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Arr Arr Arr! Und ne Buddel voll Ruhm! (UPDATE)

Piraten. Ein tolles Volk. Wer hat nicht schon immer dazugehören wollen? Wer erinnert sich nicht an unzählige Variationen der Schatzinsel, aus seiner Jugend? Wer wollte nicht schon immer mal eine Karte haben, auf der das X den Schatz markiert?

Im Moment markiert das X aber leider etwas ganz anderes. Aber von vorne:
Die Piraten sind angetreten, der deutschen, politischen Landschaft in den Arsch zu treten. Und zwar nicht ironisch/satirisch wie DIE PARTEI von der Titanic, sondern ernstgemeint. Absolute Kernkompetenz ist dabei das Netz, und alle Themen die dazu gehören. Eine Partei die aus dem Internet kommt, sich da gefunden hat und es jetzt tatsächlich auch geschafft hat, auf der politischen Agenda zu erscheinen und Themen zumindest mitzudiskutieren. So weit, so grundsympathisch.

Ich gebe gleich zu Beginn zu: Die Piraten sind für mich noch keine Alternative zur Wahl. Mir ist das noch ein bischen zu wenig, sich hauptsächlich auf Netzthemen zu konzentrieren. Ja, ich weiß, da kommen noch andere Themen auf den Plan. Man ist ja gerade erst in der Parteigründung. Man fängt ja gerade erst an. Man tut dies, man tut das. Dafür habe ich Verständnis und ich wünsche denen alle Zeit der Welt, sich zu finden, die eigenen Themen zu setzen und ein klares Programm zu haben, mit dem sie antreten können. Da haben die ja im Prinzip 4 Jahre Zeit für, niemand erwartet das sie zur kommenden Bundestagswahl als komplette Partei da stehen.

Ausser vielleicht sie selbst.

Am Wochenende war der grosse Bundesparteitag der Piraten in Hamburg und wer heute seine Twitter-Timeline las, der kam um das große Thema nicht drumrum. Werden Parteitage aber in der Regel dafür genutzt, geschlossenheit zu demonstrieren, Kandidaten zu präsentieren und überhaupt den Schwung einer großen Versammlung als mediale Inszenierungsplattform zu nutzen, so machen die Piraten das etwas anders: Sie beginnen sich zu zerfleischen. Nein, falsch. Sich zerfleischen zu lassen. Schon eher. Dabei gibt es mehrere Schalchtfelder. Aber eines eint sie doch alle: Egal wo sie aufpoppen, immer kriegen die Piraten auf die Mütze und (fast) immer werden die recht schnell pampig. Das ist leider doof. Und manchmal sogar unverschämt. Klar, ich verstehe deren Gereiztheit, es ist auch sicher alles andere als lustig, dauernd in der Defensive zu sein. Aber zwischen “selbstbewusst zur eigenen Agenda stehen” und “beleidigt Kritik abbügeln” besteht nunmal ein Unterschied.

