Gleich und Gleich und doch nicht Gleich.

Ja, klar gibt es Unterschiede:

Ich hatte gestern den ganzen Tag lang Lust zu tanzen. Ich wollte unbedingt das Tanzbein schwingen, mal wieder die Musik durch mich durch schleudern und einfach loslassen. Den Beat im Solar Plexus spüren und wie er sich von dort im ganzen Körper verteilt, bis in die Arme, bis in die Beine, bis in die Finger- und Zehenspitzen. Deswegen habe ich mir den halben Tag lang eine Playlist gebastelt, mit Liedern, zu denen ich gerne tanzen würde. Die sah so aus:

Nun gibt es aber keinen mir bekannten Club in Berlin, in dem exakt so eine Musik läuft. Aber gestern war ja CSD und bei mir in der Nähe ist ein großer Schwulenclub (natürlich auch für Lesben und Bis und queere Eumel und Eumelinnen und Transgender und allem, was noch dazu gehört), die haben eine große CSD-Party gemacht. Und dann lag ich da so zu Hause, nach diesem semifrustrierenden Deutschlandspiel und hab überlegt, was ich machen soll. Und die Lösung war: Da gehste jetzt mal hin, in den Club.

Was soll ich sagen: Es war ein großer Spaß. Ich bin volle Lotte auf meine Kosten gekommen. Denn so ein Laden mit größtenteils schwulem Publikum hat einen ganz wundervollen Vorteil: Ich hab keine Ahnung, wann ich zum letzten Mal in einer weniger aggressiven Disco war, als da. Nicht falsch verstehen: Das bedeutet nicht, dass Schwule nicht aggressionsfähig wären (warum sollten sie das auch nicht sein?), sondern weil nicht ein Rudel Männer nach den Frauen sucht, die noch anzubaggern sind. Es wurde ausgegangen um zu feiern und zu tanzen und ja, sicher auch um jemanden abzuschleppen - aber das passiert offensichtlich mit einer viel weniger aggressiven Dringlichkeit, als in Heten-Clubs. Wie herrlich das war, wie toll ich getanzt hab. Gut, ich war ein bisschen enttäuscht, dass mich niemand angegraben hat, aber vielleicht hab ich ja “HETE” in Leuchtbuchstaben auf der Stirn stehen. Oder ich habs nicht gemerkt (wer jetzt schreibt “Oder du bist nicht attraktiv.”, den hau ich), kann auch gut sein. Aber deswegen war ich ja auch nicht da. Ich wollte ein Bierchen trinken, etwas tanzen und das habe ich auf perfekteste Art und Weise bekommen. Danke dafür. Was für ein Fest. Ich geh nirgendwo anders mehr hin. Wenigstens zum tanzen.

Es gibt aber auch Nicht-Unterschiede:

Wir haben in der Regel zwei Beine, zwei Arme, Bauch, Brust, Kopf, Pimmel. Es gibt keine schwulen Körper. Es gibt auch keine heterosexuelle Spucke.

Aber offensichtlich gibt es homo- und bisexuelles Blut.

Das ist nämlich per Gesetz nicht gleichwertig zu heterosexuellem, welches munter gespendet werden darf. Homosexuelles nicht. Und das ist auf so vielen Ebenen falsch.

- An jeder Ecke lerne und höre ich “Jede Spende ist wichtig, jede Spende kann Leben retten!”. Nur um dann potentiellen Spendern zu sagen: Aber ihr dürft nicht, sorry, ihr seid schwul geboren, ihr dürft keine Leben retten. Wie absurd ist das?

- Es diskriminiert Homosexuelle in einem irritierenden Maße, welches ich 2014 nicht nur für nicht mehr zeitgemäss halte, sondern für absolut erstaunlich, dass es überhaupt noch existiert.

- Und jetzt mal ganz ehrlich: Es sollte bei einer Blutspende natürlich darauf geachtet werden, dass es sich nicht um wie auch immer infiziertes Blut handelt, aber mit wem ich wann und wie ins Bett gehe, hat denen SCHEIßEGAL zu sein. Im Gegenteil: Die sollten mir den Teppich ausrollen, wenn ich komme. Und davon abgesehen: Wie wollen die eigentlich checken, dass ich nicht einfach behaupte hetero oder homo zu sein? Muss ich ein Fotoalbum mitbringen? Werden mir erotische Bilder beiderlei Geschlechtes gezeigt und dabei mein Ständerwinkel gemessen?

Wir schütteln verstört die Köpfe darüber, dass irgendwelche Religionsspinner kein Spenderblut annehmen dürfen oder wollen und blicken schulterzuckend hin, wenn gesunde Menschen lebensrettendes Blut spenden wollen, aber nicht dürfen. Mal ganz ehrlich:

Wie absurd ist das?

Deswegen, selten genug, aber dieses Mal gerechtfertigt und wichtig: Geht bitte HIER hin und unterschreibt diesen absolut essentiellen und wichtigen Appell. Auf das diese durch absolut nichts zu rechtfertigende Ungerechtigkeit abgeschafft wird.

Liebt wen ihr wollt, verdammte Axt und lasst uns immer darauf achten, dass das jeder problemlos kann.

Und tanzt, tanzt, tanzt.



