Resümee Nichtraucher vs. Raucher

Oh Mann. Manchmal unterschätzt man dann das Aufregepotential der Menschen doch.

Ich denke es wäre schön, wenn wir das rauchen und das nichtrauchen freundschaftlich und mit Rücksicht aufeinander lösen könnten. Ja, es wird immer Unverbesserliche geben und ja, ein Raucher ist für seine unmittelbare Umgebung auch noch ungesünder als ein Nichtraucher (so lange dieser nicht zum Beispiel mit einem Maschinengewehr schiesst…;)). Aber wenn alle aufeinander zugehen, Raucher öfter mal Fishermens futtern und wir uns darauf besinnen, das wir uns doch eigentlich alle mögen, dann sollte das doch alles auch möglich sein, ohne Bestimmung von oben herab, oder?

Bitte. Und damit würd ich das (anstrengende) Thema auch gerne beenden, sonst fang ich hier noch wieder an zu rauchen…;)



Der Mitsommernachtstraum auf Twitter - Ein Versuch

Wir versuchen gerade Shakespeares Stück, das ja im Prinzip heute Abend vor ein paar hundert Jahren spielt, auf Twitter aufzuführen. Dazu müssen wir alle Rollen besetzen, noch einen Erzähler ausmachen, der die “Regieanweisungen” erzählt und uns noch alle auf ein Hashtag einigen, damit man das Stück auch quasi als ganzes verfolgen kann. Der Einfachheit halber bin ich da ja für #mst, weils auch schön kurz ist. Ich werde hier die Besetzungs-Liste ständig updaten, bis wir komplett sind und dann sollte es losgehen. Ach ja: Im dialog mit zwei oder mehreren Rollen natürlich per @-reply antworten, ist ja klar.

Wir halten uns an den Text bzw. die Übersetzung, die man hier finden kann.

Die Besetzung:

- @VolkerK47918 als Oberon
- @kotzend_einhorn als Bohnenblüte
- @HilliKnixibix als Hippolyta
- @jottpunkt als Flaut
- @emmazissou als Puck
- @hdsjulian als Zettel



Was möchte mir mein Unterbewusstsein damit sagen?

Okay, ich hatte letzte Nacht einen wirklich unglaublich strangen Alptraum aus dem ich klopfenden Herzens erwacht bin und ich frage, wo der eigentlich herkommt:

Ich bin also in diesem riesengrossen Gebäude unterwegs, von dem ich nicht genau weiss, wozu es eigentlich gebaut wurde. Die Räume sind auf jeden Fall alle irrsinnig hoch und unheimlich, weil leer und hallend und spärlich beleuchtet und überhaupt: Wir befinden uns hier schliesslich in einem Alptraum. Also, das habe ich in dem Traum natürlich nicht gedacht, aber das habe ich jetzt geschrieben um euch das nochmal deutlich zu machen.

Ich laufe also da rum und dann komme ich zu einer Art Aussenraum. Also, das war noch nach aussen hin irgendwie geschlossen, aber total weitläufig, vielleicht vergleichbar mit einem Stadion. Und man konnte auf einer runden Fläche gehen, so wie ein riesengrosser Ring. Ein bisschen wie diese Ringe, auf denen die Diskuskämpfer im ersten “Tron” stehen. Nur viel, viel grösser und mit Gebäudeelementen, vom inneren Gebude, das in der MItte des Rings liegt, aber irgendiwe nicht mehr zu betreten war. Ein paar Säulengänge gingen zwar von dem Ring ab in die MItte, aber da war kein reinkommen. Man war auf diesem Ring quasi isoliert. Zum späteren Verständnis muss ich noch darauf hinweisen, das die Säulen der Säulengänge auf dem Ring standen, die Gänge aber erst dahinter wirklich losgingen. Somit waren es also fast freistehende Säulen.

So. Ich steh da also so rum und wunder mich was ich da mache und was ich da soll. Und da gehen die Gänge zum Zentrum auf und eine Menge Leute stürmen heraus. Viele kenne ich persönlich, viel mehr von denen hab ich schonmal gesehen, kann sie aber noch nicht so richtig einordnen. Aber etwas haben alle gemeinsam: Angst im Blick. Ich kann noch nicht so richtig erkennen warum. Da kommt der Grund auch schon herbei: Dr. Ludwig Dressler. Der aus der Lindenstrasse. Aber nicht im Rollstuhl, also war das wohl der Schauspieler des Dr. Dressler. Und der sah sehr verstört aus. Und hatte eine Waffe in der Hand. Und er erklärte mir was, wobei da die Erinnerung kurz unscharf wird, weil ich nämlich auch das Fragment einer Nachrichtensendung erinnere (warum auch immer ich eine Nachrichtensendung zur dramstisierung des eigenen Traumes träume…), in der sie die catchy Punchline “Dressler dreht durch” aufwendig in Szene setzten und verwendeten. Also, es kann auch sein das ich die folgenden Fakten aus dem Nachrichtenflash meiner nächtlichen Nachrichtenverarbeitung habe, das weiss ich nicht mehr genau. Auf jeden Fall war es so, das Dressler bzw. sein Schauspieler (dessen Name nie genannt wurde, es ging immer um “Dressler”) mich und alle meine Facebook-Freunde und Twitter-Follower als Geiseln genommen hat und androhte jede Stunde irgendwen von denen zu erschiessen, wenn seine Forderungen (an die ich mich nicht mehr erinnere) nicht erfüllt würden.

Die Erfüllung der Forderungen liess auf sich warten. Es war auch nicht so richtig klar, wem er die überhaupt gestellt hatte. Der hat alles immer einfach nur rumgebrüllt. Er musste also sein erstes Opfer finden. Und bewegte sich langsam über den Ring. Alle rannten vor ihm weg und ich hatte natürlich eine gewisse Pflicht für die Geiseln, weil sie ja alle durch mich da gelandet waren, auch wenn ich da nicht wirklich was für konnte. Während alle flohen stellte ich mich also hinter eine der freistehenden Säulen und hatte plötzlich eine Pistole in der Hand. Dresselr hatte zum Glück die Angewohnheit immer laut anzukündigen, wo er gerade war, deswegen konnte ich gut hören, als er mir sehr nahe war. Ich sprang aus meinem Versteck und schoss in seine Richtung, bzw. wo ich ihn vermutete. Und traf ihn direkt zwischen die Augen. Das war ein supergruseliger Moment, weil ich ihm noch in die Augen blickte, als er dann regungslos zusammensackte.

Aber alle Anwesenden freuten sich und jubelten und feierten und nannten mich einen Held. Nur ich konnte mich damit nicht so richtig anfreunden. Die ganze Zeit verfolgte mich sein “letzter Blick” in Gedanken.

Und dann bin ich aufgewacht.

Da sag ich doch mal: Nimm das, Traumforschung! :)



Früh aufwachen und nicht rauchen

Das sind die Zutaten, die zu so einem Lied führen. Vielleicht sollte ich mir auch mal so eine Loop-Station holen? Ich hätt ja schonmal Bock drauf und Gesangsloops in Garage Band zusammen zu schneiden, ist nun auch nicht der wahre Jakob. Hier das Lied. Nennen wir es einfach mal:

“Nikotinentzug”

P.S.: Ich habe den Text ebenfalls heute Morgen geschrieben und als ich ihn dann einsang fiel mir auf, das ich eine Zeile vergessen hatte und ich musste improvisieren. Diese Zeile ist tatsächlich auch die schlechteste im ganzen Lied. Welche mag das nur sein? :)



Sauer macht sauer

Puh. So viele Baustellen zur Zeit. Und der Weltfrieden muss sich mal wieder aufregen. Aber keine Sorge: Jetzt kriegen einmal alle ihr Fett weg und dann wird die frisch auferstandene Sonne genossen!

