eines schwammigen Gesetzes weiterentwickelt hat, sogar darüber hinweggesetzt hat. Und alles was euch dazu einfällt, ist: Es gibt aber dieses Gesetz und das soll jetzt endlich einmal eingehalten werden! Ernsthaft?

Um meine Position nochmal klar zu machen, nochmal explizit auszusprechen:

Kreative sollen mit ihrer Arbeit das verdienen können, was sie wert ist. Sie sollen nicht nur Nebenprodukte dieser Arbeit (Merch etc.) als einzige Einnahmequelle haben. Nicht mal als Haupteinnahmequelle. Die muss nachwievor der Platten/CD/Download-Verkauf sein, um mal bei der Musik zu bleiben.

Nun ist das aber in der Realität nicht mehr so einfach, weil jedes digitale Gut beliebig oft vervielfältigt werden kann. Also können auch beliebig viele unbezahlte Kopien erstellt und verteilt werden. Das ist doof. Und dafür muss eine Lösung gefunden werden. Die Kulturflatrate ist da vielleicht ein erster Ansatz (Wie ich da immer höre: “Ja, aber das ist dann so kompliziert da einen Verteilungsschlüssel zu finden” Das ist natürlich nicht kompliziert, aber man muss es auch wollen…).

Die Lösung, die “die Kreativen” dafür bislang anbieten ist:

Äh.

Ach so, genau: Die Gesetze sollen durchgesetzt werden. Sprich: Jeder soll für jede Kopie, die er hat, bezahlen. Also kurz: Internet abschalten oder wenigstens komplett überwachen. Das geht doch sicherlich. Ach, darüber müssen sich die Künstler auch ihren Kopf nicht zerbrechen, das haben gefälligst die Anderen zu tun.

Ich versteh euch ja im Grunde genommen: Ihr habt dieses Lied aufgenommen und jetzt möchtet ihr die Liebe dafür in Geld ausgezahlt bekommen und der Gedanke ist ja durchaus erstmal richtig und berechtigt. Und auch das Verleger und Verlags-Bashing ist natürlich größtenteils totaler Quatsch, weil die ja auch was machen. Der Apparat kümmert sich ja um den ganzen Scheiss, den ein Künstler gar nicht machen will - geschweige denn alleine stemmen kann. Wie Rechtsfragen, PR, Vertrieb, Logistik und nicht zu vergessen die finanzielle Vorleistung, die man selber ja gar nicht auf Täsch hätte (und damit mein ich noch nicht mal den Vorschuss, der einem ja noch ermöglichen soll, sein Werk in Ruhe und stressfrei fertig stellen zu können…). Ausserdem halte ich Verlage als Filter nachwievor für Richtig und wichtig. Ja, jeder kann alles überall veröffentlichen. Aber bei einem Verlag weiß ich mit Sicherheit, dass da vorher nochmal 4,5 Leute draufgeguckt haben und das ein qualitatives Mindestmass erfüllt (ob es mir nachher gefällt steht ja auf einem anderen Blatt) wird. Für diese Sicherheit zahle ich als Kunde gern.

Ich lass mir aber als Kunde nicht gern sagen, was ich mit den Sachen zu tun hab, die ich gekauft hab. Ich kann gar nicht zählen wie oft ich in letzter Zeit die Aussage gehört habe, dass ich ein Buch für mich kaufen soll. Das die Weitergabe schon ein zahlender Leser weniger sei. Ja, das ist richtig. Und wenn ihr mir daraus einen Strick drehen wollt, dann verschenke ich nur noch Bücher aus meinem Besitz oder aus Antiquariaten, denn das ist ja wohl die Höhe. Auch werde ich Freunden nach wie vor CDs brennen von Platten, die mir gefallen (MIx-CDs/Mixtapes nehme ich ausdrücklich aus der Diskussion raus, denn wenn ihr auch noch was gegen die habt, dann habt ihr wirklich nicht mehr alle Tassen im Schrank). Vielleicht kaufen sie die dann, vielleicht reicht ihnen meine gebrannte Version. All diese Freiheiten nehme ich mir. Ich werde auch nachwievor Videos auf Lieblingslieder schneiden, weil ich das als Hommage an das Lied verstehe.

Mich regt am meisten auf, dass ihr euch nicht informiert. Dass ihr zu Tausenden offene Briefe unterschreibt in denen immernoch behauptet wird, jemand wolle das Urheberrecht abschaffen. Jemand wolle das Künstler nichts mehr verdienen. Das ist Bullshit und entweder dreist gelogen oder naiv uninformiert. Und ich weiss nicht, welche von beiden Varianten ich schlimmer finden soll.

Ich lese von Kreativen, die ich schätze, die ich für intelligent halte, für souverän, für zum Teil Intellektuell. Und ihr beschwert euch über Dinge, die so niemand gemeint hat? Ihr wollt die Piraten aufhalten? Aber von was denn bitte schön? Ja, die haben gerade Erfolg, aber die werden die nächsten 10 Jahre nirgendwo an einer Regierung beteiligt sein, was sollen die also ändern? Und wie? Warum muss sich eigentlich gefälligst alles nach euch richten? Warum analysiert ihr nicht die Situation und sagt: “Ey, lass uns alle gemeinsam eine Lösung finden, denn dann profitieren wir auch alle!”? Warum erkennt ihr nicht, wie dringend es ist, eine p r a k t i k a b l e Lösung zu finden?

An Alle!

Warum muss diese ganze beschissene Scheiss-Pseudo-Debatte in diesen verfickten Nachbarschaftskrieg ausarten? Ich würd euch am liebsten alle einsperren und erst wieder rauslassen, wenn ihr bereit seid euch die Hand zu geben. Ich will mich nicht mehr schämen müssen, kreativ zu sein. Bitte. Keine Scheingefechte mehr. Sondern konstruktiv sein. Das macht Spaß!

Lasst uns überlegen und brainstormen! Alle Vorstellungen sind erlaubt! Keine Schere im Kopf! Und irgendwann haben wir dann den Weg gefunden, wie sich keiner vom Anderen verarscht vorkommt. Wie jeder profitiert. Wie sich Werke verbreiten und der Künstler trotzdem nicht nur von Nudelsuppen leben muss (ausser natürlich er möchte das gern…). Wie der Konsument aus dem reichen Schatz an Kreativität schöpfen kann, den es auf der Welt gibt und wie wir Kreative die Menschen berühren und bewegen. Oder einfach nur erfreuen.

Ach, das wird schön.



Schlechte Menschen

Ich kotze. Ich kotze im Quadrat. MIch kotzt es total an, das man denen das einfach so durch lässt. Kein einziger Politiker hat Konsequenzen seines Handelns zu befürchten. Nur so Konsequenzchen. Ja, gut, wenn man Scheisse gebaut hat und erwischt wurde, dann gibt man halt großgestig irgendwelche Scheissposten ab, aber sagt dann noch schnell nuschelnd hinterher, das man den Moneyjob behält. So wie Koch-Mehrin, die den ganzen Vorsitzquatsch, der eh nur zeitraubender Prestigestuss war, mit lautem Tralala abgegeben hat, aber immernoch da im Parlament sitzt, um uns zu vertreten. Eine überführte Betrügerin! Vertritt uns in Europa. Vielen Dank. Weil sie sagt: Nein, ich bleibe hier. Und keiner geht zu ihr hin und sagt: Du Silvana, schwing doch mal deinen Arsch hoch und sieh zu das du hier weg kommst, um mal wenigstens jetzt, wenn es auch eigentlich zu spät ist, noch ansatzweise so was wie Anstand zu zeigen.

Und solche Fälle gibt es ja zu Hauf. Man nennt das ja dann immer so niedlich “am Pöstchen kleben”, als wenn es um so kleine Kinder gehen würde, die nicht in den Kindergarten wollen (oder später nicht mehr aus dem Kindergarten nach Hause). Das ist ein totales Problem. Denn das ist nicht niedlich. Das ist unverschämt. Und moralisch nicht fragwürdig, sondern komplett verwerflich. Mir ist dabei die Parteizugehörigkeit auch herzlich Wurst. Wenn jemand dessen überführt wurde, den moralischen Standards die er und/oder seine Partei hoch hält nicht zu genügen, dann hat dieser jemand zu gehen. Ganz einfach. Und vor allem: Keine Diskussion.

Womit wir ja wieder beim aktuellen Fall wären: Diese öffentliche Heul-Show von von Boetticher möchte ich nicht weiter kommentieren, die war schon schlimm genug. Aber zu sagen: “Ich trete als Landesvorsitzender zurück!”, damit in den Zeitungen steht “Er ist zurück getreten”, dann aber noch schnell klar zu machen, das man den Fraktionsvorsitz aber behalten (wollen) würde, das ist schon von einer besonderen Dreistigkeit, wie sie nur Politiker haben. Verdammte Scheisse, tritt zurück, wenn du Kacke gebaut hast! Und nicht so ein halber Showrücktritt! Oder welches Signal willst du uns vermitteln? War doch nicht so schlimm? Ist ja nicht verboten, also okay? Really? Was für eine arme Wurst.

Ich sag das gerne nochmal in aller Deutlichkeit: Ihr Politiker, die ihr Verantwortung übernehmen wollt, aber dann doch einzelne Posten behaltet, um euer Geld weiterhin in der Politik zu verdienen, ihr seid schlechte Menschen. Richtig schlechte Menschen. Nicht nur schlechte Vorbilder, schlechte Politiker oder schlechte Lügner. Ihr seid schlechte Menschen. Rundum. Und das verachte ich zutiefst, weil ihr das ganz bewusst seid, obwohl ihr es eben so bewusst nicht sein könntet.

Das Traurige ist nur, das diese Nachricht niemals bei ihnen ankommen wird. Aber ich musste das mal los werden.



Dreiundzwanzig Prozent aller Bayern

Wenn die Volksabstimmung in Bayern etwas bewiesen hat, dann das: 23% der Bayern sind selbstgerechte, rechthaberische Scheisser, die mit aller Macht ihren Willen durchgesetzt bekommen wollen, entgegen einer etwaigen Toleranz oder dem Wunsch nach einem friedlichen Zusammenleben aller. 23% aller Bayern haben an einem schönen Tag nichts besseres zu tun, als mit angeschwollener Halsschlagader in ein Wahllokal zu rennen, um endlich ihren Willen durchgesetzt zu bekommen. 23% aller Bayern halten nicht viel von Demokratie/Wahlfreiheit und glauben, wenn sie sich für etwas in ihren Augen “Gutes” einsetzen, das sie auch das Recht haben, diese Ansicht anderen aufzuzwingen. 23% aller Bayern erinnern mich an die Menschen, die jetzt in PrenzlBerg Clubs schliessen lassen, weil sie ihnen zu laut sind. Wohlgemerkt: Clubs, die seit Jahren existieren werden verbannt von Menschen, die gerade da hinziehen. 23% aller Bayern sind nicht mal ein Viertel der Gesamtbevölkerung, aber haben dennoch das Recht, zu bestimmen. Ein ziemlich deutlicher Beweis “pro Quorum”.