Moderatoren und Publikum

Ich mach den Job jetzt, mehr oder weniger erfolgreich, aber immer leidenschaftlich gern, seit zwanzig Jahren. Ich hab viel gesehen und viel verstanden. Klar, es hat mich nie zu 100% ausgefüllt, deswegen hab ich immer 27 Dinge gleichzeitig gemacht, aber moderieren ist meine Kernkompetenz, würde ich sagen. Das ist wirklich dass einzige, was ich von der berühmten Pike auf gelernt hab. Und es ist ein großer Spaß. Klar, ich bin jetzt nicht der begehrteste Moderator unter der Sonne, aber ich bin glücklich, dass ich so etwas cooles wie die ShortCuts jetzt schon seit über einem Jahr machen darf und dass ich so eine coole Redaktion dabei habe. Überhaupt: Ich glaube ich hatte das besondere Glück, niemals mit blöden Redakteuren oder Regisseuren oder sonstigen Teammitgliedern gestraft zu sein, sondern, im Gegenteil, immer mit Menschen, mit denen ich mich gegenseitig inspirierte, mit denen ich eine Sprache sprach und mit denen mich vor allem der Humor verband. Ich finde, man kann sich sehr glücklich schätzen, auf so eine Bilanz zurückzublicken. Vielleicht hatte ich keinen (großen) Erfolg, aber ich hatte (sehr großen) Spaß.

Dieser Job hat auch ein enorm hohes Frustpotential. Klar, Moderator kann sich jeder nennen und wer zwei Sätze geradeaus sprechen kann, wird gerne vor eine Kamera gezerrt. Meiner Meinung nach noch schlimmer als bei den Schauspielern (und die tun mir schon Leid), ist das Berufsbild des Moderators ganz schön zusammengestaucht worden. “Hier, sag mal was!”, scheint der Test zu sein, ob jemand für gewisse Formate reicht oder nicht. Andere Moderatoren haben in den Jahren ganz viel Leidenschaft verloren und sind immer angepasster geworden, um auch mal irgendeine Gala moderieren zu können. Früher bei VIVA hatte man irgendwann das Gefühl, nach Heike wollen alle nur Moderatoren werden, um schon mal im Fernsehen zu sein, dann aber so schnell wie möglich ins Schauspiel. Andere haben sich total bewusst vom moderieren losgesagt, was ich zum Beispiel im Fall von Christian Ulmen (wir sind befreundet, nur zur Klarstellung) unendlich schade finde und fand und für einen Verlust des deutschen Moderationsfernsehens halte (tatsächlich gibt es bei “joiz” gerade aber einen jungen Typen, der mich ein wenig an alte “MTV Most Wanted”-Zeiten erinnert, der macht da irgendwie die News…ich hoffe diesen Vergleich nimmt mir jetzt keiner Übel, aber da ist eine gewisse Ähnlichkeit…).

Wie dem auch sei: Manche nutzen es als Durchgangsstation, andere machen es gerne, wieder andere interessiert es nur am Rande und dann gibt es noch die Fischverkäufer, die muss man nicht wirklich mit dazu zählen. So Anrufquiz-Moderatoren und so.

Und natürlich die Showgiganten. Gottschalk, Jauch, Raab, meinetwegen noch Kerkeling (wieso hat er sich seine Schlagerplatte nicht von einem begeisterten Musiker produzieren lassen? Ein Jammer! Aber das nur am Rande…) und natürlich Schöneberger. Wenn zum Beispiel Gottschalk nochmal richtig Hunger kriegen würde und Jauch auch - hach, wie schön das wäre. Es ist eine Illusion, ich weiß, aber man wird ja wohl noch träumen dürfen. Ich glaube auch noch an Großes von Joko und Klaas, auch wenn es in letzter Zeit so wirkt, als verlöre Klaas mehr die Lust am moderieren als Joko. Das kann aber auch nur ein momentanes Formtief sein.

Ein Moderator spielt gerne mit seinem Publikum. Dabei ist es fast egal, ob es anwesend ist, oder nicht. Im Studio, wenn man mit der Kamera spricht, spricht man immer auch mit ganz vielen gleichzeitig. Man ruft einfach etwas heraus und hofft auf das Echo. Im Fernsehen kriegt man kaum eins. Im Radio auch nicht. Im Internet natürlich schon, aber da kann man ja auch die Hälfte immer mindestens von wegschmeissen. Aber auch das spielt keine Rolle. Gottschalk konnte jahrelang seinen Schuh bei Wetten dass durchziehen, weil er die Show für die Zuschauer moderierte und nicht für die Kritiker. Die fanden es eh immer blöd, das war egal. Man moderiert immer für den, bei dem es ankommt. Das ist die Essenz.

Ich führe gerne Interviews, bei denen ich nicht den ganzen Promoschmuh abklappern muss, sondern über Dinge sprechen kann, die mir gerade einfallen. Aber nicht zwanghaft. Eher hab ich gerne ein freundliches Gespräch, bei dem wir viel gelacht haben, als eine Info-Abfrage, die sich sowieso jeder selbst in 3 Sekunden ergooglen kann. Damals, als ich “Stoke”, die Fun-Sportshow im DSF gemacht habe, war das ganz oft so: Ich sass dann da auf Hawaii mit einer Gruppe internationaler Pro-Surfer und hab denen erzählt, dass ich gar nicht schwimmen kann. Das war für die dass 8. Weltwunder und somit auch der Inhalt im Interview. Aber um ein wie vieles besser man die dabei kennengelernt hat, wie viel persönlicher die wurden. Das war obergut. Und ich hab sie dann im Bowling oder Minigolf herausgefordert, damit ich wenigstens eine Chance habe. Ich hab immer verloren.

Moderieren ist ein Beruf, den man mit Leidenschaft machen muss. Klar, man kann auch ein Arbeiter sein, der einfach alles wegmoderiert und hat damit vermutlich sogar viel mehr Erfolg, als jemand wie ich, aber ich kann einfach nicht anders. Ich bin ein Überzeugungstäter. Übrigens, nur um mal ein Klischee aus der Welt zu schaffen: Kai Pflaume mit hundertprozentiger Sicherheit auch. Einer der angenehmsten Kollegen, immer aufmerksam interessiert. Nur falls jemand irrtümlich gedacht haben mag, ich hätte ihn gemeint.

