Hach, es ist schon ein Kreuz. Da hat ein Marketing Typ eine Idee und schon muss man sich wieder mit Asbach Cola Uralt Figuren auseinandersetzen.
Heino ist wieder da. Und weil die Hörerschaft für ein “normales” Heinoalbum schon ausgestorben sein dürfte, wildert man in fremden Gefilden oder bricht zu neuen Ufern auf, je nach Sichtweise. Heino hat auf jeden Fall eine Platte gemacht, auf der er nur Pop/Rock/Punkrock/HipHop Acts covert. Sportfreunde Stiller, Nena, Rammstein, Peter Fox. Und, exemplarisch als erste Single, natürlich die Ärzte.
Erstmal das: Ja, natürlich passt das textlich schonmal wie die Faust aufs Auge. Aber: Warum genau soll das nochmal gut sein? Durch das wegfallen einer ironischen Ebene, weil Heino eben wirklich so ein Vater sein könnte, verliert das Lied jeglichen Witz und ist einfach nur noch ein trauriges Lied das davon handelt, wie Kinder von ihren Eltern daran gehindert werden, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Das ist lustig? Das ist jetzt natürlich superernst genommen, aber wie soll man Pop auch anders begreifen?
Was mir aber auf die Nerven geht, ist etwas ganz Anderes. Ich lese seit Tagen dass Heino “sich jetzt endlich mal wehrt” und “zurückschiesst”, gegen all den “jahrelangen Spott und Hohn”.
Ich hab zu Weihnachten die Otto Filmbox geschenkt bekommen, mit allen Filmen des Ostfriesen. Da gibt es ja auch diese Thriller/Heino-Parodie. Die ein bisschen lustig ist und natürlich auch Heinos Ikoknografie nährt (Blond, Sonnenbrille), von deren Marken-haftigkeit der Düsseldorfer meiner Meinung nach ganz gut profitiert hat. Das wichtigste daran ist aber: Das ist 25 Jahre her!
Heino-Witze sind so alt wie abgestandener Eierlikör. Und da “leidet” der noch heute so schlimm drunter? Nicht eher darunter, dass bis auf ein paar DVU-Fans und Vorpommerer wirklich niemand mehr größeres Interesse für den Sänger mit dem superrollenden R hat?
An Heino ist nichts “cool”. Heino hat schon immer in seiner Karriere verzweifelt versucht, sich überall anzubiedern, bei noch lebenden und halbwegs liquiden Käuferschichten als “Kult” durchzugehen. Ich erinner mich an den Acid-Enzian. Das wurde dann noch Rap genannt und hat ganz viel ganz schlimm durcheinander gewürfelt. Deswegen konnte da auch keiner was mit anfangen (Übrigens: Da hat er sich mit stilisierten Smileys, die sein Gesicht zeigen, schon des Images angenommen, unter dem er ja ach so gelitten hat…).
Immerhin: Diesmal hat der Marketing-Mensch alles richtig gemacht. Die Platte kommt ganz früh im Jahr, wenn noch nicht viel los ist. Sie kommt in die Karnevalszeit, wo die Bereitschaft zu Quatschmusik am höchsten sein dürfte. Es werden nur credibile Hits gecovert. Und es wird ein “Rockerkrieg” erfunden, der das alte Klischee der Heinowitze aus den 80ern bedient. Bämm - plötzlich gilt der als cool.
Ich finde das sehr unangenehm und ich möchte ungern jemandem zujubeln, der so verzweifelt alles versucht um mich als Käufer zu gewinnen. Und ich lass mich nicht gerne für blöd verkaufen. Heino leidet, wenn überhaupt, an mangelnden Plattenverkäufen. Johnny Cashs American Recordings gingen mir ab dem dritten Teil zwar auch auf die Nerven, weil es irgendwann zum Cash (hihi) Cow milking wurde, aber dessen Cover Versionen haben durch sehr exaktes und behutsames auswählen und eine besondere Interpretation dem Orignal wenigstens noch etwas hinzugefügt. Eine gewisse Deepness. Von Heino gecoverte Lieder verlieren alles, was sie ausmacht und sie werden nur noch zu leeren Mitgröhlhüllen. Weil man schon merkt, dass sie für ihn selbst keinerlei Bedeutung haben.
Das ist nicht cool. Das ist homeshopping Television das so tut, als wäre es AC/DC.
Das Einzige, das noch nerviger als diese Platte ist: Von solchen Platten stehen uns jetzt mit Sicherheit hunderte ins Haus:
“Andy Borg singt Einstürzende Neubauten”
“Stephan Mross: Meine liebsten Battlerap-Tracks”
“Bata Iliç - Für immer Punk”
Hoffen wir das dieser Popsommer schnell an uns vorbeizieht.
Zum weiterlesen:
- Staiger, Raplabellegende, ist in etwa derselben Meinung wie ich. Danke Form Prim!
- Wie humorbefreit Heino schon in den 80ern reagiert hat, zeigt dieser Artikel von damals sehr gut. Danke Nico!
Hui, also hier ist ja was los! Also eigentlich nicht! Es ist also los, das viel zu wenig los ist!
Habt ihr auch dieses diffuse Gefühl, dass der/die/das Fandom irgendwie so wenig, so unausgeprägt ist? Vielleicht liegt das daran, das die EM kleiner ist als eine WM, aber das reicht mir nicht als Grund. Deswegen war ich für euch ermitteln, auf der Fanmeile. Meine liebste Brause Coca-Cola hat mich eingeladen, mir das Geschehen einmal dort am Brandenburger Tor anzusehen und mich als “Fanreporter” zu versuchen. Und weil ich so einen Quatsch gerne mache und mir wenigstens ein Spiel auch mal dort, auf der Fanmeile, ansehen wollte und weil auch eine meiner liebsten Freundinnen mitgekommen ist und weil der Hermi auch da war - aus all diesen Gründen hab ich das dann einfach mal gemacht. Ich hab fürs bessere reportieren dann auch ein iPad in die Hand gedrückt bekommen. Und durfte das mit nach Hause nehmen. So. Nun ist alles offen gelegt. Wer glaubt, das ich jetzt nicht mehr frei schreiben kann, der möge bitte nicht weiterlesen. Alle anderen: Viel Spass.