23% aller Bayern haben keine Freunde. Ausser sich selbst.

Disclaimer: Ich habe aufgehört zu rauchen. Ich weiß gar nicht mehr genau wie lang. Ich glaube jetzt schon fast 4 Monate! Ein ziemlicher Erfolg für mich, der ich leidenschaftlicher Kettenraucher war. Was mich aber nachwievor am Meisten nervt, ist diese bescheuerte Rücksicht, die jetzt auf mich genommen wird. Ich möchte das meine Freunde weiterhin in meiner Gegenwart rauchen, wenn sie rauchen möchten und nicht aufstehen und auf den Balkon gehen. Was soll denn das? Das ist doch totaler Quatsch. Jeder der rauchen will, soll das auch tun. Und der soll meinetwegen auch spezielle Kneipen dafür bekommen. Aber jetzt so einen nicht mehr entfernbaren Keil zwischen die Lager zu treiben ist kurzsichtiger Idiotenscheissdreck von jemandem, der offensichtlich einen gewissen “Geltungsdrang” hat. Und hörrt mir auf mit “da stinken die ganzen Klamotten nach…”. Dann geht halt nicht aus. Zu Hause bleiben die Klamotten sauber und rein. Da muss man sie gar nicht mehr waschen.



Sauer macht sauer

Puh. So viele Baustellen zur Zeit. Und der Weltfrieden muss sich mal wieder aufregen. Aber keine Sorge: Jetzt kriegen einmal alle ihr Fett weg und dann wird die frisch auferstandene Sonne genossen!

- Käßmann tritt zurück, weil sie besoffen erwischt wurde am Steuer ihres Dienstwagens. Und alle tun so, als wäre das selbstverständlich. Da schleuder ich den moralischen Sittenwächtern der CSU zum Beispiel mal ein freudiges “Fuck you!” entgegen. Ich weiß nicht wie oft diverse Posten und Pöstchen-Besetzer dieser Partei schon beim drunk driving erwischt wurden. Aber klar, da ist das normal. Die Bayern eben, sind ja eine Bierkultur. Da klopft man sich auf die Schulter und lacht ein bisschen drüber und gut ist. Ich finde Käßmanns Reaktion konsequent. Wenn ich sie (also, die Reaktion) auch scheiße finde. Aber die Lady hat meinen tiefsten Respect und es würde vielen anderen Politik- und Kirchen-Vertretern gut zu Gesicht stehen, daraus zu lernen, was es bedeutet
k o n s e q u e n t zu sein. Allein, sie werden es nicht checken. Und die katholische Kirche um Bischof Mixa ist eh heilfroh mit ihrem geradezu systematischen vertuschen von Kindesmissbrauch aus der Schusslinie zu geraten. Aber sorry, liebe Katholiken, ihr könnt nichts für eure Vorsteher, ich möchte denen aber das noch mit auf den Weg geben:
Euer Gott is not amused.

- A propos “not amused”: Das ist auch die Bunte nicht, weil sie Wettbewerbsverzerrung von Seiten des “Stern” vermutet. Der schreibt in seiner aktuellen Ausgabe (mit einem mir wirklich angsteinjagenden Von-Der-Leyen-Hardliner-Cover), das die “Bunte” eine Fotoagentur damit beauftragt hätte, Politiker geradezu systematisch zu überwachen und zu bespitzeln um eine super Story draus zu kriegen. Die “Bunte” streitet alles vehement ab und schreibt in ihrer Pressemitteilung zu dem Fall:

BUNTE hat den Inhaber der Berliner Presse- und Fotoagentur, Stefan Kießling, zu den im Stern erhobenen Vorwürfen um Auskunft gebeten. Stefan Kießling hat der BUNTE-Chefredaktion versichert, dass seine Agentur die im Stern gemutmaßten unlauteren Recherchemethoden nicht angewendet hat. Ferner erklärte er, dass er sich von zwei ehemaligen Mitarbeitern, auf die sich der Stern als Informanten beruft, im April 2009 im Streit getrennt habe.

Der Stern schreibt in seinem diffamierenden Artikel, dass privat sei, was beruflich/politisch keine Relevanz besitzt. Im Fall Seehofer hat der Stern ebenfalls mit der Agentur CMK zusammengearbeitet und ein CMK-Foto der Seehofer-Geliebten mit Kind veröffentlicht.

Das schreiben die ohne Rot zu werden. Das veröffentlichen die ohne Rot zu werden. Das vertreten die ohne Rot zu werden. Nochmal: Die “Bunte”. Ein Heft über Promi-Klatsch und Tratsch, das nur davon lebt, Paparazzi-Fotos zu veröffentlichen, Prominente dazu zu bringen, ihre persönlichen Geschichten in einem wenigstens selbstgesteckten Rahmen bei ihnen zu veröffentlichen, bevor sie sich selbst etwas schlimmeres zusammenreimen. Die gleiche Zeitung spricht von der “diffamierung” durch einen Mitbewerber (Wobei ich mir auch denke, das der Stern das nicht so gerne hören wird, quasi direkter Konkurrent ausgerechnet der “Bunten” zu sein). Wenn es nicht so egal wäre, ich würde vom Glauben abkommen. Was ist mit den Luten nur los?

- A propos was ist mit den Leuten nur los? Dazu brauch ich nur zwei Worte: Guido. Westerwelle. Ich halte die FDP für eine wirklich komplizierte Partei. Ich kenne zumindest keine, in der so viel unterschiedlich fähiges Personal auf einem Haufen ist, wie bei den Liberalen. Wenn man an die Grand Dames und Seigneurs denkt wie Hamm-Brücher oder Genscher und sie in den direkten Vergleich zu Leuten wie Möllemann oder eben jenen Westerwelle stellt: Da tun sich Welten auf. Und wenn man dann noch so unmenschlich, unsozial, unrealistisch und unüberhörbar argumentiert und disst wie unser Aussenminister es gerade macht, dann kommt einem, pardon, einfach nur noch das kalte Kotzen. Westerwelle spielt sich auf wie der Robin Hood in “Time Bandits” wenn er sagt: “Die Armen sind arm, deswegen heissen sie ja auch arm.” Konkrete Änderungsvorschläge? Fehlanzeige. Armenbashing zur Verbesserung der Umfragewerte? Bingo! Und auch wenn jetzt viele sagen: Im Kern hat er ja recht, wir müssen mal über Sozialleistungen reden und wie sie sich finanzieren lassen und wie wir den Ärmeren in unserer Gesellschaft wieder auf die Beine helfen, so stimmt das zum Teil, wird mich aber nicht davon abhalten Westerwelle weiterhin zu sagen, das diese Form der Kampagne auf dem Rücken von denen, die sich nicht wehren können, absolut abscheulich und verachtenswert ist. Die Debatte über das Sozialsystem ist etwas ganz anderes. Die muss auch woanders (und unter weniger diffamierenden Sprüchen) geführt werden. Nicht in der Debatte über Westerwelles verbale Erniedrigiungen.


[YouTubeDirektDerSpassIstVorbei]

- A propos “Kotzen”: Ich habe hier noch einen angefangenen Artikel rumfliegen, den ich dann doch nicht zu Ende schrieb, weil ich das Gefühl hatte, in der Sache wäre schon alles gesagt. Und ich tu mich schwer, da jetzt noch etwas sinnvolles hinzuzufügen. Und was ich nun schreiben werde, klingt in gewisser Weise arrogant und belehrend. Oberlehrerhaft. Deswegen sträube ich mich so dagegen, das zu schreiben. Aber nachdem ich im letzten Sonntagstagesspiegel noch ein Interview gelsen habe, muss es einfach raus: Mein Senf zum Feuilleton-Skandal um Helene Hegemann und ihr abschreiben aus “Strobo” für ihr Buch “Axolotl Roadkill”. Ich schreibe extra nicht “plagiieren” oder “kopieren” oder “remixen” (das am allerwenigsten), weil das Worte sind, die den Sachverhalt verwässern. Das Mädchen hat abgeschrieben. Punkt. So wie man das aus der Schule damals kennt: Man schreibt ab, gibt es aber unter seinem eigenen Namen beim Lehrer ab in der Hoffnung, dafür gelobt zu werden. Da geht es nicht um Quellen, oder gar um “Quellenangabe vergessen” oder um “nicht dran gedacht”. Da geht es darum, gut da zu stehen. Gerne auch mit der Leistung anderer, wenn die eigene nicht mehr reicht. Und das hat Hegemann gemacht. In der ersten Pressemitteilung, nachdem Deef die ganze Chose aufgedeckt hatte, hat sie sich noch einigermassen annehmbar entschuldigt. Aber alles was danach kam, machte alles immer schlimmer und es wurde immer klarer: Dem Mädchen ist zu keinem Cent bewusst, was sie da eigentlich gemacht hat. Nun mögen alte Feuilleton-Säcke das ganze charmant und “jugendlich unbedarft” finden, ich finde es erschreckend. Aber es erinnert mich. Und jetzt kommt der schlimme Part, den ich oben angedeutet habe:

Ich habe damals mit 17 beim Fernsehen angefangen. Und ich habe, vor allem die erste Zeit zum ersten Hype, wirklich gedacht mir scheint die Sonne aus dem Arsch. Es ist in dem Alter auch wirklich verwirrend mit Ruhm und ähnlichem umzugehen. Was es nicht weniger Reizvoll macht. Nun war ich zu der Zeit ehrlich gesagt sicher nicht im Stande, mich so eloquent auszudrücken, wie Hegemann das tut und ich habe auch kein Buch geschrieben, sondern “nur” mein Gesicht für einen Musiksender in die Kamera gehalten. Trotzdem masse ich mir an zu wissen wie es ist, in dem Alter mit den Medien umzugehen. Es macht Spass, kann manchmal etwas stressig sein, aber im grossen und ganzen geniesst man doch diesen Zirkus, der um einen herum veranstaltet wird. Und da erzählt man Sachen, oh Boy, ich bin froh das das meiste davon wieder irgendwo verschwunden ist. Ich erinnere mich an vieles, für das ich mich heute ein bisschen schäme. Und an ein Bisschen, für das ich mich heute viel schäme. Und ich weiss: In ca. 10 Jahren wird es Helene Hegemann genauso gehen. Vielleicht hat sie ja bis dahin mal ein Buch geschrieben, das komplett ihrer Feder entstammt. Vielleicht weiss sie dann, was das für eine Arbeit ist (sie kokettiert ja jetzt schon damit, das ihr das schreiben von “Axolotl Roadkill” nicht wirklich Spass gemacht hätte, aber das ist, relativ offensichtlich, eben genau das: Koketterie). Vielleicht reflektiert sie bis dahin mal ihr eigenes Handeln. Nur um mich nicht falsch zu verstehen: Ich bereue nichts was ich getan habe und ich habe damals schon einen guten Job gemacht. Nur beim drumherum hätte ich manchmal eher meine Klappe halten können…:) Ich finde es auf jeden Fall nicht richtig, das Hegemann, die ja für sich selbst in Anspruch nimmt, bitte nicht auf ihr Alter reduziert zu werden, mit Samthandschuhen anzufassen. Ich hatte damals glücklicherweise Freunde im direkten Umfeld, die mir, wenn es nötig war, gehörig den Kopf gewaschen haben. Das hat sie leider offensichtlich nicht. Schade um ein junges Talent (das sie scheinbar ist), das jetzt verheizt wird. Aber da nimmt sich das hochgestochene, sich niemals irrende, der wahren Kultur verpflichtete, arrogante bildungsbürgertümliche Feuilleton nichts, absolut gar nichts mit dem Boulevard. Nur die Schiessbudenfiguren sind andere.