- Käßmann tritt zurück, weil sie besoffen erwischt wurde am Steuer ihres Dienstwagens. Und alle tun so, als wäre das selbstverständlich. Da schleuder ich den moralischen Sittenwächtern der CSU zum Beispiel mal ein freudiges “Fuck you!” entgegen. Ich weiß nicht wie oft diverse Posten und Pöstchen-Besetzer dieser Partei schon beim drunk driving erwischt wurden. Aber klar, da ist das normal. Die Bayern eben, sind ja eine Bierkultur. Da klopft man sich auf die Schulter und lacht ein bisschen drüber und gut ist. Ich finde Käßmanns Reaktion konsequent. Wenn ich sie (also, die Reaktion) auch scheiße finde. Aber die Lady hat meinen tiefsten Respect und es würde vielen anderen Politik- und Kirchen-Vertretern gut zu Gesicht stehen, daraus zu lernen, was es bedeutet
k o n s e q u e n t zu sein. Allein, sie werden es nicht checken. Und die katholische Kirche um Bischof Mixa ist eh heilfroh mit ihrem geradezu systematischen vertuschen von Kindesmissbrauch aus der Schusslinie zu geraten. Aber sorry, liebe Katholiken, ihr könnt nichts für eure Vorsteher, ich möchte denen aber das noch mit auf den Weg geben:
Euer Gott is not amused.

- A propos “not amused”: Das ist auch die Bunte nicht, weil sie Wettbewerbsverzerrung von Seiten des “Stern” vermutet. Der schreibt in seiner aktuellen Ausgabe (mit einem mir wirklich angsteinjagenden Von-Der-Leyen-Hardliner-Cover), das die “Bunte” eine Fotoagentur damit beauftragt hätte, Politiker geradezu systematisch zu überwachen und zu bespitzeln um eine super Story draus zu kriegen. Die “Bunte” streitet alles vehement ab und schreibt in ihrer Pressemitteilung zu dem Fall:

BUNTE hat den Inhaber der Berliner Presse- und Fotoagentur, Stefan Kießling, zu den im Stern erhobenen Vorwürfen um Auskunft gebeten. Stefan Kießling hat der BUNTE-Chefredaktion versichert, dass seine Agentur die im Stern gemutmaßten unlauteren Recherchemethoden nicht angewendet hat. Ferner erklärte er, dass er sich von zwei ehemaligen Mitarbeitern, auf die sich der Stern als Informanten beruft, im April 2009 im Streit getrennt habe.

Der Stern schreibt in seinem diffamierenden Artikel, dass privat sei, was beruflich/politisch keine Relevanz besitzt. Im Fall Seehofer hat der Stern ebenfalls mit der Agentur CMK zusammengearbeitet und ein CMK-Foto der Seehofer-Geliebten mit Kind veröffentlicht.

Das schreiben die ohne Rot zu werden. Das veröffentlichen die ohne Rot zu werden. Das vertreten die ohne Rot zu werden. Nochmal: Die “Bunte”. Ein Heft über Promi-Klatsch und Tratsch, das nur davon lebt, Paparazzi-Fotos zu veröffentlichen, Prominente dazu zu bringen, ihre persönlichen Geschichten in einem wenigstens selbstgesteckten Rahmen bei ihnen zu veröffentlichen, bevor sie sich selbst etwas schlimmeres zusammenreimen. Die gleiche Zeitung spricht von der “diffamierung” durch einen Mitbewerber (Wobei ich mir auch denke, das der Stern das nicht so gerne hören wird, quasi direkter Konkurrent ausgerechnet der “Bunten” zu sein). Wenn es nicht so egal wäre, ich würde vom Glauben abkommen. Was ist mit den Luten nur los?

- A propos was ist mit den Leuten nur los? Dazu brauch ich nur zwei Worte: Guido. Westerwelle. Ich halte die FDP für eine wirklich komplizierte Partei. Ich kenne zumindest keine, in der so viel unterschiedlich fähiges Personal auf einem Haufen ist, wie bei den Liberalen. Wenn man an die Grand Dames und Seigneurs denkt wie Hamm-Brücher oder Genscher und sie in den direkten Vergleich zu Leuten wie Möllemann oder eben jenen Westerwelle stellt: Da tun sich Welten auf. Und wenn man dann noch so unmenschlich, unsozial, unrealistisch und unüberhörbar argumentiert und disst wie unser Aussenminister es gerade macht, dann kommt einem, pardon, einfach nur noch das kalte Kotzen. Westerwelle spielt sich auf wie der Robin Hood in “Time Bandits” wenn er sagt: “Die Armen sind arm, deswegen heissen sie ja auch arm.” Konkrete Änderungsvorschläge? Fehlanzeige. Armenbashing zur Verbesserung der Umfragewerte? Bingo! Und auch wenn jetzt viele sagen: Im Kern hat er ja recht, wir müssen mal über Sozialleistungen reden und wie sie sich finanzieren lassen und wie wir den Ärmeren in unserer Gesellschaft wieder auf die Beine helfen, so stimmt das zum Teil, wird mich aber nicht davon abhalten Westerwelle weiterhin zu sagen, das diese Form der Kampagne auf dem Rücken von denen, die sich nicht wehren können, absolut abscheulich und verachtenswert ist. Die Debatte über das Sozialsystem ist etwas ganz anderes. Die muss auch woanders (und unter weniger diffamierenden Sprüchen) geführt werden. Nicht in der Debatte über Westerwelles verbale Erniedrigiungen.


[YouTubeDirektDerSpassIstVorbei]

- A propos “Kotzen”: Ich habe hier noch einen angefangenen Artikel rumfliegen, den ich dann doch nicht zu Ende schrieb, weil ich das Gefühl hatte, in der Sache wäre schon alles gesagt. Und ich tu mich schwer, da jetzt noch etwas sinnvolles hinzuzufügen. Und was ich nun schreiben werde, klingt in gewisser Weise arrogant und belehrend. Oberlehrerhaft. Deswegen sträube ich mich so dagegen, das zu schreiben. Aber nachdem ich im letzten Sonntagstagesspiegel noch ein Interview gelsen habe, muss es einfach raus: Mein Senf zum Feuilleton-Skandal um Helene Hegemann und ihr abschreiben aus “Strobo” für ihr Buch “Axolotl Roadkill”. Ich schreibe extra nicht “plagiieren” oder “kopieren” oder “remixen” (das am allerwenigsten), weil das Worte sind, die den Sachverhalt verwässern. Das Mädchen hat abgeschrieben. Punkt. So wie man das aus der Schule damals kennt: Man schreibt ab, gibt es aber unter seinem eigenen Namen beim Lehrer ab in der Hoffnung, dafür gelobt zu werden. Da geht es nicht um Quellen, oder gar um “Quellenangabe vergessen” oder um “nicht dran gedacht”. Da geht es darum, gut da zu stehen. Gerne auch mit der Leistung anderer, wenn die eigene nicht mehr reicht. Und das hat Hegemann gemacht. In der ersten Pressemitteilung, nachdem Deef die ganze Chose aufgedeckt hatte, hat sie sich noch einigermassen annehmbar entschuldigt. Aber alles was danach kam, machte alles immer schlimmer und es wurde immer klarer: Dem Mädchen ist zu keinem Cent bewusst, was sie da eigentlich gemacht hat. Nun mögen alte Feuilleton-Säcke das ganze charmant und “jugendlich unbedarft” finden, ich finde es erschreckend. Aber es erinnert mich. Und jetzt kommt der schlimme Part, den ich oben angedeutet habe:

Ich habe damals mit 17 beim Fernsehen angefangen. Und ich habe, vor allem die erste Zeit zum ersten Hype, wirklich gedacht mir scheint die Sonne aus dem Arsch. Es ist in dem Alter auch wirklich verwirrend mit Ruhm und ähnlichem umzugehen. Was es nicht weniger Reizvoll macht. Nun war ich zu der Zeit ehrlich gesagt sicher nicht im Stande, mich so eloquent auszudrücken, wie Hegemann das tut und ich habe auch kein Buch geschrieben, sondern “nur” mein Gesicht für einen Musiksender in die Kamera gehalten. Trotzdem masse ich mir an zu wissen wie es ist, in dem Alter mit den Medien umzugehen. Es macht Spass, kann manchmal etwas stressig sein, aber im grossen und ganzen geniesst man doch diesen Zirkus, der um einen herum veranstaltet wird. Und da erzählt man Sachen, oh Boy, ich bin froh das das meiste davon wieder irgendwo verschwunden ist. Ich erinnere mich an vieles, für das ich mich heute ein bisschen schäme. Und an ein Bisschen, für das ich mich heute viel schäme. Und ich weiss: In ca. 10 Jahren wird es Helene Hegemann genauso gehen. Vielleicht hat sie ja bis dahin mal ein Buch geschrieben, das komplett ihrer Feder entstammt. Vielleicht weiss sie dann, was das für eine Arbeit ist (sie kokettiert ja jetzt schon damit, das ihr das schreiben von “Axolotl Roadkill” nicht wirklich Spass gemacht hätte, aber das ist, relativ offensichtlich, eben genau das: Koketterie). Vielleicht reflektiert sie bis dahin mal ihr eigenes Handeln. Nur um mich nicht falsch zu verstehen: Ich bereue nichts was ich getan habe und ich habe damals schon einen guten Job gemacht. Nur beim drumherum hätte ich manchmal eher meine Klappe halten können…:) Ich finde es auf jeden Fall nicht richtig, das Hegemann, die ja für sich selbst in Anspruch nimmt, bitte nicht auf ihr Alter reduziert zu werden, mit Samthandschuhen anzufassen. Ich hatte damals glücklicherweise Freunde im direkten Umfeld, die mir, wenn es nötig war, gehörig den Kopf gewaschen haben. Das hat sie leider offensichtlich nicht. Schade um ein junges Talent (das sie scheinbar ist), das jetzt verheizt wird. Aber da nimmt sich das hochgestochene, sich niemals irrende, der wahren Kultur verpflichtete, arrogante bildungsbürgertümliche Feuilleton nichts, absolut gar nichts mit dem Boulevard. Nur die Schiessbudenfiguren sind andere.

So. Puh. Geschafft. Jetzt: Sonne her!


[YouTubeDirektInstantSonne]



Lamentieren ohne vernünftiges Ergebnis

Die grosse Frage die einen beschäftigt ist ja: Kann man Gefühle verlernen?

Ich befinde mich im Moment in der äusserst glücklichen Situation, wieder ein Gefühl zu spüren, das schon lange nicht mehr bei mir zu Besuch war. Insofern ist eigentlich alles gut und da das ganze noch mit meine geheimen Superfähigkeit gepaart ist (sie nannten ihn ehrfurchtsvoll “The Verdränger”…), kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

Nun bezweifel ich nicht das Gefühl an sich. Es ist absolut aufrichtig und aufregend. Aber ich habe ein wenig Sorge davor, das so loszulassen, wie ich es eigentlich sollte und früher auch immer gemacht habe, weil ich befürchte, das es mir ein Schnippchen schlägt. Ich weiss nicht ob das sonderlich einleuchtet. Ich will auch gar nicht sagen, das ich Angst hätte, das Gefühl überzuinterpretieren oder zu befürchten es sei nicht echt. Ich habe keinen Grund an der Echtheit meiner eigenen Gefühle zu zweifeln, sind ja schliesslich meine und die sollte ich persönlich ja eigentlich am besten fühlen. Vielleicht ist es auch nur die Angst aus der Komfortzone des Selbstmitleids heraus zu kommen, die man als Solist nunmal bewohnt und in der man es sich, mit etwas Geschick, auch wunderbar einrichten kann.

Ich stürze mich in dieses Gefühl, wie ich es schon immer getan habe und wofür ich von meinen Freunden auch schon immer gerüffelt wurde. Aber welchen Sinn sollte ausgerechnet dieses machen, wenn man sich nicht komplett reinwürfe? Und doch ist irgendetwas anders als sonst, ich finde nur nicht heraus was es ist. Und das ist es wohl, was mich so ein bischen beunruhigt. Oder ist das einfach nur, weil ich älter geworden bin? Wohl kaum, oder? Bitte sag das das nicht wahr ist. Das wäre ja einfach zu bescheuert. Nein, nein, das kann es nicht sein.

Deswegen steht man dann da, alleine in dem grossen Raum und stellt sich die Frage:

Kann man Gefühle verlernen?

Wenn sie einfach so lange nicht mehr beansprucht wurden, so lange, das man schon gar nicht mehr sicher war, sie in sich zu haben. Dann kann es doch sein, das man sie verlernt, oder? Oder das sie in der Zwischenzeit eine neue Sprache gelernt haben? Oder, noch schlimmer, man selbst hat eine neue Sprache gelernt und erkennt die Alte nicht mehr wieder? Und als wäre das nicht genug, wird es ja sogar noch schlimmer, auch wenn man das jetzt nicht mehr für möglich gehalten hätte. Denn die Frage, die sich jetzt stellt, die alle andern übertönt, lautet ja:

Alter, kann es sein das du dir zu viele Gedanken machst?



Popstars 2009 - Es gibt nur Verlierer

Am Donnerstag endet die aktuelle Popstars-Staffel mit ihrem grossen Finale, in dem entschieden wird, welches Paar aus den Workshops die neue Band “Ich und Du” (oder umgekehrt) formieren wird. Wie eigentlich immer gibt es eine wirklich talentierte Kandidatin und andere, die so lange gezeigt wurden, bis die Zuschauer und die jeweiligen Leute auch selber glaubten, das sie talentiert sind. Diese Popstars-Staffel wird vermutlich meine letzte gewesen sein, die ich aufmerksam verfolgt habe. Naja. Zumindest am Anfang. Ich konnte mir das irgendwann nicht mehr mit ansehen.

Popstars war ja, wenn ich das jetzt gerade richtig überblicke, eigentlich die erste Castingshow, im deutschen Fernsehen. Aus der ersten Staffel sind damals die No Angels entstanden. Dabei hat die Show immer ihre Höhen und Tiefen gehabt, es gab immer Staffeln die mal packender, mal gähnend Langweilig waren. Und es wurde viel ausprobiert. Ich erinner mich noch an die Staffel, wo die Girlgroup gegen die Boygroup antreten musste (Preluders vs. Overground) und irgendwie nie so richtig klar war, um was es hier eigentlich gerade geht. Oder die Monrose-Staffel, die mal eben während sie lief, verlängert wurde und für die Zuschauer unerträglich lang wurde. Und natürlich die Nu pagadi-Staffel, wo es sehr früh NUR noch um den einen Song ging (Seetest Poison), den man dann am Ende der Staffel n a t ü r l i c h auswendig mitsingen konnte. Popstars ist auch immer knapp an die Grenze des Erträglichen gegangen, was meine Empfindlichkeit betrifft, mich als Zuschauer verarscht zu fühlen. Wie gesagt, der offensichtlichste Faktor dafür, das ich als Zuschauer immer nur eine Melkkuh war, war in der Monrose-Staffel. Nun gab es gestern einen noch grösseren Skandal. Gestern war das Halbfinale von Popstars und es ging darum welche zwei von drei Paaren ins Finale zuehen sollen. Und die ganze Show über wurde angeheizt: Rufen sie an, gleich fällt die Entscheidung…blablabla. Nun weiss ich nicht, wie lange das geplant war, was dann kam, denn ehrlich gesagt schien mir das, was das ungelenke moderieren des Sachverhalts betraf, eher eine spontane Entscheidung aus der Regie gewesen zu sein. Aber egal ob spontan oder geplant: Es wurde einfach entschieden, den Zuschauer noch ein bischen mehr abzuzocken, denn es fand eben KEINE Entscheidung statt. Es wurde gesagt, das man noch bis Donnerstag weitervoten kann. Die Leute in der Halle haben gebuht ohne Ende und die Regie, so wie die Moderatoren, waren darauf bedacht, die Show möglichst schnell zu beenden. Mit lauter Musik, damit man das Publikum nicht mehr hört. Mit so einer heftigen und berechtigten Reaktion, haben die wohl nicht gerechnet. Genau nachlesen kann man das in diesem sehr guten Artikel von Peer Schader, drüben im Faz-Fernsehblog.