Nach diesen biographischen Zeilen versuche ich nun die Kurve zu kriegen, warum ich das alles überhaupt aufgeschrieben habe:

Die Wege des Moderators, um den es gehen soll, und mir, haben sich zweimal wirklich gekreuzt. Als ich meine Band, Fritten und Bier, hatte, waren wir in seine Show eingeladen. Die Redaktion fragte uns, was wir für ein Instrumente-Setup bräuchten und wir haben uns zwei Umhängekeyboards hinstellen lassen. Nicht, dass in “Afrika” ein Keyboard groß im Einsatz gewesen wäre, geschweige denn zwei, aber wir fanden das irrsinnig witzig, damit so Modern Talking mässig aufzutreten und ganz schlechtes Playback zu machen. Gut, ich glaube es war am ehesten für uns witzig, aber soooooo schlimm war es auch nicht. Man konnte schon sehen, dass wir Spaß hatten. Dem Moderator der Show, gefiel das nicht so. Ist ja auch Geschmackssache. Allerdings hat er seinen Diss gegen uns erst in die Kamera gesagt, als wir nicht mehr im Studio waren. Hm. Ich habs dann später bei der Ausstrahlung gesehen und mich über so eine unsouveräne Aktion gewundert. Aber was solls. Die Show gab es auch nicht mehr lange, die war irgendwie komisch.

Ungefähr 15 Jahre später begegneten wir uns wieder, auf einem Boot. Einem Boot, auf das ich als Gesprächsgast eingeladen war. Dieses Boot war eine Werbeaktion eines Kräuterschnapses und für ein paar Tage lang, wurde von dort aus eine Art “Piratensender” (natürlich genehmigt und alles) veranstaltet. Ich kam an und lernte als erstes den Moderator kennen. Er sagte mir, er würde eigentlich gar nicht moderieren, er wäre hier auch zuerst nur als Gast gewesen, aber der “künstlerische Leiter” des Boots habe ihn sofort als Moderator eingestellt, nach dem Interview und deswegen sei er jetzt erstmal hier. Fand ich eine megagute Aktion, ehrlich. Und der Typ hat auch super moderiert, keine Frage. Und dann kam der “künstlerische Leiter” aus der Kajüte: Der Moderator der Show von vor vielen Jahren. Ich bin kein nachtragender Mensch, hab mich fast ein bisschen gefreut, ein bekanntes Gesicht wiederzusehen und begrüßte ihn. Er grüßte mich auch, auf eine Art, die er wohl irgendwie “konnte”, so mit nicht in die Augen gucken und sofort über berufliches zu sprechen und so. Aber okay. Mein Gott. Jeder wie er kann.

Nach diesem Nachmittag hab ich ihn noch kurz mal so auf der Strasse gesehen, aber ein gegenseitiges annicken, war da unsere einzige Interaktion.

Und dann wurde irgendwann dieses Video von irgendwelchen Piraten auf Twitter geteilt und das hab ich mir angehört. Und konnte nicht fassen, was für einen Schmonz ich mir da anhören musste. Was war denn mit dem Typen passiert? Was erzählt der denn da? Was für einen Quatsch über den 11.September lässt Ken Jebsen da bitte vom Stapel?

Dann ging alles ganz schnell: Durch seinen Beef mit Broder und einer wahnsinnig absurd-bescheuerten Mail verlor er seinen Job bei Radio Fritz und ging dann komplett ins Internet, wo er plötzlich gar keine Schlussredaktion mehr hatte (UPDATE: Die hatte er bei FRITZ auch nicht, wie mir via Twitter gesagt wurde….) und wo er alles frei heraus pumpen konnte, was er wollte. Ehrlich gesagt habe ich gedacht, damit hätte sich der Spuk erledigt. Aber weit gefehlt: Der Rauswurf, die Zwangs-Selbstständigkeit haben ihn nur noch mehr angetrieben. Angetrieben weiter zu machen, mehr Menschen um sich zu scharen, immer lauter und bedrohlicher zu werden, damit ihm immer mehr zuhören. Und der Plan ging total auf: Jebsen setzt sich auf alle Themen, die als guter Aufreger taugen, vermischt es mit ein bisschen “die da oben - wir hier unten”-Rhetorik und dem alten Richard “Keiner von da oben” Pryor-Trick, in dem er sagt: “Folgt mir nicht, ich will nicht das ihr mir folgt, ihr sollt nur eurem Herzen folgen….” etc. Das hat ja auch schon bei Beppe Grillo und den Cinque Stelle in Italien funktioniert, warum also nicht auch hier? Und es funktioniert: Ken FM Fans saugen jedes Wort von ihm auf. Wenn er auf einer Demo spricht, dann die meiste Zeit in die Kamera, die er selber mitgebracht hat, weil man es dann danach besser auswerten kann. Anhänger als Kulisse. Und die Fans klicken und klicken und klicken.

Und Ken FM? Tut das, was er immer machen wollte: Moderieren. Moderieren vor einem Publikum, das an seinen Lippen klebt. Das ihm jeden Wunsch von den Augen abliest. Das ihn wie einen Messias feiert. Das seine Werke auch in der Zweit- und vermutlich auch noch Dritt-Verwertung feiert. Er hat gerackert und er hat endlich sein Publikum gefunden. Er kann jetzt moderieren, was er will, wie er will, er findet immer Gehör und so gut wie keinen Widerspruch. Den kann man ignorieren, aussen vor lassen. Ken und seine Fanbase bleiben gerne unter sich, alle anderen haben Unrecht und kritisieren kann man sie schon mal gar nicht, denn sie sind ja für den Frieden. Clever. Am Ende hat er gewonnen, gegen die, die ihn rausgeschmissen haben. Gegen die, die ihn ignoriert haben. Er hat es bewiesen: Er hat doch Zuhörer. Er ist ein guter erfolgreicher Moderator.