So stand ich also da, beim Klassiker Deutschland - Niederlande und hab mir mal angeguckt, was die Menschen immer auf die Strasse hinterm Brandenburger Tor zieht. Das ist, ehrlich gesagt, nicht viel. Also ja, die Stimmung dort ist exorbitant gut. Ich hab eigentlich keine Hauereien sehen können, das ist für so eine Menschenmenge überraschend friedlich abgelaufen alles. Schon mal dufte.
Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt und so mit hab ich auch die Schattenseite einer solchen Grossveranstaltung miterleben dürfen: Lokalradiomoderatoren, die die Menge anfeuern. Abgesehen davon, dass die mir mit dem Vorschlaghammer der Wiederholung, ihren Sendernamen inklusive Frequenz ins Hirn gezimmert haben, waren die sich auch nicht zu blöd, jeden noch so abgedroschenen Fangesang anzustimmen, die wiederum von der Masse sofort aufgenommen und weitergesungen wurden. Ja, das funktioniert zwar, aber ist es deswegen auch gut? Die Spiele, die die zwischendurch gespielt haben, waren so ein bisschen okay (Zwei treten Fitness-mässig gegeneinander an für ein Ticket zum Finale) und so ein bisschen schmerzhaft (Zweier-Teams treten in Fangesängen gegeneinander an). Aber um mich herum wurden die eher nervig gefunden. Naja. Meine Art des moderierens ist dieses “HEY! WIR SIND JETZT ALLE SUPERGUT DRAUF!!!!” eh nicht. Ich bewundere immer Typen, die das können. Ist nicht leicht. Vor allem nicht vor so einer Masse. Dennoch: 2 Gramm mehr Hirn wären auch hier möglich.
Aber alles nicht so wild, ich bin ja nicht da gewesen, um das literarische Quartett zu sehen. Erstmal hab ich sowieso einen alten Freund dort, in diesem VIP-Bereich, wiedergetroffen. Lang haben wir uns nicht mehr gesehen. Ihn zieht es auch immer wieder aus Köln weg, so wie jetzt auch. Da haben wir ein wenig sinniert und über die ganze Welt nachgedacht. Das kann man hier ganz gut sehen:
Nachdem Lukas und ich uns voneinander verabschiedet haben, war auch schon die erste Halbzeit vorbei. Und wir steuerten direkt auf das absolute Highlight der Veranstaltung zu, das noch niemand ahnen konnte. Das Showprogramm auf der Bühne startete etwas lahm mit dem Spruch: “WIR MACHEN JETZT 15 MINUTEN PARTYYYYY!!!!”. Das hab ich schon aufregender gehört. Aber gut. Wir, das heisst unsere kleine Reisegruppe, unterhielten uns und analysierten die erste Halbzeit, wenn wir schon die TV-Analyse nicht sehen durften.
Und da fiel er mir auf. Ein versierter Tänzer, der ein wenig betrunken wirkte, aber dennoch offensichtlich absolut sicher stand. Warum er mir auffiel? Nun ja, er tanzte an einer etwas exponierten Stelle:
Ich bewundere ja immer Leute, die so hammergut klettern können und scheinbar problemlos in so luftige Höhen steigen. Schon alleine dafür hat der Kollege meinen Respect. Das sind richtige Fans, die das machen. Nun, nach einem wilden Tänzchen wurde es ihm ein wenig langweilig und er setzte sich hin.
Da sass er nun und verfolgte das Geschehen. Das Ding war nur: Das Geschehen war plötzlich er selbst. Auf der Bühne sollte gerade Oceana ihren offiziellen EM-Song singen. Nach nur ca. 20 Sekunden wurde jedoch das Playback abgebrochen. Große Verwunderung allenthalben. Sollte die FIFA eingelenkt haben? Nein, das war nicht der Grund für den abrupten Stop der Musik. Nach ca. 10 Minuten hat man auch auf der Bühne den Ampelmann entdeckt (oder ist von den Sicherheitskräften darauf hingewiesen worden) und das musste unterbunden werden. Deswegen plötzlich der dringende Appell des Moderators mit dem vergeblichen Versuch, die Masse gegen den Hochlufttänzer aufzuhetzen:
Zwei Sachen sieht man nicht:
1.) Auf der Leinwand über der Bühne steht groß geschrieben “runter!!!”. Hihihihi!
2.) Auf den Kletterer hat sich direkt eine Fußballmannschaft Securitys gestürzt. Ich glaub nicht, das der nochmal auf die Fanmeile darf. Maike hat das übrigens alles tausendmal besser als ich beschrieben. Und zwar hier.
Auf jeden Fall war die Halbzeitpause dadurch sehr spannend. Das Spiel wurde gegen Ende auch noch mal nägelkauend aufregend und dann war es auch schon plötzlich vorbei. Deutschland hat, nicht schön aber wirksam, sein zweites Spiel 2:1 gewonnen und, vielleicht ein erster Indikator für ausbleibende Superextase im Land, war trotzdem noch nicht sicher weiter. Das ist doch auch bescheuert. Die Leute wollen sich freuen, haben zwei von drei Spielen gewonnen und man muss ihnen als erstes sagen: Du, ihr seid aber noch nicht weiter. Ich glaube dieser Dämpfer, hat die gesamte Stimmung und Euphorie im Land gedämpft. Und die muss man jetzt mühsam wieder hochziehen. Nun ja. Meine bescheidene Psychoanalyse eines gesamten Landes. Gestatten: Bokelberg, Länderpsychologe. Klingt gut!