Um diesen Eklat soll es mir aber gar nicht hauptsächlich gehen. Der ist nur die Kirsche auf dem Sahnehäubchen der Verachtung, welches auf dem Eisbecher der Inhaltslosigkeit thront. Ich halte die Popstars-Redaktion für ziemlich arrogant. Das ist in manchen Staffeln deutlicher, in manchen weniger deutlich. Ich schätze mal, das liegt auch immer an der aktuellen Redaktionsbesetzung. In der aktuellen Staffel aber war es wirklich nicht mehr auszuhalten:

1.) Die Jury-Besetzung

Ich finde das Michelle Leonhardt eine ganz gute Wahl war. Ich mag es, wenn Leute aus dem Biz in der Jury sind, die vielleicht noch nicht so hammerbekannt sind, für den Zuschauer, deren Kompetenz sich aber schnell von selbst erklärt. MIchelle hat zum Beispiel schon eine Menge Songs für diverse Acts wie die No Angels o.ä. geschrieben, somit ist sie ja eigentlich perfekt für die Jury. Dann kam Alex Christensen dazu, der wirklich sehr nett ist, aber, sorry, in der Jury wirklich gar nichts zu suchen hat. Denn der hat mal so gar keine Ahnung, bzw. muss wahrscheinlich hauptsächlich die Entscheidungen der Redaktion oder des Senders ausbaden, die ja bekanntermassen noch weniger Ahnung von der Materie haben. Das wird jetzt keine grosse Überraschung sein, aber wie das genau abläuft in der Popstars-Jury hat Sido im grossartigen Vice-Interview mal ganz anschaulich erklärt:

Das ging schon in den Castings los. Es ist schon so, dass jedes Jury-Mitglied eine Stimme hat. Dann hat aber Pro7 noch zwei Stimmen und die Produktionsfirma hat zwei Stimmen. Damit ist die Jury schon mal überstimmt. Vier zu drei. Dann hatten die da so eine Ampel im Rücken der Kandidaten, die da auf dem Stern standen. Und die zeigte entweder rot oder grün. Rot war für ‚Den auf keinen Fall’ und grün war für ‚nehmt den, nehmt den!’ Und dann kommt da zum Beispiel irgendein Typ, der nicht singen kann, aber die Ampel war auf grün und wir mussten uns dann irgendeinen Scheiß einfallen lassen. Ich hab immer (macht ein Furzgeräusch) gemacht, damit dann wenigstens ein Witz dabei rumkommt, aber die haben die Leute halt immer weiter gelassen und am Ende findest du dann raus, die haben die Leute weiter gelassen, weil der Vater Krebs hat oder so was. Die kommen dann da hin und fragen, was ist in deinem Leben so los und pipapo und dann kommt raus, dass der Vater Krebs hat und dann ist klar, der Typ kommt weiter. Dann heißt es so: mit dem Typen haben wir noch für zwei Folgen eine Geschichte. Danach können wir ihn ja dann rausschmeißen. Ich will auch mal klarstellen, die Leute bei Popstars haben auch nicht Sido den Musikfachmann gebraucht, sondern Sido, der ab und zu mal ein paar Leute beleidigen kann. Das wollten die von mir sehen.

So genau funktioniert das Prinzip, deswegen werden von der Jury auch schonmal gerne totale Nulpen ins Finale durchgewunken. Weil die Redaktion oder der Sender das aus Marketing-Gesichtspunkten wichtig finden. Weil sie glauben eine Identifikationsfigur gefunden zu haben, für die jungen Menschen, die ihnen suspekt sind, die sie aber als Zuschauer haben müssen. Wenn die Show nicht so unterhaltsam gewesen wäre, könnte einem schlecht werden. Dazu hatte man in dieser Staffel nun aber auch allen Grund. Und das nicht nur wegen dem rumgewichse hiunter den Kulissen, sondern auch wegen dem, was man auf dem Bildschirm sah.

2.) Die Show

Es war dramatisch diesmal, es war sogar noch dramatischer. Es war das vermutlich dramatischste Fernsehereignis, seit es dramatische Fernsehereignisse gibt. Und noch ein bischen dramatischer. Mal im Ernst, das war wirklich eine Heulstaffel. Und noch mehr Emotion rauspressen und noch ein bischen heulen. Dabei hat sich Detlef D! Soost wirklich das erste Mal als total desinteressiertes Wesen gezeigt. Die Kandidaten waren ihm egal, so lange er sie nur zum heulen gebracht hat. Wirklich, seid froh wenn ihr das nicht gesehen habt. Alles was die Jury trainiert hat (allen voran D!), waren Psychospielchen mit den Kandidaten in Las Vegas. Die möglichst schnell und dramatisch dazu führen sollten, das die Kandidaten heulen. Und das war nicht irgendwie rausgeschnitten, oder subtil versteckt oder so. Nö, fröhlich im ON wurde gezeigt, wie schnell man die Nervenbündel zu noch grösseren Nervenbündeln macht. Genüsslich ausgekostet von einem erschlankten Tanz-Instructor Detlef, der mit den Kilos irgendwie anscheinend auch den Spass an der Sache verloren hat. So verbittert, gelangweilt und humorlos kam der nämlich noch nie rüber.

Ansonsten wird die Show langsam aber sicher seziert und ihrer Identität beraubt. Man schneidet sich noch die Filets raus, aber der zuckende Rest wird den Hunden zum Frass vorgeworfen. So wirkt es zumindest, denn noch keine Staffel hat sich so stark an anderen Formaten orientiert, wie diese. Ich war sehr oft nicht mehr sicher, ob ich nicht gerade doch “Germanys Next Topmodel” gucke. Weil die Kandidaten nun immer zu so Werbecastings mussten, und da auch gut aussehen mussten und so: Das war alles Ablenkung, das war aber auch Inhaltsleere und liess eine gewisse Trennschärfe zu den anderen Formaten vermissen. Aber vielleicht ist das von ProSieben ja auch so gewollt. Man soll nachher gar keine Shows mehr unterscheiden können, das soll alles wie ein nicht enden wollender Castingguss wirken. Dann haben sie hier ganze Arbeit geleistet. Das Problem ist nur: Die haben einem Format sein Herz geklaut und ob das lange gut geht, das wage ich zu bezweifeln. Aber müssen sie selber wissen. Vielleicht haben sie auch einfach keinen Bock mehr auf Popstars und wollten das jetzt irgendwie so schmerzhaft wie möglich beenden. Dann müsste ich auch wieder sagen: Chapeau! DAS ist euch gelungen. Ich konnte auf jeden Fall die letzten 2 oder 3 Folgen nicht mehr gucken. Grösstenteils schlecht ausgwewählte Kandidaten in einer unwirtlichen Umgebung werden von abgebrühten Fernsehleuten dem Zuschauer vorgeführt und von einem menschenverachtenden Juror permanent zum heulen gebracht, in einer Show, die ihre Originalität verloren hat und die deswegen andere Formate kopiert. So könnte man es zumindest auf einen Satz bringen.

Ich mochte Popstars immer gerne, lieber als andere Castingshows. Aber was die sich diesmal erlaubt haben, war eindeutig zu viel. Wenn sogar meine 8-jährige Tochter das stinkend langweilig und doof findet, dann kann da irgendwas nicht stimmen. Die ist nämlich mindestens genauso begeisterungsfähig wie ich für Fernsehen, nur noch eine Spur unkritischer. Also eigentlich genau das, was Pro7 da vor der Kiste haben will. Und gerade kategorisch vertreibt.