- Erstmal ein etwas alberner Punkt, der aber ganz gut eine gewisse Unsensibilität mit aktuellen Schlagworten zeigt. Das ZDF hat eine Online-Umfrage gestartet, in der es um die Frage nach der Sperrung von Internetseiten ging, Stichwort Stop-Schild. Schnell tauchten die PiratenPartei-tweets auf, man möge doch schnell dahin gehen und abstimmen. Bekanntermassen stehe ich dem kommenden Gesetz auch sehr skeptisch gegenüber. Aber ich halte Online-Umfragen nicht nur für gähnend unrepräsentativ, sondern die Manipulation derselben auch noch für bescheuert. Denn ja: Wenn ich den Link veröffentliche und sage “Geht da schnell klicken!”, dann ist das eine Manipulation. Das soll ja keine Wahl sein, on man dafür odr dagegen ist, sondern interessierte nach ihrer Meinung fragen. Nun sind die vielen Menschen, die den Links folgten, nicht auf der Seite vom ZDF gewesen, weil sie da eh immer lesen, sondern nur um schnell in ihrem Sinne abzustimmen. Sorry, aber dieses Verhalten kenne ich hauptsächlich von Paranoiden-Blogs wie PI, die schnell ihre paar bekloppten Leser mobilisieren, wenn es irgendwo im Netz, und sei es auf der Seite von Lieschen Müller, die Chance gibt gegen die von ihnen groß gefürchtete Islamisierung Europas zu stimmen. Nur um danach das Resultat als angebliche “Stimmung in der Bevölkerung” zu verkaufen. Das haut nicht hin. Nun hat das ZDF den plötzlichen Anstieg der abgegebenen Stimmen bei dem Poll bemerkt und diesen dann einfach so vom Netz genommen. Und dann kams: Dutzende tweets in denen was stand vom “Zensierten Deutschen Fernsehen”. Ja, ihr habt richtig gelesen. Das muss man sich mal vorstellen. Ich bekomme mittlerweile fast Mitleid mit dem Begriff “Zensur”, weil der ja im Moment für alles herhalten muss. Eine bedacht, vorsichtige Anwendung des Terminus findet leider nicht mehr statt. Und das ist ein Problem. Finde ich. Im Übrigen: Markus Trapp von Textundblog.de schrieb eine Mail ans ZDF, mit der Frage was mit der Umfrage passiert wäre (und einem aüsserst rhetorisch albernen Kniff, das dem ZDF auf jeden Fall schlechte Absichten unterstellte, so oder so) und bekam in seinen Kommentaren sogar eine Antwort vom Redaktionsleiter von Heute.de, in dem er nochmal erklärte, das er keine Lust auf manipulierte Umfrage-Ergebnisse hätte. Was danach in den Kommentaren passiert, muss ich wohl kaum erzählen. Aber man muss es auch nicht lesen. Selbstgerechtes Ich-habe-ein-Recht-auf-Transparenz-wenn-ich-sie-will-Gelaber. Schrecklich. Zugegeben, keine originäre Piratenaktion, aber das ganze “Das ZDF zensiert”-Gezwitscher kam hauptsächlich über Piraten-Follower und ich unterstelle da einfach mal eine gewisse Affinität.

- Eine andere Diskussion, ein anderes Thema. Und ein äusserst schwieriges dazu. Es geht um Urheberrecht. Ich bin da in einer Diskussion gelandet, tatsächlich ursprünglich aus einem anderen Grund: Viele Piraten pflegen eine sehr, nun ja, laute Abneigung gegen Sascha Lobo, den man wohl am besten als Web 2.0-Impressario bezeichnen könnte, weil er im Online-Beirat der SPD sitzt/sass und die in Netzfragen beraten tut/hat. Dabei war er allerdings nie Parteimitglied. Dennoch sind die Piraten davon überzeugt, das Lobo sie in allen Interviews nur schlecht machen will, weil er für die SPD “arbeitet”. Nun, das ist schonmal ziemlicher Quatsch. Man kann, trotz der absolut desolaten Situation, in der die ehemalige Arbeiterpartei steckt, getrost davon ausgehen das auch für die kommende Bundestagswahl die Piraten wohl kaum die Hauptkonkurrenz für die SPD darstellen. Abgesehen davon finde ich das Lobo schon deutlich mehr für eine positive Aussenwirkung des Netz gemacht hat, als die Piratenpartei bisher. Das aber nur am Rande. Die Diskussion ging dann nämlich um ein anderes Thema: Das Urheberrecht. Von den Piraten kommen da noch keine wirklich schlüssigen Konzepte. Ich hab mal irgendwo gelesen, das sie das Urheberrecht auf 15 Jahre verkürzen wollen. Was natürlich gar keinen Sinn macht. Übergehen wir das einfach mal. Ich wollte die ganze Zeit erfahren, was sie für Konzepte haben. Und habe darauf hingewiesen, das das ja auch branchenunterschidelich ist. Natürlich bin auch ich für die freie Verfügbarkeit wissenschaftlicher Arbeiten. Aber dann müssen die Wissenschaftler trotzdem irgendwie dafür entlohnt werden. Ein schönes Argument, Künstler betreffend, kam mir dann auch ein paar Mal über den Weg: Künstler haben sich damit abzufinden, kein Geld mehr zu verdienen. Sie sollen doch eh Kunst machen, weil sie sie machen wollen, nicht um damit Geld zu verdienen. Arme Künstler seien schliesslich schon immer normal gewesen. Okay, mag sein, aber das muss man ja deswegen nicht gut finden, oder? Mir schlug eine ziemliche Ignoranz, Sorgen der Künstler betreffend, entgegen, was sicher dazu führt das selbige sich im Moment noch eher von rhetorischen Luftblasen wie Gorny sie absondert vertreten und vor allem ernstgenommen fühlen, als von Piraten, die zwar betonen NICHT für illegale oder legale Umsonst-Downloads zu stehen, aber die auch noch kein Konzept über bezahlung kreativer Arbeit vorgelegt haben. Ich wollte nun einfach wissen, wie die sich das vorstellen. Und dann kam der Hammer. Annarose schrieb in ihrem Kommentar:

Aber denk doch mal einer an die armen Künstler” ist jetzt die neue KIPO-Keule?

Nanu? Was ist denn jetzt los, hab ich mir gedacht. Zum Glück hat das den ein oder anderen auch noch gestört. Was dann annarose zu einem zweiten Kommentar genötigt gefühlt haben muss:

Oh himmel, jedes Wort auf die Goldwaage.
Für MICH hat es eben schon etwas von einen Keulenschlag wenn der online Beirat der SPD, das Programm der PP kritisiert, ohne selbst einen Vorschlag zum Thema zu machen.

Wie bitte? Goldwaage? Also, wenn das die Diskussionstechnik ist, mit von aussen interessierten Menschen umzugehen, dann viel Spass. Aber diese Uneinsicht, sofort alles abzubüglen, weil es sich kritisch mit der Partei auseinandersetzt, macht die Partei leider megaunwählbar. Ich hab für alles Verständnis, aber diese Dünnhäutigkeit, bei Kritik sofort zu rufen “Selber doof!”, das geht Null klar. Sorry.

- Das aktuellste Problem: Die Piraten haben einen Typen in ihren Reihen auf ein Pöstchen gewählt, der ein fantasievolles Verhältnis zum Holocaust hat (und jetzt erzählt mir keinen von “Das ist 4,5,6, Jahre her!”, der Typ hat sich von den ANSICHTEN nie distanziert). Er ist kein Nazi, eher so ein Typ der glaubt, das es immer noch eine zweite Wahrheit gibt. So ein Wolf-Airbrush-T-Shirt-Träger, quasi. Der steht auf Fantasy und, was vermutlich der Hauptgrund für seinen geistigen Dünnschiss ist, auf anecken. Das ist so ein Pfeiffen-Provokateur, der jetzt die Aufmerksamkeit hat, die er sich die ganze Zeit wünschte. Und damit der Partei, in der er ist (ich schreib jetzt extra nicht “seine” Partei) natürlich keinen Gefallen tut und einen ziemlichen Schaden zufügt. Natürlich muss der sofort gekickt werden. Dieses, nennen wir es mal anzweifeln, des Holocaust hat in einer demokratischen Partei einfach nichts verloren. Egal wie aufgeklärt der Typ ist, wie sehr er die Verbrechen der Zeit verurteilt, wie sehr er nicht möchte das irgendwer wegen irgendwas umgebracht wird. Du laberst scheisse? Dnn leb mit den Konsequenzen. Ich verstehe nicht, was es da nachzudenken gibt. Die Piraten zieren sich, sind unsicher. MsPro zum Beispiel meint das auch scheiss Meinungen von der Meinungsfreiheit gedeckt sein müssten, wo ich ihm Recht gebe, weil ich das auch eher nach amerikanischer Art sehe, aber, wie es auch schon oft genug gesagt wurde, man muss den Holocaust nicht anzweifeln (”Ich habe nie Listen der Opfer gesehen….”), diese verdammte Scheisse ist ein FAKT. Wissenschaftlich tausendfach belegt. Das ist keine Meinung. Das kann nicht gedeckt werden, das kann man nur verachten. Und so sollte das eben die ganze Partei machen, wenn sie nicht als totaler Depp da stehen will, der sich von EINEM Mitglied vorführen lässt. Dazu gibt es einen sehr gelungenen Text, hier.