Jeder Moderator sucht sein Publikum. Manche finden es schnell, andere nie. Scheint so als hätte Jebsen, aus Moderatorensicht, alles richtig gemacht. Er beginnt seine Reden gerne mit dem schicken Satz: “Mein Name ist Ken Jebsen und meine Zielgruppe ist immer noch der Mensch.” Dabei vergisst er anscheinend immer den Nebensatz: “…der mir zustimmen will.”.



Ich setz mich wieder hin.

Zunächst einmal:

Ich bin müde.
Ich bin aufrichtigen Herzens!

Dann aber auch:

Du bist müde.
Du bist aufrichtigen Herzens!

So steht es auf der ersten Seite meines absoluten Lieblingsbuches ever, “Ein herzzerreißendes Werk von umwerfender Genialität.” von meinem Schriftstellergott Dave Eggers.

Und ja, verdammt, es stimmt. Ich bin müde. Ich kann nicht mehr. Meine Energie ist aufgebraucht.

Die letzten Monate haben eigentlich nur noch daraus bestanden, sich vor den Kopf zu hauen. Wegen Politikern, die Journalistinnen anzubaggern für eine Zwinker-Zwinker-Tätigkeit halten. Wegen Schriftstellern, die plötzlich Hassschreiber werden oder Politiker, die ebenfalls merken, dass am rechten Rand der Gesellschaft noch eine schnelle Mark zu machen ist. Wegen einem Prozess, von dem man wusste, dass er sich ziehen würde wie nix Gutes und der dafür erschreckend wenig konkretes zu Tage bringt - obwohl klar ist mit wessen Geistes Kind man es zu tun hat. Wegen Parteien, die in ihren Reihen alles zulassen, nur um stärker zu werden und bei Kritik sich sofort halbherzig distanzieren. Wegen Menschen, die sich beleidigen lassen müssen, weil sie irgendjemanden lieben. Wegen öffentlichen Diskursen, die nicht mehr ohne Lügen oder “Wahrheitsdehnungen” stattfinden können. Wegen viel zu vielen Waffen-Im- und Exporten. Wegen Machthabern, die alles tun, um ihren Status zu zementieren, blind und unsensibel für ihr Handeln. Wegen Kriegstreibern. Wegen Aggressoren, die behaupten, sie täten alles im Interesse des Friedens und dabei dieses wundervolle Wort, diese tolle Sache, nur als Feigenblatt nutzen, um ihre bescheuerten Interessen zu artikulieren.

Heute sah ich einen Bericht über die Montagsdemos. Las ein bisschen auf den Seiten, auf denen sich die Demonstranten treffen. Las auf den Seiten ihrer Kritiker. Schaute mir Videos beider Seiten an. Las Texte beider Seiten. Und irgendwann war der Punkt da, da hab ich einfach alle Tabs geschlossen. Ich wollte diese Diskussion nicht mehr mitverfolgen. Ich hab einfach gemerkt: Ich bin am Limit angekommen. Ich kann mir keine Scheisse mehr durchlesen, kann meiner Faszination für mir fremd erscheinende Meinungen nicht mehr erliegen. Der Speicher ist voll.

Das Netz ist ein wundervoller Ort, weil ich mit ein paar Klicks alles erreichen kann. Ich kann auch versuchen, Dinge zu verstehen, die ich nicht verstehe. Versuche zu kapieren, warum Sichtweisen, die mir auf einer Welt, auf der wir alle zusammen leben (wollen), zwingend logisch erscheinen, von Anderen total negiert werden. Manchmal hatte ich vielleicht das Gefühl, diese Menschen zu verstehen. Diese Menschen die hetzen, die spalten, die brüllen oder extra schnell quasseln, um schlauer zu wirken. Manchmal hatte ich das Gefühl, ich verstehe, was sie antreibt (ohne es teilen zu müssen). Aber dann bemerke ich, dass da nichts stattfindet. Kein Denkprozess. Keine Reflektion. Es gibt diese eine Wut und die wird von denen befeuert, die Menschen brauchen, die ihnen zustimmen. Die Motive können mannigfaltig sein. Von Kohle bis Fame dürfte da alles vertreten sein.

Aber ab heute interessiert mich das nicht mehr. Darf mich nicht mehr interessieren. Denn ich bin nicht mehr aufnahmefähig für Ignoranz. Ich kann mich nicht mehr mit Dummheit beschäftigen. Die Schüssel ist voll. Ich muss mich davon fern halten, denn es belastet mich. Ich sah diesen Beitrag und hab überlegt, dort einmal hinzugehen, um mit den Menschen zu sprechen, mir ihre Version anzuhören. Aber sie haben sich entschieden, dort zu sein. Sie wurden nicht gezwungen. Sie gehen dort hin um zu zeigen: Ich unterstütze diese Idee total. Und das ist halt nicht zu erklären. Ich kann da nicht meine Energie verbrauchen.