Ich weiss: Die sitzen jetzt in ihren Büros, vielleicht auch im Meeting Raum in Unterföhring und reiben sich die Hände. Der Pressetyp rennt aufgeregt ins Büro und schreit die ganze Zeit “Any promotion is good promotion! Any promotion is good promotion!” und die Chefredakteure, Geschäfstführer und verantwortlichen Redakteuer lachen sich kaputt. Über die Dummheit des Zuschauers und das sie nun so viele Reaktionen haben. Man siehe zum Beispiel das Statement des Pro7-Unternehmenssprechers Christoph Körfer gestern Abend zu DWDL.de, die mal berechtigterweise gewagt haben nachzufragen, was denn da in der Halbfinal-Show schief gelaufen ist. Die Antwort haben sie bekommen: Der dumme Zuschauer hat natürlich mal wieder versagt! Oder, wie es aus dem Munde eines echten Unternehmenssprechers lautet:

“Das war eine geplante redaktionelle Entscheidung. Schon häufiger wurden bei ‘Popstars’ Teile einer Entscheidung erst in der nachfolgenden Sendung aufgelöst.”

Das ist schon ein ziemlich deutlicher Punch in the face. Das ist aber ein ganz anderes Problem. Fernsehen wird fast nur noch von Leuten gemacht, die den Zuschauer dafür hassen, das er macht was er will. Das ist meistens auf Seiten der Sender noch schlimmer als auf Seiten der Produktionsfirmen, wobei es da auch ein paar gibt, denen die Zuschauer Wurst sind und die einfach nur schnell mit dem Sender absahnen wollen. Und da hat sich der Zuschauer gefälligst so zu verhalten, wie die das gerne wollen. Das ist nun gestern Abend in die Hose gegangen. Aber seiner wir ehrlich: Es wird überhaupt keine Auswirkung auf irgendwas haben. Nächstes Jahr wird irgendwann eine neue Popstars-Staffel kommen, mit einem noch gelangweilteren D!, noch mehr Werbecastings um noch mehr Marken in der Sendung unterbringen zu können und noch schlechtere Kandidaten um dem Zuschauer noch klarer zu machen, wie wenig er für die Macher wert ist. Aber trotzdem:

Dieser eine Moment gestern Abend, in dem die Zuschauer den Machern den Fuck-Finger gezeigt haben, den werde ich immer in sehr guter Erinnerung behalten. Für mich schon jetzt einer der Popstars-Magic-Moments. Und vermutlich auch der letzte, denn ich kann das zu Schrott gewordene Ex-Gold nicht mehr gucken.

Übrigens: Normalerweise kann man um die Zeit ja auf der Pro7-Seite schon immer die komplette Folge vom Vorabend gucken. Komisch das das heute nur Ausschnittweise geht…:)



Das Manifest gegen das Manifest und gegen das Gegen-Manifest

Es geht mal wieder um die Entwickluing des Netzes. Also im weitesten Sinne Politik. Ich weiß auch nicht, warum ich im Moment immerwieder auf das Thema stosse, aber mei: Ab dem 28. September fällt das Thema sicher wieder weg.

Eine handvoll Blogger/Netzaktivisten/Impressarios hat sich zusammengesetzt und ein Manifest geschrieben und das danach sinnloserweise “Internet-Manifest” genannt. Wobei der Name eigentlich nicht sinnlos ist, aber ungenau. Eigentlich sollte es “Internet-Journalismus-Manifest” heissen, was aber natürlich nicht nur nicht griffig, sondern auch in keinster Weise catchy ist, weswegen man den Begriff “Journalismus” einfachheitshalber aus der Überschrift wegließ. Das ist natülich ein kapitaler Fehler gewesen, weil sich nun jeder angesprochen fühlt, der “Internet” ist. Und das sind ja nunmal eine ganze Menge Leute. In dem Manifest geht es aber nur um die Entwicklung von Journalismus unter den neuen Bedingungen. Gut, es geht am Rande auch noch um die Frage, wie man heutzutage ein Medienimperium schafft, aber das gehört theatisch ja fast dazu. Und natürlich hat das Manifest ein paar Problemchen:

- Wer soll das lesen? Die, die betroffen sind, stimmen ein wenig zu und wissen aber nicht so recht, was sie mit dem Text anfangen sollen. Kommentieren? Selber bloggen? Retweeten? Links liegen lassen? Was soll ich mit einem Text anfangen, der Tatsachen etwas allgemeiner formuliert, anstatt sie mit Beispielen zu untermauern, die mir sowieso klar sind? Da fühle ich mich nicht so wirklich repräsentiert, sondern eher etwas, nun ja, verarscht. So wie ein altes, 67-jähriges bayerisches Ehepaar mit einem jungen, schwarzen Berliner redet. Das fühlt sich nicht gut an. Allerdings, das muss man ja auch betonen: Den gleichen Umgamg pflegen die “alten Medien” mit dem kompletten Netz, von einigen Ausnahmen einmal abgesehen.

- Wie soll man Menschen, die offensichtlich vom Netz überfordert sind, durch das Netz erreichen? Gut, ich gehe davon aus, das das Manifest auch als gedruckte Version an die “Entscheider” weitergeschickt wurde. Oder nein: Ich hoffe es. Das Ding ist nur: Natürlich muss so etwas im Netz stehen, aber doch bitte nicht mit so einem Aufriss. Auch das das alle Beteiligten zum gleichen Zeitpunkt gebloggt haben, mag einen gewissen Impact gehabt haben, aber vor allem auf das “genervte Netz”, denn das es tatsächlich bis in die Chefetagen geschwappt sein sollte.

- Ich verstehe durchaus die Verzweiflung der Beteiligten und sehe auch wo die hinwollten. Aber wenn 15, in meinen Augen äusserst intelligente Menschen, die ich zum großen Teil sehr schätze (Disclaimer mittendrin: Ja, auch privat), zusammensetzen, dann sollte doch etwas mehr rauskommen, als so etwas undurchdachtes. Gut, die Meckerreaktionen waren abzusehen, da muss man nichts drauf geben, die kommen ja immer, aber es wurden ein paar Fehler gemacht, die man dann doch easy hätte vermeiden können, oben erwähntes Überschriften-Problem zum Beispiel oder eine gewisse Intransparent im erstellen des Papiers. Hier wäre etwas Integration des Netzes vorher wohl mehr als angebracht gewesen.

- Das Internet-Manifest ist zu verschwurbelt formuliert. Natürlich wissen die Autoren, das gerade Chefetagen empfänglich für solch eine Art “konzeptioneller Marketingtext” sind, aber da wäre doch deutich mehr drin gewesen. Klingt wie ein Kompromiss aus 15 Köpfen, was es ja demnach vermutlich auch ist. Da wäre ein Chefschreiber schon effizienter gewesen.

Damit könnte dieser Text auch eigentlich aufhören. Wenn da nicht diese Kultur des “Ich breche dir jetzt mal ins Gesicht, reiche dir dann ein Taschentuch in das ich vorher meine Popel geschmiert habe und wenn du dann noch scharf sehen kannst, dann pinkel ich noch auf deine Brille” wäre. Das scheint nämlich im Moment der Konsens bzw. die Neudefinition der Netiquette zu sein und ich finde das ehrlich unerträglich. Aber nicht nur, weil ich es formell daneben finde. Geschenkt. Das Netz ist nunmal voll mit Spacken, so wie die Welt da draussen auch. Ich finde es hinterwäldlerisch, rückschrittlich, daneben und einfach nur dumm. DAS ist das Problem. Alle schreien sich die Seele aus dem Leib, wegen angeblich vor der Tür stehender Netzzensur, aber wenn es dann mal darum geht gemeinsam anzupacken und “die da draussen” davon zu überzeugen, was für ein reichhaltiger Schatz das Netz ist, ja, das es quasi eine Art Naturreservat ist, das es zu schützen gilt, dann fällt ihnen allen nur ein, das Sascha Lobo auf einem Vodafone-Plakat zu sehen ist. Das ist kontraproduktiver als alle Von-Der-Leyens zusammen.