Und was lese ich von Piraten? Sowas hier:

Ich bin mit Bodo einer Meinung, dass “jeder einzelne Mensch, der verfolgt und getötet wurde” einer zuviel war. Ich bin aber ebenfalls mit ihm einer Meinung, dass das Verbot, den Holocaust infrage zu stellen, eine neutrale Beschäftigung mit dem Thema verhindert und eines modernen Rechtsstaates unwürdig ist. Darüberhinaus denke ich, dass beide dieser Thesen von jedem Piraten geteilt werden müssten.

Oder, etwas gemässigter, sowas:

Mal davon abgesehen ist er einer, einer von insgesamt 3000 Piraten. Warum eine Partei wegen eines Mitglieds unwählbar wreden soll, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich sähe Grund zum handeln, wenn seine Meinung die offizielle Parteidoktrin werden würde, das ist sie aber nicht, und wird sie definitiv nicht werden.

Beide Postings wurden gestern von einem Piraten explizit via Twitter empfohlen, nach dem Motto: Endlich sagt mal jemand, wie es ist. Wenn das also bedeutet, das die Piratenpartei ganz nach dem George Bush-Motto “Wer nicht für uns ist, ist gegen uns” verfährt, dann wird sie wohl auch in 4 Jahren noch unwählbar für mich sein.

Es gibt eine Menge zu tun. Wenn die das mal in den Griff kriegen würden, anstatt sich andauernd aus den eigenen Reihen selbstzuzerstören, könnte man ja beim nächsten Mal noch darüber nachdenken, auf der Schatzkarte das X bei den Piraten zu setzen. Bis jetzt kann ich sie aber leider nicht ernstnehmen. Nichtmal in den selbsternannten Kernkompetenzen. Sorry.

UPDATE: Zumindest im letzten Punkt kommt Bewegung in die Sache. Der Vorstand der Partei veröffentlichte eben folgende Stellungnahme:

Der Bundesvorstand der Piratenpartei fordert das Parteimitglied Bodo Thiesen dazu auf, sich eindeutig und endgültig von seinen fragwürdigen Äußerungen zum Holocaust zu distanzieren. Bereits im Juni 2008 hatte der Vorstand Thiesen dafür eine Verwarnung erteilt. Durch die erneut laut gewordene Kritik innerhalb der Partei sowie in der Blog- und Twittersphäre hält der Vorstand eine noch klarere und deutlichere Distanzierung für nötig. Sollte Bodo Thiesen dieser Aufforderung nicht binnen 24 Stunden nachkommen, wird der Bundesvorstand die entsprechenden Maßnahmen ergreifen.

Die Piratenpartei steht für Bürgerrechte, Freiheit und Demokratie. Sie verteidigt die Werte der Aufklärung und des Humanismus, die u.a. durch Internet-Zensur und Überwachungsstaat gefährdet sind.

Der Bundesvorstand erklärt daher im Namen der Piratenpartei:
“Wir erklären hiermit in Übereinstimmung mit der Satzung der Piratenpartei Deutschland, dass wir faschistische Bestrebungen jeder Art entschieden ablehnen.
Weiterhin erklären wir, dass wir den Holocaust als historische Tatsache ansehen und deren Relativierung oder Verharmlosung nicht dulden werden.
Wir haben keinen Zweifel daran, dass im Zuge dieses historisch einzigartigen Verbrechens des nationalsozialistischen Deutschlands circa 6 Millionen Menschen umgebracht worden sind, die meisten von ihnen Juden.
Wir haben demütigen Respekt und tiefes Mitgefühl für die Opfer dieses Verbrechens und ihre Angehörigen.
Wir werden auch in Zukunft keine Zweifel daran aufkommen lassen, dass dies eine gemeinsame Position der PIRATEN ist.”

Diesen Schritt halten wir für nötig, weil Bodo Thiesen seit Sonntag das Amt eines stellvertretenden Schiedsrichters innehat und auf einer Liste des Landesverbands Rheinland-Pfalz steht. Die Meinungsfreiheit ist ein hohes und von uns Piraten außerordentlich wertgeschätztes Gut. Amtsträger der Partei sind aber in der besonderen Pflicht, die damit verbundene Verantwortung über ihre eigenen Interessen zu stellen und Schaden von der Partei abzuwenden.