Deswegen, liebe Gegner, habt ihr es geschafft. Ihr habt mich mit eurer medialen Dauerpräsenz zermürbt. Ihr dürft jetzt machen, was ihr wollt. Fahrt fort. Macht diese Welt zu dem beschissenen Ort, den ihr unbedingt haben wollt. In dem sich alle hassen, sich niemand mehr über den Weg traut und mein Nachbar angeblich immer nur meine Äpfel will, selbst wenn er eine Apfelplantage hat. Ich werde mich nicht mehr wehren. Baut den ganzen Tempelhof mit euren beschissenen Townhouses zu, damit ihr nach der Politik noch tolle Pöstchen in der Baubranche kriegt. Schwafelt was von Sozialwohnungen, um dann nachher mit “Sachzwängen” nur drei bezahlbare anbieten zu können. Vom deutschen Wähler ist weder Ärger, noch Widerstand zu erwarten. Der grummelt mal, schreibt einen wütenden Kommentar auf eure Facebookfanseite und geht dann wieder arbeiten. Oder er schreibt diesen Blogeintrag und gibt dann einfach auf. Deswegen musste ich jetzt auch den Header ändern. Ihr habt das schöne Wort “Weltfrieden” missbraucht und ausgesaugt und mit eurem menschenfeindlichen Kack aufgefüllt. Ich möchte auf keinen Fall mit euren Motiven verwechselt werden.

Macht das sich die Völker hassen. Schürt Neid, schürt Wut, schürt Hass. Ich gebe auf. Mir ist alles egal. Ich kann nicht mehr. Ich kann meine Energie nicht mehr dafür nutzen, zu glauben, diese Welt zu einem besseren Ort machen zu können. Ich gebe meine Liebe jetzt nur noch für die, die mir wirklich wichtig sind. Versuche sie zu unterstützen, zu stärken, zu umarmen.

Und vor euch da draussen zu schützen.



Die Zukunft wird: UNPRAKTISCH!

Ein lustiger Sport ist es ja Zukunftsvisionen aus der Vergangenheit mit der Gegenwart abzugleichen. Was ist ungefähr so eingetreten, wie vorgestellt und was ist nach wie vor totaler Kokolores? Dabei denke ich als allererstes sofort an einen Klassiker der Vorhersage: Fliegende Autos.

Kaum eine Publikation der 50er Jahre, die sich mit dem Jahr 2000 auseinandersetzte, kam ohne die Vorstellung aus, dass man Autos haben würde, die bei Bedarf Flügel ausfahren und man könnte dann ganz einfach jedem Stau entfleuchen. Die Straßen wären nur noch halb verstopft, weil man ja jetzt auch auf die Luft ausweichen könnte und alle wären glückliche Verkehrsteilnehmer. Warum hat die Menschheit 50 Jahre gebraucht um zu erkennen, dass diese Vorstellung so ein unfassbarer Stuss ist? Ja, wir haben noch nicht genug Unfälle auf der Strasse, lasst uns auch noch in die Höhe, damit wir eine Unfall-Achse mehr haben! Bei einem Stau würde jeder sofort versuchen nach oben auszuweichen, ergo: Stau in der Luft. Gefahrenpotential, auch für Fußgänger und andere Verkehrsteilnehmer: Plus 1000 Prozent. Warum also konnte sich so eine Idee so sehr als Idee durchsetzen? Klar, der “Traum vom fliegen” und so, aber mal ehrlich: Man hat ja auch nicht geglaubt, dass jeder ein Einhorn haben würde, warum also so einen Quatsch?

fliegauto

Man muss aber gar nicht so weit zurückgehen, man muss nicht in die technisch vielleicht naiven 50er Jahre zurückblicken, um eine Zukunftsvision von der Zukunft aus zu betrachten und nicht nachvollziehen zu können. Es gibt da auch ein deutlich jüngeres Beispiel:

In den Nullerjahren dieses Jahrtausends, als das Internet zu DEM heißen Scheiss wurde, der es heute ist, habe ich immer und immer wieder von einem Beispiel gelesen, dass mir schon damals recht unlogisch erschien - und welches sich auch nie durchgesetzt hat: Intelligente Kühlschränke mit Touchscreens und Internetzugang. In der Vision wurde immer erklärt, wie der Kühlschrank nicht nur Rezepte anzeigen kann, sondern auch registriert, was in seinem Innenraum fehlt oder dramatisch zur Neige geht und dass er es dann selbstständig beim Supermarkt-Lieferservice nachbestellt.

Was für eine Vorstellung! “Ich bins, Kühli dein Kühlschrank, ich hab gesehen, dass du keine Buttercremetorte mehr hast, deswegen hab ich 5 Torten nachbestellt…”. Das ist doch dass erste, was einem auffällt. Dass das keinen Sinn machen und niemals funktionieren kann. Wieso denkt sich jemand etwas aus, was geht, aber gar nicht gehen braucht und damit meine ich keine Kunst oder demonstrativ nutzlose Erfindungen, sondern Visionen, die schon praktisch sein sollen und beeindruckend und dabei aber alles schlimmer machen würden, wenn sie denn wahr würden, was sie niemals werden würden, weil sie viel zu doof sind.

gbfridge

Ich finde das faszinierend. Nicht was man sich für Möglichkeiten vorstellt, sondern dass die Vorstellung von Möglichkeiten das rationale Denken aussetzt. Mir kam dieser Gedanke übrigens beim Wäsche aufhängen, als ich so dachte: Warum hat eigentlich niemand die sich selbst aufhängende Wäsche erfunden? Das wäre doch mal wirklich praktisch.