Verschiedene Dinge möchten mir dabei nicht in meinen Kopf:

- Woher dieser blanke Hass? Man könnte meinen Lobo wäre ein indischer Programmierer, der aus Versehen auf das Sommerfest der NPD gerät. Gut, er wäre ein Programmierer, der sich bei dem Sommerfest auch noch auf die Bühne stellen und versuchen würde, die Anwesenden von Sharukh Khans Superfilmen zu überzeugen. Aber dennoch: Ich bin auch nicht mit allem Einverstanden, was er tut und sagt, aber man sollte dennoch festhalten, das er für die Aussenwirkung des Netzes mehr getan hat, als die meisten selbsternannten Realkeeper des Netzes zusammen. Plus der Tatsache, das er sich anscheinend gerne als Zielscheibe zur Verfügung stellt, was den Hass auf seine Mitstreiter ein bischen kanalisiert und ein Johnny Haeussler oder Thomas Knüwer eben nicht mehr die volle Breitseite abkriegen. Die sich ebenfalls um eine grössere Diskussion und Akzeptanz verdient gemacht haben.

- Woher die Verachtung? Alle User, ausser den selbsternannten Rettern des einzig Wahren, sind dämliche Idioten, die nur auf Bild.de und SpOn surfen, vermutlich bei Facebook doofe Quizze spielen oder gleich Farmville, und die noch nie einen Wikieintrag editiert hätten, geschweige denn wissen, was ein Wiki überhaupt ist und die eigentlich nur Wikipedia kennen. Geradezu genüsslich werden die Seiten, die “normale” User ansurfen “Klicki-Bunti” genannt, als ob das das einzige wäre, was die interessiert. Diese himmelschreiende Arroganz mündet dann darin, das man sich empört, das die Regierung oder wer auch immer das Sagen in irgendwelchen Netzbereichen hat, sich über diese, sich selbst gerne “kritische Masse” bezeichnende, Gruppe von Lästerern hinwegsetzt, weil sie ja offensichtlich sowieso nicht zu einem Dialog bereit sind mit jemandem, der eben kein Net Citizen ist (Stichwort: Die “Internetausrucker”). Der Witz an der Sache ist: Sie sind es tatsächlich nicht. Selbst wenn der Dialog mit ihnen gesucht wird, können sie nur schreien und sich empören, aber mit einem Entgegenkommen ist definitiv nicht zu rechnen.

- Warum so billig? Das einfachste der Welt ist es, das Manifest auseinanderzunehmen und der Lächerlichkeit preiszugeben. Ja, die 15 Manifestierer können nicht für alle sprechen. Und auch wenn sie immerwieder “das Internet” sagen und “wir”, dann möchte ich dennoch nicht glauben, das das auch ihre Intention war. Das Problem an Netzdiskussionen ist ja das: Es wird immer, ich betone: IMMER, vom schlechtesten im Menschen ausgegangen. A-Blogger, ein Titel den sich Ami-Blogger nur zu gerne ans Revers haften, weil es sie für ihre Arbeit und Mühen belohnt (einschliesslich lukrativer Werbeschaltungen, die das so mit sich bringt), ist hierzulande mittlerweile ein Schimpfwort. Es ist geradezu verboten mit bloggen Geld zu verdienen, als wenn das die eigene Korrumpierbarkeit erhöhen würde. Das ist so dermassen weit entfernt von der Realität, das es nicht auszuhalten ist. Und ich will mich gar nicht auf das Neid-Argument der Kritiker-Kritiker berufen, das ist ebenso bescheuert. Hier geht es nicht um Neid. Das ist einfacher Hass. Das ist die Angst, sein Spielzeug weggenommen zu bekommen und dann wird einfach so lange weitergeheult, in der Hoffnung es dann irgendwann wiederzubekommen. Aber:

Das Internet wird nie wieder so wie früher sein. Es wächst, ständig. Und wie jeder Teenager, der gerade aus der Pubertät raus ist (zumindest aus dem Gröbsten), bemüht es sich nun als Erwachsener ernst genommen zu werden. Get over it.

Das Internet ist für alle da. Auch wenn das Nutzungsverhalten der meisten User nicht mit eurem übereinstimmt und ihr nicht verstehen könnt, wie man sich mit so wenig zufrieden geben kann, wäre hier doch nicht nur etwas Toleranz angebracht, sondern auch überlebensnotwendig. Get over it.

Das Internet verändert die Gesellschaft. Man muss aber auch bereit sein, über diese Änderungen zu reden. Dialogbereitschaft ist das vermutlich wichtigste Signal, das man aus dem Netz heraus in die reale Welt (ja, das Internet ist auch eine reale Welt, ich weiß, ich formuliere es jetzt nur etwas zugespitzt, wenn ich nämlich alle 2 Absätze relativieren muss, kriegen wir nie ein Manifest auf die Beine..;)) senden kann. Wenn man sich dem Dialog aber verweigert, auch oder besser gesagt vor allem denjenigen gegenüber, die offensichtlich keine Ahnung haben, dann wird hier alles schneller abgeschaltet, als man 7 Kinder gebären kann.

Das Internet ist keine homogene Masse und soll es bitte auch nicht werden. Auch wenn ich Rassisten-Dreck wie PI oder Panikmache a la Broder aus tiestem Herzen verachte und im ersten Moment reflexartig denke, das so etwas nicht erscheinen sollte, da es Menschen die eher schlichten Gemüts sind, auf die falsche Spur bringen könnte, finde ich es ebenso wichtig, das es existiert und dazu nützt, die “Gegenseite” aus der Deckung zu holen und zu lesen, warum die eigentlich so schräg denken, wie sie es nuneinmal tun. Ganz davon abgesehen das eine Demokratie das meiner Meinung nach sowieso aushalten muss.

Das Internet ist Herkules. Mindestens. Wir wollen alle das gleiche: Ein freies Netz, das nicht rechtsfrei ist. Das muss man auch mal ganz klar formulieren. Auch wenn das Politiker-Mantra “Das Netz ist kein rechtsfreier Raum” lächerlich ist und gerade bei eklatanten Rechtsmissbräuchen (Stichwort: Abmahnungen) eher das Gefühl entsteht, das das Netz zwar nicht rechtsfrei, wohl aber rechts-beugend sein kann, darf man sich nicht gemütlich auf seine Besserwisser-Position zurückziehen und sagen: Ihr seid so dumm, wir wissen wie das Netz geht. Sondern mit einer ebenso redundanten Vehemenz erklären, das niemand die Absicht hat, eine Mauer zu bauen das Netz zu einem rechtsfreien Raum zu machen, der er sowieso nicht ist. Das ist mühsam und nervig, aber irgendwann kommt die Botschaft an. Bestimmt. Deswegen ist Zusammenhalten wichtiger als Grabenkämpfe. Das macht das Internet stark.

Das Internet ist … Alles was wir drauss machen. Wir können uns gegenseitig zerstören, Vorwürfe machen, anzicken, bekriegen, anmotzen, runtermachen, auslachen, unsachlich angehen. Wir können aber ebenso dafür sorgen, die Stärken des Netzes auszubauen, es zu einem Instrument machen vor dem “die da oben” zu Recht zittern, das sie ernst nehmen können und müssen, das aber ebenso gut für Ablenkung sorgt.

Wir sind das Netz. Wir werden das Netz sein. Wir sollten Bestehendes besser machen, anstatt unsere Energie dafür einzusetzen, die Versuche dazu zu zerstören. Hugh.



Das Pro7blem

Ja, ich weiss: Die meisten haben gerade ihre Problemchen, die wissen nicht mehr wo sie die Zuschauer abholen sollen. Dazu kommen noch sinkende Werbeeinnahmen, weil die Firmen kein Geld mehr haben um Fantasiepreise pro Sekunde aufzurufen, nur weil der Werbeblock zwischen zwei Bohlen-Shows läuft. Das ist mir alles klar. Auch das die Sender deswegen wirklich überhaupt kein Risiko mehr eingehen wollen und nur noch dasselbe senden, in minimalen Variationen und somit den Zuschauer zu Tode langweilen, ihn aber dann wenigstens als Quote vor dem Fernseher sitzen haben. Alles klar. Aber was da gerade bei Pro 7 abgeht, das finde ich schon ziemlich bizarr, ehrlich gesagt.