Nachdem das Spiel gelaufen war, feierten die Menschen noch ein wenig und verschwanden dann peu a peu, bis die Fanmeile wieder leer war und die Musik aus. Ruhe und Müllmänner. Ich mag die Romantik verlassener Feste.
Die große Frage aber blieb und bleibt: Was bleibt von diesem Abend? Lustige “Wir albern rum im VIP-Fotoautomaten”-Bilder? Ja, die auch:
Aber das reicht doch nicht. Wenn ich an die Songs denke, die zwischendurch gespielt wurden, dann wird es mir wieder klar: Deutschland hat keinen EM-Song, vor allem die Fans haben keinen Song! Das ist doch schlimm, das geht doch nicht! Ich, als Komponist und Autor des großen WM-Hymne und Ballade “Instrument der Liebe” muss eingreifen! Sofort wird das redaktionelle iPad mit Garageband angeworfen, um Abhilfe zu schaffen.
Mal überlegen: Worum geht es beim Fansein? Mal überlegen. Wir haben ja so Fanklatschen bekommen, so Pappfächer mit denen man laut klatschen kann. DIE dürfen laut sein. Meine Vuvuzela musste ich aber am Eingang der Fanmeile abgeben, weil, wie mir gesagt wurde, der Veranstalter die nicht da haben wolle. Ich war empört. Zensur ausgerechnet am Brandenburger Tor! Aber gut, was ist denn noch laut? GENAU! Und schon hatte ich den ersten Song parat. Das geklatsche, das man die ganze Zeit im Lied hört, hab ich übrigens mit den original Fanklatschen vom Brandenburger Tor eingespielt. Wahnsinn.
Aber, ach, ich weiss auch nicht. Das ist es noch nicht. Da wollte ich irgendwie nicht hin, das ist so negativ, so anti. Ausserdem der Sound, der klingt so ein bisschen outdated. Wer will denn heute noch Akkustikgitarren mit Orgelsolo hören und leicht übersteuertem Gesang mit aufgesetztem Rio Reiser-Akzent? Also, ich war nicht überzeugt. Deswegen musste ich nochmal ran.
Wenn man sich die Modeblogs ansieht (und ich sehe mir GERNE Modeblogs an - wenn auch nicht wegen der Mode, sondern wegen der hübschen Mädchen), so scheint das 80er-Revival doch immernoch im vollen Gange zu sein. Gut, ausser vielleicht bei Robyn, die sich entschieden hat, das schlimmste aus den 90ern zu tragen und zu verkörpern, aber okay. So sind sie, die Paradiesvögel. Ich hab mich also an der Kühle und Monotonie der 80er orientiert und geguckt, ob sich das mit dem Fansein verbinden liess:
Okay, ganz ehrlich: Das kann man doch nicht gröhlen! Das ist doch ausserdem total unemotional. Nein, nein, nein. So geht es auch nicht.
Ich brauche Emotionen, ich brauche Udo Jürgens Gefühl, ich brauche Fans, am Besten jeglicher Richtung. Ich brauche ein Lied, das alle mitnimmt. Eine Ballade, eine Powerballade! Das ist es! So muss es klappen! Fünf Minuten und sechsunddreissig Sekunden echte Gefühle! (Der eventuell etwas müde wirkende Gesang sei der frühen Stunde der Aufnahme entschuldigt - und der Tatsache das ich kein Studio hab. Aber das ist ja auch nur ein Demo…) Für mich ganz klar der Nachfolger des großen “Instruments der Liebe”:
EM gerettet.
Heute bitte gegen Griechenland gewinnen.
Und hier noch ein frisch gemachtes Poster meines Fanmeilenhelden:
Ich hab seit Kurt Cobain um keinen Star mehr geweint. Weil mir das absurd schien, weil mich der (zusätzlich verstärkend auch noch “freiwillige”) Tot von Cobain so mitgenommen hat. Ich sass einen ganzen Tag heulend in meinem Zimmer. Ich war aus sehr egoistischen Gründen traurig. Warum auch sonst, ich kannte den ja gar nicht. Aber der hat mir, hat meinen Gefühlen eine Stimme gegeben. Hat mich auf eine ganz gewisse Weise verstanden. So wie eigentlich nur Musiker das können, so wie das nur Songs können. Und dann ist der plötzlich weg und wird nie wieder etwas machen, wird mich nie wieder verstehen, wird mich nie wieder verstärken. Und diese Endlichkeit, dieses “nie” hat mich dann so fertig gemacht und so traurig, das ich geweint habe. Ein totaler Verlust für mich, für meinen Geist, für den Teil meines Hirns, der Inspiration, der die Kreativität von Anderen braucht, um zu überleben. Ich hab mir geschworen, dass mir das nie wieder passieren wird. Dass ich mich nie wieder so auf einen “Star” einlasse.
Und jetzt laufen mir hier die Tränen aus den Augen, weil ich über die Google Bildersuche nach Bildern von Adam Yauch suche.
Yauch war besser bekannt als MCA, ein Drittel der Beastie Boys. Die Beastie Boys begleiten mich seit frühester Jugend. Es ist eine lange Liebe und, wie in einer richtigen Beziehung, auch eine, die mal stärker, mal schwächer war. Es gab Zeiten, da haben die mich so unglaublich gelangweilt. Nur um mich dann mit dem nächsten Album wieder umzuhauen, wegzublasen. Ich hab die zu “Hello Nasty”-Zeiten sogar mal live in Köln gesehen und fand es, ehrlich gesagt, ein kleines Bisschen langweilig. Umso mehr hab ich mich über das letzte Album gefreut und sogar auf eine neue Tour spekuliert. Ja, da wusste man schon, das MCA Krebs hat, aber es hiess andauernd, es würde ihm wieder besser gehen. Und wenn man so etwas über jemanden hört, dann vergisst man irgendwann nachzufragen. Man vergisst nachzuhorchen, zu gucken ob es wirklich besser geworden ist oder vielleicht doch wieder schlechter. Vor zwei Wochen, als die Beastie Boys einen Preis bekommen haben, war er schon gar nicht mehr dabei. Dieser Tot war also nicht plötzlich und trotzdem kommt es einem so vor. Weil man nicht mehr nachhorcht.