Meine liebste Vorspeise

Ich hab noch nie an einer “Blogparade” teilgenommen, glaube ich. Ich verstehe auch immer noch nicht so richtig, was das überhaupt sein soll und so. Aber es geht ums Lieblingsessen und ich finde, ich habe mich noch nicht ausreichend als Foodblogger auf meinem Blog positioniert. Ausserdem hat mich die liebe Futterqueen, wir folgen uns glaube ich schon seit Ewigkeiten auf Twitter, gefragt, ob ich nicht mitmachen mag und da dachte ich: Ja, ich mag. So, here we go:

Wenn man mich nach meinem Lieblingsessen fragt, kann ich vermutlich eine quadrillion Gerichte aufzählen. Das eine Lieblingsessen gibt es eben nicht, ich finde ganz viele Gerichte unfassbar toll. Und kann mich immer nur schlecht entscheiden, was ich denn essen will, wenn ich was essen will. Deswegen esse ich ganz oft, wenn ich alleine bin, doofe Sachen, weil ich so lange damit verbracht habe zu überlegen, was ich esse, dass ich gar keine Geduld mehr hab, lange auf etwas zu warten, weil beim ganzen hin- und herüberlegen mein Hunger und Appetit in unmessbare Höhen geschnellt sind. Dann gilt es nur noch satt zu werden. Fast food oder so. Eigentlich vollkommen bescheuert.

Wenn ich mich nur von Vorspeisen ernähren müsste, würde das vielleicht viel besser funktionieren. Da ist meine Favoriten-Verteilung doch eindeutiger und kleiner. Und über allen möglichen Vorspeisen trohnt mein absoluter Favorit, meine Mother of all Vorspeisen, mein vorspeisiges Shangri-La, meine Vorspeise um alle zu knechten, mein…na, ich denke es ist klar was ich meine. Eben mein Lieblingsessen. Und es ist:

Vitello Tonnato.

Das sind (falls das jemand nicht kennt) hauchdünne, gebratene in Weißwein gegarte Kalbfleischscheiben mit einer Thunfsich-Kapern-Sauce. Mehr ist das im Grunde genommen nicht. Aber das ist ein Gericht, so bald ich irgendwo bin, wo das auf der Karte steht, muss ich das sofort bestellen. Keine Ahnung warum, das ist so ein komischer Zwang. Vielleicht weil ich das perfekte VT suche. Und deswegen jedes probiere, dass ich in die Finger kriege. Ich hab schon fantastische Versionen dieses Gerichts weltweit gegessen und muss sagen, dass die Ausfall-Quote, also die Vitellos, die richtig daneben gegangen sind, wunderbar gering ist. Es kommen vielleicht zwei Schlechte auf fünf Gute, würde ich sagen. Das ist erfreulich.

Das Gericht findet sich auch längst nicht auf jeder Karte. Ebenfalls ein Grund, es jedes Mal zu essen, wenn man die Gelegenheit dazu bekommt. Ich hab es auch noch nie selbst gemacht, obwohl ich ja gerne koche, vor allem leckere Dinge, aber da trau ich mich irgendwie nicht. Sollen es doch die anderen verkacken, ich nicht! Man muss auch nicht alles selber kochen. Es muss einfach ein paar Dinge geben, die man machen lässt.

Das zarte Kalbsfleisch in dieser sämigen, salzigen Creme, die so herrlich fischig schmeckt und durch die Kapern noch diese ultrastarke Zitronennote kriegt, die sich mit dem milden Fleischgeschmack zu einem großen Ganzen ergänzen: Mir läuft schon bei der Vorstellung das Wasser ganz schrecklich im Mund zusammen. Ich bin sowieso immer wieder erstaunt, wie genau sich Geschmäcker in Lieblingsgerichten zu einem Erlebnis kombinieren und versuche das irgendwie nachzuvollziehen. Aber bei Vitello Tonnato ist mir das ebenso rätselhaft wie bewusst. Und wenn ich am Ende den Teller noch mit Brot “saubermache”, dann bin ich glücklich. Ich glaube, dass meiste Glück hab ich sowieso der italienischen Küche zu verdanken. Lustigerweise habe ich Vitello nie so richtig damit in Verbindung gebracht, keine Ahnung warum. Ich finde, viele italinische Gerichte haben eine Art gemeinsamen “Stamm”, das VT fällt da immer aus der Reihe. Eventuell ist es mir auch deswegen so sympathisch.

Ich achte in letzter Zeit viel mehr auf meine Ernährung, fange an, auch durch meine Tochter, öfters vegetarisch zu essen. Ich war nie der größte Fleischesser, aber ab und zu mochte ich das. Ein tolles Schnitzel oder ein fresher Burger. Super. Langsam aber sicher, baue ich das ab. Ich überlege sogar schon, Attila Hildmans Vegan-Challenge mal auszuprobieren. Warum denn nicht? Schaden kann es sowieso nichts. Mir sind die Tiere dabei ehrlich gesagt gar nicht so wichtig, ich bin nicht so der Tierschützer-Chabo oder der riesen Tierliebhaber (nie ein Haustier gehabt). Aber das aller-aller-aller-meiste Fleisch, dass wir essen, ist nunmal ziemlicher Dreck, da muss man sich gar nix vormachen. Ist halt so.

Worauf ich aber hinaus will, ist: Wo auch immer meine Ernährungswege mich hinbringen werden: Ich werde mir nachwievor kein einziges Vitello Tonnato entgehen lassen, dass mir vorgesetzt wird. Bis ich das perfekteste der Welt gefunden habe. Ich sag euch dann auch gerne, wo das war. Mampf!



Zwischenfrage

Ist nicht die Tatsache, dass der Mensch von sich aus gelernt hat, künstlich zu befruchten, auch ein weiterer Evolutionsschritt und somit “natürlich” und wiederum somit “von Gott gewollt”?



Wie mich eine Papp-Spielhölle mal zum weinen brachte.