So. Puh. Geschafft. Jetzt: Sonne her!


[YouTubeDirektInstantSonne]



Popstars 2009 - Es gibt nur Verlierer

Am Donnerstag endet die aktuelle Popstars-Staffel mit ihrem grossen Finale, in dem entschieden wird, welches Paar aus den Workshops die neue Band “Ich und Du” (oder umgekehrt) formieren wird. Wie eigentlich immer gibt es eine wirklich talentierte Kandidatin und andere, die so lange gezeigt wurden, bis die Zuschauer und die jeweiligen Leute auch selber glaubten, das sie talentiert sind. Diese Popstars-Staffel wird vermutlich meine letzte gewesen sein, die ich aufmerksam verfolgt habe. Naja. Zumindest am Anfang. Ich konnte mir das irgendwann nicht mehr mit ansehen.

Popstars war ja, wenn ich das jetzt gerade richtig überblicke, eigentlich die erste Castingshow, im deutschen Fernsehen. Aus der ersten Staffel sind damals die No Angels entstanden. Dabei hat die Show immer ihre Höhen und Tiefen gehabt, es gab immer Staffeln die mal packender, mal gähnend Langweilig waren. Und es wurde viel ausprobiert. Ich erinner mich noch an die Staffel, wo die Girlgroup gegen die Boygroup antreten musste (Preluders vs. Overground) und irgendwie nie so richtig klar war, um was es hier eigentlich gerade geht. Oder die Monrose-Staffel, die mal eben während sie lief, verlängert wurde und für die Zuschauer unerträglich lang wurde. Und natürlich die Nu pagadi-Staffel, wo es sehr früh NUR noch um den einen Song ging (Seetest Poison), den man dann am Ende der Staffel n a t ü r l i c h auswendig mitsingen konnte. Popstars ist auch immer knapp an die Grenze des Erträglichen gegangen, was meine Empfindlichkeit betrifft, mich als Zuschauer verarscht zu fühlen. Wie gesagt, der offensichtlichste Faktor dafür, das ich als Zuschauer immer nur eine Melkkuh war, war in der Monrose-Staffel. Nun gab es gestern einen noch grösseren Skandal. Gestern war das Halbfinale von Popstars und es ging darum welche zwei von drei Paaren ins Finale zuehen sollen. Und die ganze Show über wurde angeheizt: Rufen sie an, gleich fällt die Entscheidung…blablabla. Nun weiss ich nicht, wie lange das geplant war, was dann kam, denn ehrlich gesagt schien mir das, was das ungelenke moderieren des Sachverhalts betraf, eher eine spontane Entscheidung aus der Regie gewesen zu sein. Aber egal ob spontan oder geplant: Es wurde einfach entschieden, den Zuschauer noch ein bischen mehr abzuzocken, denn es fand eben KEINE Entscheidung statt. Es wurde gesagt, das man noch bis Donnerstag weitervoten kann. Die Leute in der Halle haben gebuht ohne Ende und die Regie, so wie die Moderatoren, waren darauf bedacht, die Show möglichst schnell zu beenden. Mit lauter Musik, damit man das Publikum nicht mehr hört. Mit so einer heftigen und berechtigten Reaktion, haben die wohl nicht gerechnet. Genau nachlesen kann man das in diesem sehr guten Artikel von Peer Schader, drüben im Faz-Fernsehblog.

Um diesen Eklat soll es mir aber gar nicht hauptsächlich gehen. Der ist nur die Kirsche auf dem Sahnehäubchen der Verachtung, welches auf dem Eisbecher der Inhaltslosigkeit thront. Ich halte die Popstars-Redaktion für ziemlich arrogant. Das ist in manchen Staffeln deutlicher, in manchen weniger deutlich. Ich schätze mal, das liegt auch immer an der aktuellen Redaktionsbesetzung. In der aktuellen Staffel aber war es wirklich nicht mehr auszuhalten:

1.) Die Jury-Besetzung

Ich finde das Michelle Leonhardt eine ganz gute Wahl war. Ich mag es, wenn Leute aus dem Biz in der Jury sind, die vielleicht noch nicht so hammerbekannt sind, für den Zuschauer, deren Kompetenz sich aber schnell von selbst erklärt. MIchelle hat zum Beispiel schon eine Menge Songs für diverse Acts wie die No Angels o.ä. geschrieben, somit ist sie ja eigentlich perfekt für die Jury. Dann kam Alex Christensen dazu, der wirklich sehr nett ist, aber, sorry, in der Jury wirklich gar nichts zu suchen hat. Denn der hat mal so gar keine Ahnung, bzw. muss wahrscheinlich hauptsächlich die Entscheidungen der Redaktion oder des Senders ausbaden, die ja bekanntermassen noch weniger Ahnung von der Materie haben. Das wird jetzt keine grosse Überraschung sein, aber wie das genau abläuft in der Popstars-Jury hat Sido im grossartigen Vice-Interview mal ganz anschaulich erklärt:

Das ging schon in den Castings los. Es ist schon so, dass jedes Jury-Mitglied eine Stimme hat. Dann hat aber Pro7 noch zwei Stimmen und die Produktionsfirma hat zwei Stimmen. Damit ist die Jury schon mal überstimmt. Vier zu drei. Dann hatten die da so eine Ampel im Rücken der Kandidaten, die da auf dem Stern standen. Und die zeigte entweder rot oder grün. Rot war für ‚Den auf keinen Fall’ und grün war für ‚nehmt den, nehmt den!’ Und dann kommt da zum Beispiel irgendein Typ, der nicht singen kann, aber die Ampel war auf grün und wir mussten uns dann irgendeinen Scheiß einfallen lassen. Ich hab immer (macht ein Furzgeräusch) gemacht, damit dann wenigstens ein Witz dabei rumkommt, aber die haben die Leute halt immer weiter gelassen und am Ende findest du dann raus, die haben die Leute weiter gelassen, weil der Vater Krebs hat oder so was. Die kommen dann da hin und fragen, was ist in deinem Leben so los und pipapo und dann kommt raus, dass der Vater Krebs hat und dann ist klar, der Typ kommt weiter. Dann heißt es so: mit dem Typen haben wir noch für zwei Folgen eine Geschichte. Danach können wir ihn ja dann rausschmeißen. Ich will auch mal klarstellen, die Leute bei Popstars haben auch nicht Sido den Musikfachmann gebraucht, sondern Sido, der ab und zu mal ein paar Leute beleidigen kann. Das wollten die von mir sehen.

So genau funktioniert das Prinzip, deswegen werden von der Jury auch schonmal gerne totale Nulpen ins Finale durchgewunken. Weil die Redaktion oder der Sender das aus Marketing-Gesichtspunkten wichtig finden. Weil sie glauben eine Identifikationsfigur gefunden zu haben, für die jungen Menschen, die ihnen suspekt sind, die sie aber als Zuschauer haben müssen. Wenn die Show nicht so unterhaltsam gewesen wäre, könnte einem schlecht werden. Dazu hatte man in dieser Staffel nun aber auch allen Grund. Und das nicht nur wegen dem rumgewichse hiunter den Kulissen, sondern auch wegen dem, was man auf dem Bildschirm sah.

2.) Die Show

Es war dramatisch diesmal, es war sogar noch dramatischer. Es war das vermutlich dramatischste Fernsehereignis, seit es dramatische Fernsehereignisse gibt. Und noch ein bischen dramatischer. Mal im Ernst, das war wirklich eine Heulstaffel. Und noch mehr Emotion rauspressen und noch ein bischen heulen. Dabei hat sich Detlef D! Soost wirklich das erste Mal als total desinteressiertes Wesen gezeigt. Die Kandidaten waren ihm egal, so lange er sie nur zum heulen gebracht hat. Wirklich, seid froh wenn ihr das nicht gesehen habt. Alles was die Jury trainiert hat (allen voran D!), waren Psychospielchen mit den Kandidaten in Las Vegas. Die möglichst schnell und dramatisch dazu führen sollten, das die Kandidaten heulen. Und das war nicht irgendwie rausgeschnitten, oder subtil versteckt oder so. Nö, fröhlich im ON wurde gezeigt, wie schnell man die Nervenbündel zu noch grösseren Nervenbündeln macht. Genüsslich ausgekostet von einem erschlankten Tanz-Instructor Detlef, der mit den Kilos irgendwie anscheinend auch den Spass an der Sache verloren hat. So verbittert, gelangweilt und humorlos kam der nämlich noch nie rüber.

Ansonsten wird die Show langsam aber sicher seziert und ihrer Identität beraubt. Man schneidet sich noch die Filets raus, aber der zuckende Rest wird den Hunden zum Frass vorgeworfen. So wirkt es zumindest, denn noch keine Staffel hat sich so stark an anderen Formaten orientiert, wie diese. Ich war sehr oft nicht mehr sicher, ob ich nicht gerade doch “Germanys Next Topmodel” gucke. Weil die Kandidaten nun immer zu so Werbecastings mussten, und da auch gut aussehen mussten und so: Das war alles Ablenkung, das war aber auch Inhaltsleere und liess eine gewisse Trennschärfe zu den anderen Formaten vermissen. Aber vielleicht ist das von ProSieben ja auch so gewollt. Man soll nachher gar keine Shows mehr unterscheiden können, das soll alles wie ein nicht enden wollender Castingguss wirken. Dann haben sie hier ganze Arbeit geleistet. Das Problem ist nur: Die haben einem Format sein Herz geklaut und ob das lange gut geht, das wage ich zu bezweifeln. Aber müssen sie selber wissen. Vielleicht haben sie auch einfach keinen Bock mehr auf Popstars und wollten das jetzt irgendwie so schmerzhaft wie möglich beenden. Dann müsste ich auch wieder sagen: Chapeau! DAS ist euch gelungen. Ich konnte auf jeden Fall die letzten 2 oder 3 Folgen nicht mehr gucken. Grösstenteils schlecht ausgwewählte Kandidaten in einer unwirtlichen Umgebung werden von abgebrühten Fernsehleuten dem Zuschauer vorgeführt und von einem menschenverachtenden Juror permanent zum heulen gebracht, in einer Show, die ihre Originalität verloren hat und die deswegen andere Formate kopiert. So könnte man es zumindest auf einen Satz bringen.