Ich werde die Beastie Boys nie wieder live sehen. Sie werden nie wieder eine neue Platte machen. Die Welt ist so viel ärmer ohne die kompromisslose Kreativität dieses wahnwitzigen Trios. Ich vermisse jedes Lied, das sie nicht mehr schreiben konnten.
Fuck Alter. Du fehlst mir. Mir ganz allein. Ganz egoistisch.
Machs gut. Machs verdammt nochmal gut. Und danke für alles, was du mir gezeigt hast.
Wahrscheinlich soll man das gar nicht machen. Ich hab aber gerade so Bock drauf. Deswegen hier, völlig aus dem Zusammenhang gerissen, ein klitzekleiner Ausschnitt. Kurz vor der Climax:
Alles ist anders geworden. Scheidungskinder sind mittlerweile die Regel, nicht mehr die Ausnahme. Zumindest in der Stadt. Liebe funktioniert nicht mehr. Die Liebe ist im Arsch. Wir haben die genauso kaputt gemacht wie die Meere, den Regenwald, die Ozonschicht, Afghanistan, Hiroshima, das World Trade Center. Liebe ist nur noch ein Witz, eine Erinnerung. Ein Märchen das man den Kindern abends erzählt, damit sie überhaupt noch einen Grund darin sehen können, zur Schule zu gehen und einen “Alltag” zu leben. Wie hat Thomas D. so schön auf der Lauschgift gerappt: “Love sucks”. Genauso ist es. Wir wollen die Liebe der 50er, mit der Freiheit der 60er, den Sünden der 70er, dem Status der 80er, dem Glück der 90er und dem Besten von Heute. Aber das geht nicht. Liebe ist kein Radiosender, der damit durchkommt nur Scheisse zu senden, weil es keine Alternative gibt. Liebe muss ganz sein. Und weil heute keiner mehr was ganzes will, sondern nur noch ein bisschen von jedem, töten wir die Liebe. Machen sie kaputt. Lassen sie ausbluten und stellen sie zur Schau, in Formen die wir für romantisch halten. Liebe ist eben keine Pose, keine Haltung, keine Glaubensfrage. Liebe ist das genaue Gegenteil von Rosenstolz. Liebe ist echt. Und das macht es ihr schwer, in diesen Plastikzeiten, in denen man für Authentizität am ehesten abgemahnt wird.
Ausschnitt von was, fragst du? Das kann und will ich dir noch nicht verraten.
Wie passt all das zusammen? Was ist da los im Hause Nilzenburger? First things first. Ich kann das alles erklären:
Die Firma simyo kam vor der Re:publica auf mich zu und fragte mich, ob ich Lust hätte das iPad2 zu testen. Mit eben einer simyo-Simkarte drin. So das ich auch testen sollte und könnte, wie sich diese Kombi unterwegs so macht. Meine Herren, hab ich lange mit mir gehadert. Das ist ja Werbung, andererseits will ich so ein Teil mal ausprobieren. Andererseits verkaufe ich mich doch. Aber es geht um ein iPad2 und vielleicht darf ich es auch behalten und wenn es mir nicht gefällt, dann hab ich es wenigstens ausgiebig getestet! Aber es geht doch gar nicht um den Test des Geräts, sondern der mobilen Flatrate! Naja, ihr merkt schon, es wurden heftige Kämpfe in meinem Inneren ausgefochten. Ich habe mich dennoch dafür entschieden, meine Neugier auf das Gerät hat einfach gesiegt. Und wenn du das jetzt billig und nuttig und unweltfriedisch findest, dann tut mir das ehrlich leid. Ich verlöre dich ungern, kann es aber ein kleines Bisschen verstehen. Naja. ein klitzekleines Bisschen. Denn mal ehrlich: Allzu Hardlinermässig macht das hier doch auch alles keinen Spass. Puh. Ich fange schon wieder mit Rechtfertigungen an. Weg damit! Ich habs getestet und ich hab es gerne getestet und ich finds cool, das die simyo-Leute mir das Teil gegeben haben. Denn es gibt sicherlich technisch versiertere Blogger, bei denen etwas anderes als finaler Test-Artikel raussprang, als hier bei mir. So. Und das war erst die Einleitung.
Arbeiten wir doch die Überschrift der Reihe nach ab:
Abgewehrte Lebensgefahr
Ich habe mir vor guten 2,5 Jahren mein MacBook gekauft. Unibody. Und ich muss wirklich sagen, das ich in meinem ganzen Leben mit keinem Computer glücklicher und zufriedener war, als mit dem. Der macht alles, kann alles und hält alles aus. Irgendwie. Ich mache den quasi nie richtig aus, nehme den zum auflegen in Clubs mit, wo schon mal Getränke rumfliegen können, schleppe den tagelang in Taschen rum: Aber er
läuft immernoch wie eine Eins. Gut, mit Abstrichen und einen neuen Akku braucht er auch. Und eine neue Festplatte. Aber im Großen und Ganzen: So viel unkomplizierten Spass hatte ich mit keinem PC. Tolles Ding.
Ich hab zu Hause dieses Ikea-Kissen, bei dem die eine Seite Hartplastik ist, so das man da den Computer draufstellen kann und die untere, weiche Kissenseite auf seinen Schoss legen kann. Da steht mein Rechner quasi immer drauf. In letzter Zeit hatte ich ein paar Probleme mit dem Ladegerät. Da war irgendwie ein Wackler drin, weiss auch nicht. Ging immer an und aus. Und eines Abends ging das kleine LIchtlein auf dem Stecker, der ins Macbook geht und es mit frischem Strom versorgt, ein für alle Mal aus. Ich hab ein bisschen am Kabel gezurrt und gewackelt. Ich hätte das Lichtlein gerne wieder angehen sehen. Traurig blickte ich auf den Stecker. Er spuckte ein kleines Rauchwölkchen aus. Eher ein kleiner Rauchring. Richtig schön war das.