Scheiss doch auf alle Diskussionen, auf den ganzen Hass, mit dem sich alle gerade im Internet gegenseitig bewerfen. Vergesst das alles. Denn es gibt Geschichten, bei denen ist man glücklich das es das gibt, dieses Netz. Wo sich Fremde im nullkommanichts miteinander vernetzen können, um etwas Gutes zu schaffen. Um einen wunderschönen Moment zu erzeugen, der so nie wieder kommt. Und der durch nichts in der Welt aufgehalten werden kann. Und der, ist er einmal passiert, auch nie wieder weggenommen werden kann.

Ich glaube das ein Film wie dieser Tausend mal mehr erreicht, als jeder aufklärende Film. Ich glaube das die Magie, die dahinter steckt, mehr Frieden stiftet, als alles andere. Das jeder, der das sieht, so berührt ist (selbst wenn er es nicht zugibt), das er dieses Gefühl weiter mit sich rumträgt und im besten Falle auch weitergibt. Ich glaube sehr an die positive Wirkung guter Taten. Nichts finde ich inspirierender, als Menschen die andere Menschen gerne glücklich machen. Danke für diese wundervollen 10 Minuten, von denen sich jede Sekunde lohnt. Danke Internet, dass du so tolle Sachen machst. Deswegen lieb ich dich so, nicht wegen dem anderen Scheiss. Genug gequatscht, sofort gucken:


[VimeoDirektCainesSpielhalle]



Kartoffelsackkörper

Mein Name ist Nilz und ich bin fett. Ich war das nicht immer. Ich war zwar schon immer etwas kräftiger (ausser als kleiner Junge, da war ich wirklich nur Haut und Knochen), aber es war irgendwie immer okay. So ein kleines Pläuzchen, damit konnte ich leben. Ein Adonis würde aus mir sowieso nie werden.

Nein, das Unheil nahm seinen Lauf, als ich die Entscheidung traf, gesünder zu leben. Ich hab vor zwei Jahren mit dem Rauchen aufgehört. Das war das Problem. Von nun an nahm ich munter zu. Nicht nur, weil ich zu Snacks griff, um eine orale Ersatzstimulanz zu haben, sondern auch weil Rauchen - zumindest bei mir - auch komplete Mahlzeiten ersetzt hatte. Auch das ist nicht das gesündeste, aber es hat geklappt. “Satt rauchen” hab ich das immer genannt. Ich hab mich zu der Zeit zwar auch nicht gesünder ernährt, aber eben nicht so viel davon in mich reingestopft.

Seitdem ich nicht mehr rauche, ist das anders. Ich muss dreimal am Tag essen, sonst wird mir übel. Manchmal esse ich dann so viel, das mir davon übel wird. Jeder meiner Versuche, wenigstens das viele Essen, das ich in mich reinstopfe, durch halbwegs gesundes Zeug zu ersetzen, hielt nie länger als 2,3 Tage, da waren plötzlich wieder Toasterschnitzel im Kühlfach. Oder Toast! Immer überall nur Toast! Toast, Toast, Toast! Ich seh schon selber aus wie ein Toast!

“Hör auf zu jammern und tu was dagegen!”, höre ich die neunmalklugen, schlanken Menschen rufen. Ja, gut, sicher. Das weiß ich auch selber, ihr Nasen. Aber ich habe mein Leben lang Sport gehasst und ich kann zwar auch gutes Essen zubereiten, nur für mich alleine hab ich meistens keine Lust auf den Aufwand. Wobei: Zuletzt hatte ich wirklich zum ersten Mal im Leben das Gefühl, mich auspowern zu wollen. Da war ich ganz glücklich. Es gibt also noch (sportlich gesehen) Hoffnung für mich! Aus lauter Freude hab ich mir erstmal eine Cola geholt.

Es gibt da dieses Fitnessstudio, an dem ich öfters vorbeilaufe. Und jedesmal ist das proppevoll. Da stehen Typen mit Supermuskeln nebeneinander und stemmen Gewichte oder drücken irgendwelche Maschinen zusammen oder was auch immer die da machen. Da könnte ich niemals hingehen. So nah beieinander, sehen wie der Andere schwitzt, am Ende vielleicht sogar mitleidige Blicke - oder welche die man so interpretiert. Furchtbar. Auf gar keinen Fall. Bei mir um die Ecke gibt es auch ein Studio, da wollte ich schon immer mal hin und mir das angucken. Aber ich hab ja keine Sportsachen!

“Dann geh schwimmen, das ist sowieso der beste Sport, weil der alle Muskelpartien…” Stop! Brauchst nicht weiterreden. Ich kann nicht schwimmen.
“Dann geh laufen, das ist sowieso der beste Sport, weil der für die Ausdauer gut ist, man kann es überall machen und…”, es ist stinklangweilig!

“Dann sei so zufrieden mit dir. Unterwirf dich nicht diesem medial auferlegten Schlankheitswahn! Guck mal, Adele…” Ich bin aber nicht zufrieden. Ich hab mir immer gesagt: Man ist ab dann zu fett, wenn man den eigenen Löres beim duschen nicht mehr sieht, wenn man ganz gerade an sich hinunterguckt. Ich muss zwar den Bauch ganz rausdrücken und den Hals etwas zurücknehmen, damit es wirklich gerade ist, aber dann seh ich nur die Halbkugel mit dem Loch, nicht was dahinter liegt. Das ist schlimm. Oder meine Shirts: Bei der Hälfte meiner T-Shirts baumelt der Saum mittlerweile frei in der Luft, anstatt den Hosenbund zu berühren! Und komm mir nicht mit Adele, die ist das typische Dickerchen, das sich der Pop leistet. Aber immer nur eine. Und sie soll immer fröhlich sein, sonst mögen wir sie nicht mehr!