Ich mochte Popstars immer gerne, lieber als andere Castingshows. Aber was die sich diesmal erlaubt haben, war eindeutig zu viel. Wenn sogar meine 8-jährige Tochter das stinkend langweilig und doof findet, dann kann da irgendwas nicht stimmen. Die ist nämlich mindestens genauso begeisterungsfähig wie ich für Fernsehen, nur noch eine Spur unkritischer. Also eigentlich genau das, was Pro7 da vor der Kiste haben will. Und gerade kategorisch vertreibt.

Ich weiss: Die sitzen jetzt in ihren Büros, vielleicht auch im Meeting Raum in Unterföhring und reiben sich die Hände. Der Pressetyp rennt aufgeregt ins Büro und schreit die ganze Zeit “Any promotion is good promotion! Any promotion is good promotion!” und die Chefredakteure, Geschäfstführer und verantwortlichen Redakteuer lachen sich kaputt. Über die Dummheit des Zuschauers und das sie nun so viele Reaktionen haben. Man siehe zum Beispiel das Statement des Pro7-Unternehmenssprechers Christoph Körfer gestern Abend zu DWDL.de, die mal berechtigterweise gewagt haben nachzufragen, was denn da in der Halbfinal-Show schief gelaufen ist. Die Antwort haben sie bekommen: Der dumme Zuschauer hat natürlich mal wieder versagt! Oder, wie es aus dem Munde eines echten Unternehmenssprechers lautet:

“Das war eine geplante redaktionelle Entscheidung. Schon häufiger wurden bei ‘Popstars’ Teile einer Entscheidung erst in der nachfolgenden Sendung aufgelöst.”

Das ist schon ein ziemlich deutlicher Punch in the face. Das ist aber ein ganz anderes Problem. Fernsehen wird fast nur noch von Leuten gemacht, die den Zuschauer dafür hassen, das er macht was er will. Das ist meistens auf Seiten der Sender noch schlimmer als auf Seiten der Produktionsfirmen, wobei es da auch ein paar gibt, denen die Zuschauer Wurst sind und die einfach nur schnell mit dem Sender absahnen wollen. Und da hat sich der Zuschauer gefälligst so zu verhalten, wie die das gerne wollen. Das ist nun gestern Abend in die Hose gegangen. Aber seiner wir ehrlich: Es wird überhaupt keine Auswirkung auf irgendwas haben. Nächstes Jahr wird irgendwann eine neue Popstars-Staffel kommen, mit einem noch gelangweilteren D!, noch mehr Werbecastings um noch mehr Marken in der Sendung unterbringen zu können und noch schlechtere Kandidaten um dem Zuschauer noch klarer zu machen, wie wenig er für die Macher wert ist. Aber trotzdem:

Dieser eine Moment gestern Abend, in dem die Zuschauer den Machern den Fuck-Finger gezeigt haben, den werde ich immer in sehr guter Erinnerung behalten. Für mich schon jetzt einer der Popstars-Magic-Moments. Und vermutlich auch der letzte, denn ich kann das zu Schrott gewordene Ex-Gold nicht mehr gucken.

Übrigens: Normalerweise kann man um die Zeit ja auf der Pro7-Seite schon immer die komplette Folge vom Vorabend gucken. Komisch das das heute nur Ausschnittweise geht…:)



Das Manifest gegen das Manifest und gegen das Gegen-Manifest

Es geht mal wieder um die Entwickluing des Netzes. Also im weitesten Sinne Politik. Ich weiß auch nicht, warum ich im Moment immerwieder auf das Thema stosse, aber mei: Ab dem 28. September fällt das Thema sicher wieder weg.

Eine handvoll Blogger/Netzaktivisten/Impressarios hat sich zusammengesetzt und ein Manifest geschrieben und das danach sinnloserweise “Internet-Manifest” genannt. Wobei der Name eigentlich nicht sinnlos ist, aber ungenau. Eigentlich sollte es “Internet-Journalismus-Manifest” heissen, was aber natürlich nicht nur nicht griffig, sondern auch in keinster Weise catchy ist, weswegen man den Begriff “Journalismus” einfachheitshalber aus der Überschrift wegließ. Das ist natülich ein kapitaler Fehler gewesen, weil sich nun jeder angesprochen fühlt, der “Internet” ist. Und das sind ja nunmal eine ganze Menge Leute. In dem Manifest geht es aber nur um die Entwicklung von Journalismus unter den neuen Bedingungen. Gut, es geht am Rande auch noch um die Frage, wie man heutzutage ein Medienimperium schafft, aber das gehört theatisch ja fast dazu. Und natürlich hat das Manifest ein paar Problemchen:

- Wer soll das lesen? Die, die betroffen sind, stimmen ein wenig zu und wissen aber nicht so recht, was sie mit dem Text anfangen sollen. Kommentieren? Selber bloggen? Retweeten? Links liegen lassen? Was soll ich mit einem Text anfangen, der Tatsachen etwas allgemeiner formuliert, anstatt sie mit Beispielen zu untermauern, die mir sowieso klar sind? Da fühle ich mich nicht so wirklich repräsentiert, sondern eher etwas, nun ja, verarscht. So wie ein altes, 67-jähriges bayerisches Ehepaar mit einem jungen, schwarzen Berliner redet. Das fühlt sich nicht gut an. Allerdings, das muss man ja auch betonen: Den gleichen Umgamg pflegen die “alten Medien” mit dem kompletten Netz, von einigen Ausnahmen einmal abgesehen.

- Wie soll man Menschen, die offensichtlich vom Netz überfordert sind, durch das Netz erreichen? Gut, ich gehe davon aus, das das Manifest auch als gedruckte Version an die “Entscheider” weitergeschickt wurde. Oder nein: Ich hoffe es. Das Ding ist nur: Natürlich muss so etwas im Netz stehen, aber doch bitte nicht mit so einem Aufriss. Auch das das alle Beteiligten zum gleichen Zeitpunkt gebloggt haben, mag einen gewissen Impact gehabt haben, aber vor allem auf das “genervte Netz”, denn das es tatsächlich bis in die Chefetagen geschwappt sein sollte.

- Ich verstehe durchaus die Verzweiflung der Beteiligten und sehe auch wo die hinwollten. Aber wenn 15, in meinen Augen äusserst intelligente Menschen, die ich zum großen Teil sehr schätze (Disclaimer mittendrin: Ja, auch privat), zusammensetzen, dann sollte doch etwas mehr rauskommen, als so etwas undurchdachtes. Gut, die Meckerreaktionen waren abzusehen, da muss man nichts drauf geben, die kommen ja immer, aber es wurden ein paar Fehler gemacht, die man dann doch easy hätte vermeiden können, oben erwähntes Überschriften-Problem zum Beispiel oder eine gewisse Intransparent im erstellen des Papiers. Hier wäre etwas Integration des Netzes vorher wohl mehr als angebracht gewesen.

- Das Internet-Manifest ist zu verschwurbelt formuliert. Natürlich wissen die Autoren, das gerade Chefetagen empfänglich für solch eine Art “konzeptioneller Marketingtext” sind, aber da wäre doch deutich mehr drin gewesen. Klingt wie ein Kompromiss aus 15 Köpfen, was es ja demnach vermutlich auch ist. Da wäre ein Chefschreiber schon effizienter gewesen.

Damit könnte dieser Text auch eigentlich aufhören. Wenn da nicht diese Kultur des “Ich breche dir jetzt mal ins Gesicht, reiche dir dann ein Taschentuch in das ich vorher meine Popel geschmiert habe und wenn du dann noch scharf sehen kannst, dann pinkel ich noch auf deine Brille” wäre. Das scheint nämlich im Moment der Konsens bzw. die Neudefinition der Netiquette zu sein und ich finde das ehrlich unerträglich. Aber nicht nur, weil ich es formell daneben finde. Geschenkt. Das Netz ist nunmal voll mit Spacken, so wie die Welt da draussen auch. Ich finde es hinterwäldlerisch, rückschrittlich, daneben und einfach nur dumm. DAS ist das Problem. Alle schreien sich die Seele aus dem Leib, wegen angeblich vor der Tür stehender Netzzensur, aber wenn es dann mal darum geht gemeinsam anzupacken und “die da draussen” davon zu überzeugen, was für ein reichhaltiger Schatz das Netz ist, ja, das es quasi eine Art Naturreservat ist, das es zu schützen gilt, dann fällt ihnen allen nur ein, das Sascha Lobo auf einem Vodafone-Plakat zu sehen ist. Das ist kontraproduktiver als alle Von-Der-Leyens zusammen.

Verschiedene Dinge möchten mir dabei nicht in meinen Kopf:

- Woher dieser blanke Hass? Man könnte meinen Lobo wäre ein indischer Programmierer, der aus Versehen auf das Sommerfest der NPD gerät. Gut, er wäre ein Programmierer, der sich bei dem Sommerfest auch noch auf die Bühne stellen und versuchen würde, die Anwesenden von Sharukh Khans Superfilmen zu überzeugen. Aber dennoch: Ich bin auch nicht mit allem Einverstanden, was er tut und sagt, aber man sollte dennoch festhalten, das er für die Aussenwirkung des Netzes mehr getan hat, als die meisten selbsternannten Realkeeper des Netzes zusammen. Plus der Tatsache, das er sich anscheinend gerne als Zielscheibe zur Verfügung stellt, was den Hass auf seine Mitstreiter ein bischen kanalisiert und ein Johnny Haeussler oder Thomas Knüwer eben nicht mehr die volle Breitseite abkriegen. Die sich ebenfalls um eine grössere Diskussion und Akzeptanz verdient gemacht haben.