MOMENT MAL?!?!?! RAUCH?!?!??! Schnell zog ich den Stecker ab, der nicht mehr rauchte. Und warum nicht? Weil er mittlerweile brannte.
MOMENT MAL?!?!?! FEUER?!?!??! Schnell pustete ich den Stecker aus und zog ihn aus der Steckdose (ja, dämliche Reihenfolge, aber Panik!).
Jetzt stieg mir auch dieser ätzende Geruch verbrannten Plastiks in die Nase. Nicht zu fassen. Der Stecker meines Computers hat gerade gebrannt.
Man stelle sich mal vor was passiert wäre, wenn ich geschlafen hätte oder nicht drauf geachtet. Nein, man stelle sich das lieber nicht vor. Jetzt habe ich auf jeden Fall eine Ahnung, wie so Hausbrände immer so entstehen können, das es keiner mitbekommt. Wundert einen ja immer. Anscheinend geht so etwas aber schneller, als man denkt. Gruselig.
Nun sitze ich also da, die Stromversorgung meines Computers mit schlechtem Akku wird sich in den nächsten 20 Minuten verabschieden und ich führe ein wahnsinnig interesantes Gespräch via Skype. Ach so: Es ist Sonntag Abend. Die grünen Akku-Füll-Anzeige-Lichtchen am linken unteren Rand meines Computers blinken immer weniger. Gleich bin ich weg. Nur noch kurz. dann war es das für heute mit der Kommunikation.
Ach! Hey! Ha! Wie geil ist das denn? Da liegt ja das iPad! Also hat sich dieser 4-Wochen-Test schon volle Kanne gelohnt: Er hat mir diesen Abend gerettet, an dem ich fast hätte gerettet werden müssen. Olé!
Weiter geht es mit:
EIN TESTVERSUCH
Ich muss mir nochmal klar machen: ich soll hauptsächlich testen, wie das iPad mit der simyo-Flatrate zusammenarbeitet. Gut. Aber wie schreibt man dazu einen Testbericht, der länger als ein Bierdeckel ist? Verdammt nochmal, womit füllen eigentlich Mobilfunkmagazine ihre Seiten? Das ist ja unglaublich! Ganz klar, ich werde viele Grafiken und Diagramme anfertigen müssen.
Somit dürfte schonmal was zum Empfang gesagt werden. Der war eigentlich immer gut. Okay, die nutzen eh das Eplus-Netz und ich bin da als Telefonkunde schon seit Jahren und hatte nie Probleme, von wegen Empfang, also hat mich das jetzt auch nicht weiter überrascht. Meine Güte. So schreibt man Handynetztestberichte? Das ist ja total langweilig! Eine neue Grafik muss her!
Und auch wenn mir die Leute aufs Display geglotzt haben und beobachten durften, wie ich mich über die grottig funktionierende Facebook-App “Friendly” geärgert habe - das war mir egal, denn ich konnte jetzt aus der U-Bahn Statusupdaten und sogar Fotos machen! Hurra! Nie wieder langweilige Bahnfahrten! Ich war gerettet! (Bis auf diese eine Fahrt nach Köln: Der Zug war oberproppevoll. Ich hab zusammen mit einer Freundin glücklicherweise einen Superplatz (den sie sofort entdeckt hatte) bekommen. Aber kein Stecker und der iPad-Akku war fast leer! Warum werden auf der Strecke Köln-Berlin immer die alten ICEs eingesetzt? Was haben wir der Bahn getan, das sie uns so hasst?!?!?! Ich war kurz davor, die aktuelle “mobil” zu lesen!) Und wenn man mal keine 3g-Verbindung hat, dann wartet man mal ein bisschen, dann ist die meistens schnell wieder da. Was aber tun, wenn die Verbindung ausbleibt?
Sollte also mal kein Empfang sein, dann muss man nicht verzagen. Es geht immer irgendwie weiter. Wirklich. Aber ausbleibender Empfang ist selten und die Flatrate funzt. Ich glaube auf jeden Fall, das ich das monatliche Limit (noch) nicht erreicht habe. Und ich hab echt immer und überall Mails gecheckt. Scheint also in Ordnung zu gehen. So. Das war der fachliche Teil meines Artikels. Jetzt wird es zum Ende nochmal so richtig emotional:
Die bevorstehende Trennung einer großen Liebe
Ich wollte bis zum Schluss nicht einsehen, das dieser Moment kommen würden müsste, aber er rückte unaufhaltbar näher und irgendwann konnte ich ihm nicht mehr entgehen: Die 4 Wochen Testzeit waren vorbei und ich würde das iPad wieder zurückschicken müssen. Nun, wenn man mich die letzten Tage gefragt hat, wie mir das Gerät gefällt, habe ich immer gesagt: “Gut, aber ich weiss noch nicht so richtig, wo und wie ich es einsetzen soll…” Natürlich eine absolute Lüge, mit der ich cool tun wollte. Vielleicht auch um es dem iPad und mir nicht so schwer zu machen, wenn wir uns “Lebe wohl” sagen müssen. Aber das ist nun nicht mehr möglich. Es muss raus. Dieser Liebe zwischen dem Gerät und mir, die ist mehr als die normale Liebe eines Menschen zu einer Maschine. Ich habe dazu (selbstverständlich mit dem äusserst exzellenten “Garage Band” fürs iPad auf dem iPad) mal folgendes verfasst:
Dazu bleibt nicht mehr viel zu sagen. Und wo Worte nicht mehr weiterhelfen, vielleicht als Abschluss nur noch ein Bild, aus den glücklichen Tagen, als das Gerät und ich noch zusammen waren:
Oh Mann. Manchmal unterschätzt man dann das Aufregepotential der Menschen doch.