Fett sein ist scheisse. Keuchend die Treppe hochgehen. Bei jeder etwas fordernden Bewegung sofort schwitzen. Das ist alles Scheisse. Aber auf Süsskram und Ekelessen verzichten, fällt mir auch schwer. Vor allem weil es immer so schnell geht. So bequem ist. Ja, mein Gott, in manchen Dingen bin ich faul. Aber kann man nicht auch irgendwie faul schlank werden oder zumindest ein gewisses Gewicht halten? Operationen natürlich ausgeschlossen (Und mit dem Rauchen kann ich auch erst in fünf Jahren wieder anfangen…aber das ist eine andere Geschichte)?

Wahrscheinlich nicht. Schlank sein/bleiben ist Arbeit. Wie alles andere im Leben auch. Immer muss alles Arbeit sein. Es heisst ja auch “an sich arbeiten”. Ätzend. Aber mir wird keine andere Wahl bleiben. Denn vermutlich wird sich mein Organismus nicht mehr auf übertriebene Verbrennung umstellen. Und in diesem viel zu weiten Körper zu bleiben, ist ja auch keine Lösung.

Dir Frage bleibt also: Wird es eine Möglichkeit geben abzunehmen, die mir am Ende womöglich sogar Spass macht?



Zensur des Herzens

Ich hab hier einen Text und bin unsicher ihn zu veröffentlichen. Es ist ein sehr intimer Text, der sich um meine momentane, emotionale Situation dreht. Allerdings ist er eher wie ein Tagebuch-Text, in dem man seine tiefsten Gefühle versucht aufzuschreiben. Und auch wenn ein Blog ein Tagebuch im Netz sein soll, so denke ich nicht das jemand diesen Text (jetzt schon) lesen sollte. Ausser mir. Und vielleicht die Person, um die es geht. Aber ich möchte ihr den nicht geben. Dann wirkt das so, als hätte man den nur für sie geschrieben. Das möchte ich nicht. Deswegen überlege ich eben den zu bloggen. Weil, dann kann sie den immernoch “entdecken”. Vermutlich müsste ich sie sanft hinstossen. Aber. Wenn die den dann scheisse findet, dann steh ich doof da.

love(Bild von Julene)

Der René hat mal, vor einer Weile schon, gesagt dieses Befindlichkeitsbloggen sei vorbei. Die Nummer sei durch. Und ich hab den Kopf geschüttelt und daran gedacht, das doch gerade das bloggen ausmacht. Aber jetzt hab ichs rausbekommen: Befindlichkeitsbloggen ist gar nicht per se vorbei. Wir werden nur älter. Und wertschätzen Emotionen anders, vor allem die eigenen. Ich mag Befindlichkeitsbloggen, wenn es extrem verklausuliert ist und man keine Rückschlüsse mehr ziehen, die Person um die es geht aber trotzdem ein fröhliches Herz haben kann. Aber der Text, den ich gerade hier nicht hinschreibe, der ist zu konkret formuliert, das funktioniert so nicht.

Netzaktivisten würden wohl jetzt schon von “Zensur” reden. Und sie haben Recht. Die Zensur des Herzens. Nichts ist wichtiger.



Sachen denken

Das ist ja so ne Sache mit dem so ne Sache sein. Viele Sachen träumen davon, so ne Sache zu werden, aber bleiben am Ende doch nur einfache Sache. Oder noch schlimmer: Landen beim Sachbearbeiter, der bearbeitet sie dann so lang, bis sie keine Sache mehr sind, erst Recht nicht so ne Sache, sondern so was konkretes wie ein Niesanfall. Oder ein Eifersuchtsdrama. Oder dicke Eier. Zwar noch sächlich, aber eben nicht mehr sachlich. Weiter entfernt sein kann man dann nicht mehr von so ner Sache.

Die Sachlage ist relativ entscheidend dafür, was so ne Sache wird oder nicht. So wird etwas mit Kopf voran selten zu so einer Sache. Wenn aber die Lage so ist, das es mit dem Herzen vorraus gebiert, dann stehen die Chancen exorbitant gut. Wie gesagt: Das ist halt so ne Sache, aber nicht nur mit dem so ne Sache sein, sondern auch mit dem so ne Sache werden. Das ist ja kein Ausbildungsberuf, wo man ins BIZ geht und nach einem dämlichen Test sagt einem der Computer mit Roboterstimme: “Sie werden so ne Sache. Noch einen schönen Tag.” und dann kriegt man am Ausgang ein ausgedrucktes Blatt in die Hand auf dem steht: “Ausbildungsziel: So ne Sache.” und man meldet sich in einer Werkstatt, die wohl auch schonmal so ne Sache gemacht hat und die können einem auch nicht weiterhelfen, das mit der Sache sei so ne Sache, das war wohl mal eine Lach- und Sachgeschichte gewesen, die sich so verselbstständigt hatte und seitdem käme jeder in die Werkstatt und wolle so ne Sache, aber das würde gar nicht gehen, weil wenn die so ne Sache in Massenproduktion machen würden, dann wärs eben nicht mehr das, was die Leute wollen. Ach, es ist schon so ne Sache.

Ich sach mal so: Ob man es hart oder sachte angeht tut nichts zur Sache, erst Recht nicht “so ne”. So ne Sache ist ein Naturphänomen, das kann man nicht erzwingen. So ne Sache ist sozusagen der Trüffel unter den Sachen. So ne Sache ist der Halleysche Komet der Sachen, der Sechser im Lotto, die blaue Mauritius der Sachen. Und das, obwohl es gar nicht so einfach ist! Das ist nämlich so ne Sache….