- Woher die Verachtung? Alle User, ausser den selbsternannten Rettern des einzig Wahren, sind dämliche Idioten, die nur auf Bild.de und SpOn surfen, vermutlich bei Facebook doofe Quizze spielen oder gleich Farmville, und die noch nie einen Wikieintrag editiert hätten, geschweige denn wissen, was ein Wiki überhaupt ist und die eigentlich nur Wikipedia kennen. Geradezu genüsslich werden die Seiten, die “normale” User ansurfen “Klicki-Bunti” genannt, als ob das das einzige wäre, was die interessiert. Diese himmelschreiende Arroganz mündet dann darin, das man sich empört, das die Regierung oder wer auch immer das Sagen in irgendwelchen Netzbereichen hat, sich über diese, sich selbst gerne “kritische Masse” bezeichnende, Gruppe von Lästerern hinwegsetzt, weil sie ja offensichtlich sowieso nicht zu einem Dialog bereit sind mit jemandem, der eben kein Net Citizen ist (Stichwort: Die “Internetausrucker”). Der Witz an der Sache ist: Sie sind es tatsächlich nicht. Selbst wenn der Dialog mit ihnen gesucht wird, können sie nur schreien und sich empören, aber mit einem Entgegenkommen ist definitiv nicht zu rechnen.

- Warum so billig? Das einfachste der Welt ist es, das Manifest auseinanderzunehmen und der Lächerlichkeit preiszugeben. Ja, die 15 Manifestierer können nicht für alle sprechen. Und auch wenn sie immerwieder “das Internet” sagen und “wir”, dann möchte ich dennoch nicht glauben, das das auch ihre Intention war. Das Problem an Netzdiskussionen ist ja das: Es wird immer, ich betone: IMMER, vom schlechtesten im Menschen ausgegangen. A-Blogger, ein Titel den sich Ami-Blogger nur zu gerne ans Revers haften, weil es sie für ihre Arbeit und Mühen belohnt (einschliesslich lukrativer Werbeschaltungen, die das so mit sich bringt), ist hierzulande mittlerweile ein Schimpfwort. Es ist geradezu verboten mit bloggen Geld zu verdienen, als wenn das die eigene Korrumpierbarkeit erhöhen würde. Das ist so dermassen weit entfernt von der Realität, das es nicht auszuhalten ist. Und ich will mich gar nicht auf das Neid-Argument der Kritiker-Kritiker berufen, das ist ebenso bescheuert. Hier geht es nicht um Neid. Das ist einfacher Hass. Das ist die Angst, sein Spielzeug weggenommen zu bekommen und dann wird einfach so lange weitergeheult, in der Hoffnung es dann irgendwann wiederzubekommen. Aber:

Das Internet wird nie wieder so wie früher sein. Es wächst, ständig. Und wie jeder Teenager, der gerade aus der Pubertät raus ist (zumindest aus dem Gröbsten), bemüht es sich nun als Erwachsener ernst genommen zu werden. Get over it.

Das Internet ist für alle da. Auch wenn das Nutzungsverhalten der meisten User nicht mit eurem übereinstimmt und ihr nicht verstehen könnt, wie man sich mit so wenig zufrieden geben kann, wäre hier doch nicht nur etwas Toleranz angebracht, sondern auch überlebensnotwendig. Get over it.

Das Internet verändert die Gesellschaft. Man muss aber auch bereit sein, über diese Änderungen zu reden. Dialogbereitschaft ist das vermutlich wichtigste Signal, das man aus dem Netz heraus in die reale Welt (ja, das Internet ist auch eine reale Welt, ich weiß, ich formuliere es jetzt nur etwas zugespitzt, wenn ich nämlich alle 2 Absätze relativieren muss, kriegen wir nie ein Manifest auf die Beine..;)) senden kann. Wenn man sich dem Dialog aber verweigert, auch oder besser gesagt vor allem denjenigen gegenüber, die offensichtlich keine Ahnung haben, dann wird hier alles schneller abgeschaltet, als man 7 Kinder gebären kann.

Das Internet ist keine homogene Masse und soll es bitte auch nicht werden. Auch wenn ich Rassisten-Dreck wie PI oder Panikmache a la Broder aus tiestem Herzen verachte und im ersten Moment reflexartig denke, das so etwas nicht erscheinen sollte, da es Menschen die eher schlichten Gemüts sind, auf die falsche Spur bringen könnte, finde ich es ebenso wichtig, das es existiert und dazu nützt, die “Gegenseite” aus der Deckung zu holen und zu lesen, warum die eigentlich so schräg denken, wie sie es nuneinmal tun. Ganz davon abgesehen das eine Demokratie das meiner Meinung nach sowieso aushalten muss.

Das Internet ist Herkules. Mindestens. Wir wollen alle das gleiche: Ein freies Netz, das nicht rechtsfrei ist. Das muss man auch mal ganz klar formulieren. Auch wenn das Politiker-Mantra “Das Netz ist kein rechtsfreier Raum” lächerlich ist und gerade bei eklatanten Rechtsmissbräuchen (Stichwort: Abmahnungen) eher das Gefühl entsteht, das das Netz zwar nicht rechtsfrei, wohl aber rechts-beugend sein kann, darf man sich nicht gemütlich auf seine Besserwisser-Position zurückziehen und sagen: Ihr seid so dumm, wir wissen wie das Netz geht. Sondern mit einer ebenso redundanten Vehemenz erklären, das niemand die Absicht hat, eine Mauer zu bauen das Netz zu einem rechtsfreien Raum zu machen, der er sowieso nicht ist. Das ist mühsam und nervig, aber irgendwann kommt die Botschaft an. Bestimmt. Deswegen ist Zusammenhalten wichtiger als Grabenkämpfe. Das macht das Internet stark.

Das Internet ist … Alles was wir drauss machen. Wir können uns gegenseitig zerstören, Vorwürfe machen, anzicken, bekriegen, anmotzen, runtermachen, auslachen, unsachlich angehen. Wir können aber ebenso dafür sorgen, die Stärken des Netzes auszubauen, es zu einem Instrument machen vor dem “die da oben” zu Recht zittern, das sie ernst nehmen können und müssen, das aber ebenso gut für Ablenkung sorgt.

Wir sind das Netz. Wir werden das Netz sein. Wir sollten Bestehendes besser machen, anstatt unsere Energie dafür einzusetzen, die Versuche dazu zu zerstören. Hugh.



Das Pro7blem

Ja, ich weiss: Die meisten haben gerade ihre Problemchen, die wissen nicht mehr wo sie die Zuschauer abholen sollen. Dazu kommen noch sinkende Werbeeinnahmen, weil die Firmen kein Geld mehr haben um Fantasiepreise pro Sekunde aufzurufen, nur weil der Werbeblock zwischen zwei Bohlen-Shows läuft. Das ist mir alles klar. Auch das die Sender deswegen wirklich überhaupt kein Risiko mehr eingehen wollen und nur noch dasselbe senden, in minimalen Variationen und somit den Zuschauer zu Tode langweilen, ihn aber dann wenigstens als Quote vor dem Fernseher sitzen haben. Alles klar. Aber was da gerade bei Pro 7 abgeht, das finde ich schon ziemlich bizarr, ehrlich gesagt.

Die Unterhaltungsabteilung scheint in ziemlicher Panik zu sein. Oder nicht mehr in der Lage eigene Formate zu entwickeln. Auf jeden Fall ist Raab im Urlaub und da man dem eigentlich sonst immer die komplette Planung der Unterhaltungsshows bei Pro 7 überlässt, muss es wohl so sein, das man erst gemerkt hat als er weg war, daß er weg war. Und dann wurde panisch versucht, Unterhaltungsfernsehen zu generieren. (Wobei ich an dieser Stelle auch anmerken muss, das mir auch nicht die ganzen Raab-Geschichten gefallen. Ich finde der macht TV Total in 85% der Fälle nur noch sehr lustlos und benutzt es nur als Vehikel, um sein nächstes grosses Event zu promoten, das ist ein bischen peinlich sein eigenes Zugpferd so zu missbrauchen und nicht mal 3 Wochen ohne Ankündigung eines sinnlosen Sportevents überstehen zu können. Aber “Schlag den Raab” geht klar und in den Folgen, in denen er nix ankündigen will, da ist es meistens sehr amüsant. Und natürlich in den Folgen nach Popstars/Topmodels.)

Ich kenne mich mit Internas nicht aus, ich weiss nicht was bei Pro 7 los ist, aber denen dürfte ganz schön die Hütte brennen. Nur: Anstatt die Feuerwehr zu rufen und in Ruhe das Haus löschen zu lassen, um auf den Grundmauern mal wieder etwas grundsolides zu bauen, versuchen die mit den kleinen Pappbechern aus dem Wasserspender (die Kegelförmigen) das Feuer zu löschen, ganz nach dem Motto: “Wieso? Das ist doch auch Wasser!”.

Angefangen hat alles in einer Zeit, als Raab noch gar nicht im Urlaub war (folgend “ZaRNgiUw” genannt). Da gab es das erste Unterhaltungsexperiment mit dem Namen “Uri Geller live - Ufos & Aliens”. Abgesehen davon, das der Sender aus dem “The next Uri Geller”-Debakel hätte lernen müssen (was er nicht tat), wurde hier eine Samstagabendshow simuliert, die offensichtlich eine Beleidigung selbst für den kleinsten Intellekt war (ich habe nur 5 Minuten reingezappt und es nicht weiter ertragen). Warum man das gemacht hat, was das für ein Versuch sein sollte? Ich habe keine Ahnung. Ich weiss nicht wie das durchgewunken werden konnte, anscheinend war der Chef gerade beim Mittagessen und der Praktikant hat das einfach mal unterschrieben. Also mal im Ernst: Anders konnte es nicht zu so einer Sendung kommen. So verzweifelt kann kein Sender sein, das man ernsthaft, ohne einen Anflug von Humor oder Ironie versucht, sowas auf Sendung zu schicken. Das Uri Geller himself ebenfalls ein eher zweifelhafter Genosse ist, kann man unter Anderem auch in der schönen Folge von Louis Theroux “Weird Weekends” sehen (eine BBC-Doku-Serie die übrigens uneingeschränkt zu empfehlen ist), in der Theroux versucht Michael Jackson zu interviewen und deswegen an Geller gerät, der sich als Interviewvermittler und gottgleiche Entscheiderperson aufspielt. Wer solche Freunde hat…aber das ist ein anderes Thema.

Man hatte also seinen ersten kapitalen Megaflop und sich auch ein bischen für die Show geschämt. Richtig so. Das die zweite Staffel “The next Uri Geller” ein Flop war, muss man kaum erwähnen. Hat jemand die erste gesehen? Mit diesem Raben-Schwachkopf der gewonnen hat? Alles klar. Kein Thema. Immerhin, der Donnerstag war sicher mit wahlweise Popstars (bei der die vorletzte Staffel während sie lief verlängert wurde, was der Quote nicht unbedingt gut getan hat…verbuchen wir es unter “Versuch macht klug”) oder Topmodels.