Ich denke es wäre schön, wenn wir das rauchen und das nichtrauchen freundschaftlich und mit Rücksicht aufeinander lösen könnten. Ja, es wird immer Unverbesserliche geben und ja, ein Raucher ist für seine unmittelbare Umgebung auch noch ungesünder als ein Nichtraucher (so lange dieser nicht zum Beispiel mit einem Maschinengewehr schiesst…;)). Aber wenn alle aufeinander zugehen, Raucher öfter mal Fishermens futtern und wir uns darauf besinnen, das wir uns doch eigentlich alle mögen, dann sollte das doch alles auch möglich sein, ohne Bestimmung von oben herab, oder?
Bitte. Und damit würd ich das (anstrengende) Thema auch gerne beenden, sonst fang ich hier noch wieder an zu rauchen…;)
Wir versuchen gerade Shakespeares Stück, das ja im Prinzip heute Abend vor ein paar hundert Jahren spielt, auf Twitter aufzuführen. Dazu müssen wir alle Rollen besetzen, noch einen Erzähler ausmachen, der die “Regieanweisungen” erzählt und uns noch alle auf ein Hashtag einigen, damit man das Stück auch quasi als ganzes verfolgen kann. Der Einfachheit halber bin ich da ja für #mst, weils auch schön kurz ist. Ich werde hier die Besetzungs-Liste ständig updaten, bis wir komplett sind und dann sollte es losgehen. Ach ja: Im dialog mit zwei oder mehreren Rollen natürlich per @-reply antworten, ist ja klar.
Wir halten uns an den Text bzw. die Übersetzung, die man hier finden kann.
Die Besetzung:
- @VolkerK47918 als Oberon
- @kotzend_einhorn als Bohnenblüte
- @HilliKnixibix als Hippolyta
- @jottpunkt als Flaut
- @emmazissou als Puck
- @hdsjulian als Zettel
Okay, ich hatte letzte Nacht einen wirklich unglaublich strangen Alptraum aus dem ich klopfenden Herzens erwacht bin und ich frage, wo der eigentlich herkommt:
Ich bin also in diesem riesengrossen Gebäude unterwegs, von dem ich nicht genau weiss, wozu es eigentlich gebaut wurde. Die Räume sind auf jeden Fall alle irrsinnig hoch und unheimlich, weil leer und hallend und spärlich beleuchtet und überhaupt: Wir befinden uns hier schliesslich in einem Alptraum. Also, das habe ich in dem Traum natürlich nicht gedacht, aber das habe ich jetzt geschrieben um euch das nochmal deutlich zu machen.
Ich laufe also da rum und dann komme ich zu einer Art Aussenraum. Also, das war noch nach aussen hin irgendwie geschlossen, aber total weitläufig, vielleicht vergleichbar mit einem Stadion. Und man konnte auf einer runden Fläche gehen, so wie ein riesengrosser Ring. Ein bisschen wie diese Ringe, auf denen die Diskuskämpfer im ersten “Tron” stehen. Nur viel, viel grösser und mit Gebäudeelementen, vom inneren Gebude, das in der MItte des Rings liegt, aber irgendiwe nicht mehr zu betreten war. Ein paar Säulengänge gingen zwar von dem Ring ab in die MItte, aber da war kein reinkommen. Man war auf diesem Ring quasi isoliert. Zum späteren Verständnis muss ich noch darauf hinweisen, das die Säulen der Säulengänge auf dem Ring standen, die Gänge aber erst dahinter wirklich losgingen. Somit waren es also fast freistehende Säulen.
So. Ich steh da also so rum und wunder mich was ich da mache und was ich da soll. Und da gehen die Gänge zum Zentrum auf und eine Menge Leute stürmen heraus. Viele kenne ich persönlich, viel mehr von denen hab ich schonmal gesehen, kann sie aber noch nicht so richtig einordnen. Aber etwas haben alle gemeinsam: Angst im Blick. Ich kann noch nicht so richtig erkennen warum. Da kommt der Grund auch schon herbei: Dr. Ludwig Dressler. Der aus der Lindenstrasse. Aber nicht im Rollstuhl, also war das wohl der Schauspieler des Dr. Dressler. Und der sah sehr verstört aus. Und hatte eine Waffe in der Hand. Und er erklärte mir was, wobei da die Erinnerung kurz unscharf wird, weil ich nämlich auch das Fragment einer Nachrichtensendung erinnere (warum auch immer ich eine Nachrichtensendung zur dramstisierung des eigenen Traumes träume…), in der sie die catchy Punchline “Dressler dreht durch” aufwendig in Szene setzten und verwendeten. Also, es kann auch sein das ich die folgenden Fakten aus dem Nachrichtenflash meiner nächtlichen Nachrichtenverarbeitung habe, das weiss ich nicht mehr genau. Auf jeden Fall war es so, das Dressler bzw. sein Schauspieler (dessen Name nie genannt wurde, es ging immer um “Dressler”) mich und alle meine Facebook-Freunde und Twitter-Follower als Geiseln genommen hat und androhte jede Stunde irgendwen von denen zu erschiessen, wenn seine Forderungen (an die ich mich nicht mehr erinnere) nicht erfüllt würden.
Die Erfüllung der Forderungen liess auf sich warten. Es war auch nicht so richtig klar, wem er die überhaupt gestellt hatte. Der hat alles immer einfach nur rumgebrüllt. Er musste also sein erstes Opfer finden. Und bewegte sich langsam über den Ring. Alle rannten vor ihm weg und ich hatte natürlich eine gewisse Pflicht für die Geiseln, weil sie ja alle durch mich da gelandet waren, auch wenn ich da nicht wirklich was für konnte. Während alle flohen stellte ich mich also hinter eine der freistehenden Säulen und hatte plötzlich eine Pistole in der Hand. Dresselr hatte zum Glück die Angewohnheit immer laut anzukündigen, wo er gerade war, deswegen konnte ich gut hören, als er mir sehr nahe war. Ich sprang aus meinem Versteck und schoss in seine Richtung, bzw. wo ich ihn vermutete. Und traf ihn direkt zwischen die Augen. Das war ein supergruseliger Moment, weil ich ihm noch in die Augen blickte, als er dann regungslos zusammensackte.