Sehr schön. Man hat verstanden. Das finde ich super! Ernsthaft. Jetzt bleibt abzuwarten, wie sich Thiesen äussert (und das es nicht bloss Lippenbekentnisse werden) und wie es mit der Partei weitergeht. Aber ich freu mich, ehrlich, über diesen Schritt. Auch wenn sich manch einer härteres Durchgreifen und klarere Konsequenz gewünscht hätte, für mich geht das so klar.



Denn sie wissen nicht, was sie tun…

Hoffe ich zumindest. Sonst wäre das ja geradezu infam, was da gerade abläuft mit der Opelrettung. Nein, ich möchte auch nicht, das die Opelarbeiter ihre Jobs verlieren. Aber warum sollten die weiterhin Autos bauen, die keiner kauft? Den Rest entnehmen sie bitte unten stehender Anzeige, von der ich mir nur zu sehr wünschen würde, sie wäre echt.

fakeopel

Via Nerdcore



Wie schnell muss ein Text sein?

Ich habe den Meinungen um Winnenden eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Nun kann man das für reichlich spät halten. Aber ich war den ersten Tag einfach zu geschockt und dann habe ich Tag für Tag mehr Texte gelesen, manchen konnte ich uneingeschränkt zu stimmen, bei anderen musste ich mich an den Kopf fassen und fragen, was die Autoren denn da geritten hat. Aber am Ende ist es doch so, das jeder die Tat für seine eigene Sache ummünzt. So wie ich das jetzt gerade eigentlch auch tue, wenn auch über Bande gespielt. Aber dennoch: Ausser wenn man faktisch bleibt (und die Faktenlage ist weissgott hauchdünn), reitet man mit. Das gilt auch für Texte, die ich ausgesprochen richtig und gut finde. Wie zum Beispiel den von Herrn Grau. Vermutlich liegt es aber auch an der eigenen Wahrnehmung das man das noch mehr empfindet für die Texte, die einem sauer aufstossen. Wie zum Beispiel die feministischen Pamphlete aus der Schwarz-Weiss-Wunderwerkstatt. Ich begreife wirklich nicht, wie Menschen mit einem Hauch Anstand so etwas ernsthaft in die Welt setzen können und im Geifer des eigenen Schreibens plötzlich auch noch meinen ins faktische abzurutschen. Das ist mir ein Rätsel, das ist mir fremd, das ekelt mich an.

Nein. Ich muss wirklich nicht der 127. sein, der hier seine Sicht der Geschehnisse verbreitet. Der glaubt auch nir ansatzweise irgendetwas an den Geschehnissen begreifen zu können. Es würde mir nicht gelingen und ich will euch nicht langweilen.

Einzig dieses Video sei euch noch dringendstens empfohlen. Das NDR-Medien-Magazin ZAPP hat ein aufwühlendes Stück über den Pressebelagerungszustand in Winnenden gemacht. Am “schönsten” finde ich persönlich die Stelle, wo die Fotografen das Team auffordern, sie doch nicht mehr zu filmen. Der Fotograf wirft dem NDR-Team dann vor, das sie nur die übliche Hetz-Montage machen wollen würden, in der die Fotografen als gewissenlose Arschlöcher dargestellt werden, dabei würden sie doch nur ihren Job machen. Wohlgemerkt: Sie stehen dabei auf einem extra gemieteten Lastwagen, weil sie nicht auf dem Friedhof bei der Beisetzung des ersten Opfers fotografieren dürfen, und sie durch den LKW problemlos über die Friedhofsmauer hinweg ihre Bilder machen können. Hauptsache fettes Teleobjektiv. Da muss man dann doch voller Entsetzen feststellen: Das SIND gewissenlose Arschlöcher. Meine Meinung. Punkt.

(Video via Stefan Niggemeier)



Das Internet und die Lüge

Ja, klar, ich weiss: Reisserische Überschrift unter der man jetzt weiss ich was erwarten kann. Es geht aber um einen konkreten Fall. Dafür hole ich mal etwas aus:

Ich lese eigentlich täglich das PoliticallyIncorrect-Watchblog Politisch Korrekt von Dietmar Näher. Es ist unglaublich was der Mann sich täglich für eine Arbeit macht, um die rassistische, islamophobe Drecksschleuder als das zu entlarven, was sie ist, nämlich eine islamophobe und rassistische Drecksschleuder. Wobei entlarven vielleicht das flasche Wort ist, denn das machen die ja selbst schon den lieben langen Tag. Näher dokumentiert das hauptsächlich. Dabei recherchiert er recht sauber und führt die Typen ein ums andere Mal vor. Was diese scheinbar unbeeindruckt lässt. Aber wenn man ab und zu sieht, was sie ihm für Mails schreiben, dann merkt man schon das ihnen nicht immer ganz wohl in ihrer Haut ist.