Was dann auf dem Dienstag-Sendeplatz passierte, wurde langsam immer unnachvollziehbarer. Man versuchte Wiederholungen der Märchenstunde, die nicht liefen. Dann machte man einen stimmungslosen Fünft-Abklatsch von “Takeshis Castle” in dem Werner Hantsch und Matthias Opdenhövel verzweifelt versucht haben, so etwas wie Stimmung zu transportieren, was in einem Format wie jenem schier unmöglich war. Unsympathische Kandidaten, die vorsichtshalber gar nicht gross vorgestellt wurden, versuchen über dämliche Hindernisse zu springen, um im Wasser zu landen. Das ganze flankiert von einem Fussball-artigen Kommentar der zwei Sprecher, der durch den Wortspiel-Generator der “Kabarettiche” gedreht wurde, bis von einem Regelwerk, einem Ziel der Kandidaten oder irgendeinem Sinn der Sendung wirklich gar nichts mehr übrig war. Aber da bin ich vermutlich nur spiessig. Wahrscheinlich habe ich den Witz nicht gecheckt, das es da ja auch um nix gehen SOLL. Hoffe ich. Für die.

Nachdem das, merkwürdigerweise, auch nicht DER Qutornbringer wurde, kam das nächste. Man mag vielleicht noch beim vorigen Format gedacht haben, das die Assoziationskette bei Pro Sieben folgendermassen lief: “Ey, die Kids von heute, die gucken sich doch auf YouTube und vor allem auf MyVideo (das ist das Portal, bei dem Pro Sieben beteiligt ist, wobei ich lange Zeit nicht verstanden habe, warum die nicht bei Sevenload eingestiegen sind, schon rein namenstechnisch) immer an, wie Leute auf die Fresse fliegen. Also machen wir eine Show in der alle auf die Fresse fliegen sollen! Ha!”

Das funktionierte nicht also hat man WIEDER in die Videoportale geguckt und dabei folgendes gefunden:


[YouTubeDirektZehnMillionen]

Und nun schalten wir wieder in die Vergangenheit, nach Unterföhring in die Pro Sieben Unterhaltungs-Chefetage: “BOAH! ZEHN MILLIONEN VIEWS! Da muss man doch ne Show draus machen! Das ist doch aus ner Show! Das übernehmen wir! Die ganze Show! Ja, die ist japanisch, na und? Das funktioniert hier auch! Bestimmt! Oh! Da kriegen wir die Show ja schon angeboten! Wie soll die heissen? Mascerade? Scheissegal, das Ding ist gut, das kaufen wir! Und sieh zu das die am Anfang das Ping Pong Ding machen, das kennt doch in Deutschand eh kein Mensch! Come on! 10.000.000 Views, aber die kamen sicher alle aus dem Ausland….”, spachs und es geschah. Auf dem eigenen Videoportal wurde dann auch brav der Clip mit dem Ping Pong verlinkt, was natürlich eine riesen Fangemeinschaft in die Kommentare brachte. Nur leider keine Fans der Coverversion. Zumindest nicht im Gros. ( “Scheiss Nachmacher”, “sowas regt auf”, “das hier is nur ne billige kopie udn sogar sau schlecht” etc. pp.)

Ja, ich verstehe schon das die Show nur eingekauft ist. Nein, ich verstehe nicht wie man so etwas stimmungsloses on air schicken kann. Ein Publikum im Saal, das null Reaktionen zeigt, Jury-Begründungen wurden einfach mal so wild zusammengeschnitten, das man nicht mehr kapiert, was die überhaupt kritisieren (abgesehen von dem schrecklichen “Mini-Playback-Show-Jury”-Habitus) und um was es eigentlich genau geht ist auch niemandem so richtig klar. Ich vermute das die Show im Ausland produziert wurde und das Publikum nur Klatschvieh ist, anders kann ich mir diese absolute Null-Athmosphäre nicht erklären. Und die Moderatorin rennt rum und versucht verzweifelt so etwas wie Stimmung zu finden. Also, ganz ehrlich: Ich könnte das nicht guten Gewissens senden, wenn ich nicht den Eindruck vermittlen wollen würde, den Zuschauer total zu verachten. Aber man kann ja noch “besser”.

Zäsur: Das eigentlich traurige an der ganzen Sache ist, das versucht wird Schrottformate durch High Class-Formate mitzutragen. Ein grosser Leidtragender des Pro Sieben-Programm-Chaos ist und war sicher “Switch Reloaded”. Eine Show, die sich über TV-Schrott gekonnt amüsiert, aber leider immer mit ins Quotentief gerissen wurde, weil davor immer diese Sendungsversuche liefen. Die haben dann nicht genug Werbung verkauft, dadurch haben sich die nachfolgenden Sendungen um Minuten nach vorne geschoben, was dafür sorgte das Leute, die erst pünktlich zu Switch zu Pro Sieben gezappt haben, gerne mal im ersten Switch-Werbeblock gelandet sind und wieder wegschalteten. Man arbeitet also gezielt am zerstören der eigenen Quote (Bitte nun die Diskussion aussen vor lassen, wie sinnvoll und richtig “die Quote” überhaupt ist, das ist ein anderes Schalchtfeld. Nehmen wir sie mal als gegebene Einheit für Menschen die TV machen an…). Über das Switch-Folge-Format “Der kleine Mann” möchte ich mich höflicherweise ausschweigen. Man hat wenigstens versucht mal was richtig zu machen. Ich verweise diese Sendung betreffend lieber auf die absolut zutreffende Humor-Kritik aus der Titanic.

Weiter gehts. Den Dienstag Abend hat man sich also schonmal hervorragend zerstört. Dann der Blick auf die Programmplätze und die Überlegung: Wo läuft es noch zu gut? Wo können wir nochwas kaputt machen? Und TA-DAA! Der Donnerstag läuft ja viel zu gut, mit seinen Castingformaten! Da muss man doch was gegen tun können! Und man kann. Die Antwort lautet “Germanys Next Showstar”. Ein erbärmliches Format, das auf die denkbar schlechteste Weise versucht, alles was man jemals an Castingshows gesehen hat zu unterbieten. Eine übliche, redaktionelle Vorauswahl der Kandidaten, die vor die Jury dürfen findet nicht statt. Vielleicht waren auch einfach nicht genug Leute bei den Castings, so das man jeden reinliess. Aber es war wirklich ein Trauerspiel, was man da gesehen hat. Und auch hier: Athmosphäre? Was war das nochmal? Die Jury versucht sich in gespielter Lockerheit, aber keiner hat wirklich Lust auf das, was er da sieht. So sehr man auch die Unverschämtheit der Castingzusammenschnitte von DSDS empörend finden mag: Die wissen was sie tun. Auch bei Popstars macht es Spass die Castings zu gucken. Hier aber war es eine Qual. Als wenn der Sender zum Zuschauer sagen würde: da müssen wir jetzt zusammen durch. Kein Glamour, kein Spass, kein gar nix. In irgendeiner Lagerhalle mit Pult und Scheinwerfern wartet die Jury verzweifelt, was sie als nächstes vorgesetzt bekommt (Grossartig daneben auch das Finale, in dem tatsächlich Publikum in der Halle stand, die Moderatorin aber an einen Tisch am anderen Ende der Halle gestellt wurde, auf einer Art Mini-Balkon über dem Publikum, was dazu führte das sie sich das ganze Finale über nicht vom Platz bewegte. Ich meine Hallo: Die stand nie auf der Bühne! Beim Finale! Sowas bescheuertes habe ich noch nie gesehen…). Nein. So funktionieren Castingshows nicht. “Lieblos” wäre an der Stelle noch ein Euphemismus. Man soll eben doch nicht den Praktikanten die Show alleine schneiden lassen.

Aber irgendwann war auch diese Sendung überstanden (ich glaube die lief auch nur 3 oder 4 mal, anscheinend hat man selbst nicht SOOO sehr ans eigene Produkt geglaubt), und man rechnete fest damit, wieder ins normale Tagesgeschäft überzugehen. Aber halt! Was war das? Da waren immernoch Zuschauer am Donnerstagabend? Wieso das denn? Hatte man ihnen nicht deutlich genug vermittelt, das sie nicht erwünscht seien? Also musste man schwere Geschütze auffahren, um sie loszuwerden. Und so entstand: “Giulia in love”.

Giulia. Siegel. Sucht. Einen. Mann. Bei. Pro Sieben. Muss ich mehr sagen, für jeden der das Glück hatte, daß nicht gesehen zu haben? Ich denke nein. Wieso es einen interessieren sollte, eine der unsympathischsten Frauen, die die Kackpromi-Medienwelt im Moment zu bieten hat, bei der Partnersuche zu beobachten, wird wohl für immer ein gut gehütetes Münchener Mediengeheimnis bleiben. Eine Quatsch-verzapfende Frau mit ihrer, in mangelnder Sympathie in nichts nachstehender, besten Freundin und Frank dem Wedding-Planer suchen den Mann fürs Leben. In einem Casting. Überm P1. Ja nee, is klar. Selbst ich schäme mich darüber zu schreiben und hülle mich nun lieber in Schweigen. Natürlich fehlte auch hier alles, was in den o.g. Shows fehlte. Warum sollte es anders sein?

Ich glaube man hat den Dienstag und den Donnerstag bei Pro Sieben nun ganz gut ruiniert und kann dort nun senden was man will, es guckt eh keiner mehr zu (Der durchaus sympathische Klaas Heufer-Umlauf von Viva, darf nun Dienstags lustige Werbespots aus aller Welt präsentieren, sprich: sich von Pro Sieben in einem Format absoluter Durchschnittlichkeit verheizen lassen und ja: Auch grob verpixelte Clips, die scheinbar direkt von YouTube abgefilmt wurden, werden da gerne gezeigt - damit kriegt die Verwertung von Netzinhalten im TV nochmal eine völlig neue Qualität. Ach ja, bevor ichs vergesse: Habe ich schon die Dienstagnächtliche “My Video Show” erwähnt? Nein? Moderiert von Collien, ebenfalls Viva? Hab ich nicht? Das hat auch seinen Grund…). Den Samstag hat man sich jetzt vorgeknöpft und lässt dort das “Sommermädchen 2009″ wählen. Ein Titel der noch weniger Wert ist als “Miss Hilversum”, aber aufwendiger inszeniert, als die Miss-Wahl in der Dorf-Disse. Nur eben genauso primi. Damit hat man zwar immernoch keine guten Quoten, aber immerhin okaye. Wenn das mal kein Ansporn für die Unterhaltungsabteilung ist, in Zukunft voll auf Miss-Wahlen zu setzen. “The next Kader Loth” könnte ein mögliches Format sein. “Germanys Next Giulia Siegel” ist ebenfalls denkbar.

Wenn man eins in den letzten Monaten gelernt hat, dann das die Skala nach unten offen ist. Ich gucke ja viel und gerne Trash Fernsehen, aber das wird selbst mir zuviel. Bitte, kann da mal jemand die Reissleine ziehen und wieder Qualität abliefern? Das kann ja gerne doof sein, meinetwegen auch primitiv und trashig. Von mir aus total low. Aber es sollte eben 2,3 Qualitätsstandards erfüllen. Nur Scheisse senden und on air pilotieren ist eben kein Programm. Das hat man bei Pro Sieben mal gewusst, ich weiss nur nicht wo dieses Wissen hin ist.