Die Unterhaltungsabteilung scheint in ziemlicher Panik zu sein. Oder nicht mehr in der Lage eigene Formate zu entwickeln. Auf jeden Fall ist Raab im Urlaub und da man dem eigentlich sonst immer die komplette Planung der Unterhaltungsshows bei Pro 7 überlässt, muss es wohl so sein, das man erst gemerkt hat als er weg war, daß er weg war. Und dann wurde panisch versucht, Unterhaltungsfernsehen zu generieren. (Wobei ich an dieser Stelle auch anmerken muss, das mir auch nicht die ganzen Raab-Geschichten gefallen. Ich finde der macht TV Total in 85% der Fälle nur noch sehr lustlos und benutzt es nur als Vehikel, um sein nächstes grosses Event zu promoten, das ist ein bischen peinlich sein eigenes Zugpferd so zu missbrauchen und nicht mal 3 Wochen ohne Ankündigung eines sinnlosen Sportevents überstehen zu können. Aber “Schlag den Raab” geht klar und in den Folgen, in denen er nix ankündigen will, da ist es meistens sehr amüsant. Und natürlich in den Folgen nach Popstars/Topmodels.)

Ich kenne mich mit Internas nicht aus, ich weiss nicht was bei Pro 7 los ist, aber denen dürfte ganz schön die Hütte brennen. Nur: Anstatt die Feuerwehr zu rufen und in Ruhe das Haus löschen zu lassen, um auf den Grundmauern mal wieder etwas grundsolides zu bauen, versuchen die mit den kleinen Pappbechern aus dem Wasserspender (die Kegelförmigen) das Feuer zu löschen, ganz nach dem Motto: “Wieso? Das ist doch auch Wasser!”.

Angefangen hat alles in einer Zeit, als Raab noch gar nicht im Urlaub war (folgend “ZaRNgiUw” genannt). Da gab es das erste Unterhaltungsexperiment mit dem Namen “Uri Geller live - Ufos & Aliens”. Abgesehen davon, das der Sender aus dem “The next Uri Geller”-Debakel hätte lernen müssen (was er nicht tat), wurde hier eine Samstagabendshow simuliert, die offensichtlich eine Beleidigung selbst für den kleinsten Intellekt war (ich habe nur 5 Minuten reingezappt und es nicht weiter ertragen). Warum man das gemacht hat, was das für ein Versuch sein sollte? Ich habe keine Ahnung. Ich weiss nicht wie das durchgewunken werden konnte, anscheinend war der Chef gerade beim Mittagessen und der Praktikant hat das einfach mal unterschrieben. Also mal im Ernst: Anders konnte es nicht zu so einer Sendung kommen. So verzweifelt kann kein Sender sein, das man ernsthaft, ohne einen Anflug von Humor oder Ironie versucht, sowas auf Sendung zu schicken. Das Uri Geller himself ebenfalls ein eher zweifelhafter Genosse ist, kann man unter Anderem auch in der schönen Folge von Louis Theroux “Weird Weekends” sehen (eine BBC-Doku-Serie die übrigens uneingeschränkt zu empfehlen ist), in der Theroux versucht Michael Jackson zu interviewen und deswegen an Geller gerät, der sich als Interviewvermittler und gottgleiche Entscheiderperson aufspielt. Wer solche Freunde hat…aber das ist ein anderes Thema.

Man hatte also seinen ersten kapitalen Megaflop und sich auch ein bischen für die Show geschämt. Richtig so. Das die zweite Staffel “The next Uri Geller” ein Flop war, muss man kaum erwähnen. Hat jemand die erste gesehen? Mit diesem Raben-Schwachkopf der gewonnen hat? Alles klar. Kein Thema. Immerhin, der Donnerstag war sicher mit wahlweise Popstars (bei der die vorletzte Staffel während sie lief verlängert wurde, was der Quote nicht unbedingt gut getan hat…verbuchen wir es unter “Versuch macht klug”) oder Topmodels.

Was dann auf dem Dienstag-Sendeplatz passierte, wurde langsam immer unnachvollziehbarer. Man versuchte Wiederholungen der Märchenstunde, die nicht liefen. Dann machte man einen stimmungslosen Fünft-Abklatsch von “Takeshis Castle” in dem Werner Hantsch und Matthias Opdenhövel verzweifelt versucht haben, so etwas wie Stimmung zu transportieren, was in einem Format wie jenem schier unmöglich war. Unsympathische Kandidaten, die vorsichtshalber gar nicht gross vorgestellt wurden, versuchen über dämliche Hindernisse zu springen, um im Wasser zu landen. Das ganze flankiert von einem Fussball-artigen Kommentar der zwei Sprecher, der durch den Wortspiel-Generator der “Kabarettiche” gedreht wurde, bis von einem Regelwerk, einem Ziel der Kandidaten oder irgendeinem Sinn der Sendung wirklich gar nichts mehr übrig war. Aber da bin ich vermutlich nur spiessig. Wahrscheinlich habe ich den Witz nicht gecheckt, das es da ja auch um nix gehen SOLL. Hoffe ich. Für die.

Nachdem das, merkwürdigerweise, auch nicht DER Qutornbringer wurde, kam das nächste. Man mag vielleicht noch beim vorigen Format gedacht haben, das die Assoziationskette bei Pro Sieben folgendermassen lief: “Ey, die Kids von heute, die gucken sich doch auf YouTube und vor allem auf MyVideo (das ist das Portal, bei dem Pro Sieben beteiligt ist, wobei ich lange Zeit nicht verstanden habe, warum die nicht bei Sevenload eingestiegen sind, schon rein namenstechnisch) immer an, wie Leute auf die Fresse fliegen. Also machen wir eine Show in der alle auf die Fresse fliegen sollen! Ha!”

Das funktionierte nicht also hat man WIEDER in die Videoportale geguckt und dabei folgendes gefunden:


[YouTubeDirektZehnMillionen]

Und nun schalten wir wieder in die Vergangenheit, nach Unterföhring in die Pro Sieben Unterhaltungs-Chefetage: “BOAH! ZEHN MILLIONEN VIEWS! Da muss man doch ne Show draus machen! Das ist doch aus ner Show! Das übernehmen wir! Die ganze Show! Ja, die ist japanisch, na und? Das funktioniert hier auch! Bestimmt! Oh! Da kriegen wir die Show ja schon angeboten! Wie soll die heissen? Mascerade? Scheissegal, das Ding ist gut, das kaufen wir! Und sieh zu das die am Anfang das Ping Pong Ding machen, das kennt doch in Deutschand eh kein Mensch! Come on! 10.000.000 Views, aber die kamen sicher alle aus dem Ausland….”, spachs und es geschah. Auf dem eigenen Videoportal wurde dann auch brav der Clip mit dem Ping Pong verlinkt, was natürlich eine riesen Fangemeinschaft in die Kommentare brachte. Nur leider keine Fans der Coverversion. Zumindest nicht im Gros. ( “Scheiss Nachmacher”, “sowas regt auf”, “das hier is nur ne billige kopie udn sogar sau schlecht” etc. pp.)

Ja, ich verstehe schon das die Show nur eingekauft ist. Nein, ich verstehe nicht wie man so etwas stimmungsloses on air schicken kann. Ein Publikum im Saal, das null Reaktionen zeigt, Jury-Begründungen wurden einfach mal so wild zusammengeschnitten, das man nicht mehr kapiert, was die überhaupt kritisieren (abgesehen von dem schrecklichen “Mini-Playback-Show-Jury”-Habitus) und um was es eigentlich genau geht ist auch niemandem so richtig klar. Ich vermute das die Show im Ausland produziert wurde und das Publikum nur Klatschvieh ist, anders kann ich mir diese absolute Null-Athmosphäre nicht erklären. Und die Moderatorin rennt rum und versucht verzweifelt so etwas wie Stimmung zu finden. Also, ganz ehrlich: Ich könnte das nicht guten Gewissens senden, wenn ich nicht den Eindruck vermittlen wollen würde, den Zuschauer total zu verachten. Aber man kann ja noch “besser”.