Wie dem auch sei: Die PI-Macher lügen gerne und oft in ihren Beiträgen. Ich will ihnen gar nicht vorwerfen, das sie das immer bewusst machen, sicher ist das ab und zu auch mit Recherche-Unfähigkeit oder -Unlust zu erklären und ausserdem dem Zwang, “andere” Nachrichten als der Mainstream zu generieren. Da muss man sich das schonmal alles zurechtbiegen, um das eigene Klickvolk bei der Stange zu halten. Exemplarisch nehmen wir uns mal einen recht aktuellen Eintrag (Link zum Watchblog) vor:

Unter “Starbucks: Erklärung gegen Israel”, behauptet PI das der Kaffee-Gigant antiisraelisch sei und lieber arabische Kunden hätte, plus dem nahen Osten. Die ganze Geschichte ist so anstrengend konstruiert, das man nur den Kopf schütteln kann. Ich kann es kurz anreissen: Im Netz wird behauptet, Starbucks unterstütze Israel. Was übrigens im Netz im Moment von allen möglichen Firmen behauptet wird. Starbucks sagt: Nein, tun wir nicht, wir unterstützen niemanden, wir sind ein weltweites Unternehmen, das für alle da ist. Weil sie diese Meldung neben vielen anderen Sprachen auch in arabisch übersetzen, sieht PI einen eindeutigen Beweis für die Antiisraelität des Konzerns. Konstruiert? You Betcha! Amüsante Pointe: Der Gründer und Vorstandsvorsitzende von Starbucks ist Sohn eines jüdischen Hilfsarbeiters.

Wirklich erstaunlich, wie so oft bei den selbsternannten Aufklärern, wird es dann in den Kommentaren (Man verzeihe mir, das ich hier nichts von dem menschenverachtenden Blog verlinke). Man werde dort nun nicht mehr seinen Kaffee kaufen, die werden schon sehen, was sie davon haben, sollen sie doch pleite gehen, blablabla. Einer, der sich honigbaer nennt, schreibt dann:

Der Laden steht kurz vor der Pleite. Will 9.600 “Mitarbeiter” entlassen. Gewinne sollen um 69 % gefallen sein.

Okay. Starbucks hat gerade ein echtes Problem. So weit, so richtig. Man muss Leute entlassen und Filialen schliessen. Das stimmt. Beide Zahlen aber, in dem wirklich kurzen Kommentar, sind so nirgends aufzufinden. Der Gewinneinbruch beträgt 70%, so ist es überall zu lesen. Es sollen ca. 12.000 Leute entlassen werden oder aber versetzt. Da verstehe ich jetzt schon zwei Sachen nicht: Woher kommt die “9.600″ in dem Kommentar und warum wurde Mitarbeiter in Gänsefüsschen gesetzt? Sind Starbucksmitarbeiter keine echten Mitarbeiter? Wird da nicht gearbeitet? Oder ist nur dieser eine Begriff in dem Kommentar ein Zitat und somit auch das einzig nicht erfundene? Und warum ist der Laden kurz vor der Pleite? Weil ein honigbaer das gerne so möchte? Ja, das sind sehr grosse Zahlen, um die es da gerade geht, aber wenn man so eine aggressive Expansionspolitik wie Starbucks betreibt, dann ist scheitern nicht nur imament, sondern auch komplett einkalkuliert. Klar, man hat Probleme durch die Konkurrenz, allen voran McCafé. Aber wir reden hier von 7% der weltweiten Mitarbeiter, deren Posten auf der Kippe steht. Sieben Prozent! Es sollen in USA 600 Filialen geschlossen werden..600 von 11000! Und dann noch on top: Nach diesen Nachrichten lag die Aktie auch noch leicht im Plus! Ja, sind die denn alle verrückt geworden?