Stefan, D!, Elton und Simon - bitte kommt zurück. Ich möchte auch an den Tagen vor und nach Greys Anatomy wieder den Sender einschalten können.



Eine extrem lose Gedankensammlung zum Zustand dieses Landes nach dem Beschluss des Internet-Zensur-Gesetzes

Es muss jetzt einfach raus: Achtung, dieser Artikel ist nicht sonderlich faktisch. Er wird eher ein “Luft machen” sein. Er wird beseelt sein von einer Fassungslosigkeit, von einem desillusionierten Blick auf die momentane Politik. Er dreht sich um mein persönliches Empfinden und handelt von Ohnmacht gegenüber unserer Regierung und allen die da noch folgen werden. Es geht um Zukunft und Perspektivlosigkeit. Und es geht um das Ende einer Freiheit, einer elementaren Freiheit: Nämlich die der Information.

Ich bin ein Informationsjunkie. Wirklich. Ich absorbiere sie, brauche sie jederzeit. Immer und überall verfügbar. Dabei kann ich nicht mal behaupten, das sie meinem Leben konkret einen besonderen Mehrwert verschaffen würde. Obwohl, eigentlich ja schon, denn ich liebe sie. Ich mag es über allerlei Dinge informiert zu sein, besonders über solche, die ich gar nicht so richtig verstehe. Komplexe Zusammenhänge finde ich immernoch schwer nachzuvollziehen, aber wenn meine Aufmerksamkeit Informationen gegenüber etwas gebracht hat, so hat sie mich stark dafür sensibilisiert, das wirklich ALLES immer zwei Seiten hat. Das man nie vorschnell urteilen darf, das man immer auch versuchen sollte, zwar nicht andere Standpunkte einzunehmen, aber wenigstens gewiss zu sein, das es andere Standpunkte gibt.

Naja, auch diese Toleranz hat ihre Grenzen. So bin ich ziemlich davon überzeugt einen alleinanspruch auf einen guten Musikgeschmack zu haben, aber wer glaubt das nicht von sich (obwohl, bei mir stimmts ja auch…;)). Bei Filmen war es auch immer so, aber da hat sich das stark geändert durch meine Mitarbeit an den 5 Filmfreunden. Da habe ich nochmal verschärft gemerkt, das meinen Geschmack nicht alle teilen können, was ich natürlich auch schon vorher wusste, aber einem da noch mal Gewiss wird, wenn man sich mit Kommentatoren streiten muss, die nicht begreifen wie man “High School Musical 3″ eine gute Wertung geben kann (von meiner damaligen Höchstwertung zu “Freddy got fingered”, von der ich übrigens immernoch nicht abweiche, mal ganz abgesehen…). Ich kann das akzeptieren, das die da anders sozialisiert sind, nehme das hin und finde es auch spannend. Wieder etwas schönes, was mir frei verfügbare Information beschert hat. Ich würde übrigens nachwievor nicht mit einer Frau ausgehen, die die Genialität von “Verrückt nach Mary” nicht erkennt.

Aber, wie gesagt, ich habe auch eine Art Verständnis. Ich verstehe warum man im Osten so viel Rechts wählt. Ich verstehe wie Schill damals in Hamburg an die Macht kommen konnte. Ich verstehe was junge Menschen an Bushido fasziniert. Ich verstehe warum die Bild-Zeitung das tut, was sie eben tut. Ich verstehe warum die Irren bei P.I. meinen nicht rechts zu sein. Ich verstehe worauf Attac hinaus will. Ich verstehe warum ich bei “Punkt 12″ mehr über Naddels Brüste, als über Proteste im Iran erfahre. Ich verstehe warum sich auf Twitter und in Blogs der Spitzname “Zensursula” für die Familienministerin durchgesetzt hat. Ich verstehe wenn Leute nicht zur Wahl gehen. Ich verstehe warum ältere oder uninteressierte Mitbürger ein Klischee-Bild von Videospielen im Kopf haben. Ich verstehe warum Politiker nicht in der Lage sind, sich selbst öffentlich zu korrigieren. Ich verstehe warum die Deutschen alles mit sich machen lassen. Ich verstehe warum einige Menschen auf Ankerpunkte zwischenmenschlichen Zusammenlebens scheissen. Ich verstehe das man mit Steuerpolitik im Moment keine Wahlen gewinnen kann. Ich verstehe was ich verstehe. Ich verstehe. Verstehe. Auch wenn ich das alles nicht gut heissen kann.

Komisch, wenn man so oft “verstehe” sagt, denkt man irgendwann “gestehe” zu hören. Aber wenn man nun alle “verstehe” mit “gestehe” austauschen würde, dann wär das ja ein ganz komischer Text:

Aber, wie gesagt, ich habe auch eine Art Verständnis. Ich gestehe warum man im Osten so viel Rechts wählt. Ich gestehe wie Schill damals in Hamburg an die Macht kommen konnte. Ich gestehe was junge Menschen an Bushido fasziniert. Ich gestehe warum die Bild-Zeitung das tut, was sie eben tut. Ich gestehe warum die Irren bei P.I. meinen nicht rechts zu sein. Ich gestehe worauf Attac hinaus will. Ich gestehe warum ich bei “Punkt 12″ mehr über Naddels Brüste, als über Proteste im Iran erfahre. Ich gestehe warum sich auf Twitter und in Blogs der Spitzname “Zensursula” für die Familienministerin durchgesetzt hat. Ich gestehe wenn Leute nicht zur Wahl gehen. Ich gestehe warum ältere oder uninteressierte Mitbürger ein Klischee-Bild von Videospielen im Kopf haben. Ich gestehe warum Politiker nicht in der Lage sind, sich selbst öffentlich zu korrigieren. Ich gestehe warum die Deutschen alles mit sich machen lassen. Ich gestehe warum einige Menschen auf Ankerpunkte zwischenmenschlichen Zusammenlebens scheissen. Ich gestehe das man mit Steuerpolitik im Moment keine Wahlen gewinnen kann. Ich gestehe was ich gestehe. Ich gestehe. Gestehe.

Ich soll an all dem Schuld sein? Meine Schuld, das im Osten rechts gewählt wird? Geht das nicht etwas zu weit?

Oder ist vielleicht doch was dran. Sind wir “Informierten”, was ja zumindest das ist, wofür wir uns halten, sind wir nicht auch Schuld daran, das es so weit kommen konnte, wie es jetzt ist? Hätten wir nicht von Anfang an alle zu jeder Zeit an unserem Wissen oder zumindest unserer Kombination von Zusammenhängen teilhaben lassen? Ich habe das Feld vermutlich zu früh geräumt. Ja, die Deutschen haben Angela Merkel gewählt. Die Idioten. Warum wählt nicht jeder Grün? Warum sind die Alten so arrogant zu denken, wer die bessere Politik für uns Menschen macht. Verdammt, wollen die denn nicht alle frei sein? Aber ist so eine Einstellung nicht auch wahnsinnig arrogant von mir (das ist eine rhetorsiche Frage, denn natürlich ist sie das….)?

Ich habe gelernt zu verstehen, wie wichtig Vorurteile für manche Menschen, ja sogar ganze Berufststände sind. Warum sollten Politiker da eine Ausnahme sein? Klar, sie sollten bestenfalls einen weitreichenden Blick für die Sachverhalte haben, aber wie schwer es immer ist, den zu behalten, kennen vielleicht einige aus Diskussionen netz-unaffinen Menschen zum Beispiel den Sinn von Twitter zu erklären. Man tut schon alles den eigenen Ductus von allzu viel fachchinesich zu befreien, und trotzdem lässt es sich immernoch nicht vermitteln, worauf man hinaus will. Etwas was einem selbst selbstverständlich erscheint, ist für andere ein Buch mit sieben Siegeln. Wenn ich irgendwelche Technikprobleme mit meinem Blog habe und mich vertrauensvoll an Freunde wende, die davon Ahnung haben (oder großartige, selbstlose Twitterer: Hallo Ingozen!), und die erzählen mir dann was das Problem sei oder was ich machen muss, so höre ich immer nur “Kruxipluxiquarotschizixi”. Wird es mir dann eingehender erklärt, gebe ich schon vor mehr zu verstehen, aber in mindestens 45% der Fälle, habe ich immernoch keinen Plan, was genau passiert ist. Und dann kommt aber der Clou: Ich begebe mich dann Vertrauensvoll in die magischen Code-Hände dieser Personen. Und ich kann nie einschätzen, wie aufwändig das für sie ist, die Lösung des Problems herauszubekommen, aber es freut mich unheimlich wenn dann alles wieder klappt.

Und so geht es wohl den meisten Menschen mit Politikern. Also, zumindest teilweise: Sie trauen ihnen vielleicht nicht immer, aber sie haben sie immerhin gewählt und sie freuen sich dann, wenn wieder alles klappt. So geht es den Politikern sicher auch mit den meisten Menschen. Also fast. Sie freuen sich, wenn sie von den Menschen gewählt werden, trauen denen aber keinen Meter über den Weg und schützen sich dann vor ihnen, nur um nachher behaupten zu können, sie würden sie vor sich selber schützen. Womit ich ENDLICH den Bogen zur bevorstehenden, und ich tue mich immernoch schwer es so zu nennen, Zensur geschlagen habe.

Mich hat kaum ein Medium so bereichert, wie das Internet in den letzten 4 Jahren, seitdem ich blogge und mich noch mehr mit der Materie auseinandersetze. Und das wird jetzt alles vorbei sein? Werden Nachrichten jetzt gefiltert? Werde ich nur noch selektiv informiert? Nun, ich glaube der Regierung erstmal ihr hehres Ziel, es allein auf Kinderpornographie abgesehen zu haben. Ein absolut abstraktes Verbrechen. Schäbig, ekelhaft, verachtenswert aber vor allem: Höchst dramatisch. Das Menschen ihren Kick daraus beziehen, ein anderes Leben zu zerstören. Da muss eine Menge schief gelaufen sein. Das schüttelt mich.

Kinderpornographie ist hierzulande verboten. Selbstverständlich. Und selbstverständlich gilt das auch für das Netz. Wer hierzulande online KiPo anbietet, verkauft, tauscht, whatever, macht sich strafbar. Und kann problemlos ermittelt werden. Wenn man es denn wollte. Die Regierung möchte aber Stop-Schilder vor KiPo-Seiten packen, damit da niemand aus Versehen drauf landet.