Aber alle Anwesenden freuten sich und jubelten und feierten und nannten mich einen Held. Nur ich konnte mich damit nicht so richtig anfreunden. Die ganze Zeit verfolgte mich sein “letzter Blick” in Gedanken.
Das sind die Zutaten, die zu so einem Lied führen. Vielleicht sollte ich mir auch mal so eine Loop-Station holen? Ich hätt ja schonmal Bock drauf und Gesangsloops in Garage Band zusammen zu schneiden, ist nun auch nicht der wahre Jakob. Hier das Lied. Nennen wir es einfach mal:
P.S.: Ich habe den Text ebenfalls heute Morgen geschrieben und als ich ihn dann einsang fiel mir auf, das ich eine Zeile vergessen hatte und ich musste improvisieren. Diese Zeile ist tatsächlich auch die schlechteste im ganzen Lied. Welche mag das nur sein? :)
Puh. So viele Baustellen zur Zeit. Und der Weltfrieden muss sich mal wieder aufregen. Aber keine Sorge: Jetzt kriegen einmal alle ihr Fett weg und dann wird die frisch auferstandene Sonne genossen!
- Käßmann tritt zurück, weil sie besoffen erwischt wurde am Steuer ihres Dienstwagens. Und alle tun so, als wäre das selbstverständlich. Da schleuder ich den moralischen Sittenwächtern der CSU zum Beispiel mal ein freudiges “Fuck you!” entgegen. Ich weiß nicht wie oft diverse Posten und Pöstchen-Besetzer dieser Partei schon beim drunk driving erwischt wurden. Aber klar, da ist das normal. Die Bayern eben, sind ja eine Bierkultur. Da klopft man sich auf die Schulter und lacht ein bisschen drüber und gut ist. Ich finde Käßmanns Reaktion konsequent. Wenn ich sie (also, die Reaktion) auch scheiße finde. Aber die Lady hat meinen tiefsten Respect und es würde vielen anderen Politik- und Kirchen-Vertretern gut zu Gesicht stehen, daraus zu lernen, was es bedeutet k o n s e q u e n t zu sein. Allein, sie werden es nicht checken. Und die katholische Kirche um Bischof Mixa ist eh heilfroh mit ihrem geradezu systematischen vertuschen von Kindesmissbrauch aus der Schusslinie zu geraten. Aber sorry, liebe Katholiken, ihr könnt nichts für eure Vorsteher, ich möchte denen aber das noch mit auf den Weg geben: Euer Gott is not amused.
- A propos “not amused”: Das ist auch die Bunte nicht, weil sie Wettbewerbsverzerrung von Seiten des “Stern” vermutet. Der schreibt in seiner aktuellen Ausgabe (mit einem mir wirklich angsteinjagenden Von-Der-Leyen-Hardliner-Cover), das die “Bunte” eine Fotoagentur damit beauftragt hätte, Politiker geradezu systematisch zu überwachen und zu bespitzeln um eine super Story draus zu kriegen. Die “Bunte” streitet alles vehement ab und schreibt in ihrer Pressemitteilung zu dem Fall:
BUNTE hat den Inhaber der Berliner Presse- und Fotoagentur, Stefan Kießling, zu den im Stern erhobenen Vorwürfen um Auskunft gebeten. Stefan Kießling hat der BUNTE-Chefredaktion versichert, dass seine Agentur die im Stern gemutmaßten unlauteren Recherchemethoden nicht angewendet hat. Ferner erklärte er, dass er sich von zwei ehemaligen Mitarbeitern, auf die sich der Stern als Informanten beruft, im April 2009 im Streit getrennt habe.
Der Stern schreibt in seinem diffamierenden Artikel, dass privat sei, was beruflich/politisch keine Relevanz besitzt. Im Fall Seehofer hat der Stern ebenfalls mit der Agentur CMK zusammengearbeitet und ein CMK-Foto der Seehofer-Geliebten mit Kind veröffentlicht.
Das schreiben die ohne Rot zu werden. Das veröffentlichen die ohne Rot zu werden. Das vertreten die ohne Rot zu werden. Nochmal: Die “Bunte”. Ein Heft über Promi-Klatsch und Tratsch, das nur davon lebt, Paparazzi-Fotos zu veröffentlichen, Prominente dazu zu bringen, ihre persönlichen Geschichten in einem wenigstens selbstgesteckten Rahmen bei ihnen zu veröffentlichen, bevor sie sich selbst etwas schlimmeres zusammenreimen. Die gleiche Zeitung spricht von der “diffamierung” durch einen Mitbewerber (Wobei ich mir auch denke, das der Stern das nicht so gerne hören wird, quasi direkter Konkurrent ausgerechnet der “Bunten” zu sein). Wenn es nicht so egal wäre, ich würde vom Glauben abkommen. Was ist mit den Luten nur los?