Das ist aber nur die Faktenlage. Darum soll es gar nicht gehen. Mich fasziniert etwas anderes: Warum lügt jemand einfach so? Warum lügt der Zahlen in seinen Kommentar, was verspricht sich dieser Mensch davon? Aufmerksamkeit? Joa, sicher. Aber hätte er die nicht auch mit den echten Zahlen? Ich glaube da wird gelogen, weil das ein elementarer Bestandteil des politischen Weltbildes ist. Man hat es nicht leicht als islamophober Waschlappen und muss sich seine Argumente andauernd zusammenlügen, so das man es schon gar nicht mehr merkt und so ist es ein Reflex, wenn man irgendwo Zahlen liest, diese zu eigenen Zahlen zu machen und ein bischen umzulügen. Versteht ihr worauf ich hinaus will? Die wollen unbedingt EIGENE Meldungen, Nachrichten und lügen dann eben bekannte Meldungen um. Das haben die Kommentierer natürlich gelernt, von ihrer Basis, PI. Aber ist das nicht erstaunlich? Lügen, damit man was eigenes hat. Wie traurig ist das eigentlich?



Ovale Phase (file under: Vorbei)

Das Video ist ein alter Hut, habe ich vor ca. einem halben Jahr auf mehreren Blogs gesehen. Dann hab ichs vergessen, aber dank Lukas ist es mir jetzt wieder eingefallen und an diesem Tag passt es natürlich perfekt. Und es ist so wunderschön traurig. Und die Leute, die zum Beispiel “Bowling for Columbine” oder “Borat” irrsinnig lustig fanden, bietet der Clip auch Spass (Ich hingegen muss ja sagen das mich beide Filme sehr berührt haben und mich das verunsicherte Lachen der Leute im Kino eher genervt hat). Mir tut der Bush in dem Clip ein bischen Leid, jetzt hat er nix mehr zu tun. Das liegt aber sicher auch an der wunderschön traurigen Musik von der Band mit dem irrsinnig bescheuerten Namen “Margot and the Nuclear So & Sos”. Ich muss bei dem Bandnamen immer an “Hedwig and the angry Inch” denken, was wirklich so ziemlich das schlechteste Musical war, das ich jemals in einem Kino gesehen hab und dabei liebe ich Musicals. Aber ich schweife ab. Hier der Clip zum Tag des Wechsels:


MetacaféDirektLetzteFahrt

Der erste Kommentator beglückwünscht mich bitte übrigens zu der absolut super gelungenen Überschrift. Und die Nachfolger müssen sich auch nicht zurückhalten.



Weltfriedenkunst

Von Nilzenburger, eurem Paintgott.



Hessen!

Ihr habt doch nicht gedacht, das ihr mit eurem Quatsch einfach so ungeschoren davon kommt auf dem Weltfrieden, oder? Um aber meine Meinung und Verwunderung akkurat zu artikulieren, muss ich das in zwei Teilen tun, einem sachlichen und einem emotionalen.

Teil 1
Sachlich

Eine Partei ist und bleibt ein demokratischer Prozess. Deswegen kann und sollte auch jedes einlzelne Mitglied Entscheidungen mit seinem Gewissen vereinbaren können, die es mitträgt. Und wie das Gewissen so ist: Manchmal zieht es erst sehr, vielleicht sogar zu spät die Notbremse. Die Hauptsache bleibt aber doch, das man morgens noch in den Spiegel schauen kann und mit seinen eigenen Entscheidungen d´accord geht. Eine Partei muss es aushalten können, das Menschen, wie sie nunmal so sind, auch mal ihre Meinung ändern können. Wenn man sich auf eine zu dünne Mehrheit verlässt, sollte man diese Gefahr einfach mit einkalkulieren. Insofern war Frau Ypsilanti wirklich nicht sehr vorraussehend.