Wie sagte Ben Stiller in “Verrückt nach Mary” so schön zu dem Anhalter, der ihn fragte was er von seiner Idee halte ein 7-Minuten-Fitness-Video auf den Markt zu bringen und somit den Hauptkonkurrenten, das 8-Minuten-Fitness-Video hinter sich zu lassen? “Ich verstehe was du meinst.” Der Dialog geht aber noch weiter. Denn Ben Stiller fragt den etwas verwirrt scheinenden Anhalter, was er denn mache, wenn jemand ein 6-Minuten-Fitness-Video auf den Markt bringen würde. Das erzürnt den Anhalter, der sich die ganze Zeit an seinen Seesack klammert, wie ein Politiker an seinen Stuhl und er brabbelt nur noch unverständliches Zeug, warum es unbedingt die 7 Minuten seien müssten (”7’s the key number here. Think about it. 7-Elevens. 7 dwarves. 7, man, that’s the number. 7 chipmunks twirlin’ on a branch, eatin’ lots of sunflowers on my uncle’s ranch. You know that old children’s tale from the sea. It’s like you’re dreamin’ about Gorgonzola cheese when it’s clearly Brie time, baby.”). Und Ben Stiller, etwas eingeschüchtert, fragt nicht mehr weiter nach. Und das erinnert mich doch ziemlich an die momentane Debatte. Über 130.000 Menschen haben online eine Petition unterschrieben, in der sie sich gegen das heute beschlossene Gesetz gestellt haben. Hat es etwas genützt? Nein. Die Minister, die Abgeordneten, haben wider besseren Wissens für ein Gesetz gestimmt, das wirkungslos ist. Zumindest wirkungslos in puncto “Schutz missbrauchter Kinder”. Denn Kinderporno findet schon lange nicht mehr auf großen, öffentlichen Seiten statt (hat er vermutlich auch nie). Netzsperren, wie die die jetzt kommen werden, haben schon in anderen Ländern zu keinem Erfolg geführt. Es wird alles nur noch mehr verschleiert, mehr in den Untergrund getrieben, überspitzt liesse sich sagen: Die Regierung sorgt gerade dafür, das das Problem, das sie behaupten bekämpfen zu wollen, seine kriminelle Energie noch mehr professionalisiert. Wenn sie das nicht ohnehin schon längst getan haben. Aber damit ist sie ja in guter Gesellschaft, zumindest der Teile, denen sie gefallen will. Die “Deutsche Kinderhilfe”, ein zwielichtiger Verein der vom Spendenrat niemals als gemeinnützig anerkannt wurde, bejubelt die konservative Regierung. Lobbyarbeit nennt man sowas. Alte Kolumnisten schwafeln in den Zeitungen, die sie eh vom Internet bedroht sehen, von ein paar Spinnern, die das Netz als rechtsfreien Raum behalten wollen. Was niemand will und auch nie jemand so empfunden hat. Ursula von der Layen behauptet mit den Sperren nun vor allem solche Leute wegzuhalten, die vielleicht aus Versehen auf KiPo-Seiten gelandet und von der Materie angefixt worden seien. Von Kinderpornographie. Hallo? So nach dem Motto: Oh, ist ja doch ganz geil, was die da machen, oder wie?

Nochmal: Menschen, die das anturnt, sind krank. Schwer krank. Brauchen Hilfe. Ganz bestimmt. Aber es ist ja nicht so, als wenn KiPo etwas wäre, was jemand ernsthaft auszuprobeiren in Bertracht zieht, wenn er nicht sowieso schon komplett gestört ist. Das ist nicht wie wenn ein Mann zu seiner Frau sagt: “Du Schatz, wollen wir nicht vielleicht mal eine dritte Frau dazuholen?”. Es sagt ja keiner: “Du Schatz, mir ist langweilig mit dir zu schlafen, mal sehen ob ich was fescheres im Kindergarten finde.”

Was mich ebenso fassungslos macht: Mich für komplett verblödet zu halten. Und das tun eigentlich im Moment alle, denen ich auch eigentlich bis zu einem gewissen Grad vertrauen sollte. Ich sollte der Politik vertrauen. Das kann ich nun gar nicht mehr, weil sie mich nicht hört, sich über mich hinwegsetzt und auf ihre, statt auf meine Interessen setzt. Ich sollte, bis zu einem gewissen Grad, auch den Medien vertrauen können. Aber die wollen ihren eigenen Arsch retten, um weiter zu existieren, um weiterhin in der Reisekostenabrechnung den Puffbesuch mit dem Interviewpartner zurückerstattet bekommen und deswegen ziehen sie alles, was ich für wertvoll halte, in den Dreck. Ohne auch nur zu differenzieren oder zu versuchen, zu verstehen womit ich mich täglich und viele andere Menschen auch umgebe. Und so bricht gerade ein Kartenhaus nach dem anderen zusammen. Die Musikindustrie. Dank Dieter Gorny nicht mehr ernstzunehmen. Die Verlagshäuser. Dank dem sogenannten Heidelberger Appell nicht mehr ernstzunehmen. Und spätestens heute hat es eben auch die Politik erwischt.

Denn: Es hat nicht nur ein Großteil des Parlaments das Gesetz durchgewunken, das uns das Internet verbietet (übrigens: Abgesehen von der Wirkungslosogkeit der sowieso einfach zu umgehenden Sperren, soll die Liste, auf welcher die Seiten stehen, die ein Stop-Schild bekommen einzig und allein vom BKA verwaltet werden - keine weitere Kontrollinstanz - die Polizei als Richter, Vollstrecker und Ankläger). Was viel schlimmer ist: Sie haben es aus machtpolitischen Gründen getan, nicht aus Überzeugung. Und allen Beschwörungen zum Trotz, werden jetzt schon Begehrlichkeiten zur Erweiterung angemeldet.

Kölner Stadt-Anzeiger: Auch Killerspiele sperren

18.06.2009 - 21:20 Uhr, Kölner Stadt-Anzeiger

Köln (ots) - Der CDU-Bundestagsabgeordnete und
baden-württembergische CDU-Generalsekretär Thomas Strobl will über
die Sperrung kinderpornografischer Seiten im Internet hinausgehen und
hat auch die Sperrung von Killerspielen ins Gespräch gebracht. “Wir
prüfen das ernsthaft”, sagte er dem “Kölner Stadt-Anzeiger”
(Freitag-Ausgabe). “Wir gehen nach Winnenden nicht zur Tagesordnung
über. Wenn es einen Nachweis gibt, dass sich Killerspiele negativ auf
das Verhalten Jugendlicher auswirken, dann kann das Internet kein
rechtsfreier Raum sein.”

Es geht schon lange nicht mehr um das Verhindern von Kinderpornographie. Es geht um viel mehr. Es geht um die Demonstration von Macht. “Seht ihr, auch wenn ihr mich noch so laut anbrüllt, das ich falsch liege, ich kriege alles durch, also haltet mal schön die Schanuze, ihr verdammten Nerds.” So ruft wohl das kleine Teufelchen auf der Schulter der Familienministerin. Das kleine Engelchen auf der anderen Seite sagt schon lange nichts mehr und sitzt nur traurig dreinblickend da und hofft, das diese schlimme Zeit des Politikerdaseins bald ein Ende hat. Es würde nämlich gerne wieder gehört werden.

Ich habe eben bei Spreeblick einen ganz furchtbaren Kommentar gelesen. “Willkommen im 4. Reich” stand da. Und falscher, dämlicher, unreflektierter und verfolgungswahniger kann man es wohl nicht ausdrücken. Aber das ist dann eben auch wieder die andere Seite de Medaille. Wieviele Leute, die das richtige wollten, haben die falschen Worte dafür gewählt. Haben Dialog lieber durch Diffamierungen ersetzt. Haben sich im Ton vergriffen. Aus Panik. Aus Angst. Das haben sie ja dann irgendwie wieder mit der momentanen Politik gemeinsam.

Jetzt gehts erst los. Killerspiele, Musikseiten, freie Projekte, freie Kreativität, die auch mit Zitaten spielen können soll, wenn sie es will - forget it. Nach der Wirtschaftskrise kommt jetzt die kulturelle. Und das alles nur, weil ich die Mitschüler ausgelacht habe, die damals in der jungen Union waren. Weil sie nicht verstanden haben, auf was für einem falschen Weg sie waren. Weil ich nicht verstanden habe, das sie ja nur Liebe und Respekt wollten.

Diese Regierung wird nicht abgewählt. Wir haben nicht die Lobby, nicht die Kanäle den Menschen begreiflich zu machen, was da gerade für Schindluder betrieben wird. Die nächste Regierung wird Schwarz-Gelb und die FDP wird plötzlich vergessen, das sie am heutigen Tage vor dem Brandenburger Tor stand um gegen die Netzsperren zu demonstrieren. Weil die CDU ihr dafür Pöstchen anbietet, für die plötzliche Amnesie.

Der Anhalter in “Verrückt nach Mary” sagt am Ende seines wirren Monologs noch etwas zu Ben Stiller, was auch gut passt wenn man Stiller als Symbol für uns, das Volk, nehmen möchte und den Tramper, der immernoch fest seinen Seesack umklammert, als Stellvertreter für die uns Regierenden:

“Und jetzt komm in mein Büro!”
“Warum?”
“Weil du gefeuert bist!”

Wer den Text bis zum Ende gelesen hat, und nicht mindestens so verwirrt ist wie ich: Meinen Glückwunsch. Ich hätte nicht gedacht das es dich gibt.





Kevins Poster

Der 13-jährige Kevin kommt nach Hause. Er geht in sein Zimmer und macht seine Musik an. Vermutlich Bushido oder Frauenarzt. Weil die Musik mal wieder zu laut ist, kommt seine Mutter in sein Zimmer. Und ist entsetzt, was sie da an der Wand sieht: Ein buntes Bildchen mit einem grafischen Männchen mit Schlappmütze und unterlaufenen Augen, das eine Bong in der Hand hält. Nein, also wirklich! Huiuiui! Da ist aber was los beim Kevin.

Wenn es nun aber die Kevins dieser Welt nich gäbe, dann gäbe es auch keinen Bedarf an so Leuten, die überall fälschlicherweise als Comiczeichner betitelt werden, die aber in Wirklichkeit nur so eine Art Illustratoren sind. Und wenn es die nicht gäbe, dann hätten sie auch nicht Google auf seine Bildersuche verklagen und vor dem technophoben LG Hamburg Recht bekommen können. Und wir hätten alle ohne so nen Hals ins Bett gehen können, aber nein: Es ist ja wirklich auch zu geschäftsschädigend, in der Bildersuche von Google aufzutauchen. Die Armen. Da hat ja bestimmt jemand deren Bilder geklaut, die so einzigartig sind. Solche Bilder hat noch nie jemand gemacht, das ist neu, das ist frisch, das ist der Hammer. Kann ich gut verstehen, wenn man da drauf aufpasst. Sowas originelles will geschützt werden!

Ach Kevin, was hast du uns da nur eingebrockt.