- A propos was ist mit den Leuten nur los? Dazu brauch ich nur zwei Worte: Guido. Westerwelle. Ich halte die FDP für eine wirklich komplizierte Partei. Ich kenne zumindest keine, in der so viel unterschiedlich fähiges Personal auf einem Haufen ist, wie bei den Liberalen. Wenn man an die Grand Dames und Seigneurs denkt wie Hamm-Brücher oder Genscher und sie in den direkten Vergleich zu Leuten wie Möllemann oder eben jenen Westerwelle stellt: Da tun sich Welten auf. Und wenn man dann noch so unmenschlich, unsozial, unrealistisch und unüberhörbar argumentiert und disst wie unser Aussenminister es gerade macht, dann kommt einem, pardon, einfach nur noch das kalte Kotzen. Westerwelle spielt sich auf wie der Robin Hood in “Time Bandits” wenn er sagt: “Die Armen sind arm, deswegen heissen sie ja auch arm.” Konkrete Änderungsvorschläge? Fehlanzeige. Armenbashing zur Verbesserung der Umfragewerte? Bingo! Und auch wenn jetzt viele sagen: Im Kern hat er ja recht, wir müssen mal über Sozialleistungen reden und wie sie sich finanzieren lassen und wie wir den Ärmeren in unserer Gesellschaft wieder auf die Beine helfen, so stimmt das zum Teil, wird mich aber nicht davon abhalten Westerwelle weiterhin zu sagen, das diese Form der Kampagne auf dem Rücken von denen, die sich nicht wehren können, absolut abscheulich und verachtenswert ist. Die Debatte über das Sozialsystem ist etwas ganz anderes. Die muss auch woanders (und unter weniger diffamierenden Sprüchen) geführt werden. Nicht in der Debatte über Westerwelles verbale Erniedrigiungen.
- A propos “Kotzen”: Ich habe hier noch einen angefangenen Artikel rumfliegen, den ich dann doch nicht zu Ende schrieb, weil ich das Gefühl hatte, in der Sache wäre schon alles gesagt. Und ich tu mich schwer, da jetzt noch etwas sinnvolles hinzuzufügen. Und was ich nun schreiben werde, klingt in gewisser Weise arrogant und belehrend. Oberlehrerhaft. Deswegen sträube ich mich so dagegen, das zu schreiben. Aber nachdem ich im letzten Sonntagstagesspiegel noch ein Interview gelsen habe, muss es einfach raus: Mein Senf zum Feuilleton-Skandal um Helene Hegemann und ihr abschreiben aus “Strobo” für ihr Buch “Axolotl Roadkill”. Ich schreibe extra nicht “plagiieren” oder “kopieren” oder “remixen” (das am allerwenigsten), weil das Worte sind, die den Sachverhalt verwässern. Das Mädchen hat abgeschrieben. Punkt. So wie man das aus der Schule damals kennt: Man schreibt ab, gibt es aber unter seinem eigenen Namen beim Lehrer ab in der Hoffnung, dafür gelobt zu werden. Da geht es nicht um Quellen, oder gar um “Quellenangabe vergessen” oder um “nicht dran gedacht”. Da geht es darum, gut da zu stehen. Gerne auch mit der Leistung anderer, wenn die eigene nicht mehr reicht. Und das hat Hegemann gemacht. In der ersten Pressemitteilung, nachdem Deef die ganze Chose aufgedeckt hatte, hat sie sich noch einigermassen annehmbar entschuldigt. Aber alles was danach kam, machte alles immer schlimmer und es wurde immer klarer: Dem Mädchen ist zu keinem Cent bewusst, was sie da eigentlich gemacht hat. Nun mögen alte Feuilleton-Säcke das ganze charmant und “jugendlich unbedarft” finden, ich finde es erschreckend. Aber es erinnert mich. Und jetzt kommt der schlimme Part, den ich oben angedeutet habe:
Ich habe damals mit 17 beim Fernsehen angefangen. Und ich habe, vor allem die erste Zeit zum ersten Hype, wirklich gedacht mir scheint die Sonne aus dem Arsch. Es ist in dem Alter auch wirklich verwirrend mit Ruhm und ähnlichem umzugehen. Was es nicht weniger Reizvoll macht. Nun war ich zu der Zeit ehrlich gesagt sicher nicht im Stande, mich so eloquent auszudrücken, wie Hegemann das tut und ich habe auch kein Buch geschrieben, sondern “nur” mein Gesicht für einen Musiksender in die Kamera gehalten. Trotzdem masse ich mir an zu wissen wie es ist, in dem Alter mit den Medien umzugehen. Es macht Spass, kann manchmal etwas stressig sein, aber im grossen und ganzen geniesst man doch diesen Zirkus, der um einen herum veranstaltet wird. Und da erzählt man Sachen, oh Boy, ich bin froh das das meiste davon wieder irgendwo verschwunden ist. Ich erinnere mich an vieles, für das ich mich heute ein bisschen schäme. Und an ein Bisschen, für das ich mich heute viel schäme. Und ich weiss: In ca. 10 Jahren wird es Helene Hegemann genauso gehen. Vielleicht hat sie ja bis dahin mal ein Buch geschrieben, das komplett ihrer Feder entstammt. Vielleicht weiss sie dann, was das für eine Arbeit ist (sie kokettiert ja jetzt schon damit, das ihr das schreiben von “Axolotl Roadkill” nicht wirklich Spass gemacht hätte, aber das ist, relativ offensichtlich, eben genau das: Koketterie). Vielleicht reflektiert sie bis dahin mal ihr eigenes Handeln. Nur um mich nicht falsch zu verstehen: Ich bereue nichts was ich getan habe und ich habe damals schon einen guten Job gemacht. Nur beim drumherum hätte ich manchmal eher meine Klappe halten können…:) Ich finde es auf jeden Fall nicht richtig, das Hegemann, die ja für sich selbst in Anspruch nimmt, bitte nicht auf ihr Alter reduziert zu werden, mit Samthandschuhen anzufassen. Ich hatte damals glücklicherweise Freunde im direkten Umfeld, die mir, wenn es nötig war, gehörig den Kopf gewaschen haben. Das hat sie leider offensichtlich nicht. Schade um ein junges Talent (das sie scheinbar ist), das jetzt verheizt wird. Aber da nimmt sich das hochgestochene, sich niemals irrende, der wahren Kultur verpflichtete, arrogante bildungsbürgertümliche Feuilleton nichts, absolut gar nichts mit dem Boulevard. Nur die Schiessbudenfiguren sind andere.