Teil 2
Emotional

So, jetzt aber mal ehrlich: W A S G E H T D A B I T T E A B??????????
Es kann doch wohl nicht wahr sein, das eine Partei so hilflos 3 Karrieristendoofis (nach der ersten Wut editiert - Weltfrieden) ausgeliefert ist! Denn lasst uns doch mal ehrlich bleiben: Auch ich kann mir kaum vorstellen das die drei (Ich nehme die Metzger ausdrücklich aus, weil die ja schon von Anfang an gesagt hat, das sie keine Böcke drauf hat - was ich zwar auch albern und kontraproduktiv finde, aber hoch anrechne das sie von Anfang an mit offenen Karten gespielt hat) ein paar Stunden vor der Wahl solch einen fürchterlichen Druck auf ihr Gewissen gespürt haben, das sie ihrer Vorsitzenden, die sie ja quasi auch mittragen, volle Lotte in den Rücken treten müssen. Das hat nix mit Politik oder sonstwas zu tun, das ist einfach wirklich, im reinsten Wortsinne “asoziales” Verhalten. Da hat jeder U-Bahn-Schläger mehr Ehre und Anstand im kleinen Finger, als die drei Gerechtigkeitsfanatiker. Ich kann es wirklich nicht begreifen. Ypsilantis wackelige Regierungsbildung wurde nur verhindert, weil sich zwei Frauen und ein Typ mal einen Tag lang auf der Titelseite deutscher Zeitungen sehen wollten. Und wie die auch alle gucken auf dem Foto…Dieser ernthafte Blick mit dem vermeintlich “ehrlichen” Hintergrund…Verdammte Scheisse. Man muss auch mal Entscheidungen mittragen, die man vielleicht nicht zu 100% unterstützen kann. So funktioniert das im tagtäglichen Leben. Nur unsere hessischen Fantasy-Ritter, die haben ganz eigene moralische Vorstellungen von Kollegialität, menschlichem Zusammenleben und Ehrlichkeit. Und die sind mir zuwider.

Das musste mal raus. Viel Spass mit Roland Koch. Jetzt hat der doch gewonnen, ohne was dafür zu tun. Oder um die Ärzte zu zitieren:

“Und er lächelt, denn er weiss das Böse siegt immer…”



Amerikaner!

Herzlichen Glückwunsch! Ich weiss: Obama wird nicht von einem auf den anderen Tag alles ändern können, ich weiss das auch er nicht der ultimative Heilsbringer ist der aus den USA plötzlich das wirklich gerechteste Land der Welt macht, ich weiss das er natürlich auch in politischen Geflechten verwoben ist die es ihm vielleicht nicht erlauben werden alles so zu tun, wei er das gerne machen würde und ich weiss das sein Amt kompliziert ist. Dennoch:

Seine Wahl war das richtige Zeichen zur richtigen Zeit. Danke dafür. Nur Michael Moore ist jetzt arbeitslos…Naja, könnt schlimmer kommen.



Adam Riese und Eva Klein

Unsere Bundeskanzlerin, Frau Merkel, sagte gerade in ihrer Regierungserklärung zum 480-Milliarden-Paket wortwörtlich folgendes:

“Mit einem Wort: Keine Leistung ohne Gegenleistung!”

Ähm. Ja. Ich will ja nicht kleinlich sein, man muss auch abrunden können, aber … JETZT bin ich auch verunsichert, ob die da alles richtig ausgerechnet haben…



Nachtragend (Ich)

Es ist mir scheissegal, wenn in irgendeinem Dorf ein paar Idioten aus Langeweile versuchen mit der billigstmöglichen Methode zu provozieren.
Es ist mir scheissegal, wenn es in den Dörfern auch noch genügend Leute gibt, die darauf reinfallen.
Es ist mir scheissegal, wenn man Angst hat, das ganze Landstriche durch Flucht angeblich in Gefahr sind.
Es ist mir scheissegal, wenn es auf der anderen Seite arrogante Wichser gibt, die behaupten das dort alle dumm wären, alle Nazis, alle Hartz IV.
Es ist mir scheissegal, wenn es noch Idioten gibt die sich lauthals über das bezahlen des Solis beschweren.
Es ist mir scheissegal, ob die Vergangenheit jetzt romantisiert wird oder ausgebeutet oder verharmlost oder ausgeschlachtet oder verklärt.
Es ist mir scheissegal, wo jemand her kommt, doof kann man über all sein, cool übrigens auch.

Das kümmert mich alles einen Scheissdreck und wisst ihr warum? Weil ich immernoch verdammt froh bin, das die Mauer gefallen ist. Und das lass ich mir von Gehirnamputierten aus Ost und West nicht vermiesen.