Zäsur: Das eigentlich traurige an der ganzen Sache ist, das versucht wird Schrottformate durch High Class-Formate mitzutragen. Ein grosser Leidtragender des Pro Sieben-Programm-Chaos ist und war sicher “Switch Reloaded”. Eine Show, die sich über TV-Schrott gekonnt amüsiert, aber leider immer mit ins Quotentief gerissen wurde, weil davor immer diese Sendungsversuche liefen. Die haben dann nicht genug Werbung verkauft, dadurch haben sich die nachfolgenden Sendungen um Minuten nach vorne geschoben, was dafür sorgte das Leute, die erst pünktlich zu Switch zu Pro Sieben gezappt haben, gerne mal im ersten Switch-Werbeblock gelandet sind und wieder wegschalteten. Man arbeitet also gezielt am zerstören der eigenen Quote (Bitte nun die Diskussion aussen vor lassen, wie sinnvoll und richtig “die Quote” überhaupt ist, das ist ein anderes Schalchtfeld. Nehmen wir sie mal als gegebene Einheit für Menschen die TV machen an…). Über das Switch-Folge-Format “Der kleine Mann” möchte ich mich höflicherweise ausschweigen. Man hat wenigstens versucht mal was richtig zu machen. Ich verweise diese Sendung betreffend lieber auf die absolut zutreffende Humor-Kritik aus der Titanic.

Weiter gehts. Den Dienstag Abend hat man sich also schonmal hervorragend zerstört. Dann der Blick auf die Programmplätze und die Überlegung: Wo läuft es noch zu gut? Wo können wir nochwas kaputt machen? Und TA-DAA! Der Donnerstag läuft ja viel zu gut, mit seinen Castingformaten! Da muss man doch was gegen tun können! Und man kann. Die Antwort lautet “Germanys Next Showstar”. Ein erbärmliches Format, das auf die denkbar schlechteste Weise versucht, alles was man jemals an Castingshows gesehen hat zu unterbieten. Eine übliche, redaktionelle Vorauswahl der Kandidaten, die vor die Jury dürfen findet nicht statt. Vielleicht waren auch einfach nicht genug Leute bei den Castings, so das man jeden reinliess. Aber es war wirklich ein Trauerspiel, was man da gesehen hat. Und auch hier: Athmosphäre? Was war das nochmal? Die Jury versucht sich in gespielter Lockerheit, aber keiner hat wirklich Lust auf das, was er da sieht. So sehr man auch die Unverschämtheit der Castingzusammenschnitte von DSDS empörend finden mag: Die wissen was sie tun. Auch bei Popstars macht es Spass die Castings zu gucken. Hier aber war es eine Qual. Als wenn der Sender zum Zuschauer sagen würde: da müssen wir jetzt zusammen durch. Kein Glamour, kein Spass, kein gar nix. In irgendeiner Lagerhalle mit Pult und Scheinwerfern wartet die Jury verzweifelt, was sie als nächstes vorgesetzt bekommt (Grossartig daneben auch das Finale, in dem tatsächlich Publikum in der Halle stand, die Moderatorin aber an einen Tisch am anderen Ende der Halle gestellt wurde, auf einer Art Mini-Balkon über dem Publikum, was dazu führte das sie sich das ganze Finale über nicht vom Platz bewegte. Ich meine Hallo: Die stand nie auf der Bühne! Beim Finale! Sowas bescheuertes habe ich noch nie gesehen…). Nein. So funktionieren Castingshows nicht. “Lieblos” wäre an der Stelle noch ein Euphemismus. Man soll eben doch nicht den Praktikanten die Show alleine schneiden lassen.

Aber irgendwann war auch diese Sendung überstanden (ich glaube die lief auch nur 3 oder 4 mal, anscheinend hat man selbst nicht SOOO sehr ans eigene Produkt geglaubt), und man rechnete fest damit, wieder ins normale Tagesgeschäft überzugehen. Aber halt! Was war das? Da waren immernoch Zuschauer am Donnerstagabend? Wieso das denn? Hatte man ihnen nicht deutlich genug vermittelt, das sie nicht erwünscht seien? Also musste man schwere Geschütze auffahren, um sie loszuwerden. Und so entstand: “Giulia in love”.

Giulia. Siegel. Sucht. Einen. Mann. Bei. Pro Sieben. Muss ich mehr sagen, für jeden der das Glück hatte, daß nicht gesehen zu haben? Ich denke nein. Wieso es einen interessieren sollte, eine der unsympathischsten Frauen, die die Kackpromi-Medienwelt im Moment zu bieten hat, bei der Partnersuche zu beobachten, wird wohl für immer ein gut gehütetes Münchener Mediengeheimnis bleiben. Eine Quatsch-verzapfende Frau mit ihrer, in mangelnder Sympathie in nichts nachstehender, besten Freundin und Frank dem Wedding-Planer suchen den Mann fürs Leben. In einem Casting. Überm P1. Ja nee, is klar. Selbst ich schäme mich darüber zu schreiben und hülle mich nun lieber in Schweigen. Natürlich fehlte auch hier alles, was in den o.g. Shows fehlte. Warum sollte es anders sein?

Ich glaube man hat den Dienstag und den Donnerstag bei Pro Sieben nun ganz gut ruiniert und kann dort nun senden was man will, es guckt eh keiner mehr zu (Der durchaus sympathische Klaas Heufer-Umlauf von Viva, darf nun Dienstags lustige Werbespots aus aller Welt präsentieren, sprich: sich von Pro Sieben in einem Format absoluter Durchschnittlichkeit verheizen lassen und ja: Auch grob verpixelte Clips, die scheinbar direkt von YouTube abgefilmt wurden, werden da gerne gezeigt - damit kriegt die Verwertung von Netzinhalten im TV nochmal eine völlig neue Qualität. Ach ja, bevor ichs vergesse: Habe ich schon die Dienstagnächtliche “My Video Show” erwähnt? Nein? Moderiert von Collien, ebenfalls Viva? Hab ich nicht? Das hat auch seinen Grund…). Den Samstag hat man sich jetzt vorgeknöpft und lässt dort das “Sommermädchen 2009″ wählen. Ein Titel der noch weniger Wert ist als “Miss Hilversum”, aber aufwendiger inszeniert, als die Miss-Wahl in der Dorf-Disse. Nur eben genauso primi. Damit hat man zwar immernoch keine guten Quoten, aber immerhin okaye. Wenn das mal kein Ansporn für die Unterhaltungsabteilung ist, in Zukunft voll auf Miss-Wahlen zu setzen. “The next Kader Loth” könnte ein mögliches Format sein. “Germanys Next Giulia Siegel” ist ebenfalls denkbar.

Wenn man eins in den letzten Monaten gelernt hat, dann das die Skala nach unten offen ist. Ich gucke ja viel und gerne Trash Fernsehen, aber das wird selbst mir zuviel. Bitte, kann da mal jemand die Reissleine ziehen und wieder Qualität abliefern? Das kann ja gerne doof sein, meinetwegen auch primitiv und trashig. Von mir aus total low. Aber es sollte eben 2,3 Qualitätsstandards erfüllen. Nur Scheisse senden und on air pilotieren ist eben kein Programm. Das hat man bei Pro Sieben mal gewusst, ich weiss nur nicht wo dieses Wissen hin ist.

Stefan, D!, Elton und Simon - bitte kommt zurück. Ich möchte auch an den Tagen vor und nach Greys Anatomy wieder den Sender einschalten können.



Malcolm und Nilz - Zwei Doofe, ein Finale (Liveblog!)

Heute ist das Finale der wirklich atemberaubenden Castingshow “Germanys next Superstars”, bei dem es darum geht das die Gewinner Support Act bei DJ Bobo werden dürfen. Und wie schon vor zwei Wochen dürft ihr wieder live verfolgen, was Malcolm und ich dazu zu sagen haben. Und ihr vermutlich auch. Heute um 20:15! Viel Spaß! (Und wie immer: Für alle die es nicht mitbekommen haben, die dürfen sich dann durch unseren unnachvollziehbaren Wust an dämlichen Kommentaren danach lesen…)